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15. Juli

Montag

Botha habe Befehl gegeben, sämmtliche englische Gefangene zu erschießen, falls die Engländer fortfahren, holländische Auf­ständische zum Tode zu verurtheilen.

London, 12. Juli.Daily News" veröffentlicht den Brief einer -Krankenwärterin aus einem der Puren-Konzen- trations-Lager, worin mitgetheilt wird, daß die Zustände in dem Sager, äußerst traurige seien. Die Nahrung sei unge­nügend, die Zahl der Todesfälle sehr groß.

Berlin, 15. Juli. Wie dasKleine Journal" aus' London meldet, veröffentlicht das Kriegsamt folgendes Telegramm Kitcheners aus Pretoria vom 13. ,ds. Mts.: In der Kap-Kolonie verbrannten Schafhirten öffentliche Gebäude und einige Farmen. Die Truppen des Generals Dixon erreichten Zeerust, stießen auf einigen Widerstand und machten viele Gefangene. Unsere Verluste sind: ein Leutnant todt, 3 Offiziere und 24 Mann verwundet, Die Kolonne Elliots erreichte Heilbronn. Die Brigade Broodwoods über­raschte Reitz und nahm den Bruder des Präsidenten Stein sowie andere Buren gefangen. Stein selbst entkam knapper Noth. Die sogenannte Oranje-River-Regierung allen Regierungs-Dokumenten fiel den Engländern in Hände.

Ans China.

mit mit die

Berlin, 15. Juli. Nach einer Pekinger Depesche Kleinen Journals" hat der englische Ober-Kommandant Gaselee gestern die Stadt verlassen, um nach England zurück­zukehren. Viele Offiziere glauben, daß es bald zu neuen Un­ruhen in China kommen werde, die eine Rückkehr der fremden Kontingente erfordern würden.

des

Nationalfest.

Berlin, 15. Juli. Wie dasBerliner Tageblatt" aus Paris meldet, ist das Nationalfest sehr animirt und ohne ernsten Zwischenfall verlaufen. Die Revue verlief programm­mäßig. Präsident Loubet sah ihr vom Pavillon aus zu, umgeben von sämmtlichen Ministern, Botschaftern u. s. w. Ter Kriegsminister General Andrä ritt die Front der Truppen a^ begleitet von einem großen Stabe, in dem sich die fremden Militär-Attaches befanden. Dann führte der Gouyerneur von Paris die Truppen bei dem Kriegsminister, dem Pavillon des Präsidenten und den Tribünen vorbei. .

Paris, 15. Juli. Nach der Parade richtete Präsident Loubet an den Kriegsminister folgendes Schreiben:Die Truppenschau, welcher wir soeben beiwohnten, war eine glän­zende Bestätigung der Fortschritte, welche die Ausbildung des Heeres jeden Tag macht. Diese Fortschritte /verdanken wir der erleuchteten Fürsorge der Vorgesetzten, dem nothwendigen Ver- trauen der Soldaten, der gemeinsamen Liebe zum Vaterlande, die^ beide verbindet und begeistert. Wir haben die Gewißheit, daß dieses bewundernswerthe Heer durch seine Stärke und Disziplin die sicherste Gewähr bietet für die Vertheidigung unse­rer Ehre und Interessen. Jedes Jahr jubelt die Bevölkerung von Paris den Regimentern zu, über die zu einer Stunde die Parade abgenommen ist, wo in allen Garnisonen Frankreichs unsere Fahne und unsere Soldaten mit demselben Vertrauen und dem­selben glühenden Patriotismus begrüßt iverden. In China sind unsere nationalen Farben mit Würde und Ehre getragen worden. Wenn unsere Truppen die einmüthige Achtung der Fremden erwarben, so geschah dies durch die Energie, Klugheit und den Patriotismus Derer, welche die französische Republick im fernen Osten vertraten. Ich empfinde innige Freude, dies seststellen zu können. Die Armee ist getragen von dem Ver­trauen und der Liebe des Landes. Diese innige Verbindung zwischen Armee und Nation wirb der Armee eine unwider­stehliche Kraft für die Vertheidigung des Vaterlandes und der Republik verleihen. Ich bitte Sie, dem Militärgouverneur von Paris und der Armee meine wärmsten Glückwünsche und die der französischen Regierung aussprechen zu wollen."

Politische Trinksprüche.

Borna, 14. Juli. Bei dem gestrigen Abschiedsdiner in Euxinograd brachte Fürst Ferdinand einen Trinkspruch auf Rußland als Schöpfer Bulgariens und des bulgarischen Heeres sowie auf Kasier Nikolaus, das russische Heer und ihre Flotte aus. Großfürst Michajlowitsch erwiderte mit einem Hochruf auf die bulgarische Armee, den Fürsten Ferdinand und die russisch-bulgarische Waffenbrüderschaft.

Grotzfeuer.

Berlin, 15. Juli. Nach einer Depesche aus Werdau brannte im benachbarten Leubnitz gestern früh die bedeu­tende Vigogne-Spinnerei von Wachs & Beckerts bis auf die Grundmauern nieder. Der Schaden wird auf nahezu eine halbe Million Mark geschätzt. Die Entstehungsursache ist unbekannt.

Zur Pestgefahr» Kapstadt, 15. Juli. (Reuter.) Während der letzten Tage kam kein neuer Pestfall vor.

Berlin, 14. Juli. Gegenüber einer in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten verbreiteten Meldung von einer am 14. August in Mainz stattfindenden Zusammenkunft des deutschen Kaisers mit dem König von England und dem Kaiser von Rußland können wir auf Grund zuverlässiger Informa­tionen mittbeilen, daß König Eduard erst gegen Ende August nach Deutschland kommen wird und die Reise-Dispositionen des Zaren überhaupt noch nicht endgiltig feststehen. Keines­falls aber wird Kaiser Nikolaus vor Anfang September zum Besuch seiner hessischen Verwandten auf Schloß Wolfsgarten eintreffen.

Berlin, 15. Juli. Der vom Könitzer Schwurgericht zu ^li Jahren Zuchthaus verurteilte Detektiv Schiller hat gegen dieses Urtheil Revision eingelegt.

Berlin, 15. Juli. Der amerikanische Botschaf.er am hiesigen Hose, White, theilt demKl. Journal" mit, daß er im September nach Amerika gehen werde, um seine Familie zu besuchen. Sein Verbleiben auf dem Berliner Posten werde von verschiedenen Erwägungen, besonders aber von gewissen Fragen abhängen, welche sich zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland in der kommenden Reichstags-Session ergeben dürften.

Kiel, 15. Juli. Die Kaiserin und die Kaiserlichen Prinzen finb an Bord derIduna" von Glücksburg hier eingetroffen.

Frankfurt a. M., 15. Juli. Gestern Abend lO1^ Uhr traf die Landgräfin von Hessen von Schloß Adolfseck kommend hier ein, um der morgen in Homburg stattfindenden Taufe ihrer Enkel beizuwohnen.

Siegen (Westfalen), 15. Juli. Gestern explodirte ein zum Böllerschießen beim gestrigen Schützenfest bestimmtes Pul­verfaß mit 50 Pfund Schießpulver Inhalt, das in einem Hause am Altenhof untergebracht war. Das Haus stürzte zusammen. 4 Personen sind todt und 4 schwer verletzt.

Rom, 15. Juli. Die italienische Regierung erlaubte dem englischen Geschwader, in den italienischen Gewässern zu manöoerireu. Da dies nach dem Landesgesetz verboten ist, so sehen die Blätter hierin einen Beweis, daß die Manöver im Zusammenhang stehen mit einem etwaigen Zusammenwirken beider Staaten in einem eventuellen Kriegsfälle. Die römischen Blätter fügen noch hinzu, daß zwischen beiden Staaten völliges Einvernehmen herrsche.

Rom, 15. Juli. Die Blätter melden: Crispi,ist von seinem gestrigen Unwohlsein völlig wiederhergestellt.

Madrid, 15. Juli. Gestern Abend fand hier eine sozialistische Versammlung statt. Zahlreiche Redner protestirten gegen die Haltung der Behörden der Provinzen Coruna und Sevilla. Die Redner befürworteten eine friedliche Resolution. Der Sozialistenführer Jglesia erklärte, er sei kein Freund der gewaltsamen revolutionären Mittel, zu denen man nur im äußersten Falle greifen würde.

Paris, 14. Juli. Eine von Studenten auf dem Sor­bonneplatze beabsichtigte Kundgebung zu Gunsten der B u r e n wurde von der Polizei verhindert.

Algier, 14. Juli. In der gestrigen Sitzung des Generalrathes kam es zu großen Tumulten und heftigen Zusammenstößen, weil Max Rögis den Präsidenten be­schuldigte, mehrere Individuen bewaffnet zu haben, um anti­semitische Personen in Algier von ihnen bei Seite schaffen zu lassen. Die Sitzung mußte schließlich aufgelöst werden.

Brüssel, 14. Juli. DieAgence Haoas" ist ermächtigt, die beunruhigenden Gerüchte, welche über den Gesundheits­zustand der Königin der Belgier im Umlauf sind, für unbe­gründet zu erklären. Die Königin, die heute eine Spazierfahrt unternahm, ist von ihrem vorgestrigen leichten Unwohlsein wieder vollständig hergestellt.

Kopenhagen, 15. Juli. Hier herrscht seit einigen Tagen ungeheure Hitze. Gestern sind, drei Personen am Hitz- schlag gestorben und eine große Anzahl Personen daran erkrankt. Gestern Abend hat' sich die Temperatur etwas ab­gekühlt.

London, 15. Juli.Daily Telegraph" undDaily Mail" beklagen sich heftig über die Censur, deren Abschaffung sie verlangen. Sie erklären, daß die Behörden dieses Mittel dazu benutzen, um dem englischen Volke die Wahrheit vorzu- enthalten.

London, 15. Juli. (Lloydmeldung). Das deutsche VollschiffNesaia" ist beim Einlaufen in den Hafen von Talcahnano (Chile) auf Grund gerathen.

London, 15. Juli. Einem dem indischen Amt vom Vizekünig zugegangenen Bericht zufolge haben sich die Ernte­aussichten um Vieles gebessert. Für die Saaten ist genügender Regen gefallen, ausgenommen in Pendschab. In einem Theile von Gudscherat sind nur einige leichte Schauer niederge­gangen. Auch in einem Theile von Dokken ist Regen dringend nöthig.

Pittsburg, 15. Juli. Der Präsident des Gesammtver- bandes der Stahlarbeiter ordnete an, daß die Arbeit in drei untergeordneten Gesellschaften des Stahlverbandcs nieder-

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geltg. wird. Die Zahl der Uvon betroffenen Arbeiter wird auf 70 000 geschätzt.

New-York, 15. Juli. Da die Verständigungs-Ver­suche zwischen den Vertretern des Metall-Arbeiter-Verbandes und den Direktoren des Stahlrustes zu keinem Resultat ge­langt sind, ist der Ausstand für heute verfügt worden. Es streiken 75,000 Mann.

Washington, 15. Juli. Der Werth der Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahre weist eine Zunahme von 93 000 000 Dollars auf.

Washington, 15. Juli. Im Westen und Süden hält d'e Hitze an. In Westmittori, Kansas, Oclahama und dem Jndianerterritorium herrscht fortgesetzt Trockenheit.

Buenos Aires, 15. Juli. (Lloydmeldung). Der deutsche DampferTonis" ist in der Nähe von Punta Mogotes gestrandet. Von Montevideo wurde Hilfe entsandt. Auch der Negierungsdampfcr bcgab sich an Ort und Stelle.

Sport.

Friedenau-Sportpark, 14. Juli. Die Radfahr- meisterschaft der Welt für Amateure über 2 Kilometer gewann Maitrot-Paris in 5 Min. 10 Sek. Zweiter wurde Vejtrübe-Prag, Dritter Struth-Mainz, Vierter Denny- Buffalo. Die Meisterschaft der Welt für Berufsfahrer über 2 Kilometer gewann Ellegaard-Odense in 3 Min. 29,2 Sek. Zweiter wurde Jaquelin - Paris, Dritter Schilling- Amsterdam, Vierter Arend-Hannover. Bei dem Match zwischen Ellegaard und Maitrot über 2 Kilometer um den vom Kaiser gestifteten Ehrenpreis, dem silbernen Humpen, siegte Ellegaard in 3 Min. 38,4 Sek. Bei der Ueberreichung des Ehrenpreises brachte der Preisrichter auf den Kaiser, als den erhabenen Förderer des Radfahrsports, ein dreifaches Heil aus, das jubelnd ausgenommen wurde. Daran schloß sich ein dreifaches Heil auf den Sieger Ellegaard.

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Ein eigenartiges Verbrechen fand vor dem Schwurgericht in Elbing seine Sühne. Der Knecht Heinrich Schindler, der früher bei dem Gutsbesitzer Palm in Rosenhain diente, hatte sich wegen versuchter Tödtung zu verantworten. Der Angeklagte schlief mit dem Knechte Kosanke in einem Raume. Am 27. Dezember vor. I. kam der Angeklagte spät in angetrunkenem Zustande nach Hause. Muthmaßlich bei einem Versuche» Licht zu machen, entstand im Stalle Feuer. Der Stall brannte nieder, 41 Kühe und 10 Pferde verbrannten mit. Der Angeklagte Schindler wurde von der Rosenberger Strafkammer wegen fahrlässiger Brandstiftung zu einem Jahr Gefängniß verurtheill. Bei dem Brande hat Schindler seinen schlafenden Mitknecht nicht geweckt, lief vielmehr aus dem Stalle, verschloß die Thüre von außen und öffnete auch nicht, als Kosanke um Hilfe schrie. Es gelang Kosanke schließlich, die Thür mit, Gewalt zu sprengen und so dem Feuertode zu entgehen. Die Anklage legt dem Schindler zur Last, die Thür deshalb verschlossen zu haben, um den schlafenden Kosanke verbrennen zu lassen. Die Geschworenen bejahten denn auch die Schuldfrage wegen versuchter Tödtung, ließen dem Ange­klagten aber mildernde Umstände zu Gute kommen, worauf er zu vierjähriger Gefängnißstrafe verurtheilt wurde.

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