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Zweites Blatt

Vierteljährlich

Für Stadt-

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Nr. 154

Bezirks -Fernsprechanschluß Nr. 98.

Freitag den 5. Juli

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

1901

Hauptversammlung des Deutschen Dereins für Knadenhandardeit.

Ulm, 1. Juli.

Am 29. und 30. Juni hielt dahier der Deutsche Verein für Knabenhandarbeiten seine diesjährige Hauptversammlung ab. Für die Verhandlungen und die Ausstellung von Schüler­arbeiten war von der städtischen Behörde in entgegenkommendster Weise der prächtige Saalbau zur Verfügung gestellt worden. Nach dem vom Ortsausschuß vortrefflich zusammengestellten und durchgeführten Programm gingen den Verhandlungen voraus: am Abend des 29. Juni eine gesellige Zusammen­kunft auf der Wilhelmshöhe, iodann am Morgen des 30. Juni Besichtigung von Sehenswürdigkeiten der Stadt, Kirchen­konzert im Münster und ein von der Stadt den Theilnehmern dargebotenes Frühstück.

Um 113M Uhr eröffnete der Vorsitzende des deutschen Vereins, Herr von Schenckendorff (Görlitz) die Hauptversammlung, indem er zunächst die erschienenen Gäste herzlich begrüßte, insbesondere den Vertreter des Würltem- bergischen Kultusministeriums, den Herrn Oberkonsistorialraih Wunderlich. Der Einladung des Gemeinderaths zu Ulm, hier einmal zu tagen, fei der Verein um so lieber gefolgt, als in der Württembergifchen Abgeordnetenkammer von hervorragen­der Seite die Frage der staatsseitigen Förderung des Knaben­handarbeitsunterrichts angeregt und von dem Unterrichts­minister in wohlwollender Weise beantwortet worden sei. Derselbe wende dem deutschen Verein neuerdings auch einen Jahresbeitrag von 400 Mark zu, wofür der Vorsitzende seinen Dank ausspricht. Auch habe sich erfreulicher Weise neuerdings ein Württembergischer Verein zur Förderung der Knabenhand­arbeit gebildet uno als Zweigvcrein des deutschen Vereins konstituirt.

In die Tagesordnung eintretend, sprach der Vorsitzende födann überZwanzig Jahre unserer Arbeit". Wenige Be­strebungen dürften mit so vielen Hinde, nisten und Mißver­ständnissen zu kämpfen gehabt haben, wie die des deutschen Vereins für Knabenhandarbeit. Dies habe aber die Kräfte und die Freude der Vorkämpfer nicht beeinträchtigt, sondern eher gestärkt. Als seine wichtigste Aufgabe habe der Verein von jeher angesehen, die Knabenhandarbeil zn einem auf päda­gogischer Grundlage sich aufbauenden Unterrichtsgegenstande zu machen, also Lehrgang und Lehrart für die verschiedenen Arbeitsrichtungen und Altersklassen auszubilden. Der Verein habe sich und seine Einrichtungen neben der Schule entwickelt, und es seien zur Zeit in Deutschland an tausend Schüler­werkstätten im Betrieb. Daneben seien freie Versuche im Rahmen des Schulunterrichts willkommen gewesen. Es werde kein zwangsweiser Einlaß in die Schule gefordert, sondern

Feuilleton.

Mke für Hit Schmit.

Der beginnende Ferien-Reiseverkehr gibt einem sach­verständigen Freunde unsers Blattes Veranlassung zu einer Mahnung. Auf Routen, die sich erfahrungsmäßig einer starken Begünstigung durch das Publikum erfreuen, sind folgende Fingerzeige zu beachten:

Bei der Voraussendung des Reisegepäcks ist auf guten Verschluß und besonders auch auf gleichzeitige gute Verschnürung der Reisekörbe zu sehen. Die Schlösser sind in vielen Fällen nicht gerade solid gewählt. Tritt nun der Fall ein, daß beim Werfen eines Korbes der Verschluß sich öffnet, so ist der In­halt immer noch gegen eventuellen Diebstahl gesichert, voraus­gesetzt, daß eine wirklich feste Verschnürung vorhanden war. Sehr wichtig ist es, daß jedes Frachtstück mit deutlicher Adresse versehen ist, hauptsächlich darf die Empfangs-Eisenbahnstation nicht fehlen.

Bei Badeorten empfiehlt es sich, den Namen des Empfängers außer der vorschriftsmäßigen Signirung an­zugeben. Kann die Signirung durch Aufkleben von starkem Papier nicht erfolgen, dann wähle man entweder eine feste Holztafel oder ein Stück Leder, welches recht fest, also mit festem Bindfaden (nicht etwa Baumwolle (!), wie sie unsere Frauen zuweilen wählen) am Korbe befestigt sein muß. Es läßt sich ebenso gut auf Holz als auch auf Leder schreiben. Ueber die Verpackung flüssiger Waare, als Spiritus, Wein, Petroleum rc., sowie auch der Kochapparate von Glas, dürfte das Publikum dahin zu belehren sein, daß solche Gegenstände nicht in Reisekörbe verpackt werden dürfen, sondern daß hierzu feste Stelen zu wählen sind, die einige Tage vor der Abreise als Eil- oder Frachtgut auszugeben sind. Passirt nämlich

eine ganz allmähliche Entwickelung auf Grundlage der Frei­willigkeit der Gemeinden. Die Bestrebungen des Teutschen Vereins liegen in der Kulturatmosphäre der Zeit und sie werden daher ihre Verwirklichung finden trotz aller Gegner­schaft, die übrigens, wie mit Genugthuung festzustellen fei, mehr und mehr zurückgehe.

Nach den hierauf folgenden Ansprachen der Vertreter staatlicher und kommunaler Behörden spricht Seminar- direkior Dr. Papst (Leipzig) überDen Knabenhand­arbeitsunterricht im Ausland, insbesondere in Frankreich, als Lehrgegenstand der Volksschule". Auf Grund eigener Be­obachtungen in den Volksschulen von Paris und unter Hinweis aus vorgelegte Proben von Schülerarbeiten schilderte er ein­gehend die geschichtliche Entwicklung im Handarbeitsunterricht, wie er in 133 Schulen der Stadt Paris gehandhabt wird. Die Stadt Paris verwende alljährlich große Summen auf die Förderung des genannten Unterrichtsfaches, dem man einerseits eine erhebliche Bedeutung sür die Ausbildung tüchtiger Kunst­handwerker u. s. w. beimeffe, wie man es andrerseits als ein vorzügliches Mittel der allgemeinen Erziehung schätze. Als interessante Parallele zu den Ausführungen des Dr. Papst erschien der dritte Vortrag, gehalten von Schulinspektor Scherer (Worms) überDie Versuche zur obligatorischen Einführung des Handfertigkeitsunterrichts in den vier unteren Klaffen der deutschen Volksschule". Ausgehend von der Ver­änderung der Bildungsideale durch die Fortschritte im Kultur­leben und in der Wissenschaft zeigt er, daß dem Unterricht in der Volksschule heute andere Ziele gesteckt und zu deren Er­reichung andere Mittel anzuwenden seien als etwa vor 50 Jahrm. Zu der Darstellung in Sprache und Zeichen müsse die körperliche Darstellung kommen, welche sowohl im Dienste des ABE der Anschauung als in dem der Kunst stehe. Hierauf legt der Redner eingehend dar, wie der die körperliche Dar­stellung bezweckende Handfertigkeitsunterrichl in der Volksschule in Worms als obligatorischer Lehrgegenstand in den vier unteren Klaffen durchgeführt wird, und gibt im Anschluß daran noch einen Ueberblick über den ebenfalls daselbst obligatorisch eingeführten Handfertigkeitsunterrichl in den vier oberen Klassen der Volksschule. Schließlich weist er darauf hin, daß sich die verschiedenen Richtungen von Hertel, Kumpa, Springer, Brückmann, Scherer und die des Deutschen Vereins leicht zu einem einheitlichen Lehrgang vereinigen lassen. An der daraus folgenden lebhaften Besprechung, an der sich außer den Vortragenden namentlich Stadtschulrath Dr. S i ck i n g e r (Mannheim) ui$ Gymnasialrektor Dr. Hirzel (Ulm) betheiligten, wurde die Frage des Betriebs des Knaben- arbeitsunterrichts von dem Standpunkte der Volksschule sowohl wie dem der höheren Schulen eingehend erörtert und alsdann auf Antrag des Vorsitzenden seitens der Versammlung die Er-

durch Auslaufen der Flaschen rc. ein Malheur, so haftet die Eisenbahn nicht nur nicht für den Schaden, welchen der Be­sitzer erleidet, sondern sie macht ihn sogar verantwortlich, falls andere Gegenstände in Mitleidenschaft gezogen werden. Soweit die Voraussendung des Gepäcks.

Wegen der zumeist am Tage der Abreise aufgegebenen Bettsäcke empfiehlt es sich, nur gutes, haltbares Material zu wählen. Man stelle keine allzugroßen Kolli her, sondern presse die Bettstücke und schnüre die Betten, bis ein kleinerer Umsang erreicht wird. Ein Stück weißer Leinwand mit genauer Angabe des Namens und der Station soll auf den Sack genäht werden. Passirt es dann im regen Geschäfts­trubel, namentlich am Schulschlußtage, daß ein Kolli falsch verladen wird, so währt es nicht lange und die ermittelnde Station sendet es, sofern es mit ordnungsmäßiger Signirung versehen ist, sofort an den richtigen Stationsort ab.

Man ersieht hieraus, wie wichtig eine deutliche Adreffe ist.

Die Uhr als Kompaß.

Da zur Zeit viele Ausflüge gemacht werden, dürfte es interessiren, ein Mittel kennen zu lernen, das uns in den Stand setzt, mit Hilfe der Taschenuhr die Himmels-Rich­tungen zu bestimmen. Das Verfahren, mit Hilfe der Taschenuhr zunächst die Nordrichtung zu ermitteln, beruht darauf, daß einer scheinbaren Umdrehung der Sonne um die Erde zwei Umdrehungen des kleinen Zeigers der Uhr entsprechen.

Um also mit Hilfe der Uhr den Norden zu ermitteln, ver­fährt man folgendermaßen: 1. man hält die Uhr horizontal; 2. man dreht die Uhr so, daß der kleine Zeiger und der von diesem geworfene Schatten übereinander liegen. Die Linie nun, welche von der Mitte der Uhr aus gezogen wird und durch die Mitte des Zwischenraumes hindurchgeht, der zwischen dem kleinen Zeiger unb der Zahl 12 liegt (und zwar auf der

klärung gutgeheißen, daß der Deutsche Verein nach wie vor einer allmählichen Entwickelung des Knabenhandarbeitsunter­richts auf Grundlage der Freiwilligkeit der Gemeinden das Wort rede.

Ueber die wirthschaftliche Lage des Vereins berichtete der Vereinsschatzmeister Landesrath .Schmedding (Münster i. W.) Die Einnahmen, unter denen sich 18 900 M. an Zuschüssen verschiedener Staaten und 4 984 M. Mitglieder- Beiträge befanden, haben pro 1900 im Ganzen 28 418 M. betragen. Den Hauptantheil an den Ausgaben haben Zu­schüsse für Unterhaltung des vom Verein in Leipzig einge­richteten Seminars zur Ausbildung von Lehrern sowie Unter­stützungen von Lehrwerkstätten und Lehrern. Zur Sicherung der Pensionsansprüche der Beamten des Vereins hat dieser einen Reservefond von 50 000 M. anzusammeln, wovon be­reits 35 000 M. zusammengebracht sind.

Mit herzlichem Dank an die Stadt Ulm, den Ortsaus­schuß, sowie diejenigen Gemeinden und Anstalten, die sich an der höchst instruktiven Ausstellung von Schülerarbeiten be­theiligten (darunter besonders die Städte Zürich und Ulm), schloß der Vorsitzende von Schenckendorff die erfolgreichen Ver­handlungen. Den Beschluß der Veranstaltungen bildete eine nach dem Mittagessen unternommene gemeinsame Fahrt aus der Donau in die Friedrichsau, allwo die Gäste reichliche Gelegenheit halten, das schwäbische Volksleben in seiner herz­erfrischenden Natürlichkeit kennen zu lernen.

politische Rundschau.

Eine neue Felvuniform erhalten, wie aus Breslau berichtet wird, die Truppentheile bereits in Form einer Litewka. Die Litewka wird in anderer Farbe als die bisherige blaue, und zwar felsgrau sein. Das neue Stück ist ein blousenartig geschnittener Rock ohne jede blinkende oder bunte Auffälligkeit. In der Art der Zusammensetzung entspricht die neue Litewka dem alten Waffenrock. Die verdeckte Knopfreihe wird durch sechs Hornknöpfe geschlossen, Achsel und Hinterschooß haben matte Metallknöpfe. Der Umlegekragen ist aufgeschlagen 8 Zentimeter hoch, der Umfall 5 Zentimeter breit, die Binde ist am Kragen mit Schleifen befestigt. Die neue Litewka soll sich namentlich bei großer Hitze zum Felddienst, Manöver, Krieg, wozu sie bestimmt ist, vorzüglich eignen. Die alten Röcke sind für den Dienst in der Garnison. Damit würde die graue Litewka, die von unserer Kavallerie und unseren Jäger-Ba­taillonen schon seit mehreren Jahren als sehr praktisches Klei­dungsstück geschätzt wird, auch bei der Infanterie und Artillerie, für welche Truppengattungen sie schon vor langer Zeit als Nothwendigkeit gefordert wurde, eingeführt. Eine Felduniform neben der jetzigen, die dann nur noch als Paradekleid anzu-

Seite, auf welcher der Zwischenraum der kleinste ist), zeigt Norden an.

Nehmen wir an, es sei 7 Uhr 45 Minuten morgens, und wir wollen wissen, wo Norden liege, um uns dann auf unserer Karte zurecht finden zu können. Wenn wir die Uhr horizontal halten und sie so drehen, daß der kleine Zeiger genau seinen eigenen Schatten deckt, so wird der kleine Zeiger und die Zahl 12 einen stumpfen Winkel bilden, dessen Mittel­linie etwas vor der Zahl 10 hindurchgeht und Norden an­gibt. Statt diese Mittellinie zu ermitteln, kann man auch einfach auf der Uhr die Anzahl der Minutenstriche zählen, welche zwischen dem kleinen Zeiger und der Zahl 12 liegen; die Nordlinie geht dann genau durch die Mitte dieser Minuten­striche hindurch.

Wenn es dagegen 4 Uhr 10 Minuten wäre und die Sonne zu unserer Linken steht, so würden wir ebenfalls den kleinen Zeiger und desfen Schatten übereinander bringen und würden dann finden, daß die vom Mittelpunkt aus zu ziehende Mittellinie des von den Zahlen 12 und 4 gebildeten Winkels dicht an der Zahl 2 vorübergeht. Würde man, statt die Mittellinie des kleinsten Zwischenraumes zwischen der Zahl 12 und der betreffenden Stundenzahl zu wählen, die Mittellinie des größten Zwischenraumes berücksichtigen, so würde man natürlich die Südlinie erhalten.,

Bei dieser Methode könnte nur einmal Zweifel entstehen, und zwar um 6 Uhr morgens oder um 6 Uhr abends. Um jeder Schwierigkeit zu entgehen, genügt es, sich daran zu er­innern, daß die Sonne um 6 Uhr früh im Osten und um 6 Uhr abends im Westen steht.

Albumblätter.

Jeder Mensch muß nach seiner Weife denken; denn er findet auf seinem Wege immer ein Wahres oder eine Art von Wahrem, die ihm durchs Leben hilft; nur darf er sich nicht gehen lassen; er muß sich kontrolliren; der bloße nackte In­stinkt geziemt nicht dem Menschen. Goethe.