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Dirs französtfche Gelbb «ch über China. Paris, 3. Juli. Nach dem Gelbbuch über die chinesischen Angelegenheiten lenkte Delcasss in der Depesche vom 19. November die Aufmerksamkeit des Gesandten auf die Meldungen einiger Zeitungen über die Plünderung und Zerstörung der kaiserlichen Gräber seitens französischer Truppen. Der Gesandte antwortete am 25. November, daß die Kaisergräber weder eröffnet noch geplündert seien. Die Franzosen besetzten sie zum Schutze; gleichzeitig sollte dadurch eine Pression auf den Hof ausgeübt werden. Am 18. Januar meldet der Gesandte, daß er sich im Einverständniß mit dem französischen Generalstabe bemühe, die Folgen der Besetzung des Landes durch, fremde Truppen möglichst abzuschwächen und die Bevölkerung zu schützen. Die ergriffenen Maßregeln würden von den Chinesen anerkannt. Li-Hung-Tschang habe namens der Bevölkerung wiederholt seinen Dank ausgesprochen. Die Chinesen verlangten nicht nur in Peking, sondern in ganz Petschili unter französischen Schutz gestellt zu werden. Die letzten Schriftstücke sind die Depesche des Gesandten vom 15. Juni 1901 und die Antwortdepesche Delcassè's vom 18. Juni. In der ersten theilt der Gesandte mit, daß sich das ganze diplomatische Korps mit dem Bondssystem für die Zahlung der Entschädigungssumme einverstanden erklärte. Delcassè antwortet, daß auch die französische Regierung für dieses System sei, und zwar unter Garantie: 1. des Ertrages der einheimischen Zölle, 2. des zur Verfügung stehenden Ertrages aller Seezölle, 3. des Ertrages der Salzsteuer. Delcassè fügt hinzu, daß er in diesem Umerpfande, das für alle Regierungen zu gelten babe, die an der Expedition theilgenommen hatten, eine ernste Gcuautic sehe, die das Einverständniß unter den Mächten, die in China Interessen haben, aufrecht erhalten werde. Das Gelbbuch enthält ferner ein Telegramm des Gesandten Pichon vom 23. Februar 1901, betr. die von dem englischen Gesandten aufgeworfene Frage der Feststellung der Entschädigung der Missionen. Pichon erklärte, die Stellung der Missionen sei durch Verträge geregelt. Deshalb sei in dieser Hinsicht kein neuer Grundsatz aufzustellen. Die be- theiligten Gesandtschaften möchten gemäß den bisher von ihnen befolgten Regeln verfahren. Der deutsche Gesandte be- merkte, seine Haltung in dieser Frage entspreche der des französischen.
Erregung gegen die belgische Regierung. In Brüsseler burenfreundUchen Kreisen hat die Meldung, baß die Regierung den Kommandanten de Wet ersucht hat, feine Propaganda zu Gunsten der Buren in Belgien einzustellen, große Erregung hervorgerufen. Die Sozialisten werden demnächst die Regierung wegen dieses Verbots in der Kammer inter- pelliren. Der Regierung wird zum Vorwurf gemacht, biete Maßregel zu Gunsten der englischen Regierung verfügt zu haben. Andererseits wird gemeldet, daß in den Wahlbezirken von Gent, wo der Kabinelschef de Smet de Nayer gewählt worden ist, für die kommenden Wahlen ein burenfreundlicher Kandidat ausgestellt werden wird.
XVL Evangelischer Kirchengesangvereinstag für Deutschland in Cassel.
v.
Am Montag Mittag 1 Uhr fand im Evangelischen Vereinshause ein Festessen statt, an dem 60 Herren und Damen theilnahmen und an dem auch Herr Konsistorialpräsi- dent von Altenbockum von Cassel sich beiheiligte. Den langen Reigen der zum Theil ungewöhnlich gehaltvollen Toaste eröffnete Herr Generalsuperintendent Werner mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser. Den jubelnd aufgenommenen Trinkspruch auf den seitherigen Vereinsoorsitzenden, Herrn Wirkt. Geheimrath D. Hallwachs, Exzellenz, brachte Herr Professor v. Smend von Straßburg aus, während Herr Generalsuperintendent Pfeiffer die Festgäste, Herr Professor Budde von Marburg unsere theologische Jugend hochleben ließ und Herr Superintendent Nelle von Hamm der gastlichen Stadt Cassel und ihren Kirchenchören, dem Festkomitè und den Behörden, die den Vereinstag begrüßt, in beredten ungelesen bleiben. Zu den kleinen Aenderungen, die zwar im Hause gemacht werden, aber viel Zeit erfordern, zählen auch die jetzt als unumgänglich nöthig geltenden Kragenansätze. Man wählt statt des steifen, den Hals einengenden Stehkragens leichte Rosenfaltenrüschen von passender Gaze, die im Rücken höher als vorn stehend eine Art Condorkrause bilden; zwischen den Falten schmale Atlasbändchen Nr. 00 oder minimal kleine Streublümchen, Pailettes rc. Wie viel kostbare Zeit wird auf Anfertigung solcher Nippes verwendet, die angeblich zu jeder guten Toilette obligat sein sollen! Da meint manch junges Frauchen Wunder wie praktisch und sparsam zu sein, wenn sie sich solche Nippes selbst herstellt, ohne zu bedenken, daß der auf eitlen Tand gerichtete Sinn ihr Wesen verflacht, ihren Geist ernsteren Bestrebungen entfremdet.
In manchen Familien, namentlich in besonders töchterreichen, wird jahraus, jahrein geschneidert, moderni- sirt, auf Modelle Jagd gemacht, man glaubt mit der Selbstanfertigung zu sparen, vergißt aber, daß auch Zeit Geld ist. Vielleicht ließe sich doch die den Modellen gewidmete Zeit nutzbringender verwenden.
Eine Spezialität der neuen Mode ist der aus Taffet gefertigte, in Längsstreifen mit Soutache oder Säumchen aus- genähte Frack, der offenbar dem kurzen, wenig kleidsamen Bolero Konkurrenz machen soll. Die Damen tragen ihre Taffet-Fracks statt der Capes und Paletots, lassen sie vorn mit breiten Revers ausstatten, die mit Goldborten besetzt, mit breiten Gaze-Shawls unterbunden, trefflich kleiden. Natürlich muß man Figur für diese Fracks haben, sonst thut man besser, die halbweiten, in Längsfalten abgenähten Paletots zu wähle«, deren oberer Theil einem gestickten Bolero gleicht.
Für Reisetoiletten verwendet ma^ jetzt vielfach grauen Lindener Sammt, der sich, weil nicht Staub annehmend, sehr praktisch erweist. Blousen von farbigem Lindener Sammet sind ein echter Konsum-Artikel.
Wagenmäntel werden aus Hellem Tuch gefertigt, vorn breite, weiße Guipure überbrückt mit Hellen Tuchstreifen, die durch Gold- oder Perlmutterknöpfe zusammengehalten sind.
Donnerstag
Worten dankte. Herr Konsistorialpräsident von Altenbockum toastete auf den evangelischen Pfarrerstand, Herr Pfarrer Haas von Cassel auf die Dirigenten der Casseler Kirchenchöre und der „Musica sacra", während Herr Metropolitan R i e b e l i n g von Wolfsanger unter lebhafter Zustimmung dem Vorsitzenden des Ortsausschusses, Herrn Generalsuperintendenten Werner, sein Glas weihte. — Die kulinarischen Leistungen des Vereinshauses fanden ebenfalls alle verdiente Anerkennung.
Nachdem ein Theil der Festgäste am Nachmittag unter freundlicher Führung einen Ausflug nach Wilhelmshöhe gemacht, der leider durch den eintretenden Regen stark beeinträchtigt wurde, riefen die Glocken um halb 7 Uhr zu einem Geistlichen Konzert, das in der prächtigen Neuen lutherischen Kirche von den vereinigten Casseler evangelischen Kirchenchören in Gemeinschaft mit der „Musica sacra" veranstaltet wurde. Es , war der erhebendste und großartigste Schlußakkord, in dem die herrlichen Festtage ausklingen konnten. Die geräumige Kirche zeigte ficb, trotz des verhältnißmäßig hohen Eintrittsgeldes, bis fast zum letzten Platze besetzt. Das Programm der Kirchenchöre bildete der vorreformatortsche Choral „Mitten wir im Leben sind", der I. G. Herzog'sche Chor „Ich bin die Auferstehung und das Leben", I. Michael Bachs „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt", Melchior Franks Choral „Jerusalem, du hochgebaute Stadt" und, als krönender Abschluß des Ganzen, das gewaltige „Hallelujah!" aus Händels „Messias". Von dem hin und wieder etwas verschleppten Tempo abgesehen war die Wiedergabe sämmtlicher Nummern allerhöchsten Lobes werth. Die „Musica sacra“ hatte sich den Grell'schen Doppelchor „Benedictus, qui venit in nomine domini“, Albert Beckers achtstimmiges „Fürchte Dich nicht" und den Walter'schen Choral „Mit Fried' und Freud fahr' dahin" ausgewählt, die mit Ausnahme des zweiten, dessen Schluß durch ein kleines Versehen des Soprans nicht ganz glückte, als gesangliche Musterleistungen bezeichnet werden können. Solovoriräge für Sopran, Orgel und Cello ergänzten das Programm, deffen Ausführung von dem hohen Stande, dessen sich die evangelische Kirchenmusik in der lieben Stadt Cassel erfreut, das beste Zeugniß ablegte. Hohe Anerkennung wurde namentlich auch von den auswärtigen Festgästen nicht vorenthalten, und ergriffen und erhoben verließ die Gemeinde das Gotteshaus.
Abends beschloß dann ein F a m i l i e n a b e n d der Kirchenchöre Cassels im großen Stadtparksaale in schönster Weise das Fest. Nachdem Herr Generalsuperintendent Werner die Festversammlung begrüßt hatte, wechselten vortreffliche Ansprachen der Herren Superindent Nelle von Hamm, Stadtpfarrer Abel von Schwäbisch-Gemünd und Archidiakonus Lüpke von Cammin mit zündenden Gesangsvorträgen des Lutherischen Kirchenchors (Dirigent: Musikdirektor Spengler), des St. Martin-Kirchenchors (Dirigent: Cantor Klein) und des O bern eustäd t er Kirch en ch ors (Dirigent: Musiklehrer Ruhl! m wirkungsvollster Weise miteinander ab.
Große Freude erregte die Verlesung der folgenden beiden Antwort - Telegramme durch Herrn Oberkonsistorialsekretär Sonne: „Am ersten schweizerischen Kirchengesangstag sendet den deutschen Brüdern herzlichen Gruß der Schweizerische Kir cheii ge s a n gs b und". „Schweren Herzens vertrauend auf allseitige Nachsicht und treue Hilfe, füge ich mich dankend dem Wunsche des Centralausschusses, hoffend, den bisherigen Vorsitzenden als Ehrenpräsidenten des Vereins zur Seite haben zu dürfen, bis der Tod scheidet. Gortes Segen erwünschend, grüßt die Freunde Köstlin." Das im Anschluß an die Verlesung des letzteren Telegramms auf den neuen Vereinsvorsitzenden ausgebrachte Hoch fand bei der Festversammlung freudigste Zustimmung. Mit Dankesworten des Herr Generalsuperintendenten Werner und dem gemeinsamen Gesang von „Nun danket alle Gott" endete der harmonisch verlaufene Familienabend.
Eine Besichtigung einiger Sehenswürdigkeiten Cassels und ein Besuch der Carlsaue beschloß am Dienstag den herrlich verlaufenen XVI. Kirchengesangvereinstag in Cassel, der Allen, die ihn mit erleben durften, stets in lieber Erinnerung bleiben
Der neue Gesellschaftsmantel ist wie die Robe schleppend geschnitten, paletotartig mit weiten, in heller Seide gefütterten Aermeln.
Von all' den genannten Neuheiten werden unsere sich einfach kleidenden. Damen wohl wenig für sich verwenden können, aber wollte ich ihnen erzählen, worin das einfache Genre besteht, sie würden mir sagen, daß sie das längst wissen. Die Mode ist eben nur eine Freundin der oberen Zehntausend, die nicht nach dem Preise zu fragen haben. Die soliden Bürgerfrauen tragen ihre einfachen englischen Toiletten, ihre einfachen Paletots mit mehr oder weniger Schluß, ihre noch einfacheren Capes und versteigen sie sich zu einer reich garnirten Faltenblouse aus gestreifter Seide, so glauben sie schon ihren Etat überschritten zu haben. Und daß dem so ist, ist nicht zu beklagen. Die wenigsten verkörpern an sich all die Neuheiten, von denen sie gerne lesen und die sie noch lieber anstaunen, wie beispielsweise die Schöpfungen der Hutmode. Wer trägt die mit Kirschen, Pflaumen, Erdbeeren überladenen Hüte, die man uns in den Salons als letzte Neuheit zeigt, oder die mit einem Wulst von Tüll umgebenen tellerartigen, deren Deckel mit Vögeln bedeckt ist? Nur Diejenigen, die in eleganter Equipage dahinfahren, oder am Turf, in den Kurorten Aufsehen erregen wollen. Die Frauen des Mittelstandes begnügen sich mit einer hübsch garnirten Toque aus Bast, Hanf oder Tüll, ihre Töchter ziehen den praktischen, waschbaren Florentiner allen Phantasiehüten vor. — Auch die große Mode in Schirmen hat nur ein beschränktes Publikum. Zumeist gekauft werden Taffet-, Moire-, Bastschirme mit angewebten Bordüren, neben diesen lancirt man noch Luxusschirme mit seidenen Tüllschleiern überwallt, andere aus Gaze, die mit applizirten farbigen Rosen gemustert ist, farbige Plisse-Bezüge mit reich konfektionirtem Ünterschirm, Poiutlace-Decke mit Goldspachtelstickerei, sogar Sammetbezüge mit angewebten Chine-Borten. Großer Luxus wird in Gestellen und Griffen entfaltet. Da gibt es solche aus Altsilber, Tula-Silber, Gold, Perlmutter-, Schildpatt-, Koraölengriffe mit Email- und Edelstein-Einlagen, allerhand sezesstonistisch geformte roth-grüne Griffe, aber all
___ 4 Juli
wird. Möge er für die gute Sache, die die deutschen Kirchengesangvereine vertreten, viele und reife Früchte zeitigen!
H. Sonne.
Hus stab und fern.
Castel, 3. Juli. In Bezug auf das Bremer Attentat hatte der Graveur Eydam hier geäußert, die Lasche hätte den Kaiser besser treffen müssen. Auch über die Kaiserrede in der Kaserne des Alexander-Regiments hatte er den Monarchen beleidigende Aeußerungen gethan. Die Strafkammer ver- urtheilie ibn deshalb zu 6 Monaten Gefängn-ß.
FC. Eschwege, 3. Juli. Preußen hat nunmehr die Beschleunigung des Bahnbaues Eschwege—Eisenach amtlich zugesichert.
FC. Wiesbaden, 3. Juli. Die Schmiede sind dahier sammt und sonders in den Streik eingetreten. Sie verlangen eine Aufbesserung von 24—35 Pfg. pro Stunde und die Abschaffung des Kost- und Logisgebens seitens des Arbeitgebers, schließlich eine Löhnung alle acht Tage zahlbar. Die Arbeitgeber gehen auf diese Forderungen nicht ein.
St. Frankfurt, 3. Juli. Das „ Secessionsbrettl Schall und Rauch" im Orpheum hat seinem unterhaltenden Programm jetzt die „Don Carlos-Parodie" angefügt, welche in höchst amüsanter Weise eine Don-Carlos-Aufführung durch eine Wanderschmiere illustrirt.
):( Seligenstadt, 3. Juli. Ein hier in Pflege gegebener Schutknabe aus Groß Welzheim kletterte gestern in einer Hofraithe auf eine Stange, die er als „Reck" benützen wollte. Dabei stürzte er herab und erlitt trotz der geringfügigen Slurzhöhe einen komplizirten Bruch des linken Handgelenkes. ,,
Bandel, Gewerbe und Verkehr.
Saatenstand in Rußland. Der Kaiserliche Konsul in Libau berichtet unter dem 25. v. Mts.: Durch ben. im Laufe von drei Machen fast täglich hernieder gegangenen ausgiebigen Regen hat sich in diesem Amtsbezirk der Stand der Wiesen, Sommersaaten und Kartoffeln bedeutend gebessert, der des Roggens, in dessen Blüthezeit die Hauptniederschläge fielen, aber verschlechtert. Für Hafer und Gerste ist bei fortdauernd günstiger Witterung eine gute, für Roggen höchstens eine mittlere Ernte zu erwarten.
Ernteausstchten in Norwegen. Das Kaiserliche General-Konsulat in Christiauia berichtet unter dem 24 v. Mts.: Die Nachrichten über die Ueberwinterung des Getreides, die Bestellung der Frühjahrssaaten und die Ernteaussichten lauten aus dem ganzen Lande sehr günstig. Die Frühjahrsbestellung ist in diesem Jahre überall ein bis zwei Wochen früher als sonst und unter den günstigsten Witterungs- Verhältnissen beendet worden. Der nach ihrer Beendigung gewünschte Regen ist in den letzten Wochen reichlich gefallen. Die Wiesen haben seit Jahren um diese Zeit nicht so gut gestanden wie diesmal, und die schon für Ende dieses Monats erwartete Heuernte verspricht einen ungewöhnlich reichen und guten Ertrag. Auch für das Frühjahrsgetreide und die Wurzelgewächse hofft man überall im Lande auf ein besonders gutes Jahr. Nur hinsichtlich der Obstbâume wird stellenweise über zu viel Regen in der Blüthezeit und über Schädlinge geklagt.
Hus aller
elt.
Ungeheure Hitze herrscht seit einigen Tagen im östlichen Nordamerika. In Newyork stieg am Sonntag bie Temperatur an einzelnen Siellen der Stadt auf 38 Grad Celsius. Pferde fielen zu Dutzenden todt nieder. Verschiedene Personen wurden infolge der Hitze verrückt. So ließ ein Kutscher der elektrischen Bahn den Strom bis zur vollen Kraft an, und der Wagen sauste mit furchtbarer Schnelligkeit durch die Straßen, bis er in einen anderen Wagen hineinfuhr, wobei die Passagiere sich nur mit Mühe retten konnten. Die Hitze erstreckte sich vom Mississippi bis zur Atlantischen Küste. In
diese kostspieligen Neuheiten finden mehr Bewunderer als Käufer, und selbst das Bewundern, meint Tolstoi, ist „eitel Sünde", der Mensch sei zu Höherem geboren und müßte sich edlere Ziele stecken. Was aber würde wohl aus unseren mit großer Regie arbeitenden Modehäusern werden, wenn der russische Reformator mit seinen Anschauungen durchdränge?
Kunst und Ceben.
Ein merkwürdiger Fall von Infektion wird in der Wiener „Arbeiterztg." mitgetheilt. „Auf der chirurgischen Abtheilung des Professors Hochenegg war durch vier Monate der Buchhalter einer Bierbrauerei und Malzfabrik an der seltenen, sehr gefürchteten Strahlpilzkrankheit (Aktinomykose) in Behandlung. Der Patient hatte sich durch Zerbeißen eines Gerstenkorns in Lebensgefahr gebracht. Es wurde von ärztlichen Autoritäten wiederholt davor gewarnt, Getreidekörner, Aehren u. s. w. in den Mund zu nehmen, da an trockenem Getreide der Aktinomyces-Pilz haftet, der in die Schleimhaut des Mundes oder durch die hohlen Zähne in den Körper gelangt und die Vergiftung hervorruft. Im vorliegenden Falle mußten an dem Kranken zwanzig operative Eingriffe, darunter fünf große Operationen tn Narkose, vorgenommen werden. Erst nach siebenmonatiger schwerer Krankheit konnte der Patient als geheilt betrachtet werden. Er hatte seiner Genesung nur seiner sehr kräftigen Konstitution zu danken. Das Gerstenkorn hatte er nicht aus Spielerei, sondern in Ausübung seiner Be> rufspflicht in den Mund genommen, da er die Gerstenkörner auf ihre Mehligkeit prüfen wollte. Nach Ansicht der Aerzte hatte dieses mit Strahlpilz behaftete Körnchen durch einen hohlen Zahn oder durch ein Bläschen im Munde die Vergiftung heroorgerufen. Ein solcher Fall war seit vielen Jahren im Allgemeinen Krankenhause nicht vorgekommen."