Zweites Blatt.
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 153.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Donnerstag den 4. Juli.
Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98. 1901
Die Politik des Grafen Bülow.
Unsere auswärtige Politik ist seit der Ernennung des Grafen Bülow zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und danach zum Reichskanzler mit ebensoviel Glück wie Geschick geleitet worden; sie hat ihre Aufgabe, das Ansehen des deutschen Namens zu wahren und dem deutschen Reiche einen Platz an der Sonne zu sichern, mit durchschlagendem Erfolge gelöst. Wenn wir dem Grafen Bülow eine „glückliche Hand" zuerkennen, so schmälern wir dadurch das seiner Geschäftsführung gebührende Lob in keiner Weise; denn Glück hat, wie Graf Moltke einst bemerkte, auf die Dauer nur der Tüchtige, und unser Reichskanzler hat bisher alle Aktionen, die er in die Wege leitete oder deren Beendigung ihm oblag, zum guten Ende geführt.
Mit begreiflicher Besorgniß hat das deutsche Volk das Reichsschiff neuerdings mehr als einmal den Kurs durch ein von Klippen und Untiefen umgebenes Fahrwasser nehmen sehen, aber jedesmal ist die Fahrt glücklich verlaufen und der schützende Hafen erreicht worden. Kaiser Wilhelm II. hat eben in dem Grafen Bülow einen Berather und Helfer gefunden, der seinen weitreichenden Absichten und Plänen volles Verständniß und warmes Interesse entgegenbringt, der die großen Fragen, die dem Reiche durch den Uebergang zur Weltpolitik gestellt worden sind, ohne Hast, aber auch ohne Rast zu lösen sucht.
Bis zur Stunde ist der Reichskanzler aller Schwierigkeiten Herr geworden, die sich ihm entgegenstellten ; ja gerade in der Ueberwindung von Hrmmr issen hat er sein Können in hervorragender Weise zu bethätigen vermocht. Wir ei innern nur an die chinesischen Wirren, bei denen sich Graf Bülow als Meister der Staatskunst bewährt hat. Ihm ist es zu danken, daß wir mit Ehren herausg' kommen sind und daß wir Alles erreicht haben, was wir erreichen wollten. Allgemein ist das Gefühl, daß sich die deutsche Diplomatie in einer äußerst schwierigen Lage befand, und dieses Gefühl würde sich wahrscheinlich noch verstärken, wenn man die Einzelheiten der wechselreichen Verhandlungen zwischen den Vertretern in Peking und fides von ihnen mit seiner Regierung und der Kabinette unter einander genau kennte.
Graf Bülow ist ein Schüler Bismarcks. Wie diese große Staatsmann, so ist auch unser jetziger Reichskanzler ein Realpolitiker im wahren Sinne des Wortes. Nicht trügerischen Phantomen jagt er nach, nicht in unabsehbaren Abenteuern erblickt er die Befriedigung seines Ehrgeizes. „Fürchten Sie nichts, meine Herren!" waren seine Worte, als er in der ersten Sitzung, in welcher er vor den Reichstag trat, Ende 1897, die Befürchtungen zurückwies, daß Deutschland eine abenteuerliche Politik treiben wollte. „Der Reichskanzler,"
Feuilleton.
Wiener JVIode.
Plauderei von Ida Barber (Wien).
(Nachdruck verboten.)
Die Neuheit der Saison sind einfarbige Taffet-Voile- oder Battistkleider mit applizirten bunten Creton-Blumen, welche die Rock-, Taillen- und Aermeltheile decken und mit ganz dünner Cordonnetschnur aufgenäht oder mit Langueltestichen befestigt sind. In den großen Modesalons ist geblümter Creton der begehrteste Ausputzartikel. Die Dessins werden herausgeschnitten, gummirt, dem Stoff aufgeklebt, dann fest- genäht. Wer nicht weiß, wie die Auflage entstanden, hält das Ganze für Handmalerei oder Petit point. Die theuersten Seidenstoffe werden mit solchen Cretonauflagen benäht; der Effekt ist stets ein guter. Die Elsaß Kattune haben bekanntlich vorzügliche Musterungen, sie sind jetzt, obgleich nicht als Stoff, sondern nur als Dekoration verwendet, ein eigentlicher Konsum- artikel geworden. Gt fragt sind Arabesken-, Blumen- und Palmen-Dessins, sezessionistische Muster, auch die saisonmäßigen Rosen, Gardenien und Tulpm.
Es hat sich eine ganz eigene Industrie herausgebildet, die sich mit der „Decoration a la Creton", wie es im Modelatein heißt, befaßt. In einem ersten Wiener Salon sind zwanzig junge Mädchen Tag für Tag nur mit dem Ausschneiden und Aufkleben der Cretonmuster beschäftigt, doppelt so viele mit der Applikation. — Die Arrangements dürften bestimmend für die Sommermode sein. In Ecru abgetönte Muster wirken besonders gut auf Blau, Hochroth, Braun; jede geschmackskundige Dame kann sich diese Applikationen leicht herstellen und jährige Kleider durch Aufnähen der Muster in moderne umwandeln.
führte er aus, „ist nicht der Mann und seine Vertreter sind nicht die Leute, irgend unnütze Händel zu suchen. Wir empfinden auch durchaus nicht das Bedürfniß, unsere Finger in jeden Topf zu stecken. . . . Wir sind bereit, den Interessen anderer Großmächte Rechnung zu tragen, in der sicheren Voraussicht, daß unsere eigenen Interessen gleichfalls die ihnen gebührende Würdigung finden." Immer von Neuem hat Graf Bülow die friedliche und nicht übergreifende, aber feste Politik Deutschlands betont. Am 27. April vorigen Jahres sagte er im Reichstage: „Die deutsche auswärtige Politik wird ihren Weg ruhig, fest und friedlich zu verfolgen wissen.' Den Störenfried werden wir niemals spielen, das Aschenbrödelaber auch nicht."
Auf diesem sichern, wenn auch nicht mühelosen Wege sucht Graf Bülow nach den Wünschen seines kaiserlichen Herrn, dem deutschen Reiche die Stellung zu sichern, die es gemäß der Zahl und der Tüchtigkeit seiner Bürger im Rathe der Völker beanspruchen darf, und die ihm allein die Möglichkeit gewährt, den Kampf ums Dasein, der den Nationen so wenig erspart ist wie den Einzelnen, inmitten so vieler Konkurrenten und Neider erfolgreich zu bestehen. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß der Kaiser dem Grafen Bülow volles Vertrauen entgegenbringt und ihn wiederholt ausgezeichnet hat. Aber auch auf das Vertrauen des heutigen Volkes zu seiner Geschäfts Führung und Erfahrung hat Graf Bülow in Anbetracht dessen, was er bisher zu leisten vermochte, begründeten Anspruch. Es ist daher die Pflicht der deutschen Presse, sofern sie als Vertreterin der öffentlichen Meinung gelten will, seine Politik zu unterstützen.
politische Rundschau.
Ankunft des Grafen Walderfee vor Batavia. Am 23. Juni verließ der Dampfer „Gera" mit dem Feldmarschall Grafen Waldersee, den Offizieren des Oberkommandos und einer größeren Anzahl von Rekonvaleszenten an Bord, den Hafen von Nagasaki, um in ununterbrochener Fahrt zunächst bis Baiavia zu dampfen. Dort ist er nach neuntägiger, zum Theil sehr stürmischer Reise gestern eingeiroffen. Dem „B. L.-A." ging von Herrn Hauptmann Dannhauer, der die Heimreise im Gefolge des Oberkommandos zurücklegt, über diesen ersten Abschnitt der Fahrt folgendes Privat-Kabeltelegramm zu: „Batavia, 2. Juli, 1 Uhr 10 Min. nachm. Nach Verlassen der Formosa- Ltraße am 26. Juni vormilta s wurden untrügliche Anzeichen dafür sichtbar, daß die „Gera" im östlichen Viertel eines herannahenden Teifuns steure. Kapitän Borell änderte daraus sofort den Kurs. Wir entgingen dadurch dem Taifun-Zentrum, trotzdem halten wir stundenlang Windstärke zehn und Windstärke zwölf, die überhaupt größte Teitun-
Man erzählt, daß eine sehr fesche Komtesse, die am Turf zu den Beautes der Wiener Schönheitsgallerie zählte, ihre Prachttoilelte aus hellblauer Seide selbst gefertigt, indem sie als Dekoralionâmateri^l die im Rococostil gehaltenen Blumen eines alten — Sophaüberzuges v rwendete, dieselben auf den hellblauen Stoff applizirte und überall, wo sie sich in dieser Toilette zeigte, die Täuschung hervorrief, die Blumen seien gemalt.
Auch bemalte Battist- und Grenadinekleider werden getragen, der Fond weiß ecru oder hochroth, die Malerei ü la Sezession das ganze Kleid deckend oder auch streifenweise die Rockbläner und Taillentheile musternd. Eine sehr hübsche Robe, die für die junge Königin von Italien bestimmt war, zeigte auf schwarzem Baitist weiße gemalte Rosen innerhalb großer, von Valencienne Einsatz gebildeter Medaillons. Sehr schön sind Foulard Toiletten, deren Seiten- und Schlepptheile mit gemalten Nielrojen bedeckt sind, auf Bolero und Aermel kleinere Dessins, der glatt gebliebene Ltoff stets in Säumchen abgenäht oder mit Einsätzen gemustert, am Bord passende Spitzen oder plissirte Volants. Wo die Malerei zu theuer, wählt man abgepaßte Stoffe, verwendet die 30 Centimeter breiten bedruckten oder angewebten Bordüren zu Vorder- und Schlepptheilen am Rock, eventuell zu Volants, Boleros und Oberarmel. Weiße Linonkleider, mit Rosa-Bordmen abgefaßt, auf rosa Seide gearbeitet, gelten als eine echt jugendliche Tracht; ältere Damen wählen für die zu erhoffenden warmen Tage eclufarbige Stoffe mit Flieder- oder Veilchen-Dessin gemustert, auf lila Seide gearbeitet, oder die jetzt sehr beliebten schwarzen Grenadine-Roben auf grüner, blauer, mattgelber Unterlage, die diskret hindurchschimmert.
Foulardkleider erhalten viel Aufputz von Spitzen, Stickereien, Bandmaschen rc ; unglaublich, was sich manche Damen in dieser Beziehung leisten. Da zeigt man mir im Salon D. eine Robe von schwarz-weißem Foulard, der Rock nur bis in Kniehöhe aus Stoff gefertigt, das untere Stück aus Spitzenstoff, der mit Sammet Applikationen gedeckt
Stärke. Nachmittags stieg wieder das Barometer, und abends war die See beruhigt. Sonst hatten wir gute Fahrt, alles ist wohlauf. Vorgestern wurde der Aequator passirt und dabei die übliche Neulingstause vollzogen, der sich auch der Feldmarschall unterwarf. Er erhielt den Taufnamen „Aegir". Soeben sind wir vor Batavia geankert; die Kriegsschiffe im Hafen salutiren. Da in Batavia vereinzelte Cholerafälle vorgekommen sind, wird Niemand an Land gelassen. Nach Einnahme von Kohlen wird Freitag von hier direkt nach Aden weitergefahren, wo wir am 18. Juli eintreffen sollen. Die Ankunft in Bremerhaven erfolgt am 8. August.
Rückkehr der Panzerdivision. Die aus China zurückkehrende Panzerdivision wird planmäßig am 12. August in Wilh'lmshaven eintreffen.
Ergebnisse der süddeutschen Eisenbahn-Konferenz. Nach der „Fr. Ztg." wurde in der Konferenz der Vertreter der badischen, württembergischen und bayerischen Eisenbahnverwaltungen beschlossen, bei ihren Regierungen baldmöglichste Einführung der 45tägigen Rückfahrtskarlen im preußisch-süddeutschen Wechselverkehr, im süddeutschen Wechselverkehr und im internen Verkehr der süddeutschen Eiuzelnaaten zu beantragen. Daß dem Antrag entsprochen wird, ist nicht zu bezweifeln und die volle Ausführung ist dann binnen wenigen Tagen zu erwarten. Für Bayern wird dem Prinzregenten der entsprechende Antrag zur Sankiionirung sofort unterbreitet. Das betreffende Aki enstück ist wahrscheinlich bereits auf dem Wege. Wenn die Sanktionirung durch den Prinzreaenten vollzogen ist, so erfolgt die Einführung umgehend. Es könnte sogar morgen schon die Einführung im Verkehr mit Preußen und vom 6. Juli an im internen Verkehr Bayerns und im Verkehr mit den süddeutschen Staaten zu erwarten sein.
Weitere Einführung der 45tâgigen Eisen- bahnbiüets. Stuttgart, 3. Juli. Laut Mittheilung des „Staalsanzeigers" hat auch die württembergische Eisenbahn Verwaltung sich zur Einführung der Giliigkeitsdauer der Rückfahrkarten auf 45 Tage zustimmend geäußert. — Die „Main- Neck ar- B ahn hat beschlossen, die 45tägige Giltigkeit für Rückfahrkarten vom 4. Juli ab einzuführen.
Deutscher Kunstgewerbelag. München, 3. Juli. Der deutsche Kunstgewerbetag hielt im alten Rathhaussaale eine Festversammlung ab, welcher mehrere Minister und die Spitzen der Behörden beiwohnten. Minister v. Feilitzsch überbrachte im Auftrage des Prinzregenten dessen Glückwünsche zum fünfzigjährigen Jubiläum des Münchener Kunstgewerbevereins, dem Professor Thiersch mit einem Hoch auf den Prinzregenten und Juwelier Merk auf den Kaiser antworteten. Nach weiteren Begrüßungsansprachen hielt Schulrath Kerschensteiner einen Vortrag über die „gewerbliche Erzietuma".
ist und auf weißen Seiden-Jupon auffällt. Taille aus Spitzen, darüber Bolero von Foulard schräg übereinandergehend, die Aermel halblang mit angeschobenem Tüllpuff, Schärpe von Tüll mit den jetzt unvermeidlichen Schnürsenkeln abgebunden. Eine andere als Kunsttoilette geltende Robe ist aus helllila Mousseline gefertigt, Rock und Bolero mit eigroßen, aus Spitzen gearbeiteten Rondeaux gemustert, zwischen denselben mit der Hand abgenähte Säumchen; den Rock begrenzen drei breite, mit Spitzen umgebene Volants, die auf einer breiten Balayeufe von lila Seide aufliegen.
Die Rockform ist, ungeachtet aller Agitationen gegen das Schlepptragen, dieselbe geblieben, lang, in Tâtenform oder fächerartig mit eingesetzten Plissös, die abstechend vom Fond gewählt werden. Die Form „je länger, je lieber" gilt als tonangebend. Man befestigt, um die Hände frei zu behalten, in Gold emaillirte Schleppenträger am Rock, aber das Zusammenraffen ist der Form nicht besonders günstig; weit vor- theilhafter ist doch ein fußfreier, hübsch garnirter Volantrock, der eine elegante Chauffure zur Geltung kommen läßt.
Die Boleros, die von Tag zu Tag kleiner werden, haben oft nur die Höhe einer Handfläche, da oben eine Art Sattelstück, unten ein breiter Faltengurt die Taille deckt.
Ungemein komplizirt ist der moderne, am Ellbogen sich weitende, unten wieder eng zusammengefaßte Aermel, der eigentlich aus drei Theilen besteht: Dem stets reich garnirten oberen, dem Ellbogenpuff und dem handbreiten ^chlußstück, das mit breit über die Hand fallender Spitze abgegrenzt ist. Hübsch und kleidsam sind die mit schnurbreiten Fältchen abgenähten Aermel, die Falten springen am Ellbogen aus, bilden eine Art Schrägpuff, der mit Sammetbandeaux gehalten wird, letzteres einem angeschobenen Gaze — ooer Tüllârmel aufliegend, am Handschluß wiederum Sammetbandeaux mit Spitzen- gesältel. Ein glatter Aermel ist ganz außer Mode. Damen, die sich verpflichtet fühlen, mit der Mode Schritt zu halten, haben jetzt so viel mit der Aermel-Reform zu thun, daß selbst die schlüpfrigsten französischen Romane an Reiz verlieren und