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Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 152.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Mittwoch den 3. Juli.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901
Mcistcrknrsc.
Soweit die Ansichten in der Handwerker-Frage auch sonst auseinander gehen mögen, darüber herrscht Einmülhigkeit, daß dem Handwerke, wenn anders es sich in dem gesteigerten wirthschaftlichen Wettbeweibe auch weiterhin erfolgreich behaupten will, vor Allem eins noth thut: die Erweiterung und Vertiefung der Fachkenntnisse.
Diesem Ziele dient bekanntlich seit längerer Zeit bereits der gewerbliche Fortbildungs-Unterricht. Durch ihn soll der Nachwuchs des Handwerks mit denjenigen Kenntnissen ausgerüstet werden, die unbedingt erforderlich sind, um dem Handwerke in der Neuzeit seine wirthschaftliche Stellung zu sichern. Wie berufene Kenner der Verhältnisse behaupten wollen, machen sich die Segnungen des Fortbildungs-Unterrichts auch bereits unter den Mitgliedern des jünger n G seUenstandes in vermehrtem Können bemerkbar. Aber es ist doch eben nur die Jugend, welche dieser Vortheile theilhaftig wird; die Meister dagegen, die eigentlichen V nreter des Standes, entbehren noch immer einer ausreichenden Gelegenheit, ihre Fachkenninisse zu erweiter \
Hier nun vermag die Einrichtung von Meisterkursen Wandel zu schaffen. Mehrere Städte im Westen, wie Hannover und Köln, sind mit dieser Einrichtung bereits vorangegangen. Derartige Kurse bezwecken, den Meistern Gelegenheit zu geben, sich in ihrem Fache fortzubilden, den gesteigerten Anforderungen der Zeit durch Vermehrung ihres Wissens und Könnens Rechnung zu tragen. Und wer wollte leugnen, daß die Atstorderungen gewaltig gestiegen sind I Auch von dem einfachsten Gegenstände wüd heutzutage eine gefällige Form verlangt. Für zahlreiche Zweige des Handwerks ist es geradezu eine Lebensfrage geworden, w e weit sie sich zum Kunsthandwerk emporzubilden vermögen. Da gilt es, die neuesten Meihoden der Behandlung der Rohstoffe sich an- zueigNtN, die zahlreichen maschinellen Hilfsmittel der Technik, welche der schöpferische Erfindergeist der Neuzeit darbietet, kennen zu lernen, kurz, sich in jeder Hinsicht auf dem Laufenden zu erhalten. TajU kommt endlich noch außer der Förderung, welche die Tyeilnehmer des Meisterkursus aus Unterricht und Lehre empfangen, der gegenseitige Gedankenaustausch, die lebendige Anregung von Person zu Person.
Die Einwände, die bisher gegen die Abhaltung von Meisterkursen geltend gemacht worden sind, lassen sich in Kürze zurückweisen. Vor allem erscheint es thöricht, von der Theilnahme der Meister an derartigen Kursen ein Schwinden ihrer Autorität gegenüber Gesellen und Lehrlingen zu erwarten. Es genügt wohl, darauf hinzuweisen, daß solche Veranstaltungen in anderen Berufen, beispielsweise bei Lehrern und Aerzten, längst üblich sind. Man darf im Gegentheil behaupten, daß die Autorität einer Person um so mehr wächst, je kenntnißreicher
Die Ortenamen im Stadt- und Landkreis Ranau.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
3. Die Ortsnamen auf bach: Langendiebach, Niederrodenbach, Oberrodenbach.-
Die Ortsnamen auf bach sind überaus zahlreich. Es ist dies eine sehr beliebte Namenbildung, indem der ältere, von Eigenschaften des Wassers oder Bodens, von Pflanzen und Thieren, von Bodenbenutzung, menschlichen Anlagen und Personen hergeleitete Name des Gewässers einfach auf den daran liegenden jüngeren Ort übertragen wurde. Abgesehen vielleicht von den Alamannen und Baiern, war das Wort bach ursprünglich wohl allen germanischen Stämmen eigen *); in Hessen scheint es aber erst seit dem 5. Jahrhundert in Aufnahme gekommen zu sein und allmählich die ältern Synonyma affa und aha verdrängt zu haben.
In unserm Kreise finden sich, nachdem Seckbach zu Frankfurt gekommen ist"), nur noch drei Orte auf bach: Langendiebach und die beiden Rodenbach.
Langendiebach wird zuerst 1236 in einer Urkunde erwähnt, in der die geistlichen Richter in Mainz bezeugen, daß Walter, Pfarrer in Diep ach, dem deutschen Orden Güter
0 Auf alamannisch-bairischem Boden tritt für das vorzugsweise von den Franken gebrauchte bach meist ach ein.
*) Dem alten Hanauischen Orte Seckbach seien ein paar Worte gewidmet. Der Ort heißt 882 S eckibah, 947 Seggibah, 977 Siccenbach, um 1170 Seckebac, 1230Sekebach. Zur Erklärung des Namens könnteman denken an das niederdeutsche sieke - feuchte Niederung, oder an sieker» Rinne (z. B. kleines abfließendes Wasser im Watt), Worte, die beide mit sickern stammlich verwandt sind; oder auch an segge - Rietgras, was mit der Thatsache, daß der durch Seckbach fliehende Bach sich in einen Wiesengrund ergießt, der heute noch vielfach Sumpfvegetation aufweist, durchaus übereinstimmt.
sich dieselbe in ihrem Berufe Untergebenen oder Zöglingen gegenüber erweist.
Von der Staatsregierung wird den Meisterkursen sicherlich thatklästige Förderung zu Theil werden. Dafür bürgt die eifrige Fürsorge, welche an leitender Stelle auf die Hebung des Mittelstandes verwendet wird. Sache der Handwerksmeister aber ist es, nunmehr auch von der dargebotenen Hilfe recht ausgiebigen Gebrauch zu machen. Tenn es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß das Heil des Handwerks zum guten Theile auch in der Selbsthilfe liegt, in der rechtzeitigen Anpassung an die veränderten Produktions- und Absatz-Verhältnisse und in der steten Vervollkommnung der Technik.
politische Rundschau.
Die Kommiinalbefteuerung der Dienstmädchen hat die Stadt Bromberg in die>em Jahre zum ersten Mate durchgeführt. Bei der Sckätzung des Dienstmädcheneinkommens gelangt nicht allein der baare Lohn, sondern selbstverständlich auch die Verpflegung zur Berechnung. Die Steuerkommission hat letztere mit 800 Mark jährlich bewerthet und den jähr lichen Lohn auf 150 Mark angenommen, also ein Einkommen von 450 Mark ermittelt, dem der Steuersatz von 2.40 Mark entspricht; hiervon werden nun die kommunalen Zuschläge erhoben.
Sachsen folgt dem Beispiel der preußischen Eisendahnverwaltung. Die „Dresdner Nachrichten" melden, die sächsische Staatsbahn-Verwaltung habe beschlossen, dem Beispiele Preußens folgend, die Giltigkeitsdauer der Rückfahrtkarten, und zwar sowohl im innern Verkehr als im wechsel seitigen Verkehr mit den preußischen Linien auf 45 Tage auszudehnen. Die amtliche Bekanntmachung, nach der die neue Bestimmung sofort in Kraft trete, sei für heute oder morgen zu erwarten.
Der „Süddeutschen Reichskorrespondeuz" zufolge hat die gl oßh' rzoglich badische Eisenbahnverwaltung verfügt, daß vom 4. Juli ab für den Verkehr mit Stationen der preußstchrn Staaisbahnen die GiltigkeUs- dauer der Rückfahrkarten auf 45 Tage fistgesetzt wird. Es werden demnach von diesem Zeitpunkte ab nicht nur die von Stastonen der preußischen Staatsbahnen nach Baden gelösten Rückfahrkarten, sondern auch die von badi'chen Staatsbahnstationen nach Orten des preußischen Staatsbahnnetzes lautenden Rückfahrkarten 45tägige Giltgkeit haben.
Grumbkow Pascha t* Grumbkow Pascha, der als Reformator der türkischen Artillerie nach Konstantinopel berufen war und gesundheitshalber die Stellung aufgab, hat, wie bere'ts mitgetheilt, Konuantinopel verlassen und ist im
in Huishofen verkauft und für das Geld andere Güler für seine Pfarrei erworben habe; 1276 heißt der Ort zum Unterschiede von verschiedenen anderen Orten gleichen Namens bereits Langendietbach. Die Ableitung des Namens Diebach ist klar wir haben es mit einem tiefen (alihochdeulsch tiof, holländisch diep) Bach zu thun, der später den Namen Fallbach erhielt.
Woher der zu Langendiebach gehörige Reußerhof seinen Namen hat, vermag ich nicht zu sagen. Es muß dahin gestellt bleiben, ob darin ein Eigenname steckt, oder ob an Reuse- geflochtener Fischbehälter zu denken ist3); die letztere Annahme würde mit der Ueberlieferung, daß sich früher hier Fischteiche befunden Habeck, gut im Einklang stehen.
Die beiden Rodenbach erscheinen-in den älteren Urkun den ohne Unterschied: um 856 als Rotenbeche, 1025 Rodunbach, 1222 Rodinbach, 1241 Rotenbach, 1258 Rodenbach. Erst im 14. Jahrhundert scheiden sie sich aus drücktich. Da begegnen wir Niederrodenbach 1338 als Rodenbach inferius, 1344 als Nydir Rodenbach, 1365 als Nydernrodenbach ; in dem zuletzt genannten Jahre tritt auch Oberrodenbach als Obernrodenbach auf. Die Bezeichnung Nieder- und Oberrodenbach sind natürlich durch die Lage veranlaßt worden. Ob der Name Rodenbach mit roden oder mit rot zusammenhängt, ist nicht genau zu entscheiden, da der Schreibweise der Urkunden zufolge beide Ableitungen sprachlich möglich sind; sachlich möchte ich mich für eine Rodung an einem Bache entscheiden, da die geologische Beschaffenheit des Bodens in der Gegend von Rodenbach eine charakteristische Färbung der Wasseradern nicht bedingt.
4. Die Ortsnamen auf au: Gronau und Hanau
Die Ortsnamen auf au sind zwar bei weitem nicht so zahlreich, wie die auf bach, immerhin aber in unserer engeren und weiteren Heimath in genügender Anzahl vorhanden. Aue
s) Der Name Reuse lautet gotisch rusjo, althochdeutsch rusa, mittelhochdeutsch riuse und geht auf das gotische raus - Rohr zurück.
Orient-Expreßzug einem Schlaganfall erlegen. Der Tod erfolgte, wie einem Berliner Blatte des Näheren berichtet wird, in Gegenwart seiner Frau und seiner Tochter in der Nähe von Herkulerbrd in Ungarn, wo die Leiche auch vorläufig beigesetzt wurde. Grumbkow Pascha ist einer der aus der Moltkeschen Schule hervorgegangknen Offiziere, die an der Reorganisation der türkischen Armee erfolgreich mitgearbeilet haben. Neben Goltz Pascha hat es die Türkei ihm hauptsächlich zu verdanken, wenn jetzt ihre Armee auf einen Fuß gebracht ist, modernen Anforderungen zu genügen. Das ganz besondere Vertrauen unseres Kaisers, das Grumbkow bereits im Vaterlande genossen hat, ist ihm in seine Stellung im Auslande gefolgt und es ist unschwer vorzustellen, wie wichtig das Vertrauen des Kriegsherrn für solche Missionen ist. Grumbkow Pascha hat das Glück gehabt, daß die von ihm neu organisirte Armee ihre Feuertaufe bestehen konnte, wodurch seine Thätigkeit im Frieden sich als richtig und kriegsgemäß brauchbar erwies. In dem Kriege zwischen der Türkei und Griechenland, der im April 1897 infolge der Kreta-Wirren ausbrach, und der für die Türkei ebenso glänzend verlief, wie er schnell beendet wurde, zeichnete sich Grumbkow Pascha in hervorragender Weise aus. Gleich in den ersten Gefechten that er sich so hervor, daß der Großherr ihm noch auf dem Schlachtfelde den hohen Oemanie-Orden mit Brillanten überreichen ließ. Er war es denn auch, der nach einer schneidigen Verfolgung als erster den Meluna-Paß durchbrach und in Turnavos und Larissa einzog — nur eine Folge seiner Bravour in der Verfolgung des flüchtigen Feindes und der dadurch bei den Griechen ausgebrochenen Panik; denn Larissa wäre sehr gut noch zu halten gewesen. Hier gerieth Grumbkow Pascha auch in ernste Lebensgefahr. Obgleich er gewarnt war, sprengte er über eine steinerne Brücke, die von den Griechen unterminirt war, und unter der man nachher die Dynamilkrsten hervorholte. Dem Greise, der Grumbkow Pascha die Warnung zugerufen hatte, kostete diese That das Ltben; eine Kugel eines griechijchen Sträflings, der mit 400 anderen von den griechijchen Behörden bewaffnet worden war, strecke ihn nieder.
Spannung zwischen Kurven und Armeniern. Jüngst eingelaufenen Nachrichten zufolge nahm im Vilajet Musch (Armenien) die Spannung zwischen Kurden und Armeniern eine drohende Ausdehnung an. Zn Musch verursachten die Kurden eine allgemeine Panik. Bewaffnete Türken und Kurden durchzogen die Stadt, so daß die Armenier ihre Häuser nicht zu verlassen wagten und der Bazar leer blieb. 14 Armenier wurden gelobtet. Der Verkehr zwischen Musch und mehren n umliegenden Dörfern ist unterbrochen. Die Hauptangriffe der Kurden richteten sich gegen das Dorf Mogounk. Die Kurden beschuldigten die Armenier, den Aga von Musch durch den mehr als 150 Armenier eingt kerkert wurden, ge'
oder Au, althochdeutsch ouwa, mittelhochdeutsch ouwe (verwandt mit dem gothischen alirva-Fluß, das althochdeutsch abu - fließende Wasser lautet, und mit dem lateinischen aqua - Wasser) bedeutet Wasser, Wassecland, Insel, Halbiniel, wasserreiches Wielenland, auch Waloblöße, Waldwiese u. s. w. Als einfache Bezeichnung und als Bestimmungswort wenig angewandt (Aue bei Hersfeld, Auheim ?), tritt Au meistens als Grundwort auf, das durch sachliche oder persönliche Beziehungen eine bestimmte Färbung erhält.
In unserem Gebiet gibt es nur zwei Orte auf au: Gronau und Hanau.
Gronau liegt am Zusammenfluß der Nidder mit der Nidda, am Rande eines ausgedehnten Wiesengrundes und wird bereits 786 in einer Urkunde erwähnt, in der die Geistliche Aba dem Kloster Lorsch unter andern Besitzungen auch solche zu G r o n o w a in Nitachgowa (Niedgau) vermacht. Seinen Namen hat Gronau von der den Ort umgebenden grünen A u, eine Erklärung, die durch die Gronauer Flurnamen: Bach- wiese, Breite Wiese, Lange Wiese und Nachtwiese durchaus bestätigt wird.
Hanau tritt verhältnißmäßig spät in urkundliche Beleuchtung: 1143 erscheint ein Dammo de Hagen owe4), 1160 eine silva Hagenowe, 1234 ein castrum Hagenowe, 1303 ein oppidum Hanowe. Wir haben es bei Hanau mit einer Au im Hagen zu thun, d. i. in dem Waldgehege, in dem ursprünglich allein dem König der Wildbann zustand (hag(en), althoct deutsch dass, mittelhochdeutsch hac, heißt Dorn- gefhüpp, Gebüsch, Einfriedigung, umfriedigter Wald u. s. w.). Der Name ging von dem Wald auf den Burgsitz, von diesem auf Dorf und Stadt Hanau über.
*) Dieser Dammo, der schon 1122 als Dammo von Buchen genannt wird, gehörte der Linie Buchen- Hanau an, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ausstarb, während die Herren von Dorfelden- Hanau, die Ahnherren der Grafen von Hanau, 1166 mit Conrad von Dorfelden, 1191 mit Heinrich von Hanau erscheinen und sich seit 1243, mit Reinhard L, ausschließlich nach ihrem neuen Besitzlhum Hanau nennen.