2. Juli_________________________________________ hasar Winter mit 90 Stimmen auf 9 Jahre gewählt. Die unterlegenen 3 Hauptgegenkandidaten brachten es nur auf 36 resp. 34 und 30 Stimmen. Von den Gewählten gehörte nur Herr Seipel auch bisher, und zwar schon seit 18 Jahren, dem Gemeindevorstande an. Zwei andere Herren scheiden aus der Körperschaft aus.
G Hainstadt a. M., 1. Juli. Die in den 50er Jahren stehende Ehefrau des hiesigen Fabrikarbeiters K. verschwand am vorigen Sonntag spulos aus ihrer Familie. Eine Massendurchstreifung des Gemeindewaldes und andere Recherchi- rungen führten zu keinem Resultate. Inzwischen wurde die Frau zur Nachtzeit in Frankfurt a. M. von einem Schutzmann aufgegriffen und da sie Spuren von geistiger Umnachtung zeigte, mittelst Rettungswagens nach der dortigen Irrenanstalt verbracht. Durch eine Z itungsnotiz wurden die Angehörigen auf den Verbleib der Bedauernswerthen aufmerksam und veranlaßten ihre alsbaldige U berführung nach der Heimath. Die geistige Störung scheint indessen nur eine vorübergehende zu sein, zur Freude sowohl der Familie als auch der ganzen Gemeinde.
Aschaffenburg, 1. Juli. Ein bedauerlicher Unglücksfall mit Todesfolge ist durch den unverzeihlichen Leichtsinn zweier jungen Leute verursacht worden. Dieselben vergnügten sich am 6. Juni abends in dem Münz'schen Garten am Güterberg 3 mit Scheibenschießen, und zwar nahmen sie, obwohl mehrfach gewarnt, die Richtung nach der Lambrechtstraße hin. Dabei flog eine Kugel aus dem 9 Millimeter-Teschin über die Straße und traf die.Frau des Fuhrmanns Herrn Alois Scheidler, welche dabei war, ein Pferd zu waschen, ins rechte Bein. Frau Scheidter hat wohl der Wunde anfänglich nicht die nöthige Beachtung beigelegt; dieselbe verschlimmerte sich jedoch immer mehr und alle ärztltche Kunst konnte keine Mettung mehr bringen. Am Samstag Abend ist die Bedauernswerthe der Verletzung erlegen. Natürlich hat sich das Gericht der Sache angenommen.
Kunst und Leben.
Deutscher Kunstgewerbetag. München, 1. Juli. Aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums des Münchener Kunst- gewerbevereins, das im Laufe dieser Woche durch eine Reihe großer Festlichkeiten gefeiert wird, trat heute Nachmittag unter dem Vorsitz des Direktors Tr. Brinckmann - Hamburg der Deutsche Kunstgewerbetag zusammen. Der Minister des Innern, Dr. Frhr. v. Feilitzsch, hielt eine Begrüßungsansprache und betonte darin den hohen Werth des Zusammenschlusses verschiedener kunstgewerblicher Vereine, sowie das lebhafte Interesse, das die bayerische Regierung au der Förderung des Kunstgewerbes nimmt. Bürgermeister v. Borscht begrüßte die Versammlung namens der Stadt München. Direktor B-inckmann- ^amburg wies darauf hin, daß München der klassische Boden für das deutsche Kunsthandwerk sei und behandelte dann das Thema: „Normen für die Be Heiligung an kunstgewerblichen Ausstellungen." Einen weiteren Vortrag hielt Fabrikant Stöffler-Pforzheim über „kunstgewerblichen Dilettantismus." Morgen werden die Verhandlungen fortgesetzt. Zu dem Kunstgewerbetag waren zahlreiche Vertreter der Kunstgewerbeoereine zu Berlin, Leipzig, Dresden, Köln, Frankfurt a. M. u. s. w. Eingetroffen.
Drahtnachrichten.
Reise der Königin Wilhelmina nach Wien.
Wien, 1. Juli. Es , verlautet, die Königin Wilhelmina tier Niederlande werde mit ihrem Gemahl im Laufe des Sommers nach Ischl kommen, um daselbst dem Kaiser Franz Joseph einen Besuch abzustatten, wodurch die Etikette und das Zeremoniell bei einem Besuch am Wiener Hofe vermieden würden.
Besitzergreifung im Sudan durch die Briten.
Brüffel, 2. Juli. Wie die „Belgique Coloniale" erfährt, ist die Besitzergreifung des Bahr-el-Ghasal durch die «Engländer eine vollzogene That abe. Die Ende 1900 von der Sudanregierung ausgesandte Exp diiion Sparkes hat in Meschra rr-Rek und an anderen Punkten stet ke Militärposten eingerichtet. Dem fremden Handel und Verkehr bleibt die Provinz streng verschlossen. Auf den Posten Kero, den die Belgier am linken Ufer des Nilflusses gegründet haben, verzichten die Engländer, da sie eingesehen haben, daß er an der nördlichsten Spitze des Congo- staatcs (5 */2 Grad n. B.) gelegen ist. England hat durch Sie Besitzergreifung der Provinz Bahr-el-Ghasal die Abmachung Don 1894 aufgehoben, die König Leopold dieies G büt pachtweise auf Lebenszeit abgetreten hatte. Da aber Deutschland die Abtretung eines Streifens des Congsgebiets zwischen den Tanganjika und dem Albert Eduard-See an E. gland verhinderte und England für sein Geschenk kein Entgelt erhalten konnte, weigert es sich, die Bestimmungen des Vertrags vom 18u4 durchzuführen.
Vom Burenkrieg.
London, 2. Juli. Lord Kitchener meldet aus Pretoria vom 1. Juli, 10 Uhr abends: Seit dem 24. Juni haben die verschiedenen Kolonnen 74 Buren gelobtet, 60 verwundet und 160 gefangen genommen. Außerdem haben sich 36 Buren freiwillig ergeben. Ferner wurden 190 Gewehre, 148 000 Patronen und 365 Wagen erbeutet. Eine große Anrahl Buren wurden verwundet, konnten aber entkommen
London, 2. 3uH. „Dai!, Mail« schrnbl: Wir haben reine Nachrichten vom Kriegsschauplätze. Trotzdem wissen wir, daß ein längeres Telegramm am vergangenen Freitag abqe- sandi warben ist bas uni bis jch, aber nicht übermittelt wurde. Es sind Anzeichen vorhanden, daß in diesem Telegramm die Lage in der Kap-Kolonie als sehr beunruhigend Eingestellt wird. 3
London, 2 Juli. Chamberlain hielt gestern im Cecil- Hotel anläßlich des kanadischen Kolonial-Banketts eine Rede in welcher er die Zuhörer ersuchte, die Meinung des zioili- sirten Europa nicht zu beachten. Denn Europa spinne die ui die Welt gesetzten Lügengerüchte weiter, die in England von Verrathern und im Auslande von Feinden Englands ver- Dreltet würden.
Dienstag
Von China.
London, 2. Juli. Wie aus Pking gemeldet wird, haben die Chinesen gestern einen Theil des von den Engländern bisher bewachten Gebietes besetzt. Die Engländer haben nur noch den Oberbefehl über diesen Bezirk und haben in den besetzten Hauptstraßen Wachtposten ausgestellt.
Berlin, 1. Juli. Wolffbureau meldet aus Peking, 28. Juni: Die gestrige Veriammlung der Gesandten stimmte dem Proklamationsentwurf der chinestschen Behörden zu, wodurch die Bevölkerung über den Abmarsch der fremden Truppen und die Befürchtungen von der Rückkehr der chinesischen Soldaten beruhigt werden soll.
Sokolfest in Prag.
Prag, 2. Juli. Die meisten Theilnehmer am Sokolfest sind bereits gestern Abend abgereist. Die Delegirten des Pariser Gemeinderaths gaben gestern Abend ein Festmahl. Heule werden dieselben am Karls-Denkmal einen Kranz niederlegen.
Prag, 2. Juli. Bei dem vom slawischen Klub anläßlich des Sokolfestes gegebenen Unterhaliungsabend hielt der französiiche Delegirte Sansboeuf eine Rede, in welcher er u. A. sagte: Das französische Volk das zuerst die Menschenrechte proklamirte, wird von Schmerz über seine abgerissene östliche Grenze erfüllt und steht deshalb an der Seite der jenigen, welche nach Recht und Freiheit streben. Die Gewalt kann nur eine Zeit lang das Recht unterdrücken. Auch das Recht des tschechischen Volkes wird s. Z. zum Siege gelangen.
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Berlin, 2. Juli. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Wien : Fürst Nikita von Montenegro erklärte einem Interviewer, er sei frei von anti-österreichischer Gesinnung. Die Grenz Beziehunaen seien gute, wenn auch zu Rußland und der Türkei sehr enge Beziehungen bestanden. Das Gerücht von einer geplanten Königs-Krönung sei ebenso unwahr wie die Behaupung von der Existenz eines Balkan Bündnisses zwischen Serbien, Bulgarien und Montenegro. Expansions Gelüste bezüglich Albanien seien n cht vorhanden. Die Konflikle an der Grenze seien harmlos. Nur das Bergvolk in Albanien habe einen gefährlichen Charakter. Montenegro wende sich kulturellen Missionen zu. Eine Eisenbahn von Aniivari nach Niksic sei projektirt.
Berlin, 2. Juli. Wie aus Konstantinopel depeschirt wird, ist Grumbkow Pascha, der als Reformator der türkischen Artillerie nach Konstantinopel berufen war und gesundheits- Hacher die Stellung aufgab, im Orient-Expreßzug einem Schlaganfalle erlegen. Der Tod erfolgte in Gegenwart seiner Frau und seiner Tochter in der Nähe von Herkulesbad in Ungarn, wo die Leiche auch vorläufig bJgesetzt wurde.
Berlin, 2. Juli. Gestern Abend brach in dem Gebäude der Jelerich'tchen Asphalt-Fabrik in Charlottenburg Feuer aus. Die Mühle und die Schuppen brannten vollkommen nieder. Die Enlstehungsursache des Brandes konnte, da das Feuer gleich am Anfang große Dimensionen annahm, nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden. Der Brandschaden ist, wie der „Lokal Anzeiger" meldet, bedeutend.
Berlin, 2. Juli. Nach einem Telegramm des „Lokal- Anzeigers" aus London will die „New Imker World" erfahren haben, die italienische Regierung Hibe die Namen aller an der Verschwörung zur Ermordung König Humberts Betheiligter durch einen griechischen Detektiv namens Secura in Erfahrung gebracht und mehrere Komplizen Bresci nach Italien gelockt, wo sie verhaftet seien. Bresci wurde durch das Loos zur Ermordung des Königs bestimmt. Das Loos wurde in der Bartholdi Halle in Patterson gezogen.
Berlin, 2. Juli. Nach einem Telegramm des „Berl. Tagebl." aus Rom sandte der Kriegsminister dem dortigen Vertreter des „Carriere di Napoli" durch zwei Generale eine Duellforderung, weil dieser in einem Telegramm an sein Blatt das Verhalten des Kriegsministers in der Samstag-Sitzung der Depulirtenkamm^r scharf krilisirt hatte. Die Gerüchte von einem Rückiritt des Kriegsministers werden offiziös dementirt.
Barcelona, 2. Juli. Eine Feuersbrunst zerstörte gestern Morgen das argeniin'iche Theater. Personen wurden nicht verletzt, doch ist der Materialschaden bedeutend.
Poris 2. Juli Die hiesigen Blätter berichten aus Antwerpen: Die letzte Post aus dem Congo hat eine Meldung über eine grauenhafte That, begangen von belgischen Offizieren, gebracht. Die betreff nden Offiziere sollen, total betrunken, den Häuptling des Dorfes, in dem sie sich befanden, herbeigksührt und ihm befohlen haben, die Frauen zum Tanze herbeizuholen. Der Häuptling soll geantwortet haben, dies ginge nicht, weil ein Todter im Dorfe sei. Daraus hätten die Offiziere den Häuptling sowohl als sämmtliche Frauen niedergeschossen. Die Meldung bedarf der Bestätigung.
Paris, 2. Juli. In Vincennes fand gestern Morgen zu Eyi en der marokkanischen Spezial-Gesandtschaft eine Truppenschau statt, welcher auch der Gouverneur von Paris beiwohnte. Die Mitglieder der Gesandtschaft drückten ihre Bewunderung für die vortreffliche Schulung der Dragoner und der übrigen Kavallerie-Regimenter aus.
London, 2. Juli. Miß Hobhouse wollte gestern in Jork einen Voltrag halten. Die Quaeker hatten ihre Kapelle zur Verfügung gestellt. Der Polizei-Kommissar erklärte jedoch, er werde seine Pflicht thun, könne aber die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ruhe nicht übernehmen. Miß Hobhouse begab sich infolgedessen in die Jünglingsschule, wo sie unbelästigt ihren Vortrag halten konnte.
Konstantinopel, 2 Juli. Die oberste Militär-Konvention hat dem Sultan ihr zustimmendes Gutachten über die Bagdad Bahn-Konvention überreicht. Die Meldung, daß das Bagdad - Bahn - Unternehmen wegen Betheiligung russischer Kapilalkräfte gefährdet sei, ist vollständig unbegründet.
Chicago, 2. Juli. Vier^ junge Leute, welche während eines Gewitters im Michigan-See badeten, wurden vom Blitze erschlagen.
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Hus aller «Ult.
Mord auf offener Stratze. Wie ein Telegramm aus Posen meldet, ist nach den dortigen „N. N." der Töpfer Klimczak aus Raschkow gestern auf offenem Markte in Kosten ermordet worden. Der Mörder konnte leider entkommen.
Ein furchtbares Unwetter, verbunden mit Hagel- fd)lag ist gestern in Dijon niedergegangen. Die Hagelkörner hatten die Glöße eines Taubeneies. Zahlreiche Dächer wurden beschäd'gt und die Weinberge zerstört." Seit Menschengedenken ist ein solches Unwetter hier nicht zu verzeichnen gewesen. Aehnliche Meldungen kommen aus der Gironde. Auch hier wurden die besten Lagen der Weinberge total zerstört. Der Blitz schlug in verschiedene Gebäude. — Samstag und Sonntag wütheten auch in verschiedenen Gegenden Englands heftige Stürme und richteten an den Saaten großen Schaden an. In Portsmouth schlug der Blitz ebenfalls in mehrere öffentliche Gebäude ein.
Einen verhängnitzvollen Eifenbahnzusammen- stotz meldet ein Telegramm aus Madrid. Danach kollidirte in der Nähe der Madrider Nordstation der Jruner Postzug mit einem Güterzug. Fünf Personen wurden dabei schwer, acht leicht verwundet.
Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in Lyck in Ostpreußen. Auf dem Artillerieschießplatz bei Arys übte die Reservebatterie. Ein Artillerist, welcher seinen Beobachtungsposten zu früh verließ, wurde von den Splittern einer krepirenden Granate getroffen und ihm der ganze Köiper auseinandergerissen. Der Bedauernswerthe war sofort todt.
Schiffsbericht.
Der Hamburger Doppelschrauben - Schnelldampfer „Fürst Bismarck" ist am 29. Juni wohlbehalten in New-Jork einge- troffen.
Der Hamburger Dampfer „Pretoria" ist am 29. Juni wohlbehalten in New-Jork eingetroffen.
Hamburg, 27. Juni. Der Dampfer „Nicomedia" von der Hamburg-Amerika-Linie ist vorgestern in Boston eirge= tti ffen.
Bremen, 29. Juni. Der Dampfer des Norddeutschen Ltvyd „Norderney" ist vorgestern in Galveston eingttroffen.
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