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1. Juli.

Montag

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so, daß Niemand Zeichen der Unruhe an ihr bemerkt, außer, wenn ihr Gemahl sich zu sehr aussetzt. Man kann stets sicher sein, sie dort zu finden, wo sie von Nöthen ist ... . Kurz, sie scheint die Fee zu sein, die uns bis zum Schluß des Kampfes beschützen wird."

j i Opfer des Leipziger Bankkrachs. Der Privatier Greiner in Koburg, der seit einem Jahre dort lebt, kam Donnerstag Mittag von der Reise zurück, feuerte in der Er­regung über die Verluste bei der Leipziger Bank zwei Schüsse auf seine in der Küche beschäftigte Frau, wodurch diese schwer verletzt wurde, schoß hierauf auf seine erkrankte Tochter und tödtete sich dann selbst.

Der Racheakt einer römischen Mutter. Vor einigen Wochen badeten die beiden Schulfreunde Romeo di Fano und Alberto Bello im Tiber, wobei Romeo ertrank. Die trostlose Mutter Romeos verklagte nun den 14jährigen Bello, weil dieser die Ursache des Todes ihres Sohnes gewesen sei, indem er den Widerstrebenden zum Baden im Tiber ver­führt habe. Als sie aber Bello im Wartezimmer des Ge­richtes ansichtig wurde, stürzte sie sich mit einem Dolch auf den Knaben und versetzte ihm, ehe es die Gerichtsdiener ver­hindern konnten, mit den Worten:Du hast meinen Sohn ums L ben gebracht, jetzt stirb auch Dn!" drei Stiche in Brust und Leib. Die Mutter wurde verhaftet, der Knabe mußte, lebensgefährlich verletzt, ins Krankenhaus transportirt werden.

Ein Dolch unter Rosen. Bei ihrem ersten Wieder­erscheinen in derOpéra comique" in Paris wurde die auch von ihrem Auftreten im Wintergarten in Berlin bekannte bildschöne Sängerin Sibyl Sanderson mit kostbaren Blumen­spenden überschüttet. In einem prächtig n Rosen-Füllhorn befand sich zwischen den Blumen versteckt ein Dolch, auf dessen Klinge mit Tinte das WortDoublette" geschrieben war. Der Dolch ist kein Juwel, sondern eine wirklich brauchbare Waffe. Man vermuthet, daß irgend ein liebestoller Verehrer, der keine Hoffnung hat, von der bezaubernden Kalifornierin erhört zu werden, auf diese sonderbare Weise andeuten will, daß die Künstlerin demnächst ein Attentat zu befürchten habe. Mrs. Sanderson scheint zu ahnen, von wem die geheimniß­volle Dolchsendung kommt, doch weigert sie sich, darüber zu sprecben.

Wie gewonnen, so zerronnen. Der Krach der Leipziger Bank zieht zahlreiche Opfer nach sich. Zu denselben zählt, wie derAllgemeinen Fleischerzeitung" aus Leipzig be- wichret wird, auch der dortige Fleischermeister Lorenz, der in der letzten Ziehung der sächsischen Landeslotterie den Haupt­treffer gemacht und das gewonnene Geld bei der Leipziger Bank angelegt hatte. Der Aermste soll von dem Verlust des Geldes um so schwerer getroffen sein, als er im Hinblick auf Len gemachten großen Gewinn sein Geschäft aufgegeben hatte.

Die Automobilfahrtell Paris-Berlin.

Berlin, 29. Juni.

AmZiel" in Westend.

Ein herrlicher Sommermorgen! Das Ziel vieler Tausende von Menschen ist die Trabrennbahn Westend, auf der man heute die französischen Gäste begrüßen will. Eine wahre Völkerwanderung ergeht sich durch die Siraßen Charlottenburgs. Deutsche und französische Fahnen verleihen der Stadt ein fest­liches Gepräge. Von 7 Uhr ab beginnen sich die Tribünen auf der Rennbahn zu füllen; alle Zuschauer sind in Fest­stimmung. Die Tribünen sind würdig geschmückt mit Flaggen­tuch in deutschen und französischen Farben. Ein nicht geringer Prozentsatz des Publikums sind Franzosen, die hier ihre Lands­leute begrüßen und sich mit ihnen an ihrem Ruhme freuen wollen. Ueberall ein geschäftiges Leben! Zwei Militärkapellen lassen lustige Weisen erschallen und ermuntern die durch den weiten Weg von Berlin nach Westend etwas Ermüdeten. Hier sind die Herren der Rennkommission beschäftigt, noch einmal die Bahn zu prüfen; bald erscheint auch der Ehrenausschuß und die Empfangskommission. Mitglieder des Deutschen Auto- mwbtlklubs kommen in großer Anzahl auf ihren Fahrzeugen auf die Rennbahn, denn heute herrscht dasAutomobil." Auch die Photographen fehlen nicht, wohl selten oder gar nie hat man so viele von ihnen auf einem Platze beisammen gesehen.

Ein Signal! das erste Fahrzeug der Tourislengruppe wird gemeldet und schon lenkt es in die Fahrbahn, ein Tuich, ca. 2 Minuten vergehen undD e b a ch e r" wird von der Menge jubelnd begrüßt, unter den Klängen desFanfarenmarscheâ" amZiel" angelangt. In kurzen Zwischenräumen folgen weitere Wagen, immer von Neuem von den Hochrufen des Publikums auf das Lebhafteste begrüßt. Die französischen Gäste nehmen im Richterpavillon einige Erfrischungen zu sich, dann aber bewegen sie sich unter dem sie auf das neugierigste be­trachtenden Publikum.

_ Extrablatt! Neuester Rennbericht! Im Nu sind die Blätter vergriffen:Fournier passirte die Kontrole Magdeburg 8 Uhr 12 Min." Das regte von Neuem an! Hier und da bilden sich Gruppen, es wird auf das eifrigste diskutirt, wann Fournier ans der Rennbahn eintreffen kann, ob er wohl der Sieger sein würde, vielleicht wird er noch überholt werden ach, wenn nur kein Unglücksfall unterwegs passirt ..... Nian rechnet aus, daß er vor 11'/r Uhr das Ziel nicht er­reichen könne, und so sollte es auch sein! Die Zen rückt immer näher und die Aufregung wächst. Man merkt, ein Jeder ist mit Leib und Seele dabei. Der Zeiger zeigt schon 11 Uhr 34 Minuten, am Eingang der Bahn noch Alles ruhig.Bahn frei!" ertönt vom Richterpavillon die Stimme, gelbe Fahnen schwenken und 11 Uhr 35 Min. lenkt ein Gefährt in die Bahn. Wer ist es, ist es de Knyff oder ist es . . ., die Zahl4" wird signalistrt und die Menge ruft begeistertFournier !" In äußerst graziöser Weise mit einer fast fabelhaften Geschwindigkeit nimmt Fournier die Kurve der Bahn, die Marseillaise ertönt! Hurrah, Hurrah!Vive 2a France ! und Fournier hält, was wohl Niemand erwartet, Plötzlich gerade unter dem Ziel! Da war dem Enthusiasmus nicht mehr Halt zu gebieten. Das Publikum durchbrach die Barrieren, drängte die im Ordonnanzanzug den Wagen um­

schließenden Soldaten zur Seite und streckte dem maskirien Franzosen die Hände entgegen. Noch einmal gelang es, den Wagen von dem begeisterten Publikum zu befreien, Fournier lenkte seinen Wagen auf ein unbefahrenes Gebiet der Renn­bahn, aber das Publikum folgte ihm. Jetzt war Fournier den Händen der Berliner überliefert, sie hoben ihn aus dem Ge­fährt und trugen ihn in feierlichem Zuge unter nicht enden­wollendem Jubel die Freitreppe hinauf zum Richterpavillon, wo Graf v. Schönborn-Wiesentheid ihn in Empfang nahm. In dieser Ehrung desFranzosen" lag nichts Erkünsteltes, es war eine Ehrung, zu der die Menze greifen mußte, denn sie kam ihr von Herzen! Nicht weniger herzlich war die Stim­mung, als Fournier, eben durch's Ziel gekommen 11 Uhr 38 Minuten (Startzeit Berliner Zeit 11 Uhr 46 Minuten), den Lorbeerkranz der Sieger empfing ein schlichter Lorbeer, um­schlungen von zwei Schärpen in den deutschen und französischen Farben, die sich harmonisch zu einer gemeinsamen Grundschleife vereinigen.

Eine halbe Stunde war vergangen, sie glich einer Minute. Bahn frei!"Nr. 6" lautet das Signal! Nicht weniger graziös als Fournier nahm Girardot die Kurve; 12 Uhr 8 Min. (Startzeit) stand auch er am Ziel, und um nichts war die Begeisterung des Publikums vermindert. Auch Girardot wurde aus dem Gefährt gehoben und schwenkte, als er sich auf den Schultern von Deutschen und Franzosen befand, im Gesicht vor Freude strahlend, fortwährend mit der Mütze. Auch er erhält einen Lorbeerkranz, wie die folgenden: Wassier, de Knyff, Charron und Farman. Wo sich nur die Sieger blicken ließen, da stürzten schon die Photographen auf sie zu, und mit einer bewunderungswürdigen G.duld lassen sie sich typen.

Um 3 Uhr erfolgte die Fahrt der bis dahin eingetroffenen Fahrzeuge nach der permanenten Automobil-Ausstellung. Auf der Charlottenburger Chaussee, Unter den Linden, auf d m Pariser Platz, überall hatte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingefund n, die den vorübel fahrenden, mit Fahnen und Guirlanden geschmückten Fahrzeugen Willkommen - grüße zuriefen!

Wer diesen Festtag in Westend mitgemacht hat, wird ihn nie vergessen! Am ersten aber wird er unseren französischen Gästen gezeigt haben, daß ihr Erscheinen in der Reichshaupt­stadt überall die freudigste Stimnung hervorg^rufen Hai!

Nach der offiziellen Zeitangabe sind eingetroffen: Fournier um 11 Uhr 46 Min. 10 Sek., Girardot 12 Uhr 15 Min. 40 Sek., Brassier 12 Uhr 33 Min. 3 Sek., Knyff 12 Uhr 34 Min. 35 Sek. Außerdem trafen ein: Nr. 5 (Charion) 12 Uhr 35 Min. und Nr. 112 (Farman) 12 Uhr 40 Min. Farman stieß 10 Kilometer von Berlin mit einem unbekann en Berliner Automobilfahrer zusammen; sein Mechaniker wurde leicht verletzt. Charron langte um 12 Uhr 43 Min. 15 Sek., Farman 12 Uhr 47 Min. 25 Sek., Nr. 16, Axt, 1 Uhr 8 Min. 17 Sek., Nr. 2, Gilles-Hourgières, 1 Uhr 10 Min.

11 Sek., Nr. 8, Chaurard, 1 Uhr 15 Min. 55 Sekunden, Nr. 13, Jarrot, 1 Uhr 19 Min. 20 Sek., Nr. 104, Renault, 1 Uhr 21 Min. 17 Sek., Nr. 126, Osmont, 1 Uhr 25 Mm.

50 Sek., Nr. 14, Leys, 1 Uhr 33 Min. 55 Sek. auf der Trabrennbahn Westend ein. A.s V erzehnler traf ein Nr. 1, Giraud, 1 Uhr 47 Min., als Fünfzehnter Nr. 39, Degrais, als erster deutscher Wagen, mit der Nationalhy nne begrüßt, 2 Uhr 5 Min. Die offizielle Feststellung der Fahrstunden und die Bekanntgabe der Sieger findet erst Moniag Mittag statt.

Hannover, 29. Juni. Bei der heutigen Automobil- wettfahrt ereignete sich ein schwerer Unfall. Oer erste deutsche Wagen (Mercedes Nr. 38), den Degrais führte und der um 6 Uhr 36 Minuten von hier startete, stieß bei Großort mit voller Wucht gegen einen Baum, wodurch der Vordertheil des Wagens vollständig zertrümmert und beide I Fassen heraus­geschleudert wurden. Während Degrais mit leichten Ab­schürfungen davonkam, erhielt sein Gefährte einen doppelten Arm- und Beinbruch, vier Rippenbrüche und eine schwere Ver­letzung des linken Auges. Aeztliche Hilfe war sofort zur Stelle. Der Unfall wurde dadurch herbeigeführt, daß vor dem Wagen Nr. 38 in kurzen Abländen zwei andere Wagen vorauffuhren und solchen Staub aufwirbelten, daß der Weg nicht mehr erkennbar war.

*

Festmahl der Automobilisten.

Berlin, 30. Juni.

Aus der häßlichen Raupe, die mit Gesichtsmaske und schwarzer Brille die Landstraße ParisBerlin in sausender Pace beschritt, war der glänzende Schmetterling gekrochen. Frack, Lack, Claque war die Losung. Nach gethaner Arbeit schritt man zum Diner: Ort der Handlung der große Fest­saal des Berliner Kaiserhofes. Anmuthende Dekoration mit Flaggen der Nationen. Zahl der Anwesenden etwa 400. In der Hauptsache deutsche und französische Automobilisten und internationale Sportsfreunde. An der Ehrentafel besternte Exzellenzen: die Minister Moeller, Studt, Freiherr von Hammerstein, Staatssekretär Kraelke, die hohe Diplomatie: Botschafter Marquis von Noailles, der belgische Ge­sandte Baron Greindl, der Automobilsport: Graf Talleyrand, der Herzog von Ratibor, Graf Ursel, Fürst Hohenlohe- Oehringen, Prinz Arenberg, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Graf Hohenau und andere sportliche Kapazitäten. Die Stadt Berlin war durch Oberbürgermeister Kirschner vertreten.

Als sich das babylonische Stimmengewirr einigermaßen gelegt hatte, nahm Graf de Zuylen, der Präsident des Pariser Automobilklubs, das Wort, um mit Rednergebärden und Sprechergewicht auf Kaiser Wilhelm zu toasten. (Lebhafter Beifall.) Die Musik intonirteHeil Dir im Siegerkranz". Sofort erhob sich namens des Berliner Automobilklubs der Herzog von Ratibor:

Gestatten Sie mir, daß ich zuerst das Wort ergreife, um dem hochverehrten Präsidenten des französischen Automobilklubs Heern von Zuylen zu danken. Wenn das Unternehmen heute sein Ende erreicht hat, die denkwürdige Fernfahrt Paris-Berlin so gelungen ist,, daß man es einen Merkstein in der Geschichte

des Sporis, ein neues Aufblühen der Industrie nennen darf, dann verdanken wir das in erster Linie der Unterstützung, die uns von allen Seiten geworden ist. Gleich Sr. Majestät unserem Kaiser hat auch der Präsident der französischen Re­publik einen Ehrenpreis gestiftet, bestimmt für den schnellsten deutschen Fahrer. Ich erlaube mir, meine Herren, hierfür in atter Namen meinen wärmsten Dank auszudrücken, und bitte 'Die, diesen Ihrem verehrten Präsidenten zu übermitteln. Ich erhebe mein Glas und trinke auf das Wohl des großen Frank­reichs und seines Staatschefs. (Großer Beifall.) Die Musik intonirte die Marseillaise.)

Zwischen Poularde und Eis kam das Komiteemitglied des Berliner Vereins, General a. D. Becker, zu Wort, um stimmgewal ig, wie vor der Front, auf die Souveräne zu to­asten, die sich um die großartige Fahrt verdient gemacht haben. Der König von Belgien, der Großherzog von Luxemburg, die Protektorin der Rennfahrt, die Frau Großherzogin Anastasia von Mecklenburg, der regierende Großherzog von Mecklenburg, wurden nächst unserem Kaiser von dem Redner gefeiert. Die -internationale Versammlung stimmte begeistert ein.

Der nächste Redner war der Handeisminister Möller, der sich sofort als routinirter Parlamentarier, der Form und Inhalt seiner R de nach, die im Plaudertone sicher und über­zeugend oorgetragen wurde, bei den Hörern hieser kosmo­politischen Versammlung einführte.

Der Herr Handelsmini st er führte in der Haupt­sache Folgendes aus:

Der Sport hat erheblichere Bedeutung, als ihm bisher zugebilligt wordm ist. Die Herren haben die beschwerliche Fahrt von Parrs nach hier gemacht. Mit einem Aufwand von äußerüer Anstrengung haben sie das erreicht, der Sport ist für alle Kr ife eine Nothwendigkeit. Vor fünf Jahrzehnten dachte auf dem Kontinent kaum Jemand an ihn. Ich erinnere mich daran, wie ih vor 40 Jahren zum ersten Mal in Paris war, nachdem ich in England einige Jahre gelebt und dort den Enthusiasmus für den Sport gesehen hatte. Ich war erstaunt, wie dort der Sport bereits die breiten Massen er­griffen hatte. Oer Sport hat in Deutschland große Fort- schrine gemacht, aber unzweifelhaft sind dieFanzosen schneller gewesen als wir. Frankreich hat die Führung gehabt. Frank­reich hat zuerst die hohe Bedemu g des Sports erkannt. Die lebhafte Phantasie, die der französiichen Nation eigen ist, mag dazu beitragen haben. Das ist der Fall gewesen auf dem Geböte der Luftschifffahrt aber auch des Automobilsports. Wir wissen nicht, welche Bedeutung der Automobilsport bekommen wird Das ist sicher, er wi d aus dem Sport herauswachsen zu einem neuen Beförde ungsmittel, das auch für den Krieg eine große Bedeutung erlangt. Wir haben daher alles Interesse daran, daß die Industrie größere Fortschritte mache und nach allen möglichen Richtungen hin weitere Bedeutung empfange. Wie das Rennen der Pferde nothwendig ist, um die Pfe dezucht auf ihrer Höhe zu erhalten, so ist das Rennen mit dem Automobil nothwendig, um diese Industrie zu fördern. Im Deutschen Reiche haben wir in unserem elhabenen Kaiser einen hohen Förderer des Sports, wie in allen großen Ringen. Er hat auch dem Automobilsvo t seine volle Aufmerksamkeit erwiesen, indem er einen Preis stiftete. Auch auf anöeien Gebieten des Sports hat der Kaiser die Anregung gegeben, so auch auf dem Ge­biete des SporlS zur See. Unsere deutsche Industrie steht hier noch nicht ganz auf der Höhe. Sie werden es erklärlich finden, wenn ich als Vertreter der Siaatsregierung der In­dustrie geoenfe. Ohne Industrie wären wir nicht, was wir heute sind. Ohne si könnten nicht breite Massen des Volkes diejenigen Vortheile haben, die sie heute thaisäch ich besitzen. Sie hat dazu g,fü rt, den Massen billige Kleidung und andere nöthige Dinge zuzuführen. Durch die Industrie ist es beispiels­weise d->u Arbeitern meiner engeren Heimath möglich geworden, auf dem Fahirad zur Arbeit zu fahren. Weiterhin ist dieser Fortschritt der Industrie aber kein einseitiger nationaler, son­dern das gleichmäßige Produkt aller Kulturnationen. Alle haben das gkicbe jmenffe daran, daß d e Jndu'trie gefördert wird. Speziell wir beide Nachbarnationen haben keinerlei Antagonismus zu einander auf den Gebieten der Industrie. Wir stehen vielmehr auf den meisten Gebieten Schulter an Schulter. Wir haben das Interesse, daß wir unsere Industrie konkurrenzfähig er­halten. Wir haben ein für alle mal festgelegt, daß wir uns gegenseitig die Meistbegünstigung gewähren. Unsere Interessen sind die Interessen Frankreichs, und die Interessen Frankreichs sind die unfrgtn. (Beifall.) Ich bin erfreut, daß ich Ihren Beifall gefunden. Iy habe schon vor zehn Jahren vor einer französischen G feUi^aft Aehnliches gesagt. Darum können wir gemeinsam unter Glas erheben und trinken auf das Weiler gedeihen und das Blühen unserer gemeinschaftlichen Be­triebe. (Oonn rnoe Hochrufe.)

Die Rede des Ministers wurde mit allseitiger Befriedigung ausgenommen. Nich ihm nahm Graf Talleyrand, die Seele des großen Wettstreites auf französischer Seite, das Wort. Der schon bejahrte Herr sprach mit jugendlichem Feuer. Was er faJe, fand alleitig einen zündenden Rapport. Der Redner verwies darauf, daß die dtutiche und französische In­dustrie nicht minder als der deutsche und französische Sport sehr wohl H nid in Hand gehen men. Er erinnerte unter großem Beifall baiati, daß Beide neuerdings verschwägert sind, nachdem sich die Tochter Daimlers, des bekannten deut­schen Automobil-Industriellen, nach Paris verheiratet habe. In einem j ,b ino aufgenommenen Hoch auf die deutsch- französiiche Subufhie klang die ersichtlich nach dem Speech Möllers improvlsirte und deshalb doppelt wirkungsvolle Rede aus.

Schtfföb-richt.

Hamburg, 25. Juni. Der DampferCalabria" von der Hamburg- Amerika-Linie ist vorgestern in Havanna eirge- troffen.

Bremen, 27. Juni. Der Dampfer des Norddeutschen LroydKöln" ist gestern in Baltimore eing« troffen.