Zweites Blatt.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
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Nr. 150 Bezirks FernsprechanschlÄß Nr. 98.
Montag ‘Den 1. Juli
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901
Del-tslhcr AcrMtag.
Die Hauptversammlung des 29. Deutschen Nerztetages wurde am Freitag früh unter außerordentlich starker Betheiligung von Delegirten der dem Aerzteveceinsbunde angehörenden 303 ärztlichen Vereine durch Geheimen Sauitätsrath Professor Dr. Loebker-Bochum in Hildesheim eröffnet. 'Ueber die Sitzung wird berichtet:
Geheimrath Loebker entwarf ein kurzes Bild der Bewegungen innerhalb des Aerztestandes. Der Vorstand habe gegen die Zulassung her Realabiturienten ausschließlich zum Medizinstudium protrstirt, die Aerzte 'feien aber unterlegen. Zu begrüßen sei die Neuregelung der ärztlichen Prüfungsordnung, welche eine bessere Ausbildung der Aerzte gewährleiste. (Beifall.) Das Verhältniß der Aerzte zu den Berufsgenossenschaften sei ein weit besseres als zu den Krankenkassen. Die Stellung der Aerzte zu den Organen der -Krankenversicherungen ist an vielen Orten geradezu unerträglich geworden. (Lebhafte Zustimmung.) Zu seiner großen Genugthuung haben die Aerzte an den meisten Orten den Sieg errungen und es, sei zu einem ehrenvollen, hoffentlich dauernden Frieden gekommen. (Beifall.) Leider habe er nicht denselben Eindruck von dem Ausgauge des Streites dn Leipzig gewinnen können. (Sehr richtig:) Die Sorge um einen Wiederausbruch des Kampfes sei nicht gehoben. (Lebhafte Bewegung.) Ein Gutes haben aber , diese Kämpfe gehabt: sie haben die Aerzteschaft auf dem Kriegsschauplatz geeinigt. (Beifall.) .Dr allen diesen Kämpfen seren von den Aerzten die Grenzen weiser Mäßigung inne gehalten worden und kein Mittel sei ange-' wendet worden, das sich nicht mit dem Dekorum der ärztlichen Ehre und des Strndes in Einklang Hringen- ließe. (Lebhafter BeifallF Der Regierungspräsident v. Philipsborn begrüßte den Zlcrztetag im Namen der königlichen Staatsregierung und des Oberpräsidenten Grafen Stolberg- Wernigerode, Oberbürgermeister Struckmann namens der städtischen Bevölkerung. Die Versammlung erledigte darauf eine Reihe geschäftlicher Angelegenheiten. Sodann erstattete Medizinalrath Dr. Lindemann (Mannheim) Hirten Bericht der Kurpfuscherei-Kommission. Er gab zu, daß die Hoffnungen auf ein Einschreiten der Gesetzgebung äußerst gering seien. In der Besprechung führte als Kuriosum ein Thüringer Arzt an, daß er m seinem Bezirk die Frau eines Arztes kennen gelernt habe, welche Kurpfuscherei betreibe. Medizinalrath We.cke r l i n g «(Friedberg) berichtet, daß eine von unheilbarer Krankheit geheilte dankbare Patientin aus Breslau eine Broschüre herausgegeben hat, betitelt: „Wie behandelt man seinen Arzt?" Mit großer Mehrheit wurde ein Antrag des Ausschusses angenommen aus Errichtung einer Auskunftsstelle in Hamburg für die ärztlichen Vakanzen im
Die Ortsnamen im Stadt- und Landkreis Danau.
Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Nun zu den einzelnen Orten auf heim in unserm Kreise!
Unter den Holms des Landkreises Hanau wird am frühsten genannt Bischsssheim. In einer Urkunde vom 2. Dezember 882 bestätigt Kaiser Karl der Dicke der Salvatorkapelle in Frankfurts eine Schenkung seines Vaters, Ludwigs des Deutschen, vom 17. November 880, zu der neben Besitz in Seckibah (Seckbach), Vechenheim (Fechenheim) unb Pargilla (Bürgel) auch illa aecclesia ad Biseofesheim sammt jeglichem Zehnten, Hörigen und Ländereien gehört. Der Name ist appellatioisch zu fassen und bedeutet eine bischöfliche Gründung oder Besitzung, auch vielleicht eine zu Ehren eines Bischofs alsoPenannte Anlage.
Dörnigheim wird 793 in einer Urkunde genannt, in der ein gewisser Wolfbodo dem Kloster Lorsch in pago Moy- nachgowe in Turincheim in loco Wicrameshusen 0, quidquid inter Briubach (Braubach) et Surdafalacha (Fallbach ?) super fluvio Moyn et basilicam que constructa est in honore s. Marie (Marienkirche in Kinzdorf?) schenkt. Um 850 heißt der Ort Turingeheim, 1064 Thurincheim, etwa 1255 Durincheim, 1258 Dorenkeim neben Dorin- keym, 1268 Dur in keim, 1330 Duringheim, 1400 Doring- heim u. s. w. Dörnigheim ist die Wohnstätte eines Turing, Thuring, During, Durinc, Döring oder Döring, ein Name, der ja heute noch in Hanau vorkommt.
Enkheim steht seit Alters mit Bergen im Gemeindeverband. Erwähnt wird der Ort 1151 in einer Urkunde, in
*) Von Ludwig dem Deutschen gestiftet und am 1. September 852 eingeweiht, wurde die Salvalorkapelle in Frankfurt durch die 1235—39 errichtete Bartholomäuskirche ersetzt (der heutige Dom).
2) Ein zwischen Dörnigheim und Kesselstadt gelegener, früh ausgegangener Ort. /
Auslande in Verbindung mit einer Machweisestelle für Schiffsärzte. Namentlich abgestimmt wurde über einen Antrag der Berliner Standesvereine, an Stelle des freiwillig zurücktretenden Geschäftsführers Dr. Wallichs '(Hamburg) einen Arzt als beamteten Generalsekretär, her zugleich die Redaktion des Vereinsblattes <zn besorgen hat, mit einem Jahres - gehalt von -8000 bis 10 000 Mark .Gnzustellen. Mehrfach wurden Stimmen laut 'gegen die Errichtung dieses ständigen Bureaus in Berlin. Das Ergebniß der Abstimmung ist noch nicht bekannt.
politische Rundschau.
Derr neuen 'L« hrpLänen und Lehr^ufgabeu für die höheren Schulen Ln Preußen sind vom Kultusminister allgemeir le Bemerkungen beigefügt, deren Schluß lautet: Soll die höhere Schule auch in erziehlicher Hinsicht ihre Aufgabe lösen, ^o hat sie teuf äußere Zucht und Ordnung zu halten, Gehorsam, F lciß^ Wahrhaftigkeit und lautere Gesinnung zu pflegen un b aus -allem, besonders dem ethischen Unterrichtsstoff fruchtbare Keime für die Charakterbildung und tüchtiges Streben zu entwickeln, .Indem so der jugendliche Geist mit idealem sittlic heW Gedankeninhalt erfüllt und sein Interesse dafür nachhalt ig angMgt wird, erfährt zugleich der Wille eine bestimmte 3 Achtung nach diesem Ziele. Die dem Lehrer damit gestellte Aufgabe ist eine eLenso schwierige als lohnende und muß immer von neuem zu lösen versucht werden. Daß dabei ein liebevolles Eingehen auf die Eigenart des Schülers nochwcndi g ist, erscheint selbstxer stündlich. Erste Voraussetzung für einte auch inur annähernde Lösung dieser Aufgabe, zumal unter ben heutigen Verhältnissen und in den nicht selten überfüllten Kllaffen, ist eine ernste und gewissenhafte Vorbereitung, des Lehreos auch auf seinen Erzicherberuf. Wie der angehende Schulmann fttzt .zu einem methodischen Unterricht augeleit et wird, so wird er auch für seine erziehliche Aufgabe durch Be.nutzung aller auf die Universität und in der praktischen Vorderertungszeit gebotenen Hilfsmittel sowie durch eigene Beobachtung und Uebung sich mehr und mehr selbst befähigen müssen. 3 baß sein Beispiel in erster Linie oen entscheidendem Emflussie auf seinen Erfolg ist, hat er sich stets gegenwärtig zu Hal len. Eine weitere Voraussetzung ist, daß das gesammte Lehr erkollegium einmütig nach demselben Ziele hinstrsbt und so den»-Geiste der Schule eine bestimmte Richtung gibt. Nicht t nmder hängt die Erreichung dieses Zieles von der Stärkung des Einflusses unk der gesammten Wirksamkeit des Klassenlehrers gegenüber dem Fachlehrer, besonders in den unteren und mittleren Klassen, ab. Die Zersplitterung des Unterrichts auf diesen Stufen unter zu viele Lehrer äst -ebenso wie deren häufsiger Wechsel ein Hinderniß für jede nach-
der Erzbischof Heinrich von Mainz bezeugt, daß Korwad von Hagen uub seine Frau Liutgard das Kloster Aldenburg (Arnsburg) gestiftet und ihm unter andern Besitzungen übergeben haben: vineatn unaan Berge iuxta Enuineheim; 1219 heißt der Ort En®icham3 um 1255 Enninkheim, 1256 Enigheim u. s. w. An eine örtliche Beziehung, etwa an ein enges Heim, ist bei dem Namen Enkheim schwerlich zu denken; auch in diesem Worte dürfte ein Personenname stecken: ein Enno, der in der patronymischen Frau auf iag mit dem Grundwort heim vereinigt ward.
Fechenheim wird 882 in dec bei Bischofsheim erwähnten Urkunde genannt: Veehenheim; 977 begegnet uns die Farm Wochenheim, 1257 Vechenheim neben Vechin- heim, 1267 Vecheheym, 1336 Fechenheym u. s. w. In dem Namen Fechenheim scheint fein Personenname enthalten zu sein, sondern wahrscheinlich das Wort Fach, althochdeutsch sah, mittelhochdeutsch vacd— Fischwehr, Vorrichtung aus Stein, Holz ober Flechtwerk zum Fischfang (von fahan, vahen — fangen). Fechenheim ist also ein Wohnort an einem Fach einem Fischwehr. Das Wort Fach ist urkundlich bezeugt: 1333 verkauft Gottfried von Eppstein an Konrad Knoblauch außer dem Saalhof in Frankfurt auch „das fache obwendig der brücken". Es sei hier auch auf die verwandten Bildungen Vacha und Vachdorf an der Werra, Fachingen und Fachbach an der Lahn hingewiesen; überall handelt es sich höchst wahrscheinlich ursprünglich um ein Fach, ein Fischwehr.
Großauheim, früher Mainzisch, seit 1816 zu Hanau gehörig, ist in den Urkunden nicht immer von Kleinauheim zu unterscheiden. Der Ort erscheint 806 als Ewicheim und heißt um 850 Eweheim, 1062 Oweheim, 1270 Auheim, 1283 Auheym, 1287- Ouheim, 1334 Au wehem, 1371 Auwheim bie Hanaw zusammen mit Auheim bie Steinheym. Wenn man sich nicht entschließen will, in dem Namen Auheim den Wohnsitz eines Ewicho, Ewe oder Owe zu sehen, so bleibt nichts übrig, als ihn im Gegensatz zu dem gegenüberliegenden, auf einer Basalischwelle sich erhebenden
haltige erziehliche Einwirkung. Um diesem Uebelstande nach Möglichkeit zu steuern, werden die Provinzial-Schulkollegien bei Genehmigung der für die einzelnen Anstalten alljährlich einzureichenden Lehrpläne streng darauf zu achten haben, daß der für ein Ordinariat vorgeschlagene Lehrer sich auch dazu § gnet und daß er in dem nach seiner Lehrbefähigung oder praktischen Bewährung möglichen Umfange in seiner Ordi- nariatsklaffe Beschäftigung findet. Vornehmlich dem Klassenlehrer liegt «s ob, mit den Familien seiner Zöglinge sich in Verbindung zu halten, und den Eltern mit Rath und That an die Hand zu gehen. Die Zugehörigkeit des Schülers zu einer bestimmten kirchlichen Gemeinschaft legt der Schule die Pflicht auf, nicht blos alle Hemmnisse der religiös-kirchlichen Bethätigung zu beseitigen, sondern, soweit die Schulordnung dadurch nicht gestört wird, diese Bethätigung auch in positiver Weise zu fördern. Die Lehrerkollegien werden gewiß gern dazu mitwirken, daß diese Absicht erreicht wird.
Vogelschutz-Kongreß. Der in Nürnberg tagende Vogelschutz-Kongreß beschloß, für eine Revision des deutschen Bogelschutzgesetzes vorzuschlagen: Jagdverbot von Krammetsvögeln, Verbot der Dohnenfangweise, des Aushebens von Kiebitzeiern, von Fang und Handel mit edlen Waldsingvögeln. In einem internationalen Abkommen empfiehlt der Kongreß: Verbot des maffenweisen Vogelfanges, Gestaltung eines zeitweilig beschränkten Einzelvogelfangs nur mit Flinte, Verbot der Ein- und Ausfuhr nützlicher Vögel. Der Kongreß beschloß ferner die Gründung eines deutschen Jugendbundes für Vogelschutz mit dem Präsidialsitz in Nürnberg und mit Bezirks Leitern in ganz Deutschland.
Ein englisches Blaubuch wurde verflossenen Samstag in London veröffentlicht. Es enthält einen am 3. Februar 1900 beginnenden und am 22. Oktober 1900 schließenden Briefwechsel zwischen Feldmarschall Roberts und Befehlshabern der Buren über die Zerstörung von Privateigenthum. Am 3. Februar protestirten die Präsidenten von Transvaal und des Oranje-Freistaats gegen eine Verwüstung der Farmen durch Wilde, die gegen den Kriegsbrauch von britischen Ofsizieren aufgereizt worden seien. Roberts erwidert am 5. Februar, die Truppen hätten strenge Befehle erhalten, Privateigenthum zu achten. Er leugnet ferner, daß Wilde von britischen Offizieren aufgereizt worden seien und fügt hinzu, die Burentruppen hätten in unzivilisirter Weise Krieg geführt, da sie in den von ihnen besetzten Bezirken loyale britische Unterthanen aus ihren Häusern verjagt hätten. In einem Schreiben vom 18. Mai stellt Roberts die von den Buren angeführten Beispiele von Barbarei in Abrede. Am 4. Juli erhebt Botha Einspruch gegen die von den britischen Truppen begangenen Akte der Barbarei, welche Roberts am 28. Juli in Abrede stellt. In einem Schreiben vom 3. August
Steinheim und neben einer Hagenau und Bulau als ein Heim in einer Au zu erklären.
Der Name Jssigheim taucht um 850 in einemVerzeich- niß von Schenkungen an das Kloster Fulda auf: Wartmut et coniux Gerlint tradiderunt sancto Bonifacio in villa 0 hsingeheim quic prediorum habuit cum familia; 1240 heißt der Ort Ussincheim, 1252 Osuntheim, 1258 Ossigheim, 1259 Ussenkeim. Im Jahre 1281 wird Oberissigheim als superior villa Ussekeym, 1282, Niederissigheim als inferior villa Ussenkeim erwähnt; 1354 treffen wir in derselben Urkunde Nydern Ussenkeim und Obern Ussinkein; die Form Iss igheim ist weit jüngeren Ursprungs. Der Name verdankt seine Entstehung wohl einem Ossig, Ossing, Ussing ober einem ähnlich klingenden, allerdings nicht nachweisbaren Personennamen.
O st h e i m tritt schon um 850 in der erwähnten Schenkungsurkunde als 0 s t h e i m auf. Der Name ist wohl von der Himmelsgegend hergeleitet. Außer unserem Ostheim gibt es noch eine ganze Anzahl gleichnamiger Orte, ebenso wie wir auch zahlreichen Westheim und Nordheim, dagegen kaum einem Südheim (wohl aber Sundheim und Sudheim) begegnen.
Rüdigheim erscheint um das Jahr 1000 atë R u o d i n g- h e im, 1235 als Ruedickheim, 1243 als Rudenkeimu. s. w. Das Wort enthält einen Personennamen: einen R u d i n g als Nachkommen eines Rudo.
2. Die Ortsnamen auf stadt (städten): Butterstadt, Erbstadt, Hochstadt, Kesselstadt, Kilian- städten.
""Die Ortsnamen^auf stabt (statt, städt, stedt, stett, städten, stätten, stetten) haben mit dem im Mittelalter Burg (castrum) lautenden Begriff „Stadt", der sich im Gegensatz zu Dorf erst seit dem 16. Jahrhundert entwickelt hat, ursprünglich nichts zu thun. Stadt heißt alt- und mittelhochdeutsch stat und bedeutet : Stelle, Stätte, Ortschaft, dann auch Stadt; sowohl örtliche Verhältnisse als Personennamen kamen zu dem fast