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Samstag

29 Juni

Behörden zu veranlassen, für Ruhe und Sicherheit in ihrem Lande zu sorgen.

Inzwischen nimmt die kriegerische Stimmung in England wegen der sich wiederholenden Mißerfolge auf dem süd­afrikanischen Kriegsschauplätze und unter dem Druck der ungeheuern Kriegskosten immer mehr ab. Trotzdem sind die Machthaber, Chamberlain rc., einem ehrlichen Frieden nach wie vor abgeneigtKein Schatten von Unabhängigkeit darf den beiden Republiken bleiben!" rief Lord Salisbury vor einem Jahre aus, und kürzlich wiederholte er, daß nichts in der Welt den Entschluß des englischen Volkes und seiner Regierung erschüttern könnte, den Krieg in Südafrika bis zum vorgesteckten Ziele durchzukämpfen. Diese Hartnäckigkeit ist begreiflich; denn sobald Chamberlain zu dem Geständniß gezwungen wäre, daß er mit der ganzen Wehrkraft und dem Riesen geldbeutel der Weltmacht G.oßbntannien das kleine Völkchen der Buren doch nicht bezwingen kann, würde er von der allgemeinen Entrüstung weggefegt werden. So werden denn um der britischen Goldgier willen Blut und Thränen von Tausenden weiter fließen, und der Vorhang über das furchtbare Schauspiel, bissen Bühne Süda'rika nun seit einundzwanzig Monaten ist, will sich noch immer nicht senken.

Zum Jmpfgcsetz.

In der Petitions-Kommission des Reichstages sind auch dieses Jahr wieder verschiedene Petiiionen, welche die Auf­hebung des Jmpfgesetzes beziehungsweise die Beseitigung des Impfzwanges fordern, zur Berathung gelangt. Von den ver­bündeten Regierungen wurde dabei ihre Stellung zu der Jmpf- frage eingehender bargelegt.

Tie verbündeten Regierungen halten danach unverändert an der Auffassung fest, daß der allgemeine Impfzwang eine im gesundheitlichen Interesse der gejammten Bevölkerung dringend nothwendige Maßnahme ist, deren Aufhebung unab­sehbare Gefahren für den Gesundheitszustand im Reiche heraufbeschwören würde. Von einer Beseitigung des Impf­zwanges kann daher keine Rede sein. Wohl aber sind gewisse Verbesserungen und Ergänzungen des bestehenden gesetzlichen Zustandes möglich, und in Erkenntniß dieser Sachlage wurden denn auch neue Vollzugs-Vorschriften zum Jmpfg setz erlassen. Durch dieselben ist eine Reihe werthvoller Neuerungen zur Einführung gelangt.

Es sind verstärkte Sicherheits - Maßregeln nach der Richtung getroffen worden, daß ein thunlichst wirksamer, gesundheitlich einwandfreier Impfstoff in den Lymph An­stalten gewonnen wird und bei allen Impfungen im Reiche zur Verwendung gelangt. Ferner sind die Bestimmungen über die Ausführung des Jmpfgeschäfres an der Hand der gemachten Erfahrungen ergänzt worden, um überall eine möglichst gewiss nh-fte, den heutigen Anforderungen der Wissenschaft entsprechende Vornahme der Jnpfungen und Wiederimpfungen sicher zu stellen. Außerdem ist zur Er­leichterung für die Impflinge und Wieder-Impflinge die Impfung auf nur einem Oberarm zur endgiltigen Regel ge­macht und eine Vervollständigung der Verhaliunzs-Vorschriften für die Angehörigen der Impflinge und Wieder-Impflinge auf Grund der im Laufe der Zeit gesammelten wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungen vorgenommen worden. Endlich sind verstärkte Vorsorge-Maßregeln ergriffen worden, damit et vaige Störungen des Verlaufs der Einzel Impfungen sowie jede wirkliche oder angebliche Nachkrankheit thunlichst genau festgestellt und zur Kenntniß der zuständigen Behörden gebracht werden.

einer Dame, Fräulein Slraton. J'tzt empfängt der Alte Jihr für Jahr eine recht stattliche Schaar von Gästen in seiner Schneeein'amkeit.

Mehr und mehr hat sich in der neueren« Zeit das Interesse der Alpinisten dem ungeheuren Bergwalle, der Europa und Asien trennt, zugewendet und die Zeit

ist vielleicht nicht allzufern, wo der Kaukasus ein Lleb- lingsziel der Bergfreunde wird. Hier warten ihrer

noch zahlreiche uneiftiegene Gipfel, noch unbekannte Re­gionen. Noch sind es kaum 70 Jahre her, daß man von dieiem mächtigen Gebirge nicht mehr wußte, als eine dunkle Kunde von seinen beiden Hochgipfeln, dem E brus und dem Kasbrk. Nur allmählich verbreitete sich eine Ahnung von den märchenhaften Schönheiten, die sich hinter den zum Pontus hinabblickmden schimmernden Zinnen und Kämmen berge. Allen Versuchen aber stand die felsenfeste Ueberzeugung der Unersteiglichkeit der Hochqipstl des Kaukasus entgegen. Vom Elbrus hieß es, daß auf seinem Gipfel ein Riesenhahn wohne, der den Sonnenaufgang mit Krähen und Flügelschlag begrüße und der Annäherung der Menschen an den von ihm gehüteten Schatz mit Krallen und Schnabel sich widersetze. Der Erste, der diese Legenden zerstörte und sich zum Herrn der höchsten Erhebungen des Kaukasus, des Elbrus und des Kasbek, machte, war der um die Erforschung des Kaukasus hochverdiente Eng­länder D. W. Freshfield. Seine Leistungen sind um so höher anzuschlagen, als er mit den größten Schwierigkeiten des Transport- und Beförderungswesens und mit dem Uebelwollen der Bevölkerung zu rechnen hatte. Wären nicht die verbrann­ten Gesichter und die fast erblindeten Augen der kühnen Reisenden gar zu beredte Zeugen gewesen, so hätte man ihnen bei ihrer Rückkehr in das Torf Umspieh die Besteigung des Elbrus nicht geglaubt. Nächst Freshfield haben sich eine Reihe anderer englischer, ungarischer, russischer, italienischer Touristen um die Erschließung des Kaukasus verdient gemacht. Die Deutschen standen hier zurück, bis in neuester Zeit der Bayer Merzthaler seine Wanderungen im Kaukasus begann, die sowohl zur Besiegung einer Reihe von Hochgipfeln wie zur wesentlichen Bereicherung aller unserer Kenntnisse über das Gebirge, seine Natur und sein Volk führte. Erst in diesem Jahre hat Merzbacher (bei Duncker u. Humblot in Leipzig) fein großes Werk über seine Reisen erscheinen lassen, das an Reichthum des Inhalts wie Pracht der Ausstattung ein Stolz deutscher Wissenschaft genannt zu werden verdient. Merz­bacher stellt den Kaukasus an erhabener vielgestaltiger Schön-

Daß Jmpfschädigungen infolge bedauerlicher Versehen bei der Ausführung der J npfung oder infolge unglücklicher Zu­fälle manchmal vorkommen, wird von keiner Seite bestritten. Anderseits sind aber zweifellos die von impfgegnerischer Seite verbreiteten Angaben über Jmpfschädigungen vielfach unzu­verlässig, weil in denselben sehr häufig Erkrankungen und Todesfälle, die nach der Impfung eintraten, auf Grund bloßer Vermuthung oder von Behauptungen nicht sachkundiger Per­sonen als in ursächlichem Zusammenhänge mit der Impfung stehend bezeichnet werden, während thatsächlich andere Ereig­nisse zu den betreffenden Vorfällen Anlaß gegeben haben. Von einer absichtlichen Verheimlichung der Fälle aber, in denen wirklich Jmpfschädigungen eingetreten sind, kann angesichts der Thatsache, daß nach den neuen Vollzugs-Vorschriften zum Jmpf- gesetze sämmtliche Aerzte zur Anzeige aller wirklichen oder ver­meintlichen Nachkrankheilen bei der Impfung ausdrücklich ver­pflichtet sind und daß in den alljährlich zur Veröffentlichung gelangenden Ergebnissen des Jmpfgeschäftes im deutschen Reiche die bekannt gewordenen Jmpfschädigungen regelmäßig aufgeführt und besprochen werden, wohl keine Rede sein.

Die Darlegungen der Regierungsvertreter zur Jmpffrage waren für die Mehrheit der Kommissiousmitglieder von über­zeugender Kraft. Es wurde daher auch der Antrag, die be­treffenden Petitionen dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu empfehlen, abgelehni und nur der Beschluß gefaßt, sie als Material zu überweisen.

Zur Leipziger Katastrophe.

Nicht nur in Leipzig, sondern in ganz Sachsen nimmt die Erregung über die Katastrophe der Leipziger Bank und ihre begleitenden Umstände immer größere, geradezu be­ängstigende Dimensionen an. Ein Telegramm aus Leipzig meldet von vorgestern früh 8'/* Uhr Folgendes:

In der h estgen Bank- und Geschäftswelt herrscht heute früh eine geradezu sensationelle Depression. Die Verhaftung des Direktors Exner hat wie ein Donner­schlag gewirkt. Uebrigens sind die sämmtlichen Depots der Leipziger Bank vorhanden. Dabei wächst der Andrang auf die übrigen Geldinstitute enorm. Man befürchtet den Zusammenbruch zahlreicher mit der Leipzger Bank eng liirter industrieller und kommerzieller Unter­nehmungen.

Nicht minder große Bestürzung herrscht in Dresden, wie aus folgenden Darstellungen dortiger Blätter her­vorgeht :

Der Zusammenbruch der Leipziger Bank drückte auch unserer Stadt bereits gestern sowie besonders heute in den Vormittags- und Mittagsstunden ein eigenartiges, man möchte sagen inner­halb der Geschäftswelt fieverhaftes Gepräge auf. Vor dem Bankgebäude in der Ferdinandstraße hatten sich heute wieder Hunderte von Gläubigein der Bank eingefunden, die immer noch hofften, daß Auszahlungen erfolgen würden. Leider war dies nicht der Fall, denn die in kurzen Zwischenräumen Ein­gelassenen verließen das Bankgebäude mit enttäuschten Ge­sichtern, da nur die geschloffenen Depots ausgehändigt wurden. Eine Anzahl Polizeimannschaf en mußten Ordnung im Ver­kehr aufrecht erhalten. .Vornehmlich waren es Leute mittleren Standes, denen man die Angst um ihr Eigenthum aus den Gesichtern ablesen konnte, doch auch hohe O'fiziere und An gehörige der Aristokratie benerfte man unter Denjenigen, die von dem Zusammenbruch betroffen worden sind. Daß eine derartige Kaiastrophe das Vertrauen beim Publikum, besonders den Privatbanken gegenüber, stark erschüttert, bedarf wohl kaum der Erwäbnuna. Auch die Dresdner Bank batte einen

heit und überwältigender Gröge des Aufbaues in Fels und Firn über die Alpen, aber ihre Anmuth und ihren malerischen Reiz vermißt er. Wie viel hier noch zu thun bleibt, beweist der Umstand, daß der zweithöchste Gipfel des Kaukasus, der Tschytau (5211 Meter), erst i. J. 1888 von dem Engländer Mummery unter großen Schwierigkeiten erklommen worden ist.

Nicht weniger sagmbemhmt, als das Gebirge, an das einst Prometheus angeschmiedet worden sein soll, ist der Doppel­gipfel des Ararat (5163 Meter). Auch seine Einsamkeri wurde erst im 19. Jahrhundert gestört; es war der russische Namr- forscher Parrot, der nach mehreren vergeblichen Versuchen 1829 seinen Gipfel erreichte und hierdem Vater Noah dankbar eine Libanon brachte." Ihm sind später auch verschiedene Deutsche gefolgt. Der Aufstieg auf den Ararat ist erschwert durch die endlose, einförmige, grauenvolle Oede von Schutt, Geröll und Felsentrümmern, die man durchschreiten muß, um auf den Gipfel zu gelangen. Den düsteren Bildern des Auf­stiegs entspricht der trostlos ernste Charakter des Ausblicks vom Gipfel. Man blickt, sagt Rickmer-Rickmers, gen Süden auf die schattenlose Mondlandschaft der persischen Hochebene. Kahle Krater, Rillen und Kämme drängen sich hier um den Fuß der beiden Ararate. Und ebenso trostlos wie die nähere Umgebung ist auch die Fernsicht. Wohl schweift das Ange vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer, aber nichts Schönes, Erfreuliches findet es in dem ganzen weiten ausgebrannten Lande. Wie anders der ungeheure majestätische Rundblick vom Elbrus, den Merzbacher so beredt schildert, der ihm aber frei­lich durch das wüthende Toben des Sturmes einigermaßen vergällt wurde.

Wenden wir uns hiernach einigen Hochgebirgen der neuen Welt zu, so dürfen wir mit Stolz darauf hinweisen, daß es ein Deutscher, Wilhelm Reiß aus Mannheim, war, der den höchsten aller noch thätigen Vulkane unserer Erde erklommen hat. Es ist dies der Cotpoaxi in den Cordilleren, der mit seinen 5992 Metern Höhe die mächtigsten Alpenriesen übertrifft ! und der bei seiner Eruption im Jahre 1880 den Schnee des 13 Meilen entfernten Chimborazo mit dichtem Aschenregen bedeckte. , Schon Humboldt hatte sich an den unheimlichen Koloß ge- i wagt, aber erst Reiß konnie im Jahre 1873 als der erste ) Sterbliche in seinen Krater hineinblicken. Als er rittlings auf i dem Kraterrande saß, füllte ihm ein Windstoß beide Augen ; mit Sand, der mit schwrfliger Säure geschwängert war, und - er hatte an der dadurch verursachten Entzündung noch - wochenlang zu leiden. Seine Leistung erregte bei den Be-

förmlichen Sturm zu bestehen. Der Kassensaal der Dresdner Bank glich heute einem Börsensaal, die Auszahlungen er­folgten jedoch mit größter Promptheit, und als die Kaffen dem Ansturm nicht mehr genügen konnten, mußten Nummern ausgegeben werden, so baft die Geldholer der Reihe nach ab­gefertigt wurden.

Daß dabei auch in Sachsen selbst noch nicht Besonnenheit und Ruhe verloren gegangen sind, beweist eine Auslassung derDresdner Neuesten Nachrichten." In derselben heißt es: Wie eine schwere Wetterwolke, aus der grelle Blitze her­niederzucken, bedroht die plötzlich ausgebrochene finanzielle Krise, deren Wirkungen in unheimlich rascher Folge im Zeitraume weniger Tage I zwei hervorragende sächsische Banken erlegen sind, das ganze volkswirih chrftliche und industrielle Leben unserer engeren Heimath. Eine fast panik­artige Beunruhigung hat sich weiter Volkskreise bemächtigt, gleich einem drückenden Alp lasten die Ereignisse der letzten Wochen auf allen Gemüthern und überall hört man die bange Frage: Was will das werden? Die Lage ist ernst, Hochernst I Darüber angesichts der neuen Katastrophe vom 25. Juni einer Täuschung sich hinzugeben, wäre ein durchaus unange­brachter Optimismus. In den leitenden finanziellen Kreisen Sachsens und unserer Residenz ist man sich der hohen Gcfahr des Augenblickes denn auch voll bewußt, und diejenigen Per­sönlichkeiten, denen ein sachgemäßes Urtheil zugesprochen werden darf, das zugleich auf kühler, objektiver Erwägung der That­sachen beruht und frei ist von einer ungerechten Voreinge­nommenheit, verschließen sich durchaus nicht der Erkenntniß, daß wir es mit einer unter so folgenschweren Begleiterscheinungen auftretenden Krise zu thun haben, wie sie seither in gleicher Bedenklichkeit kaum jemals unser Sachsenland heimgesucht hat . . ." Schließlich aber meint das Blatt in dem von uns zum Ausdruck gebrachten Sinne: Bei aller berechtigten Ver­stimmung und Beunruhigung und trotz des- erklärlichen momentanen Mißtrauens, welches eine seither in der ganzen volkswwthschaftlichen Entwickelung Sachsens unbekannt gewesene Häufung solcher folgenschwerer Ereignisse ganz naturgemäß im Publikum Hervorrufen mußte, vergesse man nicht, daß es sich um vereinzelte Erscheinungen handelt! Nichts wäre verkehrter und schädigender, als im ersten Ueberwallen p> sßmistischer Gefühle das Kind mit dem Bade auszuschütten und sich leiden­schaftlichen Klagen hinzugebeK, als ob nun mit einem Schlage alle seitherigen festen und> so üben Stützen eines wohlbe­gründeten Vertrauens um Handel und Wandel Sachsens ins Wanken gekommen wären. So schlimm ist es denn doch, Gott sei dank, noch nicht und einen derartigen ruinösen Umschwung aller einschlägigen Verhältnisse vermag auch das an sich zweifillos sehr bedenkliche und in seinen Konsequenzen tief bedauerliche Zusammenbrechen zweier großen heimischen Finanzinstitute nicht herbeizuführen, deren schli ßtichem Schick­sal eben ganz eigenartige aber wiederum vereinzelt da­stehende Verhältnisse zu Grunde lagen, die keMeswegs typisch für die allgemeine Lage unseres heim fd.ea Geldmarktes sind .... Deshalb halten wir es heute für untere jour­nalistische Pflicht, dem Puolikum mahnend zuzurufen:Ruhig Blut!" Unter fleißiges Sachsen wird auch diese schwere wirth- scbafiliche Krise, die über Viele ganz unvermuthet hereinge­brochen ist, gut und ohne dauernden Schaden überstehen, deß sind wir sicher!

Hus aller Welt.

Zur Verproviantirmng unserer ostaftaLische» Truppen werden seit kurzem Versuche mit sog. Kümmelbrod gemacht, das in der Bäckerei des kal. Proviantamts zu wohnern des Landes enthufiaftuc^e Bewunderung. Den Chimborazo selbst, der den Cotopaxi noch um beiläufig 300 Meter an Höhe überir ffi, besiegte erst der berühmte Whymper auf seiner Ruse in den Jahren 1879/80. Er hatte dabei mit großen Schwierigkeiten zu ringen; in Sturm und Nebel mußte er und seine Begleiter stundenlang über den weichen Schnee auf allen Vieren kriechen;. hungrig, naß, erstarrt von Kälte, elend mußten sie in heftigem Nordoststurme und Shneetreiben die Beobachtungen auf dem Gipfel ansteilen. Sehr schwierig gestaltete sich die Bezwingung des Mt. Cook oder Aorangi, des königlichen, bis zu 3764 Meter ansteigenden Gipfels der neuseeländischen Alpen. Erst im Sommer 18-94/95 hat Fyfe die Höhe dies's sch eckensi eichen Riesen erreicht, nachdem Green im Jahre 1882 eine Reihe überaus kühner Versuche gemacht hatie, die ihn jedoch nur bis in die^Nähe des Gipfels ge­bracht halten. Von den ung Heuren Schwierigkeiten der Unter­nehmung Green's gibt jenesNachtlager," mit dem sie sich einmal beim Abstiege begnügen mußten, eine $oift(Hung. Hier mußten sie sich in heftigem Stürme und strömendem Reg n mit einem St Hplatze unter einem Felsvor'prunge begnügen. Er war noch nicht zwei Fuß breit und fiel so jäh nach vorn ab, daß sich die Reisenden mit den Händen schalten mußten. Hin und wieder fuhr ein Windstoß um den Felsen und über­schüttete sie mit einer Fluth von Wasser. Mit einem Fuße mußten sie unausgesetzt stampfen, mit einer Hand Beine und Schultern frottiren, um nicht zu erstarren. Eine fürchterliche Schläfligkeit bemächtigte sich ihrer und doch würde ein einziger Au wnblick Schlaf unfehlbar dm Absturz in die entsetzliche Tiefe bedeutet haben. Neun schwere Stunden mußten sie so aushalten.

Als Fyfe von seiner Besteigung des Aorangi ins behag­liche Lager zurückgekehrt war und auf das ragende Riesen­haupt, über dem die Wolken segelten, blick e, da waren alle Mühen und Erfahren vergessen.Voller Bedauern dachte ich: es gibt nur einen Aorangi!" Und das eben ist das Kenn­zeichen der Geschichte des Alpinismus, daß alle mit der Er­steigung der Hochgipfel verbundenen Gefahren den Fortschritt der Besiegung der Bergliesen nicht hindern konnten. Nicht eher rastet der Mensch, als bis er seinen Fuß auf sie gesetzt, ihre fe nd ichen Mächte besiegt hat und sein Blick frei über die Erde schweift, als de^en Herrn er sich in der Erhabenheit der Bergwelt wahrhaft und mit Recht fühlt.