Zweites Blatt.
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Waisenhauses in Hanau.
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Derantwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
Nr. 149
Bezirks Fernsprechanschluß Nr. 98.
Samstag den 29. Juni
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
politische Rundschau.
l 6 Eine Aufbesserung der Wohnungsgeldzuschüsse für die preußischen Staatsbeamten wird in einem Gesetzent- wurf vorbereitet, der im Finanzministerium nakezu fertiggestellt ist und dem Landtage alsbald nach seiner Eröffnung zugehen wirb. Die Erhöhung der Wohnungsgelder wird keine allgemeine sein, sondern durchweg nur den unmittelbaren Staatsbeamten aller Kategorien in den Großstädten zu Gute kommen. Begründet wird die Nothwendigkeit einer Aufbesserung der Beamten in ihren Wohnungsgeldbezügen mit der allenthalben hervorwetenden und auch von amtlicher Seite anerkannten Woynungstheuerung in den größeren Stadtgcbieten, sowie mit dem Hrnweis, daß in den letzten Jahren die Berwaliungen der großen Stadtgemeinden die Wohnungsgeldzuschüsse den Magistraisbeomien und Lehrern allgemein erhöht haben.
Minister wechsel in Baden. Der Minister wechsel ist gestern vollzogen worden. Slaatsminister Nokk tritt in den Ruhestand. Zum Staatsminister wurde Minister von Brauer ernannt. An die Spitze d s Justizministeriums tritt Oberstaatsanwalt Dusch, in das Ministerium des Aus- wäriigen tritt der Don änedirekwr Reinhardt als Vortragender Ratb, behält aber sein bisheriges Amt bei.
Das Automobil in der französischen Kammer. In der gestrigen Nachmülagssitzung fragte Gauthier, wie aus Paris telegraphirt wird, an, welche Maßregeln der Ministerpräses zu ergreifen gedenke, um den durch dir Wettfahrten der Automobile veranlaßten Unglücksfällen entgegen zu treten. Gestern hat eine Wettfahrt von Paris nach Bordeaux stalt- gefunden und heute eine solche von Paris nach Berlin. Redner nimmt Bzug auf das Unglück in Reims. Waldeck Rousseau erwidert, er hätte die Wettfahrt nicht zugelassen, wenn es sich dabei nur um die Frage des Sports und des Vergnügens handeln würde, habe sie aber dennoch erlaubt, unter sehr strengen Bedingungen. Künftig werde er indessen keine Wettfahrt mehr genehmigen, welche eine höhere als normale Geschwindigkeit des Verkehrs habe. Die Landstraßen würden künftig für Rennzwicke nickt mehr jedem Belieben zur Verfügung gestellt. Die Automobile, welche auf Landstraßen verkehren, sollen künftig gehalien sein, sehr deutliche Nummern zu tragen. (Beifall.) Hierauf wird der Gegenstand ver- laffen.
Die Spannung zwischen den Mittelmeer- Mächten. Die ,panische Regierung hat Len portugiesischen Gesandten zu Madrid darüber ausgeforscht, welche Haltung Portugal entnehmen würde im Falle eines Krieges zwilchen England und Spanien. Sollte Portugal die Versicherung absoluter Neutralität m^f gib.n, so würde zwischen Spanien und Portugal eine ernste Spannung eintruen. Da die spanische Regieivng eine sofortige Antwort verlangte, ist der Gesandte nach Lissabon gereist
Abfchiedsandienz der marokkanischen Gesandtschaft Von England. Der König empfii g gestern die marotkanische Sonder-Gesandts oft in Abchiedsaudienz und übei gab dem Führer der Gesandtschaft ein Schreiben und das Großkieuz dis Balhordens für den Sultan von Marokko. Gleichzeitig verlieh der König dem Führer der Gesandtschaft das Großkreuz des Ordens vom heiligen Michael und heiligen Georg und Kaid Mac Lean das Ritterkreuz desselben Ordens.
Zur Lage in China. Die von der fremden Presse gebrachte Meloung, daß die chinesische Regierung fremde Hilfe gegen Tungfuhsiang erbeten habe, ist unzutreffend. Tungfuhsrang ist, hier vorliegenden Nachrichten zufolge, ruhig in seiner Hermarh, ohne Beschäftigung und ohne Truppen.
China bittet um die Räumung Shanghais. Auf Ersuchen Liukunjis stattete Taoiai Schenk allen Konsulen in Shanghai Besuch ab, um darauf zu dringen, daß, da alle fremben Streitkräfte Peking verlassen, auch Shanghai geräumt werde. Dem Vernehmen nach haben die Konsuln diese Frage ihren Regierungen zur Entscheidung unterbreitet.
Der Schacher um Dänisch-Weftindien. Der dänische Gesandte Swenson besuchte den Präsidenten der Vereinigten Staaten und es verlautet, daß Dänemark und die Vereinigten Staaten um den Verkauf der dänischen Inseln in Westrndren einig seien, beinahe sogar auch über den zu zahlenden Preis.
Hue JNah und fern.
«»fiel, 28. Juni. Die Ankunft der Kaiserin und der jüngsten kaiserlichen Kinder auf Wilhelmshöhe wird voraussichtlich am 6. Juli erfolgen. Wenigstens berichten Berliner Blätter, daß Prinz Eitel Friedrich am 5. Juli sein Abiturienten- Examen machen wird und am 6. Juli die Prinzen in die Ferien reisen werden.
CaCcl, 27. Juni. Der in Haft genommene Direktor der in Konkurs gerathenen Leipziger Bank, Exner, ist gebürtig aus Cassel und ein Sohn des verstorbenen, hier sehr bekannt gewesenen Barbiers Exner, welcher zuletzt in der oberen Carls- straße wohnhaft war. Er hatte seine kaufmännische Lehre in einem der eisten hiesigen Bankgeschäfte bestanden.
—t. Somborn, 27. Juni. Durch biâ einmüthige Zusammenwirken unserer Herren Lehrer hat sich dahier aus stimm- brgalnen Männern und Mitgliedern der Jur gf auen-Kongre- gation ein Kirchenchor gebildet, der sich die Aufgabe g< stellt hat, die kirchlichen Ceremonirn und Gottesdienste durch einen schönen, mehrnimmigen Gesaitg zu verherrlichen. Die aus bem hiesigen Arbeiterverein Hervorgegang'ne 25 Mann starke Musikkapelle zeigte bei G legenhei. der letzten kirch ichen Prozessionen zum ersten Male öffentlich Proben ihres Könnens. Zur Ehre des wackeren und unermüdlichen Dirigenten Herrn Lehrer Decher von Altenmittlau und zur Ehre der ei rigen jungen Musiker sei es gesagt, daß man durch die Stiftung n nicht nur befrie igt, sondern geradezu erstaunt war. Möge die allgemeine Anerkennung der Kap lle ein Sporn stin, auf dem betretenen Wege eifrig weiterzufahren.
Melsungen, 27. Juni. Die Grundsteinlegung des Sanatoriums fürEijenbahnbeamte in unserem Stadtwalde, die durch Umänderung der ersten Bauzeichnungen für dieses Jahr in Frage gestellt war, wird nun doch in diesem Sommer, vielleicht anfangs September erfolgen. Gestern weilten hier einige Herren aus dem Etsenbahnministrrlum in Begleitung von Mitgliedern der Casseler Eiienbahndiiektion, der Herren Baurath Sckmieker, Regierungsräihe Schwarzenberg und Buchholz und zweier Vorstands minsiieder der Pensisnèkasse zur Feststellung der Trace des Aufuhrwesens nach dem Sanatorium und des zum Pa k der Anstalt nothwendigen Wuldterrains. Der Z^fahrweg wird von der Stadt bis an die Waldgrenze gebaut, die weitere Fortsetzung übernimmt die Bahnverwaltung, die Baukonen der Straße die in drei Wochen fertiggestellt se n muß, belaufen sich auf 30,000 Mk. Zur Absa ätzung der 60 Morgen großen Pa>kfläcke ist die Forstbehörde beauflagt und wird danach der Ankaufspreis mit der Sladtbchörde vereinbart werden. Die Fassung einer Quelle, die das zum Bau erforderliche Wasser liefern soll, wird unmittelbar in Angriff genommen, die Haupizusuhr des zur Anstalt benölhigten Wassers erfolgt durch Anschluß an das Hochbassin unserer städtischen Leitung. Die Verhandlungen über unsere schon so lange ersehnte Wasserleitung sind nun lo- weit gediehen, daß die Ausführung an 4 leistungsfähige Firmen vergeben werden konnte. Mit der Fassung der Quellen und dem Bau des Hochbasuns ist schon begonnen worden.
Fulda, 28. Juni. Einen glücklichen Fang hat gelegentlich der A u t v m o b i l f a h r t Paris-Berlin Hei r Fabi ikbesitzer Spatz gemacht. Unter den vom deuischen Automobilklub ver- öffentl'chten Namen der Toureniahrer las man bei Wagen Vir. 242 die Namen Thevin und Houry Herr Spatz hatte nun eine Forderung an diese Herren oder an einen von ihnen. Obschon er eiÄ gerichiliches Urtheil in Händen hatte, war es ihm aber bisher nicht möglich gewesen, sein Geld zu erhalten. Auffälliger Weise fuhr nun der betr. Wagen hier in Fulda erst abends durch und zwar ohne Licht mit verdeckter Nummer. Herr Spatz fuhr nun schleunigst mit der Bahn nach Eisenach und üvergab seine Angelegenheit einem dortigen Vollziehungs- beamlen. Diesem gelang es denn auch leicht, den Gläubiger des Herrn Spatz ausfindig zu machen und zur Bezahlung der schuldigen Summe zu veranlassen.
Schlüchtern, 28. Juni. In Wallroth hat am Abend des 22. Juni der Bauer Möller bm Gaslwirth Rosenberger bei einem Streit, d.r in ThälUchk, iten ausging, durch mehrere Messerstiche erheblich verwru det. M. ist schon einmal wegen Ausschreitungen gegen R. gerichtlich bestraft worden.
Efchwege, 27. Juni. Wie das „Escbw. T bl." meldet, ist am Momag Vormittag in der Nähe von Helsa an einem Handwerksburschen ein Raubanfall verübt worden. Derselbe sei im Schlafe von zwei Männern seiner Papiere und seiner Baarschaft im Beilage von Mk. 7.40 beraubt worden. Als man ihm den Fingerring habe abftreifen wollen, sei er erwacht und habe um H ife geschrieen, worauf einer der Männer ihn durch einen Revolverschuß am Oberschenkel verletzt habe und sich beide Räuber dann aus dem Staube gemacht hätten.
Sterkelshausen (Kr. Rothenbnrg), 26. Juni. Die Tochter eines husten Landwirthes war mit dem Füttern der Pferde bejdâfiigt, kam dabei einem sonst gutmüthigen Th ere etwas zu nahe und erhielt einen solchen Bitz ins Gesicht, daß eine Backe sofort herunterhing. Ein aus Rothenburg herbeigerufener Arzt nähte die roeittiaffenbe Wunde wieder zulammen.
Rotzdorf bei Marburg, 28. Juni. Eine schwierige und interessante Arbeit haben die Zimmerleute Gebrüder Nau-Großieelheim hier ausgeführt. Das Wohnhaus eines hiesigen Einwohners wurde trotz der schwierigsten Ver
hältnisse ca. ein Meter höher, 5 Meter seitwärts und ^a Meter zurückgeschraubt. Die ganze Arbeit nahm l'/iTag in Anspruch.
Wiesbaden, 27. Juni. In dem oberen Stockwerk des Hinterhauses, RH instraße 26, wollte gestern Abend die Frau eines hiesigen Kellners auf eine brennende Saupe Petroleum nachgießen, wobei die Petrsleumtanne explodirte. Das brennetibe Del ergoß sich sofort über Hände und Arme der Frau und erfaßte auch das bti ihr weilende Dienstmädchen aus dem unteren Stockwerk. Während die Frau sich in ihrer Geistesgegenwart sofort zu Boden warf, um das Feuer zu ersticken und infolgrbtfjen nur leichte Brandwunden erlitt, lief das Mädchen am ganzen Körper brennend nach dem Unter- geschoß des Hauses wo sie nn Hausflur zusammenbrach. Die Hausbewohner löscht n die brennenden Kleider des Mädchens, das am ganzen Körper schreckliche Brandwunden erli ten hatte. Der Verunglückten soll es verhäl'ni^mätzig gut gehen. Auch die F'au wurde zum Krankenhause überfü -rt.
St. Frankfurt a. M., 27. Ju i. Im Palmen- aar te n werden in der Zen vom 8. bis 20. Juli die täglichen Konzerte durch das Musikkocps d. s Hl. Jnfai.tkrie-Regilwnis ausgeführt, da der Garten K>'p'lle wie voriges Jahr ein Urlaub gewährt wird. — Herr Kapellmeister Max Kaempfert, der beliebte Dingerrt der Gartenkapelle, hat sein diesmaliges Benefiz Donnerstag den 8. August.
St. Frankfurt, 28. Juni. Frau Rosa Retty aus Wien setzte gestern ihr Gastspiel als „Silit" in Dchönthan's .„Jirkusleute" in geradezu entzückender Weise fort. Sie entwickelte alle Vorzüge einer wirklichen Naiven bei vornehmem, zurückhaltendem Spiel. Das reizende Periönchen mußte wiederum unzählige Male vor der Rampe crscheinen.
A. Frankfurt, 28. Juni. Dem v. Rothschild'schen Bureau Personal wurde heute endlich Gewißheit betreffs seiner Zukunft. Wie wir glaubwürdig vernehmen, sollen die Angestellten, welche bis 45 Jahre alt sind, von der Diskonto- Gefell'chaft übernommen und die Anseren in anständiger Weise pensionirt werden.
* Seligenstadt, 27. Juni. Der vorgestrige verhäng- nißvolle B5tz!chlag so» beite indirekt fast um ein Haar ein zweites Opfer. Der mit dem Bau von Ferniprechleitnngen vertraute N. dahier, war nämlich gestern mit der Reparatur d r vom Blitze zei störten Telephonleitung auf dem Rathhausdache beschäfiigt. Dabei stürzte er infolge Ausgleitens von einer hohen Leiter etwa 4 Meter tief kopfüber in den Dachbodenraum des Rithhauses. Während des Absturzes verfing sich zum Glücke der rechte Fuß in den Leitersprossen, wodurch der Wcitersturz gehemmt wurde. N., der kopfüber an der Leiter hing und das Bewußtsein verloren hatte, wurde von dem zufällig anwesenden Dachdeckermeister Z. aus seiner gefährlichen Situation rasch befreit, sonst wäre er «ohl nach Lage der Umstände unteilbar verloren gewesen. Geschäftige Hände riefen das entflohene Bewußtsein zurück, indeffen scheint N. schwere Erschütterungen erlitten zu haben.
) ( Mainflingen, 28. Juni. Ein fremder Walzbruder, welcher sich im benachbarten Alzenau in einer Gastwirih- schaft einq iailirt hatte, verduftete am stützen Morgen ohne Adrisseangabe, aber unter Mitnahme von 4 Mk. an Daar- gtlb, sowie der Uhrketie und der meisten Kleidungsstücke des ienstmädchens. Vermuthlich will der sonderbare Langfinger die entroenbete Frauenga derobe einer „Gesellschaftsdame" auf seiner Wanderschaft, v elleicht auch seiner heima hlichen „Herzens- fl.’mme" als Souvenir von Alzenau dedizuen. Gerade die Kostüme aber dürften dem seltsamen Kauz zum Verräther werden.
Dalius
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