Seite 6
Freitag
__________ 28 Juni
der Herzogin von Dork enthusiastisch zugejauchzt hatten, ganz plötzlich dem prinzlichen Paare gegenüber äußerst kühl wurden, so daß sie sich schließlich sogar weigerten, an den zu seinen Ehren veranstalteten Festlichkeiten sich zu betheiligen. Diesen brüsken Umschwung hatten die goldenen Knöpfe aus den Mützen der der „ricksha“ des Prinzen vorgespannten Kulis verursacht. Um den Erben der britischen Krone zu ehren, hatten die Veranstalter des festlichen Einzuges in die Stadt die Kopfbedeckung der Männer, welche die kleinen japanischen Wagen des Herzogs und der Herzogin von Jork durch die engen Straßen zogen, mit Mandarinenknöpfen geschmückt. Diese Verletzung der Vorschriften orientalischer Etikette hatte unter der chinesischen Bevölkerung von Singapur die tiefste Entrüstung hervorgerufen. Die Europäer finden es ganz natürlich, daß der Kutscher eines Gesandten die Nationalkokarde seines Herrn zur Schau trägt, während die Chinesen es als Respektlosigkeit und als Beleidigung ihres Landes betrachten, wenn man die Mütze- eines Mannes, der einem kleinen Wagen vorgespannt wird, mit einem Emblem schmückt, das als äußeres Zeichen des Universitätsgrades gilt und die Aufmerksamkeit des Volkes auf das Wissen der Mandarinen lenken soll.
Neber die Verunreinigung des russischen Ausfuhr-Getreides lesen wir in einem Berichte des deutschen landwirtschaftlichen Sachverständigen für das europäische Rußland, veröffentlicht in den „Mittheilungen der Deutschen Landwirthschaftsgesellschaft" : „In den letzten Jahren vermehren sich im Auslande die Klagen über unzuverlässige Getreideabladungen ru sischer Herkunft. Die ungesunde Lage des russischen Getreidegeschäfles ist feit zwei Jahrzehnten offenbar und hat die Aufmerksamkeit der betheiligten Kreise eigenrlich ohne Unterbrechung beschäftigt. Große Mengen des mistigen Getreides kommen infolge der bäuerlichen Verhältnisfe mit außerordentlichem Besätze auf den Markt. Die großen Ausfuhrhäuser sahen ihre Aufgabe in der Vorbereitung des Getreides zu zuverlässiger und hochbezahlter Ausfuhrwaare. Allmählich haben sich jedoch kleine Unternehmer eingenistet und einen größeren Vortheil durch Lieferung besatzreicher, aber billiger Qualitäten für sich erzielt. Im Auslande finden sich für solche Waare zahlreiche Abnehmer, da man dort das Mischen und Ordnen des Getreides nach einzelnen Sorten zweckmäßiger zu handhaben versteht und infolgedessen der Einführende seine Rechnung findet. Die Wirkungen auf den russischen Getreidemarkt sind dagegen folgende: Zurückgehen der großen Firmen an vielen Plätzen und Verwandlung solcher Häuser in Vorschußgeschäfte. Ueberhandnehmen der kleinen Ausfuhrgeschäfte und der Unzuverlässigkeit. Es bildet sich eine regelrechte Industrie für Verwerthung von Ausschußgetreide, während zugleich der Erzeuger immer weniger Gewicht auf die Güte seiner Lieferung legt. Der Weltmarkt antwortet darauf mit einer Entwerthung des russischen Getreides überhaupt. Zu größter Klage geben die südrussischen Häfen Veranlassung. Von den Ostseehäfen genießt Libau den schlechtesten Ruf. Die Bestrebungen der Regierung dagegen waren bislang fruchtlos. Dieselbe beabsichtigt, demnächst eine neue Konferenz zu berufen und soll entschlossen sein, der amtlichen Beaufsichtigung und Untersuchung des Ausfuhrgetreides näher zu treten. Ebenso ist von neuen Elevatoren die Rede, die man netzartig an geplanten Bahnstrecken zunächst in Taurien aufstellen will. Letzteres Unternehmen wird auf deutsches Kapital zurückgeführt; man soll eintretenden Falles beabsichtigen, eine korrespondirende kaufmännische Getreide- Ankaufsgesellschaft ins Leben zu rufen."
Rückkehr von China-Kriegern. Der Dampfer „Wittekind" des Norddeutschen Lloyd traf Donnerstag früh mit 415 Genesenden und den Leichen des Generals v. Schwarzhoff und Oberstabsarztes Dr. Kohlstock in Bremerhaven ein. In dem schwarz ausgeschlagenen Reoisionsraume der Lloyd- Halle fand ein Trauergottesdienst statt, dem die heimgekehrten Soldaten, die Leher Marinegarnison und der Kriegerverein beiwohnten. Nach dem Gottesdienst wurden die Särge unter dem Salut der Mat.osen-Artillerie in den Eisenbahnzug geladen. Von den heimgekehrten Soldaten bleiben 200 Typhus- und Ruhrkranke im Milttär-Lazarech; die übrigen fahren nach Berlin.
Die aus China heimkehrenden Mannschaften der Ostasiatlschen Truppencheile werden sogleich nach ihrer Ankunft zur Reserve entlassen. Da die Dienstzeit in China doppelt gerechnet wird, so haben die den aktiven Truppen entnommenen Mannschaften inzwischen ihrer Militärpflicht genügt; diejenigen Mannschaften dagegen, die kapitu- liren wollen, werden nach einem Erholungs-Urlaub in ihre früheren Truppenverbände wieder eingereiht. Zum Zwecke der schnelleren Unterbringung der Beförderten sowie der Zahlmeister und der militärischen Beamten (Proviantamts- und Jntendanturbeamte u. s. w.) ist vor Kurzem angeordnet worden, daß die jetzt irgendwie frei werdenden Stellen nicht sogleich fest besetzt, sondern vorläufig verwaltet und für die Heimkehrenden offen gehalten werden.
Serbien und Rußland. Gegenüber anders lautenden Meldungen wird aus Belgrad von Neuem aufs Bestimmteste versichert, daß das serbische Königspaar dem Zarenhof in der nächsten Zeit einen Besuch abstatten wird.
Hue J^ah und fern.
Cassel, 26. Juni. Heute Nachmittag erfolgte die Beisetzung des ehemaligen Botschafters v. Schweinitz. Den Leichenzug eröffneten drei Schwadronen Husaren, zwei Bataillone des 167. Infanterie-Regiments, zwei Batterien des 11. Artillerie- Regiments unter dem Gesammtkommando des Generalmajors v. König. Vor dem Leichenwagen schritten drei Hauptleute des 167. Regiments mit den Orden des Verstorbenen und Offiziere mit den Kranzspenden des Kaiserpaares einher. Der sechsspännige Leichenwagen wurde von Artilleristen geführt. Hinter demselben kamen als Vertreter des Kaisers General v. giessen und Erbprinz Wilhelm von Hohenzollern sowie die nächsten Angehörigen, Vertreter der Staats- und Stadtbehörden. Eine tausendköpfige Menschenmenge säumte den Weg ein, den
der Leichenzug nahm. Auf dem Friedhof erfolgte unter militärischen Ehren die Beisetzung.
Cassel, 26. Juni. Das Schwurgericht verurteilte den 19jährig?n Ziegeleiarbeiier Heinrich Moogk zu Bischhausen (Kreis Eschwege), der in der Nacht vom 24. zum 25. März d. J. den Dienstknecht Schellhorn erstach, zu vier Jahren Gefängniß.
Castel, 27. Juni. Im Walde bei Helsa, Bez. Cassel verübten gestern zwei Wegelagerer einen Raub anfall auf einen Haudwerksburschen, einen 18jâhrigen Musiker Otto Olschewski aus Lessen, Kreis Graudenz, dem sie die Kleider zerrissen, seine Papiere und seine Baarschaft im Werthe von 7.40 Mk. raubten und schließlich noch eine Revolverkugel in den Oberschenkel jagten. Die Burschen sind entkommen.
Gelnhausen, 27. Juni. In Neuenhaßlau schlug bei einem vorgestern Nachmittag aufziehenden Gewitter ein kalter Strahl in eine Scheuer des Gastwirths Hergel. Obwohl der Strahl nicht zündete, hat er doch große Verheerungen an und in dem Gebäude angerichtet.
Hofgeismar, 26. Juni. In nicht geringe Aufregung versetzt wurde gestern Abend gegen 6* /a Uhr die hiesige Einwohnerschaft. Um diese Zeit ertönten plötzlich fortgesetzt Glockenschläge, in welchen Feueralarm vermuthet wurde, in der Neustadt wurde alsbald Alarm geblasen. Er stellte sich' indessen bald heraus, daß — die Rathhausuhr — diesen Streich gespielt, indem das Schlagwerk derselben vollständig ablief.
Melsungen, 26. Juni. Am 21. Juni zog sich der 18jährige Martin Opfermann durch Auikcatzen eines Bläschens unterhalb der Nase Blutvergiftung zu. Gesicht und Hals schwollen so an, daß eine Ueberführung nach Cassel zwecks Operation nöthig wurde. O. befindet sich noch am Leben, doch ist es nach Aussage der Aerzte kaum möglich, daß er noch längere Zeit leben wird.
St. Frankfurt a. M., 26. Juni. Die französischen Automobilisten haben uns heute Morgen wieder versassen, nachdem sie gestern in großartigster Weise fâtirt worden waren. Den Schluß der gestrigen Darbietungen bildete die Gala-Vorstellung in Direktor Tiebers Hippodrom-Variöts. Hier hatte sich das „tont Francfort" eingefunden, um die Pariser Gäste zu sehen. Selbstverständlich war die Vorstellung sehr animirt, doch sah man in dem übervollen Hause nur wenige der Fremden. — Einen mehr wie gewöhnlichen Erfolg hatte das gestrige Gastspiel von Frau Rosa Retiy aus Wien, welche als „Der kleine Lord" und als „Beatrice" in „Jephtas Tochter" wirkliche Kunstleistungen bot, für die das Publikum durch reichsten Beifall und häufigen Hervorruf quittirte.
X Bad Homburg, 26. Juni. Vom 24. bis heute weilten hier 36 englische Aerzte, um sich mit Homburgs Heilquellen, der Einrichtung der Badehäuser u. s. w. aus eigener Anschauung bekannt zu machen. Auch dem Kgl. Schlosse, dem Saalburg-Museum und der Saalburg wurde ein Besuch abgestattet. — Die Homburger Kurfrequenz beträgt im Augenblick etwa 300 mehr als im Vorjahre.
XX Friedberg, 26. Juni. (Eigener Bericht des „Hanauer Anzeiger"). Heute fand, vom schönsten Wetter begünstigt, die Einweihun g der mit großen Aufwendungen wiederhergestellten Stadtkirche unter reichster Betheiligung von Nah und Fern statt. Nachdem gestern Abend das Fest feierlich mit allen Glocken eingeläutet worden war und heute Morgen Choralmusik des Posaunenchors von der Giller e der Kirche Einheimische und Fremde begrüßt hatte, wurde um 97a Uhr der Festzug in der Burg aufgestellt, der folgende Gruppen anfwies: 1. Die Schuljugend ; 2. Prälat Habicht mit den ev. Geistlichen der Stadt und des Bezirks Friedberg in Amtstracht; 3. Mitglieder des Großh. Ministeriums und Oberkonsistoriums, der Provinziald rektion und des Kreisamts Friedberg; 4. Mitglieder der beiden Kammern der Stände; 5. Kirchenvorstand, Vorstand des Kirchenbauvereins und die Kirchengemeindevertretung; 6 Frauenverein der Gustav-Adolf-Stiftung: 7. Die Beamten des Kreises und der Stadt Friedberg; Stadt- und Schulvorstand nebst Vertretern des katholischen Kirchenvorstandes; 8. Die Geistlichkeit des Landes; 9. Die Schulanstalten der Stadt; 10. Die Vereine der Stadt, nebst den Männern und Frauen der Gemeinde. Unter dem Geläute der Glocken setzte sich um 98/* Uhr der imposante Zug in Bewegung, bei dessen Eintritt in die Wolfengasse Choralmusik von der Gallerie der ehrwürdigen Stadlkirche ertönte. Gleichzeitig waren auch, vom Bahnhof kommend, Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin am Portal der Kirche eingetroffen, woselbst dem Landesherrn von dem Vertreter der obersten Baubehörde der Schlüssel zum Gotteshaus überreicht wurde, der dann dem Herrn Prälaten Hab cht zum Aufschließen der Thüre übergeben wurde. Nachdem die Festtheilnchmer, soweit es möglich war, in der Kirche Platz genommen hatten, ergriff nach den Ehorgesan; des 96. Psalmes der hochwürdige Prälat Habicht das Wort zur Weiherede über Marei 13,1: „Da Jesus aus dem Tempel ging, sprach zu ihm seiner Jünger einer: Meister, siehe, welche Steine und welch ein Bau ist das!" Der geistvollen und tiefgegründeten Rede lalischte man allerseits mit der größten Aufmerksamkeit. Die eigentliche Festpredigt wurde von Herrn Dekan Meyer über Psalm 100 gehalten. 5 Jahre, so führte der Geistliche aus, sei die Kirche wegen der Wiederherstellung geschlossen gewesen, nachdem sie 200 Jahre lang wegen ihres Zustandes ein Sorgenkind der evangelischen Gemeinde Friedbergs gewesen sei; darum sei nach der wohlgelungenen Wiederherstellung des Gotteshauses die Freude an seinem Besitze um so größer und die Gemeinde könne hier wieder ihre Herzen erheben und aus einem dankbaren, demüthigen und glaubensfrohen Herzen rühmen: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr!" Als die glanzvolle Zeit der Hohenstaufen vorüber war, als deutsche Kraft und deutsches Streben gedrückt, aber nicht erstickt war, da habe Friedbergs Bürgerschaft den Entschluß zum Bau der Kirche gefaßt, um gewissermaßen ein Zeugniß davon abzulegen, daß deutsche Frömmigkeit unz»rstörbar fei; heute sei eine andere Zeit; die letzten 50 Jahre wiesen große, ungeahnte Kulturfort- schritte auf und mit ihnen träten an Staat und Gemeinde viele große und ernste Aufgaben heran, die alle Kräfte in Anspruch nähmeu, aber trotzdem und darüber hätte Friedbergs Bürgerschaft ihr herrliches Gotteshaus nicht wollen länger schadhaft sein lassen, zum Zeugniß, daß deutsche Frömmigkeit unzerstörbar ist. Dank gebühre Allen, die an diesem Werke gearbeitet; reicher Dank sei insbesondere dem Allerhöchsten dargebracht, der schwerere Unfälle gnädig abgewandt und das Werk mit seinem Segen gekrönt habe: „Ehre sei Gott in der Höhe!"
Der erhebende Gottesdienst war gegen 12 Uhr zu Ende. Be m Ausgang theilte der Großherzog dem Herrn Dekan Meyer mit, daß er ihn zum Kirchenrath ernannt habe, um ihm damit einen Beweis dafür zn geben, wie sehr er feine Thätigkeit anerkenne und seine Verdienste um die wohlgelungene Wiederherstellung der Kirche zu schätzen wisse.
Die Kosten der Renovation des Gotteshauses belaufen sich auf über 600,000 Mark, eine Summe, für die man allein schon eine herrliche große neue Kirche bauen kann; sie ist aber auch in ihrer Höhe ein Beweis für den Zustand, in dem sich die Kirche vor der Reparatur befunden hat, und läßt ahnen, was geschaffen worden ist. Das früher so schadhafte, herrliche Bauwerk steht nun wieder gesund vor uns, und mit Stolz dürfen die Fr edberger ihre Kirche als die Perle der Wetterau und ein Kleinod unter den deutschen Kirchenbauten bezeichnen.
Kostheim, 26. Juni. Der 29jährige verheiratete Sohn des Bürgermeisters Weckbacher gerieth beim Schuttabfayren unter die Räder des Fuhrwerks und wurde getödtet.
Grotz-Steinheim, 27. Juni. Bei der gestern stattgehab- ten G e m e i n d eraths wähl wurdederausscheidendeKandidat Oswald Spahn mit 257 Stimmen wiedergewählt; die beiden neuen Kandidaten Gustav Jung und Fritz Hoffmann erhielten 260 und 206 Stimmen.
H Seligenstadt, 26. Juni. Der lgestrige Blitzstrahl, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, scheint nach den übereinstimmenden Ansichten verschiedener Beobachter ein „Kugelblitz" gewesen zu sein, der sozusagen aus heiterem Himmel niederging. Keinerlei Anzeichen, weder Vorboten noch Nachspiele, berechtigten beim Anblicke der von Westen gekommenen unscheinbaren Wolke zur Annahme eines Gewitters. Ein einziger, gewaltiger, trotz der Tageshelle blendender Strahl zerriß urplötzlich den dünnen Wolkenschleier und tödtete augenblicklich den 21jâhrigeu Zigarrenmacher FerdinandZöller. Das furchtbare Donnerkrachen wurde stundenweit im Umkreise vernommen. Unmittelbar darauf war die Wolke im Osten verschwunden und lachender Sonnenschein überstrahlte die Stadt. Das ganze Phänomen beanspruchte kaum drei Minuten. Die Bevölkerung steht heute noch unter dem Eindrücke der schauerlichen Naturerscheinung. Die grauenvolle Detonation glich ungefähr einer riesigen Pulverexplosion. Der Blitz nahm seinen ®^ Um^ L«s N«l^^»rA Th« ^»^H in ici 7ä4<M#Me*i ' stuh^^wo er den jungen Burschen tödtete, durcheilte die Thürmerwohnung, suchte dann seinen Ausweg durch das westliche Zifferblatt der Thurmuhr und fuhr endlich in die Fern- spreckleiiung, überall deutliche Spuren seiner Verheerungen zurücklaffend. Ein intensiver Schwefelgeruch machte sich allenthalben bemerkbar. Aus den Apparaten der Telephonanschlüsse hier und in den Nachbargemeinden schlugen Feuergarben. Die im Wohnzimmer sich aufhaltenden Geschwister des Ertchlagenen kamen mit dem Schrecken davon, nur eine 2 ki jährige Schwester klagt heute noch über starke Nackenschmerzen. Die Mutter, eine arme Wittwe, war zur Zeit des Unglücks mit Feldarbeiten beschäftigt. Vor 2 Jahren wurde fast um dieselbe Zeit bei einem schweren Gewitter die Ehefrau des Herrn Zimmermeisters Peter Sprey dahier auf der städtischen Bleiche durch dm Blitz getödtet, aber gestern war außer dem einmaligen Blitzschläge von einem Gewitter absolut weiter keine Spur vorhanden.
Rüdesheim, 26. Juni. Zum ersten Mal ist eine Klubgesellschaft von Parisern, die unmittelbar von Paris über Köln nach Rüdesheim reiste, zur Besichtigung des Naüonal- denkmals auf dem Niederwald hier eingetroffn. Vor dem Aufstieg stärkte sich die Pariser Gesellschaft, die 71 Herren zählte, an einem Frühstück, dessen Hauplbestandtheile ein guter Tropfen Bergwein und ein echt deutsches Gericht, Sauerk aut, Kartoffelbrei und Frankfurter Wurst, bildeten. Mit einem Sonderzug der Niederwaldbahn wurden die Gäste zu Berg befördert. Nach der eingehenden Besichtigung des Denkmals fuhren die Franzosen zu Thal nach Rüdesheim und von da auf einem Rheinoampfer nach Coblenz, von wo aus mit der Bahn die Rückreise nach Paris angelreten wurde.
Wasserlos, 26. Juni. Ein verheiratheter Taglöhner gerieth in betrunkenem Zustande mit seiner Familie in Wortwechsel. Er versetzte hierbei seinem Sohne einen derartigen Messerstich in den Kopf, daß er sofortige ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. — Der Knecht Stein, vom hiesigen Hofgut, fuhr gestern früh mit bespanntem Wagen zum Futterholen aus. Die Pferde wurden hierbei scheu. Stein fiel vom Wagen und gelangte unter die Räder. Er erlitt dadurch schwere Verletzungen und mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Schöllkrippen, 26. Juni. Auf hiesiger Verpflegstation trug sich Folgendes zu: Ein Handwerksbursche machte bei der Gendarmerie die Anzeige, es seien ihm 20 Mark gestohlen worden. Der dienstthuende Gendarm stellte eine genaue Unter- suchung an. Die gestohlenen 20 Mark kamen nicht zum Vorschein, wohl aber entdeckte man bei dem Bestohlenen 940 Mk. Pflichtgemäß führte der Gendarm den Handwerksburschen dem Oberamtsrichter vor, der denselben aber nach kurzem Verhör wieder entließ.
Hue aller Mell.
Ist der einjährig-freiwillige Arzt Vorgesetzter oder nicht? Die ©.uf^eiDung dieser Frage badete den springenden Punkt in einer gestern stattgefundenen Verhandlung vor dem Reichsmilnärgericht. Angeklagt war der Husar August Thonemann vom Husaren Regt. Nr. 14, gegen den das Verfahren wegen Achtungsverletzung, begangen an dem einjährig-freiwilligen Arzt Dr. Rugge, anfänglich auf Beschluß des Kriegsgerichts der 22. Division mit der Motivirun, eingestellt worden war, daß ein einjährig-freiwilliger Arzt kein Vorgesetzter sei. Auf die Beschwerde des Herrn Dr. R. erging der Bescheid, das Verfahren fortzuschrn und die Anklage gegen Th. zu erheben. Dennoch sp ach das Kriegsgericht der 22. Division den Angeklagien frei. In der Berufungs- Instanz wurde dagegen dieses Urtheil aufgehoben und der Husar wegen Achtungsoelletzung zu vier Wochen strengen Arrest verurtheilt. Hiergegen wurde seitens des Angeklagten Revision beim Reichsmilnärgericht eingelegt. Der Reichs- Militäranwalt schloß sich jedoch dem vorrichterlichen Urtheil voll und ganz an, da laut § 15 und 19 Abs. 2 der Verordnung für das Sanitätskorps der dienstthuende einjährig- freiwillige Arzt als Unterarzt zu betrachten und daher zweifellos Vorgesetzter sei. Diese Bestimmung wurde dann noch in der gestrigen Verhandlung durch eine Reihe von Entscheidungen und Verfügungen des Preuß. Gen.-Auditoriats und des Kriegsministeriums erhärtet. Die Revision wurde verworfen und die F age, ob der einj. freiw. Arzt im dienstlichen Verhältniß Vorgesetzter der Mannschaft sei, bejaht.
Zur Automobilfuhrt Paris—Berlin bringt im Pariier „Figaro" der btfamue Kurrlkcuurzeichner Caran d'Ache ein Bild, welches immerhin für den Umich oung der Zeiten charakteristtsch ist. Er stellt in seiner Zeichnung, die den Litel trägt „Der neue Geist", einen Auwmobllwagen vor, der ganz in Staubwolken eingehüllt ist und der von einem in feinen Staubmantel gewickelten und mit eine-Schutzbrille bewaffneten Manne gelenkt wird. Mit stierem Blicke, wie er solchen Wett-