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Donnerstag
dorisklbst zu reden oder zu verlangen, und hierbei fiel der Ehefrau das sonderbare, ängstliche Gebühren des Angeklagten auf. Wieder auf die Brandstelle zuiückgekehrt, benahm er sich wieder auffällig. Einer der jungen Leute sagte mit Bezug auf einen nach dem zweiten Brande in Haft genommenen, in dortiger Gegend vagabundirenden und derDrandstistung verdächtigen Taglöhner Werner: „Das hat kein Stromer gethan, das war ein Anderer." Horst sprang sogleich mit gezücktem Messer auf der Sprechenden los und schrie: „Meinst Du vielleicht mich?" Dri dem sich hierauf entwickelnden Getümmel erhielt Horst eine Tracht Prügel und wurde nach Hause gebracht. Als der Bü'germeister aus diesem Anlaß und anläßlich des in unmittelbarer Nähe wüthenden Brandes das Haus Hoist's wiederholt betreten, sprach Ho st's Mutter, die nacb" Aussage des Stiefbruders bei der fraglichen Bemerkung der Angeklagten betreffs des Schabernackspielens gegen den Fürsten zugegen war „Die Beiden machen mich noch unglücklich!" Horst bestreitet auch, die von verschiedenen Zeugen von ihm gehörten Drohungen gegen Lorey ausgestoßen zu haben. Die Beiden standen nämlich nicht auf dem besten Fuße miteinander.
Bemerkenswerth ist noch die Aussage einer Frau aus Hellstein, deren Ma n nach dem Brande der Oest- reich'schen Scheune gelegentlich eines Gespräches mit Kalb- Fleisch über die letzten Brandfälle bemerkte, der Werner (gemeint ist der schon erwähnte Vagabund) könne das wohl nicht gethan haben, woiauf Kalbfleisch sagte, er glaube es auch nicht, denn wenn er Jemand einen Streich spielen wollte, hätte er doch weiter unten anfangen können, z. B. bei Lorey, der hätte nicht versichert. — Im Laufe der Verhandlung spielt sich noch ein unerwarteter Zwischenfall ab. Von der Vertheidigung waren nämlich zwei Zeugen geladen worden, von denen einer mit aller Bestimmtheit unter Eid erklärte, der Müller Lorey habe nach Schluß der letzten Schwurgerichtsoerhandlung ihm auf der Straße mit dem Schirm auf die Brust gestoßen und gesagt: „Siehst Du, Du hast vor zwei Tagen gesagt, sie würden frei, wir haben dafür gesorgt, daß sie htneinkommen." Lorey stellt die Behauptung anfangs als vollkommen erlogen hin, gibt aber später zu, wenn auch nicht das, so doch etwas Ande, es, jedoch nicht in diesem Sinne gesagt zu haben. Es sollen in dieser Angelegenheit weitere drei Zeugen geladen werden.
Hue Stadt und Cand.
Hanau, 27. Juni.
* Der hiesige Sprechverkehr ist vom 2 8. Juni ab auf Leiozig und M>lk austâdt ausgedehnt worden.
* Reichsbanknebenstelle. Am 22 Juli d. J. wird in Friedberg (Hessen) eine von der Reichsbank Hauptstelle in Frankfurt a. M. abhängige Reichsbank-Nebenstelle mit Kaffen- eiurlchtung und beschränktem Girooeikehr eröffnet und zugleich ermächtigt werden, auch Wechsel aus Bad Nauheim einzuziehen.
* Felddienstttbung. Das 1. Bataillon Juf.-Regts. Nr. 166 hatte gellern eine größere Felddienstübung in der Richtung nach Offenbach mit darauffolgendem Abkochen auf dem Exerzierplätze bei Bieber. |
• Vom Manöverfeld. Eine größere Anzahl Stabs- offiziete aller Waffengattungen besichtigt soeben das Manöver- gelande, das sich im August im südlichen Rodqau und vorderen Odenwalde eröffnen wird. Verschiedene hessische Orte haben deshalb kleinere Emquartirungen.
* Zum Oberfischmeister für den Regierungsbezirk C^fs l ist der Königliche Regierungs- und Baurath Hennings zu Cassel ernannt worden.
* Der Mittelwestdeutsche Stenographenbund Stolze-Schrey hält seine diesjährige Hauptversammlung am 6. und 7. Juli in Wetzlar ab.
* Das Barbarossa-Turnfest auf dem Dietrichsberg bei Gelnhausin ist aus Sonntag den 28. Juli d. J. angesetzt.
* Das Raff Konservatorium in Frankfurta. M. versendet soeben seinen 19. Jahresbericht. Wie diesem zu enlnehmen ist, wurde das Konservatorium von 154 Eleven besucht. Von diesen waren 94 aus Frankfurt, 5 aus Hanau (Toni Döring, Elisabeth Holm, Christine Müller, Karl Reich, Darius Strauß), 41 aus dem weiteren Deutschland und die Uebrigen Ausländer. Die vorgeschrittenen Eleven hatten während des Jahres an 15 Uebung '-Abenden im Saale der Anstalt Gelegenheit, sich zu produziren. Die dramatischen PrüfungsAbende fanden am 22. und 24. Mai statt. Außerdem wurden noch 5 Prüfungskonzerte abgehalten. Die Bibliothek der Anstalt erhielt wiederum werthvollen Zuwachs. Bei der Aufführung „Frühlingsfeier" von Anton Urspruch seitens der Museumsgesellschaft betheiligten sich sämmtliche Chorklassen der Anstalt.
* ** Gewerbegericht. (Sitzung vom 26. Juni.) Es klagt der Fahrbursche S. g gen den Fuhrunternehmer G. auf Zahlung eines rückständigen Lohnes von 10 64 Mk., der ihm einbehalten wurde, weil er unbefugt die Arbeit verlassen hatte. Es war ihm am 14. Jnni »nicht gut", weshalb er ohne Entschuldigung der Arbeit fern blieb, ebenso am 15. Seine Behauptung, er sei von der Firma benachrichtigt worden, er brauche nicht mehr wiederzukommen, wird durch die Vernehmung des betr. Zeugen widerlegt. Die beklagte Firma erhebt Widerklage auf Zahlung eines ortsüblichen Wochenlohnes von 13 Mk. wegen Verlassens der Arbeit ohne Kündigung. Der Kläger wird mit der erhobenen Klage kostenpflichtig abgewiesen, dagegen verurtheilt, an die wiederklagende Firma den zu dem rückständigen Lohn zur Er eichung des ortsüblichen Wochenlohns von 13 Mk. noch fehlenden Betrag von 2.36 Mk. zu zahlen.
* Fayrraddiebe. Kürzlich wurde in der Bebraer Bahnhofstraße ein Adler-Fahrrad gestohlen. Die Recherchen ergaben, daß das Rad nach Frankfurt a. M. gebracht und dort an einen Trödler für 50 Mk. verkauft worden war. Die Verüber des Diebstahls waren ein Schlosser B. und ein Cigarrenarbeiter K. von hier.
5 Vom Wagen gestürzt. Die Ehefrau des Fabrikarbeiters Feser aus Alzenau, welche in Hanau geschäftlich zu thun hatte, benutzte zur Heimfahrt ein mit Holz beladenes fremdes Fuhrwerk. Unterwegs stürzte die Frau aus unbekannter Ursache vom Wagen, gerieth unter die Räder und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.
Die Automobil-Fernfahrt.
Bis gestern Nachmittag passirten noch einige Nachzügler, die jedenfalls unterwegs Malheur gehabt hatten, unsere Stadt. In der Haingasse fiel ihnen ein Hund zum Opfer, der überfahren und getobtes wurde. — Aus der Umgegend liegen folgende Berichte unserer Korrespondenten vor:
() Rückingen, 26. Juni. (Von der Fernfahrt.) Das Schauspiel der Automobil Fernfahrt hatte Hunderte von Zuschauern aus Rückingen und den umliegenden Orten heute Vormittag an die Leipziger Straße bei Rückingen gelockt, darunter auch einige Schulen. Die vorbeifahrenden Automobilwagen wurden mit „Hurrah" und mit von zarter Hand geworfenen Bouquets empfangen, auch hatten die an ber Leipziger-Straße gelegenen Häuser geflaggt. Trotzdem von der Polizeibehörde alle Vorsichtsmaßregeln angeordnet waren, um Unglücksfällen vorzubeugen, wäre beinahe ein Schulknabe, welcher noch vor dem heranfahrenden Motorwagen über die Straße laufen wollte, um ein Haar überfahren worden. Dieses Schicksal traf j doch einen vorwitzigen Hund, dessen Herr die Vorsicht außer Acht gelassen hatte, den Hund bei solcher Gelegenheit an der Leine zu führen. Der Hund blieb auf der Stelle todt. Zwei der Rennfahrzeuge erlitten unbedeutende Havarien und machten infolge dessen bis zur Wiederstellung des Schadens hier Pause. Der eine Wagen, Eigenthum einer Breslauer Fabrik, hatte sich heiß gelaufen und wurde neu geölt, der andere Wagen, welcher der Fabrik Dietrich zu Riederbronn i. E. gehörte, erlitt Schaden am Gummireifen durch einen eingebrungenen Nagel. Diesen Wagen scheint ein besonderes Pech zu verfolgen, nach Auskunft der Insassen, war der bei Rückingen eingezogene Reif der dreißigste, seit der Abfahrt von Paris. Der Führer, ein Franzose, äußerte sich übrigens, nachdem er gefragt war, ob die Leipziger-Straße geeignet sei für derartiges Fahren: Die Straße ist nicht schlecht — aber in Frankreich sind die Landstraßen besser. (?)
@ Langenselbold, 26. Juni. (Automobil-Fernfahrt) Das sportliche Ereigniß der Automobil-Fernfahrt hatte auch bei uns lebhaftes Interesse erweckt. Der Ort, bezw. die Straßen, welche die Automobilfahrer passirten, hatten Flaggenschmuck angelegt und eine erwartungsvolle Menge begrüßte die sausenden Gefährte mit Zurufen und sonstigen Sympathiebeweisen. Seitens der Ortspolizeibehörde waren die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen worden. Der Gänseaustrieb sowie der Fuhrverkehr waren sür den Morgen seitens des Bürgermeisters untersagt, an gefährlichen Stellen wehten bte blauen Warnungsflaggen und die Straßen wurden durch bestellte Personen freigehalten. Beim Erklettern des Kirchberges ging einem kleinen Automobil der „Schnaufer" aus, b. h. es war plötzlich malard geworden und versagte den Dienst. Ein nachsausender hilfsb reiter Kollege nahm den Lahmen ins Schlepptau und schaffte ihn vollends in die Höhe und danach ins Gasthaus „zum weißen Roß", woselbst der „Kleine" liegen blieb und seine Insassen auf die Weiterfahrt betrübten Herzens verzichten mußten. Im Uebrigen ging die Durchfahrt Dank der getroffenen Vorsichtsmaßnahmen ohne Unfall von statten. Die auf Spaz'erqäugen befindlichen Schüler der Umgegend bereiteren den Fahrern unterwegs ebenfalls Ovationen durch Tücherschwenken und Hurrahrufen. Noch gegen 1/a2 Uhr kamen Nachzügler durchgefahren, die ihr Ziel Eisenach aber kaum mehr erreicht haben dürften.
4 Gelnhausen, 26.Juni. (Die Automobilisten.) Herzlich begrüßt wurde jeder dahersausende Automobilwagen und die Fahrer halten Mühe, sich der vielen Blumenspenden, von der schönen Hand geworfen, zu erwehren. Das herrliche Wetter, der seltene Sport, die fremden Gäste, alles das lockte unsere Bürgerschaft vor die Thore und ließ sie Spalier bilden in den Straßen. Keuchend kamen die schönen Wagen an, rasch kontrolirt und hussa gings wie der Wind durch unsere Straßen. Eine einfache und doch recht schöne Ehrenpforte war am Meilenstein errichtet und die französische Trikolore flatterte feierlich neben unserem Schwarz weiß-roth. Der Radfahrer Klub in vollem Wichs, mit seiner kleidsamen Tracht hatte die Posten an den Straßenkreuzungen besetzt und versah sicher seine Obliegenheit. Uebereifrige Blumenspenderinnen verursachten vor dem Burgthor nur einen kurzen Stillstand eines Fahrzeuges, vermuthlich hatte sich der Bindfaden des Bouquets in die Naben verirrt. Die Fahrzeit von Frankfurt hierher betrug durchschnittlich 50 Minuten.
Hanauer Uereinsuachrichte«
für Donnerstag den 27. Juni.
Kurort Wilhelmsbad : Nachmittags von 4 Uhr ab: Großes Militär- Konzert der Jnsanteriekapelle Nr. 166.
Bürgerverein: Abends 7‘/s Uhr (bei günstiger Witterung): Konzert.
Evang Männer-und JünglingSverein: Bibelstunoe (Evang. Vereins - hauS).
ArendS'scher Stenographenverein (gegründet 1897): Vereins ab end in der Restauration „zur großen Krone".
Katholischer Männerverein: VereiuSabend in der „Restauration Mohr' (Krämerstraße).
Dramatisch-litterarischer Verein .Melvomene' (im Gasthaus -zu, Sonne"): Abends 9 Uhr: Außerordentliche Generalversammlung.
GabelSberger Stenographen-Verein im Gasthaus zu den „3 Rindern" : Uebung? abend für Korrespondenzschrift.
Hanauer Fußball- und CricketkUw: VereiuSabend in der Restauration „Alemannia".
Turn- u. Fechtklub: Fechten.
St. Joseph Bauverein: Vereinsabend und Kaffenauflage im Gasthaus „zur goldenen Gerste."
Radfahrerverein „Vorwärts": Zusammenkunft tm Gasthaus „zm Sonne'.
Erste Hanauer Poulegesellschaft - Preisspiel in der „Stadt Bremen
Erster Hanauer Fußball-Klub 1893: Klubabend im Vereinslokal (Brauerei Kaiser, Altstadt».
Radfabrerverein Hanau 1885: Klubabend in der „Centralhalle .
Freiwillige Feuerwehr: 2. Komp, bei Beck., 3. Komp. „in »er gute« Quelle.
Spessart-Touristeuverein: Vereinsabend im Gasthaus „zum Elephanten".
Versteigerung»- etc. Kalender
für Freitag den 28. Juni.
Angebote auf Uebernahme der Weißbinoerarbeiten im hiesigen Landkrankenhause sind bis vormittags 11 U^r an das hiesige Landes- Bauamt einzussnden (s. Nr. 139 „Han. Anz.").
27 Juni
relegraphischer Wetterbericht der neunten Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 27. Juni, 9 Uhr 45 Min.
Ein Maximum über 770 mm erstreckt sich von den britischen Inseln bis Süddeutschland, ein Minimum unter 757 mm lagert über Südschweden. In Deutschland ist das Wetter kühl, im Norden trübe, im Süden heiler.
Prognose für den 28. Juni: Wenig Aenderung der herrschenden Witterung wahrscheinlich.
Maittwafferwärme heute Vormittag 16 Grad.
Drahtnachrichten.
Berlin, 27. Juni. Es wird den „Berliner Politischen Nachrichten" zufolge angenommen, daß der Betrag, welchen der Staat zur sofortigen Linderung desNothstandeS der Landwirthschaft in den neulich von den Ministern besuchten Provinzen Posen und Westpreußen zur Verfügung zu stellen haben wird, sich auf etwa 7 bis 8 Millionen Mark belaufen dürfte.
Berlin, 27. Juni. Aus Bromberg wird gemeldet: Der Landrath des Kreises Bromberg gab bekannt, daß auf ministerielle Anordnung den Landwirlhen Waldstreu und Futtermittel aus staatlichen Forsten für halbe Preise überlassen werden. Ebenso soll die Zulassung der Waldweide in diesen Forsten gestattet werden.
Berlin, 27. Juni. Der „Poft" wird aus Tokio gemeldet, daß in dem Benehmen des Spezial Gesandten Natung, welcher in Japan das Bedauern des Kaisers von China über die Ermordung des Kanzlers der japanischen Gesandtschaft zu Peking ausdrücken soll, während der letzten Unruhen in Peking nichts vorlag, das den Verdacht hätte erregen können, er sympathistre mit der Boxerbewegung. Die japanische R gierung habe auch ihr E i n v e r st ä n d n i ß mit der Mtffion Natungs erklärt.
Berlin, 27. Juni. Nach einer Meldung aus Paris wurde im Prozeß Lur-Saluces gestern der Angeklagte zu 5 Jahren Verbannung unter Zubilligung mildernder Umstände verurtheilt. Bei der Abstimmung stimmten 72 Senatoren für die Verurtheilung, 58 enthielten sich der Abstimmung. In seiner Vertheidigungsrede sagte Lur-Saluces, er fühle den Geist seines Ahnherrn in ihm schweben, der todtlich getroffen vom Roßbacher Schlachtfelde getragen wurde. Sein Beispiel, die Ehre höher zu schätzen, als Alles, lebe in seiner Familie fort. Lur-Saluces begibt sich zunächst zum Herzog von Orleans.
Budapest, 27. Juni. Der Abgeordnete Ugron wird morgen im Abgeordnetenhause nochmals auf die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen antworten.
London, 27. J ini. Aus Grafreinet wird gemeldet: In einer Ve sammlung von Burgern erklärte das Parlamems- Mitglied Maasdorp: Wenn er zu wählen habe zwischen dem Ruin und der Sympathie der Buren, so spreche er sich zu Gunsten des Anschlusses an die Buren-Kommandos aus.
London, 27. Juni. Aus Kapstadt wird gemeldet: Die amtliche Statistik über die Pest verzeichnet drei neue Er- krankungs und 7 Todesfälle.
London, 27. Juni. Die heutigen Msrgenblâtter kom- menttren eifrig die gestern vom P äüdenten Krüger in Rotterdam gehaltene Rede und heben ganz besonders die Zähigkeit und das unzerstöibare Vertrauen des alten Krüger hervor.
London, 27. Juni. Das Eindringen der Buren in die Kap-Kolonie dehnt sich noch immer aus. Die Buren entwickeln eine eifrige Thätigkeit und haben verschiedene Distrtkte unter ihrer Gewalt |
Madrid, 27. Juni. Man versichert hier aus bester Quelle, England habe mit Po tugal einen Vertrag abgeschloffen, betreffend die Besitzergreifung der canarischen Inseln durch Portugal und deren gänzliche Abtretung an England. Die Besitzergreifung soll nach Beendigung des südafrikanischen Krieges ei folgen. Andererseits wird dem spanischen Kabinet von Seiten Englands der Vorschlag gemacht, Marokko zu besetzen, wogegen England Besitz von Ceuta ergreifen würde. Demgegenüber wird jedoch versichert, Spanien habe seit geraumer Zeit mit Frankreich einen Vertrag abgeschlossen, betr ffend Gibraltar und Algesiras, welcher Vertrag Spanien bei einem etwaigen Angriff Englands auf das Hinterland von Gibraltar die Unterstützung der betreffenden Großmacht zusichert. Man ist überzeugt, daß die Frage betreffend Gibraltar und Marokko demnächst aufgeworfen und zur Erledigung gelangen werde.
Dandel, Gewerbe und Verkehr.
Leipziger Bank. Der Direktor der zusammengebrochenen Leipziger Bank, Exner, wurde gestern verhaftet. — In der gestern Mittag im Gebäude der Leipziger Bank abgehaltenen Versammlung der Hauptgläubiger, an welcher Vertreter der Reichsbank und der Sächsischen Bank, sowie verschiedener Leipziger und auswärtiger Häuser und Banken Theil nahmen, stellte sich als möglich heraus, ein Moratorium sämmticher Gläubiger herbeizuführen, so daß die Konkursanmeldung gesetzlich geboten erschien. Nach dem en bloc aufgestellten Status der Bank hat dieselbe an Verbindlichkeiten zirka 29 000 000 Mark Accepte, 24u0000U Mark Depositen und Checkkonto, sowie 39 00h000 Mark Kreditoren, zusammen etwa 92 000 0<'0 Mark. Demgegenüber stehen an Aktiven zirka 26 o, Millionen Mark Wechsel, wovon 10 000 000 bei den Staatsanstalten gegen Depositen ruhen, ferner 51/« Millionen Mark Effekten, 2 Millionen Mark Kasse, 1 ll1/» Millionen Debitoren, 40« Millionen Pfänder, 7 Millionen Konsortialbeiiände, 20, Millionen freier Werth des Bankgebäudes, zusammen zirka 159 V* Millionen Mark. Wenn alle Aktiven vollständig eingehen sollten, so werden nach der Berechnung der Direktion 67 Millionen für die Aktionäre vorhanden sein. Es kommt aber vor Allem darauf an, welche Ver uste für die Leipziger Bank bei Realisirung ihrer etwa 80 Millionen Mark betragenden Engagements mit der Aktien-Gesellschast für Trebertrocknung in Cassel und der ihrer Gruppe angehörenden inländischen und ausländischen Gesellschaften und Firmen entstehen. Die Engagements bestehen laut Bericht der Direk ion zum Theil in Debitoren, Pfändern, Wechseln und Konsortialbetheiligungen*