Zweites Blatt
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Är. 146 Bezirks Fernsprechanschluß Nr. 98. MlttWOÄ d?N 2 6. AMN Bczirks-FenisPrechMschluß Nr. 98. 1901
Politische Rundschau.
Der bekannte Vorfall in Bremen, durch den am Abend des 6. März das Leben unseres Kaisers einer schweren Gefahr ausgesetzt worden war, hat nunmehr vor dem Reichsgericht seine endgiltige Aburtheilung erfahren. Der erste Strafsenat, dem es obliegt, über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen einen hochverräterischer Handlungen Angeklagten zu beschließen, hat die Eröffnung des Haupiverfahrcns abgelehnt und den angeklagten Arbeiter Weiland außer Verfolgung gesetzt. Der Gerichtshof befand sich hierbei in Uebereinstimmung mit dem Anträge der Anklagebehörde. Wie diese und der Gerichtshof übereinstimmend annehmen, liegt eine verbrecherische That nicht vor. Ein unglückseliges Zusammentreffen von Umständen hat unseren Kaiser der sckweren Gefahr ausgesetzt, nicht der frevelhafte Wille eines Verbrechers. Der Geisteszustand des Angeklagten ist zunächst durch ein Kollegium Bremer Aerzte und dann durch die preußische wissenschaftliche Deputation für Medizinalwesen, der höchsten in derartigen Fragen begutachtenden Behörde des preußischen Staates geprüft worden. Das Ergebniß ist übereinstimmend so ausgefallen, daß der Angeklagte strafrechtlich für seine That nicht zur Verantwortung gezogen werden konnte. Der Kaiser hat sich die Akten über die Voruntersuchung gegen den Epileptiker Weiland in Bremen vorlegen lassen. — Voraussichtlich wird nun der gemeingefährliche Patient in ein Irrenhaus übergeführt werden.
Dèe erste weibliche Apotheke in Rußland. In Petersburg hat am 18. die Eröffnung einer Apotheke statt« gefunden, deren Personal ausschließlich aus Frauen besteht. Die Inhaberin dieser Apotheke ist Frau Ljeßnewskaja, die erste Frau in Rußland, welche an der Petersburger kriegsmedizinischen Akademie den Grad eines Magisters der Pharmazie erworben hat. Nicht nur sämmtliche Pharmazeuten der Apotheke, sondern alle Bediensteten überhaupt sind Frauen. Gleichzeitig mit der Apotheke wurde auch eine weibliche Pharmazie- Schule eröffnet, deren Zweck darin besteht, Frauen für den pharmazeutischen Dienst heranzubilden. Die Vorlesungen an dieser Schule werden Professoren der kriegsmedizinischen Aka- mie und der medizinischen Frauen-Universität halten. Die Begründerin der ersten weiblichen Apotheke erhielt am Eröffnungstage zahlreiche Glückwunschdepeschen.
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Der Mitarbeiter eines Berliner Blattes hatte eine längere Unterredung mit dem Nachfolger des Herrn von Podbielski, Exzellenz Kraetke. Der dritte deutsche Reichspostmeister sprach sich in eingehender Weise über die wichtigsten Fragen aus, die
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Feuilleton
Gibraltar.
Von Otto Leonhardt.
(Nachdruck verboten).
Rüstet sich England zu einem neuen Entscheidunqskampfe um die Herrschaft übers Mittelmeer, die es nun seit 200 Jahren behauptet ? Will es die ungeheure Bewaffnung, mit bet es den Felsen des Tarik ausgerüstet hat, noch weiter ver-
’ stärken, um sich die Gewalt über jene schmale Straße zu sichern, deren Besitz die Kontrole über das Mittelmeer verbürgt ? Beabsichtigt es gar, sein Territorium auf spanischem Gebiete noch zu erweitern, um seinen Fuß recht tief in diesen wichtigen Theil der Erde einz"drücken? Der Minister leugnet's; doch man weiß, daß Minister gar oft mehr leugnen, als sie sollten; und gewiß ist, daß Englands wie der Welt Aufmerksamkeit sich seit einiger Zeit besonders stark auf Gibraltar richtet, daß die Spanier voller Nervosität auf den vom Union Jack beherrschten Felsen blicken, der ihnen wie ein Pfahl im Fleische steckt.
Das ist, scheint's gleichsam seine Bestimmung. Hier zuerst faßten die Bekenner Mohammeds Fuß, als sie den Kampf gegen das morsche Westgothenreich in Spanien unternahmen; hier war der letzte Posten, den die Mauren behaupteten, als die Christen sie sonst schon aus Spanien vertrieben hatten. Erst 1462 gelang es den Spaniern, die Moslin auch aus diesem Horst zu vertreiben; es war ein Medina Sidonia, dem dies schwierige Werk gelang, und zur Belohnung erhielt seine Familie erblich die Fischereigerechtigkeit in der Bai von Gibraltar, in der dazumal der Thunfisch massenhaft vorkam, — kein übles Geschenk, wenn man bedenkt, daß dies Monopol um die Mitte des 16. Jahrhunderts den Medina Sidonia 70 bis 80 000 Dukaten jährlicher Rente cintrug. Mehr als drei und ein halbes Jahrhundert besaßen nun die Spanier den
das Heer der Neichspost- und Telegraphenbeamten zur Zeit beschäftigen. Den Klagen der höheren Beamten, die sich jetzt in Stellen der mittleren Laufbahn befinden, konnte der Staatssekretär eine Berecktigung nicht anerkennen. „Es befinden sich immer einige ungeduldige Köpfe unter den Beamten. Diese reißen Tue anderen ruhigeren Elemente mit sich. Es ist mir unerfindlich, wie die Beamten über eine Beeinträchtigung ihrer Laufbahn durch Vorbereitungen zu einer Reform sich beklagen können. Soweit Stellen frei werden, rücken sie nach wie vor in diese ein. Jedenfalls leidet die Verwaltung nicht unter einem Mangel an Anwärtern. Wenn die Angehörigen der höheren Laufbahn, die sich jetzt in den Stellen der Sekretäre, Kassirer rc. befinden, durch das Eindringen der Afsistenten in die Bureaustellen sich beschwert fühlen und andere Dienstbezeichnungen zur Unterscheidung von ihren Kollegen aus der Afsistentenklasse verlangen, so lese ich im Gegentheil in den Zeitungen, daß die Assistenten das Sekretärexamen so überaus schwer finden, daß nur Wenige die Prüfung bestehen. Bis diese Wenigen als Sekretäre angestellt sein werden, dürfte die Neuregelung der höheren Laufbahn durchgeführt sein."
Zu großen Reformen im T a r i f w e s e n hält der Staatssekretär die Zeit nicht für gekommen. Es wäre in dieser Beziehung mehr als genug geschehen. Auch die Presse habe dies anerkannt. „Im Gegentheil waren die Sätze, auf welche die Porti für offene Orts- und Nackbarortssendungen herabgesetzt worden sind, z. Z. auf den Wettbewerb der Privatbeförde- rungsanstalteu berechnet. Erst der Reichstag hat dann die Privatposten ganz beseitigt. Die Einbuße, welche unsere Einnahmen infolge der Ermäßigungen erlitten haben, bildeten einen wesentlichen Theil des Ertrags der Postverwaltung. Das Reich ist auf die Ueberschüsse der Post angewiesen. Man spricht von neuen Steuern. Da ist an eine Schmälerung der vorhandenen Einnahmen nicht zu denken." Auf die Frage, ob die Gegenleistungen der Post bei der Beförderung von offenen Ortssendungen nicht mehr durch das niedrige Porto ausgeglichen werden, erklärte der Staatssekretär, von derartigen Berechnungen über Leistung und Gegenleistung im Bereiche seiner Verwaltung nicht besonders viel zu halten. „Der Reichstag verlangt solche Berechnungen und da werden sie denn auch aufgestellt. Allein, führte der Staatssekretär aus, die Berechnungen im Einzelnen müssen wir den Ober - Post- direktionen überlassen. Wir haben etwa vierzig Bezirke. Jeder von den Ober-Postdirektoren hat eine andere Liebhaberei. Jeder vertheilt die Selbstkosten für Arbeitskraft, Material, Fuhrwerk, Bahn u. s. w. Der Werth des Ge- sammtergebnisses ist denn auch sehr fraglich. Die Verwaltung ist ein Organismus, dessen einzelne Leistungen sich auf die verschiedenen Arten der Gegenstände des Verkehrs nur schwer oder gar nicht vertheilen lassen. Wie sich auch Leistung und
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Felsen; aber i. I. 1704, als zwei Prätendenten um den spanischen Thron rangen, gelang es dem Landgrafen von Hessen und dem englischen Admiral Sir George Rooke ihn zu erobern. Der Hesse hißte die kaiserliche Flagge und rief den Erzherzog Karl zum Landesherrn aus, aber Sir George, der die ungeheure Bedeutung Gibraltars für Englands Weltstellung sogleich begriff, ließ die kaiserliche Flagge wieder herunterholen, die königliche Standarte an ihrer Statt hissen und her most gracicus majesty, Königin Anna, als Éouverän in prokla- miren. Viele Spanier wollten unter fremder Herrschaft nicht mehr an der Stätte ihrer Geburt, ihrer Wohlfahrt, ihres Gewerbes verweilen; cs war ein trauriger Zug, als sie alt und jung, reich und arm, Gesunde und Kranke, durch das Nordthor Gibraltar verließen und einer dunklen Zukunft entgegen wanderten.
So wurde Gibraltar englisch. Den vollen Werth dieses Besitzes haben die englischen Staatsmänner nicht immer ermessen und Pitt hat z. B. 1757 Spanien gegen den Abschluß eines Bündnisses gegen Frankreich die Rückgabe Gibraltars angeboten, — zum Glücke für England kam dieser Vorschlag zu spät; Spanien hatte sich schon entschieden. Andererseits haben es die Spanier nicht an Versuchen fehlen lassen, den Felsen zurückzuerobern. Der energischste dieser Versuche war die weltberühmte Belagerung Gibraltars durch die vereinigten Spanier und Franzosen in den Jahren 1779 bis 1782. Damals warfen die Belagerer mehr als 75 000 Kugeln und Bomben gegen die Festung, sie verwandelten die Stadt in einen Trümmerhaufen, aber Elliot, der Kommandant von Gibraltar, dessen Denkmal heut an der Stätte seines Heldenthums sich erhebt, hielt aus, war unermüdlich in der Verstärkung und Ergänzung seiner Rüstungen und wußte sich aus den schwierigsten Lagen herauszuwinden. Schließlich galt der Fall Gibraltars in ganz Europa als sicher; wie zu einem Schauspiele reisten Neugierige aus ganz Europa an das Gestade der Bai von Gibraltar, um dem Schlußakte beizuwohnen, aber der entscheidende Angriff, durch Uneinigkeit der Führer gelähmt, mißlang;
Gegenleistung im Einzelnen verhalten mag, an weitere Ermäßigungen ist vorläufig nicht zu denken. Mein Vorgänger hat schon im Reichstage erklärt, daß ein Ausgleich des Ausfalls an Einnahmen infolge der Ermäßigungen nur mit der Zeit zu erwarten sei. Noch ist die Wirkung der neuen Gebührensätze nicht abgeschlossen. Wir befinden uns im Zustande des Uebergangs. Da verbieten sich neue Versuche von selbst. Den zahlreichen Wünschen auf Ausdehnung der Ortsbriestaxe im Einzelnen vermögen wir nur schwer stattzugeben. Die Erfüllung eines einzigen Wunsches in dieser Beziehung zieht hundert andere Wünsche derselben Art nach sich. Jede Ausdehnung des Nachbarortsverkehr auf zwei Orte bedeutet eine Einbuße von tausenden von Mark. Das erlauben unsere Finanzen nicht."
Auf eine Frage nach etwaigen Aenderungen im Packet- porto führte der Staatssekretär aus, wie innig sich die Sätze mit unserem ganzen wirtschaftlichen Leben verflochten haben. „Ganze Industrien und Erwerbszweige sind aus der Institution des Fünfzigpfennig-Packets ausgebaut. Da müßte man sehr vorsichtig mit Neuerungen sein. Gewisse Ungleichheiten lassen sich höchstens bei derNormirung des Packet- Bestellgeldes beseitigen. Das Bestellgeld ist bekanntlich nach der Klasse der Postämter, die sich am Orte befinden, abgestuft. Nun ist es dem Empfänger des Packeis doch ganz
gleichgillig, ob der Vorsteher des Postamts, von dem Packet kommt, ein Postdirektor oder ein Oberpostsekretär Hier läßt sich wohl einiges verbessern, auch wenn ein wisses finanzielles Opfer damit verbunden ist."
„Der Kartenbrief, so erklärte der neue Chef
das ist. ge-
der
Neichspost, ist ein todtes Kind, so lange er nicht 5 Pfennig kostet. Wir haben schon eine kleinere Ausgabe veranstaltet. Ihn noch kleiner zu machen als eine Postkarte, geht denn doch nicht. Dann bietet er aber den doppelten Raum einer Postkarte zum Beschreiben. Schon jetzt müssen wir für das Kartenporto lange Episteln befördern, die auf die Postkarte kreuz und quer geschrieben werden, weil viele das Briefporto sparen wollen. Eine weitere Einbuße an Einnahmen verbietet wiederum die Finanzlage des Reiches. Wenn wir mehr Geld haben werden, dann können wir mehr geben." Mit diesen Worten schloß der Staatssekretär die Unterredung.
Hue pfah und fern.
Marburg, 22. Juni. Vor etlichen Tagen fand hier zwischen dem stud. jur. Mögenburg und einem Mitglied des Korps Hasso-Nassovia ein Duell auf krumme Säbel unter schweren Bedingungen statt, wobei Mögenburg einen Hieb über Brust und Leib erhielt. Er liegt schwer verletzt darnieder.
auf den Wassern schwammen die Trümmer der Schiffe der Verbündeten und die Leichen ihrer Truppen; Admiral Howe entsetzte die Festung und versorgte sie mit neuem Proviante, und so mußten die 40 000 Angreifer unverrichteter Sache vor den 7000 Vertheidigern den Rückzug antreten, und der Union Jack flatterte weiter über Gibraltar. Man sagt, daß die Gesammtkosten dieser Belagerung über 70 Millionen Thaler betragen haben.
War Gibraltar schön vor einem Jahrhundert trotz eines so gewaltigen Aufgebotes an Menschen und Geldmitteln nicht zu erobern, so ist es vollends heut, nachdem England Millionen über Millionen an seine Befestigung gewandt hat, nach menschlichen Begriffen absolut uneinnehmbar. Der ungeheuere Felsen von Gibraltar ist so gestaltet, daß er nach Osten hin mit schwindelnder Steilheit gegen das Meer abfällt. Hier ist am Strande nidjt einmal für die winzigste Fischerhütte Platz und darum haben die Engländer — bisher wenigstens — sich auf dieser Seite auf die Natur allein verlassen zu können geglaubt, die jede Landung absolut auszuschließen scheint. Die Abdachung des Felsens ist gegen Westen und hier ist er mit Kasematten, in denen die mächtigsten Festungsgeschütze postirt sind, vom seichte:: Uferwasser bis zu bedeutender Höhe gleichsam gespickt. Wer durch Gibraltar südwärts wandert zum Parke der Almeda, dann weiter zur Stadt Europa und zur Südspitze des Felsens, der Punta di Europa, der stolpert sozusagen auf Schritt und Tritt über die gewaltigen Kanonen und über die mächtigen Pyramiden von Geschossen, die neben ihnen aufgestapelt sind. Auch findet sich an der ganzen Westseite kein Landungsplatz; senkrechte Mauern umgürten den Strand, und erst im Norden der Küste liegt der Hafen der Stadt, den drei Gallerten von Batterien beherrschen. Seinen Höhepunkt aber erreicht dies Wunderwerk der Fortifikation an der Nordstirn des Felsens. Dort hängt er durch einen flachen Isthmus mit dem spanischen Festlands zusammen, dort ist die schwächste Stelle des Felsenriesen. Durch einen Hohlweg, der im Falle einer Belagerung die Munitions- und Proviant.