25. Juni. ________
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Hus aller Mell.
Heiteres aus Peking. Wie lesen in der „Pekinger Deutschen Zeitung": Peking, Du alte Kaiserstadt, was ist aus Dir geworden? Ich kenne Dich nicht mehr! Ging man früher durch Deine belebten Straßen, schwebte selbst bei ruhigem Wetter eine undurchdringliche Staubwolke über Allem und über Allen; jetzt erblickt man selbst auf weite Entfernung seinen lieben Nächsten und kommt wohl leidlich sauber an seinem Be- siimmungsort an! Wo sind Deine mächtigen Schmutzhaufen, das Wahrzeichen, das größte Feld Deines Wappenschildes, hin? Auch sie hat der europäische Barbar wegräumen lassen. Und was hat man erst aus Deinen Tempeln gemacht? Einmal im Jahre standen sonst die Thore des Heiligthums offen; heuer bewegt sich nun schon seit fünf Tagen eine buntscheckige Menge in den weiten Höfen des Himmelstempels. So ungefähr würde wohl ein Chinese das Unglück seiner vielgeliebten Vaterstadt besingen! Doch wahrlich, welch einen Anblick bot in den letzten Tagen der große Hof des Himmelstempels! Durch Fähnchen war der Platz für die Spiele und Rennen abgesteckt, eine gedeckte Tribüne und Zelte umgeben im Halbkreis die Arena. Die bunten, kleidsamen Uniformen der Inder, die grellen Farben der Franzosen, der Federhut der Bersaglieri zaubern ein Bild von seltener Farbenpracht und seltenem Reiz hervor. Auf der Tribüne ist das schöne Geschlecht versammelt, für Peking in ganz ungeheurer Zahl. Doch wie „schüchtern" und ungelenk macht das rauhe Kriegsleben! Man traut sich gar nicht mehr in die Nähe der Tribüne! Unter den Zuschauern herrscht eine lebhafte Unterhaltung; die Laute von mehr als einem halben Dutzend Sprachen schwirren hier durcheinander ; wohl Dem, der einige Brocken in fremden Sprachen gesammelt hat, er kann voll und ganz den interessanten internationalen Verkehr genießen. Schon aus diesem Grunde müssen wir den Engländern für die Veranstaltung der Spiele dankbar sein. Man hat sich im Verlaufe dieser fünf Tage näher kennen gelernt, manche Bekanntschaft oder gar Freundschaft wird ihren Ursprung dieser Zeit zu verdanken haben. Leider war die Betheiligung an den Spielen selbst weniger international. 9?ur Deutsche und Franzosen konkurrirten mit den Engländern; Beide aber mit gutem Erfolg. Den Rennen am Mittwoch (10. April) folgten am Donnerstag und Freitag Spule und militärische Uebungen, die fast durchweg mit großer Präzision und Geschicklichkeit ausgeführt wurden. Viel Beifall fand das Lanzenstechen, in dem vor Allem die Inder Meister sind, an ihrer Spitze der 60jährige Maharaj von Jodphur. Die Kunststücke zu Pferde und das Fahren der Artillerie waren vorzüglich, eine Beifallssaloe nach der anderen belohnte die Leistungen. Hatte sich das Auge müde gesehen, so wandte man sich den Zelten zu, meist begleitet von einem der liebenswürdigen Wirthe, um hier durch ein Glas Bier oder Whisky- Soda seine gesunkenen Lebensgeister wieder aufzufrischen. Am Montag den 15. April galt es, Abschied zu nehmen von dem interessanten Bilde. Um 5 Uhr 30 Minuten nachmittags, nachdem das letzte Tauziehen beendet war, versammelten sich die Sieger des fünftägigen Kampfes um den englischen Höchst- kommandirenden, General Gaselee. In kurzen Worten dankte der General für die rege Betheiligung und ging dann an die Vertheilung der Preise. Diese bestanden theils aus werthvollen silbernen Gefäßen, theils aus Geld. Am häufigsten wurde beim Verlesen der Sieger der Name des Maharaj genannt, der wohl sechs oder sieben Preise errungen hat.
1041/* Jahre alt geworden ist der Ortsarme Casimir Majowski, welcher am Donnerstag im Gemeindekrankenhause zu Rosdzin an Altersschwäche gestorben ist. Der Greis war am 13. März 1'797 geboren und erfreute sich der besonderen Gunst des alten Kaisers Wilhelm, der den alten Mann des Oefteren bei passender Gelegenheit durch Spendung eines Geldgeschenkes erfreute.
Eisenbahnunfall. Amtlich wird aus Breslau vom 24. ds. Mts. gemeldet: Gestern Nachmittag 3 Uhr entgleiste auf der Strecke Breslau-Brieg bei Bude 39 ein Theil der Achsen des Berlin-Wiener Schnellzuges Nr. 8. Zwei Reisende wurden unerheblich verletzt. Der Verkehr wurde eingeleisig aufrechterhalten. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Die Ursache konnte bisher nicht ermittelt werden. — Gestern Vormittag 8 Vs Uhr stieß auf der Strecke Breslau-Zobten der Breslauer Sonderzug mit einem von Zoblen kommenden Personenzuge auf der Station Puschkowa zusammen. Sechs Reisende wurden ganz unerheblich verletzt. Beide Lokomotiven sind beschädigt.
Eine Schläferin. In Thènelles unweit Saint-Quenlin schläft seit achtzehn Jahren eine Kranke, Marguerite Bouyenval. Sie ist weit und breit als die „Schläferin" bekannt und hat die medizinischen Größen durch die Beharrlichkeit ihres Zustandes in Erstaunen gesetzt. Jetzt heißt es, Marguerite Nouyenval, deren Zustand sich alljährlich um diese Zeit verschlimmerte — sie verfiel am 31. Mai 1883 in Starrsucht — sei ihrem Ende nahe. Das Gesicht weist alle Leichen- sywptome auf. Die Augen sind tief eingesunken, Arme und f^W»m»IHMU8at!W! 1 aM^.V^^MtW^a^^U^MSHM—>1—MMaM^^
Dienstag _______________
Beine fast skelettartig abgemagert. Die Empfindlichkeit an einigen Körpertheilen, die noch als Lebenszeichen galt, hat aufgehört, doch athmet die Patientin noch leise, fast unmerklich, und die Mutter setzt die künstliche Ernährung fort. Ueber den Fall wurde früher mancherlei erzählt und wohl auch erdichtet. Es hieß, Marguerite Bouyenval habe dereinst einen Felddiebstahl begangen und sich aus Furcht vor gerichtlicher Strafe in ihrem Belte schlafend gestellt, wobei die Mutter ihr behilflich war. Das Haus wurde daher lange polizeilich überwacht und man fand es auch verdächtig, daß die Mutter sich beharrlich dagegen wehrte, die Tochter außerhalb des Hauses in ärztliche Beobachtung und Behandlung zu geben. Charcot war selbst nach Thönelles gereist, um ihr zuzureden und Hilfe zu versprechen, wenn eine solche noch möglich war. Allein Frau Bouyenval weigerte sich, die Tochter auch nur eine Stunde aus den Augen zu lassen, und bestätigte dadurch den Verdacht Derer, welche die Starrsucht, wenn nicht die allmähliche Abschwächung für eine Komödie hielten. Andererseits sagte man aber auch, Frau Bouyenval könne einen anderen Grund haben, ganz einfach die Furcht, ein bequemes Einkommen und den relativen Wohlstand zu verlieren, welche der Zustand ihrer Tochter ihr eintrugen, da alle Besucher Gaben zurückzulassen pflegten.
Die Ratten in Kapstadt. Der Korrespondent der „Daily Mail" schreibt aus Kapstadt, daß während der drei Monate, während der die Pest Südafrika heimgesucht habe, der Tod dort eine ebenso reiche Ernte gehabt habe, als im fernen Osten. Die Todesziffer ist unter den von der Krankheit Befallenen bis auf 46 Prozent hinaufgegangen. Das Schlimmste sei, daß die Ratten die Krankheit so haben verbreiten können. Kapstadt sei jedenfalls die rattenreichste Stadt der Welt. Es sei kaum ein Haus in der Stadt, das vollkommen frei von Ratten sei. Sogar im Negierungsgebäude gebe es eine Menge Ratten, man habe einige Kadaver pestkranker Natten im Hofraum gefunden, und deshalb seien alle Höfe und die Böden des Regierungsgebäudes mit Zement belegt worden. Diese Verbesserung soll nach und nach über die ganze Stadt ausgedehnt werden. Auch in anderen Regierungsgebäuden habe man Ratten gefunden, die an der Pest zu Grunde gegangen waren, und wenn man heute den Fußboden in irgend einem Hause der Stadt ausnchme, so könne man sicher daraus rechnen, mindestens 30 bis 40 todte Natten zu finden. Sogar in den Hospitälern habe man todte Ratten gefunden, man habe einen wahren Vernichtungskrieg gegen dieses Ungeziefer geführt, aber das habe bei der kolossalen Menge gar nichts geholfen. Katzen und Hunde, die man zur Rattenjagd gebraucht habe, seien ebenfalls bald ander Pest krepirt. Jetzt sei es in den ärmeren Vierteln, wo die Rattenplage ursprünglich am schlimmsten war, etwas besser, aber dafür seien die Thiere in die besseren Theile der Stadt gezogen.
Telegraphischer Wetterbericht der deutsKev Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 25» Sunt,
9 Uhr 50 Min.
Maxima lagern über Nordosteuropa und Westeuropa, ein relativ niedriger Luftdruck erstreckt sich von Südosteuropa bis Südschweden. In Deutschland ist das Wetter vorwiegend trübe und kühler.
Prognose für den 26. Juni: Wenig Aenderung, im Osten Abkühlung wahrscheinlich.
Varomeierst and
mittags 12 Uhr am 24./i
Sehr trocken __
Beständig 770
Schön
Veränderlich —=
Regen (Wind)
Diel Regen 740 —
Sturm —
750 _■ =
720 =
710„=
25./G.
Hanauer Uereittsnachrichteu
für Dienstag den 25, Juni.
Kaiser's Bierkeller „zur schönen Aussicht": Abends 7 Uhr: Großes Wetterfest mit Brillaulbeleuchlung und Konzert.
Seite 7
Evang. Männer- und JünglingLvereiu: Jünglingsverein: Bibelbe- sprcchuna; Jungfrauenverein: Flickabend (Ev. Vereinshaus.)
Kath. Kasino »Eintracht' (Vereinslokal: „zum Braustüb'l"): Vereins- abeud.
SanitätSkolonne des Kriegervereins: Uebungsstunde in der „Central- Halles
Verein der Bayern: Vereinsabend im „Schwarzen Bären".
Turn- u. Fechtklub: Fechten.
Siiddeutscher Klub: Klubabend in der Restauration „Allemania.
Zitherverein Hanau: Probe in der Restauration „Allemania".
Athletenklub „Germania" : Riegenstemmen und Musterriegenarb eiten.
(Restauration Wagenbach, Paradeplatz),
für Mittwoch den 25. Iuni.
Hanauer Schützenverein: Nachmittags von 2 Uhr ab: Schießen auf den neuen Schießständeu.
Litterarisches.
Die Thiere leiden an denselben Krankheiten wie der Mensch — diese von der Wissenschaft heute eingeräumte Thatsache bildet eine bemerkenswerte Illustration zu Schopenhauers einst viel umstrittener Behauptung von der Wesensgleichheit zwischen Thier und Mensch. Nunmehr lag auch der Gedanke nahe, die arzneilose Heilmethode, welche sich bei der Behandlung der menschlichen Krankheiten so vorzüglich bewährt hat, auch auf die Thierheilkunde zu übertragen. Zum ersten Male ist das, und zwar in umfassendster, mustergiltiger Weise, geschehen in Caesar Nhan's epochemachendem, soeben in vierter Auflage erscheinendem Werke: „Das Goldene Buch des Landwirthes" (Deutsches Verlagshaus Vong u. Co., Berlin W. 57 — 2 Prachtbände 16 Mark). Nicht weniger als 445 treffliche Abbildungen, drei zerlegbare Modelle und zwölf farbige Tafeln schmücken das bei aller Wissenschaftlichkeit des Inhalts durchaus populär geschriebene Werk, nach welchem jeder Thierbesitzer sein Vieh in Krankheitsfällen schmerzlos und ohne großen Kostenaufwand zu behandeln in der Lage ist. Der erste Band bespricht die Krankheiten des Pferdes und des Rindes. Vorausgeschickt ist dem ganzen Werke eine eingehende Uebersicht über sämmtliche Heilmittel der Naturheilkunde und ihre Anwendungsformen, wie Ruhe, Bewegung, Diät, Licht, Luft, Wasser, Kräuterbäder, Güsse, Packungen, Dampfanwendungen und -Kompressen, die verschiedenen Arten der Massage, Wundbehandlung :c. — alles immer in genauester Weise den einzelnen Thieren und ihren Krankheiten angepaßt. In den uns vorliegenden ersten Bogen des „Goldenen Buches" sind ferner die Ausführungen Rhan's, der selbst ein hervorragender Thierzüchter ist, über die Wartung und Pflege des gesunden Pferdes besonders wichtig, namentlich auch über die Anfordernisse an einen rationellen Stall, zweckmäßiges Geschirr, ebensolche Fütterung, tadellose Konstruktion der Gebißstangen, sowie über die unbedingt nöthige Hautpflege des Pferdes, dieses werthvollste unserer Hausthiere.
—am—IHM'IUHHI! «Wim Hill
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