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Aufgaben und seine bisherige Thätigkeit. Sieber schloß mit einer begeisterten Aufforderung an ßllel Anwesenden, dem Verein beizutreten. Herr Domkapitular Prof. Dr. Arenhold (Fulda) erörterte in einem Vortrage die Pflichten des katholischen Mannes in unserer Zeit. Herr Cremer (Offenbach) sprach dann noch über den Windthorstbund, der Lem Volksvereine und der Zentrumspartei für den nöthigen Nachwuchs sorgt. In seinem Schlußwort dankte der Vorsitzende, Herr Pfarrer Rübsam, den Rednern und ersuchte alle Anwesenden, deren Worte zu beherzigen und zu befolgen, insbesondere auch recht zahlreich dem Volksverein beizutreten. Die Pansen zwischen oen einzelnen Reden wurden > durch Musikoorträge der Allen- mittlauer Kapelle (Dirigent Herr Lehrer Decher) und durch Gesangvortrüge des Vernbacher Gesangvereins (Dirigent Herr Lehrer Jörg) in der schönsten Weise ausgefüllt.
® Ho^^nzsA, 24. Juni. Die Glocken läuteten und die Straßen hallten wider von dem jubelnden Hoch der Alten und Jungen, als die Festprediger Hofprcdigcr a. D. Stöcker und General-Superintendent Pfeiffer vom Ortspfarrer geleitet in das hellerleuchtete und mit Lampions geschmückte Dorf am Vorabend unseres Kirchweih- und Missionsfestes einfuhren. — Am anderen Morgen leuchtete die liebe Sonne über unserem Dorf, das in stillen Frieden dalag und im Schmucke frischen Waldesgrüns recht festlich dreinschaute. Um 10 Uhr riefen die Glocken zum ersten Gottesdienst, in dem General-Superintendent Pfeiffer an der Hand des Textes Lukas 19, 1—10 der Gemeinde die drei Mahnungen zum Kirchweihtage zurief: Kommt allezeit heilverlangend hierher ins Gotteshaus, um Jesum kennen zu lernen; nehmt den Herrn in Freuden in eure Häuser auf und dient dem Herrn nicht mit Worten allein, sondern mit der That und Wahrheit. Der treue Gott erwecke unserm Heiland viele Zachäusseelen in unseren Gemeinden, die sich recht eifrig an diesem schönen Gottesdienst be- theiligt hatten. — Am Nachmittag um 3 Uhr predigte Hofprediger a. D. Stöcker in dem überfüllten Gotteshause über das Sendschreiben an die Gemeinde zu Sardes, Offenbarung 3, 1—6, und schrieb uns unauslöschlich die ernsten Fragen in Herz und Gewissen: Bist Du lebendig? Wenn nicht, willst Du es werden? Wenn das, wie werden wir cs bleiben? Der Herr gebe, daß die Worte dieses großen Zeugen Seines lebensschaffenden Geistes ihre Segensspuren hinterlassen, die sich in Ewigkeit nicht verwischen, bei allen Gliedern der großen Festgemeinde, die aus dem ganzen Hanauer Oberland und weit über seine Grenzen hier zusammen gekommen war. Geopfert wurden für die Ausschmückung unserer Kirche 34 M., für die Berliner Stadtmission 110 M. Der Herr segne Geber und Gaben. — Für den Abend mar nach Schlüchtern in den „Deutschen Kaiser" eine Versammlung für Männer und Frauen berufen, die sehr gut besucht war, auf welcher Hofprediger a. D. Stöcker nach einer herzlichen Begrüßung durch Superintendent Orth einen durch seine großartige Einfachheit überzeugenden Vortrag über die Bedeutung und die Arbeit der freien kirchlich-sozialen Konferenz hielt. Es schrieben sich daraufhin 35 Männer und Frauen als Mitglieder der Konferenz ein und bestellten die „Kirchlich-sozialen Blätter". — Dieser schöne Erfolg berechtigt zu der frohen Hoffnung, daß sich bald eine Gruppe der freien kirchlich-sozialen Konferenz auch im Hanauer Land bilden wird. Zu der konsti- tuirenden Versammlung wird demnächst in den Kreisblättern eingeladen werden.
Fâa, 24. Juni. Zum hessischen Juristen tag waren bereits am Samstag ca. 60 Herren hier angekommen und machten bei schönstem Wetter einen Rhönausflug auf Schloß Bieberstein, wo es Allen ausgezeichnet gefallen hat. Zurückgekehrt aus der Rhön verlebten sie den herrlichen Sommerabend in gemüthlichster Weise in den traulichen, von einem glänzenden Damenflor belebten Gartenanlagen des Bürgervereins. Am Sonntag vermehrten sich die Herren Rechtsge- lehrten auf über 100, Dank der günstigen geographischen Lage der Stadt Fulda, im Mittelpunkt des Oberlandesgerichtsbezirks Cassel. Ueber die zwanglose Zusammenkunft, welche gestern Vormittag auf einen von Herrn Rechtsanwalt und Notar Gegenbauer geführten Rundgang in die Landesbibliothek, in die Michaelskirche und auf den Frauenberg im Stadtsaal folgte, ist für das Publikum nichts Interessantes zu berichten. An den musikalischen Frühschoppen auf dem Nordplatean des Schloßparkes reihte sich das Festmahl von über hundert Gedecken im Saale des Bürgervereins, wobei Worte zahlreich wie der Sand am Meer zu Tischreden gefügt wurden. Abends verließen uns die geschützten Gäste wieder, aber wohl jeder der fremden Herren that es mit dem Gefühl höchster Befriedigung über die in Fulda und Umgegend verlebten schönen und gemüthlichen Stunden.
tz. Bad Salzschlirf, 24. Juni. Die hiesige Kur- direktion ist unablässig bemüht, den sehr zahlreich eingetroffenen Badegästen auch anregende künstlerische Genüsse zu verschaffen. So hatte sie neuerlich die Opernsängerin Frau Ottilie Porst vom Casseler Hoftheater für ein Konzert gewonnen, welches außerordentlich beifälliger Aufnahme begegnete. Die ausgezeichnete Künstlerin sang, unterstützt durch herrliche Stimmmittel und reizvolle, geistreiche Jnterpretationskunst, eine Anzahl Lieder, sowie die große Arie der „Rose Friquet" aus der Moillart'schen Oper „Das Glöckchen des Eremiten" und den Musette-Walzer aus Leoncavallo's „Boheme". Die Wirkung der temperamentvollen Vorträge war eine prächtige, hinreißende. Weiter erschien im Rahmen des Programms der bekannte Rezitator Herr Max Müller -Cassel, welcher ernste und heitere Dichtungen künstlerisch fein nuancirt wiedergab. Als reizvolle Neuheit befanden sich darunter die von Theodor Gerlach, dem Komponisten der Oper „Matteo Falcone", vertonten „Gesprochenen Lieder". Die Klavierbegleitung des Frl. Emmy Keerl -Cassel verdient rühmende Anerkennung.
Frânkftrrt a» M., 24. Juni. Nachdem auf Station Rödelheim erst vor Kurzem in gleicher Weise ein junger Mensch seinen Leichtsinn mit dem Leben büßen mußte, ereilte am Samstag Abend bei der Einfahrt des Zuges 727 den Heinrich Glock von Rödelheim dasselbe Schicksal. Derselbe sprang aus dem noch im Fahren begriffenen Zug, gerieth unter die Räder und wurde so schlimm zugericktet, daß er noch auf dein T"uiC-
Dicufiast
port nach dem Krankenhause starb. Möchten diese bedauerlichen Fälle doch endlich zur ernsten Warnung dienen.
St. Frankfurt a. M., 24. Juni. Das neue Variütö im Hippodrom war gestern ganz vorzüglich besucht, und daS nach Tausenden zählende Publikum in Beifall spendender Laune. Der Applaus war mit den vorzüglichen Produktionen übrigens wohlverdient und ermunterte die Artisten, ihr Bestes zu bieten.
1'4. Büdingerr, 24. Juni. Die Ehefrau des Flurschützen Hardt dahier erschoß sich im Bett liegend mit dem Dienst- revolver ihres Mannes. Die Waffe hatte sie mit Wasser und Papier geladen.
Hd. Wkrrge», 24. Juni. Nächsten Samstag treffen die Bonner Somffen hier ein und begeben sich nach Nüdes- heim, dem Niederwald-Denkmal und Aßmannshausen. Mair glaubt, daß der Kronprinz an diesem Ausflug Theil nehmen wird.
Frankenthal, 24. Juni. In der am 22. Juni ab- gehaltenen Aufsichlsrathssitzung her „Schnellprcssmsabrik Frankenthal Albert & Co. Akt.-Ges." wurde befdjlDffcn, für das am 31. März d. J. beendete 12. Geschäftsjahr der am 12. Juli er. stattsindeuden Generalversammlung wiederum eine Dividende von 12°/o für das volle Aktienkapital vorzuschlagen.
Bandel, Gewerbe und Verkehr.
Marktberichte.
Frankfurt a. M., 2 i. Juni. Amtliche Notirung her Viehmarkt- Prcge. Zum Verkauf standen: 479 Ochsen, 41 Bullen, 834 Kühe und Färsen, (Stiere und Rinder), 244 Kälber, 133 Schafe und Hämmel 995 Schweine. Bezahlt würd N für 100 Pfd. Schlachtgewicht : Ochsen: a. vollfleischige, ausgemüstete höchsten Schlachtwerths bis zu 6 Jahren Mk. 66—68, b. junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästcte Mk. 62—64, c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mk. 55 - 59, el gering genährte jeden Alters Mk. 00 - 00. Bullen : a. voll- fleischige höchßcu SchlachtwcrlhcS Mk. 54-56, b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere Mk. 50—52, c. gering genährte Mk. — —. Kühe und Färsen: (Stiere und Rinder): a. voll fleischige, ansgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwerthes Mk. 60—62, b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerthes bis zu 7 Jahren Mk. 56—58, c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 41—43, d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 30—32. e. gering genährte Kühe und Färsen sStiere und Rinder) Mk. 23—29. Bezahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast- (Vollm. Mast) und teste Saugkälber 75—80 Pf., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 69—71 Pf, c. geringe Saugkälber 58—60 Pf., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser)—.— Pf. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 62—64 Pf., b. ältere Masthämmel 57—59 Pf., c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 00—00 Pf. Schweine: a. voll fleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu iVi Jahren 64 — 00 Pf., b. fleischige 62—63 Pf., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 52 - 54 Pf., d. ausländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) —.— Pf. Bezahlt wurde für 1 Pfund Lebendgewicht: Kälber a. 46—49 Pfg., b. 40—43 Pfg., Schweine a. 50— Ou Pfg., b. fleischige 49 Pfg. — Aus Oesterreich standen 143 Ochsen, zum Verkauf.
Frankfurt a. M., 24. Juni. Es notiren je nach Qualität: Weizen, hiesiger und Wcttcraucr W. 17.25—17.40, kurhesjischer Mk, —.—, norddeutscher Mk. —.—, russischer Mk. 17.40 — 18.—, Redwinter Mk. 17.30-17.75, KansaS Mk. 17.30-17 60, La Plata Mk. 16.90 bis 17.75, Walla Walla Mk. 17.50—17.75. Roggen, hiesiger, Mk. 14.40—14.60, Pfälzer Mk. ■—.—, russischer Mk. 14.80—15.10. Gerste, geschäftslos. Hafer, hiesiger Mk. 15—16, Württemberger Mk. —.—, bayerischer Mk. 15—16, russischer Mk. 14.75—16.25, Amerikaner Mk. 14.60—15, Mais mixed Mk. 11.70-11.85, La Plata Mk. —.—. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier. — Mehl ruhig. Es notiren nach Qualität: Weizenmehl hiesiges Nr. 0 Mk. 25.50—26.—, feinere Marken Mk. 28.25-29.-, Nr. 1 Mr. 24.25-24,75, feinere Marken Mk. 25—25.50, Nr. 2 Mk. 23,25—23.75, feinere Marken Mk. 24 bis bis 24,50, Nr. 3 Mk. 21.25—21.75, feinere Marken Mk. 22 bis 22 50, Nr. 4 Mk. 18—18.50, feinere Marken Mk. 19—19.50. Noggcnmchl, hiesiges Nr. 0 Mk. 22.75—23.75, Nr. 1 Mk. 20.25—21.25, Nr. 2 Mk. 14.75-15.25. Alles per 100 Kilo inkl. Sack loko hier. — Fntterartikel etwas ruhiger. Es notiren: Weizcnschalcn Mk. 4.95—5, Weizenkleie Mk. 4.95—5, Roggenkleie Aèk. 5 35—5.45, Futtermehl Mk. 6 25—7, Biertreber, getrocknet Mk. 5.25—5.40 je nach Qualität. Alles per 50 Kilo netto effektiv loko hier.
Frankfurt a. M., 24. Juni. (Abeudbörse.) Kreditaktien 206.80 — 50—60 b. Diskonto-Kommnndit 180.70—80—10 b. Deutsche Bank 193.70—50 b. Dresden 140.50 b. Darmstädter 129.05 b. Lombarden 34,25 b. Anatolier 87.30 b. Hamburger Packet 124 b. Laura 200.20 b. Concordia 262 b. Eschweiler 218 b. Boese 114.40 b. Schlickert 140,60 b. Helios 52 b. Edison 193 b. Mexikaner 43.20 b.
Bei ziemlich ruhiger Gesammthaltung gaben Montanwerthe und Bankaktien auf Sxekulalionsabgabcn weiter nach. Auch einzelne Industrie- werthe fchwächer. Mexikaner etwas höher bezahlt.
Berlin, 21. Juni, Produktenina rtr. Weizen per Juli 167.—, per September 167.75, per Oktober 168.25.
Roggen per Juli 139.5.0, per September 142.—, per Oktober 142.25.
H afer per September —.—, per Oktober 128.50.
Mais amerik. Mixed loco, per Juli 108.75, per September 108.—.
Rüböl per Oktober 52.20, per November—.—.
Spiritus, 70er loco —.—, 50er —.—.
Hamburg, 24, Juni. Kaffee good raverage Santo. Schluß-Kurse per (September 29Vs, per Dezember 301/« Pf.
Amsterdam, 24. Juni. Weizen per November —.—, per März 1902 —.—, Roggen per Oktober 126.—, per März 1902 —.—. Leinöl loco 34? 8, per Juli-August 34, per September-Dezember 30, per Januar-Mai 1902 27. Bauca-Zinn loco 76^/4. Billiton loco 77.
Werlossägett.
Stadt Paris 500 Fr.-Loose vom Jahre 1865.
Ziehung am 15. Juni. Auszahlung am 1. August 1901. Hauptpreise: Nr. 12289 zu 150 000 Frcs. Nr. 461918 zu 50 000 Fr. Nr. 96481 418914 528164 568304 je 10 000 Fr. Nr. 11032 152175 217910 378456 525061 je 5000 Fr. Nr. 211277 138991 255348 337001 348294 355673 379138 394922 507693 544717 je 2000 Frcs.
Suez-Kanal 500 Fr.-Loose vom Jahre 1868. Ziehung am 15. Juni. Auszahlung am 1. Juli 1901. Hauptpreise: Nr. 16140 zu 150 000 Frcs. Nr. 20443 72692 je 25 000 Frcs. Nr. 49426 137837 je 5000 Fr. Nr. 270763 302163 212272 15716 30107 105737 74702 193438 176580 155076 237819 327068 260938 270106 319295 53995 129684 160182 179700 .169258 je 2000 Frcs.
Panama-Kanal 400 Fres.-Loose vom Jahre 1888. Ziehung am 15. Juni. Auszahlung am 15. Juli 1901. Hauplprcise: Nr. 759139 zu 250 000 Frcs. Nr. 824453 ?u 100 000 F^c?. Nr. 109-977 1997664 0
____ 25 Juni
100 060 Frcs. Nr. 1512133 1635389 je 5000 Frcs. 852710 372884 130749 890432 1998404- je 2000 Frcs' Nr. 30346 130353 163781 189457 210558 246555 360977 406713 469021 523393 543918 574643 576789 599593 612627 631422 638461 650747 672785 764883 765881 833129 837267 898056 946043 946588 950127 1089579 1095726 1099260 1107102 1161108 1211124 1280200 1283148 1295085 1365731 1368115 1384553 1387934 1458361 1557693 1570801 1748148 1807957 1830718 1839923 1934068 1935264 1978294 je 1000 Frcs. (Ohne Gew.)
Hus aller Welt.
Das Urtheil im Lüneburger Mordprozef; gegen drei Zuchthäusler, die angellagt waren, den Calfactor in Putbus ermordet zu haben, ist bereits gesprochen worden. Die Geschworenen verneinten im Gegensatz zu dem ersten Schwurgericht die ihnen vorgelegte Frage auf den Mord und bejahten die Frage auf Todtschlag gegen alle drei Angeklagten. Hierauf verkündete der Vorsitzende Has Urtheil, das auf lebenslängliche Zuchthausstrafe und Ehrverlust von gleicher Dauer lautete.
Retter im Schwurgertchtssaale. Erfurt, 24. Juni. Kurz nach 6 Uhr abends brach während der Verhandlung des Schwurgerichts im Saale des hiesigen Landgerichtsgebäudes Feuer aus und zwar dadurch, daß der Kastellan beim Anzünden der Kandelaber der Draperie zu nahe kam. In kurzer Zeit stand die Holzdecke in Flammen. Das Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich. — Abends 87» Uhr war der Brand bewältigt. Der Saal ist völlig ausgebrannt. Weiterer Schaden wurde nicht angerichtet.
Zu zehn Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde in der Kottbuser Schwurgerichtssitzung der Schmiedearbeiter Paul Kruger ans Weissagt wegen Todtschlags seiner Ehefrau. Krüger ist 23 Jahre alt und war erst ein halbes Jahr ver- heirathet. Die Ehe war infolge Nahrungssorgen sehr unglücklich. Trotzdem wollte Krüger seine Frau nicht zu ihren Eltern zurückkehren lassen, drohte vielmehr, in diesem Fall sie und sich selbst zu erschießen, und führte diese Drehung auch am 30. April aus, indem er seine Frau durch zwei Revolverschüsse tödtete und sich selbst durch drei Schüsse verletzte.
Wegam besonderer Tüchtigkeit im Wachdienste wurde, wie aus Aachen geschrieben wird, der Füsilier R. vom dortigen Infanterie-Regiment Nr. 40 vom Regimentskommandeur zum Gefreiten befördert. R. befand sich auf dem Elsenborner Truppen-Uebungsplatz auf Posten und mußte gegen einen Mann vom 65. Infanterie-Regiment in Köln eiuschreiten, der während der Dunkelheit als „Zapfenstreicher" einen Pallisadenzaun zu überklettern versuchte. Da der Mann auf Anruf davon nicht abließ, machte R. seiner Instruktion gemäß von der Schußwaffe Gebrauch und traf den Ungehorsamen in den linken Fuß. Nun sprang der Soldat herab, zog sein Seitengewehr und wollte sich auf den Posten stürzen. Dieser sah sich lebensgefährlich bedroht; er rief „Halt!" und feuerte, als sein Gebot fruchtlos blieb, nochmals. Der Schuß ging dem Andern durch die Lunge, so daß augenblicklich der Tod eintrat. Jetzt wurde jener Posten wegen besonderer Tüchtigkeit im Dienste zum Gefreiten befördert. Der Erschossene hatte nur noch bis zum Herbst zu dienen.
Humor aus dem Transvaalkriege. Auf einer Surenfarin spielte sich unlängst zwischen ihrem Besitzer ‘ und einem englischen Offizier folgende Szene ab: Der Offizier: „Ich habe Befehl, sämmtliche Futtermittel, die sich auf der Farm befinden, anzukaufen oder verbrennen zu lassen. Ich ziehe das Letztere vor. Verbrennen Sie sofort das Stroh hier auf dem Hofe." Der Farmer: „Aber, Herr Leutnant: Ich . " Der Offizier: „Nichts da! Es wird verbrannt!" Der Farmer : „Ja, wenn Sie durchaus wollen, aber . . ." Der Offizier : „Marsch! Keinen Widerstand." Das Stroh wird verbrannt, worauf der Farmer in Seelenruhe zu dem Offizier. sich wendet: „Ich wollte Ihnen vorhin nur sagen, daß mir das verbrannte Stroh von der englischen Fourageoerwaltung abgekauft ist und ich vor einigen Stunden das Geld dafür erhalten habe." — Das Gesicht des englischen Offiziers war nicht gerade geistreich, als er darauf sein Nößlein wandte und zum Thore hinausritt.
Todessiurz. Adalbert Hay, ehemaliger amerikanischer Konsul in Pretoria und Sohn des Staatssekretärs Hay, siel in Newhaven (Connecticut) aus den Fenster eines Hotels und war sofort todt. Er hatte sich, nachdem er den Abend mit ehemaligen Schulfreunden verbracht hatte, in bester Stimmung nach seinem Zimmer begeben und augenscheinlich, während er, um zu rauchen, ans Fenster getreten war, das Ueber- gewicht bekommen.
Ein seltsamer Meh- und Pferdemarkt. In dem havellündischen Städtchen Kremmen war in voriger Woche großer Vieh- und Pferdemarkt annoncirt, die erschienenen Käufer aber mußten unverrichteter Sache wieder heimziehen, denn nur ein einziges Fohlen, aus Seebeck bei Lindow stammend, dessen Besitzer cs auf einem Kinderwagen ungefaßten hatte, stand zum Verkauf. Ein Bauer aus Vehlefanz erhielt es zu einem günstigen Preise. DaS Fohlen unter den Arm nehmend, zog er heimwärts ; hiermit war der Vieh- und Pferdemarkt beendigt.
Beim Abrichten von Ratten wurde ein „Artist" in Berlin arg verletzt. Der Mann beschäftigt sich seit längerer Zeit damit, die langgeschwänzten Thiere zu verschiedenen Kunststücken, wie Seillaufen, Festung stürmen, Tanzen usw. abzurichten. Nun sollten sich die Ratten „Paris" und „Mene- laus" mit Kanonen schießen. Auf das Kommando „Los" feuerten die beiden Helden kleine „Geschütze" ab. „Menelaus" wurde dabei von bem Papierpfropfen getroffen, stürzte sich wuthcntbrannt auf seinen Gebieter und biß ihn in einen Arm und ins Gesicht. Der Mann, dessen Wunden sich schnell entzündeten, wird bis zu seiner Heilung längere Zeit brauchen,
SchiM-Rnchrichien.
(Mitgetheilt von Paul Klein, Agent der „Red Star Linie*, Antwerpen.)
Der Dainpfer „St. Louis" von der American-Linie in Liverpool ist am 23. Juni wohlbehalten in New-Dork kina-troncn.