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Montag
25. Juni
Anszeichnnng des Grafen Soden. Es verlautet bestinimt, der Kaiser wollte den Grafen Soden, den Helden von Peking, zum Chef einer Leib-Kompagnie ernennen.
Der Entwurf des Zolltarifgefeizes nebst Zolltarif ist vorgestern dem Bundesrath zugegangen. Wie behauptet wird, hält man in Regierungskreisen eine Erhöhung des Getreidezolls über 5 Mark für unmöglich, wenn man Zollverträge erlangen will; man suche aber die Lage der Landwirthschaft dadurch zu bessern, daß man die anderen land- wirthschaftlichen Zölle — auf Gerste, Hafer, Vieh — erhöht und neue einführt. Der Bundesrath wird den Entwurf vorläufig nur zur Kenntniß nehmen und ihn zunächst den Einzel- regierungen zustcllen, damit diese sich während des Sommers über ihre Stellungnahme schlüssig machen können. Nach den Ferien sollen dann die materiellen Verhandlungen derart beschleunigt werden, daß der Entwurf dem Reichstage unmittelbar nach der Wiederaufnahme seiner Sitzungen vorgelegt werden kann.
WohmtttgsnoLh irr Hamburg. Die in Hamburg herrschende Wohnungsnoth .nahm derartige Dimensionen an, daß die Polizeibehörde mehreren obdachlosen Familien die im Cholerajahr errichteten Baracken am Schlump zur Wohnung überwies.
Beendeter Streik. Der sechs Wochen dauernde Generalstreik der Maurergehilfen ist durch Vergleich beendet worden. Die Forderung der Streikenden wurde teilweise bewilligt.
In der Nürnberger Sozialdemokratie ist ein häuslicher Zwist entstanden; die aus Nürnberger und Fürther Sozialisten bestehende Preßkommission veröffentlicht in der sozialistischen „Tagespost" einen Beschluß, wonach die seitens der Handelsgesellschaft, ohne die Preßkommission zu fragen, erfolgte Gehaltserhöhung des Geschäftsführers Sydow von 3600 Mk. auf 5000 Mk. aufgehoben wird. Sydow war vor Jahresfrist durch die Gesammtparteileitung von Frankfurt a. M. her zur Führung der Parteidruckerei nach Nürnberg berufen worden. Eine Parteiversammlung soll demnächst den Konflilt austragen.
Wegen der Wrefcherrer SchrrlL'ravatte werden, wie verlautet, 30 Personen unter Anklage des Landsriedens- bruches gestellt werden.
Die italienische Regiernng hat nach langer Redeschlacht vorgestern das Vertrauensvotum der Kammer erhalten. Nach sechsstündiger, an Zwischenfällen reichen Sitzung schloß die Debatte über die innere Politik. Die Kammer war vollbesetzt, die Stimmung höchst erregt. Die Geister platzten beständig aufeinander. Zanardellis Diebe war geschickt und kraftvoll, wesentlich ein Hymnus auf die Freiheit, der er nach 42jährigem Dienst im Parlament nicht untreu werden könne, blos weil die Republikaner und Sozialisten denselben Kultus haben. Die konstitutionelle Opposition klatschte stürmisch Beifall, als er mit erhobener Stimme jeden Zweifel an seiner Königstreue zurückwies und keine Ungesetzlichkeit der Streikenden dulden zu wollen erklärte. Er sprach die Hoffnung aus, daß auch die äußerste Linke die Monarchie als keinem Fortschritte hinderlich anerkenne. Das Mißtrauensvotum Riccios wurde mit 91 Stimmen Mehrheit abgelchnt. Unmittelbar nach Ver- kündigung des Resultats mischten sich in die Beifallssalven der Ministeriellen die Kanonenschläge des gestern abgebrannten Girandolafeuerwerks.
Mit dem MahdisAMs geht es rasch bergab. Der Mullah stieß, nachdem er auf das befestigte Lager des Kapitäns Mac Neil bei Gebileh mehrere erfolglose Angriffe gemacht hatte, auf seinem Rückzüge am 4. Juni auf die Hauptmacht der Engländer. Diese verfolgten ihn die ganze Nacht hindurch, wobei etwa 100 Manu von den Anhängern des Mullah iiitb
I 2 Engländer fielen und 5 Engländer verwundet wurden. Der Mullah entging mit knapper Noth der . Gefangennahme.
Hus p^ab tmd fem.
X V<rd Orb, 22. Juni. Tie städtischen Körperschaften haben einmütig beschlossen, Herrn Landrath v. Baumbach- Gelnhausen in Anerkennung seiner Verdienste um Hebung der Stadt (Bahnbau, Neugestaltung des Bades) zum Ehrenbürger zu ernennen.
^ Frankfurt K. M., 23. Juni. Die Samoaner i m Z o o l o g i s ch en Garten leben in Europa ziemlich ebenso, wie in ihrer Heiruath, auch in Sachen der Ernährung. An Stelle des Reis ist allerdings mehr und mehr die Kartoffel getreten, worauf wohl zum Theil die Wohlbeleibtheit der meisten Gestalten zurückzuführen ist. Die Leibspeise ist der beliebte Schweinebraten, der ihnen denn auch, wie man uns mittheilt, außer den täglichen Portionen an Kochfleisch, wieder in der eigenthümlichen Zubereitung gegönnt werden soll, die ihnen besonders zusagt. Eilt solches Brat fest ist für Dienstag Nachmittag in Aussicht genommen; dabei werden die Männer der Truppe das Amt der Köche über- nehmen und das in rohem, nur abgebrühtem Zustand ihnen überlieferte Schwein, nachdem sie ihm den Bauch mit heißen Steinen gefüllt haben, in die als Backofen dienende, mit heißen Steinen ausgefüllte Grube legen imb mit Blättern zudecken. So verwahrt schmort das Fleisch in kurzer Zeit zu einem vortrefflichen Braten heran, der alsdann von den Männern den in erwartungsvollem Kreis gruppirten Frauen servirt wird. Auch an das Publikum sollen Koststückchcn verabfolgt werden, damit Jedermann sich überzeugen kann, daß die Samoaner diesen Braten mit Recht als Delikatesse betrachten.
St. Frankfurt a. M«, 23. Juni. Ein trotz tropischer Hitze besetztes Haus harrte gestern Abend der Erstaufführung von Tolstoi's mächtiger Tragödie „Die Macht der Finsterniß", und die Zuhörerschaft fühlte sich während der ganzen Vorstellung von dem Werke deS russischen, zur Zeit im Vordergründe stehenden Autors hingerissen. Schildert doch der Verfasser mit unwiderstehlicher Treue und Wahrheit die schrecklichen Vorfälle, welche sich auf einem russischen Bauernguts abspielen. Er weist den Frauen keine günstige Seite, nun, das Stück spielt ja in Rußland, und dies mag auch sonst Manches erklären. Die Darsteller setzten ihr Bestes ein, sie spielten wirklich vortrefflich und wenn sich auch in den vielen Beifall, welchen die Aufführung errang, hier und da merkbarer Widerspruch erhob, p galt er doch eigentlich nur dem Inhalt des Stückes.
() Frmrrkfm'k 6. M., 23. Juni. Zu Ehren der dahier Dienstag, den 25. Juni stattfindenden Automobil-Festlichkeiten wird nach dem Banket im Palmengarten, imHippo- drom-Dariötö eine große Gala-Vorstellung gegeben werden, bereit Beginn aus dieser Veranlassung auf 1/s9 Uhr abends festgesetzt ist. Da sich zu derselben die sämmtlichen beim Banket anwesenden Automobilisten und Bicyclisten ein Rendez-vouS gegeben haben, so dürfte sich diese Vorstellung zu einer besonders glänzenden gestalten.
St. Fr^nksUrk, 23. Juni. Die Vereine für Kinder- gärten und der drei Klein-Kinderschulen bedürfen eines größeren Fonds um den stets wachsenden Ansprüchen nur annähernd zu genügen. Um nun diese Mittel zu beschaffen, beabsichtigen die genannten Vereine ant 10., 11. und 12. September in den geräumigen Hallen und prächtigen Gartenanlagen der
Noseuausstellung ein Wohlthätigkeitsfest im großen Stile o bz uh alten, verbunden mit Aufführungen, Kinderreigen, Konzerten ec. Die Vorbereitungen zu diesen Veranstaltungen liegen in sehr bewährten Händen, so daß zu erwarten ist, daß das geplante Fest von schönstein Erfolge gekrönt sein wird.
G Bürzel bei Offenbach, 23. Juni. Nachdem der bisherige langjährige Gemeindceinuehmer Ludwig Sutor am 10. Juni auf der Reise von Soden nach Bürgel plötzlich verschied, wurde vorgestern Abend in geheimer Sitzung unseres Gemeinderaths der Kaufmann Jean Schmidt zum Amtsnachfolger Sutors gewählt.
X HalttstüdL 6. M«, 23. Juni. Bei der gestern hier vollzogenen Gnunuderaths-Ersatzwahl machten unter 304 Wahlberechtigten 236 von ihrer Befugniß Gebrauch. Davon cutsielen auf Wilhelm Röder 179, auf Georg Franz II. 141 und auf Heinrich Wolz 140 Stimmen. Die Genannten sind als gewählt zu betrachten. Die 3 unterlegenen Kandidaten brachten es auf 139, resp. 135 und 102 Stimmen. Vonden Zentrumskaudidaten siegten 2 und von den Kandidaten der Sozialdemokraten einer.
X Jügesheim im Nodgart, 23. Juni. Der Militär-, Krieger- und Veteranenverein „Hassia" dahier beging heute unter enormer Betheiligung aus Nah und Fern ein dreifaches Fest, nämlich das Bezirksfest des Hassia-Vezirks- verbandes Seligenstadt, das 25jährige Stiftungsfest des Ortsvereins und die Erinnernngsseier an die Heimkehr der Krieger aus dem glorreichen Feldzuge gegen Frankreich, speziell der hiesigen noch lebenden Knegsvcteranen. Die ganze Gemeinde nahm freudigen Antheil an dem schönen Kriegerfest, das schon gestern Abend durch einen Zapfenstreich mit Bierkommers und heule Morgen durch eine Tagesreveille eingeleitet wurde. Den Glanzpunkt der Feierlichkeiten bildete neben dem imposanten Festzuge die nach Inhalt und Form gleich ausgezeichnete Festrede des Verbandspräsidenten, Lehrer Grimm von Zellhausen. In markanten Zügen schilderte der sprechgewandte Redner die Heimkehr der Krieger vor 30 Jahren, die Gründung von Vereinen als Hauptverdienst des verstorbenen Lehrers Gremm in Nieder-Goden, richtete einen warm empfundenen Mahn- unb Weckruf an die Reservisten und Wehrleute zur Pflege der soldatischen Tugenden und kameradschaftlichen Pflichten, gab einen Ueberblick über das segensreiche Arbeitsfeld des Hassia- Verbandes und schloß mit einem brausend widerhallenden Hoch auf Kaiser und Großherzog. Ein buntbewegtes Treiben entwickelte sich auf dem prächtigen Festplatze, einem ausgedehnten Wiesenkomplexe. Für heute Abend ist ein Ball und für morgen ein feierlicher Trauergottesdienst für die gefallenen Krieger, sowie ein profanes Nachfest vorgesehen. — Der Hassia- , Bezirksverband Seligenstadt umfaßt gegenwärtig 17 Vereine mit 1206 Mitgliedern.
W. VrMtlmch a. Rh., 23. Juni. Die Vereinigung für die Erhaltung deutscher Burgen hielt unter dem Vorsitz des Architekten Ebhardt auf der Marksburg eine Festsitzung ab. Nach der Sitzung besichtigten die Theilnehmer die Burg. An der Besichtigung nahmen Theil die namhaftesten Fachmänner der Denkmalspflege ganz Deutschlands.
Frarriffrrâr Theâr - Reperèoir.
Opernhaus. Dienstag, 25. Juni: „Fidelio". Gew. Preise. — Mittwoch 26.: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „Die Bettlerin vom Pont des Arts". — Donnerstag, 27.: „Der Troubadour". Geiv. Preise. — Freitag, 28.: Geschlossen. — Samstag, 29.: Letzte Vorstellung vor den Opern- Ferien: „Der Freischütz". Gew. Preise.
Von Sonntag 30. Juni, bis incL Samstag 27. Juli cr. bleibt das Opernhaus geschlossen.
Schauspielhaus. Dienstag, den 25. Juni: Zum ersten Male: „Der kleine Lord". Vorher: Zum ersten Male: „Jephtas Tochter". Große Preise. — Mttwoch, 26.: „Die Macht der Finsterniß". Gew. Preise. — Donnerstag, 27.: „Circusleute". Große Preise. — Freitag, 28.: „Jugend". Große Preise. — Samstag 29.: „Johannisfeuer". Gew. Preise. — Sonntag, 30.: Zum ersten Male wiederholt: „Der
Ausstellung bilden. Da ist eine vollendete Darstellung vom Brande des prächtigen Frankfurter Domes im Jahre 1717, der „Schauburg," d. h. des Theaters von Amsterdam 1727, eine Anzahl Bilder von ungleichein Kunstwerth veranschaulichen den Brand von Moskau, den Brand der Kirche in Riddars- Holm, den Brand Stockholms am Neujahrsmorgen 1836, den des Petersburger Winterpalastes 1837, den Hamburger Brand von 1845 u. A. m. Von gleich [jopem künstlerischen und rein menschlichen Interesse ist Clodowieckis Stich, der Herzog Leopold von Braunschweig darstellt, in dem Augenblick, wo er mit den Worten „Ich bin ein Mensch wie Ihr, und hier gilt es, Menschenleben retten,'" das Boot besteigt, das ihn beut Tode entgegenträgt.
Sehr unterhaltend ist es anderseits, jene Darstellungen prächtiger Kunstfeuerwerke zu betrachten, in deren Ausführung in vergangenen Jahrhunderten so Vorzügliches geleistet worden ist. Mit großem Interesse wird man ferner ein Ko lossal - gemäße betrachten, das den Scheiterhaufen des Hephästion darstellt, jenes Freundes, und Feldherrn Alexanders des Großen, der den berühmten Rückzug deS Landheercs der Mazedonier aus Indien leitete und den ein. frühzeitiger Tod von seinem fürstlichen Freunde trennte, worauf ihm in Gestalt eines gewaltigen Scheiterhaufens eine der prunkvollsten Todten- feiern bereitet wurde, von denen die Weltgeschichte zu erzählen weiß. Gar manche Betrachtung über die Wandelbarkeit der Zeiten ließe sich noch anstellcn im Anschluß an die Feuerwehr- .Ausstellung. Was sie aber vor Allem deutlich vor Augen führt, ist die Erwägung, daß in der Gegenwart dem Luxus und der Schaulust nicht annähernd so große Summen geopfert werden, wie in vergangenen Jahrhunderten unb daß das Streben der Gegenwart weit mehr dahin gerichtet ist, das Leiden zu mildern und zu verhindern, als darauf, durch nutzlose Pracht-Entfaltung die Sinne der ungeschulten Massen zu blenden und sie durch Augenblicks-Genüsse kurze Zeit über die Noth des Alltagslebens hinwegzutäuschen. — n.
Zu WckW Wilk.
Aus bev „Pekinger Deutschen Zeitung".
Unser erster Besuch galt dem provisorischen Theater auf der Ketteler-Straße. Das Aeußere ist nicht verlockend, der ganze Bon besteht nur aus Pfählen mit Strohmatten bedeckt
Der Zuschauerraum ist dicht gefüllt; Jung und Alt sitzt an langen Holztafcln, verzehrt allerhand Süßigkeiten, raucht und last not least spuckt. Die Luft ist geschwängert von dem uns hier nur zu bekannten Chinesengeruch. Zu ebener Erde führt rings um den Bau eine Gallerie, auf der sich die „theuern" und „Ehrenplätze" befinden. Hier nehmen wir dicht an der Bühne oder dem sie vertretenden Podium Platz. Einen Vorhang gibt cs nicht, die „Künstler" erscheinen durch die beiden Thüren im Hintergründe des Podiums. Demgemäß fällt auch die schwierige Ausstellung einer Scenerie weg. Der Chinese läßt seine Phantasie spielen, mal bedeutet der Stuhl ein Haus, mal einen Berg, Wagen ober Gott weiß waS Anders. Nachdem ich Dich, lieber Leser, in die Geheimnisse der chinesischen Scenerie ciugeweiht habe, so löse mir folgende Frage: Auf dem Podium steht ein Tisch, daneben ein Stuhl, der Künstler tritt mit würdevollen Schritten heran, dreht sich zehn bis fünfzehn mal um sich selber, steigt auf den Stuhl und von da auf den Tisch. Was bedeutet das? Nun, ich sehe schon, lieber Leser, ich muß die Frage selber beantworten, denn die Lösung ist gar nicht so leicht. Der Künstler hat auf einem steilen Pfad die Spitze des Berges erklommen.
Am Schluß einer Felddienst-Aufgabe befindet sich meist die Bemerkung: eine rothe Flagge bedeutet eine Kompagnie Infanterie, eine weiße Kavallerie u. s. w. Auch der Chinese bedient sich dieses einfachen Mittels, um das nicht Vorhandene darznstellen. Ein paar gelbe Flaggen mit gemalten Rädern zaubern einen Wagen vor, bunte, auf dem Rücken befestigte Fähnchen sogar ganze Armeen.
Wir sahen nur den letzten Theil eines Ehedramas und der Sinn des Stückes war selbst mit Hilfe unsers braven Dolmetschers nicht zu ergründen. Kurz entschlossen entledigte sich ber Mann seiner Frau, indem er sie ertränken läßt — das ist Alles, was wir verstanden hatten. Das Spiel wird öfter durch Gesang unterbrochen, begleitet von einer herzzerreißenden Musik und Gongschlägen, die Frauen (die Künstler bestanden in diesem Theater nur aus Frauen) singen mit Fistelstimme; wer am schauerlichsten in höchsten Tönen jammern kann, wird durch den Ruf des Publikums „chau — chau" belohnt! Die Lust und das schauerliche Musiziren treiben uns endlich hinaus, und wir wandern nach dem größern, ständige,'. Theater im Japanerviertel. Tas Innere unterscheidet sich wenig von dem so eben beschriebenen: „eine Loge"
des ersten Ranges nimmt uns auf. Ein freundliches Volk, die Chinesen, selbst hier lassen sie mit sich handeln: der edle Herr Cassirer ging von dem erst geforderten Preise von 50 Cents auf 20 herunter.
Die Darsteller sind nur Männer. Ein klassisches Drama aus der Zeit der letzten Ming-Kaiser gelangt zur Aufführung: der Kaiser Tung ist von seinen Getreuen verlassen und irrt, von den hcreinbrechenden Tartaren verfolgt, im Lande umher. Er langt in Peking an und beschließt, sich hier das Leben zu nehmen. Seine Absicht wird durch die Dazwischenkunft verschiedener Persönlichkeiten vereitelt; schließlich stürzt er sich vom Tisch — Pardon, ich meinte Berg — herunter. Seine Leiden sind immer noch nicht zu Ende, der Sturz schadet ihm nichts; erlöst athmet endlich der Zuschauer auf, wenn der Kaiser seiner Gemahlin und sich die Schlinge um den Hals legt. Die Künstler spazirten vergnügt zur Thür hinaus, und wir fürchteten, daß es mit dem Tode des edelen Herrschers wieder nichts sei, aber unser Dolmetscher beruhigte uns: „sie sind todt und gehen in den Himmel ein."
War schon Gesang oder vielmehr Gegröhle von Frauen- stimmen ohrcnzerreißend gewesen, so war es die gesangliche Leistung der Männer in noch höherm Maße. Zum Schluß — ein Ausstattungsstück I Das Podium wird durch ein Tuch verdeckt! Wald, Wasser, Luftgeister erscheinen vor dem Vorhang, um sich dem Publikum vorzustellcn. Das Tuch fallt und vor unsern Augen erscheint eine Gruppe Geister in buntscheckigen Gewändern, genau wie sie auf Bildern dargestellt zu werden pflegen. „Chau — chau!" scholl es durchs Theater, wir aber erhoben uns, um' schleunigst das Weite zu suchen, da unsere Geruchs- und Gehör-Nerven an der äußersten Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt waren.
Durch die Liebenswürdigkeit einiger angesehenen Chinesen hatten wir Gelegenheit, wenige Tage später die „Sing-Song- Girls" zu sehen. In der Nähe der Königsbergerstraße befindet sich das bei weitem am besten eingerichtete Theater, der Sanmnlpunkt der vornehnien chinesischen Welt. Es wurden nur Gesänge und Tänze vorgeführt, von jungen Mädchen, die auch für unser europäisches Auge recht hübsch zu nennen waren. Der Gesang konnte uns auch hier nicht entzücken, aber die graziösen Bewegungen und die vorzügliche Mimik muß man voll anerkennen. Mit diesem Pekinger „Wintergarten" schließe ich meine Betrachtungen!