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Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Tie einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Nr. 143

WWMNASk-^MWL

Zweites Blatt.

AMchtS Organ für Stadt- und Landkreis Kana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.

Samstag den 22. Juni

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf? gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamenthcil die Zeile 25 Pfg.

für Auswärts 35 Pfg.

V-rantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Bezirks-Ferttsprechanschluß Nr. 98. 1901

Politische Rundschau.

Das Begrüstmtss^eschwader. Die am 6. August unter dem Oberbefehl des Prinzen Heinrich von Cadix in die Atlantik steuernd? Flotte setzt sich aus den LinienschiffenKaiser Wilhelm der Große", Kaiser Wilhelm II.",Kaiser Barbarossa", Kurfürst Friedrich Wilhelm",Brandenburg",Weißenburg", Wörth" und den KreuzernViktoria Luise",Gazelle", Hela" zusammen. Dieses stattlichste deutsche Geschwader, das je in fremdländischen Gewässern kreuzte, - hat eine Besatzung von über 5000 Mann und ist mit 282 Geschützen armirt. Das Deplacement aller Schiffe beträgt nicht weniger als 78,000 Tonnen. Nach der Beendigung der Flottenmanöver (wird die heimische Schlachtstotte um zwei Schiffe vermehrt, das LinienschiffKaiser Karl der Große" und den KreuzerPrinz Heinrich". Ersteres wird Mitte September auf der Hamburger- Werft von Blohm und Voß, letzterer auf der Kieler Staats­werft anfangs Oktober fertiggestellt.

(Die Nothstandskonferenzen. DieBerl. Korresp." schreibt über die Nothstandskonferenzen in Bromberg und Danzig zum Zweck, den bedrängten Landwirthen die ordnungs­mäßige Fortführung ihrer Wirthschaften zu ermöglichen: Es wurde die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Beschaffung Ivan Saatgut, Futter, Streu- und Düngemitteln in Aussicht genommen. Die erforderlichen Beträge sollen den Kreisen als zinslose Darlehen gewährt werden, welche vom 1. Oktober 1903 ab abzüglich 15 Prozent, welche für die Ausfälle berechnet sind, in fünf Jahren zurückzuzahlen sind. Ferner wurde verein­bart, daß die betheiligten Provinzialverwaltungen sich an der Hilfsaktion durch Bereitstellung von einem mäßigen Fond be­theiligen sollen, der in Form von baaren Darlehen zur Ueberwindung besonderer Nothlagen Verwendung finden soll. Der Finanzminister wies die Negie­rung zu Posen, Bromberg, Danzig und Marienwerder an, daß bei der Einziehung der direkten Staatssteuern, ge­botene Rücksicht auf die bedrängte Lage der Steuerzahler ge­nommen werden soll und nach Maßgabe der gesetzlichen Be­stimmungen Stundungen und Steuerermäßigungen in weit­gehendem Maße zu bewilligen sind. In gleicher Weise sind auch Stundungen der Rentengutsrenten in Aussicht genommen.

t Der Zentralgenossenschaftskasse wurde seitens des Finanz­ministers empfohlen, den aus Posen und Westpreußen an sie herantretenden Anträge auf Erweiterung der Kreditgewährung Bin thunlichst weitem Umfange entgegen zu kommen. Seitens des Landwirthschaftsministers wurde für die genannten [Regierungsbezirke eine Abgabe von Waldstreu und Futter­mitteln aus staatlichen Forsten zu halben Taxpreisen ange­ordnet und die Zulassung der Waldweide in diesen Forsten für die Hälfte der üblichen Weidegeldsätze gestattet. Zur Er­leichterung der Beschaffung von Saatgut, Futter- und Streu­mitteln im Eisenbahnwege für Posen und Westpreußen ist eine wesentliche Herabsetzung der Tarife angeordnet worden. Die Militärverwaltung stellte eine Erleichterung der Abgabe der landwirthschaftlichen Bedarfsartikel aus den Proviant­magazinen zu marktgängigen Preisen in Aussicht. Auch soll, dem vermehrten Anbau der Sommerung entsprechend, in mög­lichst umfangreichem Maße der Ankauf von Hafer für die Proviantmagazine vorgenommen werden. Für die diesjährigen Manöver in den betroffenen Provinzen sind weitgehende Er­leichterungen in Aussicht genommen.

Das Verbot -es Schachtens für Potsdam, das von der dortigen Stadtverordneten-Versammlung beschlossen wurde, hat der Magistrat abgelehnt, indem er diese Entschließung u. a. damit motivirt, daß er es als zulässig nicht aner­kennen könne, wenn eine einzelne Stadt das Verfahren des Schächtens als ein thierquälerisches verbietet, das im ganzen preußischen Staat unter ausdrücklicher Billigung der Aufsichts­behörden, ja auf Grund besonderer Polizeiverordnungen, die von den Ministern zur Nachahmung empfohlen sind, gestattet wird. Diese Auffassung werde auch an maßgebender Stelle getheilt, denn in einem am 7. Mai er. dem Magistrat auf eine entsprechende Anfrage ertheilten Bescheid des Regierungs­präsidenten werde ausgesprochen, daß die Frage des Schächt- verbots wegen ihrer allgemeinen Bedeutung voraussichtlich nicht für eine einzelne Stadt, sondern allgemein geregelt wer­den würde.

Im schweizerischen Najionalrath erklärte Professor- Hilty, im Interesse ihrer Unabhängigkeit dürfe die Schweiz kein Zollbündniß abschließen. Ein solches Zollbündniß wäre nichts anderes als eine wirthschastliche Vorherrschaft über die Schweiz. Dagegen sollte die Schweiz ein internationales Ab­kommen anstreben, worin die Staaten sich verpflichten, ihre Zölle nicht über eine gewisse Höhe hinaus anzusetzen.

Die Spaltung der englischen Liberalen, die bekanntlich wegen der entgegengesetzten Beurtheilung des süd­afrikanischen Krieges durch die bisherigen liberalen Führer

Campbell Bannermann und Asquith erfolgt ist, steht in London und in ganz England im Vordergründe des Interesses. Camp­bell Bannermann und seine Anhänger verdammen aufs Schärfste sowohl den südafrikanischen Krieg selbst, wie auch ganz beson­ders die Art und Weise, wie er seitens des englischen Heeres gesührt wird. Asquith und seine Anhänger billigen das Vor­gehen der Regierung und des Heeres und stehen somit in direktem Widerspruch zu Campbell Bannermann, dem alten und bewährten Führer der liberalen Partei. Ein Telegramm meldet über die durch die Spaltung entstandene Lage: Die gesanunte Regierutlgspresfe begrüßt Asquith und seine Gesinnungs­genossen der Oppositionspartei mit salbungsvollen Phrasen und lobhudelnden Worten. Von den großen Oppositionsblättern schlägt sichDaily Chronicle" voll auf seine Seite, dagegen verurtheilt ihn das Hauptorgan der Opposition, dieDaily News", aufs Schärfste und gibt ihm und seiner Clique den Laufpaß. Sie erklärt es für die Pflicht der Liberalen, ihre Loyalität für den parlamentarischen Parteiführer Campbell Bannermann emphatisch und wiederholt zu erklären; falls As­quith' nicht länger zu seinen Anhängern gezählt werden wolle, könne man seinen Entschluß nur bedauern, müsse aber aner­kennen, daß ein gemeinsames Handeln unmöglich geworben sei. Asquiths Revolte könne mit seiner Ausschließung aus der liberalen Partei beantwortet werden.

Der Herzog von York in Ladysmith. In Dur­ban erwartet man, daß der Herzog und die Herzogin von Jork gelegentlich ihrer südafrikanischen Reise auch der Stadt Ladysmith einen Besuch abstatten werden. Der Stadtrath von Ladysmith hielt auf eine von Neuseeland eingetroffene Depesche hin, in welcher die Bahnverwaltung aufgefordert wurde, Vorbe­reitungen für die Reise zu treffen, eine Sitzung ab, in der ein Telegramm an den Gouverneur gesandt wurde, das über die Aussicht eines Besuches Ihrer kgl. Hoheiten in der jetzt historischen Stadt Genugthuung ausdrückt.

Eia Trinkspruch des Körrigs von Rumänien. Der Besuch des österreichischen Generalstabschefs am rumänischen Königshofe hat zu einem Austausch von Kundgebungen ge­führt, deren politische Bedeutung im gegenwärtigen Augenblick, wo unter den kleinen Balkanvölkern eine mehr als gewöhn­liche Unruhe herrscht, nicht gering zu veranschlagen ist. Ein Telegramm meldet darüber: Sinaia, 21. Juni. Bei einem Diner zu Ehren des gestern mit mehreren österreichisch-unga­rischen Generalstabs-Offizieren hier eingetroffenen Chefs des Generalstabes Feldzeugmeisters Freiherrn von Beck brachte König Carol folgenden Trinkspruch aus:Mit lebhafter Genugthuung begrüße ich Eure Exzellenz, umgeben von vornehmen Offi- zieren der Kaiserlich und Königlichen Armee, an diesem Ort, der vor einiger Zeit durch den Besuch Seiner Majestät des Kaisers und Königs, Ihres erlauchten obersten Kriegsherrn, eine besondere Weihe erhalten hat. Ich spreche Sr. Majestät meinen wärmsten Dank ans, daß Allerhöchstderselbe die Güte hatte, zu gestatten, daß ich Sie, meine Herren, in so großer Zahl um mich versammelt sehe. Ihre Anwesenheit ist ein neues Zeugniß von den ausgezeichneten Beziehungen, welche Rumänien mit dem mächtigen benachbarten Kaiserreiche ver­binden. Beseelt von dem aufrichtigen Wunsche, daß diese Be­ziehungen sich noch immer mehr konsolidiren, erhebe ich mein Glas auf das Wohl Seiner Majestät des Kaisers und-Königs und seiner tapferen Armee. Möge die Vorsehung Ihren gnädigen Herrscher beschützen und ihn noch eine lange Reihe von Jahren in voller Kraft und Gesundheit zum Glück und Wohl seiner treuen Völker erhalten. Seine Majestät Kaiser und König Franz Joseph I. lebe hoch!" Die Musik spielte die österreichische Volkshymne. Feldzeugmeister Frhr. von Beck sprach'seine tiefste Dankbarkeit gegenüber König Carol aus, an dem die österreichisch-ungarische Armee die bei der That von Plewna bekundeten militärischen Eigenschaften bewundere. Frhr. v. Beck trank sodann auf das Wohl des Königspaares, des Prinzen-Thronfolgers und dessen Gemahlin und auf die königliche Familie.

Hus J4ab und fern.

Cassel, 22. Juni. Ein beklagenswerther Un­fall ereignete sich Freitag Morgen in der Pferdeschwemme bei Bergshausen. Dort wurden die Dienstpferde der 4. Schwa­dron des hiesigen Husarenregiments gebadet und gewaschen. Zu diesem Zwecke war auch der Husar Apel aus Münden abkommandirt. Apel, ein vorzüglicher Frelschwimmer, war mit seinem Pferde etwas weiter hinausgeschwommen, als er plötz­lich vom Pferde herab unbjn die Tiefe sank. Die Kameraden glaubten erst, Apel treibe Scherz und sei unter das Wasser getaucht. Als sie aber hinzueilten, fanden sie ihn leblos, ein Herzschlag hat dem jungen Manne ein jähes Ende bereitet. Der Regimentskommandeur, Oberstleutnant .Eagke, befahl

sofort einem Unteroffizier, die Meldung den unglücklichen Eltern (der Vater ist Kaufmann in Münden) in schonendster Weise zu überbringen.

-t. Gelnhausen, 21. Juni. Am Sonntag den 23. Juni, nachmittags Vä4 Uhr, findet im SaaleZur Hoffnung" hierselbst eine Versammlung des Volksvereins für das kathol. Deutschland statt, für welche zwei auswärtige hervorragende Redner gewonnen sind. Jedermann ist hierzu freundlichst ein­geladen. Zur Unterhaltung werden die Pausen durch Musik- und Gesangsvorträge der Altenmittlauer Kapelle und des Bernbacher Gesangvereins ausgefüllt.

Marburg, 21. Juni. Aus dem Zuge gefallen ist gestern Nachmittag bei Weidenhausen ein Reisender aus der Nähe von Gießen. Wie man hört, hat sich der Mann auf die Plattform begeben und wollte seinen Hut, der ihm weggeflogen war, wieder ergreifen. Außer einigen Hautab­schürfungen, die er davongetragen, wird er wohl auch noch Strafe erhalten. Die Sache konnte auch schlimmer aus- fallen.

St. Frankfurt, 21. Juni. Im derzeitigen Programm des Hippodrom-Variete ragt die Diva der Galerie des St. Hubert-Theaters in Brüssel, Made. Angèle de Loo, ganz besonders hervor. Wir hörten gestern Abend u. A. den Vortrag der Titania-Arie ausMignon" von ihr, welche der talentirten Künstlerin reichsten Beifall und stürmischen Hervorruf des vollbesetzten Saales einbrachte.

St. Frankfurt, 21. Juni. Die diesmalige Sängerfahrt des Neeb'schen Männerchores erstreckt sich nach Hannover und Hamburg. Die Abfahrt wird Sonntag den 28. Juli mit Sonderzug erfolgen. In Hannover, woselbst der dortige Männer-Gesang-Verein die Honneurs machen wird, veranstalten dieNeeber" ein Wohlthätigkeits-Konzert unter Mitwirkung hervorragender, solistischer Kräfte und erfolgt Dienstag den 30. Juli die Weiierfahrt nach Hamburg als Hauptausflugsstation. Das Programm daselbst bietet Rund­fahrten durch Stadt und Hafen, Besichtigung eines Aus­wanderer-Dampfers re. Zu billigem Preis steht eventuell auch eine Dampferfahrt über Cuxhaven in offene See in Aussicht. In Hamburg werden gleichfalls befreundete Vereine und Sangesbrüder als Cicerone dienen.

Cronberg, 21. Juni. Der Kronprinz von Griechen­land ist mit seiner Familie heute Mittag 1 Uhr zu längerem Aufenthalt hier eingetroffen.

llfhtgm, 20. Juni. Wie nahe beieinander im Leben oft Freude und Leid sind, zeigt ein in Wilhelmsdorf vorge­kommener Fall. Dort hielt ein junges Paar am Sonntag seine H o ch z e i t s f e i e r. Am darauffolgenden Tage fühlte sich die junge Frau unwohl, legte sich nieder und verstarb noch am selben Tage am Herzschlag.

Vohwinkel, 21. Juni. Heute Nachmittag um 5 Uhr stieß der von Steele kommende Güterzug Nr. 3590 bei der Einfahrt in den Bahnhof Vohwinkel im Geleis 22 auf 19 beladene Wagen. Ein Packwagen, ein leerer Viehwagen, 3 leere Personenwagen und 6 beladene Kohlenwagen wurden erheblich beschädigt. Personen sind nicht verletzt. Der Zug­verkehr erlitt keine Unterbrechung. Die Schuld trifft den dienst­thuenden Assistenten, der das Einfahrtssignal gab, trotzdem l-das Einfahrtsgeleis besetzt war.

Rüdesheim, 21. Juni. Ein aus Amerika mit seinen Ersparnissen zurückgekehrter junger Mann wurde am Mittwoch auf dem Niederwalde von Falschspielern um ca. 900 Mark geprellt. Statt sofort telephonisch oder telegraphisch vom Niederwalde die Polizei zu benachrichtigen, machte er zu spät die Anzeige, als die Vögel bereits ausgeflogen waren und wird daher schwerlich sein sauer erspartes Geld wieder- erhalten.

Darmstadt, 21. Juni. Die ersteKammer erledigte heute das vorliegende Material und trat im Wesentlichen den Beschlüssen der zweiten Kammer bei. Auch bezüglich der Vor­lage betreffend Herstellung weiterer Nebenbahnen stimmte das Haus den Beschlüssen der zweiten Kammer zu, trat jedoch dem Ersuchen an die Regierung, eine Revision des Nebenbahn­gesetzes von 1884 einzuleiten, nicht bei. Finanzminister Gnauth erklärte bei dieser Gelegenheit, der finanzielle Erfolg und die gesammte Entwicklung des Verkehrs durch die preußisch-hessische Gemeinschafts-Verwaltung habe die gehegten Erwartungen über­troffen. Gern erkenne er an, daß die Gemeinschafts-Ver­waltung sich Hessen gegenüber auf das Loyalste verhalte; ins­besondere werde kein Opfer gescheut, um in Hessen Rückständig­keiten, ebenso wie dies in Preußen geschieht, zu befestigen. Das Haus vertagte sich hierauf auf unbestimmte Zeit.

Darmstadt, 21. Juni. Zu Gunsten des vor einigen Tagen vom Schwurgericht wegen Vergehens im Amte zu 7 Monaten Gefängniß verurteilten Bahnbeamten J. Wolf, seither in Eberstadt, wurde ein von sämmtlichen Geschworenen unterzeichnetes Gnadenaesuch einaereicht. welches dessen