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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- nnd AMms $wi
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
Nr. 143
Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
Samstag den 22. Juni
Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
1901
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Am 18. d. Mts. ist hierselbst ein noch gut erhaltenes „Adlerfahrrad", Marke 63, mit der Fabrik-Nr. 150 479 im Werthe von 230 Mark gestohlen worden.
Das Fahrrad hat schwarzen, sehr hohep Rahmenbau, nach oben gebogene Lenkstange mit Korkgriffen, Dunlop-Pneumatik- reifen, schwarze Felgen und war mit einer Handbremse, Signalglocke, Petroleum-Laterne und einem Hamoksattel versehen.
Um Nachforschungen nach dem unbekannten Thäter, Festnahme des Letzteren im Betretungsfalle und telegraphische Nachricht hierher wird ersucht.
Hanau den 20. Juni 1901. J.-Nr. P 5337/01
. Königliche Polizei-Direktion.
Candkreis Ranau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
An der evangelischen Volksschnle zu Kesselstadt ist eine Lehrerstelle zu besetzen. Das Grundgehalt der Stelle beträgt neben freier Wohnung oder 300 Mark Mieths- entschädigung 1200 Mark und der Einheitssatz der Alterszulagen 150 Mark.
Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen dem Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Hufnagel zu Kesselstadt binnen 2 Wochen einreichen.
Hanau den 19. Juni 1901.
Namens des Schulvorstandes: Der Königliche Landrath.
V 6702 v. Schenck.
Keflliiiitiie 11116 »niokkiie EkgeWOe etc.
Gefunden: 1 neuer, goldener Ring mit rothem Stein. 1 Kinderstrohhut, weiß und blau, mit blauem Band. 1 desgl. weiß und braun, mit braunem Band.
Entflogen: 1 Kanarienvogel; gegen Belohnung abzugeben.
Hanau den 22. Juni 1901.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 22. Juni.
W Militärperfonalien. Nach dem Militärwochenblatt, vom 16. ds. Mts. wurde Braun, Major und Kommandeur des Landwehrbezirks Lörrach in Baden, der Charakter als Oberstleutnant verliehen. Braun ist ein Hanauer und Sohn des verstorbenen Kaufmanns Herrn Louis Braun.
* Verliehen wurde dem landgräflichen Hofjäger Nickel in Dörnigheim das allgemeine Ehrenzeichen.
* Der hiesige Sprechverkehr ist vom 24. Juni ab auf Hamburg, Altona (Elbe), Wandsbeck, Schiffbek, Bergedorf, Blankenese und Harburg ausgedehnt.
* Der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde wird seine diesjährige Jahresversammlung zu Rotenburg a/F. in der Zeit vom 29. bis 31. Juli abhalten.
* Die III. Haupt-Versammlung des Verbandes der Gemeindebeamten des Regierungs-Bezirks Casiel findet, wie bereits kurz gemeldet, am 6. und 7. Juli d. I. in Hanau mit folgender Ordnung statt: Am 6. Juli: Nachmittags 4 Uhr Vorstandssitzung, abends 8 Uhr Festtrunk (Kommers) im Saale des „Deutschen Hauses". Am 7. Juli: Vormittags 73/4 Uhr: Zusammenkunft am Nathhause vor dem Grimm-Denkmal, Besichtigung der Sehenswürdigkeiten. 9V2—10^4 Uhr: Frühstücks-Pause im Bürgerverein. 10^2 Uhr: Hauptversammlung im Saale des Stadtschlosses. Tagesordnung! 1. Geschäftsbericht, 2. Rechnungsablage, 3. Vorstandswahl, 4. Abänderungen der Satzungen des Hauptverbandes, 5. Anträge für die Versammlung des Hauptverbandes in Halle, 6. Wahl von Vertretern für diese Hauptversammlung, 7. Wahl des Ortes für die nächste Bezirksversammlung (Antrag des Ortsverbandes Marburg zur Tagung dortselbst), 8. Verschiedenes. Hieran anschließend: Vortrag des Herrn Stadikämmerers Barner-Cassel über: „Unser Geld und Geldverkehr". Um 1 Uhr: Festessen im Saale des „Deutschen Hauses". Um 3 Uhr: Ausflug mit Damen nach Wilhelmsbad. Anmeldungen der Theilnehmer werden unverzüglich an Herrn Stadtsekretär Fischer in Hanau erbeten.
* Nèuhau-Projekt. In der Angelegenheit der Ueber- lassung domänenfiskalischer Gebäude (Frohuhos) an die Justizbehörde weilten gestern Kommissare des Landwirthschafts- ministeriums in Hanau und besichtigten die in Betracht kommenden Grundstücke. Wie man hört, ist das Projekt, dortselbst ein neues Justizgebäude zu errichten, sehr aussichtsvoll.
* Armeukommission. Bezugnehmend auf unseren letzten Bericht der Stadtoerordnetensitzung ist nicht, wie irr- thümlich berichtet, Herr P a n n o t sondern Herr Adolf Gausf in die Armenkommission gewählt ^worden.
* Kreisturnfest. Das im Juli dieses Jahres in Offenbach stattfindende 25. Turnfest des Mittelrheinkreises wird, nach den bis heute eingegangenen Anmeldungen zu schließen, das am stärksten besuchte aller bis jetzt gefeierten Kreisturnfeste werden. Auch die hiesigen Turnvereine sind auf das Eifrigste mit den Vorbereitungen für das Vereinswettturnen und Einzelwettturnen beschäftigt, außer den aktiven Turnern nehmen aber auch eine größere Anzahl alter Mitglieder an dem Feste theil, um sich persönlich von den gewaltigen Fortschritten zu überzeugen, welche das Turnwesen in den letzten Jahren gemacht hat. Der Preis der Festkarte, welche nur durch die Vereinsvorstände zu beziehen ist und zum Besuch aller Festlichkeiten berechtigt, ist 2 Mk., während die Tageskarte die nur zum Besuch am Sonntag den 14. Juli berechtigt, 1 Mk. kostet.
P. A. XXV. Mittelrhr. Jubiläums-Kreis-Turnfest Offenbach a M. Nachdem die imposante Festhalle mit ihren Küchen- räumen im Rohbau beendet ist, beginnen bereits die Dekorateure mit dem innern Ausschmuck, und ist die Einfriedigung des ganzen mächtigen Fest- platzes vollendet, so daß es nur noch einiger kleiner Arbeiten bedarf, um die Betriebsfähigkeit zu beginnen. Die Bier- und Schankhallen, sowie Küchen, Turnergarderobe sind an das Wasserleirnngsnetz angeschlossen. Der Zugausschuß ist bemüht, durch Gewinnung der zahlreichen hiesigen Vereine, die gröhtentheils ihre Zusage gegeben, dem Festzug ein besonders glanzvolles Gepräge dnrch Gruppen- und Festwagen zu verleihen — im Festzug werden 10 Musikkorps, sowie ein Jugend-Trommlerkorps von 150 Knaben mitwirken. Mit dem vom Wohnungs-Ausschuß erzielten Erfolg kann die Festleitung vollauf zufrieden sein, nahezu 1000 Bürgerquartiere stehen bereitwilligst zur Verfügring, außerdem hat die Stadt in dankenswerther Weise öffentliche Gebäude zur Errichtung von Massen- quartieren zur Verfügung gestellt. Der Finanzausschuß hat mit der Versendung der Festkarten an die dem Mittelrhein-Kreis nun angehörenden 662 Turnvereine begonnen. Eine sehr reichhaltige Festschrift wird den Turnern gegen Vorzeignng ihrer Festkarte seitens des Preß-Ausschusses zur Erinnerung überreicht werden. Hiermit sind alle Vorbedingungen gegeben, damit das Jubelfest einen würdigen Verlauf nimmt. Hoffen wir darauf 1 Gut Heil!
* Rudersport. Gestern Abend herrschte auf der Frankfurter Strecke schon die äußerste, lebhafteste Thätigkeit. Wir hatten Gelegenheit, auch unsere Mannschaften die dortige Rennstrecke abfahren zu sehen und machten, namentlich die Senior- Vierer, einen sehr guten Eindruck. Der Hassia-Senior, sowie der 79er Junior-Vierer kommen heute, Samstag Abend, schon ins Vortreffen. Der Einserfahrer der „Hassia" treibt sein Boot mit schönem Schwung und musterhafter Technik vorwärts , doch sind seine Aussichten gegen die herkulischen Gegner Wilker-Ludwigshafen und dem Meisterschaftskandidaten Burger-München keine günstigen.
ß Hanauer Sommertheater. (Beck's Felsenkeller.) Das für diese Woche im Sommertheater aufgestellte Programm ist ein nach jeder Richtung hin ungewöhnlich gutes, unterhaltendes und abwechslungsreiches zu nennen und wird so flott und glanzvoll durchgeführt, daß dem Zuhörer die reichlich drei Stunden währende Vorstellungszeit thatsächlich wie im Fluge verstreicht. Besonders angenehm berührte auch viele Besucher und Besucherinnen diesmal das Fehlen von Interpreten der allzuleicht geschürzten Muse, umsomehr, als an deren Stelle durchweg wirklich gediegene Kräfte aus allen Gebieten des Variötäkunstwesens ihre Produktionen dem Publikum zu Äugelt und Ohren bringen und dem Sommertheater einen wahrhaft großstädtischen Anstrich verleihen. Echt künstlerische Konzert- gesänge wechseln ab mit heiteren Couplets, längere Solo- und Duoszenen mit überraschenden Produktionen auf dem Gebiete der magischen Zauberkunst. Das Hauptoerdienst um die Erzeugung und Erhaltung der während des ganzen Abends herrschenden ungemein gehobenen Stimmung gebührt ohne Zweifel den beiden Duettisten (Herr und Dame), deren mit geradezu überwältigender Komik durchgeführie Darbietungen die Zuhörer nicht aus einem fast krampfhaft zu nennenden Lachen herauskommen ließen und nach jeder einzelnen Aufführung wahre Beifallsstürme entfesselten. Eine beinahe ebenso begeisterte Aufnahme fanden die originellen Ergüsse des Frankfurter Lokalhumoristen und Charakterkomikers. Wie gesagt, die Unterhaltung ist diesmal eine so vorzügliche, daß wir Jedem, der sich für billiges Geld einmal tüchtig amüsiren und herzhaft lachen will, einen Besuch des Theaters nicht warm genug empfehlen können. Eine neue Attraktion hat das Theater noch durch das Ausstellen eines gut funktionirenden und allen Anforderungen entsprechenden Kinematographen erfahren. Die durch denselben zur Vorführung gelangten lebenden Bilder gefielen allgemein, was die zahlreichen Bravorufe und der lebhafte Beifall nach jeder Bilderserie bewies.
* Parole - Musik im SchlohgarLen. Da morgen Sonntag beide Militärkapellen verhindert sind, fällt die Parole- Musik morgen aus, und spielt anstatt dessen die Ulanenkapelle am nächsten Dienstag den 25. Juni, abends von 6—7 Uhr, im Sch'oßgarten.
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhattuugsdlatt 14 Seiten
* Der kathol. Jünglingsverein feiert morgen das Fest seines zweiten Patrones. Aus diesem Anlasse ist mittags 2 Uhr Festpredigt nebst feierlicher Aufnahme einer größeren Anzahl von Aspiranten. Für den Abend ist von 7 Uhr ab im Braustüb'l ein Familienabend (Gartenfest) arrangirt. Ein reichhaltiges musikalisches Programm wird zur Hebung der Geselligkeit beitragen. Gäste und Freunde des Vereins sind herzlich willkommen.
* Kellerfest auf der „schönen Aussicht". Das erste Kellerfest wird, warme Witterung vorausgesetzt, nunmehr am nächsten Dienstag den 25. Juni abgehalten werden. Anfang des Konzertes 7 Vs Uhr. Wie wir hören, sind außerdem verschiedene Ueberraschungen geplant. Die gern besuchten Kellerfeste werden auch in diesem Jahre ihre seitherige Anziehungskraft bewahren, der Besuch derselben ist Jedem, der einige vergnügte Stunden bei einem vorzüglichen Glas Kaiserbräu, Militärkonzert u. dergl. verleben will, aufs Beste zu empfehlen.
gt. Oberfreigerichter Sängerbund. Am ver- floffenen Sonntag fand im Saale des Herrn Gastwirth Harth zu Horbach eine Delegirtenversammlung des Obersreigerichter Sängerbundes statt. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die Feier des diesjährigen ersten Bundesfestes. In Abwesenheit des Bundespräsidenten leitete der Vizepräsident Herr Lehrer I ö r g-Bernbach die Verhandlungen. Das Bundesfest findet Sonntag den 14. Juli zu Somb orn statt; das Arrangement des Festes ist dem Bundesverein „Männerchor Somborn" übertragen. Bei ungünstiger Witterung beschränkt sich die ganze Feier auf ein Saalfest im Gasthaus „zum Freigericht", sollte aber die Witterung günstig sein, so wird ein einfach und schlicht hergerichteter Festplatz in der Nähe der vorgenannten Wirthschaft den Sängern und Festgâsten angenehmen Aufenthalt bieten. Einstimmig wurde beschlossen, von dem üblichen „Festrummel" ganz und gar abzusehen. Statt der lästigen und nervenerregenden Leier- und Carousselmusik rc. soll den Gästen ein erhabener Genuß in Vokal- und Jnstru- mentalkonzert geboten werden. Am Sonntag den 7. Juli ist für die Bundesvereine Generalprobe durch den Bundesdirigenten Herrn Lehrer Jörg im Saale des Herrn G. Simon zu Somborn. — Nachdem die Tagesordnung erschöpft war, sprach Herr Lehrer Jörg noch einige kernige Worte betr. der Pflichten eines jeden einzelnen Bundesmitgliedes gegenüber dem Ge- sammtbunde. Mit der Hoffnung, daß das erste Bundesfest einen recht würdigen Verlauf nehmen und durch dasselbe das deutsche Lied, speziell das Volkslied, auch für die Folge in den Vereinen eine würdige Pflegestätte finden möge, schloß er durch ein Hoch auf den eifrigsten Förderer des deutschen Männergesangs, Se. Maj. Kaiser Wilhelm II. Eine Probe des aufgegebenen Bundesliedes mit den beiden Hörbücher Gesangvereinen und den anwesenden Bundesmitgliedern leitete sodann den gemüthlichen Theil der Versammlung ein.
* Samoa in Frankfurt a. M. Nachdem sich die Südsee- Jnsulaner Mittwoch Abend einem zu ihrer Vorführung geladenen Publikum in einer Separatvorstellung präsentirt haben, ist seil Donnerstag die Schaustellung in weiterem Rahmen in Gang und erfreut sich eures lebhaften Besuchs. Morgens punkt 9 Uhr sieht man die bunte Schaar aus ihrem Wohnraum nach dem Ufer des großen . Weihers im Zoologischen Garten ziehen. Dort bemächtigen sich ' die,Leute der am Abend zuvor angeketteten Nachen und fahren singend KM mit ihren kleinen blattförmigen Rudern gewissermaßen nur in das Wasser stechend, in weitem Bogen nach dem jenseits gelegenen Dorf. Diese Fahrt über den Weiher, die sich vor und nach jeder Vorstellung und mittags und abends bei der Heimfahrt wiederholt, bietet ein entzückendes Bild, wie man es in Deutschland noch nie und nirgends gesehen hat. Auch den Samoanern scheint diese Hin- und Herbewegung auf dem Wasser, das ja ihr Element ist, viel Vergnügen zu machen und es ist von höchstem malerischen und Stimmungsreiz, die bunt angemacken Schiffe mit ihren bunten Insassen über den Weiher fahren zu sehen und die melodischen Gesänge mit anzuhören. In ihrem Dorf, das sich vom südlichen Weiherufer über eine primitive Brücke nach der int Weiher liegenden Insel hinzieht, verbringen die Leute ihre Mußen- stunden in heiterem Geplauder und mit Spielen, bei denen die graziösen Bewegungen der Frauen sehr schön zur Geltung kommen. Sehr gut wirft dabei das vom Landschaftsmaler Berthold Gerbsch in Berlin gemalte 30 Meter lange Bild, eine samoanische Landschaft darstellend, das durch vorgesetzte Palmen und andere Pflanzen panoramaartig in die Wirklichkeit übergeleitet ist, es schließt einen Sonderplatz ab, auf dem Mittwoch die Separatvorstellung stattfand und wo später das festliche Braten ganzer Schweine vor sich gehen soll. Zu den btäglichen Vor- stellungen rudert die ganze Gesellschaft nach dem westlichen Weiherufer und zeigt dort in abwechselnder Folge eine Reihe von Vorgängen, wie sie sich im friedlichen oder kriegerischen Lebeu ihrer Heiinath bei besonderen Gelegenheiten oder in Streitfällen abspielen.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis IVs Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.
* Das Hahnenkammhans ist jetzt täglich geöffnet.
Makuwafferwärme heute Vormittag 17 Grad.