London, 21. Juni, 11 Uhr. Nach einem Telegramm des „Standard" von gestern bestehen weitere Befürchtungen von ernsten Unruh en in den nordwestli ch cn Provinzen des eigentlichen Chinas. Vertrauenswürdige Berichte besagen, der General T u n g f u h s i a n g versammle ein großes Heer wohlgeschulter Truppen, um sich gegen den Kaiser zu erheben.
London, 21. Juni. Aus Shanghai wird gemeldet: Ein hoher chinesischer Beamter versicherte, Deutschland habe vorgeschlagen, während der ersten 14 Jahre die Entschädigung von China in kleinen Summen jn verlangen, da während dieser Zeit China durch die früheren Anleihen stark cngagirt sei. Der Rest der Entschädigung soll dann in den 26 folgenden Jahren in höheren Beträgen bezahlt werden. Die deutsche Garnison wird, wie verlautet, 220 Mann nicht übersteigen.
Washington. 21. Juni. Ein Bericht des Generals Chaffee wird demnächst über die China-Expedition veröffentlicht werden. Dieser Bericht enthält Spezial-Artikel über die französischen, englischen, deutschen, japanischen und russischen Truppen.
Marseille, 21. Juni. Bis gestern sind 9 Dampfer nach Ostasien zur Rückbeförderung des China-Kmps abgegaugen. Weitere werden demnächst folgen.
Tientsin, 20. Juni. (Reuter-Meldung). Chinesische Truppen besetzen mit Erlaubniß der Befehlshaber der verbündeten Truppen mehrere kleine Plätze in der Nähe von Yongt- sun, wovon die fremden Truppen zurückgezogen worden sind. General Lorne-Campbell erklärt, die Zwistigkeiten, die kürzlich {zwischen fremden Soldaten und Polizeimannschaften in der hiesigen britischen Konzession vorkamen, würden sich wahrscheinlich nicht wiederholen, nachdem die Betreffenden, die des Vergehens schuldig sind, streng bestraft seien. General Voyron sagte in dieser Hinsicht seine volle Unterstützung zu und erklärte ausdrücklich, daß, soweit cs auf die französischen Truppen ankomme, die Ordnung aufrecht erhalten werden soll.
Wom Vurenkrieg.
Berlin, 21. Juni. Nach einem Telegramm des „Lokal- Anzeigers" aus London wird aus Kradock gemeldet: Madans Kommando, welches jetzt auf 150 Mann angewachsen ist, erbeutete CollcltS Waaren-Magazin bei Noodchoogts und marschirte nachher gegen Richmond. Oberst Crabbe hatte ein Gefecht bei Modderfontein, 20 Meilen östlich von Cradock, in dem zwei aufständische Kap-Buren verwundet wurden. Kritzinhers Kommando überschritt die Bahn bei Baroda in westlicher Richtung. "
Haag, 21. Juni. Trotz aller diplomatischen Bemühungen, denen sich auch die holländische Regierung angeschlossen hat, verweigert Präsident Krüger den Befehl zur Waffcn-Nieder- legung zu ertheilen.
Kapstadt, 21. Juni, 11 Uhr. Eine Schilderung des Gefechtes bei Vlalfontein besagt, die Buren beschossen die Engländer eineZeit lang mit den erbeuteten englischen Geschützen. Sechs Granaten trafen den englischen Flügel des Generals Tithan. Später wurden die Geschütze von den Engländern wieder gewonnen. Das Derbyshireregiment griff die Buren mit dem Bajonett an. Die Buren flohen. Ihr Gesammtoerlust wird auf GO Todte und Verwundete geschützt.
London, 21. Juni. Die Verlustliste der englischen Truppen in Südafrika beläuft sich für gestern auf 2 Todte, 18 Verwundete und 14 an Krankheit Verstorbene.
London, 2:L Juni. Die Unterhaltungskosten der großen Lager im Oranje-Freistaat während des Monats Mai belaufen sich auf l^i Millionen Pfund Sterling.
Zum Empfang der heimkehrenden Panzer- Division.
Berlin, 21. Juni. Der Plan, der aus China heimkehrenden Panzer-Division nach dem Mittelmeer ein Geschwader- unter dem Oberbefehl des Prinzen Heinrich entgegen zu senden, ist, wie der „Lokal-Anzeiger" erfährt, besonders auf den Wunsch des Prinzen Heinrich zurückzuführen, der während des ganzen Jahres keine Gelegenheit hatte, mit einem solchen größeren Verbände Uebungen zu machen. Diese Uebungen sollen nun im atlantischen Ozcan nachgeholt werden. Alsdann gehen die betheiligten Schiffe nach kurzer Reparatur, soweit solche nothwendig erscheint, zu den alljährlichen Flotten- Manövern in die Ostsee. Ob unterwegs Häfen angelaufen werden, sieht noch nicht fest.
Rechtschreibungs-Konferenz.
Berlin, 21. Juni. Die deutsche Rechtschreibungs-Konferenz, die im Reichsamt des Innern getagt hat, nahm, wie die „National-Zeitung" erführt, unter dem Vorsitz des Kultusministers Dr. Studt einen befriedigenden Verlauf und ist am Mittwoch Abend nach dreitägiger Dauer geschlossen^ worden. Die Konferenz hatte die praktische Aufgabe, die Herstellung einer Einheitlichkeit in der deutschen Rechtschreibung anzubahnen, um einige anerkannte Ucbelstäude In derselben und die wenigen noch bestehenden Differenzpunkte zwischen den einzelnen Ländern der deutschen Sprache zu beseitigen. Das ist, wie dasselbe Blatt hört, für die Konferenz gelungen. Daneben sind noch einige strittige Fragen der Rechtschreibung, die schon lange zur Diskussion standen und einer baldigen Lösung dringend bedürftig waren, erörtert wordln.
Familien-Tragödie.
Wiesbaden, 21. Juni, 11 Uhr. Der 47 Jahre alte verwittwete Glasermeister- Ottomar Nistzche hat gestern Abend sich und seine 3 Kinder im Alter 5 und 8 Jahren, darunter ein Zwillingspaar, vergiftet. Der Vater und 2 Kinder sind todt, das dritte Kind wurde in ein Krankenhaus verbracht, jedoch glaubt man nicht, daß dasselbe mit dem Leben davonkommt. Man nimmt an, daß Nitzsche in einem Anfall von Irrsinn gehandelt hat, da er seit dem Tode seiner Frau geistig nicht mehr normal war.
Ruhestörungen.
Madrid, 21. Juni. Gelegentlich der Prozession am Dienstag in Nonda in der Provinz Malaga fand ein Zusammenstoß zwischen Katholiken und Antiklerikalen statt. Am
Freitag________
Mittwoch kam es zu einem neuen Zusammenstoß. Die Ruhestörer zerstörten die Beleuchtungsanlagen, sodaß Dunkelheit in der Stadt herrschte, schleuderte Steine gegen die Gendarmerie und zerstörten viele Läden. Aehnliche Ruhestörungen werden aus Braganza in Portugal gemeldet, wo der Bischof mit Steinen geworfen und ansgepfiffen wurde.
* *
*
Berlin, 21. Juni. Nach einer Meldung des „Lokal- Anzeigers" aus Kiel wird Prinz Heinrich beim Stapellauf des Kreuzers B. die Taufrede halten.
Berlin, 21. Juni. Die „Vossische Zeitung" meldet aus Warschau: Das russische Vcrkehrs-Ministerium wandte sich auf diplomatischem Wege nach Wien mit der Bitte um Ueber- sendung jener Pläne, welche Weichsel, San und Dniester miteinander verbinden sollen. Schon in der russisch-österreichischen Konvention von 1864 wurde die Verbindung von San und Dniester angeregt, welche nach Ansicht der russischen Regierung die kürzeste Verbindung des Baltischen mit dem Schwarzen Meere ist. Die österrcich schen Kanal Projekte lassen diese Idee wieder anfleben.
Trieft, 21. Juni. Die italienische Majorität hat den denistrischen Landtag gesprengt. Es ist fraglich, wenn derselbe wieder einberufen wird. Die Ursache der Obstruktion liegt darin, daß die Italiener eine Demonstration ter Regierung gegen ihren Volksstamm darin erblickten, daß der Landtag nicht nach dem üblichen Sitzungsort Parenza, sondern nach Capo d'Jstria einberufen wurde.
Paris, 21. Juni. Die Blätter verzeichnen ein Gerücht über die Nachlässigkeit, welche in der Transport-Abtheilung des Marine-Ministeriums herrscht. Zur Veranschaulichung der Beschuldigungen wird folgendes Beispiel angeführt. Ein von Havre abgegaugcnes Transportschiff führte 400 Tonnen Material zur Errichtung von Baracken für das neu gegründete Feldlager in Diego-Suarez an Bord. Dott angekonuyen, konnte das Material nicht zur Verwendung gelangen, da keiner der Holztheile zweckentsprechend numerirt war.
Paris, 20. Juni. Bei dem Bankett der republikanisch gesinnten Bretonen brachten der Depulirte Guieyße und der Admiral Reveilliere Trinksprüche auf den Kriegsminister Andrö aus, in welchem sie versicherten, daß der das ganze Vertrauen der Republikaner besitze. Slnbié erwiderte, daß er dieses Vertrauen nicht täuschen werde. Die zahllosen Angriffe, die er seitens der nationalistischen Blätter erfahren habe, seien ihm vollständig gleichgiltig uud er werde sich bei der Erfüllung seiner Aufgaben durch nichts entmuthigen lassen.
Paris, 21. Jun'. Mehrere nationalistische Blätter melden, daß der Präsident deS StaatsgerichtShofes im Einvernehmen mit dem Ministerpräsidenten beschlossen habe, den von dem Grafen Lur Salmes als Zeugen zitirten Deroulede, Habert und Soffet das verlangte sichere Geleit zu verweigern. Der Vertheidiger werde deshalb gleich zu Beginn der am nächsten Montag ftaMfinbenben Verhandlung gegen diesen Beschluß protestiren.
Paris, 21. Juni. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Pforte ersuchte ihre diplomatischen Vertreter im Auslande, durch Zirkularnolen bei den respckliven Regierungen die Ausweisung einer Anzahl Flüchtlinge zu bewiesen, welche in ber Türkei als Uebelthäter gerichtlich verfolgt werden.
London, 21. Juni. Asquith äußerte gestern in einer Rede bei einem von Liberalen veranstalteten Diner, er müsse gegen die Annahme Einspruch erheben, als ob er und seine Freunde wegen ihrer Ansichten über den südafrikanischen Krieg der liberalen Partei übtrünnig gc- worden seien. Er wisse nichts von einer autoritativen Stelle in der liberalen Partei, die die Macht hätte, Exkommunikation oder Absolution ansznsprcchen. Er und seine Freunde blieben liberal bis ins Mark. Nach seiner Meinung dürfe man Inner der betten kriegführenden Parteien Inhumanität vorwerfen. Er spreche als Liberaler zu Liberalen und meine. Alle müßten zugeben, daß die Unabhängigkeit der südafrikanischen Republiken unmöglich sei.
Loudon, 21. Juni. Die Buren freunde hielten gestern Abend in Stratford . ein Meeting ab, um die Kandidatur deS Liberalen King zu unterstützen. Die Zuhörer veranstalteten jedoch einen derartigen Lärm, daß keiner der eingeschriebenen Redner zum Wort kommen konnte.
New-Popik, 21. Juni. Die Zivil-Regierung auf den Philippinen wird am 14. Juli in Kraft treten. Taft wird der erste Gouverneur der Insel sein.
New-Pop?, 21. Juni. Die „Newyork Post" betont wiederholt, die einzige Grundlage für die Gerüchte von einer Veränderung bezl. des beherrschenden Einflusses auf die Chicago-Milwaukee und St. Paul-Eisenbahn sei ein wechselseitiges Einvernehmen zwischen den für diese und für die Uniou-Pacific-Bahn maßgebenden Gruppen, dahingehend, daß die erstgenannte Bahn in den Tariffragen konform mit den anderen westlichen Bahnen vorgcht und von den Pacific- Bahnen bezl. transkontinentalen Geschäftes nicht durch Sondertarif geschädigt wird.
Washington, 21. Juni. (Reute.Meldung.) Der russische Botschafter Graf Cassini konferirle mit Hay über alle die T a r i f e r l a s s e betreffenden Einzelfragen. Es heißt, Cassini gab u-mrdings die Versicherung, Rußlands Vorgehen sei keinesfalls von politischen Erwägungen veranlaßt und stehe keineswegs mit der allgemeinen, gegen die Einfuhr amerikanischer Produkte gerichteten Bewegung in Europa in Verbindung. ; -
Briefkasten der Redaktion.
K. Krämerftratzo. Wenn Sie beim Miethen der Wohnung über die Dauer des Miethverhältnisses und die Kündigungszeit nichts vereinbart haben, fo' richtet sich die letztere nach § 565 des V. G.-B. Wie wir and Ihrer Anfrage ersehen, haben Sie monatlichen Miethzins und auch monatliche Zahlung vereinbart, Sie können deshalb auch nur zum Schlüsse eines Kalendermonats kündigen und zwar muß das bis spätestens zum 15. des betr. Monats geschehen. Man kann also bis zum 15. dcs Monats auf den Schluß des Monats kündigen.
Seite 3,
Hug aller Melt.
Auf dem Schlachtselde von Gravelotte ist der in den Jahren 1894 und 1895 erbaute und am 18. August 1895 im Beisein ungezählter Veteranen eingeweihte Gedenk- thurm Sonntag Nachmittag 4 Uhr gesprengt worden, um an einer anderen Stelle des Schlachtfeldes wieder aufgebaut zu werden. Die Versetzung des Thurmes war unabweisbar, weil an seinem bisherigen Standort ein Fort erbaut wird.
» 79 000 Mark gefunden. Einen werthvollen Fund machte letzthin der Arbeiter Koslowski aus Pasewalk. Bei einem Spaziergange fand er auf dem Wege von Bismarck bis Neuenkirchen die Summe von 79 000 Mark in Wertpapieren. Der ehrliche Finder lieferte das Geld sofort beim Amtsvorsteher in Neuenkirchen ab, welcher ungesäumt die erforderlichen Schritte zur Ermittelung des Eigenthümers eingeleitet hat.
Die böse Zahl 13. Im Bausenate zu München re- ferirte Nechtsrath Schöner über eine Eingabe, die wegen ihrer Ungewöhnlichkeit große Heiterkeit hervorrief. Die Besitzerin des Anwesens Gtückstraße 13 hat nämlich darum nachgesucht, es möge ihrem Hause eine andere Hausnummer zuertheilt werden, da es ihr wegen der ominösen Zahl 13 zur Zeit nicht möglich sei, bessere Parteien als Inwohner zu bekommen. Das Gesuch mußte aus prinzipiellen Gründen natürlich abgewiesen werden.
Auszüge ans dem Amtsblatt der Königlichen Negierung zu Cassel.
Langenselbold. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Langenselbold belegenen, im Grundbuche von Langenselbold zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Müllers Christian Seipel (Johannes Sohn) und dessen Ehefrau, Elisabeth, geb. Müller, auf der Geisfurtsmühle, eingetragenen Grundstücke, am 31. Juli 1901, vormittags 9 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Langenselbold versteigert werden.
Abonnements
auf den
„Hanauer Anzeiger"
für das 3. Quartal
nehmen alle Postanstalten, die Expedition (Hamurerstr. 9), sowie unsere Agenturen in den Orten des Landkreises entgegen.
Die Verbindung mit den ersten und leistungsfähigsten Telegraphenbureaus setzt uns in den Stand, alls wichtigen Nachrichten ebenso schnell zu veröffentlichen, wie jede großstädtische Zeitung. In der Berichterstattung aus Stadt- und Landkreis Hanau steht der „Hanauer Anzeiger" unübertroffen da, wie auch die Vorkommnisse aus Nah und Fern weiteste Beachtung finden.
Das sorgfältig gewählte Feuilleton mit seinen zahlreichen Original- Aufsätzen erfreut sich allgemeiner Anerkennung. — Dem unterhaltenden Theile steht in jeder Nummer ein weiter Naum zur Verfügung.
flF* Inserate "WB finden in Anbetracht seiner hohen von Monat zu Monat steigenden Auflage im „Hanauer Anzeiger", wie bekannt, die denkbar wirksam sie Verbreitung.
Die Drucklegung des „Hanauer Anzeiger" erfolgt von jetzt ab auf einer mit den modernsten Einrichtungen versehenen
AsLnLisuSinnf^ine, deren- Besichtigung gerne gestattet ist.
Hieöakiion und Wevtag öss „Kanarier Anzeiger."
------------------------7------------------------------------------------------------------------------------
Für die mehrt <O»dt!
Von jetzt ab erscheint im Verlage der Waisenhaus-Buch- druckerei in täglicher Ausgabe und in einer Auflage von 700 Exemplaren der
„Langenselbolder Anzeiger“,
Amtliches Organ für bat Amtsort Langenselbold.
Die für dieses Blatt aufgegebenen Inserate erscheinen zugleich auch im „Hanauer Anzeiger", während umgekehrt die für den „Hanauer Anzeiger" aufgegebenen Inserate auch im „Langenselbolder Linzeiger" ohne Preiserhöhltng zur Veröffentlichung komuren, wodurch die Pttblikatiorrskraft der Inserate im „Hanauer Anzeiger" noch wesentlich erhöht wird.
Uit-z'irg^! ^0^ Krone, empfiehlt sich bei Ausflügen illulUUUb in Bergstraße u. Odenwald. Pension Mk. 4^2 Prospekt u. Führer a. Verl, gratis. G. Diefenbach. 704„