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Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, cv. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bcrantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 141

Bezirks Fernsprech au schluß Nr. 98.

Donnerstag den 20. Juni

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

1901

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Rede des Kaisers in Cuxhaven.

Cuxhaven, 19. Juni. Nach Beendigung der heutigen Regatten auf der Unterelbe fand an Bord der Dampsyacht Prinzessin Viktoria Louise", der Hamburg-Amerika-Linie ge­hörend, ein Diner statt, an dem der Kaiser und Prinz Hein­rich theilnahmen. In Erwiderung auf die in ein Hoch" auf den Kaiser ausklingende Rede des Bürgermeisters Dr. Möncke- berg, in der er an die Ereignisse des verflossenen Jahres ange­knüpft hatte, sagte der Kaiser etwa Folgendes:

Für die beredten Worte Erv. Magnifizenz sage ich Ihnen herzlichen Dank und spreche Ihnen und allen Kameraden auf dem Wasser meine Freude aus, daß es mir vergönnt ist, unter Ihnen wieder einmal als Theilnehmer an den Wettfahrten des Norddeutschen Regattavereins zu erscheinen. Se. Magnifizenz schilderte uns in kurzer markiger Ansprache ein Bild der Ent­wicklung unseres Vaterlandes auf dem Gebiete des Wasser­sportes und seiner Beziehungen zum Auslande der letzten Jahre in so trefflicher Weise, wie es besser und schöner nicht geschehen konnte. Meine ganze Aufgabe für die Zukunft wird es sein, daß das, wozu jetzt die Keime gelegt worden sind, auch in Ruhe und Sicherheit aufsprießen kann. Wir haben uns, trotzdem wir noch keine Flotte haben, wie es sein sollte, einen Platz an der Sonne erkämpft, und es wird nun meine Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß dieser Platz an der Sonne uns unbestritten er­halten bleibt, damit ihre Strahlen befruchtend wirken können auf den Handel und Wandel nach außen, die Industrie und Landwirthschaft nach innen und auf den Segelsport in den Gewässern; denn unsere Zukunft liegt auf dem Wasser. Je mehr Deutsche auf das Wasser hinauskommen, sei es im Wettstreit des Segelsports, sei es auf der Reise über den Ozean oder im Dienste der Kriegsflotte, desto besser für uns. Denn hat der Deutsche erst einmal gelernt, seinen Blick auf das Weite und Große zu richten, so verschwindet das Klein­liche, das ihn im täglichen Leben hin und wieder umfängt. Wenn man diesen hohen freien Blick haben will, so ist wohl eine Hansastadt der geeignetste Standpunkt dafür; was wir vorher aus dec Geschichte unserer Entwicklung vernommen haben, ist doch wohl weiter nichts, als was ich schon einmal hervorgehoben habe, als ich meinen Bruder hinaussandte auf die ostasiatische Station. Wir haben die Konsequenzen ge­zogen aus dem, was Kaiser Wilhelm der Große, mein un­vergeßlicher Großvater und der große Mann, dessen Denk­mal wir soeben enthüllt, als ihre Schöpfung uns hinterlassen haben. Die Konsequenzen bestehen darin, daß wir dort ein- setzen, wo in alter Zeit die Hansa hat aufhören müssen, weil die belebende, beschützende Kraft des Kaiserthums fehlte. Möge denn nun die Aufgabe meines Hauses sein, bis auf lange Jahre hinaus in tiefem Frieden den Handel und

Feuilleton

Hoflcbcn in Hsi-an-fn.

Der in Schanghai erscheinendeOstasiatische Lloyd" vom 10. Mai bringt nach dem chinesischen BlattHsi-Wen-Pao" folgende Schilderung des merkwürdigen Hoflebens in Hsi-an-fu:

Für den Empfang des Kaisers und der Kaiserin-Regentin waren in Hsi-an-fu sowohl das Nyan-yuan, die Residenz des Generalgouverneurs als auch des Pei-yuan, das ganten des Gouverneurs, hergerichtet. In beiden waren für den Zweck die Wände roth bemalt. Der Hof bezog zunächst die Residenz des Generalgouverneurs, zog später aber in das Damen um, da dieses geräumiger war. Darauf wurde das Nan-yuan zum Gouverneurs-Damen gemacht, das Hauptthor aber, weil der Kaiser dort residirt hatte, für immer verschlossen. In Zukunft dürfen nur die Seitenthore für den Verkehr benutzt werden.

Im Pei-yuan, wo der Hof jetzt Wohnung genommen hat, geht der ganze Verkehr durch das rechte '^or. Das Haupt­thor und das linke sind, wie das Hauptthor des Kaiserpalastes in Peking, durchspanische Reiter" gesperrt. Ueber dem Hauptthor ist ein Schild angebracht mit den Worten: Hflng- kungReisepalast". Durch das rechte Thor gelangt man zu­nächst zu den Hallen, in welchen die Mitglieder des ^taats- raths, der sechs großen und der neun kleinen Ministerien, der Gouverneur, Schatzmeister und die übrigen Beamten, bevor sie zur Audienz befohlen werden, antichambriren. Gleich am Eingänge befindet sich die kaiserliche Leibwache. Auf rothem Streifen Papier steht aufgeschrieben, wozu jedes einzelne Ge­bäude dient.

Die Haupthalle ist öde und leer. Links davor befindet sich ein Gebäude für geheime Audienzen, rechts ein Raum, in welchem sich die Beamten zurückziehen. Mitten im Thronraum steht ein sechstheiliger Schirm. Zwei theile sind geöffnet. In die Oeffnung ist der Thronsessel gestellt, der mit gelber 'OPihe

Wandel zu fördern und zu schützen. Ich erblicke in den Er­eignissen, die sich in China abgespielt haben und die in der jetzigen Heimkehr der Truppen ihre Beendigung finden, eine Gewähr dafür, daß der europäische Friede auf lange Jahre gesichert ist, denn die Leistungen der einzelnen Kontingente haben eine auf gegenseitige Hochachtung und Kameradschaftlichkeit basirende Beurtheilung hervorgerufen, die nur zu dem Bestände des Friedens beitragen kann. In diesem Frieden werden aber, so hoffe ich, unsere Hansastädte blühen, unsere neue Hansa wird neue Bahnen ziehen, ihm neue Absatzgebiete erkämpfen, erwerben ; da kann ich mich als Oberhaupt des Reiches nur über jeden Hanseaten, mag er Hamburger, Bremer oder Lübecker sein, freuen, welcher hinaus­geht mit weitem Blick und neue Punkte sucht, wo wir den Nagel kinschlagen können, um unser Rüstzeug daran aufzu­hängen. Deswegen glaube ich wohl aus Ihrer Aller Herzen zu sprechen, wenn ich mit Dank anerkenne, daß der Direktor dieser Gesellschaft, welcher dies wunderbare Schiff nach dem Namen meiner Tochter getauft und uns heute zur Ver­fügung gestellt hat, als kühner Unternehmer der Hansa hinausgegangen ist, um für uns friedliche Eroberungen zu machen, Eroberungen, deren Früchte dereinst unsere Enkel einheimsen. In der freudigen Hoffnung, daß dieser unter­nehmende hanseatische Geist sich immer weiter ausbreiten möge, erhebe ich mein Glas und bitte alle Diejenigen, welche meine Kameraden auf dem Wasser sind, mit mir einzu­stimmen in ein Hoch auf den Segelsport und den hanseatischen

Geist!

Nach Beendigung des Diners verblieb der Kaiser in geregter Unterhaltung bis gegen 1 Uhr an Bord.

an-

politische Rundschau.

Der Kaiser ist gestern Vormittag 11 Uhr von Cux­haven auf derHohenzollern" nach Kiel abgefahren. Die Nacht hatte er auf der Dacht zugebracht. Heute Vormittag 9 Uhr wird das Denkmal des Großen Kurfürsten im Garten der Marine-Akademie zu Kiel in Gegenwart des Kaisers feier­lich enthüllt. Am 22. ds., vormittags 9 Uhr, vollzieht der Kaiser auf der kaiserlichen Werft die Taufe des großen Kreu­zers B und am 24. nachmittags 3 Uhr wird das Wettrudern für die vom Kaiser für Fähnriche zur See, See-Kadetten und Schiffsjungen gestifteten Wanderpreise stattfinoen.

Der Kaiser und Generaldirektor Ballin. Nach einer Hamburger Meldung verehrte der Kaiser dem General­direktor Ballin an Bord derPrinzessin Viktoria Louise" sein Bildniß mit folgender eigenhändiger Widmung:Dem weit­blickenden unermüdlichen Bahnbrecher für unseren deutschen Handel und unsere Ausfuhr."

überdacht ist. In der zweiten Halle steht ebenfalls ein Thron, links daran liegt der Audienzsaal, rechts ein Arveitsraum für die kaiserlichen Prinzen. Auch die dritte Halle hat einen Thronsessel in der Mitte, die Zimmer rechts und links be­wohnt die Kaiserin-Regentin. Der Kaiser wohnt in drei Zimmern östlich von der zweiten Halle, hinter diesen liegen drei Zimmer der Kaiserin. Der Kronprinz hat drei Zimmer westlich von der dritten Halle inne. Alle Räume werden mit europäischen Sicherheitslampen und Kerzen beleuchtet.

Die Kaiserin-Regentin hat seit ihrem Eintreffen in Hsi-an ein Magenleiden, da ihr das Klima nicht zusagt. Sie kann des Nachts nicht schlafen und läßt sich von Eunuchen den Rücken klopfen. Der Kaiser ist kräftiger und gesunder, als er in Peking war. Er spielt öfter mit den Eunuchen und lacht wie sonst, doch kommt es auch vor, daß er sehr verstimmt ist, und dann seine üble Laune an den Eunuchen ausläßt.

Von den aus allen Provinzen eingehenden Abgaben läßt die Kaiserin-Regentin eine genaue Liste aufstellen und ver­schenkt viel an die Beamten. Freude und Schmerz kämpfen in ihr, wenn sie alle die Sachen sieht. Der Kaiser weint nur bei ihrem Anblick.

Wenn der Kaiser im Park spazieren geht und ein Eunuch plötzlich in den Park tritt, so verbirgt er sich öfter hinter der Thür oder eilt schnell in sein Zimmer zurück. Man nimmt an, daß er sehr argwöhnisch ist.

Die Kosten dec kaiserlichen Tafel sind vom Gouverneur Tsin auf etwa 200 Taels festgesetzt. In Peking pflegten die Eunuchen täglich ein Menu von 100 Gängen vorzulegen. In Hsi-an-fu gab es in der ersten Zeit nur Hühner, Fisch und Enten, nach Eintreffen der Sendungen aus den Provinzen kamen dann auch wieder Schwalbennester, Haifischflossen und andere Leckerbissen auf die kaiserliche Tafel. Der Kaiser ißt besonders gern Schantungkohl und wenig Fleisch. Die Kai­serin-Regentin liebt namentlich Mehlspeisen. Es kommen nur etwa zehn Gerichte auf den Tisch, wovon der Kaiser nur eins oder zwei ißt. Im vergangenen Winter tranken Kaiser und

Minister v. Thielen begeht heute das zehnjährige Jubiläum seiner Amtsthätigkeit als Minister. Am 20. Januar 1832 zu Wesel geboren, studirte Thielen in Bonn und Berlin die Rechte, wurde 1851 Gerichtsauskultator, 1860 Regierungs­assessor in Arnsberg und war dann kurze Zeit Mitglied der Regierung in Koblenz. 1864 in die Eisenbahnverwaltung übergetreten, wurde er 1867 Mitglied der Direktion der Rheinischen Eisenbahn. Nach deren Verstaatlichung im Jahre 1880 trat er als Abtheilungsdirektor der Linksrheinischen Eisen­bahn in den Staatsdienst zurück, wurde am 1. Dezember 1881 Präsident dec Eisenbahndirektion Elberfeld, am 1. November 1887 der zu Hannover und am 20. Juni 1891 als Nach­

folger Maybachs zum Minister der öffentlichen

Arbeiten ernannt. Rheinisch-West-

French zweimal gefangen. Die

fälische Zeitung" veröffentlicht den Bericht eines Gewährs­mannes, der von Frau Botha die Mittheilung erhielt, daß French zweimal gefangen genommen und ehrenwortbrüchig wurde. Alsdann sollte er erschossen werden, worauf Kitchener

interveniere und gegen French 1000 in Simonstown gefangene Buren auslieferte. French mußte alsdann nach Hause gehen. Frau Botha versicherte wiederholt, ihr Gemahl fechte bis zum letzten Mann, bis zur letzten Patrone. Die gesummten Buren würden jahrelang weiterkämpfen, wenn es nöthig sei. Indessen England sei friedensbedürftig, da die ganzen Zustände unhalt­bar geworden seien.

Milderung der über die russischen Studenten verhängten Maßregeln. Der russischeRegierungsbote" macht bekannt, daß der Zar Folgendes anbefohlen hat. 1. Von den Studenten, welche von den Universitäten wegen ihrer Theilnahme an ben Unruhen relegirt wurden und zur Strafe Militärdienste leisten, werden Diejenigen, welche sich vermöge ihres Familienranges sich im Besitze von Privilegien erster Klasse befinden oder welche körperliche Gebrechen haben, die sie untauglich zum Militärdienst machen, von jetzt ab vom Militärdienst befreit. 2. Alle anderen Studenten, welche jetzt zur Strafe Militärdienst leisten, werden in ihre Rechte bezüg­lich des Militärdienstes wieder eingesetzt, gleichviel welche Zeit für ihren Dienst im Heere angesetzt ist. 3. Unter Aufhebung des geltenden Gesetzes wird allen Studenten, welche jetzt zur Strafe Militärdienste leisten, die Dienstzeit von dem ersteh Tage des auf ihren Eintritt in das Heer folgenden Monats an gerechnet.

Das Gefecht vsr der großen Mauer. - ui.

Honnt-schen, 25. April.

Oh, über den bodenlosen Leichtsinn unserer sonst so braven Jungens l . . . Abermals sind zwei von ihnen diesem Leicht­sinn zum Opfer gefallen!

Kaiserin-Regentin Milch und hielten sich dafür sechs Kühe. Jetzt sind die Thiere dem Präfekten von Hsi-an-fu zum Ueber- w intern übergeben.

Kunst und Leben.

Drei Zauberformeln gegen das Ertrinken. Mit der Zeit des Badens und Bootsfahrens ist jetzt auch die Periode der vielen Unglücksfälle auf dem Wasser gekommen. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein solcher Unglücksfall gemeldet wird. Angesichts dessen ist darauf hinzuweisen, daß es drei Zauberformeln gibt, die in den meisten Fällen vor dem Ertrinken schützen. Diese Formeln heißen: 1) Verliere nicht den Muth ! 2) nimm die Arme unter Wasser und 3) Pudele! ... Es ist Thatsache, daß unter normalen Verhält­nissen, d. h. wenn nicht ein Schlaganfall oder ein besonderer Unglücksfall eintritt, kein Mensch zu ertrinken braucht. Das spezifische Gewicht des Menschen ist geringer als das des Wassers. Daraus folgt, daß der Mensch ohne Weiteres nicht im Wasser untergeht. Es kann das Jeder in der sicheren Badezelle probiren. Er lege sich mit angezogenen Knien und zurückgebeugtem Kopf ins Wasser, athme schnell aus und ein und halte die Luft so lange wie möglich an; dann bleibt das ganze Gesicht wasserfrei. Hebt man aber, wie Ertrinkende es regelmäßig thun, die Arme hoch, dann drückt das absolute Ge­wicht der Arme den Körper unter das Wasser! Jeder Mensch kann schwimmen, wenn er es auch nicht kunstgerecht gelernt hat. Wenn man ein vierfüßiges Thier, das außer seinem Trinkwasser nie eine Wasserfläche gesehen hat, z. B. einen Hund, ins Wasser wirft, so kommt er keinen Augenblick in Noth ; er macht Laufbewegungen, die ihn schwimmend auf dem Wasser erhalten und ans Ufer bringen. Diese natürlichen Schwimmbewegungen, die mit dem NamenPudeln" be­zeichnet werden, kann jeder Mensch machen; sie erhalten ihn in Seen und Flüssen lange Zeit über Wasser und bringen ihn auch in Sicherheit.