Montag
1^ Ium -
Sette 6
Zwei derselben konnten des Todtschlages gegen Angestellte des Händlers Hansen überführt werden. Die French-Inseln scheinen eine sehr werthvolle Besitzung zu sein. Kokosnuß und Brod- frucht gedeihen auf dem sehr fruchtbaren Boden der Insel außerordentlich gut. Durch den Händler Hansen ist die Ertragfähigkeit derInsel sehr gehoben, die Ernte und Verwerthung der Landeserzeugnisse geregelt worden. Die Einwohner scheinen nicht unter der sonst in jenen Gegenden häufig vorkommenden, eingeschleppten Krankheit zu leiden. Alkoholgeuuß ist ihnen unbekannt. Das Zahlungsmittel ist meist Tabak. Sie sind aufgeweckt und bildungsfähig. Der Vorfall beweist wiederum, wie nothwendig die ständige Anwesenheit eines oder mehrerer Kreuzer in unserem Südseeschutzgebiet ist.
Die Schlacht bei der großen Mauer.
Ting, 17. April.
General Tungfuhsiang hat, zum Angriff von Norden her, 50,000 Mann regulärer Truppen bei Kalgan zusammengezogen und rückt mit diesen gegen unsere Demarcationslinie heran! — Nein, bei Kalgan kommandirt der nur angeblich verbannte Prinz Tuan, und zwar 75,000 Mann! Sie sollen gemeinschaftlich mit den Generalen Lin und Ma, die mit 100,000 Mann ans der Provinz Schansi bis nach Kuolo vorgegangcn sind, gegen die fremden Teufel operiren! — Auch das stimmt nicht. Die beiden Generale bei Huolu haben noch weit mehr Truppen ganz im Stillen konzentritt und warten nur noch auf den geeignetsten Moment, um sich den ihnen zunächststehen- den Franzosen entgegen zu werfen! —
Diese und noch eine ganze Reihe ähnlicher Gerüchte — sämmtlich aus chinesischen Quellen stammend — kursirten Mitte April in Peking und setzten die Unseren insofern in eine gewisse Erregung, als Jeder hoffte, daß wenigstens ein Körnchen Wahrheit an ihnen sei und das Expeditionskorps damit endlich in die Lage kommen möchte, einen größeren, vielleicht sogar vernichtenden Schlag gegen die so überaus vorsichtigen Lang- zöpse auszuführen.
Nun, ein klein wenig Wahrheit enthielten ja diese Gerüchte, allerdings nur insoweit, als zwischen Huolu und Kinghsieng wirklich eine Truppenmacht von 15,000 Chinesen unter dem General Liu konzentrirt war, während 6—8000 Mann des Generals Fan zwischen Kinghsieng und dem Durchgangsthore der Großen Mauer bei Kukuan, an der Straße nach Tajenfu, standen und mit kleineren Abtheilungen auch die weiter nördlich gelegenen Pässe und Mauerthore besetzt hielten. Diese Nachrichten entstammten sicheren Kundschaftern der Franzosen. Desgleichen hatte der französische General Bailloud in Erfahrung gebracht, daß beide chinesische Korps moderne europäische Geschütze mit sich führten, und ferner, daß täglich noch chinesische Truppen aus dem südlichen Schansi nach Tajenfu heranrückten, welches augenscheinlich zu einer größeren Truppenansammlung ausersehen war. Wenn sich diesen Thatsachen gegenüber die Kalganer Gerüchte nun auch als eine echt chinesische Räubergeschichte entpuppten, im Südwesten gab's für die Franzosen wie für uns genügende Aussicht, an den Feind zu kommen, vorausgesetzt, daß die Chinesen endlich einmal Stand hielten. General Bailloud hatte vom Chef des französischen Expeditionskorps aus Peking die Weisung erhalten, sich mit General v. Kettler über die Ausführung der gemeinsamen Angriffsoperationen in Verbindung zu setzen, die mit dem 18. April ihren Anfang nehmen sollten. In großen Zügen geschildert: Die Franzosen hatten den Auftrag, in der Front zu demonstriren und mit ihrer Hauptkolonne von Phing-shan im Thale des 2)^o (Nebenfluß des Hutho) aufwärts gegen die zweite Stellung der Chinesen vorzugehen, während unsere Truppen westlich von Phing-shan auf Tsing-Hing gegen die andere chinesische Stellung vorrückten!
Sinke, den 18. April 1901.
Zwei Tage erst ist es her! Ich wartete im Kaiserpalast zu Peking auf die Generale von Schwarzhoff und von Gayl, um sie zu bitten, mich bei der bevorstehenden Expedition den dazu kommandirten Herren des Armee-Oberkommandos E*»agrasB8BMaa^^
Dichter, der sich ja so überglücklich wußte im trauten Verkehr mit lieben Freunden und gleichgesinnten Seelen, besonders niederdrückend wirkte, das war das Geständniß des Unglücklichen, daß er auf der weiten, weiten Welt Niemand besaß, der sich seiner angenommen hätte. Vater und Mutter deckte längst der kühle Rasen, Geschwister besaß er nicht, und der gute Oheim, der bisher die nöthigen Mittel für die Weiterbildung des Verwaisten vorgestreckt hatte, war einer tückischen Krankheit erlegen. Das Mitleid fremder Menschen on- zurufen, dazu war der Verlassene zu stolz und sich an die Universitütsbehörde um Verleihung eines Stipendiums oder eines Freitisches zu wenden, selbst das widerstrebte seinem Sinne. Schiller suchte den Unglücklichen nach Kräften aufzurichten, und als sie an dessen Wohnung angelangt waren, ließ er sich von ihm das Versprechen geben, den Schritt der Verzweiflung nicht zu wiederholen und an das Vorhandensein guter, mitfühlender Menschen zu glauben. Um ihn aber vor cugenblicklicher Noth zu schützen, händigte ihm der edle Dichter seine ganze Baarschaft, die er gerade bei sich hatte, aus. Viel war's freilich nicht, denn unser Schiller ist niemals, am allerwenigsten zu jener Zeit, auf Rosen gebettet gewesen. Aber es reichte doch gerade so weit, um die augenblicklichen Bedürfnisse des Studenten zu befriedigen. Mit dankbarem Händedrucke verabschiedete sich derselbe von seinem Retter und Wohlthäter, der seinerseits cs nicht unterließ, den jungen Freund zur Standhaftigkeit zu ermahnen und ihn seines fortdauernden Interesses zu versichern. —
Später als sonst trat der Dichter heute in den Kreis seiner Freunde und Verehrer ein, deren sich bereits eine bange Sorge bemächtigt hatte, es möchte dem geliebten und bewunderten Freunde ein Unfall widerfahren sein. Nun, da er vor ihnen stand, bleich, wortkarg, einen Zug unendlichen Mitleids auf dem edlen Antlitz, glaubten alle Anwesenden, ihre bangen Ahnungen erfüllt. Als aber Schiller nach kurzer Begrüßung seinen gewöhnlichen Platz eingenommen hatte, da hielt es sie nicht mehr: sie bestürmten ihn mit Fragen über seine ver
anschließen zu dürfen. Galt es doch vor Allem, mit Pferd, Pferdepfleger und Gepäck auf den für das Oberkommando und ein Bataillon Infanterie bestimmten Extrazug zu kommen, der am 17. Apnl von Peking via Paotingfu, direkt bis Ting (der äußersten Station der Paoliugsu- Bahn) durchfuhr. General von Schwarzhoff befand sich beim Feld narschall jum Vortrag. Nach Beendigung desselben erschien er in Begleitung des Generals von Gayl und willfahrte in liebenswürdigster Weise meiner Bitte. .
Die Ordre des Generals v. Gayl für mich lautete: 1. Am andern sorgen um 6 Uhr früh mit Pferd, Pferdepfleger und dem nur aufs Nothwendigste beschränkten Gepäck zum Verladen am Bahnhof zu sein. 2. Betreffs Verpflegung vollständiger Anschluß. 8. Militärische Dispositionen dürfen nicht vor ihrer Durchführung telegraphisch gemeldet werden! — Mehr konnte ich wahrlich nicht verlangen! — Den Extrazug am anderen Morgen benutzten noch drei Kompagnien des 2. Bataillons (Major v. Mühlensels) vom 1. Ostasiatischen Ju- fantLrie-Negiment, ferner Generalleutnant v. Lessel mit seinem ganzen Stabe, der am Tage vorher aus Tientsin hier einge- l rossen war, und vom Armee-Oberkommando General v. Gayl, Oberstleutnant und Flügeladjutant v. Boehn, Major im Generalstabe Lauenstein. Major Bauer vom Eisenbahn- Regiment, Feldjäger-Leutnant Pogge, Dolmetscher Bos und ich.
Obwohl der vor dem Chiemen-Thor angelegte neue Bahnhof noch nicht ganz fertig ist, ging die schwierige Verladung der großen Anzahl Pferde, der Maulthierbespannung, Karren, Tragthiere u. s. w. glatt und schnell von statten. Sämmtliche Thiere mit nur ganz wenigen Ausnahmen zeigten sich gar nicht ängülich. Ohne Scheu kotierten sie über die angelegten Rampen in die offenen Hochbordwagen und liegen sich weder durch den Trubel ringsum, noch durch die Pfiffe der Lokomotiven irre machen. Punkt 7^4 Uhr fuhr unser Riesenzug ab, der sich aus nicht weniger wie 36 Waggons (144 Achsen) zusammensetzte. In Paotingfu allerdings mußte er in drei Theile getheilt werden, da auf der noch immer 65 Kilometer langen Strecke von dort bis Ting zu bedeutende Kurven vorkommen. Ein Salonwagen, wohl der einzige, der augenblicklich auf dieser Linie existirt, war für die beiden Stäbe eingeschoben worden. Zu dem des General v. Lessel gehörte sein Generalitabschef Oberstleutnant Gündel, der Major im Generalstabe v. Falkeubein, die Adjutanten Hauptmann von Buttlar und Hauptmann Bergmann, der Sohn des Generals, Leutnant z. See v. Lessel, und der Dolmetscher Carus. Sämmtliche Herren, die gleich den Ofsizieren des Oberkommandos schon oft Expeditionen der verschiedensten Art mitgemacht, hatten sich im Umsehen für die Tagesfahrt eingerichtet und gingen nun daran, noch eine Menge dienstlicher Geschäfte zu erledigen, Telegramme und Befehle vorzubereiten, Notizen zu machen ec. Dann wurde das, der frühen Ausrückestunde wegen, vernachlässigte Frühstück nachgeholt. Bald waren auch die Cigarren in Brand gesteckt; gute, heimathliche Oberkommando-Cigarren, und eine zwanglose stets rege und sehr interessante Unterhaltung kam in Gang. Kurzum, man konnte kaum in angenehmerer komfortabler Weise auf den diesmal aussichtsvollen Kampfplatz befördert werden, als es hier geschah. Ueberall herrscht animirte gehobene Stimmung vom ältesten General bis zum jüngsten Soldaten herunter, aus deren Waggons die sröhlicheir Soldatenweisen zu uns herüber tönten.
Die Gegend, durch welche die Bahn führt, bot für die Meisten von uns nicht viel Neues. Wir hatten den Weg im Spätherbst bereits an der Bahn entlang zu Pferde gemacht. Den Franzosen aber, die seitdem die arg zerstörte Linie zwischen Peking und Paotingfu in verhältnißmäßig kurzer Zeit wieder hergestellt und zugleich auch über Paotingfu hinaus weitergebaut haben, gebührt hierfür gerechtes Lob. Sie hatten alle Hände voll zu thun, um die Truppen-Beförderungen der letzten Zeit ohne Stockungen bewältigen zu können. Glücklicherweise hatten die Boxerhaufen, die im Vorjahre ihre Zerstörungsarbeit so gründlich gemacht, die große bei Lu-ku-shau über den Huuho führende Eisenbahnbrücke unangetastet gelassen.
spätete Ankunft, sein auffälliges verstörtes Auftreten und dergleichen. Nach kurzem Aufseufzen stand der Dichter Rede und Antwort und erzählte mit oft vor innerer Erregung stockender Stimme sein Abenteuer. Lebhafte Beglückwünschung zur edeln That und herzliches Händeschütteln nahm derselbe nur widerwillig nach vollendeter Erzählung entgegen — ihm lag etwas Anderes auf dem Herzen. Kannte er doch aus eigenster Erfahrung die grausame Lage, in der jener Unglückliche sich befunden hatte, zur Genüge, und wußte er doch selbst, daß da mit bedauernden Worten und theilnehmenden Mienen nichts gethan sei. Hier galt cs, mit helfender Hand einzugreifen und durch die That zu beweisen, daß echte Menschlichkeit, die sich des Nächsten in warmem Erbarmen annimmt, noch nicht ausgestorben sei. Seine Anregung, auf der Stelle eine Sammlung für den armen Studenten zu veranstalten, fiel auf einen fruchtbaren Boden und er hatte die selige Freude, eine erkleckliche Summe in seinen Händen zu sehen, die er schon am folgenden Tage in zarter Weise dem Unglücklichen zu übermitteln versprach.
Der Nest des Tages verfloß unserem Dichter in gewohnter, anregender Weise, ja, man konnte bemerken, daß er noch inniger und wärmer als sonst sich der trauten Geselligkeit hingab, die er in diesem Freundeskreise zu finden gewohnt war. Das erhebende Bewußtsein einer edeln That ist ja der schönste Lohn für diese selbst und verleiht Freuden, wie sie nichts auf der Welt zu spenden vermag. Und als er abends den gewohnten Weg nach seinem Gohliser Idyll dahinpilgerte, da nahmen die innersten Empfindungen seines edeln Herzens bereits mehr und mehr dichterische Gestalt an und schon am andern Tage, nachdem er die milde Spende an den Empfänger abgesandt hatte, verlieh er seinen Gefühlen in seinem begeisterten Hymnus „A n die Freude" vollendeten Ausdruck. Dieses Lied huldigt der reinsten Freude, die der Dichter einen „schönen Götterfunken", eine „Tochter aus Elysium" nennt, und ohne die er sich das Erdendasein öde und kalt denkt. Er batte es ja an jenem Unglücklichen
In Paotingfu langte unser Extrazug gegen 2 Uhr mittags' an. Auf dem Bahnhöfe hatte sich der deutsche Präfekt Ar- tilleneoberst Richter mit seinen Offizieren eingefunden, um General von Lessel zu begrüßen. Dort entstand allerdings durch die nunmehrige Theilung unseres Monstrezuges in drei Theile ein anderthalbstündiger Aufenthalt. Dafür aber mehrten sich nach den neuesten eingelaufenen Meldungen die Aussichten auf eine größere Aktion. Die Chinesen waren noch da und schienen wirklich ihre Positionen halten zu wollen. Gegen 4 Uhr mittags setzte sich unser Theilzug wieder in Bewegung, dabei allerdings ein wesentlich langsameres Tempo anschlagend wie bisher. Die scharfen Curven und der noch sehr frisch aufgeschüttete Bahndamm erheischten Vorsicht. So kamen wir erst um 73/é Uhr abends bei voller Dunkelheit nach Ting, und das Ausladen muffte bei schwachem Laternenschein vorgenommen werden. Daß dies ohne jeden Unfall und in immerhin nicht langer Zeit zu Stande gebracht wurde, verdient als eine ganz hervorragende Leistung unserer sich in alle Situationen schnell hincinfiudenden Mannschaften hervorgehoben zu werden. Ueber jedes Lob erhaben zeigten sich auch wiederum die australischen Ponies und Maulesel, von denen bekanntlich die beiden letzteren oft ihre argen Mucken haben. Wohl stutzten und scheuten einige, ließen sich aber schnell wieder beruhigen und trotteten dann auf dem 4 Kilometer breiten stockdunkeln Wege zur Stadt so sicher vorwärts, als ob es Heller Tag wäre. Erst gegen 10 Uhr erreichten wir unser Nachtquartier, den geräumigen und auch leidlich sauberen Pfandhaus-Namen des Städtchens Ting! Vom an-) dem Morgen ab ging's im Sattel weiter.
O. D a n n h a u e r im „B. L.-A."
Hue ptah und fern.
St. Frankfurt a« M., 16. Juni. Nun hat unser? Theaterpublikum auch mit Ernst von Wolzogens „Ueber- brettl" sich befreundet und volles Interesse für dasselbe ge-f zeigt. Mancher Besucher erwartete wohl das Interieur einer; Pariser Künstler- und Studentenkneipe studiren zu können und er sah sich einem flotten Künstlervölkchen gegenüber, welches in Herrn von Wolzogen einen Achtung gebietenden, trefflichen! Leiter hat. Der Genannte verbleibt während des ganzen Abends auf der Bühne, er ist das Medium zwischen Audi-' torium und Künstler, er läßt ein glänzendes Feuerwerk des Witzes versprühen und ehe man sich versieht, sind die brei. Stunden der Aufführung in angenehmster Weise vorüberge-, gangen. Das Haus war total ausverkauft und spendete an- haltend Beifall.
W Cronberg, 16. Juni. Der Kronprinz ist heute Mittag 1 Uhr mit seinem Adjutanten Oberleutnant v. d. Goltz hier eingetroffen und bleibt bis morgen hier. Nachmittags begleitete er die Kaiserin Friedrich auf ihrer Spazierfahrt durch den Wald am Altkönig. Nach dem Thee machte der Kronprinz, noch einen Spaziergang nach der Burg Cronberg. — Professor Reuvers ist heute früh zur Konsultation hier eingetroffen und reifte schon nachmittags wieder nach Berlin zurück.
2 Bürgel bei Offenbach, 16. Juni. Der hiesige Gemeindevorstand beschloß in seiner jüngsten Sitzung den Ausbau der Mainuser bei unserer Gemeinde. Es dreht sich zunächst um eine Floßausladestelle und um Beschaffung eines geeigneten; Platzes zur Bergung der kleineren Fahrzeuge. Zu diesem Zwecke wird demnächst eine etwa 100 Meter lange Quai-' Mauer mit einem Kostenaufwande von beiläufig 47 000 Mk. aufgeführt. Die Ausführung erfolgt nach den Plänen der Wasserbaubehörden. — Die Offenbacher Militärbehörde erstrebte kürzlich beim Kreisamte den Erlaß einer Verfügung, nach welcher das Fahren, Reiten und Gehen über den imi diesseitigen Gemarkungsgebiete liegenden Exerzirplatz für; Civilisten verboten werden soll. Der hiesige Gemeindevorstand hat indessen dem desfallsigen Ansinnen die Genehmigung versagt.
y Kleèsr-Welzheim, 16. Juni. Bei einem hiesigen j Gastwirthe, der ein bedeutendes Weinlager unterhält, erschien, gestern unerwartet eine Gerichtskommission aus Seligenstadt; gesehen, was ein Leben ohne jeden Freudestrahl bedeutet; er hatte aber auch zugleich erkannt, daß die edelsten Freuden im trauten Verkehr mit treuen Freunden und gleichgestimmten Seelen sprießen. Darum sang er mit um so größerer Begeisterung ;
„Wem der große Wurf gelungen, Eines Freundes Freund zu sein, Wer ein holdes Weib errungen, Mische seinen Jubel ein!
Ja wer auch nur eine Seele Sein nennt auf dem Erdenrunds Wer es nie gekannt, der stehle Weinend sich aus diesem Bund!"
Ach, so war's ja jenem Unglücklichen ergangen, der, einsam, verlassen, den Weg in's ewige Dunkel eingeschlagen hatte! Aber auch solche dürfen nicht verzagen; ihnen ruft die thätige Liebe zu:
„Gram und Armuth soll sich melden,
Mit den Frohen sich zu freun!" und als höherer Lohn winkt dem frommen Dulder der UN-/ sterbliche Preis der Tugend:
„Zu der Tugend steilem Hügel
Leitet sie des Dulder's Bahn . . . /
Am schlichten Schillerhause aber zu Gohlis bei Leipzig verkündet kommenden Geschlechtern eine einfache Tafel: „Hier wohnte Schiller und schrieb das Lied an die Freude im Jahre 1785."
.. .....nrnirn,,----
Humoristisches.
Airs einer Referendor-Prüfuns in Berlin wird folgender Scherz erzählt. Der Examinator Professor H. fragt einen Kandidaten: „Ist die Hundesteuer eine direkte oder indirekte Steuer?" — Kandidat: „Eine indirekte." — Examinator: „Woraus schließen Sie das?" — Kandidat: „Weil die Steuer nicht vom Hunde direkt erhoben wird.