Zweites Blâ
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Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau«
Nr. 138. Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. M0Nltlg bClt 17. JUUl. Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901
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politische Rundschau.
Geschenk der Stadt Wiesbaden an das Neichs- limesmusenm. Der „Rheinische Courier" in Wiesbaden meldet: Aus Anlaß des heutigen Gedenktages des Todestages Kaiser Friedrichs sandte Oberbürgermeister Dr. v. Jbell folgendes Telegramm an den Kaiser: „An Se. Majestät den Kaiser, Homburg vor der Höhe. Ew. Majestät wolle dem Magistrat und den Stadtverordneten der Stadt Wiesbaden huldvollst gestatten, am heutigen nationalen Gedenktag im treuen Erinnern an den unvergeßlichen Förderer der Limesforschungen zur weiteren Ausstattung des Saalburgmuseums Nachbildungen der hervorragendsten Fundstücke des städtischen Alterthumsmuseums Ew. Majestät ehrerbietigst zur Verfügung zu stellen." Im Laufe des Vormittags traf folgendes Antworttelegramm ein: „Homburg v. d. H., 15. Juni. Ich spreche Ihnen und den Stadtverordneten meinen herzlichen Dank aus für die Bereicherung des Saalburgmuseums in treuer Erinnerung an den hochseligen Kaiser Friedrich, meinem unvergeßlichen Vater. Dieser pietätvolle Gedanke und die Absicht, mir eine Freude zu machen am heutigen Nationalgedenktag, welcher gleichzeitig so viel Wehmuth für mich enthält, hat mir sehr wohl gethan. Wilhelm."
Telegramm des Kaisers an den Präsidenten von Brasilien. Nach dem Besuche des brasilianischen Kreuzers „Floriano" in Kiel richtete der deutsche Kaiser an den Präsidenten Campos Sales ein Telegramm, worin die Freude über die Entsendung des Kreuzers, die Bewunderung über den mustergiltigeu Zustand des Schiffes und der Mannschaft ausdrückte. Er schließt: „Als Zeichen der guten Beziehungen, die die beiden Länder verbinden, die noch fester zu gestalten mein Wunsch ist, verleihe ich dem Kommandanten Iund den drei ersten Offizieren Ordensauszeichnungen."
Rückkehr aus China. Samstag Vormittag traf in Berlin das von Genua kommende Personal des Vereins- lazareths vom Rothen Kreuz wieder ein, das als Etappen- lazareth in Aangtsun von November bis April thä'ig gewesen ist, bestehend aus den Aerzten : Chefarzt Prof. Dr. Küttner, Stabsarzt Dr. Loos, Dr. Steffens, sechs Krankenschwestern aus Kiel und fünf freiwilligen Krankenpflegern. Das Personal war zehn Monate abwesend und befindet sich in erwünschtem Wohlsein. Im Ganzen wurden 832 Patienten theils ambulatorisch und theils mit Aufnahme in das Lazareth behandelt.
Die Heimkehr der Ablösung des dritten See- bataillons mit dem Dampfer „Andalusia" aus Ostasien gestaltete sich, so wird aus Wilhelmshaven geschrieben, zu einer überaus herzlichen Kundgebung für "die Chinaleute. An Bord des Dampfers, der bereits Donnerstag Vormittag nach zwei M—w■ ■■ ww miiJi I III■iHMAWBMMamM^^Mia^^
stürmischen Tagen in der Nordsee die Rhede von Wilhelmshaven erreichte, befanden sich Oberlt. Graf von Soden und die letzten Getreuen der Pekinger Gesandtschafiswache, etwa 20 an der Zahl, und cs mochte dieser Umstand Veranlassung zu den ganz ungewöhnlichen Aeußerungen der Begeisterung der nach Tausenden zählenden Menge gewesen sein, die sich am Abend noch zu später Stunde an der Hafeneinfahrt zu ihrer Begrüßung eingefunden hatte. Die Marinetheile hatten an der Mole Abordnungen von Mannschaften aufgestellt, die in stürmische Hurrahs ausbrachen, als die „Andalusia" in die Einfahrt einbog. Die Musik spielte „Heil Dir im Siegerkranz" und es entwickelte sich auf beiten Seiten eine freudige Begeisterung, die schwer zu beschreiben ist, aber immer wieder ihren Ausdruck in Hurrahs fand, die von Schiff zu Land und von Land zu Schiff hinüberklangen. Erst spät am Abend hatte die „Andalusia" am Hafenkai festgemacht, und so lange harrte auch die Menge aus trotz ~ des strömenden Regens. Freitag früh kurz vor 7 Uhr begaben sich die Offiziere der Wilhelmshavener Marine-Infanterie zur Begrüßung der heimgekehrten Kameraden an Bord der „Andalusia". Oberleutnant Graf von Soden trug die ihm verliehenen Ordensauszeichnungen, den pour le mérite und die französische Ehrenlegion. Sehr herzlich unb ergreifend gestaltete sich der Abschied Herrn von Sodens von seinen treuen Waffengefährten, die die schweren Pekinger Tage mit ihm getheilt hatten. Ein Theil derselben ist in Wilhelmshaven zurückgeblieben, um von dort in die Heimath entlassen zu werden, während Graf von Soden mit den Uebrigen und den Mannschaften, die zur Ostseestation gehören, den bereitstehenden Sonderzug bestieg, der sich unter dem Hurrah der Zurückbleibenden und den Klängen der Musik in Bewegung setzte. Eine Begrüßung der nach Wilhelmshaven zurückgekehrten Mannschaften fand des andauernd regnerischen Wetters wegen im Exerzirschuppen der Marine-Infanterie Freitag Nachmittag statt. Im Ganzen sind mit der „Andalusia" 9 Offiziere, 63 Unteroffiziere und 444 Mann in die Heimath zurückgekehrt; die Mannschaften werden in einigen Tagen entlassen.
Der nene Zolltarif. Die „Berl. Neuest. Nachr." können bestätigen, daß die Meldung, die Reichsregierung werde den Gesetzentwurf, betreffend den Zolltarif, dem Reichstage bei seinem Wiederzusammentritt sofort vorlegen, durchaus zutreffend ist. Das genannte Blatt bemerkt hierzu: „Nachdem die Zollkonferenz nur eine Bestätigung und Anerkennung derjenigen Tendenzen gebracht hat, welche sich bei den neueren Zolltarifarbeiten ergeben hatten, schreiten diese rasch ihrem Ende zu. Aller Voraussicht nach dürfte das Zolltarifgesetz bereits Ende Juni im Neichsschatzamt fertiggestellt sein und wird es sein, falls nicht plötzlich eine neue grundsätzliche Frage
auftaucht, was jedoch nach der Sachlage als ausgeschlossen gelten kann. Dann wird das Gesetz sofort dem Bundesrath zugehen, und es kann als ausgemacht gelten, daß derselbe sich anfangs des Winters darüber endgiltig schlüssig gemacht haben wird, da über alle Grundzüge bereits völlige Uebereinstimmung erzielt ist."
Die Hauptversammlung der deutschen Land- Wirthschasts-Grseüschast wählte den Großherzog von Baden zum nächstjährigen Vorsitzenden. Die nächsten Ausstellungen finden in Mannheim 1902, in Hannover 1903 und in Danzig 1904 statt.
Die Lage des Arbeitsmarktes. Die vorübergehende Belebung des Arbeitsmarktes zu Beginn des Frühjahrs hat schnell dem weiteren Rückgang Platz gemacht. Während sonst der Mai eine Zunahme der Beschäftigung bringt, zeigt er in diesem Jahr nach der Berichterstattung der Krankenkassen, soweit sie an den von Dr. Jastrow herausgegebenen „Arbeitsmarkt" angeschlossen sind, eine Abnahme von — 0,1 pCt. (gegrn + 2,2 pCt. 1900). Um so rascher ist das Angebot an den Arbeitsnachweisen gewachsen. Auf 100 offene Stellen kamen im Mai 145,9 Arbeitsuchende gegen 106,6 im Vorjahr.
Die Taufe der Prinzessin Jolanda Margherita sand Samstag Vormittag im Quirinal statt. Außer dem König wohnten der feierlichen Handlung die Königin-Mutter Margherita, Königin Maria Pia von Portugal, Fürst und Fürstin von Montenegro, der Herzog von Oporto, Prinz Mirko, sämmtliche Mitglieder der Königlichen Familie, die Minister und der Hofstaat bei. Vorher hatten sich mehrere Tausend Schulkinder zum Quirinal begeben und streuten vor dem Eingang Blumen. Der König und der Fürst von Montenegro erschienen auf dem Balkon und wurden von der Bevölkerung jubelnd begrüßt.
Einen Strafzug nach den French-Inseln (Des- lacs und Wingorn, Bismarck-Inselwelt), hat der in der Südsee stationirte kleine Kreuzer „Cormoran" im Februar d. I. ausgeführt. Während der Abwesenheit eines dort ansässigen Händlers namens Hansen, der einen Dampfer und einen Segelkutter besitzt und über 18 Jahre dort seßhaft ist, hatten Eingeborene dessen Siedelung angegriffen, sechs Leute erschlagen und das Haus ausgeraubt. Auf Verlangen des Gouverneurs erklärte sich der Kommandant S. M. S. „Cor- >noran" bereit, bei der Sühnung dieser That mitzuwirken. An der Fahrt nahmen auch Polizeisoldaten des Gouvernements Theil. Die Eingeborenen flüchteten — wie üblich — bei Erscheinen des „Cormoran" und nur einzelne leisteten beim Durchsuchen^ der Inseln Widerstand. Im Gefecht fielen einige. Mehrere Dörfer und Kanoes wurden zur Strafe verbrannt und 4 Gefangene zur Aburtheilung nach Herbertshöhe gebracht.
Feuilleton.
S^iltt Mi ,M M oii die Krutt".
Von Paul Pasig (Ilmenau).
(Nachdruck verboten.)
Es war ein köstlicher Maientag des Jahres 1785. Der durch seine von ungestümem Freiheitsdrangs übersprudelnden „Räuber", seine „Luise Millerin" („Kabale und Liebe") und die „Verschwörung des Fiesko in Genua" bereits in weiteren Kreisen rühmlichst bekannte, sechsundzwanzigjährige ehemalige Regimentsmedikus Friedrich Schiller hatte sich von seinen Mannheimer Freunden getrennt und war einer Einladung des auch als Schriftsteller bekannten Rathes am Oberkonsistorium in Dresden und väterlichen Freundes Christian Gottfried Körner, t 1831 in Berlin als Geh. Regierungsrath, nach Leipzig gefolgt, um hier, im Kreise treuer, gleichdenkender Freunde, sein seelisches Gleichgewicht wiederzuerlangen unb^ füll und ungestört im Dienste der holden Musen die Sonnenbahn des Ruhmes und der Unsterblichkeit weiter wandeln zu können. Eine kleine Herzensangelegenheit spielte bei diesem ~ folgenschweren Entschlusse keine untergeordnete Rolle. Charlotte von Kalb, die der Dichter bereits während seines Aufenthalts bei Frau von Wolzogen auf deren Gute Braubach bei Meiningen kennen gelernt hatte (1782), und die dann, des ehelichen Verhältnisses zu dem ungeliebten Gatten nicht achtend, dem innigst verehrten Dichter nach Mannheim gefolgt war, hatte diesen derart zu fesseln gewußt, daß derselbe, dem großen Alexander gleich, sich entschloß, den Gordischen Knoten durch einen entscheidenden Schlag zu löien: er trennte sich von der Geliebten. Denn die weitere Pflege dieses Verhältnisses war für ihn, das mußte er sich selbst sagen, fast gleichbedeutend mit einem Verzichte auf weitere Ruhmeslorbeeren. Denn woher hätte er unter dem Banne einer verzehrenden Leidenschaft die zu dichterischem
Schaffen so unerläßliche innere Sammlung und Ruhe gewinnen mögen? Und doch keimten bereits neue Pläne in seinem schöpferischen Geiste, und andere waren schon in der Ausführung begriffen. Beschäftigte er sich doch lebhaft mit seinem unsterblichen Meisterwerke „Don Carlos", dessen ersten Akt er in Auerbach bei Darmstadt dem kunstsinnigen Herzoge Karl August von Sachsen-Weimar sowie der landgräflichen Familie vorgelesen hatte. Ein Thor wäre er also gewesen, hätte er um einer süßen Leidenschaft willen so große ihm winkende Erfolge wieder in Frage stellen wollen, und die Einladung Körners nach Leipzig kam ihm daher wie gerufen. Leider aber traf er den väterlichen Freund bei seiner Ankunft in der freundlichen Lindenstadt nicht mehr an: derselbe war nämlich kurz zuvor nach Dresden versetzt worden, hatte aber für den befreundeten Dichter in liebenswürdigster Weise gesorgt, damit derselbe im trauten Verkehr mit seinen zurückgebliebenen Verwandten und Freunden nichts von einem gemüthlichen Familienanschluß vermisse. Zu diesen gehörte Körners schöngeistige Braut selbst, bangeren gleichgesinnte Schwester, sowie vor Allem der verdiente Schriftsteller L. F. Huber, y 1840 in Ulin als bayerischer Landesdirekrionsrath für Schulwesen Milbegründer der „Allg. Zeitung" und Herausgeber der „Allg. Litteraturzeitung" u. a. m. Um freilich ganz ungestört seinem Dichten leben zu können, hatte es Schiller vorgezogen, nicht in der geräuschvollen Stadt selbst, sondern in dem äußerst idyllisch am herrlichen „Rosenthale" gelegenen Dörfchen Gohlis, wo noch heute das bescheidene „Schillerhaus" in seinem ursprünglichen Zustande erhalten wird und alljährlich Gegenstand zahlreicher Huldigungen für den DichtcrgeniuS ist sein Heim aufzuschlagen. Fast alltäglich, nachdem er im schattigen Rosenthale unter den gewaltigen Wipfeln hundertjähriacr Eichen und Buchen geträumt oder am satten Grün ünviaer Felder und Wiesen sein Auge geweidet hatte, machte er sich auf, um auf dem sogenannten „Damm-Wege," der bitri’a Rosenthal die Pleiße entlang direkt zur Stadt führt die Frunde zu besuchen und in ihrer Mitte die angenehmsten
Stunden zu verleben. So auch heute wieder. Der Dichter befand sich in einer überaus glücklichen Stimmung: lud doch die in ihrem maienfrischen Brautgeschmeide prangende Schöpfung wie von selbst zu freudigem Genießen ein, ehe des Herbstes rauhe Hand unbarmherzig all den lichten Zauber zerstört . . . So schritt er, der Freude Abglanz auf dem edeln, blassen Antlitz, unter den leise rauschenden Baumwipfeln dahin, zur Linken die Pleiße, deren träge dahinschleichende Wogen ihm sanfte Weisen ins harmonisch gestimmte Herz murmelten. Doch was war das? Klang das nicht wie ein unterdrücktes Seufzen, wie ein verhaltener Schrei, vermischt mit dem Plätschern augenblicklich erregter Wellen? Dann wieder Stille, Todtenstille ringsumher, während von oben herab eine Lerche ihr schmetterndes Sieb der Freude erschallen ließ. Da — noch ein Schrei, und still ward's mit einem Male. Schnell war der Dichter zu der Stelle geeilt, woher die schmerzlichen Laute gedrungen zu sein schienen, und was bemerkte er da? Ein Jüngling rang offenbar unter Aufbietung der letzten Kraft mit dem nassen Element, dessen Fluthen den Körper bereits bis auf das blasse Haupt verschlungen hatten. Ohne Besinnen entledigte sich der Dichter der behindernden Oberkleider, und im Nü stand er in dem Wasser der an dieser Stelle, dem sog. „Knie", nicht gerade sehr breiten, aber um so tiefern Pleiße, mit der linken Hand sich am Ufergestrüppe festhaltend und die Rechte nach dem Ertrinkenden ausstreckend. Nach kurzem Bemühen gelang es ihm auch, denselben an's Ufer heranzuziehen, wo er ihn unter dichtes Gebüsch bettete und sich so lange um den Geretteten bemühte, bis derselbe die Augen öffnete .... Wer war fröhlicher als unser Schiller! Nachdem der Jüngling soweit gekräftigt war, um weitergehen zu können, nahm Schiller dessen Arm, um sich auf dem Wege nach der Stadt die Leidensgeschichte des Unglücklichen erzählen zu lassen. Ein armer Student war's, erfüllt von hohen Idealen, den aber, als er sich aller Mittel, das erhabene Ziel zu erreichen, beraubt sah, nächtige Verzweiflung erfaßt hatte, um den aussichtslosen Kampf ein für allemal zu beenden. Was aber auf den