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Geueml-Auztiger

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

AMchts Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 138

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Amtliches.

Stadtkreis Ban au. Ausschreiben.

Am 10. d. Mts. ist hierselbst ein Fahrrad, Marke Presto", mit der Fabrik-Nr. 6432 im Werthe von 100 Mk. gestohlen worden.

Das Fahrrad hat schwarzen Rahmenbau, nach unten ge­bogene Lenkstange, Pneumatikreifen, gelbe Felgen und mar mit einer dreieckigen Satteltasche, Handbremse und neuen Pedalen ohne Gummi versehen; der Mantel des Hinteren Rades ist defekt.

Als Thäter kommt ein Unbekannter im Alter von 28 bis 30 Jahren in Betracht, der wie folgt beschrieben wird: ca. 1,701,72 m groß, von kräftiger Statur, trägt dunklen Sackrock, dunkelgrüne, sogenannte Pumphose, weiß- und schwarz­geringelte Fahrradstrümpfe und weißen Strohhut.

Um Nachforschungen nach bem gestohlenen Fahrrade und dem Thäter, Festnahme des Letzteren im Betretungsfalle und telegraphische Nachricht hierher wird ersucht.

Hanau den 12. Juni 1901. J.-Nr. P 5089/01 Königliche Polizei-Direktion.

Stadtkreis Banau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Bei der Stadtverwaltung zu Hanau ist die Stelle eines Kanzlisten auf monatliche Kündigung alsbald zu besetzen. Gehalt 1000 Mk. Bewerber, die eine gute Elementarschul­bildung, Gewandtheit in Kanzleiarbeiten besitzen und fähig sind, nach Diktat mindestens 70 Silben in der Minute zu stenographiren, wollen sich baldigst bei uns melden.

Hanau den 12. Juni 1901.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 9861

Bekanntmachung,

Wir beabsichtigen in der Universitätsklinik zu Gießen drei Frauen zu Wochenbettpstegerinnen ausbilden zu lassen.

Frauen oder Mädchen im Alter von 25 bis 40 Jahren, welche gesund und kräftig sind und einen tadellosen Ruf be­sitzen, wollen sich innerhalb 14 Tagen bei unserem Stadt- und Armenarzt, Herrn Dr. Zeh, oder im Hause Langstraße 43, Zimmer Nr. 3, melden.

Dort werden ihnen auch die näheren Bedingungen mit­getheilt werden.

Hanau den 1. Juni 1901.

Der Magistrat.

II 1832 A Vr. Gebeschus. 9447

Bekanntmachung.

Die Liste über die Abstimmung wegen Errichtung einer Zwangsinnung für das Bäckerhandwerk im Bezirke der Stadt Hanau und der Gemeinde Kesselstadt liegt vom 18. Juni d. Js. ab zwei Wochen im Stadtsekretariat, Rathhaus, Zimmer Nr. 21, zur Einsicht und Erhebung etwaiger Ein­sprüche der Betheiligten offen. Nach Ablauf der Frist an­gebrachte Einsprüche bleiben unberücksichtigt.

Hanau den 15. Juni 1901.

Der Kommissar des Herrn Regierungs-Präsidenten.

Dr. Gebeschus, Oberbürgermeister. 9862

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G efund en: 1 gelber Herren-Glacehandschuh (linker). 1 gelber und 1 schwarzer, kleiner Kinderschuh. 1 dunkel- grüne, breite Kinderkappe, auf dem Deckel schwarze Verzierungen. Zugelaufen: 1 Hund (Bastard). 1 gelber, geschorener

Rattenpinscher m. Geschl. . ,

Vom Wasenmeister am 14. d. Mts. e: n g e^ an gen: 1 gelber Dachshund (Ballard) m. Gächl. Am 17. v. Mts. 1 weißer Foxterrier mit schwarzbraunen Abzeichen m. Gesn, .

Hanau den 17. Juni 1901.

Enthüllung des Bisrnarck-Dcukinals.

WB. Berlin, 16. Juni. Heute Mittag wurde m Gegenwart des K aiserS das Bismarck-Denkma ferer ich enthüllt. Große Menschenmassen hielten die Zugänge zu dem Denkmalsplatze besetzt, der in weitem Halbkreise von Flaggen­masten mit Tannengrün eingesäumt war, mit bis. Er­setzten gewaltigen Tribünen, in deren Mitte sich das Kaiser­

Montag den 17. Juni

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zelt erhob. Das Ganze bot ein imposantes Bild, dessen Farben unter dem bedeckten Himmel prächtig hervortraten. Die Kriegervereine mit wallenden Fahnen flankirten das Podium vor dem Denkmal, wo Fürst Herbert Bismarck, der Reichs­kanzler, die Minister, Staatssekretäre, Mitglieder des Bundes­rathes, des Reichstages, Fürst zu Hohenlohe, die Herren des Centralkomitees, die Mitglieder des Herrenhauses und Abge­ordnetenhauses, der Schöpfer des Denkmals, Professor Begas, die Schöpfer der Nebenfiguren, Offiziere der Armee und der Marine sich eingefunden hatten. Desgleichen stellten sich dort eine Abordnung des Halberstädter Kürassieregimenis, die Vor­stände der Kriegervereine, die Aeltesten der Berliner Kauf­mannschaft, der Börsenvorstand, Vertreter der Universität und Hochschulen, Magistrat und Stadtverordnete von Berlin und Charlottenburg auf. Der Präsentirmarsch der Ehrenkompagnie kündigte das Nahen der Majestäten an, welche vom Reichs­kanzler, dem Grafen Ballestrem und den Herren des Komitees empfangen wurden. Der Kaiser in Generalfeldmarschalls- Uniform schritt die Front der Ehrenkompagnie ab und begab sich mit der Kaiserin unter das Baldachin. Die Prinzen und Prinzessinnen folgten, ebenso die Damen und Herren der Umgebung. Ein tausendstimmiger Chor der Schulkinder er­öffnete die Feier mit dem Gesänge:Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre," woranf der Vorsitzende des Zentral­komitees, v. Levetzow, vortrat und das Denkmal dem Reichskanzler namens des Komitees mit folgenden Worten übergab :

Unter dem erhabenen Protektorate des Kaisers vereinigten sich die deutschen Landsleute aus allen 5 Welttheilen, dem ersten Reichskanzler, dem ersten Fürsten Otto von Bismarck, in der Reichshauptstadt ein Nationalvenkmal zu errichten. Von hochbewährter Künstlerhand herge­stellt, erhebt es sich angesichts der Siegessäule vor des Reiches HauS, dem Hause des deutschen Bundesrathes und der deutschen Volksvertretung und wartet heute der Enthüllung in huldvoller Gegenwart Ihrer Majestäten, der erlauchten Mitglieder des Königshauses, der deutschen landesherrlichen Familien, in Gegenwart des Fürsten Herbert Bismarck, des ältesten Sohnes des verewigten Kanzlers, während der jüngere Sohn leider ganz kürzlich aus erfolgreicher Wirksamkeit ins Jenseits abgernfen und die einzige Tochter durch Krankheit znrückgehalten ist, unter Be­theiligung der obersten Würdenträger des Reiches und der Bundes­staaten, unter Betheiligung des Bundesrathes, des Reichstages, deutscher Landtage, in Anwesenheit von-Tausenden aus allen Theilen des Vater­landes, die das Andenken des Fürsten auf ihrem warmen, dankbaren Herzen tragen. Dauernder als Stein und Erz wirb sein Andenken fortleben, in der Weltgeschichte und in unserem Volke, das sich selbst vergessen müßte, wenn es des ersten Kanzlers je vergessen wollte, das Andenken eines der größten Männer, die in Jahrhunderten dem deutschen Stamm entsprossen sind, des bewußten Dieners, des weisen, weitblicken­den unermüdlichen Rathes und Helfers des hochseligen großen Kaisers Wilhelm. Unter ihm und mit ihm hat er zusammengeschmiedet unb aufgcrichtet, was zerstreut darniederlag, hat er es verstanden, in der Volksseele zu lesen, die Ideale von Generationen zu verwirklichen. Die ganze Welt sah bewundernd auf zu dem eisernen Kanzler. Unsere Gegner fürchteten ihn, in Krieg und Frieden, wie keinen Anderen. Uns tvar und i|t er und wird er sein ein nationaler Heros, ein Vorbild monarchischer Gesinnung, deutscher Treue, deutschen Muthes und deut­scher Festigkeit, ein Vorbild echter Vaterlandsliebe, das gottgesandte und scharfe Werkzeug zur Wiederaufrichtung und Befestigung des Deutschen Reiches bürd) unseren ersten Kaiser. Sein schönes, tapferes, von ihm voll bethätigtes Wort:Wir Deutsche fürchten Gott und sonst Niemand aus der Welt" bleibe das Motto unserer Zukunft! Hier sein Standbild: ubique fama! Mtt hoher Genughnung dürfen wir auf die Erfüllung unserer Bitte hoffen, die ich an den Herrn Reichskanzler richte, daß Kaiser und Mich, Bundesrath und Reichstag das Denkmal in Schutz ilnd Obhut nehmen wollen. Dort wird es sicher geborgen und hoch in Ehren gehalten sein. Wessen Auge deutsch oder fremd - jemals aiq das Standbild fällt, der wird sagen und sagen müssen:Das war ein Mann . Meinen märkischen Landsleuten aber wolle man cs nicht verargen, wenn sie hinzusetzen:ein brandenburgischer Mann".

Auf die Rede v. Levetzow's erwiderte der Reichs­kanzler v. Bülow, dessen klare (Stimme von der Plattform 1 hinausdrang, wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochen in die lautlose Menge: '

Am Abend _ seines Lebens äußerte Bismarck, er sei Gott dankbar, daß es ihm vergönnt gewesen sei, seinen Namen dauernd tn die Rinde der deutschen Eiche einzuschneiden. Heute, wo wir sein Nationaldenkmal in der Reichshauptstadt enthüllen, ist unter Denen, die mich hier umgeben, ist im ganzen deutschen Volke Niemand, der nicht fühlte und wüßte, daß die Spur der Erdentage des eisernen Kanzlers nicht untergehen und daß die Bewunderung und Dankbarkeit für ihn nicht aufhören werden, so lange ein deutsches Herr schlagen, ein deutscher Mund reden und eine deutsche Faust sich ballen wird Dieses , Bewußtsein ist heute stärker, lebendiger und dar er als in den Tagen, wo Bismarck unter uno weilte, denn H-urst Bismarck war nicht wie sein gleich unvergeßlicher Nebenmann, der Feldmarschall Moltke der still im reinen Aether unpersönlicher Betrachtung kreisende Aar

-r war eine Löwcnnaiur und stand aus derErde im Staubt

d°s,Kampfes Er hat bis zuletz, nicht ausg-hört. mit&S cha zu tampfe» und der Kamps brittgt b-recht gie Gegner- schast, ungerechte Verkennung, ehrliche Fe ndsckatt i mh HM«. Hast Der Haß aber, ^r ^ÄM gesagt am Grabe der für ihre Altäre gefallenen Athener, ist

Bezirks-Fernsprechmlschluß Nr. 98. 1901

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von kurzer Dauer, unvergänglich jedoch der Ruhm. Nachdem sich der Staub des Kampfes verzogen, leuchtet uns nur die Erinnerung an die unerreichten Thaten und die unvergleich­liche Persönlichkeit. So wird der gigantische Schatten des Fürsten Bismarck wachsen, je weiter der Lebenstag des deutschen Volkes vorrückt und je mehr das nationale Urtheil ausreift. Auf märkischer Scholle, im Herzen Preußens ge­boren, ist Otto v. Bismarck in den Mauern der Stadt Berlin aufgewachsen. Den Garten der Plaman'schen Er­ziehungs-Anstalt, an der unteren Wilhelmstraße gelegen, hat er mehrmals die Geburtsstätte seiner Luftschlösser genannt. Hinter dem Bretterzaun dieses Gartens zeigte dem Knaben die Phantasie die ganze bunte Erde mit den Wäldern, Burgen und allen Erlebnissen, die seiner warteten, die ganze weite Welt, die dieser Knabe dereinst umgestalten sollte, als er nach einem Menschenalter in die Wilhelmstraße zurück­kehrte und die größte Epoche der deutschen Geschichte begann.

Nachdem er unter und mit Kaiser Wilhelm dem Großen in gewaltiger Energie das Reich aufgerichtet hatte, sicherte er diesem und der Welt in ebenso seltener Mäßigung und Selbstbeschränkung den Freden. Er hat um mit Fichte zu reden das deutsche Volk aus dem Gröbsten heraus­gehauen. Er hat um mit seinen eigenen Worten zu reden das deutsche Volk in den Sattel gehoben, was vor ihm Keinem geglückt war. Er hat ausgeführt und vollendet, was seit Jahrhunderten das Sehnen unseres Volkes und das Streben unserer edelsten Geister gewesen, was die Ottonen und Salier und Hohenstaufen vergeblich angestrebt, was 1813 den Kämpen als den damals nicht erreichten Siegespreis vorschwebte, wofür eine lange Reihe Märtyrer der deutschen Idee gekämpft und gelitten hatten, unb er ist gleichzeitig der Ausgangspunkt und Bahnbrecher der neuen Zeit für das deutsche Volk geworden. In jeder Hinsicht stehen wir auf seinen Schultern, nicht im Sinne, als ob es eine vaterländische Pflicht wäre, alles zu billigen, was er gesagt und gethan hat.

Nur die Thoren oder Fanatiker werden behaupten wollen, daß Fürst Bismarck niemals geirrt habe, auch nicht in dem Sinne, als ob er Maximen aufgestellt hätte, die nun unter allen Umständen in jedem Falle und in jeder Lage blind­lings anzuwenden wären. Starre Dogmen gibt es weder im politischen noch im wirthschaftlichen Leben, und gerade Fürst Bismarck hat von der Doktrin nicht viel gehalten. Aber was Bismarck uns gelehrt, ist, daß nicht persönliche Liebhabereien, nicht populäre Augenblicksströmungen noch graue Theorie, sondern immer nur das wirkliche, dauernde Interesse der Volksgemeinschaft, des Salus publica, die Richtschnur einer vernünftigen, sittlich berechtigten Politik sein darf. Was uns sein ganzes Wirken zeigt, ist, daß ein Mensch ein Schiff lenken kann, das auch im Strome fährt, nicht aber den Strom selbst, daß wir, wie Bismarck sich ausgedrückt hat, die großen Dinge nicht machen, aber den natürlichen Lauf der Dinge beobachten und das, was dieser Lauf zur Reife gebracht hat, auch sichern können, mit anderen Worten, daß in der Politik es darauf ankommt, in jedem Augenblick die Grenzen des Erreichbaren deutlich zu erkennen, an die Erreichung des zu Nutz und Frommen des Landes Erreichbaren über Alles zu setzen. Keine Partei kann Bismarck für sich allein mit Beschlag belegen, aber jede kann trotz der Gegensätze dieser oder jener Frage vor diesem Todten den Degen senken. Er gehört keiner Koterie, er gehört der ganzen Nation. Er ist nationales Eigen­thum und ist auf politischem Gebiete und im Reiche der That für uns geworden, was Goethe im Reiche der Geister auf dem Gebiete der Kunst und Litteratur für uns gewesen ift^ Auch er hat, wie Schiller von Goethe sagte, die Schlange erdrückt, die unseren Genius umschnürte. Goethe hat uns auf dem Gebiete der Bildung geeinigt, Bismarck uns politisch Denken und Handeln gelehrt. Und wie Goethe für immer als Stern an unserem geistigen Himmel steht, ist Bismarck uns eine Gewähr dafür, daß die Nation ihre Gleichberechtigung mit anderen Völkern und ihr Recht auf Einheit und Selbständigkeit der Macht niemals aufgeben kann. Er hat uns ein Beispiel gegeben, nie zu verzagen, auch in schwierigen und verworrenen Zeiten nicht. Er lehrte uns, uns selbst treu zu bleiben und gab uns Selbstbewußtsein und Unternehmungsgeist. Das Leben in ihm kann sich wie ein Spiegel der Nation selbst beschauen, denn er war vor allem ein Deutscher im vollsten Sinne des Wortes. Er ist nur auf deutschen Boden denkbar, nur für die Deutschen ganz verständlich. Dort vor^uns liegt die Siegesallee! Wenn diese stolze Straße von den Askaniern und Nürnberger Burggrafen bis zu dem großen deutschen Kaiser führt, so verdanken wir es in erster Linie dem Genie des Mannes, dessen Bild in Erz sich vor unseren Blicken jetzt enthüllen soll. Seiner Ausdauer, seinem heldenhaften Muth, seiner