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Drittes Blatt.

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AMchts Organ für Stadt- «ad FandKreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 137

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Samstag den 15. Juni

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Bezirks-Fernsprechanschluß. Nr. 98.

1901

Das Bismarck-Denkmal.

Zum 16. Juni.

An diesem Sonntage wird vor dem Reichstags-Gebäude in Berlin das von Künstlerhand geschaffene Denkmal feierlich enthüllt werden, dasdem ersten Reichskanzler das deutsche Volk" errichtet hat. Gerade 30 Jahre sind dann verflossen, seit dem denkwürdigen Tage, wo Fürst Bismarck im Gefolge Kaiser Wilhelms des Großen an der Spitze der aus Frank­reich heimkehrenden siegreichen Truppen in die Reichshauptstadt einzog. Unzählige aus allen Gauen des Vaterlandes und weither jenseits der Meere haben ihr Scherflein gespendet, um das Andenken an den gewaltigsten Sohn der Mutter Germania in Marmor festzuhalten. Es ist ein nationales Denkmal, das geweiht wird, ein Denkmal, in dem jeder Stein Kunde gibt von der nie verlöschenden Dankbarkeit des deutschen Volkes. Und vor dem Standbilde werden stehen neben zahl­reichen geladenen Gästen, Schulkindern, Studenten, alten Kriegern, Abgeordneten, Vertretern der Behörden und des Militärs, Kinder und Enkel jenes berühmten Mannes, um Zeugen zu sein der Huldigung, die ihrem großen Ahnen zu Theil wird. Auch der Schirmherr des Reiches hat seine An­wesenheit zugesagt, ein Beweis, daß der Kaiser die Gefühle seine Volkes theilt.

Die Bedeutung Bismarcks für Preußen liegt in der Wieder­herstellung des monarchischen Prinzips. Als er in die poli­tischen Kämpfe eintrat, wankten die Throne in Europa. Throne wurden gestürzt und wieder aufgerichtet nach dem Willen politischer Parteien. In dieser schweren Krisis des monarchischen Prinzips begann Bismarck seine politische Arbeit als unerschrockener Vorkämpfer der Monarchie im Sinne der großen preußischen Ueberlieferung : einen Kampf um das richtige Verhältniß zwischen Volksvertretung und Krone. Die erbitter­ten Fehden der sechziger Jahre haben diesen Kern des Staats­rechts für Preußen und damit für Deutschland gerettet und gesichert. Das Königthum steht in Preußen rechtlich nicht unter der Macht der Volksvertretung, ist nichtOrnament" wie in anderen Staaten, sondern der herrschende Mittelpunkt des ganzen Staates. Das war das große Lebenswerk Bismarcks für Preußen.

Auf dieser Grundlage hat dann Bismarck die andere große Aufgabe seines Lebens, die deutsche, gelöst. Auf dem starken preußischen Königthum steht sicher und fest das deutsche Kaiser- thum der Hohenzollern, ausgerüstet mit dem deutschen Schwert und der Welt gegenüber die staatsrechtliche Zusammensetzung des zum Bundesstaate geeinten Deutschlands. Manches war für die Erreichung dieses Zieles vorbereitet. Trotzdem war die Lösung der deutschen Frage fast eine Unmöglichkeit. Unter Ueberwindung unüberwindbar scheinender Schwierigkeiten wurde

Feuilleton.

Der Deld und die Kunst.

Gedanken zur Enthüllung des Nationaldenkmals des Fürsten Bismarck in Berlin, 16. Juni.

L - Von Theodor Lamprecht.

(Nachdruck verboten.)

' »Die Gewißheit, daß uns Helden gesandt werden, unsere Fähigkeit, die Nothwendigkeit, Helden zu verehren, wenn sie uns gesandt werden: sie scheint wie ein Polarstern durch alle Re:ch- und Staubwolken, durch jegliche Zusammen­stürze und Feuersbrünste hindurch."

Carlyle.

Noch ist das Echo der schweren politischen Kämpfe, die unter Bismarck und gegen ihn geführt worden sind, nicht ver­hallt. Darin werden aber schon jetzt seine Gegner mit seinen Bewunderern übereinstimmen, daß Bismarck der Held unserer deutschen Geschichte im letzten Drittel des verflossenen Jahr­hunderts ist. Der Held nicht in dem trivialen Smne, m dem man wohl sagt, der oder der. sei der Held dieses Ron,ans oder jenes Dramas, sondern in dem Sinne, m dem Carlyle in seinem bekannten schönen Buche über das He den- thum gesprochen hat. Er ist der Held jener Epoche, msosern das Wünschen und Wollen der deutschen Natron m rhm m einer verdichteten, geläuterten und durch eine ltn9^eiir $ ' kraft beflügelten Form neugeboren und indem es durch ihn aus dem Reiche der Gedanken und Traume m das der Wirk­lichkeit übergesetzt worden ist. Wenn Carlyle von den Helden sagt, daß die Seele der Geschichte der ganzen W h - schichte sei, so darf man gerade auf Bismarck und^ s ^ t dies Wort mit vollem Rechte anwenden. ZNBismaras und Leben spiegelt sich das Sein seiner 9^ Bismarck hat mit einer ungeheuren Kraft die selbst" in seiner Zeit alle herangezogen und durchdru g

endlich das große Ziel erreicht: Seit dem Tage von Versailles haben wir wieder" ein deutsches Reich und einen deutschen Kaiser.

Wie oft ist die Frage aufgeworfen worden, woher nahm Bismarck die Kraft zu seiner Lebensarbeit? Die Antwort liegt in seinem tiefen, religiösen Fühlen und Denken. Bismarck betrachtete sich immer nur als ein Werkzeug der Vorsehung und hat dieser Ueberzeugung mehrfach Ausdruck gegeben, bei­spielsweise in einem Tischgespräch mit den Worten:Wenn ich nicht an eine göttliche Vorsehung glaubte, die die deutsche Ration dazu bestimmt hat, etwas Gutes und Großes zu schaffen, würde ich sofort mein Geschäft als Staatsmann auf­geben, oder richtiger, ich wäre in das Geschä^ nie eingetreten." Der Glaube an Gott gab ihm eine majestätische Riche persön­licher Sicherheit.Hätte ich nicht den Glauben an den per­sönlichen Gott, ich würde dieses Leben als werthloses Ding von mir werfen," so sprach ec einmal im Reichstage.

Mit diesem festen Glauben an die Vorsehung verband sich bei Bismarck eine glühende Vaterlandsliebe, die ihn befähigte, sein Dichten und Trachten ausschließlich in den Dienst der vaterländischen Interessen zu stellen, ohne daß je eine Ver­suchung zur persönlichen Verwerthung seiner Macht über ihn die Oberhand gewann. Ein unübertreffliches Vorbild an Lauterkeit der Gesinnung und patriotischer Pflichterfüllung: so steht der Altreichskanzler als schützender Genius unsers Volkes in seiner reckenhaften Größe vor uns und so wird er fortleben durch alle Zeiten.

Patriae inserviendo consumer" im Dienste des Vaterlandes verzehre ich mich so durfte Fürst Bismarck von sich bezeugen. Streben wir dem unvergleichlichen Manne nach; bemühen wir uns, im Kleinen zu sein, was er im Großen war; mache jeder von uns seine Kraft dem Vaterlande nutz­bar, lehren wir unsere Söhne, dasselbe zu thun. Das wird der beste Dank des deutschen Volkes an seinen ersten Kanzler sein; denn seine Früchte werden sich dauernder erweisen als Erz und Marmorstein.

politischer Mockenberickt.

Wer noch an dem Willen der Regierung, der unter der in Aussicht stehenden Mißernte und unter dein Wettbewerb des Auslandes schwer leidenden Landwirthschaft zu helfen, gezweifelt hat, dessen Ansicht dürfte sich nun wohl geändert haben. Die verschiedenen Maßregeln der preußischen Staats­regierung : die Einführung eines besonderen Nothstands-Tarifs für den Bezug von Futter- und Streumitteln auf den Staats­bahnen; die Verfügung, wonach bei der Einziehung der direkten Staatssteuern möglichst milde vorgegangen werden

Gebiete, die seinem Wirken ganz entlegen waren und die er nie direkt beeinflußt hat, ist von seinem Glanze ein Strahl gefallen, ist die Macht seiner Persönlichkeit in dieser oder jener Art fühlbar geworden. Ja, man darf noch weiter gehen und ihn den Helden der Welt geschichte in dem hinter uns liegenden Menschenalter überhaupt nennen. Denn so reich auch diese Periode an bedeutenden Persönlichkeiten war, er allein hat ein Werk geschaffen, das für die ganze Kultur­welt von der größten Bedeutung, für ihre Gestalt und ihre Zukunft bestimmend und im höchsten Maße fruchtbar ist. Indem er im Herzen unseres Kontinents statt eines zer­fahrenen und unruhigen Volkes einen einheitlichen Volks­körper schuf, baute er dem Weltfrieden ein stärkeres Bollwerk, als alle die Schwärmereien der Friedensfreunde es ver­mögen ; und indem die bisher verzettelten Kräfte der deutschen Nation sich nun geschlossen und mit wuchtiger Intensität der Kulturarbeit zuwandten, erfuhr die menschliche Kultur eine Förderung und Verstärkung, die seitdem ihrer Entwickelung so recht eigentlich den Stempel anfgedrückt bat

Der Held, wie ihn uns die Weltgeschichte als Neligions- stifter oder Staatsmann, als Künstler oder Dichter zeigt ist das größte Kunstwerk, das aus der göttlichen Schöpferkraft hervorgeht, und kein Künstler sollte das eingehende Studium ihres Lebens und ihres Schaffens verabsäumen, weil er darin oft tiefere Aufschlüsse über die Kunst und ihr Wesen findet als er auf irgend einem anderen Gebiete erwarten darf den Charakteren und den Werken der Helden findet man j^e Vereinigung von größter Einfachheit und überquellendem Reich­thum, der den höchsten Kunstwerken eigen ist. Das Grundwesen des Helden lst immer klar, durchsichtig, schlicht. Niemand kann Homer, Lionardo, Luther, Cromwell, Goethe, Bismarck nab. «len, °hn° ,-gleich, gleichsam instinktiv, zu ühkn zu wistm mi. wem er es zu thun hau Aber s- schnell man 'dikLnL £? 't1^ ®efen3 ersaßt, so wenig vermag man je ihren Reichthum zu erschopsen. In einem mäßigen Bande hat alles Platz, was wer von Homer wissen und haben, und dennoch

soll; die Reise verschiedener Minister in die nothleidenden Bezirke der Monarchie und die sich anschließende Minister- Konferenz sind in der That dazu angethan, der Regierung das Vertrauen der Landwirthe zu sichern, umso mehr, als Graf Bülow ausdrücklich versprochen hat, die Erzeugnisse der deutschen Landwirthschafr in den nächsten Handelsverträgen wirksamer als bisher durch Zölle zu schützen. Die Aus­streuungen freihändlerischer Blätter, daß in der Zoll­konferenz von Vertretern der Bundesstaaten ein Umschwung der Anschauungen in einem der Landwirthschaft ungünstigen, Sinne herbeigeführt sei, hat mit Recht keinen Glauben ge­funden. Die Absicht, unter den Landwirthen Mißtrauen gegen die Regierung zu säen, lag zu klar auf der Hand.

In Oesterreich ist das Abgeordnetenhaus in die Ferien gegangen. Es hat eine ereignißreiche Session hinter sich. Es hat gearbeitet und mit Erfolg. Der Nationalitätenstreit ist unter der gemeinsamen Arbeit für das wirthschaftliche Wohl des Landes begraben gewesen. Parlament und Regierung können mit Genugthuung auf die jüngstverflossene Zeit zu-! rückblicken. Als ein Zeichen des Dankes für die nationale s Waffenruhe und die Hingabe an die parlamentarische Arbeit ist die Reisedes Kaisers Franz Joseph najdj Böhmen anzusehen. Der Besuch in Prag hat zweifellos eine politische Bedeutung, denn Böhmen ist das Land der habsburgischen Krone, das seit länger als zehn Jahren den Mittelpunkt der nationalen Kämpfe und Streitfragen bildet, deren Lösung der österreichischen Staatspolitik noch immer nicht geklückt ist. Jedenfalls dürfte der Kaiser von Oesterreich auf dem böhmischen Boden auch Gelegenheit gefunden haben, sich davon zu überzeugen, daß seine deutschen Unterthanen verleumdet werden; wenn ihnen der Wunsch nachgesagt wird, sich von Oesterreich loszureißen, und zu erkennen, welche ge­waltige Kultur- und wirthschaftliche Macht das Deutschthum in Böhmen ist.

Noch in anderer Weise hat das Oberhaupt der österreichisch­ungarischen Monarchie das politische Interesse in Anspruch ge­nommen und zwar durch sein Telegramm an den Grafen Waldersee. Hebt der Kaiser darin doch her­vor, daß der Oberstkommandirende seine Aufgabe zu einem gedeihlichen Abschlusse" geführt undunter den eigenartigen Verhältnissen" das in ihn gesetzte Vertrauen gerechtfertigt habe. Auch dankt er ihm herzlich für dieFürsorge und Waffenbrüderschaft", die er den Mannschaften der österreichisch­ungarischen Marine gewidmet habe. Diese Anerkennung schließt sich harmonisch an die Kundgebungen des Zaren sowie der amerikanischen, britischen und der anderen Regierungen an und steht in wohlthuendem Gegensatze zu unseren radikalen Blättern, die sich nicht genug thun können in der Herab­setzung und Verkleinerung der deutschen Chinapolitik und be-

zehrt die Menschheit von diesem Schatze nun schon seit tausenden von Jahren; sie gräbt sozusagen immer neue Minen in dies Goldlager, und braucht doch so wenig seine Erschöpfung zu befürchten, daß noch vor wenig Jahren unser herrlicher Hermann Grimm den Dichter dieser uralten Welt und diese Welt selbst in einer ganz neuen Beleuchtung zeigen konnte. Nicht anders bei Bismarck. Was ihn eigentlich zu Bismarck macht, ließe sich in wenigen Worten sagen und ist auch dem schlichtesten Manne geläufig. Aber sich mit ihm beschäftigen, heißt auf Schritt und Tritt Entdeckungen machen. Bald ist es seine felsenhafte Widerstandskraft und bald die ungeheure Gewalt und Kühnheit seiner Initiative, bald der adlergleiche Flug seiner Beobachtung, bald die erbarmungslose Energie seines Wollens und bald die tiefe Zartheit seines Empfindens, die uns in völlig neuem Lichte erscheint. Es genügt nicht, den Staats­mann Bismarck zu kennen; wir müssen ihn als Diener seines Herrn, als Gatten, als Landwirth, als Redner, als Freund, als Militär, als Plauderer, als Mann der Gesellschaft und der Bildung, als Philosophen und Poeten studiren, wenn wir eine Vorstellung von ihm gewinnen wollen. Es gibt Dinge, mit denen er sich nie berufsmäßig beschäftigt hat und denen er trotzdem die weitgehendsten Impulse gegeben, ja, die er aus neue Wege geleitet hat; es sei nur an sein Verhältniß zur deutschen Sprache erinnert. Seine Reden, seine Erinnerungen verrathen einen geradezu unermeßlichen Reichthum, zeigen, daß die Arbeit seines Lebens ihn nicht ausgepumpt, sondern; ihn selbst nur wieder bereichert hat. Und zugleich zeigte Bismarcks Charakter einen weiteren Zug, der dem Helden-- thume eigenthümlich ist und es zum Kunstwerke stempelt :? den der absoluten Originalität. Nicht als ob das, was er geschaffen, nicht vorbereitet, das, was er gedacht, nicht schon! vorgedacht gewesen wäre. Aber wie dem Midas alles, was er berührte, zu Gold wurde, so wird alles, was der Held in seinen Kreis zieht, neu. Es sei in dieser Beziehung nur der AbschnittDynastien und Stämme" in den Er­innerungen genannt. So ist auch die Art, wie er den Ge-