Zweit es Blatt.
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Miilhes Organ sm SM- mü FnndKrtis Hamk.
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Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
i Nr. 137 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Samstag den 15. Juni
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
politische Rundschau.
Ein Gruß des Kaisees. Der deutsche Botschafter von Holleben sandte dem in Boston abgehaltenen internationalen Kongreß der Vereine christ - I licher junger Männer ein Kabeltelegramm des Kaisers 7 Wilhelm. Seine Majestät sendet hierin herzliche Glückwünsche, spricht die Hoffnung aus, daß die Brüderlichkeit auch ferner blühe und gedeihe, und gibt seiner Genugthung darüber Ausdruck, daß die deutschen Vereine in derselben Richtung thätig j sind und brüderlich an der feierlichen Versammlung theilnehmen. Kaiser Wilhelm spricht weiter die Hoffnung aus, daß die amerikanischen Vereine auch in Zukunft für ihr großes Vaterland an Körper und Seele gesunde Bürger auferziehen werden, deren Leben auf der einzigen unerschütterlicher Grundlage, dem Namen Christus, beruhe, welche über jeden Namen erhaben sei. Der Kongreß erwiderte mit einem Danktelegramm an den Kaiser, in welchem es heißt, der Kongreß sei tief gerührt durch die Hinweise auf die brüderlichen Beziehungen der jungen Männer des deutschen Vaterlandes und Amerikas. Das Telegramm schließt: „Möge unser auf Christus beruhendes Bündniß für immer die Dauer der jetzt zwischen den beiden Ländern bestehenden freundlichen Beziehungen sichern."
König Christian von Däuemacè in W- cs- baden. Eines ausgezeichneten Wohlbefindens erfreut sich der dort zur Kur weilende König Christian. In Begleitung seines Bruders, des Prinzen Hans von Glücksburg, unternimmt der greise Monarch jeden Nachmittag eine längere Spaziertour in der Umgegend und wohnt gewöhnlich dem Konzerte im Kurparke bei. Eine Menge dänischer und deutscher Notabilitäten haben ihre Namen in das im Park-Hotel in der Wilhelmstraße aufliegende Buch eingeschrieben. In diesem Hotel bewohnte der König die nämliche Wohnung, die er seit einer Reihe von Jahren inne gehabt hat. Nach der Abendtasel verbringt der Völlig mit seinem Gefolge gewöhnlich ein paar Stunden im Königl. Schauspielhausc. Jüngst unternahm der Monarch mit seinem Bruder einen Ausflug nach Frankfurt, um dem Rmnen beizuwohnen. Anläßlich der Grundgesetz feier halte der König alle in Wiesbaden sich aufhaltenden Dünen zu seiner Sasel eingeladen, und gestern hatten mehrere höhere Beamte Wiesbadens, u. a. der Regierungspräsident Dr. von Wenzel, b:r Polizeidirektor Fürst von Ratibor, der Hurdirektor Major von Ebmaier, die Ehre, an der Tafel des Königs theilzunehmen. Während König Christian sich im Wiesbaden aufhält, weht die dänische Flagge vom alten Kurhotel, das bekanntlich schon bald einem modernen Hotel-Neubau Platz machen soll.
Dec Hmrdelsmiuistcc Möller und der MiLLel- stund. Der Präsident des Zentralverbandes der Vereine selbständiger Gewerbetreibender hatte kürzlich eine Audienz bei dem neuen Handelsminister. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Frage der Schäden, welche die Rabattsparvereine und Konsumvereine dem Mittelstände zufügen, gestreift. Der Minister erwies sich gut unterrichtet und erkannte die Nachtheile an. Im klebrigen versicherte Exz'. Möller, alle konkreten Vorschläge zur Hebung des Mittelstandes sachlich prüfen zu wollen, und bat, nicht zu unterlassen, mit solchen Vorschlägen hervorzutreten.
Die GesammLverluste dec deuLscheu Truppen in China. Nachdem die Wirren in China in Bezug aus das militärische Eingreifen als beendet angesehen werden können, läßt sich ein Ueberblick der bis zum 19. Mai eingetretenen Verluste bei dem ostasiatischen Expeditionskorps auf Grund der ausgegebenen amtlichen vierzehn Verlustlisten gewinnen. Zunächst sind die infolge von Gefechten, Explosionen u. s. w. eingetretenen Verluste zu berücksichtigen, an welche sich die Verluste an Gestorbenen, Verunglückten und Vermißten an- schließen. Die Gesammtverluste in Gefechten u. s. w. betragen nach einer Zusammenstellung der „Köln. Ztg." 13 Offiziere, 20 Unteroffiziere, 122 Mann, davon todt 1 Offizier, 1 Unteroffizier, 31 Mann, schwer verwundet 4 Offiziere, 6 Unteroffiziere, 19 Mann, leicht verwundet 8 Offiziere, 13 Unteroffiziere, 72 Mann. Auf die verschiedenen Waffengattungen vertheilt ergeben sich todt für die Infanterie 1 Offizier, 1 Unteroffizier, 15 Mann, Kavallerie 7 Mann, Fußartillerie 5 Mann, Pioniere 3 Mann, Train 1 Mann ; schwer verwundet für die Infanterie 3 Offiziere, 2 Unteroffiziere, 14 Mann, Kavallerie 1 Offizier, 2 Unteroffiziere, 2 Mann, Feldartillerie 1 Mann, Pioniere 1 Unteroffizier, 2 Mann, Verkehrstruppen 1 Unteroffizier ; leicht verwundet bei. der Infanterie 6 Offiziere, 11 Unteroffiziere, 51 Mann, Kavallerie 1 Unteroffizier, 1 Mann, Feldartillerie 1 Offizier, 4 Mann, Fußartillerie 6 Mann, Pioniere 1 Offizier, 1 Unteroffizier, 10 Mann. Der Verlust beziffert sich danach bei der Infanterie auf 10 Offiziere, 14 Unteroffiziere, 80 Mann, zusammen 104 Kövfe; Kavallerie 1 Offizier. 3 Unteroffiziere,
10 Mann — 14 Köpfe; Feldartillerie 1 Offizier, 5 Mann = 6 Köpfe; Fußartillerie 11 Mann ; Pioniere 1 Offizier, 2 Unteroffiziere, 15 Mann = 18 Köpfe; Verkehrsü uppen 1 Unteroffizier; Train 1 Mann ; im Ganzen 155 Köpfe. Die meisten Verluste entfallen daher im Verhältniß der Truppenstärke auf die Pioniere. Außerdem sind an Krankheiten oder durch Verunglückung gestorben bei den Stäben 4 Offiziere, 1 Unteroffizier, 1 Mann, Infanterie 8 Unteroffiziere, 80 Mânn, Kavallerie 4 Mann, Feldartillerie 1 Unteroffizier, 17 Mann, Fußartillerie 6 Mann, Pioniere 1 Offizier, 1 Unteroffizier, 6 Mann, Verkehrstruppen 3 Mann, Train 1 Unteroffizier, 4 Mann, zusammen 5 Offiziere, 12 Unteroffiziere, 121 Mann — 138 Köpfe; dazu vermißt 5 Mann der Infanterie, 2 dec Feldartillerie, zusammen 7 Köpfe. Mithin beziffert sich der Gesammtabgang des ostasiatischen Expeditionskorps bisher auf 18 Offiziere, 32 Unteroffiziere, 250 Mann, zusammen 300 Köpfe.
Die Unterzeichnung des definitiven Friedens- Vertrages mit China dürfte, einer von Shanghai telegraphisch übermittelten Meldung der „North China Daily News" zufolge, Ende Juni zu erwarten sein. Dem Prinzen Tsching und LiHuug-Tschang sei ein Kaiserliches Edikt zuge- gangen, in welchem allen Forderungen der Mächte zngestimmt werde. Aus Washington telegraphirt man: Die Vereinigten Staaten haben bisher keinen Einwand erhoben und beabsichtigen auch unter den jetzigen Umständen keinen Einwand dagegen zu erheben, daß in Shanghai eine starke deutsche Garnison bleibt. Deutschland hat mit großer Aufrichtigkeit auf frühere Vorstellungen Amerikas geantwortet. Die Vereinigten Staaten werden daher auch den von Deutschland in dieser Angelegenheit angegebeneil Beweggründen volles Vertrauen entgegenbringen. — Das ist sehr liebenswürdig von den Vereinigten Staaten, aber wenn sie es auch mit einem Einfpruch versuchen wollten, so wird ihnen das nichts nützen, da die Sitnation derart ist, daß selbst das durch die deutsche Besatzung in erster Linie Betroffene England sich mit der Thatsache abfinden muß.
Neuer Regierungsbezirk in Westfalen. Wie der „Bochumer Anzeiger" meldet, wird die Theilung des Regierungsbezirks Arnsberg nicht, wie gemeldet, am 1. April 1902, sondern schon am 1. Oktober ds. Js. stattfinden. Es bleibt nur noch die Gehaltsfrage der Beamten zu erledigen.
Die Reichstags-Ersatzwahl für den zum Handels- minlster ernannten Herrn Möller findet am 25. Juli statt. Da nicht weniger als sechs Kandidaten aufgestellt sind, erwartet man eine bedeutende Stimmen-Zersplitterung.
Die würètemdecgische Bahnfmge. Die Kammer der Standesherren hat einstimmig den Antrag angenommen, der sich für die A u f r e ch t e r h a l - t u u g der Selbständigkeit Württembergs in der Verwaltung seiner Eisenbahnen und gegen ein etwaiges Aufgeben dieser Selbständigkeit durch den Beitritt zur preußisch-Hessischen Gemeinschaft erklärt, dagegen die Erlassung eines Reichseisenbahngesetzes und Verwirklichung des Art. 42 der Reichsverfassung fordert.
Der Kaiser von Oesterreich in Prag. Der gestrigen Einweihung dec netten Franz Josephbrücke durch den Kaiser sind die deutschen Korporationen und Vereine sowie die deutschen Abgeordneten ferngeblieben, weil ihnen die Einladung in tschechischer Sprache zugestellt worden war. Beim Empfang der deutschen Korporation drückte der Monarch den Wunsch aus, daß dieselbe zur Versöhnung der Nationalitäten beitragen möge. Wie nachträglich bekannt wird, hat der Kaiser beim Adelsempfang folgende Worte gesprochen: Ich bin überzeugt, daß bei dem großen Friedenswerke, das in Böhmen nothwendig ist, der Adel seinen höheren Aufgaben immer gerecht werde.
In dec Angelegenheit dec niedecländèfch-füd- afcikanischen Eisenbahn hält, wie die „Nationalzeitung" hört, die deutsche Regierung durchaus an dem früher schon von ihr vertretenen Standpunkte fest, daß diese Eisenbahn, nachdem England die Buren als kriegführende Partei anerkannt hatte, als Privateigenthum beachtet werden muß und nur gegen volle Entschädigung der ausländischen Aktionäre verstaatlicht werden kann. Es sind in diesem Sinne infolge der Meldung über den Bericht der englischen Regierungs- Kommission neue Instruktionen an die deutsche Botschaft in London ergangen.
Hus J^ah und fern.
Cassel, 12. Juni. Beim Abspringen von einem Motorwagen der Straßenbahn gerieth der Generalkommissionsbeamte Baum unter die Räder und wurde auf der Stelle getödtet.
Fulda, 13. Juni. Der 66 Jahre alte Fabrikarbeiter Mathias Wedel dahier, geboren zu Brotterode, wurde am
13. b. Mts. im Röhlingswalde an einer Buchenstange in sitzender Stellung erhängt aufgesunden. Der Selbstmörder hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Der Beweggrund zu dieser unseligen That ist unbekannt.
Marburg, 12. Juni. In der letzten Stadtverordnetensitzung beschäftigte man sich mit der Frage der Einführung elektrischer Beleuchtung in Marburg. Die Antworten aus Umfragen bei d r Universität, der Eisenbahnbehörde u. s. w., ob sie elektrisches Licht einführen wollen, lauteten theilweise bejahend. Der Kostenanschlag beläuft sich auf 690 000 Mark. Nach längerer Berathung wurde beschlossen, dem Plane näher zu treten, wenn die hiesigen staatlichen Institute sich verpflichten, so viel Strom abzunehmen, daß die Zinsen des Anlagekapitals gedeckt werben. Für die Vorarbeiten wurden einstweilen 3000 Mark bewilligt. Des Weiteren beschäftigte man sich mit dem Projekt der Anlage einer Pferdebahn in unserer Stadt und wählte eine Kommission, die in dieser An« gelegenheit Vorschläge machen soll.
St. Frankfurt, 14. Juni. Vom Wetter begünstigt, nahm das Konzert der Kapelle des Badischen Leibgrenadier- Regiments aus Karlsruhe unter Musikdirektor Boettge's Leitung einen glänzenden Verlaus. Der Palmengarten zählte, trotz aufgehobenem Abonnement, mehrere tausend Besucher, welche den trefflichen Musikern lebhafteste Ovationen bereiteten. Nach der Programm-Nummer „Die Heroen der Tonkunst" wurde dec Dirigent mit einem riesigen Lorbeerkranz geehrt und als er hierbei auf die Mitglieder seiner Kapelle als Mitbeteiligte hinwies, wollte der Beifall kein Ende nehmen.
Homburg v. d. H., 14. Juni. Der Kaiser trifft morgen Vormittag kurz nach 9 Uhr mit größerem Gefolge hier ein. Am Vormittag besichtigt er einen aus alten Fundstücken errichteten romanischen Säulengang, der im inneren Schloßparke ausgestellt ist. Mittags begibt sich der Kaiser nach der Saalburg, um die Fortschritte der dortigen Arbeiten zu besichtigen. Von dort aus fährt der Kaiser direkt nach Schloß Friedrichshof zur Kaiserin Friedrich.
Homburg, 14. Juni. Der Kais er hat dem Projekt eines Frankfurter Konsortiums zur Errichtung eines Kurhotels an der Saalburg seine Genehmigung ertheilt.
Cronberg, 14. Juni. Der König von Dänemark traf heute Mittag 1 Uhr hier ein und nahm an der Mittagstafel theil. Um 3^/4 Uhr kehrte derselbe nach Wiesbaden zurück.
Darmstadt, 14. Juni. Die Stadtverordneten bewilligten für die Erweiterungsbauten an der Technischen Hochschule einen einmaligen Beitrag von Mk. 350,000 und außerdem ein Gelände im Werthe von Mk. 12,000.
Mainz, 14. Juni. In der Bierbrauerei „zur Krone" stürzte in der verflossenen Nacht der Händler Nikolaus Schneider aus Gonzenheim, als er den Abort aufsuchen wollte, in den Bierkeller und brach das Genick. Die Leiche wurde später aufgefunden.
Gresten, 14. Juni. Beim Graben stürzten heute Vormittag in den Gail'schen Thongruben Erdmassen herab und verschütteten die Arbeiter. Einer war sofort todt, die andern konnten gerettet werden.
A Seligenstadt, 14. Juni. Ein begehrter Artikel sind gegenwärtig die D i ckw u r z p fl an z e n, die hierzumGlücke reichlich geriethen. Die Nachfrage aus der Umgegend, namentlich auch aus den unterfränkischen Nachbargemeinden, ist ganz bedeutend. Der Preis der Pflanzen ist darum auch bereits auf 20—25 Pfg. pro Hundert gestiegen. Der gestern niedergegangene, durchdringende Regen ist der Dickwurzbestellung sehr günstig. Ein Morgen Kulturgelände erfordert durchschnittlich 4000 Dickwurzpflänzchen.
$):( Frofchhausen, 13. Juni. Ein fremder Auto- m o b i l s a h r e r durchraste gestern in Gesellschaft einer Dame auf dem Motorwagen mit Blitzeseile, aus der Richtung von Offenbach kommend, unser Dors. Dem ihm am Dorfende ent- gegenkommenden Fuhrwerk des Herrn Karl Salg, Besitzer des Gasthauses „Prinz Karl", wich der Motorwagen nicht aus und da überdies Salgs Pferd scheute, gerieth dessen Fuhrwerk in den C h a u s s e e g r ab e n. Salg, dessen Frau und Sohn wurden vom Gefährt geschleudert und mehr oder weniger beträchtlich verletzt. Mit den Resten des in Trümmer gegangenen Wagens galoppirte das Pferd durch das Dors, bis es von einem beherzten Bierfahrer gestellt wurde. Der Automobilfahrer, der auf der Rückfahrt den erwachsenen Schaden zu ersetzen versprochen hatte, benützte zur Heimreise einen anderen Weg. Die Geschädigten suchen einstweilen nach ihm
V Dudenhofen, 13. Juni. Gelegentlich des am Sonntag und Montag hier gefeierten Turnvereins-Fahnen- weihfestes ereignete sich ein bedauerlicher Unfall, der leicht zu den schlimmsten Folgen hätte führen können. Während nämlich auf einem aut Festplatze hergerichteten Tanzboden sich dw Paare lustige.drehten, stand, eine tanzende weißgekleidete