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Erstes Blatt.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- md Fandüreis Hanau.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 136
BezirksFernsprechanschlnß Nr. 98.
Freitag den 14. Juni
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
Amtliches.
Bekanntmachung.
Das Verbot der offenen Versendung von Ansichtskarten mit Verzierungen rc. aus Mineralstaub, Glassplitterchen, Glaskügelchen, Sand, Metalltheilchen und dergl. tritt erst vom 1. Oktober ab, und zwar außer im inneren deutschen und deutsch-schweizerischen Verkehr auch im Wechseloerkehre mit Oesterreich und Ungarn in Kraft.
Berlin W. 66 den 10. Juni 1901.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
K r a e t k e.
Landkreis Dan au.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Durch Beschluß des Kreisausschusses vom 10. d. Mts. ist das Forsthaus Lamboybriick nebst den zugehörigen Grundflächen und zwar Kartenblau A A A Nr. 8, 9, 10, 11, 18 19 26 24
—7n und mit einem Flächeninhalt von 2 ha
36 ar 49 qm — unter Lostrennung vom Gutsbezirk Oberförsterei Hanau — dem Gut-bezirk Oberförsterei Wolfgang zugetheilt worden.
Hanau den 11. Juni 1901.
Der Vorsitzende des Kreisansschusses.
A 2517_______________v. S ch enck.
Stadtkreis Dan au. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung
am Montag den 17. Juni 1901, nachmittags 5 Uhr, im oberen Saale des Rathhauses.
Tagesordnung:
1. Anderweite Festsetzung der Besoldung der wissenschastl. Lehrerinnen an der höheren Mädchenschule.
2. Entnahme von 3600 M. aus A. 0. Tit. 1,13 für 1900, zwecks Uebertragung auf VII F. A. 0. für 1901 (für Erneuerung von Schulbänken).
3. Gemeindebeschluß betr. die Errichtung eines Gemeinde- Trichinenschauamts und Gemeindebeschluß betr. die Anstellungsverhältnisse der Trichinenschauer.
4. Verpachtung des Grundstücks B 170/60 — 460 qm, an die Diakonissenstation gegen 10 M. jährliches Pachtgeld vom 1. April 1901 an gegen 3 monatliche Kündigung.
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Feuilleton.
Lamboykest.
Ein Bild vom Verkehrs leben in der Lamboystraß e.
Beobachtet am Vorabend des Festes und nach der Wirklichkeit gezeichnet von N. D.
Was rennt das Volk? Was drängt sich dort die Lamboystraße hastig fort? — Frohe und geschäftige Menschen beeilen sich, einen historischen Gedenktag, der im Laufe der Zeiten den Charakter eines echten Volks- und Familienfestes eigenster Art angenommen hat, mit ausgelassener Freude und kindlich-froher Lust — aller Sorgen frei — festlich zu begehen. — Noch ruht nicht der rege Betrieb der Geschäfts- und Arbeitswelt; dennoch nimmt der Festjubel und -trubel seinen Anfang und vermengt sich mit dem hastigen und geschäftigen Treiben der Tätigen Volksmenge zu einem gesialtenreichen, buntfarbigen Bilde. — In rasender Eile jagen Wagen auf Wagen, Droschke auf Droschke, in denen erwachsene und kleine, alte und junge Leute, vom Militär und Zivil in eleganten Kleidern, und Uniformen, von Lebensfreude beseelt, Platz genommen haben, von muffligen Pferden gezogen, auf dem Fahrdamm dahin, den von würzigem Harzduft erfüllten Kiefernhallen des Lamboywaldes zu, während in umgekehrter Richtung leere Gefährte nach der Stadt rennen, um neue Trupps aus der Feststadt dem Festplatz zuzuführen. Welch' prächtigen Anblick gewährt die vornehme Equipage, von vier stolzen Hengsten gezogen, mit ihren feingekleideten Insassen, und welche häusliche Dürftigkeit läßt dagegen das erbärmliche Fahrzeug — bestehend aus dem Untergestell einer einstmals schmucken Ehestandsequipage — ahnen, auf dem ein hageres Weib mit ihrem Kinde einige geringwerthige Verkaufsartikel dem Festorte zufährt. Inmitten dieser Fuhrwerksjagd erscheint der einspännige Postwagen in seinem mit dem Reichswappen gezierten hellgelben Gewände
5. Neupflasterung der Ostseite des Marktplatzes, der Salzstraße bis zur Nosenstraße und der Rostnstraße bis zur Nürnbergerstraße unter Entnahme der 15200 M. betragenden Kosten aus A. 0. IV,1 a für 1901.
6. Einzelbewilligung der Baukosten für das Gaswerksverwaltungsgebäude in Höhe von 100 000 M.
7. Ersatzwahl für den verstorbenen Herrn J. Gerhardt in die Armenkommission.
8. Nachbewilligung von 1160,92 M. Überschreitungen bei der Gaswerkskasse (Sächl. Verwaltungskosten).
9. Desgl. von 1264,71 M. bei der Wasserwerkskasse.
10. Ermächtigung der Gas- rc. Werkskommission zur selbstständigen Erweiterung des Kabelnetzes bei Neuanschlüssen.
11. Zusatz zu § 17 der Vorschriften für die Entnahme von elektr. Strom aus dem städtischen Elektrizitätswerk.
12. Wahl eines Mitgliedes des Vorstandes der städtischen Sparkasse und eines Stellvertreters.
13. Erwerb des domänenfiskalischen Grundstücks „der Ninds- fleck", ca. 100000 qm für 1,75 M. pro qm.
14. Nachbewillignng von 359,10 M. aus XI, 3 für R.-J. 1901, betr. Abrechnung über Mülleimer für städtische Gebäude.
15. Betr. Schadenersatzklage des Gast- und Landwirths Göbel zu Oberissigheim.
16. Betr. Klageerhebung wegen eines Rückstandes für Koaks in Höhe von 15 M.
17. Klageerhebung wegen eines Gasgeldrückstandes von 58,30 M.
18. Eintreibung eines Rückstandes beim Gaswerk in Höhe von 242,66 M.
19. Klageerhebung gegen einen Taglöhner wegen Unterhaltung eines unehelichen Kindes.
' 20. Niederschlagung eines Schulqeldrückstandes für IV. Viertel- jahr 1900 mit 50 Di.
21. Vertraulich. Betr. eine Gehaltszulage.
Um 43/* Uhr Sitzung des Wahlvorschlagsausschusses, dazu die Ohn. 7 und 12 obiger Tagesordnung.
Hanau den 14. Juni 1901.
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
Canth al. 9708
Grundstücksverpachtung.
Die domänenfiskalischen Grundstücke Kartenblatt GG 250 133 , 170 . nund n von zu ammen 0,40o < ha Acker, 24, 64, 60
Nr.
„im
neuen Mühlfeld" der Gemarkung Hanau, sollen vom 1. Januar 1902 ab auf 12 Jahre anderweit öffentlich meistbietend verpachtet werden.
mit dem Pferdeführer und dem Schaffner auf dem erhöhten Bock, um zur Förderung der menschlichen Wohlfahrt Dienste zu verrichten. Vom Walde her aber jagt in eiliger Hast ein Milchwagen zur Stadt, gezogen von einer Nosinante, der die Ruhe an der gefüllten Krippe dienlicher wäre, als die wilde Jagd auf dem festen Straßengrund. Schon kreuzen sich wieder lange Wagenreihen, die zur Beförderung der frohen Feiernden dienen und hinterdrein fährt ein mit einem Segeltuch- Schutzdach bedeckter Lastwagen, von schweren Gäulen mit Windeseile fortbewegt. Das dumpfe Rollen des Gefährts und sein ganzes Aussehen verräth, daß die Last ans Fässern besteht, welche gefüllt sind mit dem berauschenden Gerstensaft, Bier genannt, das zur Erhöhung der Festfreuden ein gut’ Theil beitragen soll. Welch' buntes Fahrzeug naht aber jetzt heran. — Ein einfacher, kleiner Einspänner ists, von welchem herab einige Händler angesichts der bevorstehenden Festgeschäfte erwartungsvoll dein Straßeilverkehr zuschauen. In ihren Händen halten sie ganze Siinbcl kleiner, vielfarbiger Luftballons und mittels lederer Tragriemen halten sie vor sich Gestelle, die mit allerlei Kinderspielzeug und Scherzartikeln behangen sind. Plötzlich verkündet ein häßlicher, abgerissener, breiter Ton das Herannahen einer schnaufenden Automobile, die mit Blitzesschnelle alle übrigen Gefährte überholt. Vergebens bemühen sich einige sportsmäßig gekleidete Radfahrer auf ihren Stahlrossen den Motorwagen an Fahrgeschwindigkeit zu übertreffen. Da wird das Verkehrs-Durch- einander aufs neue belebt. Ein schmucker Ulan in voller Rüstung mit hochausgerichteter Lanze trabt auf seinem feurigen Rosse der Kaserne zu. Sicher befürchtet er, da er verspätet vom Felddienst in der Garnison anlangt, nicht mehr die Festfreuden in vollen Zügen genießen zu können. Eiligen Schrittes ziehen in entgegengesetzter Richtung einige Abtheilungen Infanterie, in Drill-Anzügen gekleidet, vom Schießstand kommend, mit gedämpfter Stimme ein munteres Soldatenlied singend, heimwärts. Die Sehnsucht nach den bevorstehenden Genüssen im Lamboywald beflügelt ihre eiligen Schritte. Immer aufs
Termin hierzu wird auf Montag den 17. d. Mts., vormittags 11 Uhr, in das Geschäftszimmer des Domänen- Rentamts, Frohnhof 4 hierselbst, anberaumt.
Pachtbewerber werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß auf angemessene Pachtgebote der Pachtzuschlag sogleich erfolgen wird.
Hanau den 12. Juni 1901.
Reinhardt, Domänen-Rentmeister. 9684
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Gefunden: 1 Bündel Wäsche, 1 breite, grüne Kinderkappe. 1 kleines Körbchen mit einer Kinderschürze. 1 Messtng- wagenkapsel. Am 12. d. Mts. im Lamboywald 1 Dolch mit Hirschhorngriff. 1 Portemonnaie mit 84 Pfg. Inhalt. Am 13. d. Mts. 1 Hammer.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 11,60 M. Inhalt und einer Arbeiterfahrkarte Heldenbergen—Hanau. Am 13. im Lamboywald: 1 Portemonnaie, mit 3 M. Inhalt. 1 desgl. mit 1,60 M. 1 vesgl. mit 2 M. und 2 Schlüsseln. 1 desgl. mit 2 M. 1 desgl. mit 83 M. und einem goldenen Ring im Werthe von 120 M. 1 Portemonnaie mit 2,60 M., aus demselben die Nr. 166. 1 Pferdedecke, die eine Seite gelb, die andere grau. 1 Portemonnaie mit 5 M., einer Legitimationskarte mit dem Namen Arens und einer Fahrkarte Frankfurt. 1 Schallrohr von einem Phonographen.
Hanau den 14. Juni 1901.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 14. Juni.
Beauttenpersonal-Nachrichten.
Ernannt: der Gerichtsreferendar Freiherr v. Steinaecker zum Regierungs-Referendar bei der Königlichen Regierung zu Cassel, der Referendar Heußner zum Gerichtsassessor, der diätarische Assistent Imming bei der Staatsanwalt zu Marburg zum etatsmäßigen Gerichtsschreibergehilfen bei dem Amtsgericht zu Meerholz, der Königliche Oberförster Sezeko rn zu Mackenzell zum Forsiamtsanwalt bei dem Amtsgerichte zu Hünfeld, der Katasterlandmesser Gott mann zu Cassel zum Katasterkontroleur für das Katasteramt Steinau im Regierungsbezirke Breslau, vom 1. Juli d. J. ab, der Ober-Tele- graphcnassistent Peters zu Cassel zum Telegraphensekretär, der Forstaufseher Hagelstein zum Förster unter Uebertragung der Försterstelle zu Blankenbach, Oberförsterei Nentershausen, vom 1. Juli d. J. ab, der Forstausseher Martin zu Soden bei Salmünster zum Förster unter Uebertragung der Försterstelle zu Heddersdorf in der Oberförsterei Neuenstein, vom 1. Juli d. J. ab, der Forstaufseher Wehrhahn zum
neue verändert sich das Bild; von Minute zu Minute wird es belebter und bewegter. Schwere Omnibusse und große Parthiewagen mit hohen Rädern, non zugfesten Pferden gezogen und von behäbigen Kutschern gelenkt, welch' letztere in ihrer Vielgestaltigkeit ein interessantes Bild allein abgeben, rasen dahin. Mitten in dem Gedränge taucht plötzlich ein selbstständiger Dienstmann auf, mit Selbstbewußtsein einen ziveiräderigen Karrer: vor sich hinschiebend, der mit wohl- gefüllten Schließkörben, denen natürlich erst im Walde Erleichterung verschafft werden kann, schwer beladen ist. Mühsam folgt er mit seinem schwerfälligen Gefährt dem Straßen- zug. Selbst der Konditorgehilfe mit seinem Fruchteis-Wagen wagt sich in den Trubel hinein und läßt das einförmige, wenig melodische Geklingel seiner Schelle ertönen. Allein er finbet jetzt kein Gehör. Heute gilt es, anderen Genüssen nachzujagen. Draußen im Lamboywald warten andere Freuden. Drnm schiebt er sein Fahrzeug mit den süßen, kalten Leckereien kurz entschlossen auch dem Walde zu, um sich dort an einer geeigneten Ecke zum Verkauf postiren zu können. Mit einem Male entsteht ein Drängen und Drücken, eine Verkehrsstockung macht sich bemerkbar. Woher kommt dies? — Die schwarzweiß geringelten Schranken vor dem Bahnübergang sind herniedergelassen und im Nu rasselt und pustet das keuchende Dampfroß vorbei, einen Personenzug führend, aus dessen Wagenfenstern neugierige Passagiere, die über den regen Straßenverkehr verwundert und erstaunt sind, ihre Köpfe strecken. Schnell ist dies Hinderniß beseitigt und die wilde Hast bricht von neuem an. Ohne Rast und ohne Ruh eilt alles auf dem Fahrdamm dem Walde zu. — Obwohl das Auge vom vielen Schauen ermüdet, will es nicht erst ruhen, bis es auch einen vollkommenen Eindruck vom Treiben auf den beidseitigen Fußsteigen gewonnen hat. Schiebend und drängend strömen Männlein und Weiblein, Liebespärchei: aller Art, Knaben und Mädchen, mit stolzen Festgewändern bekleidet, dem Festplatze im Walde zu, um dort ausgelassen und fröhlich zu sein. Dazwischen schreiten