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11. Juni _______________________

Aus dem Gerichtssaal.

Sitzung der Strafkammer i vom 10. Juni.

Eine Diebeslaufbahn.

Eine ,/Ausbrechervorstellung" gab es heute vor dem Ge­richt, als der bekannte, ebenso gefährliche Ein- wie Ausbrecher Christian Traugott Präßler, geb. 1852 in Neichenbach in Thüringen, vorgeführt wurde. Prâßler, der seit 1890 eine 15jährige Zuchthausstrafe verbüßt, verschafft sich von Zeit zu Zeit selbständig einige Ferien, indem er sich als gewandter Ausbrecher die Freiheit verschafft und seinem Bedürfniß, einen Einbruch zu vollführen, genügt. Das führt natürlich dazu, daß er gelegentlich wieder abgefaßt und in Nummer Sicher gebracht wird, welch' letztere Redensart bei ihm jedoch nur in beschränktem Sinne zutreffend ist, da sich nach einiger Zeit das Spiel von Neuem wiederholt. Für ihn sind die Zucht­hausmauern nicht dick und hoch genug. Diese angenehme Unterbrechung hat freilich auch zur Folge, daß der Aufenthalt im Zuchthaus sich ganz bedeutend verlängert. So wurde Präßler in der Zwischenzeit wieder in Göttingen zu 4 Jahren Zuchthaus, in Meiningen zu l1/» Jahren Zuchthaus verurtheilt, in Aschqffenburg und an anderen Gerichten steht ihm noch eine bedeutende Verlängerung bevor. Präßler ist auch die Persön­lichkeit, von der wir vor Kurzem berichteten, daß er vor dem Gefängniß, in das er eingeliefert werden sollte, den ihn be­gleitenden zwei Gendarmen die Ketten, mit denen er gefesselt war, übergab, mit dem Bemerken, die hätten für ihn keinen sonderlichen Werth. Die Diener der heiligen Hermandat waren hierüber nicht wenig erschrocken. Eines Nachts überraschte ihn der Aufseher im Zuchthanse, als er (Präßler) des Aufsehers Uniform mit dem Säbel angelegt hatte und eben gemüthlich aus dem Zuchthaus spazieren wollte, um wieder einmal eine Ferienreise" mit Einbrecherstndien zu machen. Beide wurden begreiflicherweise sofort handgemein und Präßler bekam die Oberhand. Da examinirte er denn seinen Wächter, wie es in Punkto Verheirathung, mit Kindern rc. stehe, und als diese Fragen alle bejaht wurden, zog Präßler wieder freiwillig in seine Zelle ein, gab die Uniform zurück und begründete dies damit, daß er ihn (seinen Wächter) nicht unglücklich machen wolle. Es scheinen also zwei Seelen in seiner Brust zu wohnen, wovon jedoch die schlechtere über­wiegt, was auch in seiner markanten Galgenphysiognomi; ausgedrückt ist. Dieserberühmte" Zuchthäusler wird also heute in den Hanauer Gerichtssaal geführt, denn auch in unserer Gegend hat er einen Theil der vorerwähntenFerien" zugebracht und ein Debüt als Einbrecher gegeben. Das Ge­fängnißpersonal bildet die nöthige Bedeckung. Gleich bei seinem Eintritt gibt Präßler ein Pröbchen seines Könnens. Er bat nämlich den Vorsitzenden, ihm die Ketten abnehmen zu lassen, ausMenschlichkeitsgründen", sie seien ihm zu fest angezogen. Als das aus begreiflichen Gründen verweigert wurde, streifte Präßler die Ketten ohne sonderliche Mühe ab. Viel hatte das /jedoch nicht geholfen, denn ein kräftiges Zupacken des Gefäng­niß-Inspektors und des einen Aufsehers und der Angeklagte war im Nu wieder gefesselt; diesmal aber so, daß es ihn l schmerzte. Hierüber gereizt, hatte Präßler die Lust an der. Verhandlung verloren und wollte es erzwingen, in seine Zelle zmückgebracht zu werden. Hierbei hatte er wieder die Rechnung ohne den Gefängniß-Inspektor gemacht, denn ein energischer Griff und Präßler war abermals auf die Bank gedrückt. Dann gelang es dem Beamten, seinen unangenehmen Pflegling so zu beruhigen, daß die Verhandlung durch- ' geführt werden konnte. Die Geschichte, die danach ver­handelt wurde, ist folgende: Präßler hatte sich nach seinem jüngsten Ausbruch aus dem Zuchthause zu Untermaaßfeld unter falschem Namen in Aschaffenburg als Schnittwaarenhändler niedergelassen. Die nöthigen Waaren verschaffte er sich durch nächtliche Einbrüche. In der Nacht vom 5. zum 6. Oktober v. I. wurde bei der Wittwe St. zu Groß-Krotzenburg ein­gebrochen und der ganze Laden, der Kleiderstoffe und ähnliche Waaren enthielt, ausgeraubt. Da es gerade Sabbath war, hätte die Bestohlene den Einbruch am selben Tage gar nicht mehr bemerkt, wenn nicht der Nachbar durch das Fehlen seiner Leiter aufmerksam gemacht worden wäre, daß drüben etwas vorgegangen war. Die gestohlenen Waaren wurden nicht lange nachher eruirt und als ihr Verkäufer der HausirerZink" ermittelt, der sich gar bald als der berühmte Präßler entpuppte. Im Ganzen hatte ihm der Beutezug für etwa 160 Mark Waaren und 5 Mark in Baar eingebracht. Der Thäter zu sein, stellt er trotzdem in Abrede. Unter Einbeziehung der neulich in Meiningen erkannten Strafe von iVa Jahren Zuchthaus erkennt das Gericht auf 6 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Das Gericht sagt, wenn es sich um einen verhältnißmäßig nicht so hohen Werth handle, so müsse doch auf eine exemplarische Strafe erkannt werden, weil der Angeklagte eine Gefahr für die menschliche Gesellschaft bilde. Jetzt erwartet ihn der Staatsanwalt in Aschaffenburg, wo er vom Oktober bis zum Dezember als Hausirer lebte und auch als Einbrecher fungirte. Hier war er am Samstag Abend eingeliefert worden, doch hat man ihm die Lust zum Ausbrechen durch eine äußerst scharfe Bewachung verleidet.

Verschiedenes.

Der Lotteriekollekteur R. von Neustrelitz erhält 100 Mark Geldstrafe, weil er hier zum Spielen in außerpreußischen Lotterien aufgefordert hat. Der Weißbinder D. war vom Schöffengericht wegen Unterschlagung zu 3 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Er war früher bei dem Kolportagebuch- hündler S. thätig und veruntreute von diesem einkassirte Gelder. Die mitangeklagte Ehefrau hatte das Schöffengericht freige­sprochen. Die von dem Angeklagten sowohl wie von der Amts­anwaltschaft eingelegte Berufung wird verworfen. Ein hie­siger Einwohner war des Vergehens gegen § 180 des R.-Str.- G.-B. angeklagt. Derselbe wird jedoch freigesprochen. Dem Bäckergesellen S. war in einer Wirthschaft sein Sparkassenbuch mit einem Einlageguthaben von ca. 100 Mk. abhanden ge­kommen. Als der Eigenthümer zwei Wochen später erst den Verlust bemerkte, war das Geld auf der Sparkasse bereits ab­gehoben worden und zwar von dem Hausburschen H., der das Sparkassenbuch in der Wirthschaft gefunden haben will. S.

Dienstag

hatte aber das Buch damals in der Rocktasche und meint, es sei viel eher möglich, daß ihm dasselbe direkt gestohlen wurde. Das Gericht verurtheilt den H. wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung zu 6 Monaten Gefängniß. H. hatte näm­lich bei dem Quittiren mit dem Namen S. quittirt. Der angebliche Journalist E. von Dessau war als Abonnenten­sammler für die ZeitschriftDie weite Welt" thätig und über­reichte als solcher der Buchhandlung gefälschte Bestellzettel, um die Provision zu erhalten. Er erhält zu anderen Strafen eine Zusatzstrafe von 4 Monaten Gefängniß.

Sprechsaal.

Für die unter dieser Rubrik eingesandten Notizen übernimmt bis Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.

Schwimmbäder.

Hanau, 11. Juni.

In einem Sprechsaal-Artikel in gestriger Nummer des Anzeigers" wird Stimmung zu machen versucht für Einrich­tung eines Schwimmbades bei der städtischen Badeanstalt und bei dieser Gelegenheit abfällig beurtheilt, daß die Besitzer der Badeanstalten im Main den Abou »ementspreis in diesem Jahre erhöht haben, und erregt es insbesondere den Unwillen drs Einsenders, daßTausende von Mark, von Hanans Ein­wohnern gezogen, in das Großherzogthum Hessen wandern, welche ebensogut in Hanan bleiben könnten". Eine derartige Ansicht beruht aber auf einem sehr kleinlichen, vom engsten Kirchthurmsinteresse eingegebenen Standpunkt, der ganz über­sieht, daß anderseits auch Tausende von Mark von Stein- Heimer Einwohnern hiesigen Geschäftsleuten zu verdienen ge­oeben werben, alsoin das Königreich Preußen" wandern. Die Badeanstalten im Main waren ja früher im Besitze von Hanauern, warum haben denn, als ein Besitzwechsel eintrat, nicht wieder Hanauer dieselben übernommen? Doch nur aus dem einzigen Grunde, weil nicht viel dabei zu verdienen ist. Das Abonnement für den ganzen Sommer kostet jetzt nach cingetretönex Erhöhung 8 M., es stellt sich also, wenn ein Abonnent nur 40 Bäder nimmt, die meisten kommrn wohl auf nahezu die doppelte Zahl ein Bad auf nur 20 Pfg., und wird doch wohl Niemand annehmen können, daß in einem städtischen Schwimmbad Bäder zu diesem oder noch geringerem Preise würden abgegeben werden können, I r dem Artikel heißt es weiter, die Badeanstaltsbesitzer hätten nur Kosten für Auf- und Abschlagen und jährliche kleinere Repara­turen. Dies verhält sich aber keineswegs so, denn ein großer Theil des Holzwerks, soweit er mit dem Wasser in Berührung kommt, tat nur eine Dauer von etwa 3 Jahren und muß dann vollständig erneuert werden, während die übrigen Bestandtheile fortwährende Reparaturen nöthig machen; dazu kommt noch, daß sich der Besitzer einige Gehilfen, in der. Regel etwa 3, halten muß, die doch auch bezahlt werden müssen. Was es für eine Bewandtniß mit denTausenden", die den Bewohnern Hanaus entzogen werden und nach Stein­heim wandern, hat, geht schon aus dem Umstande hervor, daß der Besitzer der einen stüher am Mainkanal befindlichen Badeanstalt solche gegen ein ihm von der Gemeinde Groß- Stei. heim gewährtes Fixum von 1200 M. jährlich dorthin verlegt hat, wobei er aber die Badeanstalt zu stellen und zu unterhalten hat und nichts für die Bäder erhält. Nach alie- Nm können die Hanauer überhaupt froh sein, daß sich SNiu- heimer gefunden haben, welche die Badeanstalten übernommen, und kann man es denselben wahrlich nicht verdenken, daß sie, in einer Zeit, in der Alles und namentlich auch das benöthigte Holz theuerer geworden ist, eine kleine Preiserhöhung der Bäder haben eintreten lassen.

Was das angeregte städtische Schwimmbad betrifft, so ist mit großer Gewißheit vorherzusagen, daß solches ein unren­tables Unternehmen sein würde, weil viele Einwohner ihre Badeeinrichtungen im Hause haben und es auch nicht Jeder­manns Sache ist, in einem gemeinschaftlichen Bassin, das der Natur der Sache nach nur einen verhältnißmäßig geringen Zu- und Abfluß von frischem Wasser hat, zu baden. Wir meinen übrigens, es wäre unter den dermaligen Verhältnissen weit mehr angezeigt sich zu bemühen, die Stadt Hanau von Ausgaben zu bewahren, als sie zu solchen veranlassen zu wollen. p.

Drahtnachrichten.

Die Lage tu China.

Berlin, 11. Juni. Nach einer Londoner Depesche wird aus Peking telegraphirt: Die chinesischen Bevollmächtigten er­hielten eine geheime Instruktion vom Hofe, welche sie auffordert, die Errichtung von Forts in den Legationen, die den Kaiser­palast bedrohen und übermäßige Besetzung der Eisenbahnen mit Truppen zu verhindern. Besonders sollte dahin gewirkt werden, daß die gegenwärtigen Arrangements für das Ein­laufen der Eisenbahnzüge in die Stadt aufgehoben würden. DieMorning Post" meldet aus Shanghai, daß die Deutschen daselbst ein Terrain gekauft hätten, um darauf Baracken zu errichten und eine ständige Garnison von 800 Mann unter­zubringen. Die Franzosen beabsichtigen, ein Bataillon zurück- zulassen, die Engländer zwei.

London, 11. Juni. Aus Aokohama wird gemeldet: Graf Waldersee ist gestern in Tokio eingetroffen und wird heute vom Kaiser empfangen werden. Kaiserliche Fahrzeuge sind dem Grafen zur Verfügung gestellt worden.

London, 11. Juni. Aus Shanghai wird telegraphirt: Man legt hier noch immer einen großen Skeptizismus über die kaiserlichen Dekrete an den Tag. In Betreff des letzten Dekretes über die Rückkehr des Hofes nach Peking wird ver­sichert, es handle sich um eine Kriegslist des Hofes zum Zwecke der schnelleren Räumung Chinas.

Der Krieg in Südafrika.

Berlin, 11. Juni. In den letzten Tagen hat Präsident Krüger, wie demLokal-Anzeiger" telegraphirt wird, mehrfach Unterredungen mit Dr. Leyds und den Buren-Deputirten Fischer, Wessel und Wolmaran gehabt, die streng geheim ge­führt worden seien. Nur so viel stehe fest, daß Frau Botha

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im Auftrage ihres Mannes Krüger gewisse englische Friedens-- Vorschläge zu unterbreiten habe und seinen Rath darüber ein­holen wolle. Die telegraphische Verständigung zwischen Botha und Krüger sei deshalb unmöglich, weil die Engländer nur Depeschen in ihnen verständlicher Sprache durchlassen.

London, 11. Juni.Daily Mail" berichtet aus Brüssel: Im letzten großen Kriegsrath der Buren, welcher bei Pietretis im Norden Transvaals unter Schalk Burger abgehalten wor­den ist, wurde beschlossen, die Feindseligkeiten auf das Energischste fortzusetzen, bis England die Unabhängigkeit der Buren-Republiken anerkennt.

London, 11. Juni.Standard" meldet aus Dur­ban, es seien wichtige Verhandlungen zwischen den Buren­führern und Kitchener im Gange. Dem dortigen niederlän­dischen Konsul sei von Kitchener ermöglicht, sich mit General Smuts und den Privatsekreiären Botha's und Dewet's zu besprechen. Der Telegraph sei ihnen zur Verfügung gesiegt, ;nn offen mit Krüger verkehren zu können. Die Buren­führer seien jetzt in Standerton und warten die Antwort Krügers ab.

London, 11. Juni.Daily Mail" berichtet aus Kap­stadt; Die Kommandos Dewet und Botha haben in den letzten Tagen sehr energisch die Offensive ergriffen. Sie bedrohen augenblicklich die Eisenbahn-Verbindungen in verschiedenen Distrik­ten, die sie durchziehen.

Brüssel, 11. Juni. Frau Botha wird am Mittwoch auf ihrer Reise nach dem Haag hier erwartet.

London, 11. Juni. Die tägliche Verlustliste der Eng­länder beträgt für gestern 14 Todte, 16 Verwundete und 17 an Krankheit Verstorbene.

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Berlin, 11. Juni. Teutsche Blätter berichten nach einer italienischen Korreipondenz die Nachricht, daß zwischen der italienischen, der deutschen und der österreichischen Negierung eine Verständigung über die künftige Zollbehandlung des Weines erz-elt worden sei. Unser Aushebung der Weinklausel werde der gegenwärtige Tarif um 25 pCt. erhöht unter weiterer Steigerung je nach dem Alkohol-Gehalt. Wie der Post" mitgetheilt wird, ist von einer derartigen Verständigung zwischen der deutschen und der italienischen Negierung nichts bekannt. De-gleichen entbehrt die Meldung, daß der italienische Minister des Auswärtigen, Prinetto und der deutsche Bot­schafter in Nom Graf Wedel dieser Tage erstmals zu einer einleitenden Besprechung über die Handels-Vertragè Verhand­lungen zusa nmengetreteq seien, jeder thatsächlichen Begründung. Derartige Verhandlungen können erst dann eingeleitet wer­det«, wenn die Zollsätze des neuen Zolltarifs endzilitig fest- gesttzt sind.

Berlin, 11. Juni. Zu deut am Freitag unter dem persönlichen Kommando des Kaisers stattfindendeu großen Exerzieren der Garde-Kavallecie-Division unter Betheiligung der Garde-Feld-Artillerie auf dem Tempelhofer Felde sollen der National-Zeitung" zufolge verschiedene auswärtige Kavallerie- Regimenter herangezogen werden, denen ebenfalls Artillerie beigegeben wird und die als eine feindliche Kavallerie Division angesehen werde, gegen welche sich der Angriff der Garde- Kavallcrie-Division richtet. Die Potsdamer Regimenter treten den Marsch hierzu in der Nacht von Donnerstag zu Freitag an und kehren nachmittags in ihre Garnison zurück.

Berlin, 11. Juni. DieVoss. Ztg." meldet aus Bern: Im Waadtländer Jura stürzte am Freitag die 52jährige Schweizerin Lenoir bei einem Spaziergange ab. Sie wurde hmte todt am Fuße einer Felswand aufgefunden. Die Voss. Ztg." meldet aus Bozen: Zwei junge Touristen, welche am Mittwoch einen Ausflug in die Nosengartengruppe unter­nahmen, werden seither vermißt. Man befürchtet, daß sie ab­gestürzt, oder von einer Lawine begraben sind. Eine Rettungs­mannschaft ist abgegangen.

Stuttgart, 11. Juni. Bei der gestrigen Nachfeier des Bundestages des württembergischen Kriegerbundes zu Weins­berg gab Prinz Hermann von Sachsen-Weimar-Eifenach folgen­des aus dem Kabinet des Kaisers eingelaufenes Telegramm bekannt: Potsdam, 9. Juni. Se. Majestät haben das Ge- löbniß des württembergischen Kriegerbundes anläßlich seines 15. Bundestages huldvollst entgegengenommen und lassen Ew. Hoheit ersuchen, dem Bundestage Allerhöchstihren wärmsten Dank auszusprechen.

Madrid, 11. Juni. Sagasta hielt in einer Versamm­lung der Senatoren-Depulirten-Majorität eine Rede, in welcher er erklärte, die Regierung werde das Budget ins Gleichgewicht bringen durch Beschränkung der Ausgaben und Umgestaltung der Steuern. Die Regierung werde die Staatsgläubiger zu- friedmstellen. Redner kündigte die Aufnahme einer Anleihe zu Landesoertheidigungszwecken an behufs Reorganisirung der Flotte und sprach die Hoffnung aus, der Vatikan werde hin­sichtlich der religiösen Frage keine Schwierigkeiten bereiten. Die nicht im Konkordat genehmigten Kongregationen müßten sich der allgemeinen Gesetzgebung unterwerfen. Betreffs der Sonder- bestrebungen einzelner Landestheilc erklärte Sagasta, er werde den Angriffen gegen die Integrität des Vaterlandes entgegen­treten.

London, 11. Juni.Daily Mail" veröffentlicht einen Artikel, in dem erklärt wird, nichts verhindere, daß die Ad­miralität Vorkehrungen treffe, um die englische Mittelmeerflotte kriegsbereit zu machen. Dieser Wunsch der Admiralität sei nothwendig, um die öffentliche Meinung zu befriedigen.

London, 11. Juni. Das Unterhaus nahn« mit 199 gegen 109 Stimmen die dritte Lesung des Gesetzes an, be­stimmend, daß kein Inhaber eines Aintes gehalten ist, dasselbe beim Tode des Landesherrn niederzulegen.

Washington, 11. Juni. Nach dem Ackrröaubericht ist der Stand des Winterweizens 87,8 (Vorjahr 82,7), Früh­jahrsweizen 92 (87,3), Winterroggen 93,9 (87,6), Gerste 91 (86,2), des Hafers 85,3 (91,8). Die Menge des Winter- weizeits wiib auf 408 871000, des Frühjahrsweizens auf 274 000 000, des Hafers auf 776 588 000 Bupels geschätzt. Die vorjährigen definitiven Ergebnisse betrugen: 350 025 409, 172 204 096 und 809 125 989 Bupels. Der Anbau des Frühjahrweizens ist um 6,4, der des Hafers um 3,8 und der des Roggens um 1,9 geringer als im Vorjahre.