Erstes Blatt
Einrückuttgsgebilhr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamencheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau«
Nr. 134
Bezirks-Fernsprechanschlüß Nr. 98.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau. Bekanntmachung.
Die Lamboystraße wird am 13. Juni d. Js. auch für die
Zeit von 8 Uhr abends versttchsw ise für Personen- und Droschkenfuhrwerke freigegeben und zwar unter nachstehenden Bedingungen:
1. Alle Personen- und Droschkenfuhrwerke haben im kurzen Trabe zu fahren und stets die äußerste Fahrbahn einzuhalten.
2. Das Ueberholen eines Fuhrwerks ist strengstens untersagt.
3. Von der Brüning'schen Villa in der Wilhelmsstraße, über die Wilhelmsbrücke bis zur Nordstraße und umgekehrt, darf nur im Schritt gefahren werden.
4. Mit Fahrrädern darf die Lamboystraße von 8 Uhr abends ab nicht mehr befahren werden. Alle Fahrräder sind von diesem Zeitpunkte ab zu schieben und zwar aus der Mitte des Fahrdamms.
5. Für sonstiges Fuhrwerk und Wagen jeder Art bleibt die Lamboystraße am 13. Juni d. Js. von 8 Uhr abends ab gesperrt.
6. Kinderwagen, welche als solche benutzt werden, dürfen am 13. Juni von 8 Uhr abends ab ausnahmsweise den Bürgersteig (Fußgängersteig) längs des Exerzierplatzes nach der Stadt befahren unter entsprechender Rücksichtnahme auf die Fußgänger. Sollten durch den Fuhrverkehr in der Lamboystraße Unzuträg- lichkeiten für das Publikum zu Tage treten, so behält sich die Polizei-Direktion vor, denselben sofort einstellen zu lassen.
Den Anweisungen der Polizeibeamten und Gendarmen ist Jedermann unverzüglich nachzukommen verpflichtet.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden, soweit nicht höhere Strafbestimmungen Platz greisen, mit Geldstrafe bis zu 15 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft geahndet.
Hanau den 1. Juni 1901.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
P 4638
v. Sch en ck.
Es wird hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß alle diejenigen Unternehmer, welche beabsichtigen, Fahrzeuge zur Beförderung von Personen zu Jedermanns Gebrauch während des Lamboyfestes zur Verfügung zu stellen, gemäß A § 1 ber Polizeioerordnung vom 6. 12. 1895, einen Fahrschein hierzu bedürfen, da sonst die Ausübung des qu. Betriebes unter Strafe gestellt ist.
^EM^ ' ' — « rtln 1 ” T** W.' nt >M2^SS^^«W^W>â«ÄM»VL?-^MV»?^— ^»»^«LxAbriW
Feuilleton.
Amelia Glifabetb,
Kandgröfin zu Achen, geb. Gräfin von Knuau.
Eine Erinnerung zum 13. Juni (Lamboyfest) an Hanaus größte Tochter.
Von M. B. (Nachdr. verb.)
Alljährlich feiern Hanaus Bewohner ein fröhliches Fest. An dem Tage ist Alles wie ausgestorben, die Stadt still und teer. Ganze Schaaren ziehen hinaus, um bei schöner Jahreszeit im schattigen Wald ein so volkstümliches Fest zu begehen, wie es, vielleicht abgesehen vom „Frankfurter Wäldchestag", weit und breit nicht wieder engetroffen wird: das Lamboyfest. Was es mit dieser Feier des 13. Juni für eine Bewandtniß hat, das wissen alle Hanauer oder glauben es wenigstens zu wissen; die Mehrzahl unserer guten Mitbürger zweifelt wohl nicht daran, daß diese schon im 17. Jahrhundert begangen worden sei zur Erinnerung an die Aufhebung der Belagerung Hanaus im Jahre 1636. Das Fest ist aber in dieser Form lange nicht so alt'und trug früher einen wesentlich anderen Charakter. Tiefer in die Heimachsgeschichte Eingedrungene wissen von dec heldenmüthigen That des Landgrastn Wilhelm von Hessen zu erzählen, der den unermüdlichen Dränger der Vaterstadt, den kaiserlichen General Lamboy, — dem selbst der gewandte und listenreiche Kommandalit von Hanau, Ramsay, auf die Dauer in Anbetracht seiner erschöpften Kräfte und unzureichenden Hilfsmittel nicht hätte widerstehen können, — aufs Haupt schlug; berichten uns, wi^ jener Fürst den aufs Aeaßerste geängsteten Bewohnern der Stadt vom Windecker Wartbaum aus Signale habe zukommen lassen als Verheißung der Errettung aus der höchsten Noth, und wie er dann von jener Höhe, nachdem er Alles wohl vorbereitet hatte, in die Schlacht ging, zum glänzenden und schnell gewonnenen Sieg,
Dienstag den 11. Juni
Diese Interims-Fahrscheine sind auf Zimmer 16 und der unterfertigten Amtsstelle in Empfang zu nehmen.
Hanan den 1. Juni 1901.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
17
P
4638
v. Schenck.
Bekanntmachung.
Der Verkauf von sogenannten Papierklatschen, Papierschlangen und Konfetti auf dem diesjährigen Lamboyfeste am 12. und 13. Juni wird hiermit strengstens untersagt.
Zuwiderhandlungen werden mit Strafe bis zu 15 Mark, subs. 3 Tagen Haft, sowie Ausschließung von dem Feste bestraft.
Hanau den 1. Juni 1901.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
P 4638
v. Schenck.
Candkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Der Metzger Philipp Fliedner III. aus Dörnigheim beabsichtigt, auf seinem Grundstück Karte M Nr. 267/22 in Dörnigheim eine Schlächterei einzurichten und zu betreiben.
Gemäß § 17 der Gewerbe-Ordnung wirb dies mit dem Hinzufügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß etwaige Einwendungen gegen diese Anlage innerhalb 14 Tagen schriftlich dahier anzubringen sind oder im Sekretariat des Kreisausschusses, woselbst auch Zeichnungen und Beschreibungen einzusehen sind, zu Protokoll erklärt werden können.
Zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf
Dienstag den 25. Juni, vormittags 9 Uhr, in das Sekretariat des Kreisausschusses anberaumt.
Die Betheiligten werden zu diesem Termin mit dem Bemerken geladen, daß bei ihrem Ausbleiben gleichwohl die Einwendungen zur Erörterung kommen.
Hanau den 6. Juni 1901.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
A 2838 v. Schenck. 9570
Stadtkreis Dan au.
BekallutMachuugen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Das Ortsstatut betreffend die Anstellungsverhältuisse der Trichinenbeschauer bei dem städtischen Trichinenschauamte zu Hanau liegt vom 12. d. Mts. an zwei Wochen
zur Vernichtung der Feinoe, zur Rettung der Stadt. Tas wissen sie; daran erinnert sie jedes Jahr mit seinem Lamboyfest der 13. Juni. Aber wer denkt an die Seele dieser denkwürdigen und ruhmvollen Unternehmung, wer an die Gemahlin des Landgrafen, die mit starkem Geiste und festem Muthe viele schwere Bedenken und Hindernisse zu bekämpfen und zu besiegen hatte, bis endlich das Werk gelungen war, an dem sie mit ihrem Herzen hing, und das für Hanau und das Hanauer Land von der weittragendsten Bedeutung werden sollte? Wir dürfen sie nicht vergessen; Hanaus größte Tochter ist es werth, daß ihr Gedächtniß unter uns weiter lebe um des willen, was sie für ihre Vaterstadt gethan hat, inib um der Bedeutung willen, die dieser geistesmächtigen und thatkräftigen Fürstin in der Geschichte zukommt. Der dreizehnte Juni und der in Aussicht stehende dreihundertjährige Geburtstag dieser Frau rechtfertigen es, wenn wir ein wenig auf Leben nnb Streben der Gemahlin Wilheuns V. von Hessen, des Standhaften, eingehen, der Amelia Elisabeth, geb. Gräfin von Hanau, die ihrer unvergessenen Heimath zur Retterin geworden ist.
Amelia Elisabeth ist am 29. Januar 1602 zu Hanau als viertes Kind des Grafen Philipp Ludwig II., des Erbauers unserer Neustadt, und seiner Gemahlin Katharina Belgia, der Tochter Wilhelms des Schweigsamen voll Nassau-Öranien geboren. Nach dem frühen Tode- ihres Vaters im Jahre 1612 wurde sie am kurfürstlichen Hofe zu Heidelberg von der Schwester ihrer Mutter erzogen und zeichnete sich bald nicht nur durch Schönheit, sondern auch durch hervorragende Gcistesgaben und Bildung aus; gestorben ist sie am 8. August 1651 zu Cassel. Sie hieß Amélie (französisch g.sprochen) und schrieb sich Amelie, später immer Amelia Elisabeth; letzteres steht auch auf ihrem Siegel und auf den Sterbemünzen. In der Inschrift am Sarge ihres Vaters ist sie, wunderlich gen \ Aemilia Isabella genannt, so auch bei Sturio, der behauptet, sie sei so getauft (Dr. Suchier, Genealogie des Hanauer Grafenhauses,
S. 17). Vor ihrer Verheirathung war sie schon in ihrem
Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98. 1901.
lang im Stadtsekretariat, Rathhaus, Zimmer Nr. 21, zur Einsicht der Gemeindeglieder offen.
Hanau den 11. Juni 1901.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 9626
Handelsregister.
1. Heute ist eingetragen worden:
a. Bei der Firma Ernst Gebhardt in Hanau: Daß der Kaufmann Karl Goebel in Hanau am 1. Juni 1901 in das Geschäft als persönlich haftender Gesellschafter eingetreten ist, daß die Firma in „Gebrüder Goebel" geändert und die Prokura des Gesellschafters Karl Goebel dadurch erloschen ist.
b. Bei der Firma Eckhardt & Klein in Hanau: Nachträgliche Eintragung: Die Gesellschaft hat am 1. Dezember 1891 begonnen.
c. Bei der Firma Gebr. Gomdin in Hanau: Nachträgliche Eintragung: Offene Handelsgesellschaft. Die Gesellschaft hat am 1. Januar 1893 begonnen.
2. Gelöscht sind folgende Firmen:
a. G. Henrich & Urban in Hanau,
b. Carl Kreis in Hanau,
c. Georg Bender in Hanau,
d. Friedrich Becher in Hanau,
e. Rhein & Comp. in Großauheim,
f. Hichenberg & Cahn in Hanau,
g. A. Roy6 Wittwe in Hanau,
li. Horn & Goetz in Hanau,
i. S. Rothschild in Hanau,
k. Markus Grünebaum in Hanau,
1. G. Weber in Hanau,
m. C. Krähling in Hanau.
3. Bei den Firmen: Spatz & Zahn, Eisemann & Tuteur, M. J. Fleischmanns Wittwe & Comp«, Porth & Behrens, F. W. Schrinner & Comp., Drescher & Traudt, Becker & Nicolaus und Ohl & Kißling, sämmtlich in Hanau: Die Liquidation ist beendet.
4. Die Firmen Ph. E. Schaub, Appel & Baade? und Wilh. Geitzel in Hanau sollen von Amtswegen gelöscht werden. Die Firmeninhaber oder deren Rechts- Nachfolger haben einen Widerspruch hiergegen bis zum 22- September 1901 geltend zu machen.
Hanau den 8. Juni 1901.
Königliches Amtsgericht 5. 9606
15. Lebensjahr verlobt gewesen mit dem Freiherrn Albrecht Johann Smiricky, Herrn zu Duba, Skada, Nachod, Gitschin und Kosteletz, einem der reichsten Grundbesitzer Böhmens, dessen wahrhaft fürstliches, schuldenfreies Einkommen sich auf 300 000 Gulden belief. Ein eifriger Anhänger des reformirten Bekenntnisses, spielte er in seiner Heimath eine bedeutende politische Rolle und war einer der Sechs, die am 23. Mai 1618 die römisch-katholischen Statihalter des Kaisers in Prag, Jaroslav von Martinitz und Wilhelm von Slawata, auf dem Hradschin zu Prag in der böhmischen Kanzlei aus dem Fenster in den Schloßgraben hinabstürzten. Er war der letzte seines Stammes und starb bald nach jenem welchistorischen Vorfälle, der den dreißigjährigen K.ieg einleitete, am 18. November 1618. Am 1. Dezember 1619 vermählte sich Amelia Elisabeth, siebzehn Jahre alt, mit dem um vier Tage jüngeren Erbprinzen von Hessen-Cassel, dem späteren Landgrafen Wilhelm V., dem sie in achtzehnjähriger Ehe 14 Kinder gebar, von denen indeß drei unmittelbar nach der Geburt und acht in frühster Jugend starben. Mutterglück und Mutterleid sind ihr also in reichem Maße zu Theil geworden.
Die ersten Jahre ihrer Ehe verlebte Amelia Elisabeth mit ihrem Gemahl in Hersfeld, bis dieser an Stelle seines Vaters am 17. März 1627 die Regierung von Hessen übernahm und Landgraf wurde. Viel Unruhe, Sorgen und Kriegsnoth be- fümmerten das fürstliche Paar; der dreißigjährige Krieg mit seinen Schrecken verbitterte ihm das Leben. Besonderen Kummer verursachten der Landgräfin die schweren Leiden, die ihrer Heimath Hanau von den kaiserlichen Truppen zugefügt wurden. Aber als im Jahre 1635 die Belagerung dieser Stadt durch den kaiserlichen General Lamboy begann und. sie einsah, daß die Hanauer Garnison, auf sich allein angewiesen, auf die Dauer keinen Widerstand leisten könne, sondern dem Feinde erliegen müsse, da begann sie mit allem Eifer auf die Befreiung ihrer Vaterstadt hinzuarbeiten. Bei der damaligen Lage im deutschen Reiche war nur von einer Seite für Hanau auf Hilfe zu rechnen, von Hessen-Cassel;