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General-Anzeiger.

Anillilhes GW« für Stadt- und Landkreis Sana«.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Samstag den 8. Juni

Bezirks-Fernsprechlinschlnß Nr. 98.

1901

politischer Wochenbericht.

Die sozialistischen Kongresse, die in der ver­flossenen Woche abgehalten worden sind, haben keinen erfreu­lichen Eindruck hinterlassen. Die Art, wie da die Arbeiter­frage behandelt wurde, fordert zur Kritik heraus, weil zwar die Fortführung der Reform-Politik zu Gunsten der Arbeiter betont, die Kehrseite dagegen, die Nothwendigkeit der Be­kämpfung der auf den Umsturz der bestehenden Ordnung in Staat und Kirche geritM^pn Bewegung, fast unbeachtet ge­lassen wurde. Nach der Ueberzeugung jener einseitigen Sozial­politiker droht eine Gefahr von der Sozialdemokratie über­haupt nicht mehr, weil diese auf dem Wege sei, sich zu einer friedlichen Reformpartei zu entwickeln. Daß diese Auffassung auf einem Irrthum beruht, beweist schon die Thatsache, daß die Sozialdemokratie bisher trotz weitgehenden sozialreformatori­schen Maßnahmen nicht nur nicht bewogen worden ist, ihre umstürzlerische Agitation einzustellen, sondern daß die gerade in ihren staatsfeindlichen, zersetzenden Wirkungen unaufhaltsam sortschreitet.

Weit bedeutsamer war die M i n i st e r k o n f e r e n z, die Graf Bülow in der Reichshauptstadt einberufen hatte. Wenn auch die zollpolitischen Besprechungen, um die es sich dabei handelte, geheim geführt sind, so läßt sich aus den Schluß­worten des Reichskanzlers und denen des bayerischen Staats­ministers Frhrn. v. Riedel soviel nehmen, daß die gemein­same Wirksamkeit der ersten Staats-Beamten der verschiedenen Bundesstaaten nicht nur der wichtigen Tarifoorlage zu gute kommen wird, sondern auch dem deutschen Reiche. Jedenfalls liegt kein Grund vor, daran zu zweifeln, daß das vom Reichs­kanzler vor längerer Zeit gegebene Versprechen, den deutschen landwirthschafllichen Erzeugnissen einen angemessenen Zollschutz zu gewähren, in dem Zolltarif eingelöst und daß auch für den Absatz unserer Industrie-Erzeugnisse gesorgt werden wird.

Reben der Ministerkonferenz stand der Besuch, den die Königin Wilhelmina und ihr Gemahl unserm Kaiserhause abstatteten, im Vordergründe des Interesses. Die Herzlichkeit der Ansprachen, die dabei gewechselt sind, drücken die Empfindung aus, mit der das deutsche Volk zu der jugend- I lichen Herrscherin blickt, als wäre sie ein Glied unseres Königs­hauses. Wie Oranier und Zollern durch die Bande des Blutes und durch gegenseitige Dankesschuld aneinander ge­bunden sind, so sieht unser Volk in dem holländischen seinen nächsten Blutsverwandten und die Königin Wilhelmina muß es gefühlt haben, daß wir so empfinden und denken. Ob diese Sympathie zu einer nähern politischen Verständigung zwi­schen uns und Holland führen kann, das ist eine Frage, in welcher die Initiative nur von holländischer, nicht von deut­scher Seite ausgehen kann.

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Ebenso könnte eine Aenderung in den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, über die während der Theilnahme des französischen Generals Don­na l an den Paraden in Berlin und Potsdam viel geschrieben wurde, allein von Frankreich herbeigeführt werden. Unser Kaiser hat es den Franzosen gegenüber an Aufmerksamkeit nicht fehlen lassen. Auch die Einladung des Generals Bonnal war ein Akt internationaler Courtoisie. Daß der Besuch des vom Kaiser wegen seiner Tüchtigkeit hochgeschätzten Offiziers unsere westlichen Nachbarn bestimmen wird, aus die Revanche von 1870/71 zu verzichten, ist allerdings nicht anzunehmen, ebenso wenig aber, daß wir uns jemals dazu herbeilassen werden, die mit dem deutschen Blut so theuer erkauften Reichs­lande Elsaß und Lothringen freiwillig wieder herauszugeben. Die Franzosen haben selbst zu prüfen, ob es ihren Interessen entspricht, mit uns einen neuen Gang zu wagen. So viel steht fest, daß, wenn es wieder einmal zu einem Konflikt kom­men sollte, die Schuld bei den Franzosen liegt; denn unserer Regierung wird es leicht sein, nachzuweisen, daß sie Frank­reich seit dem großen Kriege auch nicht den leisesten Nadelstich versetzt hat.

In China haben die verbündeten Westmächte inzwischen mit dem Abzüge begonnen. Auch der Oberkommandirende. General-Feldmarschall Graf Waldersee, befindet sich bereits auf dem Heimwege, nachdem er noch kurz vor seiner Abfahrt die Gefahr eines Konfliktes beseitigt hatte, die infolge einer Prügelei zwischen Soldaten der verschiedenen Kontingente ent­standen war. Es wird nun Sache der Chinesen sein, zu zeigen, daß sie selbst die Ruhe in ihrem Lande ausrechterhalten können.

Während so das Reich der Mitte wieder geordneten Ver­hältnissen entgegengeht, schwingt die Kriegsfurie in Südafrika nach wie ihre Geißel. Am Mittwoch war gerade ein Jahr verflossen, seit Lord Roberts als stolzer Sieger in Pretoria einzog. Die englische Presse verkündete damals der Welt triumphirend den endgiltigen Sieg Albions. Es läßt sich nicht leugnen, daß damals die Sache der Buren schlecht stand. Wie haben sich inzwischen die Verhältnisse geändert! Tag für Tag kommen Meldungen von erfolgreichen Angriffen der Buren auf englische Abtheilungen, die den Beweis liefern, daß die That­kraft der Buren niemals weiter vom Erlahmen gewesen ist, als gerade jetzt. Ob sich die neuerdings wieder umlaufenden Friedensgerüchte mehr zu Thatsachen verdichten, als bisher, wird die Zukunft lehren.

In Oesterreich scheint sich ein Systemwechsel zu vollziehen. Die Rede des Minister-Präsidenten, Dr. v. Körbers, deren Bedeutung in dem Hinweise liegt, daß Oesterreich kein einheit­licher Staat se, daß darum auch ein nationalpolitisches Pro­gramm nur zu nationalen Trennungen und zur Unterdrückung

gewisser Nationalitäten zu Gunsten anderer führen würde, daß aber die vielen Kultur- und sozialen Arbeiten für alle Natio­nalitäten Raum bieten, lassen darauf schließen. Möchten bie staatsmännischen Worte auf fruchtbaren Boden fallen, damit in unserm verbündeten Nachbarreiche endlich der nationale Friede einkehre!

Bodennutzung irr Ungarn.

Nach dem Berichte des Landw. Sachverständigen in Bukarest.

Das Ackerland nimmt von der Gesammtfläche Ungams 41,43 pCt. ein; an zweiter Stelle stehen die Wälder mit 27,79 pCt. Doch gibt es Landestheile, wie Siebenbürgen, Kroatien-Slavonien u. s. w., wo das Waldgebiet die Acker­fläche übertrifft. Am reichsten an Ackerland, mit 61,06 pCt. der Gesammtfläche, ist das Donau-Theißbecken. In den einzelnen Komitaten schwankt der Antheil des Acker­landes zwischen 83 und 10 pCt. Im Allgemeinen ist die Tiefebene reich an Ackerland und arm an Wäldern (oft nur */2 pCt.); d..gegen gibt es eine große Reihe von ge­birgigen Komitaten, welche über 40 und auch 50 pCt. Wald­land aufweisen.

Die Hutweide nimmt jetzt nur noch 13,16 pCt. der Gesammtfläche Ungarns ein. Bei dem mittleren und großen Grundbesitz hatte das Aufreißen der Hutweiden eine erhebliche Einschränkung der durch den stetigen Rückgang der Wollpreise ohnehin nicht mehr einträglichen Schafhaltung zur Folge. Die bäuerliche Viehhaltung ist mit dem Zusammenschrumpfen der Hutweiden in allen Zweigen zurückgegangen. Die Heu - wiesen nahmen 10,24 pCt. der gejammten Bodenfläche ein. Seit dem Zähljahre 1851 scheinen die Wiesen um ganz erheblich mehr als ^4 Million ha zurückgegangen zu sein; doch ist der durch den Aufbruch entstandene Ausfall an Vieh­futter jedenfalls reichlich durch Anbau werthvollerer Futter­pflanzen ersetzt worden. Am reichsten an Wiesen ist Sieben­bürgen (15,13 pCt.), am ärmsten das Theiß-Maros-Becken mit nur 6,74 pCt.

Die Gärten nehmen 1,33 pCt. der Gesammtfläche ein. An Weinland waren 1895, also in der Zeit nach der schlimmsten Verwüstung durch die Reblaus, von rund 300 000 ha 2/3 bepflanzt und Vs verwüstet. Besonders stark waren die Verheerungen in Kroatien-Slavonien. Inzwischen ist staat­licherseits zur Besserung der Verhältnisse kräftig eingegriffen worden.

Die Bedeutung Oudns für den DuckermarKt«

Nach dem Bericht des Landw. Sachverständigen in Washington

Von der im Jahre 1899 auf Cuba der Landwirtschaft gewidmeten Flache waren rund 165 680 ha dem Rohrzucker-

Feuilleton.

Die

als Dimm ott WO-WchH in Die.

= Hanau, 6. Juni.

Kunst ist die Pforte am Haus der Natur;

Bleib nicht im Thorweg, durchschreit ihn nur."

Wenn schon Platon und Aristoteles, die beiden Chorführer der hellenischen Weltweisen, in dem klassischen Zeitalter der Kunst und nach Jahrhunderten hochbedeutende Dichtergrößen, wie Göthe, Schiller u. a. in der Kunst ein Erziehungsmittel erblickten, so darf man sich nicht wundern, wenn man auch in der Gegenwart bestrebt ist, die Kunst in den Dienst der Erziehung zu stellen. Was ist Kunst? Kunst ist erhöhtes Können, ist die zur Fertigkeit ausgebildete Fähigkeit, etwas Schönes hervorzubringen, oder etwas zu schaffen, das erfreut, gefällt, erhebt, das Gemüth bereichert in der reinen ästhetischen Betrachtung. Das naturwüchsige Schöne und Er­habene, einerlei, ob es sich in der weiten Schöpfung oder im Menschen findet, wird in der Kunst nachgeahmt oder zur Darstellung gebracht. Das Heer der Künste ist groß; hinsicht­lich ihrer Bethätigungsweise unterscheidet man: darstellende, nachahmende, ordnende und schmückende Künste. Trotz aller Verschiedenheit bezüglich der Bethätigungsart stehen diese hin­sichtlich der Stoffverwerthung in inniger Wechselbeziehung und alle streben dem einen Ziele zu,aus Schönheiten Schönheit zu machen." Jede künstlerische Bethätigung beruht auf einer vernunftmäßigen Ausbildung der Sinne. Wenn auch die niederen Sinne fähig sind, Empfindungen des Angenehmen zu wecken, so sind sie doch keine Werkstätten des Schönen und noch weniger des Erhabenen, da ihnen die innere Kraft dazu fehlt. Dagegen sind Gesicht und Gehör die eigentlichen ästhetischen Sinne, weil in ihnen neben hinreichendem Leben auch die nöthige Kraft wohnt, Erscheinungen und Stimmungen

aufzunehmen. Durch das Auge empfangen wir die mei'ten Sinneseindrücke: es ist der Sinn, welcher schon im frühesten Kindesalter die Hauptquelle alles geistigen Lebens und im

Verein mit der Hand das schaffende Organ des bildenden Künstlers ist. Weil nun die Werke der bildenden, verviel­fältigenden, ordnenden und schmückenden Künste durch das Auge einen ästhetischen Einfluß auf den Beschauer ausüben, weil durch eine ästhetische Betrachtung von Schöpfungen dieser Künste deren ideeler Inhalt dem Menschen mitgetheilt wird, so ist es nothwendig, daß die Kunst und ihre Werke eine Dienerin der Erziehung werden. Die Kunstwerke vermögen aber nur dann einen erziehlichen Einfluß auszuüben, wenn das Anschauen derselben ein gründliches, vertieftes, das Sehen ein bewußtes ist. Bewußtes Sehen setzt aber eine eindring­liche Beobachtung und vergleichende Betrachtung voraus, wo­durch wiederum das Denkvermögen wesentlich unterstützt wird. Durch eine derartige Betrachtung eines Kunstwerkes wird der Zögling gezwungen, früher aufgenommene Vorstellungen von Dingen der natürlichen Welt vor seinem geistigen Auge aufs Neue erscheinen zu lassen und die mit den im Kunstwerk dar­gebotenen zu vergleichen, wodurch wiederum das Farben- und Formengedächtniß eine wesentliche Kräftigung erfährt. Die erziehliche Bedeutung des künstlerischen Genusses beruht ferner auf einer gefühlmäßigen Belebung des Scheinbildes vermöge der Phantasie des Beschauers. Wenn schon das Kind im frühsten Jugendalter gewöhnt ist, sein Spielzeug zu beleben, in dem Stock ein Pferdchen und in der Puppe ein Menschen­kind zu erblicken, so wird es durch die Betrachtung von Kunstwerken erst recht genöthigt, seine Phantasie zu bethätigen. Auch wird es durch Kunstgenüsse angespornt, selbst künstlerisch thätig zu sein, Schönheiten heroorzubringen. Ebenso wie auf dem Wege der Anschauung durch das Auge aus der Kunst ein hoher erziehlicher Gewinn erwächst, so ist auch der Gehörssinn im Stande, Empfindungen und Eindrücke den Zünften der Musik und Poesie abzulauschen, die in gleicher Weise die ästhetische Jugendbildung segensvoll beeinflussen.

Weil die höchsten Inhalte der meisten Kunstwerke ethische In­halte sind, so entspringt aus dem Verkehr mit der Kunst auch ein sittlicher Nutzen. Angesichts eines so hohen Werthes ist es Pflicht aller Erzieher, die Kunst, die in den letzten Jahr­hunderten nur ein Luxusartikel für die Vornehmen, ein aus­schließlicher Genuß der höher Gebildeten war, zur Volkssprache zu erheben, welches Ziel aber nur dann erreicht wird, wenn sie als Erziehungsmittel allgemein gewerthet wird. Dem Wahrwort gemäß:Früh übt sich, was ein Meister werden will", beginne die künstlerische Erziehung schon im Spielalter, in der ersten Jugendzeit; denn sie ist die geeignetste Zeit, den Kunstsinn, der als Keim in jedes Menschen Brust schlummert, zu wecken und zur Entfaltung zu bringen. Darum sei die erste Kunstschule das Haus. Die Eindrücke, welche das Kind in einem schönen Heim unter kunstsinnigen Menschen empfängt, sind oft entscheidend für die Richtung seines Geschmackes in seinem ganzen späteren Leben. Wer schon frühzeitig die Kunst als Lebenslust athmet, bei dem wird sich auch früher oder später ein ausgeprägter Kunstsinn äußern, ein feinfühliges Kunstempfinden entwickeln. Wenn der Vater auf Spazier­gängen durch Gärten, Wiesen, Feld und Wald das Kind auf­merksam macht auf wohlgepflegte, kunstvoll angelegte, färben» prächtige Blumenbeete, aus die vielen lieblichen Kinoer Floras, die im Wiesengrunde blühen und in sorgfältiger Anordnung einen reizenden Strauß ergeben, auf die mit Kunstgeschick her­gerichteten Parkanlagen und die mit Kunstsinn gepflanzten Schonungen des Waldes, dann erregt er im Kinde Liebe zu den Schöpfungen der ordnenden Künste und pflanzt damit in das kleine Herz eine heilige Scheu, die nicht zuläßt, daß muthwillige Zerstörer solche Kunstwerke beschädigen. Im Hause kann namentlich die Mutter durch Prüfen und Ordnen von allerlei Formen und Farben in Stube, Küche und Schlaf­zimmer, wie an sich und den Ihrigen Kunstgefühl und Schön­heitssinn an den Tag legen, beides durch die Macht des Bei­spiels auf das Kind in früher Jugend übertragen und so einen wohlthuenden, erziehlichen Einfluß ausüben, nicht nur in