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Sâße zu Nr. 128 Ws Hanauer Anreißer.

Hanau den 4. Juni 1901.

Hus aller Welt.

Wie steht es nm die Bismarcksänlen? Bekannt- ch ist der Gedanke dieser eigenartigen Ehrung des großen anzlers von der deutschen Studentenschaft ausgegangen und »dann in weitere Kreise gedrungen. Nicht allein in Universi- rtsstüdten, sondern auch in allen Orten, überall, wo Ver­ger Bismarcks wohnen, ist man ans Werk gegangen, Säulen on schlichter, markiger, thurmähnlicher Gestalt auf den Höhen u errichten. Dabei hat man die Grundidee aufgestellt, daß lle diese Säulen eine gewisse charakteristische Aehnlichkeit auf- oeisen, damit sie, ohne daß Bildwerk oder Inschrift darauf undeuten, dem Beschauer sofort als Bismarck-Säulen erkenn- >ar find. Dieser Gedanke lag auch dem Wettbewerb zu Hrunde, aus dem vor etwa Jahresfrist der Dresdener Architekt W. Kreis mit mehreren preisgekrönten Entwürfen als Sieger jervorging. Seitdem ist man an die Ausführung der Säulen gegangen. An 200 deutsche Städte stehen im Begriff, Bis­marcksäulen zu errichten. Ihre Ausführung wird aber nicht ganz gleichmäßig sein. Einige Orte haben sich eigene Ent­würfe anfertizen lassen, einige haben aus den Entwürfen des erwähnten Wettbewerbs sich einen passenden ausgewählt, viele aber haben die Ausführung des an erster Stelle preisgekrönten Entwurfs von Kreis ins Auge gefaßt. Dieser Entwurf ist bereits ausgeführt in Markneukirchen, Rostock, Greifswald, .(Landstuhl, Pleizenhausen b. Simmern, Kirn, Zehdenick, Görlitz, Viersen, Bonn, Koburg und Ems; im Bau begriffen in Er­furt, Itzehoe, Eisenach, Stuttgart, Braunschweig, Lüdenscheid und Hagen; geplant in Dresden, Friedrichsruh, Fraustadt, Augsburg, Gramschütz, Gera, Eutin, Köln, Hanau, Nürn- berg, Barmen, Plauen, Radekau, Ronneburg, Tharaud und Marburg. Die Höhe der Säulen bewegt sich zwischen 6 und 23 Meter, die Kosten zwischen 6000 und 40 000 Mk. 4/s aller Säulen werden als Aussichtsthürme gebaut. Das Baugut ist Sandstein, Granit, Basalt, Kalkstein, Grauwacke, Bruchstein oder Findlinge, das Innere wird auch vielfach aus Ziegeln hergestellt. Die kleinste Säule (6 Meter) errichtet Tharand, die größten (40 000 Mk.) werden in Friedrichsruh, Dresden, Plauen und Hagen stehen. Oben auf den Säulen wird ein schmiede isernes Becken angebracht, aus dem an nationalen Festtagen ein Feuer emporlohen soll. Dafür ist ein leicht brennbarer Stoff, der hell leuchtet und kein Flug­feuer entsendet, von einem Braunschweiger Fabrikanten bereits Sgeprüft und für gut befunden worden.

Das Thierleben ist jetzt in voller Bewegung. Selbst die letzten von den Vögeln sind erschienen und haben sich be­reits vollständig heimisch gemacht. Alle Thiere sind mit ernsten Familien-Angelegenheiten beschäftigt. Nachdem die Wohnung mit Fleiß und Sorgfalt, theilweise mit Kunst hergestellt wor­den ist, gilt es bei den meisten für den guten Appetit der zahlreichen Nachkommenschaft zu sorgen, wobei freilich im Kampfe ums Dasein immer eins dem andern nachstellt, da nach dem ewigen Naturgesetz eins vom andern leben muß. Jedes Thier jagt je nach seiner Kraft, wo es nur kann, wäh­rend gerade der Jnni der Monat ist, in welchem die Büchse des Jägers die meiste Ruhe während des ganzen Jahres ge­nießt ; denn alles vier- und zweibeinige Wild ist jetzt vor den Nachstellungen des Jägers und seines Hundes gesichert, und im Walde herrscht Frieden. Bei der Jagd der Thiere unter sich aber unterstütze der Mensch die nützlichen und verfolgten. Einen anheimelnd friedlichen Anblick gewährt jetzt ein niedliches Vogelnest. Nähert man sich behutsam und bleibt in einiger Entfernung stehen, so bleibt auch die sorgsame Mutter sitzen, blickt einen vertrauensvoll mit den Aeuglein an und läßt sich in

M ihrem, für sie ganz wichtigen Brutgeschäft keineswegs stören. Wenn sie in dem Beschauer keinen Feind merkt, läßt sie ihn sogar ganz nahe treten. Auch die Vögel lernen ihre Freunde, besonders auch ihre Wohlthäter kennen. Man schütze ihnen, die mit wahrer Emsigkeit im Garten eine Unmasse schädlichen Ungeziefers vertilgen, die Nester vor Katzen, Mardern und auch vor böswilligen Knaben dadurch, daß man um die Stämme der Bäume und Hecken Dornen bindet, mit den Spitzen nach unten gerichtet.

Auf einer Hochzeitsreise in den Rhonefall gestürzt. Aus Bellegarde an der Rhone wird berichtet: Eine junge Frau von zwanzig Jahren, Madame Dalyen, die mit ihrem Gatten auf der Hochzeitsreise war, ist in den Rhone­fall gestürzt. Sie hatte sich in der Bewunderung des gigan­tischen Schauspieles zu weit an den Rand des Felsens vor­gewagt und wahrscheinlich durch das Brausen und den Anblick der raschen Bewegung der Wassermassen einen Schwindelanfall bekommen. Ihr Sturz in die Tiefe von etwa fünfundzwanzig Metern erfolgte so plötzlich, daß der junge Ehemann gar nicht wußte, wohin seine Frau plötzlich verschwunden sei. Die Un­glückliche hat sofort den Tod in den Wellen gefunden; ihr Leichnam ist noch nicht aufgefunden worden.

Ein vierjähriger Mörder. In einer Vorstadt Wiens ereignete sich dieser Tage ein entsetzlicher Vorfall. Das dreijährige Söhnchen eines Barbiers stand, mit einem Butter­brod in der Hand, auf der Schwelle des Ladens. Ein etwa vierjähriger Knabe wollte ihm das Brod nehmen und weil der Kleine es nicht loslietz, stach er ihm einen Schusterpfriemen in den Unterleib. Das gestochene Kind erlag der Verletzung. Der vierjährige Mörder lief davon und war zunächst nicht zu ermitteln. Freitag ist es der Wiener Polizei gelungen, ihn ausfindig zu machen. Ein Schleifer erzählte, ein kleiner Bursche habe bei ihm einen Schusterpfriemen abgeholt; der Kleine heiße Wanek und sei sehr keck gewesen. Man fand einen Schuster Wanek, dessen vierjähriger, schwächlicher Knirps Franzl lustig mit Kindern spielte. Der Knabe wollte zuerst von nichts wissen, gestand aber dann, daß er den kleinen Barbiersohn wegen des verweigerten Butterbrodes gestochen habe. Ein dreizehnjähriger Bruder Waneks befindet sich schon in einer Besserungsanstalt.

Der Goldbarrenfinder Magers, der, wie wir meldeten, als des Diebstahls verdächtig in Haft genommen wurde, ist durch einen Kriminalkommissar jetzt nach Bremen übergeführt worden. Er leugnet hartnäckig.

Nothwendige Vorbereitung.Der Herr Ober­förster erzählt ja in den letzten Tagen so glaubhafte Ge­schichten!"Ja, der muß nächstens als Zeuge vor Gericht und da tränirt er sich bei Zeiten aufdie Wahrheit sagen".

Sandel, Gewerbe und Verkehr.

Marktberichte.

Frantfurt a. M., 3. Juni. Amtliche Notirung der Viehmarkt- Preise. Zum Verkauf standen: 447 Ochsen, 39 Bullen, 838 Kühe und Färsen, (Stiere und Rinder), 299 Kälber, 202 Schafe und Hämmel und 1089 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerths bis zu 6 Jahren Mk. 6365, b. junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausge­mästete Mk. 5759, c. mäßig genährte junge, gnt genährte ältere Mk. 53-56, d gering genährte jeden Alters Mk. 0000. Bullen: a. voll­fleischige höchsten Schlachtwertheâ Mk. 5355, b. mäßig genährte jüngere nnd gut genährte ältere Mk. 4950, c. gering genährte Mk... Kühe und Färsen: (Stiere und Rinder): a. vollfleischige, ausgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwerthcs Mk. 5860, b. voll­fleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerthes bis zu 7 Jahren Mk. 5354, 'c. ältere ausgewästete Kühe und wenig gutZ entwickelte

jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 4143, d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 3032, e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 2829. Bezahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast- (Vollni. Mast) und beste Saugkälber 7880 Pf., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 7174 Pf., c. geringe Saugkälber 6163 Pf., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser). Pf. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 6264 Pf., b. ältere Masthämmel 5759 Pf., c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 0000 Pf. Schweine: a. vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu IV« Jahren 6000 Pf., b. fleischige 5900 Pf., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 4850 Pf., d. ausländische Schweine (unter Angabe der Herkunft). Pf. Bezahlt wurde für 1 Pfund Lebendgewicht: Kälber a. 4649 Pfg., b. 4244 Pfg., Schweine a. 4700 Pfg., b. fleischige 46 Pfg. Aus Oesterreich standen 137 Ochsen zum Verkauf. Geschäft in Hornvieh flau, Xeberstand bedeutend; in Klein­vieh gut, Markt geräumt.

Frankfurt a. M., 3. Juni. Es notiren je nach Qualität: Weizen, hiesiger und Wetterauer Mk. 17.6017.75, kurhessischer Mk.., norddeutscher Mk.., russischer Mk. 17.7518.10, Redwinter Mk. 17.9018.20, Kansas Mk. 17.8518.10, La Plata Mk. 17.40 bis 18.25, Walla Walla Mk. 17.7518.. Roggen, hiesiger, Mk. 14.6014.80, Pfälzer Mk.., russischer Mk. 15.10-15.40. Gerste, geschäftslos. Hafer, hiesiger Mk. 1516, Württemberger Mk. ., bayerischer Mk. 1516, russischer Mk. 14.7516.25, Amerikaner Mk. 14.8015, Mais mixed Mk. 11.7511.90, La Plata Mk... Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier. Mehl fest. Es notiren nach Qualität: Weizenmehl hiesiges Nr. 0 Mk. 25.7526.25, feinere Marken Mk. 28.50-29.25, Nr. 1 Mk. 24,50-25., feinere Marken Mk. 25.2525.75, Nr. 2 Mk. 23.5024., feinere Marken Mk. 24.25 bis 24.75, Nr. 3 Atk. 21.5022.75, feinere Marken Mk. 22.25 bis 22.75, Nr. 4 Mk. 18.2518.75, feinere Marken Mk. 19.2519.75. Noggenmehl, hiesiges Nr. 0 Mk. 2324, Nr. 1 Mk. 20.5021.50, Nr. 2 Mk. 14.7515.25. Alles per 100 Kilo inkl. Sack loko hier. Futterartikel fest. Es notiren: Weizenschalen Mk. 4.905, Weizenkleie Mk. 4.905, Roggenkleie Mk. 5.305.10, Futtermehl Mk. 6.257, Biertreber, getrocknet Mk. 5.255.40 je nach Qualität. Alles per 50 Kilo netto effektiv loko hier. °

Verloosnngen.

Wien, 1. Juni. Ziehung der österr. Loose von 1864. Der Haupttreffer von 300 000 Kr. fiel auf Serie 3531 Nr. 99. 40 000 Kr. gewann Serie 476 Nr. 13. 20 000 Kr. Serie 3473 Nr. 7. Je 10 000 Kr. gewannen Serie 215 8 Nr. 88, Serie 3545 Nr. 67. Je 4000 Kr. gewannen Serie 297 Nr. 88, Serie 2751 Nr. 65. Je 2000 Kr. gewannen Serie 682 Nr. 7, Serie 694 Nr. 8, Serie 3150 Nr. 52. Weiter gezogene Serien: 19 90 121 292 297 476 682 694 735 782 837 983 1028 1116 1510 1710 2092 2158 2257 2371 2530 2619 2641 2663 2751 2784 2889 2953 3112 3150 3203 3263 3444 3451 3456 3473 3522 3531 3545 3614 3754 3861 3947 3964 3997. (Ohne Gew.)

Gebrauchs-Muster.

Nr. 153 398. Hochspannungsschalter mit unter Oel, Schmirgel, Borax o. dgl. arbeitenden Hilfskontakten. Voigt LHaeffner Aktien-Gesellschaft in Frankfurt a. M.- Bockenheim, vom 24. April 1901 ab. V. 2652. Kl. 21c.

Nr. 152 922. Lagerbock mit seitlichem, ein Verschieben der Welle verhinderndem Bügel. N. Becker, Fabrik für Industriebedarf in Frankfurt a. M., vom 17. April 1901 ab. B. 16 854. Kl. 47b.

Nr. 152 947. Rehlockinstrument mit Federvorrichtung an der Stimmenzunge im Luftstromerzeuger. Jacob Sackreuter in Frankfurt a. M., Friedensstraße 3, vom 14. März 1901 ab. S. 7111. Kl. 45t

Nr. 153 206. Klemmvorrichtung für Haken aller Art (Gehängehaken rc.), bestehend aus einem am Hakenkörper durch ein Verbindungsstück gelenkig befestigten Klemmhebel. Her­mann Lehmann in Offenbach a. M., vom 22. April 1901 ab. L. 8534. Kl. 44a.

Feuilleton*

Deutsche Huegrabungen in Babylon.

Einen interessanten Bericht über die Ausgrabungen auf dem Ruinenfelde von Babylon, die seit zwei Jahren im Auf­trage der königlichen Museen in Uebereinstimmung mit der Deutschen Orientgesellschaft im Gange sind, veröffentlicht Paul Rohrbach in denPreußischen Jahrbüchern." Er stützt sich im Wesentlichen auf Mittheilungen Dr. Koldeweys, des Chefs der Expedition und auf eigene Anschauungen. Die ungeheure Größe der Stadt, die von Herodot überliefert ist, schrumpft nach den Ausgrabungen bedeutend zusammen.

Nach den alten Autoren bildete die Stadt ein Quadrat, dessen Umfang auf 65 bis 90 Kilometer angegeben wurde; danach hätte sie eine Fläche bedeckt, auf der London und Paris nebeneinander oder Groß-Berlin fünfmal Platz gehabt hätte und sie sollte von einer Mauer umgeben gewesen sein, die so hoch war wie der Thurm der Kaiser Wilhelm-Gedächiniß- kirche in Berlin und so dick, wie die Länge eines Hauses von zehn bis zwölf Meter« Front! Nun hat sich gezeigt, daß die nachweislich von Mauerresten umzogene Fläche noch nicht ein Vierzigstel von diesem Umfange einnimmt; der auf dem linken Euphrat-Ufer belegene Stadtlheil ist annähernd ein Dreieck, dessen Seiten 4'/,, 31/» und 5^2 Kilometer messen, wozu noch einige weniger umfangreiche Bezirke auf dem rechten Ufer kommen. Vom alten Babylon sind vor allen Dingen noch die Ueberreste der Stadtmauern vorhanden, deren Zug man zum großen Theil verfolgen kann. Mißt man den Um­fang dieser Umwallung ab, so ergibt sich eine Länge von etwas über 15 Kilometern.

Aber auch damit war Babylon nach antiken Begriffen eine fabelhaft große Stadt. Das Wunderbare ist nur, wie sich bis aus den heutigen Tag eigentlich die ganze Welt von

solchen Phatasie-Angaben, wie Herodot sie machte, hat gefangen nehmen lassen. Auf dem rechten Euphrat-Ufer finden sich gar seine Ueberreste von irgend erkennbarer Bedeutung. Wichtig für die Ausgrabungen sind die ganz isolirte Babil- ruine im Norden und ein breiter Zug von Schutt-Anhäufungen im Zentrum der Stadt. In dieser Gruppe sind die beiden bedeutendsten Hügel derKasr" (Schloß) undAmran ibn Ali"; weiter nach Osten fällt noch durch seine relative Höhe und Steilheit derHomera" auf, der aber einen viel ge­ringern Umfang besitzt. Am höchsten ist Babil, gegen 30 Meter.

Die Grabung hat bisher folgende als sicher zu bezeichnende Resultate ergeben: 1. DerKasr" enthält die Ueberreste des Hauptpalastes Nebukadnezars; die ganze Anlage ist eine Citadelle und identisch mit dem in babylonischen Texten öfter erwähntenSchu-ana." Hiervon ging am Neujahrsfeste die große Festprozession Marduks aus, an der der Herrscher all­jährlich theilnehmen mußte, wollte er nicht das Recht eines Königs von Babylon" verlieren. 2. InAmran ibn Ali" steckt jedenfalls der Haupttempel von Babylon,Esagila." 3. Die berühmte ProzessionsstraßeAi-ibur-Schabu" (Die Straße Babylons) lief vonEsagila" nach der CitadelleSchu-ana." 4.Jmgur-Bel" (Bels Erbarmen) undNimitti Bel" (Bels Gründung), die großenDuram" von Babylon sind nicht Stadtmauern, wie man bisher annahm, sondern Bollwerke der Citadelle. 5. Endlich ist dasBabylon" der Nebukadnezarischen Inschriften in erster Linie überhaupt nicht die Stadt, sondern die Akropolis, der befestigte Palast und der Burg­komplex.Esaglia" undBabylon" werden als zwei korrespon- dirende Größen behandelt. Vielleicht ist der Hügel Babil die Ruine der sogenannten hängenden Gärten der Semiramis, vielleicht stand derThurm zu Babel", die Sikkurat (Ter­rassen- und Stufenthurm) Etemenanki beim Marduktempel in Esagila.

Nach den bisherigen Ergebnissen ist anzunehmen, daß nicht nur die Kasr-Citadelle sammt ihren Palästen und Festungs­

werken, nicht nur der Esagila mit seiner Umgebung, sondern alle großen Bauwerke Babylons ihrer Grundlage nach und zum großen Theil auch in Aufriß und Ausstattung wieder er­stehen werden. Was Babylon durch die Reduktion der über­triebenen Masse verloren zu haben scheint, das wird es nach Allem, was sich bisher übersehen läßt, durch die in der That grandiose Pracht der Nebukadnezar-Bauten in höherem Maße wiedergewinnen. Von Kasr kann man jetzt schon sagen, daß es eins der gewaltigsten Bauwerke gewesen ist, die die Welt gesehen hat. Die massiven Mauerstärken betragen bis zu 11, 13, ja selbst 17 Meter; der große Ostwall ist im Ganzen 41 Meter dick. Die Pracht der technisch heute gar nicht mehr herzustellenden innern Dekoration aus bemalten und glasirten Ziegeln, deren Fragmente sich im Schmt finden, muß wunder­bar gewesen sein, und allein von hieraus eröffnen sich ganz neue Perspektiven für die Kunstgeschichte des Orients. Eine Fülle neuer Erkenntniß versprechen diese Ausgrabungen zu geben.Es war ein gewagter Wurf", schreibt Rohrbach, als man sich^an den betheiligten Stellen entschloß, von allen Objekten der Spatenforschung, die das vordere Asien bietet, das größte und schwierigste in Angriff zu nehmen aber es stellt sich jetzt als glänzend geglückt heraus. Für Deutschland wird die hoffentlich und nothwendigerweise noch eine lange Reihe von Jahren fortgesetzte Ausgrabung von Babylon ein monumentum aere perennius werden."

Humoristisches.

Ein boshafter Gast. Wirth:Wissen Sie einen hübschen Namen für meine Weinstube?" Gast:Gewiß, Herr Wirth! . . . Nennen Sie sieZum Diogenes"!" Wirth:Diogenes? Wer war denn das?" Gast:Das war ein griechischer Philosoph, der in einem Weinfaß saß und Wasser trank!"

Anzüglich. Maler:Um mein neues Bild ist ein hef­tiger Streit unter den Kritikern entstanden!" Freund:Sie streiten sich wohl darüber, was es vorstellen soll?"