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Erstes Blatt.

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General-Anzeiger.

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*R0Nt9Ktl. iNedakteur: G. Lch r e <1 r r in Hanau»

Xr. 125.

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Freitag bff 31. Mai

Bezirks-Ferusprechanschluß Nr. 98.

1901

^M Bekanntmachung.

Da der Schlußbestimmung des § 9 unseres Kassen- statuts, betr.

Die Anmeldung von Lohn-Veränderungen, nicht von allen Arbeitgebern die nöthige Beachtung geschenkt wird und es sich sehr häufig erst nach Krankmeldung eines Mitgliedes herausstellt, daß dasselbe in eine höhere Klasse ge­hört, als für welche es seither Beiträge gezahlt hat, richten wir hiermit an alle Arbeitgeber das dringende Ersuchen,

die vorgeschriebenen Lohn-Veränderungs- Zettel

für die Folge umsomehr rechtzeitig einzureichen, als im Unter­lassungsfall und nach erfolgter Feststellung nicht nur die fehlenden Beiträge, sondern auch die etwaigen Mehrbeträge an Krankengeldern von dem Arbeitgeber zu ersetzen sind. Eine öftere Prüfung, ob sich die Mitglieder in der ihrem Lohn entsprechenden Klasse befinden, ist daher nnerläßlich. Lohn-Veränderungszettel sind an der Kasse zu haben.

Gleichzeitig wird wiederholt darauf hingewiesen, daß nach dem Kranken-Vers.-Gesetz und diesseitigem Statut

alle Personen bei diesseitiger Kasse anzumelden sind,

welche in einem Gewerbe- oder Handelsbetrieb gegen Gehalt, Lohn oder Naturalbezüge thätig sind, und daß auch Dienst­mädchen anmeldepflichtig werden, sobald sie geschäftliche Verwendung finden.

Ueber Nichtanmeldepflichtige und sog. berechtigte (freiwillige) Mitglieder gibt das Statut weitere Auskunft.

Schließlich wird noch darauf hingewiesen, daß die Unter­lassung einer Anmeldung strafbar ist und daß säumige Ar­beitgeber außer der zu erwartenden Strafe auch sämmtliche Aufwendungen zu ersetzen haben, die der Kasse etwa bei nicht rechtzeitiger Meldung erwachsen (§ 50 des Krankenversich.- Gesetzes).

Hanau, 31. Mai 1901.

Der Vorsitzende der Hanauer Ortskranken-Kasie.

Müller. 1788

Gefundene und verlorene Gegenstände etc. Gefunden: 1 Metermaaß (Zollstock.) Im Vorzimmer der städtischen Sparkasse 1 kleiner Kassen schlüssel.

Verloren: 20 Jnvalidenmarken â 20 Pfg. und 20 Jnvalidenmarken ä 24 Pfg. 2 Aufenthaltriemen mit Nickel­beschlag. 1 silberne Damenuhr mit silbernem Kettchen. 1 kleiner Kinderschuh.

Vom Wasenmeister am 30. d. Mts. eingefangen: 1 gelber Dachshund w. Geschl.

Hanau den 31. Mai 1901.

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 31. Mai.

Graf Wilhelm v Sismarck t*

Während Reich und Reichshauptstadt sich rüsteten, an diesem Montage vor dem Reichstagsgebäude in Berlin die feierliche Enthüllung des von Künstlerhand geschaffenen Denkmals, das dem ersten Reichskanzler das deutsche Volk errichtet hat, zu begehen, fällt auf die beabsichtigte Feier ein tiefer Schatten durch das gestern erfolgte Ableben des Oberpräsidenten Grafen Wilhelm v. Bismarck, des zweiten Sohnes des großen Reichskanzlers.

Graf Wilhelm Otto Albrecht von Bismarck war als jüngstes Kind des damaligen Buudetlagsgesandten Otto von Bismarck und seiner Gemahlin .j^anna am 1. August 1852 zu Frankfurt a. M. geboren word n. hat also noch nicht das Alter von 49 Jahren erreicht. In ihm verliert das Land einen Beamten ton eigenartigem Charakter und reicher Be­gabung, der in der Schule feines großen Vaters von der Kunst des Regierens Manches gelernt halte. Von den drei Kindern Otto o. Bismarcks ist Fürst Herbert in Berlin, die Gräfin Marie Rantzau-Bismarck in Schönhausen, Graf Wilhelm in Frankfurt geboren, bad für seinen Vater die hohe Schule der Diplomatie geworden. Kaiser Wilhelm I., damals Prinz von Preußen, hatte bei der Geburt des Knaben die Pathen­stelle übernommen und damit dem Vater ein neues Zeichen von Gunst und Vertrauen gegeben. Man darf sagen, daß der heitere Frohsinn der Mainthalbewohner, der als genius loci die Wiege des jungen Bismarck umschwebte, ihm im Leben treu geblieben ist, denn in welcher Lebensstellung immer Graf Wilhelm Bismarck war stets ein Freund geselligen Frohsinns, der in launiger Unterhaltung auch an harmlosen Scherzen eine herzliche Freude haben konnte und gegenüber Allem, was das Leben an ernsten und heiteren Vorgängen brachte, seine eigene Lebensphilosophie bewahrte.

Im Jahre 1859 folgte der junge Wilhelm dem Vater nach Petersburg, genoß dort mit seinem älteren Bruder ge­meinsam Privatunterricht, in den Jahren 186669 besuchten beide Brüder das Werder'sche Gymnasium, bezogen dann die Bonner, später die Berliner Universität und machten im 1. Garde-Dragoner-Regiment den Feldzug von 1870/71 mit. Im Laufe des Krieges avancirte Graf Wilhelm, der die Attacke von Mars la Tour mitgeritten, vom einjährig - freiwilligen Dragoner zum Offizier und ward dem General v. Manteuffel auf dessen besonderen Wunsch als Ordonnanzoffizier beigegeben. Nach dem Kriege nahm er die Studien an der Berliner Uni­versität wieder auf, arbeitete bei den Gerichten zu Wiesbaden, Schlawe und endlich beim Kammergericht. Aus der Schlawer Zeit sind noch dieBekanntmachungen" in Erinnerung, die er alsPräsident des Schlawer Pfeifenklubs" in derNord­deutschen Allg. Zeitung" erließ. 1878 bestand er das Assessor- Examen, arbeitete dann bei seinem Vater in der Reichskanzlei und als im folgenden Jahre Feldmarschall v. Manteuffel als Statthalter nach Straßburg ging, erbat er sich zum zweiten Male den Grafen Wilhelm als Hilfsarbeiter. Im Jahre 1881 trat er zur Reichskanzlei zurück und ward 1884 vortragender Rath im Staatsministerium.

1885 als Landrath an die Spitze der Verwaltung des Kreises Hanau berufen, verstand er es, in seiner vierjährigen Thätigkeit sich die Sympathien der Kreiseingesessenen in hohem Maße zu erwerben. Im privaten Verkehr eine liebenswürdige Erscheinung, ein Gentleman voll Bonhommie, brachte er als Verwaltungsbeamter dem Aufblühen des Kreises lebhaftes Interesse entgegen und förderte dasselbe in verständnißvoller Weise. So wurde sein Scheiden von hier, als 1889 seine Ernennung zum Regierungspräsidenten in Hannover erfolgte, aufrichtig bedauert und Stadt und Land werden ihm herzliche Sympathien über das Grab hinaus bewahren.

Auch die parlamentarische Thätigkeit hat Graf Bismarck zweimal ausgenommen, 187881 für den Wahlkreis Mühl­hausen in Thüringen im Reichstage, und 188285 für den Wahlkreis Schlawe-Rummelsburg im Abgeordnetenhaus. Der Armee gehörte er als Major â, la suite an. Nach dem Ab­leben seines Vaters ging die Fideikommißherrschaft Varzin auf ihn über, ebenso das Amt des Erboberjägermeisters im Herzog- thum Pommern. Graf Wilhelm hatte sich am 6. Juli 1885 zu Kröchlendorff mit seiner Cousine Malwine von Arnim ver­mählt, von jenem Hochzeitstage datirt ein bekanntes interessantes Familienbild. Aus der glücklichen Ehe, die nun der Tod gelöst hat, sind vier Kinder, drei Töchter und ein Sohn, entsprossen. Die zwei ersten Töchter sind in Hanau ge­boren.

Varzin, 30. Mai. Das Ableben des Oberpräsidenten Grafen Wilhelm Bismarck erfolgte nach sechstägigem qual­vollem Leiden infolge einer Bauchfellentzündung. Die Bei­setzung findet am nächsten Montag statt.

* Beileidsbezeugung. Aus Anlaß des Ablebens des Oberpräsidenten Grafen Wilhelm v. Bismarck sandte der Kreisausschuß des Landkreises Hanau einen Kranz nach Varzin, weiterhin wurde von Herrn Landrath v. Schenck namens des Landkreises ein Beileidstelegramm an die Wittwe des Verschiedenen gesandt. Auch das Vorsteheramt des ver. ev. Waisenhauses, dessen Vorsitzender der Verstorbene während seiner hiesigen amtlichen Thätigkeit war, hat eine Kranzspende nach Varzin abgehen lassen.

* Gesellenprüfungsordnung. DasAmtsblatt" für den Regierungsbezirk Cassel macht bekannt, daß Gesellen­prüfungsordnungen für folgende Handwerke im Bezirke der Handwerkskammer erlassen worden sind: 1. Tapezierer, Polste­rer und Dekorateure, 2. Glaser, 3. Stuckateure, 4. Siebmacher und Nadler (Drahtflechter), 5. Gürtler, 6. Gelb- und Zinn­gießer, 7. Uhrmacher, 8. Buchdrucker, Lithographen und Stein­drucker, 9. Photographen und 10. Müller. Alsbald nach Ver­vielfältigung der Gesellenprüfungsordnungen wird jeder Auf­sichtsbehörde ein Exemplar der für chren Bezirk in Frage kommenden Gesellenprüfungsordnungen und jedem Prüfungs­ausschüsse einen Abdruck der für ihn bestimmten Prüfungs­ordnung zugehen. Die Prüfungsordnungen liegen vom 15. n. M. ab bei den Aufsichtsbehörden zu Jedermanns Einsicht aus und werden außerdem bei der Handwerkskammer zu Cassel käuflich zu haben sein.

* Neue Volksbibliotheken in Hessen-Nassau. Im verflossenen Jahre hat die Gesellschaft für Volksbildung im ganzen Reiche 644 Bibliotheken mit 31440 Bänden be­gründet und unterstützt. Auf Hessen-Nassau entfallen davon 25 Bibliotheken mit 1476 Bänden. Diese 25 Bibliotheken befinden sich in Unterschönau, Kirchbracht, Niederbachheim, Nastätten, Tann an der Rhön, Niederzell, Schönborn, Christianshütte, Rotenburg a. d. Fulda, Heddernheim, Greifen­stein, Alpenrod, Steinbach, Neukirch, Nordenstedt, Auringen,

Oberursel, Massenheim, Medenbach, Wildsachsen, Georgenborn, Breckenheim, Brandöbern Floersheim, Igstadt. UWH

* Die Versammlung mittelrheinischer Aerzte fand am Dienstag in Bingen statt. Von vormittags 10 Uhr ab war Begrüßung der auswärtigen Gäste im Terrassen­saale der Bahnhofsrestauration, woselbst auch der Frühschoppen eingenommen wurde. Anwesend waren über 100 Aerzte. In der städtischen Turnhalle begannen pünktlich um 1 Uhr die angemeldeten belehrenden Vorträge und zwar sprachen: Prof. Dr. Rumpf-Bonn, Dr. R. Schütz-Wiesbaden, Sanitätsrath Dr. Cramer-Wiesbaden, Medizinalrath Dr. Reissinger-Mainz, Prof. Dr. H. Freund-Straßburg, Dr. Wehmer-Wiesbaden und Dr. Scherer-Ludwigshafen. In. einem Nebenraume hatten die Firmen B. B. Cassel, medizinisches Spezialhaus (Frankfurt), praktische Neuheiten und B. Teubner (Frankfurt) Mufflers sterilisirte Kindernahrung ausgestellt. Um 4*/» Uhr begann imHotel Viktoria" baâ' gemeinschaftliche Mittagessen. Als nächstjähriger Kongreßort wurde Soden im Taunus gewählt.

* Korpsphilister-Zusammenkunst. Wie im Vor­jahr, so hatten sich auch im heurigen Jahre die Korpsphilister von Aschaffenburg und Umgebung im Saale der Wirthschaft zur Rabenau nächst bem. Bahnhof Kahl zu fröhlicher Fest- kneipe mit den alten Herren aus Hanau- Frankfurt zu­sammengefunden, um sich gemeinsam der Erinnerung an die unvergessene Burschenzeit zu freuen. 34 alte Herren waren erschienen, jedes der drei Aschaffenburger Korps durch eine Deputation von 6 Aktiven vertreten, auch noch einige Aktive anderer Korps anwesend so war der Festsaal gut gefüllt und bot in seiner Mischung von Jung und Alt und von farbigen Mützen jeder Art ein schönes und lebendiges Bild. Den Vorsitz führte, nachdem Oberforstrath F ü r st- Aschaffenburg namens des Komitees dieGäfte begrüßt hatte,Landgerichtspräsident Mack- Aschaffenburg ; ernste und launige Reden wechselten mit frischen Studentenliedern und Musikstücken, welch letztere von einer Abtheilung der Aschaffenburger Jäger-Kapelle aus­geführt wurden, rasch schwanden die Stunden und als um 10 Uhr die Bahnzüge fast gleichzeitig die Theilnehmer zur Heimfahrt nach Ost und West aufnahmen, da schied man mit dem Rufe: Auf Wiedersehen im nächsten Jahre 1 ein Beweis für den hochbefriedigenden Verlauf der kleinen Festlichkeit, um deren Zustandekommen sich insbesondere Herr Dr. Blaser (Alzenau) große Verdienste erworben hatte.

* Gewerbegericht. Es klagte der Glaser Fl. gegen den Bauunternehmer K. auf Schadenersatz für 4^2 Tage, welche Kläger, nachdem er vom Beklagten entlassen worden war, arbeitslos zubrachte und begründete dies damit, daß die Entlassung an einem Montage erfolgte, wodurch ihm das Eingehen eines anderen Arbeitsverhältnisses nicht sofort mög­lich war, und damit, daß der ihm als Entlohnung angebotene Betrag nicht der Höhe des von ihm zu beanspruchenden Lohnes entsprochen und er deshalb das Arbeitsverhältniß nicht als definitiv gelöst betrachtet habe. Obgleich das Gericht die Be­hauptung des Klägers, während der fraglichen Zeit vergeblich nach Arbeit sich umgesehen zu haben, als durch die Zeugenaus­sagen für erwiesen ansteht, wird bei selbe doch kostenpflichtig abgewiesen, da die Behauptung betreffs der nicht genügenden Höhe des angebotenen Lohnes der Begründung entbehrt und er bei Eingehung eines Arbeitsverhältnisses ohne Kündigung darauf vorbereitet sein mußte, bei einer plötzlichen Lösung des­selben einmal einige Tage arbeitslos zu werden.

* Futzballsport. Kommenden Sonntag den 2. Juni d. Js., nachmittags 3 Uhr 33 Min., fährt die I. Mannschaft des Hanauer FußballklubsViktoria 1894" nach Frankfurt am Main, um dortselbst mit der I. Mannschaft des Frank­furter FußballklubsViktoria" ein Wettspiel auszufechten. Das­selbe wird gegen 5 Uhr seinen Anfang nehmen.

* Arbeitszeit erwachsener Arbeiterinnen in Edelmetallwaaren-Fabriken. Die Handelskammer in Pforzheim hat dem Bundesrache den Antrag unterbreitet, auf Grund des § 139a Ziffer 4 der Reichsgewerbeordnung zu bestimmen, daß in den Gold- und Silberwaaren-Fabriken und deren Hilfsgeschäften die tägliche Arbeitszeit der über 16 Jahre alten Arbeiterinnen an Wochentagen bis zu 13 Stunden und an Samstagen und Vorabenden der Festtage bis zu 10 Stun­den ausgedehnt werden möge und deren Beschäftigung auch nach 8^2 Uhr abends an Wochentagen und nach 5*/2 Uhr nachmittags an Samstagen und Vorabenden der Festtage statt­finden dürfe. Dem Ersuchen um Befürwortung dieses Antrages hat die Handelskammer zu Hanau entsprochen.

* Jubiläum. Herr Friedhofs - Inspektor Betten­hausen feiert morgen, am 1. Juni, in voller Frische und Gesundheit sein 25jähriges Jubiläum als städtischer Beamter und gleichzeitig, inklusive der Kriegsjahre, sein 40jähriges Dienstjubiläum. Im Jahre 1864 trat derselbe in das damalige kurhessische Garderegiment (4. Komp.) als Gardist ein, machte