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Äl. 124 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. D0l!Ntlst6g dkl! 30« Mül Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901

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I politische Rundschau.

Der Heeres-Ausschuß der ungarischen Dele­gation nahm das Heeres-Oidinarium als Grundlage für die Spezialdebatte an. Bezüglich der Einführung der zweijährigen Dienstzeit erklärte der Kriegsminister, dieselbe würde große Opfer fordern. Mit dem erhöhten Rekruten-Kontingente wür­den auch bei dreijähriger Dienstzeit die gewünschten Vortheile erreicht werden. Der Wunsch, bei erhöhtem RekrutewKon­tingente die dritten Jahrgänge bereits im Mai zu beurlauben, sei wohl nicht erfüllbar, weil die Cadres zu sehr geschwächt würden und mit so niedrigem Bestände größere Manöver, die unbedingt nach der Ernte abgehalten werben müßten, mit Nutzen nicht durchführbar wären.

Der 28. Geschäftsbericht des Deutschen Kriegerdundes

für die Jahre 1899 und 1900 ist soeben erschienen. Der Abgeordneten tag von Weißenfels beschloß die Errichtung 2jähriger Abgeordnetentage, 2jährige Geldwirthschaft, weshalb - -auch die Geschäftsberichte des Bundes nur noch alle 2 Jahre verstattet werden.

In den letzten zwei Jahren haben das deutsche Krieger­vereinswesen und besonders der Deutsche Kriegerbund wichtige Aenderungen und Fortschritte erfahren. Der bedeutsamste Fort­schritt ist die Bildung des Preußischen Landeskriegerverbandes, der am 1. Januar 1899 unter dem Protektorate des Aller­höchsten Landesherrn ins Leben trat. Dieses seit Jahren an­gestrebte Ereigniß hatte für das engere Gebiet des Deutschen Kriegerbundes zunächst zur Folge, daß von den fünf nord- ü deutschen Landesverbänden, welche dem Bunde biS dahin fern geblieben waren, drei, und zwar diejenigen von Braunschweig, Oldenburg und Bremen, ihm beitraten. Größere Um­wälzungen hatte aber die Bildung des Preußischen Landesver­bandes für das gesammte deutsche Kriegervereinswesen zur 'r Folge. Nunmehr waren in allen deutschen Bundesstaaten t Landes-Kriegerverbände und es konnte nun darangegangen werden, dem Kriegervereinswesen eine Organisation, die der des Reiches selbst entsprach, zu geben. Da war zunächst die Umbildung des Ständigen Kyffhäuser-Ausschusses, der bisher als die Zentralvertretung des deutschen Kriegervereinswesens galt, nothwendig. An feine Stelle trat der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Kriegeroerbände als anerkannte allgemeine Vereinigung des deutschen Kriegervereinswesens. Der Kyff­häuser-Bund hat zum nächsten Zweck die Verwaltung des ge­meinsamen Eigenthums an dem Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser. Sodann ist seine wichtigste Aufgabe die Be­rathung aller das deutsche Kriegervereinswesen in seiner Ge-

Feuilleton*

Bowlenstudien.

Von Curt von Osten.

(Nachdruck verboten.)

Der heurige, ungewöhnlich lange und strenge Winter ist nun endlich so weit vorüber, daß man auch ohne Grog und andere stärkende Getränke sein Dasein fristen und daran denken kann, mit sanfteren und milderen Flüssigkeiten den ewigen Durst der Menschheit zu stillen. Durch die steigende Sonnenwärme zu neuem Leben erweckt, drängt sich zwischen den dürren, abgefallenen Blättern, welche den Boden des Waldes bedecken, das Pflänzlein, Waldmeister geheißen, her­vor, welches überall dort, wo man in Bowlenkünsten erfahren ist, in hohem Ansehen steht und den Zyklus des trinkbaren Jahres eröffnet, wenigstens soweit, als man nicht lediglich auf kontinuirlichen, phlegmatischen Biergenuß eingeschworen ist, sondern auch der Spende des Bacchus huldigt.

Die Kunst des Bowlenbrauens ist nur in nördlichen Kli­maten heimisch. Der -Südländer, bei welchem die Sonne ja immer einen Rebensaft zeitigt, der reichlich Zucker und wenig Säure enthält, hat nicht das Bedürfniß, seine Weine durch Früchte und Zucker der Zunge angenehm zu machen und selbst, wenn er es wollte, könnte er es nicht; denn schon die schwere­ren südungarischen und italienischen Landweine eignen sich ver­möge ihres erdigen Geschmackes nicht mehr recht zur Bowlen- fabrikation und die gehaltvollen Süßweine des Süden-, wo Palme und Rebstock zugleich das Bild der Landschaft schmücken, find für unseren Zweck völlig unverwendbar. Obendrein sind sie sämmtlich viel zu alkoholreich, um zu einem Getränke Ver­wendung zu finden, welches erfahrungsgemäß nicht in Finger­hüten, sondern in veritablen Wassergläsern zu genießen ist und Zon welchem die gewiegtesten Kenner behaupteten, daß man

sammtheit berührenden Fragen, damit die einzelnen Landes- Kriegerverbände, unbeschadet ihrer Selbständigkeit und ihrer besonderen Eigenthümlichkeiten, in Verfolg der großen gemein­samen nationalen Aufgaben einheitlich vorgehen können. Dem Deutschen Kriegerbunde verbleibt künftig nur die Pflege seiner sozialen und wirthschaftlichen Aufgaben, die Bethätigung werk- thätiger Kameradenliebe. Die Folgerung hieraus wird nun aber im Interesse namentlich der kleineren Landesverbände nicht die Auflösung des Deutschen Kriegerbundes sein, sondern seine Umbildung in eine andere Form. Die hauptsächlichsten wirthschaftlichen Einrichtungen des Bundes sind: 1. Tie Bundes-Unterstützungskasse, aus der im Jahre 1899 91,264 Mk. und im Jahre 1900 100,925 Mk. Unterstützungen an bedürftige Kameraden ausgezahlt wurden, 2. Das Wittwen- Unterstützungswesen. Es wurden unterstützt 1899: 3167 Wittwen mit zusammen 32,131 Mk.; 1900: 3328 Wittwen mit zusammen 34,633 Mk. Tie Mitziel hierzu nimmt der Bundesvorstand, da die geringen Erträge der beiden Wittwen- stiftungen bei weitem nicht ausreichen, ans den Einnahmen des Bundeskalenders, des Jahrbuchs des Deutschen Krieger­bundes, 3. Die Waisenpflege des Bundes, die schönste und das Menschenherz am meisten berührende Seite der sozialen Bundesihätigkeit. Gegenwärtig werden vom den drei eigenen Waisenhäusern des Bundes:Römhild (eoangl.) Osnabrück (evangl.) und Canth (kathol.) 282 Waisen verstorbener Ka­meraden einfach und liebevoll erzogen. Die Schulden des Kyffhäuser-Denkmals betrugen am 1. Januar 1901 noch 295,000 Mk. Die Stärke des Bundes betrug am 1. April 1901: 19 Landesverbände, 14,442 Vereine mit 1,251,888 Mitgliedern.

Das Sanitätèkolonnen-Wesen hat sich in erfreulicher Weise entwickelt. Ende 1900 waren vorhanden: 602 Kolonnen mit 14,921 Mitgliedern. Tie Swrbekcsse des Deutschen Krieger­bundes hat sich zu einer bedeutenden, segensreichen Anstalt aufgeschwungen. Die laufende Zahl der Versicherten genchetrug am 31. Dezember v. Js. 57,660 gegen 44,331 am Ende des Jahres 1898. Das Versicherungskopital beträgt 11,447,745 Mark.

Evangelischer Ardeitervereinstag. Speyer, 27. Mai.

I.

Ter 80 000 evangelische Arbeiter als Mitglieder zählende Gesammtverband der Evangelischen Arbeitervereine Deutschlands ist heute hier zu seiner Delegirtenversammlung zusammen­getreten. Die diesjährige Delegirtenversammlung hat u. A. sehr ernste Meinungsverschiedenheiten über die Gewerkschafts­frage auszutragen, wegen der cs, wie erinnerlich, schon auf die ersten 6 Gläser schnell trinken soll, um erst bei der Serie des zweiten halben Dutzends ein langsameres Tempo anzu­schlagen.

Die erstere Voraussetzung einer zünftigen Bowle ist also ein leichter Weißwein mit mäßigem, angenehm prickelndem Säuregehalt. Eine solche Kreszenz gedeiht aber am Rheine und seinen Nebenflüssen: Mosel, Nahe, Ahr, Saar, Main und Neckar, wo auf hundert Jahre im Durchschnitt nur 14 wirklich gute Weinjahre, das heißt, solche Jahre kommen, in denen ein hochedles Gewächs geerntet wird, häufiger als anderswo. Die leichten, kleinen Weine, welche dort in der überwiegenden Mehrzahl der Jahre reifen, trinken sich pur oder als Schorlemorle," das heißt, mit gleichen Mengen Sauerwasser verdünnt, zwar auch recht gut; aber erst, wenn am Magen­pegel ein Bowlenstand von etlichen Zollen abzulesen ist, ge- räth der Deutsche und insbesondere der Rheinländer in jene wunderbare, glückselige Stimmung, in welcher er aus lauter Wohlgefühl die traurigsten Lieder singt. Wenn vom Früh­jahr bis zum spätesten Herbst allabendlich von den sagen­umwobenen Bergen des deutschesten Flusses das melancholische Lied von der Loreley erschallt, ist der Bowlentopf mit seinem goldigen Inhalt das wesentlichste Requisit der Fröhlichkeit, und daß dem so ist, muß jedenfalls als ein rühmendes Zeugniß für den Geschmack der deutschen Zunge betrachtet werden, welche sich dadurch derjenigen unserer Vettern jenseits des Kanals und in Amerika weit überlegen zeigt, welche in ihren Bars mit Cocktail und anderen mörderischen, eisgekühlten Schnäpsen für das Wohlergehen der Spezialisten für Magen­leidende sorgen.

Ist der Rhein mit seiner näheren Umgebung zwar unbe­dingt die hohe Schule der Bowlenkunst, so hat sich diese feucht­fröhliche Wissenschaft doch schnell nach fast allen anderen Ländern des deutschen Sprachgebietes verbreitet, und gelehrige Jünger gefunden, welche sich mit liebevoller Sachkunde der Be­reitung des edlen Nasses widmen und unter der von altersher vielfach bestehenden, barbarischen Bowlenpantscherei gründlich

dem vorigen Arbeitervereinstage in Dresden zu einem hef­tigen Zusammenstöße mit der Naumannschen Richtung ge­kommen ist.

Um 6 Uhr begann die Versammlung des Gesammtaus- schusses, geleitet vom Vorsitzenden Pfarrer Lic. Weber auS M.-Gladb«ch. Nach einem Bericht umfaßt der GesamUâer- band etwa 400 Arbeitervereine, von denen die meisten (etwa 140) auf Rheinland-Westfalen kommen, auf den württem- bergischen Verband 45, auf den rheinpfälzischen 28, auf den badischen 23, auf den sächsischen 35, den mitteldeutschen 22, den nordostdeutschen 16 Vereine u. s. w. Der Saarver- band zählt 24 Vereine. In Vereinen, die dem Gesammt- verbande nicht angehören, wurden etwa 14 500 Mitglieder gezählt.

Die Begrüßungsansprache des Pfarrers Lic. Weber ge­denkt zuerst Sr. Majestät des Kaisers, von dem der Gesammt- verband im verflossenen Jahre drei Telegramme erhalten hat. Das letzte danktfür die treue Theilnahme bei dem traurigen Vorfälle in Bremen". Dann gibt er einen Ueberblick über die allgemeinen, politischen, sozialpolitischen pnd wirtschaft­lichen Verhältnisse. Man befinde sich zweifellos jetzt in einer Zeit wirihschaftlicher Flauheit und es gelte, alle Kräfte anzu- fpannen, um unnöthige Streiks zu vermeiden. Mit Genug­thuung ist festzustellen, daß auch in der letzten Zeit die Ge­setzgebung wieder Fortschritte zu Gunsten des Arbeiterstandes gemacht hat. Er erinnerte an das neue Unfalloersicherungs­gesetz, an die Gewerbeordnungsnovelle vom 1. Oktober 1900, an die Abänderung des Gesetzes über die weitere Ausgestaltung der Gewerbegerichte, von der man hoffen dürfe, daß sie auch der Bundesrath annehmen werde. Ebenso sei die kaiserliche Verordnung zu begrüßen, welche die Schlußbestimmungen für jugendliche Arbeiter auf die Werkstätten mit Motoren aus­dehnt. Die auch von den evangelischen Arbeitervereinen er­strebte Reform der Krankenversicherung stehe noch bevor. Von dem sozialpolitischen Wunschzettel der evangeltschen Arbeiter­vereine führte Pfarrer Weber folgende Forderungen an: Ge­setzliche Regelung der Wanderarmen-Pflege, weitere Ausdehnung des Arbeiterschutzes auf die Hausindustrie, Regelung der ge­werblichen Beschäftigung von Kindern, Einschränkung der Arbeit verheiratheter Frauen, Arbeitskammern, Reichsarbeits­amt, freiheiiliche Ausgestaltung des Vereinswesens. Bei dem Kapitelkommunale Sozialpolitik" wies er auf die Fort­schritte in Berlin, Mannheim und Leipzig hin, die auf dem Gebiete der Arbeiterwohnungsfrage theils gemacht, theils an­gebahnt sind, und betonte die Pflicht der Kommunen, in schweren Zeiten auch die Arbeitslosen nicht zu vergessen. Mit Genugthuung hob er auch die Leistungen der Arbeitgeber her­vor, die im Jahre 1900 im Ganzen über 60^2 Millionen an Stiftungen und Geschenken betragen haben.

aufräumen. Zu diesen in den Augen des Kenners im höchsten Grade strafwürdigen Angewohnheiten gehört die Verwendung von Rothwein zur Bowle. Rothspohn ist ja ganz gewißfür alte Knaben eine von den Gaben"; aber der Gehalt desselben an herbem, zusammenziehenden Tannin, vulgo Gerbsäure ist und bleibt ein Antipode des feinen zarten Aromas, welches Waldmeister und Früchte dem mit ihnen behandelten Weine verleihen, und es ist Dilettantismus der schlimmsten Art, wenn man lediglich dem schönen Aussehen zu Liebe einer Bowle von 5 oder 6 Flaschen Weißwein eine halbe Flasche Rothen zur Färbung zusetzt.

Im Heimathslande der Bowle gilt es ferner als ein schweres Verbrechen, die zur Bereitung derselben verwendeten Früchte zwecks Erzielung eines reicheren Aromas zu zer­quetschen. Gewiß ist es nun in Variirung des bekannten VersleinsWenn sich Ras' und Zunge laben, will das Auge auch was haben," sehr wünschenswerth, daß sich der fertige Stoff als ein klares funkelndes Naß dem Gesichtssinne präsen- tire, der in der Aestethik der Gastronomie eine nicht zu unter­schätzende Rolle spielt. Häufig ist aber eine Bowle von aus­reichend starkem Geschmack mit mäßigen Mengen von Früchten oder in entsprechend kurzer Zeit gar nicht herzustellen, ohne der Substanz der Frucht Gewalt anzuthun und die Zellen der Ananas oder Erdbeeren durch sanften Druck in einer fresse dazu zu zwingen, ihren Saft herzugeben und es muß hier der Ansicht des Einzelnen überlassen bleiben, in welchen von beiden Richtungen er sich Opfer auferlegen will, um in der anderen eine volle Befriedigung zu erzielen. Dem wahrhaften Bowlenfreund wird aber hier die Wahl nicht schwer fallen, wenn er sieht, wie man durch Ausquetschen des Saftes ein ungleich vollmundigeres Getränk herauskommt, als wenn man das vierfache Quantum Frucht in unveränderter Form ver­wandt hätte. Wer ganz penibel ist, braucht übrigens den ausgepreßten Fruchtsaft nur in einem Glastrichter zu siltriren und dann der Bowle zuzusetzen, um ein auch dem verwöhn­testen Auge Genüge leistendes Getränk zu erzielen.