. 0. Mai
Hanauer Anzeiger.
Seite 3.
Vraktberickte des „Dan. Hnz.“
Die Lage in China, i
Berlin, 29. Mai. Das Truppentransportschiff „Wittekind" mit dienstunbrauchbaren Mannschaften des ostasiatischen Expeditionskorps ist auf der Reise nach Deutschland am 25. Mai in Colombo eingetroffen und fährt von dort am 28. Mai ab.
Berlin, 30. Mai. Anläßlich der Verhandlungen über die Auflösung des Oberkommandos in China haben sämmtliche Mächte ihre Anerkennung ausgesprochen über die äußerst geschickte und taktvolle Art, mit der sich Feldmarschall Gras Waldersee seiner schwierigen Aufgabe entledigte. Mit besonderer Wärme hat die Regierung der Vereinigten Staaten dieser Empfindung Ausdruck geliehen.
Berlin, 30. Mai. Nach einem Telegramm des „Lok.- Anz." aus London wird aus Washington depeschirt: China erließ ein Edikt, worin es verspricht, eine Entschädigung von 450 Mill. Taels zu 4°/o zu zahlen.
London, 30. Mai. Die Lifte der von den verschiedenen Mächten erhobenen Entschädigungs-Ansprüche beläuft sich auf folgende Summen: Oesterreich 13 Millionen Kronen, Rußland UVa Millionen Rubel, Japan 45 Millonen Jen, Frankreich 280 Millionen Francs, Belgien 30 Millionen Francs, Deutschland 240 Millionen Mark, England 24 Millionen Dollar, die Vereinigten Staaten 25 Millionen Dollar, Italien 6 Millionen Taels, Holland und Spanien je eine Million Taels.
Marseille, 30. Mai. Wie dem „Echo de Paris" gemeldet wird, hat der Marine-Kommandant Besson den Auftrag erhalten, große Mengen von Proviant, Bekleidungs- I stücken u. s. w. nach Taku zu senden. Man schließt daraus, I daß das Verbleiben eines großen Theiles des französischen Expeditionskorps in China bis auf Weiteres für nothwendig gehalten wird.
Der Krieg in Südafrika.
London, 29. Mai. Reuter meldet aus Cradock: Der „Midland News" zufolge ergaben sich in Pelapye 200 Buren. Die Engländer bemächtigten sich 42 Wagen, welche mit Männern, Weibern und Kindern beladen waren.
London, 30. Mai. Die vom Kriegsamt veröffentlichte Verlustliste umfaßt für gestern 42 Todte und 99 Verwundete.
Der Postkonfiikt mit der Pforte definitiv erledigt.
Konstantinopel, 29. Mai. Die Pforte richtete gestern an die Botschafter Oesterreich-Ungarns, Englands und Frankreichs Noten, in denen sie den Empfang der Noten vom 20. Mai bestätigt, durch welche die drei Botschafter von den befriedigenden offizielen Erklärungen des Ministers des Aeußern Tewfik Pascha in Betreff des Postkonfiikts Kenntniß nehmen. Die Pforte erklärt in ihrer gestrigen Note, daß die Note der Botschafter vom 20. Mai nicht so gedeutet werden dürfe, als ob die Türkei auf ihr Regal verzichtet habe und daß in dieser Beziehung die Lage auf beiden Seiten dieselbe bleibe, wie vor Ausbruch des Konflikts. Da die Pforte indessen in ihrer gestrigen Note keine Anspielung macht, welche den Werth der erwähnten Erklärungen Tewfik Paschas herabzumindern vermöchte, bleibt der Postkonflikt erledigt.
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Berlin, 30. Mai. Der Kaiser hat gestern beim Frühstück im Kasino des 2. Garde-Regiments einen Trinkspruch gehalten, in welchem er dem „Lokal-Anz." zufolge zunächst des Kaisers Friedrich gedachte. Darauf fuhr der Kaiser fort: Er freue sich, mittheilen zu können, daß es im fernen Osten zu Friedens-Abschlüssen gekommen ist und daß die Truppen zurückgezogen werden könnten. Es seien ihm, dem Kaiser, aus diesem Anlaß von vielen Seiten Anerkennungen und Danksagungen zu Theil geworden. Auch eine vom Kaiser von Rußland persönlich abgesandte Depesche habe er gestern erhalten, welche laute: „Für die Dienste in China sage ich Euer Majestät meinen herzlichsten Dank. Graf Waldersee hat eine schwere undankbare Sache mit Würde und Geschick geführt. Ich bezeuge meine volle Sympathie." Darauf kam der Kaiser auf die Theilnahme der beiden französischen Offi- ,ziere an dem gestrigen Exerziren zu sprechen und hob des Weiteren die gute Waffenbrüderschaft und treue Kameradschaft der Franzosen und Deutschen in China hervor. Der Kaiser schloß mit einem Hoch auf die beiden Offiziere und ihre ge- sammte Armee. General Bonnal antwortete auf diesen in deutscher Sprache gehaltenen Trinkspruch des Kaisers auf französisch mit warmen Dankesworten und schloß mit einem Hoch auf die deutsche Armee und ihren Soldatenkaiser. Der Kaiser verweilte drei Stunden lang im Offizier-Kasino und begab sich darauf nach dem königlichen Schlosse, wo er den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets von Lukanus hörte und um 7 Uhr abends nach einer Spazierfahrt im Thiergarten vom Potsdamer Bahnhof nach dem Neuen Palais zurückkehrte.
Berlin, 30. Mai. Die „Vosstsche Zeitung" meldet aus Wien: Nach einem Uebereinkommen zwischen den Parlaments- Parteien werden die Debatten über das Wasserstraßen-Gesetz und das Budget auf ein Mindestmaß eingeschränkt werden, sodaß die riesige Aufgabe bis zum Tage der Kaiser-Reise nach Böhmen erledigt werden wird.
Berlin, 30. Mai. Der Kaiser verlieh, wie dem „Lok.- Anz." aus Kiel gemeldet wird, in Anerkennung ihrer bewiesenen Umsicht und Opferfreudigkeit dem Kapitänleutnant Werner den rothen Ädlerorden 4. Klaffe den Oberleutnants Koch und Rolaud wurde eine kaiserliche Belobigung zu Theil. Oberleutnant Krah und Bootsmannsmaat Kond erhielten die Rettungsmedaille.
Wildpark, 50. Mai. Der Kronprinz ist heute Morgen 7 Uhr hier wieder eingetroffen und hat sich nach dem Neuen Palais begeben.
Greifswald, 30. Mai. Bei der Reichstags-Stichwahl im Wahlkreise Greifswald-Grimmen erhielt nach den bisherigen Feststellungen v. Behr (kons.) 6109 und Gothein (sreis.) 8973 Stimmen. Aus 70 Wahlbezirken steht das Resultat noch aus, in dessen ist die Wahl Gotheins doch gesichert.
Wien, 30. Mai. Die serbische Studentenschaft aus Bosnien und der Herzegowina hat den Delegationen eine Denkschrift überreicht, in welcher gegen die österreichische Verwaltung im Okkupationsgebiet schwere Anklagen erhoben werden.
Wien, 30. Mai. Das Armee-Verordnungsblatt bringt die Meldung, daß der im Dreyfus-Prozeß viel genannte Leutnant Czernucki aus dem österreichischen Heeres-Verband entlassen worden ist.
Rom, 30. Mai. In parlamentarischen Kreisen verlautet, die Erklärung Prinettis bei Beantwortung der Interpellation über die Erneuerung des Dreibundes und der Handelsverträge sowie die albanesische Frage würden sich wohl mit den Erklärungen Goluchowskys über dieselbe Frage decken.
Paris, 30. Mai. Offiziös wird gemeldet, daß die marokkanische Regierung sich verpflichtet habe, der Familie des von den Riffpiraten ermordeten französischen Kaufmanns Pouzet eine Entschädigung von 100,000 Francs zu zahlen; auch habe Marokko die strenge Bestrafung der Schuldigen zugesichert und sich bereit erklärt, mehrere unter französischem Schutze stehende Gefangene freizulassen.
Paris, 30. Mai. Das Gewitter, das gestern Nachmittag über Paris niederging, hat großen Schaden angerichtet. Die Kellerräume zahlreicher Gebäude, darunter das Thöatre Fran^ais sind überschwemmt. Die Gartenbau-Ausstellung in den Tuilerien wurde arg verwüstet. Im 13. Bezirke wurden sämmtliche Gärtnereien unter Wasser gesetzt. Die Arbeiter konnten sich nur mit Mühe retten, der Schaden wird aus 2 Millionen geschätzt.^ gfc .M^di
Paris, 30. Mai. Infolge des gestrigen Unwetters und der damit verbundenen Ueberschwemmungen in mehreren Stadtvierteln wurden zahlreiche Gebäude beschädigt. Einige sind eingefallen. Mehrere Personen wurden verletzt. Die Erdgeschoße der deutschen Gesandtschaft, des Kriegsministeriums und des Theater Francais stehen unter Wasser. Der Schaden in einzelnen Stadtvierteln ist bedeutend.
Marseille, 30. Mai. Die Exkönigin von Madagaskar ist gestern hier eingetroffen und von den Kolonial-Behörden empfangen worden. Die übrigen Behörden hatten sich auf höheren Befehl des Empfanges enthalten. Heute reist die Exkönigin nach Paris weiter.
London, 30. Mai. Aus Petersburg wird gemeldet: Der Richter Holmes, der Delegirte der Vereinigten Staaten bei der Haager Friedens-Konferenz, wurde gestern vom Zaren in Audienz empfangen.
Bukarest, 30. Mai. Hier verlautet, König Geor^ von Griechenland werde dem Königspaar auf dem Lustschloß Sineia einen Besuch abstatten.
Sofia, 29. Mai. Die Sobranja begann heute die Verhandlung über die Ministeranklagen. Die früheren Minister Jvantschow und Tontschew waren persönlich erschienen. Die anderen sandten schriftliche Erklärungen. Radoslawow folgte der Einladung nicht. Tontschew hielt eine längere Rechtfertigungsrede.
Newyork, 30. Mai. Morgen gelangen insgesammt 3 950 000 Dollars Gold zur Verschiffung.
Yokohama, 29. Mai. Reutermeldung. Nachrichten aus Söul zufolge brach auf der Insel Brelpart eine gegen die Christen gerichtete Bewegung aus. Ein französischer katholischer Missionar wurde ermordet. Die Nachricht bedarf der Bestätigung. — Der frühere Kriegsminister Viscount Katsura lehnte die Uebernahme der Kabinetsbildung ab.
Die Pestplage.
London, 30. Mai, 12 Uhr 45 Min. Seit Ausbruch der Pest in Hongkong wurden bis jetzt 720 Todesfälle, darunter 4 bei Europäern festgestellt.
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Hus aller Melt.
Der eifrige Aktionär. Eine komische Episode spielte sich, so erzählt die „Berl. Ztg.", in Berlin in einem Straßenbahnwagen der Linie Görlitzer Bahnhof—Savignyplatz ab. Ein älterer Herr, der an der Jerusalemerstraße eingestiegen war, trat plötzlich an den Schaffner heran und machte ihn in halblautem Tone darauf aufmerksam, daß ein in der vorderen Ecke sitzender Fahrgast noch keinen Fahrschein habe. „Ich bin nämlich Aktienbesitzer," fügte der aufmerksame Herr erläuternd hinzu, „und habe es mir zum Prinzip gemacht, sämmtliche Schaffner an ihre Pflicht zu erinnern. Das Recht dazu leite ich aus meinem Aktienbesitz her, da ich durch jeden von den Fahrgästen unterschlagenen Groschen direkt geschädigt werde." Letztere Bemerkung verursachte einen förmlichen Aufruhr unter den Fahrgästen. Es hagelte bissige Bemerkungen. Ein Fahrgast machte den Aktionär für die vielen Straßenbahnunfälle verantwortlich. , Als der Herr am Moritzplatz ausstieg, folgten ihm einige Herren schimpfend nach. Im Nu hatte sich eine Menschenansammlung gebildet, die dem fürwitzigen Besitzer von Straßenbahnaktien zu Leibe zu gehen drohte, so daß er sich schleunigst in eine Droschke retten mußte.
Das Alter der Damen nach ihrem Verhalten bei Tische zu bestimmen, dürfte wohl ebenso originell als kühn sein. Ein Mitarbeiter des „Gil Blas" vertritt folgende Ansicht: Die jungen Mädchen fangen erst beim Tachtisch zu speisen an, die jungen Frauen hingegen werfen sich auf die Zuspeisen, wie Pfeffergurken, Salat u. s. w. Die Dreißigjährigen nehmen ein Stück Hühnerbrust, einen Rebhuhnflügel aus der Platte, die Vierzigjährigen halten sich an das kräftigere Rindfleisch, Hammelfleisch und Wildpret. Wenn aber eine Frau Kâse ißt, dann ist es besser, nicht mehr nach der Zahl ihrer Lenze zu forschen, denn sie steht schon längst im kanonischen Alter. Dies möge allen Denen zur Belehrung dienen, die gerne über ihr wirkliches Alter täuschen wollen.
Telegraphischer Kursbericht.
Frankfurt, Credit 216.30 Staatsbahn 144.—. Lombarden 22.80.
Disconto-Comm. 186.60 Deutsche Bank 202.40. Handelsg. —.—.
Dresdner —.—. Italiener 96.70.
3 °/o Mexicaner 26.80 3°/o Portugiesen 25.80
30. Mai,, 12^4 Uhr. 4°/o Spanier 69.—. Gotthard 158.50. Schweiz. Nordost 105.80 „ Central 159.80 „ Union 93.50 Jura 99.70. Harpener 177.25. Gelsenkirchener —.—. Laurahütte 210.50 Bochumer 189.50.
Tendenz: Ruhig. Bankaktien höher. Montanwerthe gut behauptet.
Gebrauchs-Muster.
Nr. 153 130. Rheostat mit zwei parallelen induktionsfreien Wicklungen, welche einerseits in einer nicht isolirten Doppelklemme und andererseits in je einer isolirten Klemme befestigt sind, welch letztere mittels einer Schiene kurzgeschlossen werden können. W. F e n tz l o f f in Frankfurt a. M., Schweitzerstraße 45, vom 19. April 1900 ab. — F. 6644. Kl. 21.
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— Die Flasche Mark 8.50. —
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Ch. J. Lossow.
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Mftès Ä Muster und Anleitung postfrei, V
In Hanau zu haben auf der Fabrikniederlage bei Spediteur
Jean.txöbel (Inhaber Carl Farr), Heumarkt. 869^