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S tte 6

Hanauer Anzeiger

Lv. Mai.

Die Mirren in China.

Die Auflösung des deutschen Armee-Ober­kommandos in Ostasten ist unter dem 25. Mai vom Kaiser befohlen worden und wird wohl am 1. Juni vollzogen werden. Da die Ernennung des Oberkommandirenden Grafen von Waldersee am 8. August erfolgte, so hat er dieses Kommando im Ganzen fast zehn Monate innegehabt. Die Ankunft des Oberbefehlshabers in Peking erfolgte am 28. September. Zu gleicher Zeit ist die Rückkehr des Panzergeschwaders befohlen; die Mobilmachung der 1. und 2. deutschen Flottendivision wurde am 3. Juli 1900 angeordnet; diese wird daher bis zur Rück­kehr der Panzerschiffe in die Heimath ein volles Jahr erreichen. Unter den Landeskundigen besteht ausnahmslos die Ueberzeu­gung, daß das chinesische Reich nicht nur die vereinbarte Summe, sondern eine noch viel höhere ohne allzu große Schwierigkeiten aufbringen kann' und wird. Für ein Staatswesen mit 300 bis 400 Millionen Einwohnern kann eine Summe von noch nicht anderthalb Milliarden Mark in keinem Falle erdrückend sein. Daher mußten die Versuche zweier Mächte, die China aufzuerlegende Entschädigungssumme möglichst herabzudrücken, einen eigenthümlichen Eindruck machen. Uebrigens ist der Schluß der Verhandlungen, so weit er bis jetzt erreicht ist, hauptsächlich dem unwiderstehlichen Drange des chinesischen Hofes zu danken, wieder nach Peking an seinen gewohnten Sitz zu gelangen. Unzweifelhaft ist es, daß damit die chinesische Frage, gleich allen orientalischen, ihr Ende noch nicht erreicht hat; sie wird noch Jahrzehnte fortdauern.

Neues Oberkommando für China. Wie ein Berliner Blatt nach Information aus unterrichteten Kreisen mittheilt, wird für die in China zurückbleibenden Truppen der verbündeten Mächte die Bildung eines neuen Oberkommandos für nothwendig erachtet. Ueber diese Angelegenheit finden augenblicklich Verhandlungen statt. Es ist nicht unwahrschein­lich, daß der Oberbefehl in die Hände eines französischen Generals gelegt wird.

Die Haltung der Gesandten. Die Vertreter der fremden Mächte sind zur Zeit in erhöhter Thätigkeit. In einer am Pfingstsonntag abgehaltenen Versammlung der Gesandten wurde die Frage der Aufhebung der Prüfungen in den Pro­vinzen nochmals in Erwägung gezogen. Mit Ausnahme des englischen Gesandten waren alle geneigt, Peking bei der Sus- pendirung der Prüfungen auszunehmen in der Erwägung, daß es bei den Prüfungen in Peking sich um den Wettbewerb von Kandidaten aus dem ganzen Reiche um die höchsten litterarischen Ehrenstellen handle. Eine Suspendirung dieser Prüfungen würde somit auch Kandidaten aus Gegenden treffen, die sich an den Unruhen gar nicht betheiligt hätten und außerdem das ganze chinesische Erziehungssystem über den Haufen werfen. Der britische Gesandte war entschieden dagegen, Peking eine Ausnahmestellung zu gewähren, er rieth vielmehr, man solle China veranlassen, diese Prüfungen an einem anderen Zentral­punkt stattfinben zu lassen. Eine Einigung über diesen Punkt wurde noch nickt erzielt.

Hus aller Welt.

Defraudation. In der Kasse des Vorschußvereins in Herzberg a. E. sind bedeutende Fehlbeträge festgestellt worden. Nach einem Telegramm wird die Höhe der fehlenden Beträge auf mehr als 130,000 Mark geschätzt. Private Spekulationen des Direktoriums sollen Anlaß zu der Des audation gegeben haben. Die amtliche Untersuchung wurde sofort eingeleitet.

Der theilweife Streik der Barbiergehilfen in Berlin hat, so wird aus Berlin geschrieben, die besseren Geschäfte fast gar nicht berührt, nur in den äußeren Stadt­theilen, wo die Arbeiterschaft dominirt, machte er sich bemerk­bar. Nach Angabe der Lohnkommission sollen in den Schank­lokalen, in denen die Ausständigen sich zur Ausübung ihres Handwerks etablirt hatten, rund 7000 Kunden bedient und dafür 1100 Mark vereinnahmt worden sein, von denen nach Abzug der gezahlten Löhne u. s. w. 600 Mark der Streik-

Jn dem vereinigten Glanze seiner flimmernden Sterne am tief­schwarzen Winterhimmel, dem berühmten, mächtigen und ge- heimnißv ollen Nebel, der südlich vom mittelsten Sterne des Gürtels, im Schwerte des himmlischen Heros, in mildem Lichten­schimmer erglänzt, endlich in den mannigfachen bemerkens- werthen Doppel- und vielfachen Sternen steht der Orion unter all den zahlreichen Sternbildern am nördlichen und südlichen Himmel unerreicht M. Die fortgesetzten Beobachtungen haben es zur Gewißheit gemacht, daß die meisten Sterne dieser Konstellation, was ihre allgemeine physische Konstitution an­belangt, sozusagen zu einem großen Typus, wahrscheinlich zu einer und derselben großen Sternfamilie gehören." Die Himmelsphotographie zeigte noch mehr. Denn als Professor Pickering auf dem Mount Wilson in Südkalifornien mit einer feinen Portraitlinse die ganze Umgegend des unermeßlich großen Nebelfleckes photographirte, entdeckte er, daß sie sich in einen ungeheuren spiraligen Nebel auflöste, von nicht weniger als 15 Graden oder 30 Vollmondsbreiten im Durchmesser. Die frühere Nebelmasfe, wie sie sich dem Auge gewöhnlich im Fern­rohre darstellt, war nur ein hellerer Fleck in diesem wunder­baren System. ....

Die wirkliche räumliche Ausdehnung dieser langsam sich kondensirenden und aus unendlicher Ferne noch herüber­leuchtenden Sternmaterie ist so ungeheuer groß, daß sie hier in Zahlen sich gar nicht ausdrücken läßt. Ihr wahrer Durch­messer muß Tausende und aber Tausende mal größer sein als der Durchmesser der ganzen Neptunbahn, der allein über 1200 Millionen Meilen beträgt. In diesen fernen Schichten des Universums sind die wirklichen, rastlos arbeitenden Laboratorien, wo die Weltkolosse gemacht werden, wahre Sonnenfabriken, von derem geheimnißvollen Wirken aber wir leider nur unend­lich wenig wissen und zu sehen bekommen. Wenn alle die Sterne, welche scheinbar mit dem großen Nebel innigen Zu­sammenhang haben, wirklich zu einem großen Systeme gehören, dann muß ohne Zweifel derjenige, welcher sich an einer Ecke des mächtigen Nebels befindet, Rigel oder Orionis genannt,

kaffe zugeflossen sind. Angeregt durch diesen scheinbaren Er­folg und gereizt durch den Widerstand der Arbeitgeber gehen die Streikenden respektive deren Führer mit dem Plane um, genossenschaftliche Barbierstuben einzurichten und sollen wegen Miethung geeigneter Lokale bereits in Verhandlung stehen. Ob die Unkosten, welche den Genossen naturgemäß aus einem solchen Betriebe erwachsen, es ermöglichen werden, auch ferner­hin für die Streikkasse Beiträge zu erzielen, bleibt fraglich, zumal die Kundschaft auf die Dauer schwerlich Rasirgelder zu zahlen geneigt sein dürfte, welche das übliche Honorar über­schreiten. In der Feiertagslaune und in der Streiklnst wurde über dieses Maß hinausgegangen, diese Gebelaune hält aber nicht lange vor.

Der Attentäter Weiland. Ueber Weiland, der am 6. März den Wurf mit der Effenlasche auf den Kaiser aus­führte, berichten dieBremer Nachr.": Weiland, der sich jetzt wieder im Untersuchungsgefängniß befindet, wurde längere Zeit auf seinen geistigen Zustand beobachtet. Ueber ihn haben auf Anordnung des Oberreichsanwalts neben drei Bremenser Aerzten auch drei bedeutende auswärtige Psychiater ihr Gut­achten ertheilt. Wie es heißt, sollen die Gutachten verschieden ausgefallen sein. Weiland wird natürlich nur dann vor das Reichsgericht gestellt werden, wenn auf Grund der Gutachten der Sachverständigen angenommen wird, daß er die That seinerzeit nicht in geistiger Unzurechnungsfähigkeit ausgeführt hat. Wie man hört, soll Weiland in letzter Zeit sehr ruhig gewesen sein.

Kafernenbrand in Meiningen. In der Haupt­kaserne, in der das erste und zweite Bataillon des 32. In­fanterie-Regiments liegt, brach vorgestern morgens früh 2 Uhr Feuer aus. Das westliche Dachgeschoß, wo es entstanden war, brannte völlig aus, während das erste Stockwerk stark beschädigt wurde. Die Bemühungen der Feuerwehr, in solche Höhe hinauf Wasser zu bringen, waren vergeblich, während die Weiterverbreitung des Feuers. durch im Innern des Ge­bäudes befindliche Brandmauern zum Glück gehindert war. Die Mannschaftsstuben konnten rechtzeitig geräumt werden, sodaß von den Soldaten keiner Schaden erlitt. Dagegen ist in den Kompagniekammern, worin Ausrüstungsgegenstände auf­bewahrt werden, viel verbrannt. Das zweite Bataillon wurde vorläufig im Exerzierhaus untergebracht.

Umfangreiche Waldbrände im Hannoverschen. In den letzten Tagen wurden aus fast allen Bezirken der Provinz Hannover große Waldbrände gemeldet. Bei Stade wurde durch unvorsichtiges Umgehen beim Moorlandbrennen im Forstrevier Wiegersen ein Wald- und Haidekomplex von 500 Morgen ein Raub der Flammen. Im Arenbergischen Tannenforst bei Aschendorf vernichtete ein Waldbrand inner­halb weniger Stunden 200 Morgen Tannen und 100 Morgen Haide. In der Demse bei Twistringen ist ein werthvoller Tannen- und Fichtenwald von etwa 5000 Morgen einge­äschert und in Goldenstadt bei Barnstorf 400 Morgen Fuhren. Zahlreiche Brände haben auch an der Bahnstrecke Eschede Celle stattgefunden, die auf Funkenflug aus den Lokomotiven zurückzuführen sind. Um diese Feuersgefahr zu beseitigen, hat man durch Kalkanstrich der Telegraphendrähte den Lokomotiv­heizern die besonders gefährlichen Stellen bezeichnet, an denen sie nicht nachheizen dürfen. Bei Himmelpforten, Kreis Stade, wurden bret Handwerksburschen dabei ertappt, wie sie eine große Haidfläche in Brand steckten. Hier gelang es noch, das Feuer zu unterdrücken, während die Brandstifter in Haft genommen wurden.

Offen ausgebrochen ist der Wahnsinn bei einer von den Personen, welche sich berufen fühlen,aus eigener Kraft" die Könitzer Mordthat aufzuklären. DenDanziger Neuesten Nachrichten" wird darüber berichtet: Der 23 Jahre alte Arbeiter Franz Kemper in Danzig bekam vor kurzer Zeit die fixe Idee, daß er dazu berufen sei, den an dem Gym­nasiasten Ernst Winter in Konitz verübten Mord aufzuklären, und begab sich zu diesem Zweck vor einigen Tagen heimlich dorthin. Da er in Konitz durch seine sonderbaren Unter­nehmungen, welche er zur Aufklärung in dieser Sache für er­forderlich hielt, mit Recht für geisteskrank gehalten und abgewiesen der Haupt- oder Zentralstern dieser Familie sein. Er glänzt als Stern erster Größe in prächtig-weißem Lichte und ist auch der hellste in der ganzen Konstellation. Dieser Stern ver­körpert einen solchen Weltkoloß, eine ungeheure leuch­tende Sonne, die soweit von uns entfernt ist, daß bis jetzt alle Bemühungen, ihre Distanz von uns genauer zu bestimmen, fruchtlos geblieben sind.

Nach einer jüngeren Mittheilung der Astronomie braucht selbst der Lichtfunke mit seiner unfaßbaren, man möchte sagen, entsetzlichen Geschwindigkeit von 300,000 Kilometer per Sekunde, zum mindesten volle 500 Jahre, um den Weg vom Rigel bis zur Erde zurückzulegen. Es würde daraus nothwendig folgen, daß Rigel oder Orionis mehr denn 30,000,000 Mal soweit entfernt ist, wie unsere Sonne von der Erde. Nach ungefähren Schätzungen des Helligkeitsverhältnisses der Sonne zum Rigel ist nun die Helligkeit des letzteren zum mindesten 40,000 Millionen mal schwächer als die der Sonne. Berücksichtigt man aber die ge­gebene ungeheuere Entfernung des Rigel, so würde aus jenen Daten und zufolge des Gesetzes, daß die Lichtstärke mit dem Quadrate der Entfernung abnimmt, das Resultat sich ergeben, daß Rigel unsere Sonne an Leuchtkraft um mehr als das zwanzigfache übertreffen muß. Wer mag sich eine Vorstellung von einem solchen Sonnenkoloß zu machen? Wenn unser Planetensystem um einen solchen gigantischen Zentralkörper wie Rigel es ist, seine Evolutionen beschreiben müßte, dann würden Merkur, Venus und Erde von der intensiven Gluth geschmolzen und aufgelöst werden. Und wer steht uns dafür, daß im Weltraum solche Prozesse der Auflösung von Weltkörpern in Gas- und Nebelmeere nicht wirklich stattftnden können? Wenn aus ungeheuren Urnebeln sich Welten bildey konnten, so ist es doch auch möglich, daß durch furchtbare Kräfte gewaltigster Natur die rollenden Gestirne sich wieder in Gas- oder Nebelmassen von nicht auszudenkender Größe der Ausdehnung derselben um- wandeln können.....Verfolgen wir eine andere merk­würdige Himmelserscheinung, welche in ihrer Eigenthümlichkeit die bisher als scharf und unzweifelhaft geltende Grenze

wurde, so wollte er sich durch eine Audienz beim Kaiser die Erlaubniß erbitten, die erforderlichen Schritte in der Winter- 1 schen Mordaffäre thun zu dürfen. Die Danziger Polizei- ; direktion, welche inzwischen von diesem Vorfall in Kenntniß gesetzt worden war, ließ den rc. Kemper dnrch einen Kriminal­schutzmann festnehmen und ihn nach Danzig transportiren, wo er zur Beobachtung seines Geisteszustandes der städtischen Krankenstation eingeliefert wurde. Kemper war bereits in Prökelwitz, wo er mehrere vergebliche Versuche gemacht hatte, den Kaiser zu sprechen.

Im Verfolgungswahn aus dem Fenster ge­sprungen ist in Berlin vorgestern Vormittag um 11 Uhr Ä der 45 Jahre alte Schlächter Paul Melde aus der Straße IVa Nr. 4. Der Mann litt schon länger an Verfolgungs­wahn und war bereits seit einem Jahre erwerbsunfähig. Für vier Kinder im Alter von 1 bis 7 Jahren ein weiterer Zuwachs steht bevor mußte seine Frau durch Näharbeiten sorgen, da die Armenunterstützung allein nicht ausreicht. Am Samstag wollte Melde sich mit einem Schlächtermesser den Hals durchschneiden, wurde aber durch seine Frau daran ge­bindert. Während vorgestern Vormittag die drei älteren Kinder auf der Straße spielten und seine Frau mit dem jüngsten allein in der im zweiten Stock des Seitenflügels ge­legenen Wohnung war, riß der Unglückliche mit dem Rufe: Adieu! Lebt wohl! plötzlich das Fenster auf, stürzte sich hinaus und blieb mit gebrochenem Genick auf dem gepflasterten Hofe liegen. Mit einem Lückschen Rettungswagen brachte man ihn nach dem Krankenhaus am Friedrichshain. Als er dort ankam, war er schon todt.

Ein seltener Unglücksfall, der eine Berliner städtische Lehrerin vor einiger Zeit betroffen hat, beschäftigte den Ber- - liner Magistrat in der letzten Sitzung. Im Schulzimmer stürzte nämlich eine schwere Stuckmaffe von der Decke herab, dicht an der rechten Seite der Lehrerin, jedoch ohne dieselbe irgendwie zu streifen. Gleichwohl erlitt die junge Dame eine Schwellung der rechten Gestchtsseite, eine Lähmung des rechten Armes und theilweise auch der rechten Seite. Der Arzt be­scheinigte, daß hier einer der seltenen Fälle von nervöser Auto­suggestion, durch Schreck hervorgerufen, vorliege. Auf Grund dieses Gutachtens beschloß der Magistrat, derVerunglückten" 300 Mk. an Kur- und Pflegekosten zu erstatten.

Ein bestialisches Verbrechen ist in dem Ort Heeger­mühle bei Eberswalde verübt worden. Der Arbeiter Krüger vergewaltigte das zweijährige Töchterchen seiner Wirthin aus Rache dafür, daß die Frau seine Liebesanträge zurückgewiesen hatte; der Unmensch wurde bald darauf ergriffen; die erregte Menge übte indeß, bevor er ins Gefängniß abgeführt wurde, an ihm Lynchjustiz.

Ein für eine bürgerliche Familie seltenes Fest vereinigte in Leipzig die ursprünglich sächsische Familie Heiden­reich, der aber zur Zeit auch eine Reihe von Offizieren sowohl der preußischen als der österreichischen Armee angehört, dort am letzten Sonntag zu einem Familientage. Es galt die Feier des urkundlich beglaubigten 500jährigen Bestehens der Familie, während dessen sie fast ausschließlich in Staatsdiensten, zumeist in Sachsen und Thüringen, thätig war, und mehrere in der Geschichte dieser Länder rühmlich bekannte Männer her­vorgebracht hat. Das Fest, zu dem sich die Theilnehmer bis aus den entferntesten Theilen Deutschlands und Oesterreichs vereinigt hatten, fand seinen Abschluß darin, daß sowohl der Kaiser wie auch der König von Sachsen auf die an beide Herrscher gerichteten Huldigungstelegramme ihren Dank über­mitteln ließen.

Marder nnd Katzen. Aus Hildesheim wird geschrieben: Viel Interesse erregt im Publikum die Katzen­familie mit den drei jungen Mardern, die jetzt im hiesigen Roemermuseum in einem großen Drahtbehälter aufgestellt ist. Die alte Katze säugt nach wie vor die jungen Marder und behandelt sie wie ihre eigenen Jungen. Die Marder sind erheblich größer geworden, fangen an, in Milch aufgeweichtes Weißbrod zu fressen und bewegen sich, wenn auch noch etwas plump, ganz ungenirt herum. Auch die kleinen Katzen spielen noch nach wie vor mit den Mardern, anscheinend allerdings

zwischen Sternen und Nebeln zu verwischen scheint. Im Jahre 1876 wurde ein neuer Stern im Nebelbilde des Schwanes entdeckt. Im Jahre 1877 verrieth das kontinuir- liche Spektrum den Beobachtern einen Stern, der aus einem festen oder flüssigen glühenden Hauptkörper bestand, welcher von einer dichten Atmosphäre umgeben war. Nun hatte der feste Körper entweder zu leuchten aufgehört oder er hatte sich in glühendes Gas verwandelt. Er unterschied sich in seinem Aussehen gar nicht mehr von einem der sogenannten plenetari- schen Nebel. Im Jahre 1880 nahm der Stern wieder ein gewöhnliches, wenn auch sehr schwaches kontinuirliches Spektrum an, wonach wieder ein glühender, leuchtender, fester oder flüssiger Körper vorhanden gewesen sein muß. Aus diesen Vorgängen und Veränderungen ersehen wir, daß eine deutliche Scheidelinie zwischen Sternen und Nebeln nicht gezogen werden kann; in denplanetarischen" Nebeln auf der einen Seite und dengasförmigen Sternen", b. h. solchen, die ein Spek­trum mit Hellen Linien geben, auf der anderen Seite begegnen wir Uebergangsformen, welche dazu dienen, die Kluft zwischen solchen ungeheuren und ihrem Ende nahen Körpern, wie Sirius und dem im Anfangszustande befindlichen schwach leuch­tenden Stoffe, welcher sich um das Trapez des Orion ver­dichtet, zu überbrücken. . . Wir kommen nun zur periodischen Veränderlichkeit der Sterne. Diese Veränderlichkeit ist und bleibt unerklärt. Es wird eben mit Recht darauf hingewiesen, daß die Periodizität der rothen Sterne eine gewisse Analogie mit der Sonnenfleckenperiode habe, und daß wahrscheinlich auch unsere Sonne zu den veränderlichen Sternen gehöre. Es sind indeß alle Grade der Veränderlichkeit vertreten, bis zu dem plötzlichen Anfflammen bis dahin schwacher Sterne oder dem Erscheinen neuer Sterne.

Eine der bekanntesten Erscheinungen dieser Art ist das Aufflammen eines bis dahin unbekannten Sternes in der nördlichen Krone am 12. Mai 1866. Schmidt in Athen hatte im Beginn der Nacht diese Stelle des Himmels^ untersucht und konnte deshalb nachher bezeugen, daß der Stern nicht