29 Mai
Drahtbericbte des „Dan. Hnz."
Der Krieg tu Südafrika.
I Berlin, 29. Mai. Wie ein Telegramm aus Peters- rg berichtet, bringt die „Petersburger Zeitung" die im igenblicke des bevorstehenden Berliner Besuchs der Königin ilhclmina von Holland besonders interessante Nachricht, daß ‘ beiden Buren-Republiken durch ihre Vertreter im Haag, r. Hendrik Müller und Dr. Leyds, sich an den inter- tionalen Schiedshof im Haag gewendet haben, mit dem An- chen, durch einen schiedsrichterlichen Ausspruch den südafrikani- ien Krieg zu beenden. Sie haben sich bereit erklärt, dem usspruch des Schiedsgerichts sich unbedingt zu unterwerfen ,d haben daran erinnert, daß die Republiken immer ge- ünscht haben, solchen Weg der Verständigung zu gehen. Oie Buren Republiken sind die ersten, die den neu be- ündeten internationalen Schiedshof anrufen, sie stellten das Gesuch sofort nach der offiziellen Mittheilung von der Ein- chtung des internationalen Hofes. Diese Mittheilung er- ing an alle Staaten und enthält einen Hinweis auf die Be- tmmung der Friedenskonferenz, wonach die Thätigkeit des )chiedshofes sich auch erstrecken kann auf Streitigkeiten zwischen Staaten, welche die Beschlüsse der Friedenskonferenz nicht nterzeichneten oder zwischen einem solchen Staat und einem, er die Beschlüsse wohl unterzeichnete, wenn beide Parteien .bereingekommen sind, sich an den internationalen Schieds- Gerichtshof zu wenden.
London, 29. Mai. Das Amtsblatt veröffentlicht die Verleihung des Titels eines Freiherrn von London und Kap- tadt an Sir Alfred Milner.
London, 29. Mai. Aus Tarkastad wird gemeldet: Die Buren legen neuerdings eine große Thätigkeit In diesem Distrikt an den Tag. Sie überfielen mehrere Pacht- )öfe und forderten von den Besitzern Freigelder. Von engischer Seite wurden umfassende Maßregeln getroffen, um dieser ßage ein Ende zu machen.
London, 29. Mai. Nach einer Meldung aus Durban ist am 22. Mai General Elliot aus Kronstadt kbmmend in Harrysmith eingetroffen. Er führt 1700 Pferde, 2000 Stück Vieh und 7 Gefangene mit sich.
London, 29. Mai. Wie aus Kronstadt berichtet wird, überraschten die Buren unter Kritzinger den englischen Posten und durchbrachen den Kordon des Generals Blood.
London, 28. Mai. Reuter meldet aus Pretoria vom 27. Mai: Als der Burenkommandant Schoemann mit Familie nnd Freunden gestern eine in seinem Hause als Kuriosität zurückbehaltene Lydditgranate besichtigte, zersprang das Geschoß. Schoemann wurde sofort gelobtet, seine Tochter tödtlich und seine Frau und 2 andere Personen schwer verwundet. Schoemann bemühte sich in letzter Zeit im Interesse des Friedens. Er wurde, nachdem er sich bei der Besetzung Pretorias durch die Engländer ergab, von den Buren gefangen genommen, jedoch bei der Besetzung von Pietersburg von den Engländern befreit. Seit dieser Zeit wohnte Schoemann in Pretoria.
Middelburg, 27. Mai. (Reuter.) Der Vormarsch der vereinigten Buren unter Kruitzinger nach Süden wurde bei Blamboesberg durch die raschen Bewegungen der Abtheilung Gorringe und anderer Abtheilungen unterbrochen. Die Buren wandten sich, als sie den Weg versperrt fanden, nach Nordosten. Heute wurde Kommandant Malan und Leutnant Cloete, die in einem Gefecht mit der Abtheilung Mullins verwundet wurden, als Gefangene nach Cradock gebracht. Malans Kommando wurde zersprengt.
London, 29. Mai. „Daily Mail" meldet aus Kradock: Kommandant Kritzinger hatte bei Marreisberg ein Gefecht mit den Engländern. Die Buren warfen die Engländer zurück und machten 41 Gefangene. Im östlichen Theile Transvaals sind die Buren dem von den Engländern organisirten Kesseltreiben entschlüpft.
Die Ueftplage.
London, 29. Mai. Wie den „Times" aus Hongkong vom 28. d. M. telegraphirt wird, nimmt die Pest eine ernste Gestalt an. Seit einigen Tagen starben täglich mehr als 30 Personen an der Pest.
London, 29. Mai. In Kapstadt sind gestern zwei neue Pestfälle festgestellt worden.
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Berlin, 29. Mai. Das Programm für die Feier der Enthüllung des Nationaldenkmals für den Fürsten Bi s marck ist folgendes: Der Kaiser wird durch ■ den Reichskanzler, den Reichstagspräsidenten und das Denkmals-Komitee empfangen. Nach dem Gesänge der Schulkinder hält der Abg. Dr. v. Levetzow eine Ansprache, in der er das Denkmal dem Reichskanzler übergibt. Die Ansprache des Reichskanzlers schließt mit einem Hoch auf den Kaiser. Die Musik spielt: „Heil Dir im Siegerkranz!" Dann bittet Dr. v. Levetzow um die Erlaubniß zur Enthüllung des Denkmals. Während der Enthüllung spielen die Musikkorps. Im Anschluß daran findet ein Rundgang statt. Beim Verlassen des Festplatzes bringt der Reichstagspräsident ein Hoch auf den Kaiser aus. — Abg. Bassermann hat, nach der „Nationall. Korresp.", in einer Rede in Koburg eine kurze außerordentliche Session des Reichstages zur Erledigung des Branntweinsteuer- Nothgesetzes im September als wahrscheinlich bezeichnet. — Die Meldung, daß den für den 4. Juni angeregten Ministerbesprechungen in Berlin ein ausgearbeiteter Entwurf mit 31 Doppeltarifpositionen unterbreitet werden soll, war eine fette Ente.
Berlin, 29. Mai. Wie aus Schwerin gemeldet wird, wird der Kaiser den Besuch der niederländischen Herrschaften und des Großherzogs am 6. Juni in Schwerin erwidern und im dortigen Schloß Wohnung nehmen.
Berlin, 29. Mai. Nach einem Telegramm der „Lokal- Anzeiger" aus Nom heißt der verhaftete Anarchist, welcher in Schio einen Selbstmord-Versuch beging, Giovanni Pozzan und ist Schlosser. Derselbe hielt sich Jahre lang in der Schweiz auf, aus der er vor einigen Tagen zurückkehrte. Auch in Genua, Mailand, Venedig, Padua verlebte er seine geringen Ersparungen. Die Behörden recherchiren weiter. Es gewinnt
Hanauer Anzeiger. ______ jedoch die Meinung die Oberhand, daß Pozzan an Verfolgungswahn leidet.
Berlin, 29. Mai. Ueber Schiffs-Unfälle wird dem „Berl. Tageblatt" aus Hamburg gemeldet: Der Dampfer Baltimore ist unweit Cap Sable gesunken. Von den 14 Mann der Besatzung ertranken 42. — Die Bark Elise kollidirte infolge Nebel an derselben Stelle mit dem Dampfer Ohio und sank. Ein Matrose wurde gerettet. Die übrigen 13 ertranken. — Das Barkschiff Lady Glady ist auf der Fahrt nach Darien am Clyde mit der ganzen Besatzung untergegangen.
Berlin, 29. Mai. Die Morgenblätter melden: Im Carlshorster Armeejagdrennen stürzte der Leutnant der Garde du Corps, Graf W e st p h a l e n , bei dem Nehmen einer Hürde so unglücklich init dem Pferd, daß er durch Huftritte an Kopf, Schultern und Armen schwer verletzt wurde.
Berlin, 29. Mai. Nach einer Meldung aus Breslau hat der Staatsanwalt beim dortigen Landgericht Dr. Hugo Stumpfe sich durch einen Revolverschuß getödtet.
Speyer, 29. Mai. Die Delegirten-Versammlung des Gesammtverbandes evangelischer Arbeitervereine ist mit einer Ausschußsitzung, Festvorstellung und Begrüßungsabend eröffnet worden. Morgen erfolgen Berichte und Verhandlungen über die Gewerkschaftsfrage.
Budapest, 28. Mai. Dem „Ungarischen Telegraphen- Korrespondenz-Bureau" wird bezüglich der Gerüchte über die Wiederherstellung des österreichisch-ungarischen Eisen- kariells von informirter Seite mitgetheilt, daß das ungarische Eisenkartell seit dem Austritt der staatlichen Werke und der Raschitzaer Werke aufgelöst, daß eine Ausgleichung der Differenzen im Schooße des ungarischen Kartells auch nicht versucht sei und daß es den Theilnehmern des ehemaligen Kartells an einer organisirten Leitung fehle, mit welcher wegen der Anbahnung eines Einvernehmens Fühlung genommen werden konnte.
Budapest, 29. Mai. Der Parteitag der ungarischen Sozialdemokratie beschloß eine Resolution, in welcher die vollkommenste Preß- und Versammlungs-Freiheit gefordert und die Parteileitung beauftragt wird, mit den in Ungarn wohnenden Proletariern der verschiedenen Nationalitäten in Verbindung zu treten, um mit ihnen gemeinsam eine Agitation für das allgemeine gleiche Wahlrecht einzuleiten.
Fiume, 29. Mai. Der italienische Dampfer „San Giusto" mit einer Ladung nach Algier ist an der dalmatischen Küste gescheitert. Weitere Nachrichten fehlen noch.
Abbazia, 29. Mai. Die Kronprinzessin von Schweden ist aus Venedig zum Besuch des Großherzogs von Luxemburg hier eingetroffen.
Rom, 29. Mai. In diplomatischen Kreisen tritt mit großer Bestimmtheit das Gerücht auf, Montenegro werde beim Eintritt des freudigen Ereignisses im italienischen Königshause zum Königreich proklamirt werden, unter Zustimmung von Rußland.
Puris, 29. Mai. Es heißt, daß Delcasse, der gestern nach Paris zurückgekehrt ist, seine Zustimmung zum Empfange einer außerordentlichen marokkanischen Gesandtschaft, von der vollständigen Erfüllung des laufenden französischen Ultimatums abhängig macht. Der „Figaro" erklärt, der jüngste Zwischenfall habe die französische Politik Marokko gegenüber dahin gekennzeichnet, Frankreich wünsche keine militärische Operation in Marokko und es würde sich zu einer solchen nur in zwei Fällen entschließen, wenn der Sultan von Marokko sich als schlechter Nachbar zeigen, oder wenn irgend eine europäische Macht beanspruchen würde, Frankreich das Uebergewicht in diesen Gebieten streitig zu machen. Man werde diese einfache Frage in Tanger und anderswo verstehen.
Madrid, 29. Mai. Kriegsminister Weyler erklärte, daß er ohne besondere Ausgaben drei neue Armeekorps organisiren könne, welches jedes Eingreifen von Seiten eines Feindes gegen die Halbinsel zurückzuschlagen im Stande sein würden. Die Korpsmanöver werden fortan zweimal im Jahre stattfinden.
Lissabon, 29. Mai. Die Auflösung der Kammer ist sicher. Wahrscheinlich wird der Belagerungs-Zustand wegen drohender Arbeiter-Unruhen bis zum Herbst verhängt werden.
London, 29. Mai. Die „Times" melden aus Buenos Ayres vom 28. d. Mts.: Bisher ist der hiesigen, wie auch der brasilianischen Regierung und Uruguay keine amtliche Mittheilung der Vereinigten Staaten betr. Abänderung des vereinbarten Programms für den panamerikanischen Kongreß in Mexiko zugegangen. Sollten die Vereinigten Staaten, wie Chile wünscht, auf Beschränkung der Berathung bestehen, und die freie Erörterung der Schiedsgerichtsfrage ausschalten, so gilt es als sicher, daß Brasilien, Uruguay, Bolivia, Paraguay, Peru und Argentinien dem Kongreß fernbleiben.
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Die Wckkehr aus China.
Mit freudiger Zustimmung begrüßte vor nunmehr fast 10 Monaten das deutsche Volk die vom Kaiser angeordneten Maßnahmen zur Wahrung der deutschen Ehre und der deutschen Rechte in China. Mit nicht minderer Freude ist sicherlich die Pfingstbotschaft ausgenommen worden, daß auf Befehl des Kaisers die Vorbereitungen für die Auflösung des deutschen Oberkommandos sowie die Rückberufung des größten Theiles des ostastatischen Expeditions-Korps getroffen werden sollen. DeutschlandsAufgabe in China ist erfüllt. Die deutsche Politik strebt weder Sondervortheile noch Sonderrechte an, sie verfolgt einzig und allein den Zweck, in Gemeinschaft mit den anderen europäischen Mächten Sühne für das völkerrechtswidrige Verhalten Chinas gegen die Europäer und die Missionare und insbesondere auch für die Ermordung des deutschen Gesandten Freiherrn von Ketteler zu erlangen. Deutschland ist durch die Ermordung seines Gesandten besonders schwer beleidigt und dadurch sehr gegen seinen Wunsch in den Vordergrund der Ereignisse gedrängt worden. Es hat unter Zustimmung der übrigen Mächte eine besondere Sühne für diese Beleidigung zu fordern gehabt.
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Jetzt ist sowohl das, was von den Mächten im Allgemeinen als auch, was für Deutschland für sich besonders als Sühne zu verlangen war, von China in vollem Umfange erreicht. Die an dem Morde beiheiligten Würdenträger sind theils durch Hinrichtung, theils durch Verbannung bestraft; ein besonderes Denkmal ist für den gemordeten Gesandten errichtet; eine Sühnegesandtschaft wird seitens Chinas nach Berlin geschickt werden; die Enschädigungs- forderungen sind als berechtigt anerkannt und es ist die Gewähr für deren Erfüllung geleistet worden; die Aufhebung der Prüfungen ist gesichert; kurzum Alles ist erreicht, was der Reichskanzler seiner Zeit im Reichstage als die in China zu erfüllenden Aufgaben bezeichnet hat. Es war keine leichte Arbeit, welche behufs Erreichung dieser Ziele seitens aller Betheiligten zu erreichen war. Die Militär- und Marine-Verwaltung sah sich zum ersten Male vor die schwierige Aufgabe gestellt, eine so große Expedition weit über See auszurüsten und zu erhalten. Von Heer und Marine wurden die schwierigsten Leistungen gefordert und die gestellten Anforderungen sind glänzend erfüllt worden. Noch schwieriger war die diplomatisch-militärische Aufgabe und am schwierigsten endlich diejenige der Diplomatie selbst. Trotz aller Versuche, welche unternommen worden sind, eine Spaltung unter den Mächten herbeizuführen, ist es gelungen, bis zuletzt die Einigkeit unter ihnen China gegenüber aufrecht zu erhalten und so die befriedigende Lösung der Chinafrage zu ermöglichen. Nachdem diese erfolgt ist, soll kein Mann mehr als unbedingt nothwendig in China belassen und kein weiteres Opfer an Leben und Gesundheit unserer Soldaten und Seeleute gebracht werden. Bald wird das deutsche Volk die nach Erledigung ihrer Aufgabe heimkehrenden Krieger in der Heimath begrüßen können. — Die Telegramme über die Lage in China lauten:
Berlin, 29. Mai. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus Paris depeschirt: Nach hier aus Tientsin eingegangener telegraphischer Meldung hält General Bailloud nach den in der Paotingfuer Gegend besonders bei Nananging gemachten Erfahrungen die ihm zugetheilten chinesischen Regulären für unfähig, ohne europäische Unterstützung dem Räuberunwesen beizukommen. Gleichwohl will Bailloud binnen Kurzem probeweise in den Plätzen Huaillon und Tsintingfu eine chinesische Zivil- und Militärverwaltung einsetzen.
London, 29. Mai. Dem Bureau Laffan wird aus Peking gemeldet: 2500 deutsche Marine-So l- baten haben Befehl, in Abtheilungen nach K i a u t s ch o u abzugehen. 1400 sollten gestern abgehen, 800 marschiren über Land. Die deutsche Kavallerie-Schwadron zu Kalgan kehrte Sonntag nach Peking zurück. 5000 Mann deutsche Truppen I sollen innerhalb zwei Wochen abgehen. Sie kehren nach Deutschland auf zwei Transportschiffen zurück. — Choufu, der ehemalige Kommissar für die Prüfung der EntschädigungsAnsprüche der Missionare, hat den Auftrag erhalten, die Route für die Rückreise des chinesischen Hofes zu bestimmen. Er hat eine Karte für eine Route durch die Provinz Tschili gezeichnet und ein Programm für zeremonielle Vorbereitungen getroffen. Choufu ist fernerhin mit der Austheilung von Rationen und der Besoldung der chinesischen Truppen betraut worden. 4000 derselben haben Schantung verlassen und werden in Peking einquartiert werden.
London, 29. Mai. Nach einer Depesche des „Standard" aus Shanghai vom 28. b. M., brachen 4000 Aufständische aus der Provinz Kweitschau nach Szetechwan auf, wo sie weithin großen Schrecken verbreiten. 3000 aus Jünnan sollen auf dem Marsche sein, um zu ihnen zu stoßen. — Den hiesigen Blättern wird aus Peking vom 28. d. M. gemeldet: Montag gingen 4000 von Juanschikai gesandte chinesische Truppen unter General Tschang aus Schantung nach Peking ab. — Mit der Vorbereitung des Reiseweges für die Rückkehr des Hofes ist Tschoufu, ehemals Kommissar für Missionar- Angelegenheiten, betraut worden. Die Karte der Reiseroute des Hofes durch Tschili ist bereits entworfen, auch das Cere- moniell für dieselbe aufgestellt.
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