Einzelbild herunterladen
 
  

Seit? 2

meister. Die freiwilligen Feuerwehren werden künftighin ein­heitliche Chargenabzeichen, sowie die amtlichen Abzeichen auf dem linken Oberarm tragen, während letztere von den Pflicht­feuerwehren auf der Armbinde angebracht werden. Alle übrigen oben genannten Feuerwehren erhalten eine einheitliche Uniform.

* Uebcrfahren. In der gestrigen Abendstunde er­eignete sich an der gelben Mauer eine Karambolage zwischen einem Einspännersuhrwerk und einem Radfahrer. Der Be­sitzer des Fuhrwerks, S. von hier, fuhr, wie Zeugen bestätigen, auf der falschen Seite der Straße und so kam der ihm ent­gegenradelnde Obergärtner M. aus Kesselstadt, der richtig aus­weichen wollte, zu Fall und unter das Fuhrwerk. Der Radfahrer trug Verletzungen davon und auch das Rad wurde stark beschädigt.

* Wettspiel. Am Sonntag fand auf dem Exerzierplatz ein Wettspiel zwischen der 2. Mannschaft des Hanauer Fuß­ballklubsViktoria 1898" und der 2. Mannschaft der Hanauer Fußballgesellschaft 1899" statt, wobei Viktoria in der ersten Hälfte 1 Goal erringen konnte ^und die Führung bis Halftim behielt. Dann legten sich die Spieler der 99er kräftig ans Werk, das Verlorene wieder gut zu machen und die Stürmer, schön unterstützt durch die Hintermannschaft, erzielten 2 Goal. Das Wettspiel endete mit dem Siege der Hanauer Fußball­gesellschaft 1899: 21 Goal.

* Viehmarkt. Der heutige Viehmarkt hatte sich' eines starken Auftriebs (330 Kühe, 40 Rinder, 75 Kälber, 2 Ochsen) zu erfreuen. Die Qualität des zugetriebenen Viehes war eine vorzügliche, trotzdem kann der Handel als flau be­zeichnet werden.

*

* ** Großauheim, 21. Mai. (Gauturnfest.) Unserem Berichte über das Gauturnfest des Gaues Offenbach- Hanau tragen wir noch nach, daß am Samstag Abend den 8. Juni Sitzung des Kampfgerichts und Sonntag den 9. Juni, mittags 12 Uhr, Turner-Festessen im Saale des Gast­hofes zum goldenen Stern stattfindet.

Aus dem Gerichlssaal.

Sitzung des Schöffengerichts vom 21. Mai.

Das Dienstmädchen S. veranlaßte seine kleine Nichte, ihren Eltern eine Uhr zu stehlen und zu versetzen. Der Erlös von 6 Mk. wanderte zu a/s in die Tasche der Anstifterin, 2 Mk. davon bekam die Kleine, die sich Näschereien dafür kaufte. Für dieses verwandtschaftliche Stücklein erhält die S. 5 Tage Gefängniß. Der Arbeiter Z. von Niederrodenbach fuhr mit einer abgelaufenen Fahrkarte von dort nach hier. Am hiesigen Bahnhof beleidigte er den Schaffner, der seinen Namen fest­stellte, durch unverschämte Aeußerungen. Es wird wegen Be­trug und Beleidigung auf eine Geldstrafe von 30 Mk. gegen ihn erkannt. Der Einspruch des Taglöhners S. gegen ein Strafmandat von 2 Mk., das er bekam, weil er Asche und Kehricht in seinem Hof stehen ließ, wird verworfen. Die Wittwe B. drang in betrunkenem Zustand in das Haus des Einwohners F. ein, um darin zu nächtigen. Sie erhält 1 Woche Gefängniß. Der Schreinermeister W. gerieth mit seinem Hausherrn, dem Küfermeister S., in Wortwechsel, weil Letzterer ihm Vorhaltungen darüber gemacht hatte, daß seine Kinder im Keller an der Wasserleitung Wasser geholt hatten und dabei den Keller voll Wasser laufen ließen. Er packte den S. an der Brust, beschimpfte und bedrohte ihn und warf ihn schließlich gegen einen Schleifstein, so daß der Mißhandelte eine Verletzung am Schienbein davontrug. Der Schreiner­meister erhält 25 Mk. Geldstrafe. Die Milchhändlerin S. verkaufte abgerahmte Milch als Vollmilch, die nur noch einen sehr minimalen Fettgehalt enthielt. Es liegt bei ihr nur eine Fahrlässigkeit vor, da sie die Milch von einem auswärtigen Lieferanten verfälscht erhielt und es unterließ, dieselbe zu unter­suchen. Sie erhält eine Geldstrafe von 6 Mk. Der Mar­morschleiferlehrling G. von Rückingen fuhr mit einem ungiltigen Billet von dort mit der Kleinbahn nach Hanau, was ihm 6 Mk. Geldstrafe einbringt. Der Schneider K. trug mit seinen 2 Knaben einen Korb voll Waaren fort. Auf der Straße vergnügten sich Jungen mit Schneeballwerfen und trafen bei dem Gefecht einen Sohn des K. Dieser hatte den Jungen das Werfen nach ihm mehrmals verboten und zog nach dem Treffer einen der kleinen Schützen am Ohr. Er ist wegen Mißhandlung angeklagt, wird aber freigesprochen, da er sich anders der dreisten Jungen nicht zu erwehren vermochte. Als der Taglöhner H. von Großwansleben hier beim Betteln ertappt wurde, beleidigte er den ihn arretirenden Schutzmann durch unfläthige Redensarten. Es wird auf 5 Tage Haft wegen Bettelns und auf 14 Tage Gefängniß wegen Beleidigung gegen ihn erkannt.

Uereinsnachrichte«

für Mittwoch den 23. Mai.

Kunstverein: In der Aula der Königl. Zeichsnakademie: Ausstellung von Gemälden, Zeichnungen rc.; geöffnet von vormittags 10 bis nachmittags 5 Uhr.

Evang. Männer- und Jünglingsverein: Posaunenblasen (Evang. Ver­einshaus).

Kaufmännischer Verein Hanau: Generalversammlung im Restaurant Mohr.

GesellschaftTreu beim Alten": Zusammenkunft in derBrauerei Orschler".

Turn- u. Fechtklub: Fechten und Turnen der Männerabtheilung.

Arends'scher StenographenvereinApollobund" (Gasthausz. Grafen Philipp Ludwig'): Vereinsabend.

Thaler-Klub: Zusammenkunft in den3 Hasen".

Christlicher Arbeiterverein: Gesangstunde im Vereinslokalzum Ele« phanten".

Hanauer Schützenverein: Vereinsabend imRestaurant Mohr." Handwerker-Bezirksverein: Zusammenkunft in derAllemania".

Freiwillige Feuerwehr: 1. Komp, imgoldnen Herz"; Steiger-Korps in derBrauerei Beck .

Männerabtheilung der Turngemeinde: Turnen.

VerßeigrVrr«8S° â. KaL-mdsr

für Donnerstag den 23 Mai. .

..Angebote auf Uebernahme der Arbeiten und Lieferungen zum Neu­bau zweier Focstergehöfe für die Schutzbezirke Mernes-Ost und Mernes- West bei Merkes sind bis vormittags 10 Uhr an den Königl. Baurath Herrn Bocumüller in Gelnhiusen einzureichen (s. N:. 109JHan.

Hmvmer Anzeiger

Anz."). Offerten auf Uebernahme der Kohlenlieferung für die Kohlenkasse im Schwarzen Bären" sind bis abends 8'/» Uhr im Gasthauszum schwarzen Bären" abzugeben.

Hue aller «leit.

Neber die Entschädigung der Verletzten beim Eisenbahnunglück, das sich zu Heidelberg am 7. Oktober v. I. ereignete, hat die großherzoglich badische Eisen­bahnverwaltung in den letzten Wochen verschiedene Vergleiche getroffen. Frl. Kölling aus Münster i. W., die damals beide Beine verlor und in den letzten Tagen aus dem akademischen Krankenhause zu Heidelberg entlassen wurde, erhält eine jähr­liche Rente von 6000 Mark oder ein entsprechendes Kapital. Ferner erhielt ein Großhändler in Mannheim, der selbst mit seiner ganzen Familie schwer verletzt wurde, und dessen eine 20 Jahre alte Tochter noch leidend ist, während die um ein Jahr jüngere nur auf Krücken sich bewegen kann und dauernd siech bleibt, eine Abfindungssumme von 225 000 Mark. Zu einem nicht so befriedigenden oder zu gar keinem Ergebniß find bisher die Verhandlungen zwischen der Eisenbahnverwaltung und verschiedenen Heidelberger Verletzten gelangt.

Ein Bräutigam als Lotteriegewinn. Daß ein junger französischer Handelsangestellter, 23 Jahre alt, bei den Eltern wohnend und ohne Privatvermögen, den lebhaften Wunsch empfindet, sich zu verheirathen, darf nicht weiter Wunder nehmen. Daß er zu diesem Zwecke aber folgende Kombination ersinnt, die er der staunenden Mitwelt durch Vermittelung eines großen englischen Blattes mittheilt, das ist schon weit weniger banal. DieTimes", welchen dasGeschäft" in Vorschlag ge­bracht wurde, setzt es ihren Lesern sehr gewissenhaft auseinander, ohne übrigens an den Erfolg zu glauben:Ich habe beschlossen, mich zu verheirathen," schreibt der französische Handelsangestellte, und mache Ihnen folgenden Vorschlag: Ich mache mich zum Lotteriegewinn. Die Gewinn-Nummer, d. h. die diese Nummer besitzende Dame, verpflichte ich mich zu heirathen und ihr den Ertrag der Lotterie als Mitgift ins Haus zu bringen. Wenn Sie meinen Vorschlag annehmen, hätten Sie nur für mich eine wirksame Reklame nach dieser Richtung hin zu machen. Sie nehmen das Geschäft in die Hand, und ich biete Ihrem ge­schätzten Blatte 40,000 Mark als Entschädigung, vorausgesetzt, daß das Geschäft zu einem gedeihlichen Ende geführt wird. Es müßten im Ganzen 25,000 Lotterieloose ausgegeben werden zum Preise von 20 Mark für das Loos. Wenn nach der Lotterieziehung die Gewinnnummer mir nicht gefallen sollte, behalte ich mir das Recht vor, die Gewinnerin abzulehnen und sie durch eine Summe von 32,000 Mark schadlos zu halten. Wer ein Lotterie-Loos nimmt, muß sich dieser Bedingung unter­werfen. Wenn mein Angebot angenommen wird, müssen Sie mir sofort antworten und die ersten Schritte thun. Ich gebe Ihnen Frist bis Ende Juni. Wenn Sie die Sache in die Hand nehmen wollen, werde ich Ihnen mit meiner Photographie alle amtlich beglaubigten Papiere, die Sie etwa nöthig haben sollten, zugehen lassen. Bis dahin möchte ich mein Inkognito nicht preisgeben. Die Sache ist sehr ernst und entspringt nicht dem Hirn eines Schwindlers." Der Vorschlag des französischen Handelsangestellten verdient die höchste Bewunderung: er läßt auf einen erfindungsreichen, genialen Kopf schließen, der um Mittel zur Erreichung irdischer Glückseligkeit nicht verlegen ist. Das Prinzip der Lotterie, angewandt auf Herzensangelegen­heiten, das ist eine wunderbare Erfindung, die vollständig in den Rahmen des 20. Jahrhunderts hineinpaßt.

Der Goldbarren-Finder von Bremerhaven ist wieder da! Kapellmeister Magers vom LloyddampferKaiser Wilhelm der Große", der, wie wir meldeten, die vom Dampfer verschwundenen Goldbarren wiederfand und dann verschwand, hat sich wieder eingefunden. Ueber seine Excurston erzählt er eine abenteuerlich klingende Geschichte. Beim Verlassen des Dampfers will er auf dem Wege zu seiner Braut von einem ihm unbekannten Mann angesprochen worden sein und seit­dem sein klares Bewußtsein verloren haben! Erst zwei Tage später ist er durch eineu Sturz ins Wasser wieder zu sich gekommen, er sah sich nun gerettet in Amsterdam . . . Der ziemlich bedeutende Geldbetrag, den er bei sich geführt habe, sei, so behauptet er, verschwunden ge­wesen, ein Monogramm aus seinem Ueberzieher entfernt wor­den, auch hätte man versucht, ihn durch Beschneiden des Bartes unkenntlich zu machen. Da ihm alle Mittel fehlten, will er sich zu Fuß von Holland nach Bremerhaven durchgeschlagen haben. Magers behauptet steif und fest, das Opfer eines Hypnotiseurs geworden zu sein. Was Wahrheit und was Dichtung an der merkwürdigen Geschichte ist, läßt sich schwer seststellen. Der Mann macht jedenfalls den Eindruck eines Märchenerzählers par excellence.

Drabtbericbte desDan. Hnz.

Die Wirren in China.

London, 21. Mai. (Unterhaus.) Unterstaatssekretär des Aeußeren Lord Cranborne gibt in Beantwortung verschie­dener Anfragen eine allgemeine Erklärung über die chinesischen Angelegenheiten ab. Redner bemerkt einleitend, daß er bedauere, dies thun zu müssen, denn eine solche Erklärung erscheine als eine ziemlich feierliche Angelegenheit und in Wirklichkeit sei gar nichts Feierliches an der Sache. Die Frage, welche die Regierung bei den Verhandlungen neuerdings am meisten interessire, sei die der Entschädigung. Er habe dem Hause bereits mitgetheilt, daß es nach Ansicht der Regierung von Wichtigkeit sei, bei der Festsetzung des Betrages und der Zahlungsweise der Ent­schädigung im Auge zu behalten, daß Englands Handels­interessen in keiner Weise benachtheiligt werden. Die Absicht der Regierung sei, die Entschädigungsforderungen zu mäßigen und dafür Sorge zu tragen, daß sie die Interessen des Handels nicht beeinträchtigen. Ja dieser Absicht habe die Regierung unabänderlich die Erhöhung der chinesischen Ein­fuhrzölle auf 10 Prozent vom Werthe als Mittel, eine Sicher­heit für die Leistung der Entschädigung zu schaffen, bekämpft. Sie habe es abgelehnt, irgend welchen derartigen Vorschlägen zuzustimmen und erklärt, daß England zu einer solchen Herauf­setzung der Zölle lediglich in Verbindung mit den Handel

___________________________22. Mai l berührenden Verbesserungen im chinesischen Finanzwesen, wi die Abschaffung der Likin-Abgaben bereit sein würde. War die Herabsetzung der Entschädigungssumme betreffe, so hab sich dies als eine schwierige Angelegenheit erwiesen. Man müsse sich gegenwärtig halten, daß es mehr als einen Wex gebe, um solche Ermäßigungen zu erreichen und daß dir Zahlungsweise für die Beantwortung der Frage, wie schwel China belastet sei, wesentlich mit in Betracht komme. Alk eine Anfrage erklärt Cranborne, der britische Generalkonsu in Tientsin berichtete, am 4. Mai fuhr ein Schlepp-Leichter­schiff, welches die englische Flagge trug, die deutsche Ponton­brücke an. Die deutschen Soldaten hätten auf den Schlepper gefeuert und 2 Chinesen verwundet. Später seien sie an Bord gekommen und hätten die Mannschaft an Land gebracht, Die Angelegenheit sei durch den in Tientsin kommandirenden britischen General dem deutschen General mitgetheilt. Letzterer drückte in seiner Antwort sein Bedauern über den Vorfall aus und versprach, Maßregeln zu ergreifen, um der Wiederkehr eines ähnlichen Vorgehens für die Zukunft vorzubeugen. Cran­borne führt weiter aus, was den Vorschlag betreffe, daß die Entschädigung mittelst einer vom europäischen Konzert garan- tirten Anleihe bestritten werden sollte unter der gemeinsamen internationalen Garantie, so sei die Verpflichtung der Chinesen, die Entschädigung zu zahlen, unzweifelhaft die gleiche für alle Chinesen und wenn es je nothwendig werden sollte, was hoffentlich nicht der Fall sein werde, Gewalt zur Eintreibung anzuwenden, so würde es die gemeinsame Gewalt aller Mächte sein müssen. Die gegen eine gemeinsame Garantie erhobenen Einwendungen seien so in die Augen springende, daß die Re­gierung nichts damit zu schaffen haben wollte, im Hinblick darauf, daß der englische Kredit höher steht als der irgend einer anderen Macht und England nur einen kleinen Theil der gesammten Entschädigung beansprucht. Es würde wahnsinnig gewesen sein, eine Anleihe gemeinsam zu garantiren. Was die Bestrafung der hochgestellten Beamten, welche für die Ermor­dung von Europäern und den Angriff auf die Gesandtschaften verantwortlich seien, angehe, so seien 6 Personen zum Tode verurtheilt und hiervon 3 hingerichtet worden. Den anderen 3 sei gestattet worden, Selbstmord zu begehen. (Ironisches Gelächter.) 3 Beamte seien verbrannt und zweien nach ihrem Tode die Ehren entzogen. Was die Verbrecher in den Pro­vinzen betreffe, so sei die Bestrafung von 150 Personen ge­fordert. Diese Forderung sei in Betracht des verruchten Charakters der Morde nicht übertrieben und sei von den Mächten, mit Ausnahme Rußlands, gemeinsam gestellt. Im Ganzen träten die Dinge in China jetzt in eine friedlichere Phase. Es sei zu hoffen, daß England in nicht allzulanger Zeit im Stande sein werde, die englische Streit­macht zurückzuziehen. Dies hänge davon ab, wie weit die chinesische Regierung in Erfüllung der zahlreichen Forderungen der Mächte geht. Schon über 3000 Mann britischer Truppen seien angewiesen, die besetzten Gebiete zu räumen. Es sei zu hoffen, daß in nächster Zeit noch eine größere Truppenmacht zurückgezogen werden würde. Was die Tientser Streitfrage betreffe, so werde man sich erinnern, daß die Frage des Rechts­titels einer künftigen Prüfung vorbehalten bleibe. Die britischen und russischen Truppen seien von dem strittigen Punkte zurück­gezogen worden. Am 18. Mai sollten gewisse Aufschriften und Grenzsteine aus dem Boden errichtet worden sein, der von der chinesischen Bahnverwaltung als der ihre beansprucht wird. Wir haben keinen Grund, zu glauben, fährt der Redner fort, daß dies mit Kenntniß der russischen Regierung ge­schehen ist. Es habe sich oft in China ereignet, daß die russischen Behörden Dinge gethan haben, von denen er Grund zu haben glaube, daß sie gegen den Wunsch der russischen Regierung geschehen seien. Die Angelegenheit ist zur Kenntniß der russischen Regierung gebracht, deren Antwort dahin ging, daß die Prüfung dieser Frage verschoben worden sei, bis wichtigere, mit dem englischen Vertreter gepflogene Unterhand­lungen beendet seien. Die Lösung der Frage werde eine Unter­suchung an Ort und Stelle erheischen, die hoffentlich von Er­folg begleitet sei. Das Haus geht alsdann zu einem anderen Gegenstände über.

Berlin, 22. Mai. DerLokal-Anzeiger" meldet aus Peking: Kaum hatten die Franzosen Anfang Mai den von ihnen bisher südlich Paotingfu besetzten Distrikt der Verwaltung des Generals Liu übertragen, als die Boxer-Unruhen wieder anfingen. Liu schlug die Boxer zweimal, wurde aber der Un­ruhen nicht Herr. Eine Boxertruppe, die er verfolgte, ver­suchte vergebens, in die Berge zu flüchten, traf aber dort am 19. Mai zwei deutsche Kompagnien vom 3. Regiment, die sie zurückwarfen Ueber hundert Chinesen wurden getödtet. Starke Boxertruppen stehen bei Anping. Gegen sie mar- schiren von Chingting 2500 Mann chinesische Truppen, denen sofort 1500 Franzosen unter General Bailloud folgten. Bailloud leitet die ganze Operation. In Paotingfu und Tientsin sind alle Maßregeln getroffen, die Boxer zu vertreiben, falls sie das von Deutschen besetzte Gebiet angreifen sollten. Nach den neuesten Bestimmungen werden als Gesandt­schaftswachen in Peking von Deutschland, Frankreich, England, Rußland und Japan je 300 Mann verbleiben, von Italien und Oesterreich je 200, von Amerika 150 Mann. In Tientsin bleiben vorläufig zusammen 6000 Mann, von denen später 4000 Mann zurückgezogen werden. In Shanhaikwan und Tsinantau werden 1500 Mann belassen. Zur Bewachung der Eisenbahn Peking-Shanghaikwan sind neun Posten mit je 300 Mann immer von derselben Nation vorgesehen. Die Posten am Peiho-Fluß werden von Truppen aller Kontin­gente außer Oesterreich und Amerika durch kleine Abtheilungen besetzt werden. Im Ganzen verbleiben 12500 Mann in Petschili.

Der Krieg in Südafrika.

London, 21. Mai. Im Unterhause erklärte Brodrick die Nachricht derRewiew of Rewiews" als durchaus unwahr, daß eine Schildwache Burengefangene auf St. Helena erschoß. Hierauf wird die Berathung der Finanzbill fortgesetzt.

London, 21. Mai. Vor der südafrikanischen Kommission erklärte heute der Vertreter der holländischen Ersatzansprüche, er könne auch heute die von ihm in Aussicht gestellte wichtige Erklärung namens der holländischen Regierung noch nicht ab-