. 15. Mai_______________
Drabtbericbte des „Dan. Hnz.“
Mainkanalisirung.
Berlin, 15. Mai. Wie der Nationalliberalen Korrespon- mz zufolge in unterrichteten Kreisen verlautet, darf ange- ommen werden, daß der Staatsvertrag zwischen Preußen und »ayern wegen der Main-Kanalisirung den beiderseitigen parla- entarischen Vertretungskörpern bereits in der nächsten Tagung ; lgehen wird.
Die Mirren in China.
London, 15. Mai. Die „Times" meldet aus Peking: )ie chinesische Antwortnote in der Entschädigungsfrage war on einer französischen Uebersetzung begleitet, der erste derartige all in der Geschichte der diplomatischen Beziehungen zn hina.
Der Krieg in Südafrika.
London, 15. Mai. „Daily Mail" meldet aus Kap- abt: Der Kommandant Beyer befindet sich in der Um- ebung von Nilstrom mit ca. 400 Mann. Das Kommando efindet sich bereits seit mehreren Tagen in diesem Distrikt und roht die Verbindung abzuschneiden.
London, 15. Mai. „Daily Mail" meldet aus Brüssel, iner seiner Korrespondenten habe einen Brief von der Gattin Zothas gelesen, in welchem sie mittheilt, daß Kitchener sich «reit erklärt habe, den Buren vollständige Autonomie zu gewähren.
London, 15. Mai. „Morning Leader" kritistrt die Haltung der englischen Generale, auf deren Befehl die Farmen »er Buren in Brand gesteckt wurden. Das Blatt bezeichnet liefe Haltung als eine frevelhafte und einer zivilisirten Station mwürdig. Solche Mittel zur Besiegung des Feindes wären nsher nur bei den Wilden an der Tagesordnung gewesen.
London, 15. Mai. „Daily Mail" fordert die Re- fierung auf, dem Kriege, welcher schon so viel Geld ver- tchlungen, durch praktische und energische Mittel ein Ende zu nachen.
London, 15. Mai. Aus Kapstadt wird gemeldet: Der im Fieber erkrankte General French ist auf dem Wege )er Genesung und wird das Kommando bald wieder übernehmen.
London, 15. Mai. Aus Pretoria wird gemeldet: Die Zahl der Unterwerfungen nimmt zu. Die holländischen Ansiedler versichern, daß eine allgemeine Uebergabe für den Anfang des Winters wahrscheinlich ist. Die Nächte sind schon sehr kalt.
London, 15. Mai. Die tägliche Verlustliste der englischen Truppen in Südafrika beläuft sich für gestern auf 3 Todte, 7 Verwundete, 2 Vermißte und 22 an Krankheit Verstorbene. 16 Vermißte sind wieder ins Lager zurückgekehrt.
Eine Rede De1cass«s in der französischen Deputirtenkammer.
Paris, 14. Mai. Das Haus ist ziemlich zahlreich besucht. Guiesse legt die Berichte über den Gesetzentwurf, betreffend die Arbeiterpensionskassen, vor. Castelin richtet an die Regierung eine Anfrage über die auswärtige Politik, zu deren Beantwortung der Minister des Aeußern Delcassö das Wort ergreift, indem er ausführt: Ich habe das Wort erbeten, um eine kurze Erklärung abzugeben, die, wie ich hoffe, die Kammer und Castelin befriedigen wird, der mir von der Bestürztheit Kenntniß gegeben, in die er dadurch versetzt wurde, daß die russische Mittelmeerdivision Toulon fast am Vorabend des Tages, an dem das italienische Geschwader dort eintreffen sollte, verließ, und dadurch, daß sodann diese Division in dem Augenblick in Villefranche erschien, in dem Präsident Loubet sich auf der „Saint Louis" nach Toulon einschiffen wollte. Unser ehrenwerther Kollege bat mich, in der Befürchtung, daß das Land seine Bestürztheit theile, sie zu beseitigen, indem ich eine Erklärung für dieses grausame Räthsel gäbe. Ich kann mich dahin fassen, daß es sich überhaupt um keine Räthsel handelt, und daß das, was in Villefranche geschehen, wie in Toulon, unter dem Schein derselben Sonne vor sich ging, welche diesen gesegneten Fleck französischer Erde beleuchtet. Ebenso — und ich berufe mich dabei auf alle unsere Kollegen, welcher Fraktion der Kammer sie auch angehören, die mit mir über die Feste im letzten Monat gesprochen — war auch der Eindruck, den unser, Land machte, der vollkommener Ruhe und offener Befriedigung im Besuche des Geschwaders. In dem Segenswunsche, welchen der erlauchte italienische Prinz, der das Geschwader befehligte, im Namen des Königs Viktor ■ Emanuel dem Oberhaupte unseres Staates ausgesprochen, hat das Land eine unzweideutige Bekundung der herzlichen Beziehungen gesehen, welche in den letzten Jahren zwischen den beiden Nationen sich entwickelt, die sich in Ursprung und Geschichte befreundet wissen wollen, deren legitime Bestrebungen nirgends verletzen und die darüber klar sind, daß das gleiche Interesse dem gemeinsamen Wohle dient. Ebenso hat das Land in den Kanonenschüssen, mit denen das russische Geschwader bei Villefranche den Präsidenten der Republik begrüßte, als er sich nach Toulon einschiffte, eine neue und bezeichnende Aufmerksamkeit des Kaisers Nikolaus gesehen, der, hoch befriedigt von dem Glücke, das Frankreich widerfuhr, diese so unendlich feinfühlige Art gefunden hat, an dem Glücke Frankreichs theilzunehmen, und der wieder einmal die Festigkeit einer Allianz bekräftigt hat, die die völlige Uebereinstimmung der Politik beider Regierungen in allen Fragen tagtäglich besiegelt, und die vor den Angriffen der Polemik ebenso gesichert, wie über die Tageszwischenfälle erhaben und unwandelbar bleibt, wie die großen nationalen Interessen, deren besten Schutz sie bildet. Und das Land, welches sich auf seinen sicheren Instinkt verläßt, welches sich bei glücklichen Ereignissen nicht mit Sorgen plagt und, um ein Wort Molières anzuwenden, sich nicht mit Gründen der Vernunft herumschlägt, um sich am Genuß des Vergnügens zu hindern, das Land hat sich gefreut über das, was es gesehen hat, als ein neues und mächtiges Motiv des Vertrauens, als wesentlich-n Anlaß, in unbedingter Sicherheit die segensreichen Zeiten fortzuführen, durch welche die Kräfte der Nation, die überall ihrem vollen Werthe nach
__Hanauer Anzeiger.________________ geschätzt werden, noch erhöht werden. Das Land wird Ihnen, meine Herren, dafür Dank wissen, daß Sie seine Anstrengungen durch Ihre legislative Arbeit unterstützen, wie auch die Regierung Ihnen dafür dankbar ist. Sie wird nicht oft genug betonen können, daß es ihr nur durch Ihre dauernde und glänzende Unterstützung möglich geworden ist, mit der Ruhe und der Würde handeln zu können, welche einer großen Nation entsprechen. Namentlich die auswärtige Politik, in der die Franzosen, wie ich voraussetze, nicht die Letzten sein wollen, hat ihre befriedigenden Erfolge. (Beifall auf allen Bänken.) Die Kammer geht hierauf zur Tagesordnung über.
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Berlin, 15. Mai. Dem Bundesrath ist, wie der „Kreuzzeitung" zufolge verlautet, ein Antrag Preußens zugegangen betreffend den Aufruf über die Einziehung der Noten der Frankfurter Bank in Frankfurt a. M.
Berlin, 15. Mai. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus Rom depeschirt: In Croteolona bei Cremona brach in dem Stapelraum der Cocons einer Seidenraupenzüchterei ein Brand aus, der in wenigen Minuten das ganze Haus zerstörte. Im Hause wohnte ein Ehepaar mit 6 Kindern. Die Familie eilte ans Fenster und schrie um Hilfe, als plötzlich das ganze Haus zusammenbrach und die gesammte Familie unter den Trümmern begrub.
Berlin, 15. Mai. Ein Telegramm des „Berliner Tageblatt" aus New-Jork besagt, die kubanischen Dele- girten empfahlen der Konstituante die Annahme der amerikanischen Bedingungen. Ihr Bericht wurde vor einen Ausschuß verwiesen. Die amerikanische Regierung entsandte tausend ausgewählte Lehrkräfte nach den Philippinen.
Berlin, 15. Mai. Wie aus Rom gemeldet wird, wurde der seit Februar havarirt vor Syrakus liegende deutsche Dampfer „Trapani", nachdem er mühsam reparirt worden war, von einem neuen Sturme überrascht und schließlich an den Strand geworfen. Die Lage der Bemannung war überaus kritisch. Doch gelang es der Energie des zweiten Offiziers, Rehbock, eine Raketen Verbindung mit dem Lande herzustellen, wodurch die gcsammte Mannschaft sowie 37 an Bord befindliche Arbeiter gerettet werden konnten. Das Schiff selbst scheint verloren.
Berlin, 15. Mai. Nach einem Telegramm aus Madrid platzte gestern im bischöflichen Palast zu Palma (auf den Balearen) eine Dynamitbombe. Der angerichtete Schaden ist bedeutend. Verletzt wurde jedoch Niemand. Allem Anschein nach bestätigt das Attentat die frühere Nachricht, daß die anarchistischen Agitatoren wieder am Werke seien.
Berlin, 15. Mai. Nach der Nationalliberalen Korrespondenz wird im Reichs Justizamt an der Ausarbeitung von Vorschlägen gearbeitet, durch welche den berechtigten Klagen über den fliegenden Gerichtsstand der Presse begegnet werden soll. Sobald diese Vorschläge eine feste Gestalt gewonnen haben, werden sie den einzelnen Regierungen unterbreitet werden.
Berlin, 15. Mai. Die Morgenblätter melden aus Bromberg: 500 Arbeitslose beschlossen gestern in großer Anzahl, heute bei dem Regierungspräsidenten um Gewährung von Arbeit vorstellig zu werden.
Abazzia, 14. Mai. Der König der Hellenen nahm abends bei dem Königspaar von Rumänien das Diner ein und kehrte sodann an Bord des „Psara" zurück.
Lissabon, 14. Mai. (Kammer.) Bei der heutigen Berathung der von der Regierung eingebrachten Vorlage betreffs Erhöhung der Grundsteuer für kleine Besitzungen stimmte ein Theil der konservativen Majorität unter Führung des früheren Ministers Soao Franco gegen die Regierung. In politischen Kreisen wird diese Spaltung sehr besprochen.
Paris, 15. Mai. Die demokratische Linke des Senats beschloß gestern Nachmittag, das Vereinsgesetz mit den Ab ânderungen der Regierung anzunehmen.
London, 15. Mai. „Daily Telegraph" berichtet aus Genf: Die deutschen Grubenbesitzer, welche die Schweiz bisher mit Kohlen versorgten, haben ihre Preise um 20 Prozent in die Höhe geschraubt. Infolge dessen hat sich in den Vereinigten Staaten ein Trust gebildet, an dessen Spitze der Millionär Rockfeller steht. Dieser Trust verfügt über ein Kapitrl von 1200 000 Pfund St. und bezweckt, der Schweiz die Kohlen zu den bisherigen Preisen zu liefern.
London, 15. Mai. Aus Melbourne wird gemeldet: Die Abfahrt des Herzogs und der Herzogin von Cornwallis .ist auf nächsten Samstag verschoben worden.
Yokohama, 15. Mai. (Reuter.) Ter Kaiser nimmt die Demission des Finanzministers Watanabe an, aber nicht die der anderen Minister. Der Verweser des Kabinetspräsidiums Saiouji ist interimistisch zum Finanzminister ernannt.
Darmstadt, 15. Mai, 12 Uhr 45 Min. (Privattelegramm.) Die Zweite Ständekammer vertagte sich heute auf den 21. Mai, nachdem sie vorh.r noch dem Antrag Hahn, betreffend Errichtung eines neuen Justizpalais in Mainz zugestimmt hat.
Wien, 15. Mai, 12 Uhr 45 Min. (Privattele gramm.) Ein hochoffiziöser Mitarbeiter des hiesigen „Fremdenblattes" bezeichnet die Zusammenkunft der Könige von Rumänien und Griechenland in Abazzia nicht nur als eine Befestigung der freundschaftlichen Bezi Hungen beider Staaten, sondern auch als im Interesse des allgemeinen Friedens.
Abazzia, 15. Mai, 12 Uhr 45 Min. (Privattelegramm.) Der König von Griechenland nahm gestern Abend das Souper bei König Karl von Rumänien ein. Heute begibt sich der König nach Fiume, um dem Erzherzog Joseph einen Besuch abzustatten.
8â.KMoG, gebrannt.
Seite ^ Telegraphischer Kursbericht.
Frankfurt, 15. Mai, 12^4 Uhr.
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