Einzelbild herunterladen
 
  

60

MK., für a«S-

Booantwortl. Redakteur : G. Schrecker in Hanau.

ErMmt tSglich mit S«M»» ><r Ä«»- tmb Dikrt«^» mit MletrWfcr Mage.

i gbebotch uni »rrisSi in s^ Buchdruck«« bei verein. ev.

- ®si^«iW»< IM HaNLU.

»Lrt'ge ^swir^i«! mir bem betreffende« ÄMauffDâz. iw »Midi« to«K fwei 10 Pfg.

EinrücknngSgcSühr:

56»» und Landkreis Hanau 10 Pfg die sülch' g^Pân« Petttzetl» aber deren Raum, für AnSwLrt» 15 Pfg^ im Reklamentheil die Zeit« 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.»

De^.rpeeis :

Merreijâhrlich ID) Dir, mansUich

Rl. 104. BkjirkS-Fernsptchmischluß Nr. 98. Samstag den 4. Mai Bkjirks-FerusPrechMlchluß Nr. 98. 1901

.âBaagg^^glil»^ ................................ .....

Amtliches.

Bekanntmachung.

Die Besitzer der noch im Umlauf befindlichen Krankenkassen- marke« älterer Ausgaben mit Aufdruck von

18, 22, 31, 45, 60 und 72 Pfg., sowie Mk. 1., S Mk. 1.20, Mk. 1.75, Mk. 2.50, Mk. 3.35 und Mk. 4.-

werden hiermit zur Einlösung dieser Marken bei unserer Haupt­kaffe bis spätestens zum 8. Juni d. I. aufgefordert.

Vom 9. Juni ab werden die genannten Werthzeichen nicht mehr eingelöst und hiermit gleichzeitig als werthlos erklärt.

Hanau, 8. März 1901.

Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkaffe. Müller,

Vorsitzender. 4175

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: Auf der Ortskrankenkasse liegen geblieben 1 schwarzer, weicher Filzhut und 1 Mütze.

Verloren: 1 Kolben von einer Pumpe. 3 Notiz­bücher und 1 eingeschriebener Brief.

Hanau den 4. Mai 1901.

Die scheidenden JMinister.

Dr. v. Miquel.

Johannes von Miquel ist einer der bedeutendsten Minister gewesen, die das preußische Königreich überhaupt besessen hat. Oester schon sind ihm, zumal von seinen Gegnern, Rücktritts­gedanken nachgesagt worden, zumeist mit Unrecht. Allerdings hat er auch thatsächlich schon früher die Absicht gehabt, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Zweimal hat er im Laufe der letzten Jahre, geplagt von katarrhalischen Affektionen, sein Abschiedsgesuch emgereicht, doch bewogen ihn dann höhere Rück­sichten, noch länger im Rathe der Krone zu verbleiben. Neuer­dings nun hat sich sein Gesundheitszustand erheblich verschlechtert, es stellte sich ein pleuritisches Exsudat ein, sein körperliches Befinden machte ihm die Erfüllung seiner amtlichen Pflichten schwerer und schwerer, und so entschloß er sich, erneut um seine Entlassung aus dem Staatsdienst zu bitten. Daß ihn nebenher auch politische Erwägungen zu diesem Schritte be- I wogen haben, ist wohl kaum zu bezweifeln. Wenn sich der Dreiundsiebzigjährige jetzt wirklich von seinen Aemtern zurück­zieht, so darf er es in dem erhebenden Bewußtsein thun, daß er vollbracht hat, was er sich beim Eintritt ins Ministerium vorgesetzt. Die preußische Steuerreform ist sein Werk, und sie allein würde, wenn nicht seine ganze öffentliche Wirksamkeit, genügen, den Namen Miquel in der Geschichte zu erhalten. Wo wäre ein Werk, an dem Niemand etwas auszusetzen hätte? Auch mit den Miquelschen Steuergesetzen sind nicht alle in allen Einzelheiten einverstanden, aber daß er eine große und nutzbringende That vollbracht, das wird nicht bestritten. Seine Reform hat bewirkt, daß Preußen, wie es zu Beginn des . vorigen Jahrhunderts auch der Fall war, wieder der finanziell bestgeordnete Staat wurde, den sich andere zum Muster nahmen. Die Richtschnur seiner gesetzlichen Maßnahmen war ausgleichende Gerechtigkeit. Einmal sollten mehr als bisher die Bürger nach ihrer Leistungsfähigkeit zu den Leistungen für den Staat herangezogen werden, und dann sollte das fundirte Einkommen schärfer angefaßt werden, als das Arbeitsein­kommen. Das eine wurde durch die Einführung der Selbst­einschätzung erreicht, das andere durch die offiziell Ergänzungs- steuer geheißene Vermögenssteuer. Und wie er die Staats­steuern auf eine gesunde Basis stellte, so gelang es ihm auch mit den Gemeindesteuern. Seine Kommunalsteuerreform führte gleichfalls eine gerechtere Vertheilung der Lasten herbei und beseitigte die übermäßige Höhe der Kommunalsteuerzu­schläge, die so lange in einzelnen Gemeinden bestanden hatte. Wie er vorausgesehen hatte, kam die Durchführung des Grund­satzes der ausgleichenden Gerechtigkeit auch der Staatskasse zugute, die Einnahmen aus der Einkommensteuer haben sich um viele Millionen erhöht. Allein Herr von Miquel war nicht nur Finanzminister, er war auch Vizepräsident des Staatsministeriums und lange Zeit die eigentlich treibende Kraft in diesem. Seine Politik war agrarisch, er betonte stets die Nothwendigkeit, die Landwirthschaft vor dem Untergange zu schützen und vor allem einen kräftigen Bauernstand zu erhalten.

Johannes von Miquel ist ein Mann von ungewöhnlich umfangreichem Wissen, der in praktischer Thätigkeit aus ver­schiedenen Gebieten Erfahrungen gesammelt und dann im

öffentlichen Leben verwerthet hat. Nach Beendigung seiner Studien ließ er sich zunächst in Göttingen als Anwalt nieder, 1865 wurde er Bürgermeister von Osnabrück, 187073 war er Direktor der Berliner Diskonto-Gesellschaft, 187680 wieder Oberbürgermeister von Osnabrück, dann Oberbürger­meister von Frankfurt a. M., wo er am 24. Jnni 1890 zum Finanzminister ernannt wurde. Seine parlamentarische Thätig­keit begann er 1864, als er von drei Wahlkreisen gleichzeitig in die zweite hannoversche Kammer gewählt wurde, 1866 bis 1882 und 18871890 gehörte er dem Reichstage, 1866 bis 1882 gehörte er dem preußischen Abgeordnetenhause als Mit­glied der nationalliberalen Partei an* später dem preußischen Herrenhause. Seine Wirksamkeit in den Volksvertretungen ist bekannt, imm-r vertrat er mit der ihm eigenen Beredtsam- keit den nationalen Gedanken, wie er es schon bei der Be­gründung des deutschen Nationalvereins und in dessen leiten­dem Ausschüsse gethan hatte.

Das Urtheil über einen Mann, der bis zum heutigen Tage im Mittelpunkte des politischen Lebens gestanden hat, kann natürlich noch nicht feststehen. Aber daß er ein hochbe­gabter und erfolgreicher Staatsmann gewesen, der unermüd­lich im Dienste der Allgemeinheit gearbeitet hat, diesen Ruhm wird ihm Niemand streitig machen können.

Minister Freiherr v. Hammerstein.

Freiherr von Hammerstein-Loxten, der gleichzeitig mit Herrn v. Miquel sein Abschiedsgesuch eingereicht hat, ist leit dem Novemder 1894 Landwirthschaftsminister gewesen. Seine Lauf­bahn war von der seines Landsmannes wesentlich verschieden. Denn ihm wurde es nach dem Jahre 1866 sehr schwer, sich mit den neuen Verhältnissen abzufinden, er verharrte längere Zeit in der Opposition. 1885 aber nahm er die Ernennung zum Landrath von Besenbruck an. Damit war das Eis ge­brochen, er konnte erst Vorsitzender des Provinzialausschusses und 1889 Landesdirektor von Hannover werden. An den Verhandlungen zwischen Preußen und dem Herzog von Cumber­land nahm er regen Antheil. Herr von Hammerstein, der am 2. Oktober 1827 geboren wurde, hat wohl nicht die Neigung gehabt, auf den Gang der Politik im Allgemeinen bestimmend einzugreifen, aber er war ein tüchtiger Fach­minister.

Minister Brefeld.

Ludwig Brefeld, der Minister für Handel und Gewerbe, der als Dritter aus dem Staatsministerium ausscheidet, hat die Beamtenlaufbahn durchgemacht und ist in ihr allmählich zur höchsten Stufe aufgestiegen. Er trat 1867 in die Eisen­bahnverwaltung ein, nachdem er vorher einige Zeit als Kreis­richter fungirt hatte. 1871 wurde er als vortragender Rath ins Handelsministerium, 1881 als Direktor ins Ministerium der öffentlichen Arbeiten berufen und in diesem dann zum Unterstaatssekretär ernannt. Im Juni 1886 wurde er schließ­lich der Nachfolger des Ministers von Berlepsch. Herr Bre- seld ist am 21. März 1837 geboren. Auch ihm kann nach­gerühmt werden, ein tüchtiger Ressortminister gewesen zu sein.

Hus ptab und fern.

Marburg, 3. Mai. Heute Nacht entschlief hochbetagt nach einem Leben segensreicher Thätigkeit der ehemalige Direktor unserer Oberrealschule, Herr Dr. H em p f i n g. Noch gestern Abend hatte er in fröhlicher Unterhaltung im Bekanntenkreise gesessen, heute Morgen fand man ihn todt in seinem Schlaf­zimmer.

Fritzlar, 3. Mai. Auf dem Rittergute in Züschen sind 2 polnische Arbeiter an den schwarzen Blattern erkrankt. Ein Unterofzier stürzte aus dem dritten Stock der hiesigen Artillerie-Kaserne und trug lebensgefährliche Verletzungen davon.

FC. Frankfurt, 3. Mai. Die Zahl der Todten des Griesheimer Unglücks ist nun endgiltig auf 24 fest­gestellt. Es wird Niemand mehr vermißt. Arbeiterentlassungen haben keine stattgefunden. Trotzdem geht hier arbeitsscheues Gesindelfechten" unter dem Vorgeben, durch das Griesheimer Unglück arbeitslos geworden zu sein.

FC. Stromberg, 3. Mai. Bei einem hier ausge- brockenen Brande konnte der schwerhörige 84jährige pensionirte Lehrer Schlitthof nur mit Mühe von dem Feuer­tode gerettet werden.

Friedberg, 3. Mai. Bei dem gestern Abend über die Stadt gezogenen, gar nicht heftigen Gewitter schlug der Blitz zwei Mal ein. Einmal in einen Nußbaum in der Nähe 'des Friedhofes und dann in die neuerbaute von Helmolt'sche Hofraithe auf der Warte, dort das Dach, die Fenster, die Wände und einige Balken beschädigend.

Der Kaiser in KchUtz.

(Bon unserem Korrespondenten)

sch. Schlitz, 4. Mai. Die Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers aus dem Schlosse des Grafen Goerz zu Schlitz bedeutet für die Bewohner des gejammten Schlitzer Ländchens jedes Mal eine Reihe von Festtagen. Wie überall im Reiche, schlagen auch hier die Herzen der Bevölkerung dem Herrscher in treuer Liebe entgegen. Von Nah und Fern strömte denn Alles, Jung und Alt, Vornehm und Gering, nach Schlitz, um einmal den Kaiser wieder sehen zu können. Schon am gestrigen Tage prangte das Städtchen in reichem Flaggenschmuck. Eine imposante Ehrenpforte wölbt sich über der Straße, die vom Bahnhof nach dem Städtchen führt. Schon um die achte Morgenstunde ist die nach dem Bahnhof führende Straße von nach Hunderten, ja Tausenden zählenden Menge besetzt. Die ganze Umgebung auf mehrere Meilen in der Runde hat ihre Vertreter gesandt. Viele sind in der eigenartigen Tracht des Schlitzer Landes erschienen. In der Ferne, nach dem Städtchen hin, blitzt und funkelt es im Lichte der Morgensonne, als ob eine große Militärmacht dort aufgestellt wäre. Doch ist dem nicht so. Nur die Messingbeschläge an den Helmen der am Eingänge des Städtchens Spalier bildenden Feuerwehr ver­breiten den Glanz. Die Militärmacht ist einzig durch ein halbes Dutzend Gendarmen vertreten, stattliche Leute in der kleidsamen Uniform der Hessen-Darmstädter. Der Bahnsteig ist menschenleer. Alles hält die Straße besetzt, welche der Herrscher passiren wird. Frau Gräfin Goerz und der junge Erb­graf, Leutnant â la suite des 1. Garderegiments, harren der Ankunft des Monarchen im fürstlichen Wartesalon des Bahn­hofes. Seine Erlaucht der Graf ist dem Monarchen bis Salz­schlirf entgegen gefahren, den hohen Herrn dort zu begrüßen. Um 9 Uhr fährt langsam der kaiserliche Hofzug, bestehend aus 6 Wagen und zwei Lokomotiven, in den Bahnhof ein, begrüßt von donnernden Hurrahrufen der Menge. Leicht und gewandt schwingt sich Kaiser Wilhelm aus dem Wagen, in ritterlicher Weise die Frau Gräfin begrüßend, die militärische Meldung des jungen Erbgrafen entgegennehmend. Der Herrscher trägt Forstuniform, sein Aussehen ist frisch. Dann rollen die prächtigen Equipagen durch die spalierbildende Menge dem Schlosse entgegen. In der ersten sitzt Kaiser Wilhelm, ihm zur Linken Frau Gräfin Goerz, gegenüber auf dem Rücksitz der Graf. Im zweiten Wagen befindet sich Exzellenz General v. Scholl und der kaiserliche Hofmarschall, Freiherr v. Egloff- stein, sowie der Haushofmeister des Herrn Grafen Goerz, Freiher v. Egloffstein, ein Vetter des kaiserlichen Hofmarschalls. Der junge Erbgraf folgt in einer dritten Equipage. In huldvollster Weise dankt Kaiser Wilhelm auf die ihm gebrachten Grüße der Bevölkerung. Das Werfen von Blumen und Bouquets war polizeilich zum ersten Male verboten. Dann wird der kaiserliche Train bis zur Abfahrt des Monarchen, die auf Montag früh festgesetzt ist, in ein Geleise des Bahn­hofs gestellt; die Menge zerstreut sich und nach einer Viertel­stunde liegt die Straße wieder so still und menschenleer da, wie nur je zuvor. Nur im Schlosse des Grafen herrscht ge­schäftiges Leben, zumal es sich diesmal um Familienfeste handelt, nämlich um die Feier der silbernen Hochzeit des Grafenpaares und der Verlobung des Erbgrafen mit einer Prinzessin von Thurn und Taxis.

Dereinsnachrichtr«

1 für Samstag den 4. Mai.

Eisenbahngärtchen": Abends 8 Uhr: Auftreten der Konzerttruppe Pontiller" (4 Damen, 3 Herren.)

Evang. Männer- und Jünglingsverein: Unterhaltung (Evang. Ver­einshaus).

Christlicher Arbeiterverein: Vereinsabend und Mitgliederaufnahme im Vereinslokale zumElephanten'"

Turngemeinde: Kürturnen und Vorturnerstunde.

VereinEinigkeit": Bereinsabend in dergroßen Krone".

KasinoEinttacht" (Vereinslokalzum Braustüb'l"): Vereinsabend, AthletenklubGermania': Vereinsabend (Restauration Wagenbach. Paradeplatz).

FußballklubViktoria": Vereinsabend in derBrauerei Weismantel". Hanauer Fußballgesellschaft 1839": Vereinsabend im Gasthaus .zum Grafen Philipp Ludwig".

Hanauer Fußball- und Cricketklub: Gemüthliches Zusammensein m Alemannia".

StammtischBürgerbräu": Jeden Samstag Abend: Uebung. für Sonntag deu 5. Mat.

Hanauer Schützenvercin: Nachmittags von 2 Uhr ab: Schießen auf den neuen Schießständcn., , , ,

FußballklubViktoria": Nachmittags 3 Uhr: Uebungsspiel auf dem Exerziei platz.

Hanauer Fußball- und Cricketklub: Nachmittags 3 Uhr: UebungS- spiel auf dem Exerzierplatz.

Hanauer Fußballgesellschaft 1899: Nachmittags 3 Uhr: UebungSspiel auf dem Exerzierplatz.

Erster Hanauer Fußballklub 1893: Nachmittags 3 Uhr: UebungSspiel auf dem Exerzierplatz.

Allg. Radfahrer-Verein Union", deutscher Tourenklub (Hauptkonsulat Hessen-Nassau) Rechn ittags 4 Uhr: FrühjahrS-Konsulatstag im RestaurantCarlsberg".