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Zweites Blatt.

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EinrÄcknngsgrbühr:

Für Stadt» und Landkreis Hanau 10 Pfg die fluch» gepalten« Petttzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg* im Reklamemheil die Zeil« 25 Pfg, für Auswärts 35 Pfg.

Wm-ft in der Buchdrucker« bei verein. A»t!ichks Organ für Stadt- ssd Landkreis Kasan.

®ki$<ub»ule6 in H««au.

Erscheint täglich mit Ausnahme her Ssnn- und Fetertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 101.

Bezirks-Ferns-rechanschloß Nr. 98.

Mittwoch dm 1. Mai

Bezirks-Ferusprechanschluß Nr. 98.

1901

politische Rundschau.

In der Budgetkommission des Reichstages wurde gestern zunächst der vom Abg. Grafen Oriola verfaßte Bericht über das Jnvalidenversorgungsgesetz verlesen und ge­nehmigt. Sodann wurde in die Berathung des Entwurfs betr. die Uebernahme der Reichsgarantie für die Eisenbahn Dar-es-SalaamMrogoro eingetreten. Abg. Dr. Hasse (ntl.) fragt an, ob außer von der Deutschen und Dresdener Bank noch andere Offerten eingegangen seien. Kolonialdirektor Dr. Stübel erwiderte, ihm sei von anderen Offerten nichts bekannt. Abg. Dr. Hasse theilt mit, ihm sei Kunde geworden, daß ein bekannter englischer Bahnunternehmer sich gerühmt habe, auch eine Offerte eingereicht zu haben. Wir müßten auf alle Fälle Herren in unserer Kolonie in Ostafrika bleiben. Aufgabe der Kommission sei es, Kautelen zu schaffen gegen das Eindringen fremder Einflüsse. Direktor Dr. Stübel stellt für morgen aus­führliche Erklärungen über die Verhandlungen mit der deutschen Bank und andere Offerten in Aussicht. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Thatsächlich habe Cecil Rhodes vor Jahren bei feiner Anwesenheit in Berlin Pläne bezüglich eines Bahnbaues in Ostafrika geäußert. Das Auswärtige Amt habe sich aber ablehnend verhalten und die Sache aufgeschoben, bis die Mög­lichkeit vorlag, deutsches Kapital für die Bahn zu gewinnen. Inzwischen hätten sich infolge des Burenkrieges die Verhält­nisse in Afrika vielfach geändert, und wie Cecil Rhodes heute denke, wisse er nicht. Abg. Dr. Arendt (Rp.) hat keine Be­fürchtungen, daß das Ausland die Aktien der Bahn aufkaufen könnte, namentlich wenn man dafür sorge, daß möglichst viel kleine Zeichner die Aktien bekommen. Abg. Müller-Fulda wünscht, daß die Deutsche Bank auf ihr Vorrecht verzichte, damit das Reick event, von anderen Bankkonsortien günstigere Bedingungen erlangen könne. Nachdem Oberstleutnant Ger­ding eingehende technische Darlegungen über die Vorarbeiten zum Bahnbau gegeben, wird die weitere Verhandlung auf Mittwoch vertagt.

Die Kanalkommission des Abgeordnetenhauses setzte Dienstag Vormittag die allgemeine Besprechung der Finanzlage bezüglich des Mittellandkanals fort. Die Staatsregierung war vertreten durch die Minister Dr. von Miquel, von Thielen, FFrhr. von Hammerstein u. s. w. Abg. Engelbrecht (fks.) hat zum § 1 II (Betheiligung des Staates an verschiedenen Ver­besserungen 59,995,000 Mk.) bis zu 100,000 Mk. zur Auf­stellung eines Kostenanschlages für einen Kanal vom Dort­mundEms-Kanal über Oldenburg nach der Unter-Elbe be­antragt. Darnach würde die für Verbesserungen geforderte Summe sich auf 60,095,000 Mk. und die ganze Schlußsumme für alle Kanalanlagen auf 399,010,700 Mk. erhöhen. Minister v. Thielen bittet, den Antrag abzulehnen. Der

Feuilleton*

Der JVIai.

Der Mai ist der fünfte Monat des Jahres. Er leitet feinen Namen her von der altrömischen Göttin Maja, die als Beförderin des Wachsthums im Frühling verehrt wurde. Der 1. Mai bringt uns den Anfang desWonnemonds" des wunderschönen Monats," dessen Ruhm von Alters her die Dichter gesungen haben. Was der März kaum andeutet, der April leise verheißen, das bringt der Mai zu üppiger Ent­faltung.

Gesprengt wird an Baum und Strauch die Hülle der Knospen, um Blatt und Blüthe erstehen zu lassen; in immer sastigerm Grün prangen Wiesen und Felder, bunte Schmetter­linge schweben zwischen den duftenden Kelchen einher, das Ge­schmetter der kleinen Sänger in Busch und Hag durchklingt die vom Sonnenglanz verklärte Luft, und der Mensch wandelt beglückt und dankbar zwischen all dem köstlichen Segen, den zu schauen und zu genießen ihm des Schöpfers Güte wieder einmal vergönnt hat. Denn viele Gaben laben nicht nur Auge und Herz, sondern auch Zunge und Gaumen.

" Den würzigen Duft des Waldmeisters vermischt der Mensch mit dem Blute der Reben und erfreut sich des erquickenden Trankes, den er zu Ehren des schönsten Monats Maitrank genannt. Und hinaus in's Freie wollen wir im Monat Mai gehen! Wie singt der Dichter?

. Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;

Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt, So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt!

Freilich ist es nur Wenigen vergönnt, diesem Wandertriebe ohne Weiteres Folge zu leisten und hinaus in die weite, weite Welt zu gehen; aber in bescheidenerm Maße kann und soll Jeder

Nordkanal sei nicht geeignet, den Mittellandkanal zu ersetzen. Die Staatsregierung sei nicht in der Lage, darauf einzugehen. Es sei vielmehr Aufgabe Hamburgs, den Nordkanal vorzu­bereiten, da er für Preußen nicht von besonderer Bedeutung sei.

Aus der Kanalkommission. In der Sitzung der Kanalkommission vom 25. April wurden von dem Minister der öffentlichen Arbeiten v. Thielen folgende Erklärungen ab­gegeben : Die Stellung der Staatsregierung zu den im Laufe der Verhandlungen eingegangenen Anträgen sei durchaus klar; sie sei sowohl in der Gesetzesvorlage wie in besonderen Er­läuterungen und den Kommissionsverhandlungen, im Ganzen und im Einzelnen, in unzweideutiger Weise dargelegt. Die Staatsregierung sei keine Antwort schuldig geblieben, mit Klarheit und Entschiedenheit habe sie ihre Stellung gekenn­zeichnet, z. B. gegenüber den Anträgen wegen der Lippe, der Mosel, des Rhein-Ems-Kanals von Ruhrort über Haneken­fähr rc., wie bezüglich der Anträge des Abg. Frhrn. v. Zedlitz. Es wäre daher unberechtigt, den Vertretern der Staatsregie­rung vorzuwerfen, daß sie ihre Stellung im Dunkeln gelassen hätte. Alle bisherigen Berathungen seien als Vorbereitungen für die demnächstige Abstimmung zu betrachten. Demgemäß habe die Staatsregierung im Sinne der Mehrzahl der Kom­missionsmitglieder zu handeln geglaubt, wenn sie alles Material, das als wissenswerth und maßgebend verlangt sei, vorgelegt und darüber hinaus aus eigener Initiative Material beige­fügt habe. Darin könne dem Vorsitzenden der Kommission indessen zugestimmt werden, ddß die Frage finanziell, wirth- schaftlich und technisch nunmehr so geklärt sei, daß es weiterer Erörterungen bezüglich des Mittellandkanals niche mehr bedürfe. Nachdem die Verhandlungen in dem Jahre 1899 wie die jetzigen mit solcher Gründlichkeit geführt seien, könnten neue Momente kaum mehr angeführt werden. Die Sache s"i so weit gereift und klargestellt, daß eine baldige Abstimmung wohl angezeigt wäre. Der Abg. Äamp habe aus dem seitens der Staatsregierung vorgelegten Material das für seine Ansichten Verwerthbare herausgezogen und daraus Material gegen den Kanal geschöpft. Gewiß sei zuzugeben, daß in einzelnen Verkehrsrelationen der Kanal für die Ermäßigung der Transportkosten keinen Vor­theil biete, aber es blieben so viele Transporte mit zweifel­losem Vortheil übrig, daß hieraus ein Beweis gegen die Nütz­lichkeit des Kanals nicht geführt werden könne. Auch seien die Behauptungen über unzureichende Veranschlagung der Bau- und Betriebskosten nicht zutreffend, diese seien eher zu hoch als zu niedrig angesetzt. Aber mehr als diese Berechnungen spreche für den Kanal der große Nutzen, der allen solchen Gegenden erwachsen ist, die eine Wasserstraße jetzt benutzen. Die Empfänger der auf dem Wasserwege transportirten Güter wüßten diesen Vortheil wohl zu schätzen, auch am Dortmund Ems-Kanal, und könnten nicht zu den nichtintelligenten Leuten

diesem Naturtriebe nachkommen, um draußen in Gottes freier Natur die frische, würzige Luft des Wonnemonats in vollen Zügen einzuathmen, um sich in der erquickenden Frühlings- zracht, im lachenden Sonnenschein Geist und Körper gesund pu baden.

Während dieser Naturtrieb bei uns erwachsenen Kultur­menschen vielfach unterdrückt ist, tritt er bei den Kindern noch unverfälscht zu Tage. Wenn die schillernden Schmetterlinge von Blume zu Blume schweben und die gefiederten Sänger ihr Jubiliren und Tiriliren anstimmen, dann ist es auch vorbei mit demFeinstillesitzen" der Kinder im Zimmer. Wildfröhlich stürmen sie hinaus in die freie Natur, sie springen und Hüpfen wie Lämmlein oder Fohlen, wenn sie aus dem dumpfen Stalle gelassen werden. Auch bei den Thieren be­merkt man, wie tief allen lebenden Wesen der Trieb nach Be­wegung im Freien eingepflanzt ist.

Kunst und Leben.

= Oper. Mit der Aufführung von Albert Lortzings dreiaktiger komischer OperCzar und Zimmermann" haben die Gastspiele des En­sembles des Herrn Direktor Reimann ihr Ende gefunden. Die Wieder­gabe darf als eine recht wohlgelungene bezeichnet werden, denn jeder ein­zelne setzte seine ganze Kraft daran, der letzten Vorstellung den guten harmonischen Einklang zu sichern. Trug derWaffenschmied" trotz der guten Einzelleistungen in seiner Gesammtwirkung und besonders in der Behandlung des Dialogs kein fertiges Gepräge, fo kann der gestrigen Aufführung in der Zusammenwirkung aller künstlerischen Kräfte nur das Beste nachgerühmt werden. Den Stoff zu dieser volksthümlichen Oper- Hat dem Dichterkomponisten die Geschichte geliefert und gleich der Hand­lung des Waffenschmiedes versetzt sie uns in eine vergangene Zeit. Der mächtige Beherrscher aller Reußen Peter der Erste war unter dem simpelen Namen Peter Michaelow nach Holland gekommen, um in Sardem als einfacher Zimmergeselle die Geheimnisse der Schisssbaukunst nach eigener Anschauung zu ergründen und sie seinem Volke nutzbar zu machen. Die Mächte haben nach dem kleinen Orte ihre Vertreter gesandt, um dort den mächtigen Czar unter den Zimmerleuten herauszusinden. Der Schlauheit

gerechnet werden, wenn sie trotz der Gampschen Beweise den Kanal weiter benutzen werden.

Servistarif. In einem durch die Presse gehenden Auf­sätze, der sich mit der bevorstehenden Aenderung der Klassen­eintheilung der Orte beschäftigt, wird behauptet, daß der Ser­vistarif und die Klasseneintheilung der Orte, wie sie im Ge­setz vom 3. August 1878 festgestellt waren, noch keiner Aende­rung unterworfen worden seien, und daraufhin eine Anzahl von Aenderungsoorschlägen gemacht. Die Behauptung beruht auf einem Irrthum. Der Servistarif und die Klassenein­theilung der Orte sind durch das Gesetz vom 26. Juli 1897 neugeregelt. Durch das letztere Gesetz ist überhaupt erst an- geordnet, daß die nächste Revision der Klasseneintheilung der Orte ausnahmsweise nach spätestens 5 Jahren zu erfolgen habe. Das Gesetz vom Jahre 1878 hatte einen Revisions­Zeitraum von 10 Jahren in Aussicht genommen. Wenn also für die nächste Reichstagstagung eine Novelle zu dem Gesetz über den Servistarif und die Klasseneintheilung der Orte zu erwarten ist, so ist sie gerade auf das Gesetz vom Jahre 1897 zurückzuführen.

In einem Spezialfalle hat der Kultusminister, ent­schieden, daß die Anordnung des § 19 des Gesetzes vom 4. Dezember 1899 über die Herabsetzung der an die Elementar- lehrer-Wittwen- und Waisenkasse zu entrichtenden Gemeinde­beträge nur für die Lehrerstellen an den öffentlichen Volks­schulen gilt. In der rechtlichen Stellung derjenigen Mitglieder der Elementar-Wittwen- und Waisenkassen, die nicht dem Stande der öffentlichen Volksschullehrer angehören, ist durch das Gesetz vom 4. Dezember 1899 in keiner Beziehung etwas geändert worden. Diese Mitglieder haben bezw. für dieselben sind nach wie vor unverkürzt alle diejenigen Beiträge an die Kassen zu zahlen, welche die Statuten der Kassen vorschreiben.

Italienischer Senat. In Beantwortung der Inter­pellation Arrivabenes über Arbeits-Einstellungen ländlicher Ar­beiter in der Provinz Mantua erklärte der Minister des Innern: Es handle sich um eine Bewegung, die die Ver­besserung der wirthschaftlichen Verhältnisse zum Ziele habe. In diesem Kampfe dürfe die Regierung weder die Partei des Einen noch des Anderen ergreifen, sondern nur dafür sorgen, daß jeder Partei ihre Freiheit gewahrt bleibe. Die Regierung müsse mit größter Vorsicht handeln, weil irgend ein Fehler die ernstesten Folgen nach sich ziehen und die wirthschaftliche Be­wegung in eine politische umwandeln könnte. Er werde unter allen Umständen die öffentliche Ordnung und die Freiheit der Arbeit aufrecht erhalten und dafür eintreten, daß die Regierung in vermittelndem Sinne einschreite. Niemals werde er ein gewaltsames Vorgehen gegen solche Vereinigungen dulden, die sich bei ihren Bestrebungen innerhalb der Grenzen des Ge­setzes halten. Nach längerer Debatte über die Interpellation

des französischen Gesandten gelingt dieses und er trägt den Preis in Form eines Bündnisses davon. Eine hübsche Liebesgeschichte ist mit Geschick in diese Vorgänge eingeflochten, die sich zwischen der anmulhigen Nichte bei Bürgermeisters und einem anderen russischen Zimmergesellen entwickelt. Eine Reihe prächtig gezeichneter Figuren und ein Reichthum von lieblichen Melodien schmücken diese humorvolle Schöpfung Lortzings; von den Ersteren wollen wir nur den Czar, den Bürgermeister, das Liebespaar Peter und Marie erwähnen, und von Letzteren das einzig schöne Czaren- liedEinst spielt ich mit Szepter und Kronen" undEin flandrisches Mädchen". Daß Herr Ci anda ein vorzüglicher Vertreter für die Czarenrolle sein würde, konnte schon vorausgesetzt werden, seine Wieder­gabe aber hat die Erwartungen noch übertroffen. Er sang und spielte mit der erforderlichen Leidenschaft, sein prächtiger, etwas tiefer Bariton verlor in den erregten Momenten nicht von seinem Klang und in den weicheren Stellen behaupteten Gemüth und Empfindung ihr Recht. Das Czarenlied entfesselte durch den herrlichen Vortrag des Herrn Cianda einen Beifallssturm, der sich nicht eher legte, bis der Sänger die Liebenswürdig­keit hatte, noch einen Vers zu wiederholen. Eine reizende Marie war Frl. Fiedler, die an diesem letzten Abend noch einmal alle ihre liebens­würdigen künstlerischen Eigenschaften ins Treffen führte und dem hiesige» Publikum den Abschied von ihr recht schwer machte. Auch Herr Mar­tins als Peter Iwanow entwickelte noch einmal seinen vollen frischen Humor seiner gelungenen Darstellungsweise und hatte die Genugthuung, im Verein mit Frl. Fiedler durch lebhaften Beifall öfters ausgezeichnet zu werden. In dem Bürgermeister schuf Herr Mannsfeld eine prächtige humorvolle Figur in Gesang und Darstellung, auch er fand die verdiente Auszeichnung. Den französischen Gesandten brachte Herr Schröter mit seinen sympathischen Stimmmitteln zur rechten Geltung und Herr Stephani und Herr Rauschal verkörperten den englischen und rus­sischen Gesandten recht treffend. Frl. Resch hatte sich der kleinen Parthie der Frau Browe auf das Beste angenommen. Herr Kapellmeister H o f- m a n n leitete den musikalischen Theil energisch und sicher. Herr Direktor Reimann hat sich mit seinen Aufführungen ein gutes Gedenken in Hanau gesichert.

Gedankensplitter.

Ein schlechtes Buch wird oft von mehr Menschen verstanden als ein gutes.