Hanauer Anzeiger
1. Mai
stützung der Angehörigen der Kranken, um zu erreichen, daß letztere sich frühzeitig und lange genug ohne Sorge für ihre Familien einer Anstaltsbehandlung unterziehen können, und anderes mehr. Wie wir erfahren, sind in Cassel und Frankfurt bereits über 16,000 Mark laufende Jahresbeiträge für den Verein und dessen Freibettenfonds gezeichnet, sodaß eine gedeihliche Thätigkeit gesichert erscheint. Dieselbe wird für unseren Kreis von ganz besonderer Bedeutung sein, da wir eine eigene Heilstätte noch nicht haben, sondern für unsere Kranken auf Ruppertshain und Oberkaufungen angewiesen sind, und da wir im Bedürfnißfalle zum Bau einer eigenen Heilstätte umsoeher werden schreiten können, wenn durch einen starken Freibettenfonds die Mittel zur Belegung und Unterhaltung der Anstalt gesichert erscheinen. Es ist deshalb zu wünschen, daß Jeder ohne Unterschied der an ihn ergangenen Aufforderung zum Beitritt Folge leisten möge.
* Rezitationsabend. Frau Margarethe Hantke und deren kleine Tochter Elly werden am kommenden Montag den 6. d. M. im Saale der „Centralhalle" einen Rezitationsabend veranstalten. Eine gleiche Veranstaltung erzielte kürzlich in Offenbach a. M. einen recht schonen Erfolg. So lesen wir in der „Offenb. Ztg." : „Das trotz des prächtigen Wetters ziemlich zahlreich im Konzertsaale der Schlosser'schen Liegenschaft erschienene Publikum nahm die Vortrüge sehr dankbar auf. Besonders intereffirten natürlich die Deklamationen der kleinen Elly Hantke, die mit allerliebster Unbefangenheit „Das Erkennen" und „Die Teufel auf der Himmelswiese" von Baumbach vortrug und sich auch durch eine kleine Gedächtnißlücke in dem folgenden Gedicht: „Großmutter Holzsammlerin" nicht aus der Fassung bringen ließ. Frau Hantke erregte viel Heiterkeit mit der Humoreske „Die Versetzung", wobei die charakteristische Wiedergabe der an Asthma leidenden Flau Schnepel besonders belacht würbe. Auch die ernsteren Sachen, das Märchen vom „Wasser der Jugend" von Baumbach und das stimmungsvolle Seidel'sche Gedicht „Die Musik der armen Leute" sprachen recht gut an. Den Schluß bildeten zwei kleine Humoresken in Odenwälder Mundart, die die kleine Elly mit sicherer Beherrschung des Dialekts »ortrug und sich damit die Herzen aller Zuhörer gewann."
* Hanau wird Großstadt. Wie wir vernehmen, plant der Pächter von Beck's Felsenkeller daselbst die Errichtung eines Sommertheaters, in welchem Spezialitäten- Vorstellungen stattsinden sollen.
* Eisenbahngärtchen. Im Eisenbahngärtchen am Westbahnhof tritt von heute an alltäglich die sich eines guten Rufes erfreuende Konzerttruppe „Pontiller" in ihrer Nationaltracht auf. Die Gesellschaft besteht aus 4 Damen und 3 Herren. Jeden Abend neues Programm.
W. Biehmarkt. Dem heutigen Viehmarkt waren bis gegen 8 Uhr 302 Stück zugetrieben, und zwar 1 Pferd, 54 Kälber, 59 Rinder und 188 Kühe. Es war eine Freude, die durchweg schönen Thiere anzusehen, welche bei mittelmäßigen Preisen auch wohl alle ihre Käufer finden werden.
* Prämiirung. Das Viehmarkt-Komitee hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, daß in Verbindung mit dem am 22. Mai stattfindenden Vichmarkte eine große Prä - m i i r u n g für Züchter- und Händlervieh behufs Hebung des Marktes abgehalten werden soll.
Regenstation Hanau des Königl. Preußischen Meteorologischen Instituts zu Berlin.
Im Monat April wurden 18 Tage mit mehr als 0,2 mm Regenhöhe beobachtet. Die größte Niederschlagsmenge in 24 Stunden war am 6. April (gemessen am 7. April morgens 7 Uhr), sie erreichte eine Höhe von 8,2 mm, was gleichbedeutend ist mit 8,2 Liter auf 1 Quadratmeter.
Die Monats-Menge der Niederschläge im April betrug 74,4 mm oder 74,4 Liter pro Quadratmeter.
Gewitter st ation. Im Monat April wurden 2 Gewitter beobachtet. Die Niederschlagsmenge am 11. und 27. April betrug zusammen nur 3,3 mm oder 3,3 Liter auf 1 Quadratmeter.
Der Beobachter:
Jean Jobst.
Telegraphischer Wetterbericht der deutsche«
Scewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 1. Mai,
9 Uhr 35 Min.
W Der Luftdruck ist meist hoch, ein Maximum lagert über Lappland, ein Minimum unter ^56 mm über Südengland. In Deutschland ist das Wetter im Nordosten heiter und ziemlich roorm, jonft trüb und vorwiegend kühl.
Prognose für den 2. Mai: Meist wärmeres und trockenes Wetter wahrscheinlich.
Hus aller Mell.
FW Von einem verheerenden Brande ist Samstag nachmittags die Ortschaft Hennigsdorf, Kreis Osthavelland, heimgesucht worden. Um 3 Uhr brach auf dem Gehöft des Koffäthen Wendtland Feuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff; sämmtliche Baulichkeiten, Wohnhaus, Ställe und Scheune glichen binnen einer Viertelstunde einem Flammenmeer, und die Bewohner mußten sogar die Rettung des Viehes aufgeben. Infolgedessen ist der ganze Viehbestand dem Feuer zum Opfer gefallen. Während man mit der einen nur zu Gebote stehenden Dorfspritze fast gar nichts gegen das entfesselte Element ausrichten konnte, bereitete sich noch weit größeres Unglück für das Dorf vor. Es herrschte ein orkanartiger Wind, und mit einem Male hatten die Flammen auf die entgegengesetzte Seite der Straße hinübergegriffen, wo binnen kurzem eine ganze Reihe von Gebäuden brannte. Jetzt sandte der Gemeindevorsteher Eilboten in die benachbarten Ortschaften, aus denen denn auch Löschhilfe im Laufe des Nach
mittags eintraf. Indeß sind doch sechzehn Gebäude mit dem noch vorhandenen Rest der Ernte, vielen Geräthschaften und Wirthschaftssachen ein Raub der Flammen geworden. Außer dem Wenotlandschen Koffäthengehöft sind noch acht Büdnerstellen zerstört worden. Ueber 50 Personen sind obdachlos; sie haben für den Augenblick bei hilfsbereiten Nachbarn Unterkommen gefunden. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekannt. Der Schaden ist meist durch Versicherung gedeckt.
Eine tragische Hochzeitsnacht. Eine geheimnißvolle Liebestragödie, die sich auf dem Landsitz der Familie Alvarez abgespielt hat, erweckt in ganz Spanien außerordentliches Aufsehen. Die Senorita Regina Alvarez, eine der reichsten Erbinnen Madrids, hatte vor vier Jahren der Werbung eines unbemittelten Offiziers namens Arrovo Gehör geschenkt. Die Eltern der jungen Dame waren zwar mit der Wahl ihrer Tochter nicht recht einverstanden, willigten aber schließlich in die Verlobung, um ihrer Tochter kein Herzeleid zu bereiten. Bald darauf, im Jahre 1897, wurde der Bräutigam mit seinem Regiment nach den Philippinen gesandt. Er unterhielt anfangs mit seiner Braut einen regen' Briefwechsel. Aber im Jahre 1898 hörten seine Briefe plötzlich auf und von dritter Seite wurden seiner Braut allerhand Nachrichten über ihn zugetragen, die nicht geeignet waren, sie in ihrer Liebe und Treue zu dem fernen verlobten zu bestärken. Im vergangenen Jahre wurde die Sennorita Alvarez mit einem jungen Herrn namens Rodolfo Lamas bekannt, der alsbald um sie warb und dem sie auch auf Drängen ihrer Eltern ihre Hand zusagte. Aber bald darauf kam ihr erster Bräutigam in die Heimath zurück. Er hatte auf den Philippinen seine Soldatenpflicht in vollem Maße gethan, war verwundet worden und hatte länger als ein Jahr im Hospital gelegen. Er erklärte, daß er all die Zeit hindurch regelmäßig an seine Braut geschrieben habe, auch als er ohne Antwort blieb, und forderte, daß seine Verlobte Treue um Treue halte. Das Mädchen war auch nicht abgeneigt, ihren zweiten Verlobten wieder fahren zu lassen, aber ihre Eltern wollten nicht. Am Dienstag fand die Hochzeit statt, und am selben Tage noch reiste das junge Paar nach dem Landsitze der Familie der Braut, um dort die Flitterwochen zu verbringen. Am anderen Morgen fand man die junge Frau, noch unausgekleidet, sterbend in ihrem Boudoir liegen. Sie hatte eine tödtliche Wunde am Halse. Vor der Thür ihres Boudoirs lag todt ihr erster Bräutigam, Major Andrea Arrovo. Ein Dolchstich in's Herz hatte seinen Tod herbeigeführt. Der junge Ehemann lag todt in einem Nebenzimmer. Er war durch einen Revolverschuß getödtet worden. Der Revolver fand sich neben der Leiche. Wie sich die Tragödie abgespielt hat, ist noch unaufgeklärt.
Eine ländliche Tragödie, deren Schauplatz die A l t m a r k war, die aber weit darüber hinaus das größte Aufsehen erregte, hat. jetzt einen wahrhaft sensationellen Abschluß gefunden. Vor mehreren Monaten erfolgte wegen dringenden Verdachts des Mordes die Verhaftung zweier wohlhabender bäuerlicher Besitzer, des Landwirths Nickel in Nielebock und seines Bruders, der in Carow bei Genthin ansässig war. Gegen Beide wurde die schwere Beschuldigung erhoben, daß sie vor vierzehn Jahren zu Carow bte bei ihnen dienende Magd ermordet hätten. Das Mädchen sollte mit dem einen Bruder intimen Verkehr gehabt haben und seiner Verehelichung im Wege gestanden haben. Der plötzliche Tod des Mädchens war zwar unter sehr auffallenden Umständen eingetreten, es wurde seiner Zeit aber nichts Gravirendes ermittelt, und man nahm Selbstmord als Todesursache an. Durch merkwürdige Umstände wurde der Verdacht, der im Volksmunde schon gleich nach jenem Ereigniß laut wurde, vor einigen Monaten von Neuem rege und veranlaßte das erwähnte Vorgehen der Behörde gegen die beiden Brüder. Bald nach der Verhaftung beging der eine von ihnen, der Bauer Nickel aus Carow, Selbstmord; jetzt hat auch der andere Bruder im Gefängniß seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Beide haben sich somit dem irdischen Richter entzogen.
Eine „Amulettliga der Liebe." Ein britischer Zweig der „Amuletiliga der Liebe", die den Zweck hat, Liebes- heirathen zu fördern, soll von Mr. Frank Jones Blair aus Boston in London begründet werden. Diese Vereinigung hat großen Erfolg in den Vereinigten Staaten gehabt, und ihre Gönner meinen, daß sie auch in England nothwendig wird. Mr. Blair, der zu diesem Zweck nach London gekommen ist, äußert sich über die Aufgabe und die Methode der interessanten Liga folgendermaßen: „Die Völker gehen zurück, weil es zu wenig Liebesheirathen unter ihnen gibt. Wenn es mehr derartige Verbindungen gäbe, hätte man weniger Verbrecher, mehr und kräftigere Kinder, weniger Ehescheidungen und keine Skandale. Das Ziel der Amulettliga ist es, solche Heirathen zu befördern. Wir organisiren Gesellschaftskreise unter denen, die an unser Ziel glauben, und diese gründen wieder neue Zirkel. Die Heirath schließt nicht von der Mitgliedschaft aus. Das Haupt des Ordens ist der Bostoner Millionär D. B. Hayes, der es sich zum Beruf gemacht hat, das Evangelium der romantischen Liebe und vollkommenen Ehe zu lehren. Wir haben eine Zeitschrift, die sich unseren Interessen widmet. Ich beabsichtige in London ein Bureau zu eröffnen und so schnell wie möglich Zirkel zu gründen. Mr. Hayes, der seinen Reichthum der Sache widmet, liefert reichliche Mittel für die Arbeit, und ich werde sehr bald in Hydepark mit Vorträgen im Freien beginnen."
Telegraphischer Kursbericht.
Frankfurt, 1. Mai, 12^4 Uhr.
Credit 217.—.
Staatsbahn 148.90.
Lombarden 24.40.
Disconto-Comm. 191.50.
Deutsche Bank 205.—.
Handelsg. 154.25.
Dresdner 149 30.
Italiener 96.—.
3 °/o Mexikaner 26.70.
3®/® Portugiesen 26.10.
Tendenz: Ruhig.
4°/o Spanier 72.90. Gotthard 161.—. Schweiz. Nordost 113 80. „ Central 160.50. „ Union 97.—. Jura 100.90. Harpener 180.50. Gelsenkirchener —♦—« Laurahütte 214.—.
Bochumer 199 50.
Banken etwas lebhafter.
Drabtbericbte des „Dan. Hnz.“
Die Lage in China.
Zar Expedition des Oberstleutnants Pavel wird der „N. A. Z." im Anschluß an die schon mitgetheilte ! Darstellung von militärischer Seite noch geschrieben:
Oberstleutnant Pavel brach am 7. Januar von Denking rI wieder auf und marschirte an diesem Tage bis Langshanpu (5 Kilometer westlich Hwailai); am 8. Januar wurde Hsinpaun- gan (9 Kilometer östlich Kiming) erreicht. An beiden Tagen betrug die Marschleistung 25 Kilometer. Major Wyneken war am 7. Januar mit den 40 Mann berittener Infanterie und dem Reiterzug auf Hsüenhwafu vorausgeeilt. ' Er fand die Stadt vom Gegner frei und die städtischen Behörden gegen die einrückende deutsche Abtheilung in jeder Richtung entgegenkommend. Eine Fortsetzung des Vormarsches schien daher dem Oberstleutnant Pavel nicht erforderlich, und er beschloß, nach Peking zurückzumarschiren. Das Detachement erreichte am 9. Januar Shatshöngsze (9 Kilometer westlich Thumu), am 10. Dülin (10 Kilometer östlich Hwailai), am 11. Nankou. Die Marschleistung betrug am 9. Januar nur 9 Kilometer, weil die Truppen in einen heftigen Schneesturm geriethen; am 10. wurden dafür 33, am 11. Januar 34 Kilometer zurückgelegt. Von Nankou rückte Oberstleutnant Pavel über Iangfang durch die Gegend der 60 Dörfer, die kurz vor Weihnachten das ' i Oberkommando um Schutz gegen Räuber gebeten hatten, und stellte hier fest, daß der Aufbruch der deutschen Truppen am 28. Dezember genügt hatte, um den Orten Sicherheit zu verschaffen. Die Tage des Rückmarsches haben von den Truppen, namentlich infolge der inzwischen eingetretenen strengen Kälte, noch außerordentliche Anstrengungen gefordert. Da das Thermometer in jenen Tagen in Peking bis auf — 18 Grad Celsius sank, so wird die Kälte im Gebirge schwerlich viel unter 25 Grad Celsius betragen haben. Demungeachtet kehrte das Detachement Pavel am 14. Januar in vortrefflicher Verfassung nach Peking zurück und hat damit erneut bewiesen, wie gut unsere Soldaten, getragen von frischem, militärischem Geiste, die großen Beschwerden eines Winters im unwirthlichen Hochgebirge und in fremden Verhältnisfen selbst bei starken Leistungen zu ertragen vermögen. Besondere Anerkennung verdient der bereits erwähnte Ritt des Oberleutnans Kirsten von Tsinganpu über Tshitshöng und Thumu. Auf schwierigsten Gebirgspfaden, bei frisch gefallenem Schnee und strenger Kälte hat er mit seinen 20 Reitern in 3^2 Tagen etwa 210 Kilometer zurückgelegt. Was den Erfolg der Expedition betrifft, so hat das Erscheinen der Truppen in Hsüenhwafu und in der Nähe von Kalgan die s. Z. von Graf Aorck angeordneten, zum Theil bereits geleisteten Entschädigungen der französischen Mission in rascheren Gang gebracht und das sichtliche Bestreben der dortigen Behörden festgestellt, die Ordnung aufrechtzuerhalten und sowohl die Fremden wie die eingeborenen Christen zu schützen. Es ist damit erneut bewiesen, daß die j Expedition des Grafen Iorck nach Kalgan ein dauernder Erfolg war. — Auch auf dem Rückwege hat Oberstleutnant Pavels in Hwailai durch Einziehung und Abführung einer von den Staatsbehörden versprochenen Entschädigung zu Gunsten von Christen eingreifen können.
Zu dem Verhalten der Franzosen an der ^chansi-Grenze.
Wir hatten bereits gestern die Ansicht ausgesprochen, daß es taktische Rücksichten waren, die den sofortigen Angriff der Deutschen auf die starken Positionen der chinesischen Truppen an der großen Mauer nöthig gemacht haben. Diese Ansicht wird durch die neuesten Meldungen bestätigt. Dadurch werden aber auch alle Kombinationen hinfällig, die sich auf der Annahme aufbauten, daß die Franzosen in unfreundlicher Absicht die deutsche Expedition bei ihrer Operation im Stich gelassen hätten. Von einer solchen Deutung will man auch in Berliner politischen Kreisen nichts wissen. Ein Berliner Blatt erhielt folgendes Privatkabeltelegramm:
Peking, 30. April. Eilboten hatten bereits hier ganz wunderbare Mittheilungen über die letzten Kämpfe, die Haltung der Franzosen rc. rc. gebracht. Demgegenüber kann ich noch einmal ausdrücklich erklären, daß meine Depeschen darüber auf unanfechtbarer Information beruhen. General Bailloud war in Anbetracht der ganzen militärischen Situation mit dem Vorrücken der Deutschen gegen Kukuan einverstanden und erklärte, daß, wie die Dinge standen, es ein militärischer Fehler gewesen wäre, wenn die Deutschen anders gehandelt hätten. — Hiermit sind auch alle Kombinationen derer zurückgewiesen, die bereits einen inneren Zusammenhang zwischen dem Besuche Delcasses in Petersburg und den Vorgängen an der großen Mauer erwarten wollten.
Berlin, 1. Mai. Nach Veröffentlichung im „Militär- Wochenblatt" ist Generalmajor v. Gayl, Oberquartiermeister beim Armee-Oberkommando in Ostasien, zum Chef des Generalstabes dieses Oberkommandos ernannt worden. — Die „Nationalzeitung" erfährt von zuverlässiger Seite, daß die Annahme einiger Blätter durchaus unrichtig ist, als wäre das Verhalten der Franzosen unter Bailloud bei den Kämpfen gegen Liu ein unthätiges gewesen. Die Franzosen übernahmen als die später Eingetroffenen die Flankendeckung; sie kamen infolge dessen nicht ins Feuer. Eine Ordre zur Zurückhaltung war ihnen nicht ertheilt.
Peking, 30. April. (Reuter.) In der heute früh stattgehabten Konferenz der Generale wurde beschlossen, den Gesandten mitzutheilen, daß Abmachungen betreffs Zurückziehung der Truppen möglich seien, wenn die Gesandten in der Lage seien, die von China als G e- sammtentschâdigung zu zahlende Summe anzugeben und sich die Chinesen zur Zahlung dieser Summe bereit erklärten. Ferner wurde beschlossen, den Chinesen zu gestatten, allmählich die Verwaltung Pekings wieder zu übernehmen, bis die bürgerliche Gewalt wieder ganz in ihren Händen sei und von den Militärs nur passive Oberaufsicht ausgeübt werde. Schließlich wurde in der Konferenz über die Frage berathen, ob das Kommando über die Gesandtschaftswachen in die Hände eines einzigen Offiziers zu legen sei oder ob die einzelnen Wachen unabhängig bleiben sollen.