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Hanauer Anzeiger

29. Avril

* Monatsoper-Hanau. (s tadtthe ater.) Die Direktion macht die Mittheilung, daß Dlenstag den 30. April d I als letzte Vorstellung „Zar und Zimmermann" in Srene acht und zwar als volksthümliche Vorstellung zu kleinen Preisen und glaubt in Wahl dieser Oper dem Wunsche des Publikums entsprochen zu haben. In Hauptparthien sind be- schäftigt die Herren C Mansfeld und Martins, sowie die Dame Fiedler.

* Kreisturntag. Rüdesh eim, 28. April. Unter Vorsitz des 2. Kreisvertreters, Turninspektor Schmuck-Darm- stadt, fand heute Bormittag in der Turnhalle der Turnge- meinde der 63. mittelrheinische Kreisturntag statt, der ungemein zahlreich — von 247 Vereinen mit 396 Stimmberechtigten beschickt war. Nach den Rechenschaftsberichten hat sich der Kreis im abgelaufenen Jahr in auffteigender Richtung ent­wickelt. Er zählte am 1. Januar 18 Gaue, 646 Vereine in 564Orten, 62251 Mitglieder, 23791 ausübende Turner, 8999 Zöglinge, 53252 steuernde Turner, 2479 Vorturner, 31 Frauen-Äbtheilungen mit 720 Turnerinnen, 28 Fecht­riegen. Nur 70 Vereine turnen Nicht im Winter, 46 benutzen Schulturnhallen, 196 sind Eigenthümer von Turnplätzen, 105 besitzen Turnhallen. Fast alle Zahlen bedeuten erhebliche Fort­schritte, die Verminderung der Gesammtmitgliederzahl um 311 ist von unwesentlicher Bedeutung, da sie nur auf eine schärfere Heranziehung der seither vielfach als steuerfrei behandelten Ehrenmitglieder u. s. w. zurückzuführen ist, und ist überdies mehr als ausgeglichen durch die Aufnahme des in obigen Zahlen nicht enthaltenen 19. Gaues, des Bliesgaues mit etwa 2000 Turnern. Der Turnbetrieb hat sich in ruhigen fort­schreitenden Bahnen bewegt. Eine rührige Thätigkeit hat der neu gegründete Turnspiel-Verband entfaltet und recht schöne Erfolge erzielt. Es gehören ihm 23 Kreis vereine an. Der Kassenbericht wies eine Einnahme von 6910,75 M. auf, denen 5544,08 M. Ausgaben gegenüberstehen, so daß ein Vorrath von 1396,67 M. verbleibt. Die Unterstützungskasse vereinnahmt M. 678,73 und gab an 2 Vereine Unterstützungen zu Turnhallenbauten von je 200 Mark. Entlastung wurde ertheilt. — Sodann kam der wichtigste Punkt der Tagesordnung zur Verhandlung, die Neuwahl des Kreisvertreters an Stelle des leider allzufrüh

verstorbenen Rothermel. Einstimmig wurde unter jubeln­dem Beifall der seitherige stellvertretende Kreisvertreter, sturn- inspektor Emanuel Schmuck zu Darmstadt als 1. Kreisver­treter gewählt und zwar vorläufig bis 1. Mai 1903. Die dadurch nothwendig werdende Ersatzwahl eines 2. Kreisvertreters fiel auf den seitherigen 2. Kreisturnwart, Fabrikant Otto L-chatt zu Hanau, wârend eine verschwindende Minderheit ihre Stimmen für den Vorsitzenden des Main-Taunus-Gaues, Kaufmann Bernhard Roth- Frankfurt - Bockenheim abgab. Stadtmüller-Offenbach überbrachte sodann die Einladung für das am 14. Juli ftattfinbenbe Subilâumätreiätur^ zu , ^^^ .......... v.................

Offenbach und berichtete eingehend über bte Vorarbenen. Auf „. b diesem Zwecke aus eigenen Mitteln tOOOOO Antrag des Gaues Rheinhessen, der seine Vertreter m besonders I y 9 L - • - * - • - — ‘

stattlicher Anzahl zum Turntag entsandt hatte, wurde sodann beschlossen, das nächste Kreisturnfest schon im Jahre 1902 abzuhalten, da sonst durch das 1903 stattfindende Deutsche Turnfest zu Nürnberg eine dreijährige Pause bei den Kreisfesten stattfinden müsse. Um die Uebertragung des Festes bewarben sich die Turngemeinde Worms und die Koblenzer Turnerschaft. Worms trug mit etwa 4/s Mehrheit den Sieg davon, bekam jedoch zur Bedingung gemacht, daß das Fest von allen 5 Wormser Turnvereinen gemeinsem abgehalten werden müsse. Eine längere Aussprache rief der Antrag auf Errichtung einer Stiftung für turnerische Zwecke zum Andenken an Rothermel hervor. Allseitig war man mit der Errichtung einverstanden, über den Dtistungszweck jedoch gingen die Ansichten wesentlich auseinander. Während der geschäftsführende Ausschuß die Zinsen zur Ausbildung von Vorturnern verwendet haben wollte, beantragte der Ikaup Taunus-Gau die Errichtung einer Unfallkasse. Man einigte sich schließlich auf einen Antrag der Frankfurter Turnerschaft, wonach die bestehende Unterstützungskasse für Turnhallebauten den Namen Rothermel-Stiftung erhält und durch * freiwillige Beiträge, besondere Verwilligungen des Kreises (für diesmal 100 Mk.) und Erhebung einer besonderen Kopfsteuer von je 1 Pfg. für jedes Mitglied auf die Dauer von 2 Jahren er­heblich verstärkt wird. Auf Antrag der Rheinhessen wird den Gauen mit über 10,000 Mitgliedern eine doppelte Vertretung im Kreisausschuß und der Kreisvorturnerschaft zugebilligt.

Einem Antrag des Kreisausschusses, gemäß den gleichlautenden Bestimmungen der deutschen Wettturnordnung auch bei den Kreisfesten die Geräteübungen 4, die volksthümlichen Hebungen 8 Wochen vor dem Fest bekannt zu geben, wird zugestimmt, zwei weiter gestellten Dringlichkeitsanträgen auf ^Erleichterung der Zulassung zum Sonder-Wettfechten, bezw. Stimmenüber­tragung bei Turntagen, die Dringlichkeit versagt.

* Schweizer Singvögel. Die lustigen Jodler und Triller einer sich „Schweizer Singvögel" nennenden sechs­köpfigen Sängergesellschaft hatten gestern Nachmittag und Abend eine zahlreiche Menschenmenge in die „Wiener Spitz e" gelockt und zu beiden Vorstellungen die Lokalitäten bis auf den letzten Platz gefüllt. Aber nicht bloß schmetternde Jodler und neckende Schnadahüpfeln erfreuten die durch lebhaften Beifall quittirenden Zuhörer und erzeugten eine recht gehobene, ja mitunter ausgelassene Stimmung, sondern auch gemüthvolle Weisen und ergreifende Lieder aus dem frischpulsirenden Schweizer Volksleben wurden in durchweg befriedigender Weise zum Vortrag gebracht. Wir möchten nicht verfehlen, hierdurch nochmals auf die heute Montag Abend in der „Wiener Spitze" ftattfinbenbe letzte Vorstellung obiger Sängertruppe empfehlend

^"Oelgemâ. Im Sack »-s H°t°> zum Rich» ist ,. 2 eine aus Privaibesitz stammende Anzahl »an Oclgemalden ausgestellt, welche thatsächlich eine »-achmng «erdt-nen nnd wallen wir daher nicht >-rf-hl-n, Knnstl,°b,ab.r nns-r-r Stad, daraus ansmerks.m zu machen. Unter den «emalden bchnden sich Landschasten, Stâdteansichten, Genr-dtld-r, jagbftucte oon Malern der R-nz-it, wie Siegen, Bohm, Thama^ Tietz, Mar. Müller jr., bei Sorte, M. Stifter, Bachmann, ©tojnnon und noch vieler Anderer. Die Besichtigung ist den ganzen ^ag Jedermann gern gestattet.

* Bandalismus. Junge Burschen, die sich am Sonn­tag Morgen nach der Bulau begaben, zertrümmerten am Waldweg eine Straßenlaterne.

Zur Griesheimer Katastrophe.

Griesheim, 28. April, vormittags. Um 8'/, Uhr trafen von Frankfurt a. M. kommend die Minister v. Rheinbaben und Brefeld in Begleitung des Oberpräsidenten v. Zedlitz-Trützschler und des Regierungspräsidenten in Wiesbaden, Dr. Wentzel, hier ein und begaben sich sogleich zu Wagen auf den Schau­platz der Katastrophe, welchen sie unter Führung des ersten Direktors der Chemischen Fabrik, Prof. Dr. Lepsius eingehend besichtigten, Erkundigungen über die Entstehungsursache des Unglücks einzogen und Maßregeln zur Verhütung ähnlicher Katastrophen besprachen. Um 10*/^ Uhr reisten beide Minister, sowie der Oberpräsident und Regierungspräsident nach Wies­baden ab. — Die Absperrungsmaßregeln sind heute verschärft worden. Nur wenigen Personen wird mit besonderer Erlaubniß der Direktion gestattet, die Unglücksstätte zu betreten. Die Aufräumungsarbeiten sind noch nicht beendet. Weitere Todte sind bisher nicht aufgefunden. Das Gerücht, wonach ein Schwerverletzter gestern Abend aus den Trümmern geborgen sein soll, ist irrig. — Die Bestattung von 12 Getödteten, 5 evan­gelischen und 7 katholischen, findet morgen Vormittag 10 Uhr in einem Massengrabe statt. Der gleichfalls verunglückte Che­miker Dr. Jacoby ist heute Mittag 12 Uhr unter großer An­theilnahme der Bevölkerung in Bockenheim beerdigt worden. — Grießheim ist heute das Ziel Tausender aus Frankfurt und Umgegend. Die Eisenbahnzüge dorthin sind überfüllt.

Griesheim, 28. April. Im städtischen Krankenhause zu H ä ch st ist «och verstorben Martin Schmidt, der Ver­brennungen am ganzen Körper hatte. Sehr schwer verletzt liegen darnieder: Gustav Eichhorn-Griesheim (Zermalmung- des Armes, der linken Hand, Bruch am linken Bein und Wunde), Frau Gersfeld (Hirnverletzung), Wagner-Höchst (Kontusionen am Bein, Verbrennungen am Körper), Link- Griesheim (Fleischwunden an Armen und Beinen). Ferner liegen im städtischen Krankenhause zu Frankfurt vier bis fünf Leute, im Bürgerhospital Otto Schmidt lebensgefährlich verletzt. Die übrigen Hospitäler melden alle Besserungen im Befinden der Verletzten.

Frankfurt a. M., 28. Aprile Nach dem Ergebniß der heute Nachmittag in Frankfurt a. M. unter Betheiligung der Herren Minister für Handel und Gewerbe und des Innern, des Ober-Präsidenten, des Regierungs-Präsidenten und von Vertretern der beteiligten Kommunen und den be­

troffenen Gesellschaft stattgehabten Besprechung ist erfreulicher Weise zu konstatiren, daß die Mitglieder des Aufsichtsrathes und des Vorstandes der chemischen Fabrik Griesheim- Elektron in weitgehender Weise ihre Fürsorge für die bei der Gries­heimer Katastrophe Verunglückten und deren Hinterbliebenen

Mark bewilligt, auch bei der am 1. Mai stattfindenden Generalversammlung den Antrag auf Bewilligung von zunächst 300 000 Mark gestellt haben, dem zweifellos stattgegeben werden dürfte. — Zugleich hat sich unter bem, Borsitze des Regierungs-Präsidenten in Wiesbaden ein Hilfskomitee gebildet, dem der Landrath in Höchst, der Oberbürgermeister in Frankfurt, der Bürgermeister von Griesheim angehören und das sich weitere Mitglieder kooptiren wird. Dem Komitee hat der Minister des Innern aus Staatsfonds einen Beitrag von 10 000 Mark überwiesen. Weitere Beiträge werden an.

die Adresse des Landraths in Höchst erbeten.

Hd. Frankfurt a. M., 29. April. Gestern Mittag fand auf dem Bockenheimer Friedhofe die Beisetzung deè bei der Griesheimer Katastrophe ums Leben gekommenen Che­mikers Dr. Jacoby unter enormer Betheiligung der Bevölke­rung statt. Anwesend waren u. A. die hiesige Generalität, viele aktive Offiziere, Vertreter des Bezirkskommandos in Höchst, fast sämmtliche Beamte der chemischen Fabrik und die beiden dortigen Kriegervereine. Am Grabe sprachen der Pfarrer von Bockenheim, hierauf der Pfarrer von Griesheim, hierauf im Namen des Aufsichtsraths Geh. Kommerzienrath v. Guaita, der Direktor der chemischen Fabrik Professor Dr. Lepsins, ein Vertreter der Griesheimer Kriegervereine, ein Vertreter der Burschenschaft „Allemania", ein Vertreter des Vereins alter Burschenschaften, außerdem wurde noch eine große Anzahl Kränze unter kleineren Ansprachen am Grabe niedrrgelegt» Die Kapelle des 81. Infanterie-Regiments eröffnete und schlG die Feier durch Trauermärsche.

Drabtbericbte des „Dan. Hnz.“

^ Berlin, 28. April. Die „Vossische Zeitung/ meldet: Die Entscheidung, wann die Ausführungsbestimmungen zum Fleischbeschau-Gesetz dem Bundesrath unterbreitet werden können, erfolgt nach der Rückkehr des Präsidentrn des Reichsgesundheitsamts von seiner Reise.

Berlin, 29. April. Nach einem Telegramm des. „Berl. Tagebl." aus Konstantinopel lauten die Nachrichten aus Yomon fortgesetzt beunruhigend. Der Scheck von Saade ben Hodejda erklärte sich zum Khalifen und ergriff _die Waffen gegen die türkische Garnison. Die umliegenden Stämme stimmten ihm zu. Alle sind mit modernen Feuerwaffen ausgerüstet, die an­geblich von englische« Händlern eingeführt wurden. Das Klima- Fieber fordert unter den Truppen viele Opfer.

Berlin, 29. April. Wie dem „Berl. Tagebl." aus Rom depeschirt wird, verbot laut „Osservaiore Cathoüco , der Va­tikan den französischen Bischöfen, einen Protest gegen beä^b^ vorstehende Ordensgesetz zu veröffentlichen.

Berlin, 29. April. Ein Mitarbeiter oer „Berliner Montags-Zeitung", der in der Rorthumber Kohlen-Industrie eine hervorragende Stellung einnimmt, führte in diesen Tagen mit dem englischen Schatzkanzler eine Unterredung über den Zucker-Einfuhr- und den Kohlen-Ausfuhr-Zoll. Hierbei betonte der Schatzkanzler, daß die jetzt getroffenen Maßnahmen nicht als eine Abkehr vom Freihändler-System aufgefaßt io erben dürften und erklärte, daß die Regierung für die Wiederher­stellung des alten Zustandes eintreten werde, sobalo es die finanzielle Lage des vereinigten Königreichs irgetib gestatte.

Berlin, 29. April. Dem Schl iftsteller Adolf Brandts der bekanntlich am 9. Juni v. I. weg en Beleidigung des Ab­geordneten Dr. Lieber zu einem Jah r Gefängniß verurtheilt wurde,. sind jetzt nach der „Welt am 1 Nontag" auf besonderen Wunsch Dr. Liebers drei Monate seiner Z Nrafzeit erlassen worden.

Berlin, 29. Aprile Gestern Vormittag, unternahm der Kaufmann Bais, der in der Akkumu latoren-Fabrik von Röse u. Co. als Prokurist thätig ist, eine A u t o m o b i l f a h r t- Als er aus dem Thor gefahren war, f etzte sich ein halbwüchsiger Bursche auf das Gefährt. Um densel!ten zu vertreiben, drehte sich Bais um, verlor aber dabei b ie Herrschaft über seinen Wagen. Dieser raste mit voller Ge schwindigkeit gegen einen. Straßenbahnwagen. Bais kam unter den Straßenbahnwagen zu liegen und wurde zermalmt. Sei n Begleiter erlitt schwere Verletzungen. Den Straßenbahnwage nführer trifft keine Schuld.

Fulda, 29/ April,. 12 Uhr 4' 3 Min. (Privattele- gramm). Minister Rheinbai jen und Oberpräsident Graf Zedlitz sind um 12 Uhr h ter eingetroffen zur Be­sichtigung der Stadt und deren Sehenswürdigkeiten. Die Abreise erfolgt-abends.

Darmstadt, 29.. April. Wie die „Darmstädter Zig." meldet, ist Oberst von Wachter, Koi nmandeur des Regimentes von Gersdorff Nr. 80, zu den Adju tanturoffizieren des Groß­herzogs versetzt und mit der Wa hrnehmung der Geschäfte eines Generaladjutanten beauftragt worden.

Erlangen, 28; April. Ge! -eimrath Heinecke hier ist heute Nachmittag gestorben.

Ludwigsburg, 28. April. ‘ zu Anwesenheit des Königs­paares und des Kultusministers ( rfolgte gestern die Grund­steinlegung der neuen Garuisonkir che. Der König begleitete den Hammerschlag mit den Wort en: Gott dem Vater, dem Sohne und heiligen Geiste sei Lob und Preis in Ewigkeit.

Wien, 29/ April. Die ( öerüchte, daß die Kaiserreise nach Böhmen w'eder fraglich gewi -rden sei, werben? von kom­petenter Seite als unbegründet bezeichnet. Die Reise wird ganz bestimmt Ende dieses M snats erfolgen. Der Kaiser wird außer Prag auch Aussig mit seinem Besuche aus- zeichnen.

Wien, 29. April. Der „ Montags-Revue" zufolge be­gibt sich heute der Erzhsrzog Frc mz Ferdinand nach Budapest und wird dort sofort vom Kaiser empfangen werden.

Rom, 28. April. Die „5 Igenua Stefani" meldet aus Armara : Nächsten Dienstag st illen die Vorbereitungen zum Bau einer Telegraphrnlinie so n der Grenze von Ergthrea bis Adis Abeba feeginnen. 5 Die Leitung soll bis Adua. noch vor Eintritt,der Regensze^it fertig gestellt werden.

Paris, 29. Aprile Ueber die Frage eines allgemeinen, Ausstands der Bergarbeiter fund heute in den Bergwerks­distrikten ein Referendum statt. Nach den bis 11 Uhr abends bekannt gewordenen Ergebnissen stimmten im Nordbassin und in Pas de Calais. 15' 984 für und 12 075 gegen den allge­meinen Ausstand, in Möntcau. les Mines bei 936 Stimm­enthaltung 6121; Stimmen füu und 106 Stimmen dagegen, in Car Meaux. bei 1611 Stimmenthaltungen 1720 für und> 567 dagegen, m Decaleiseville Aregron 1563 Stimmen für, 94 dagegen abgegeben. Aus den übrigen Centren liegen die Ergebnisse noch> nicht vor. In vielen Bergwerken kamen die Arbeiter nicht zur Abstimmung; überall herrscht Vollkommen Ruhe.

Paris,. 291 April. Nach dem his> 3 Uhr nachts be­kannt. gewordenen Ergebnisse des Berg-arbeiter-Referendums haben sich ungefähr 22 000 $7»nn für und 14 000 gegen den Gesammtausstand ausgesprochen. Aus zahlreichen Berg­werksämtern fehlen die Abstimmungsergebnisse noch vollständig. Soweit festgestellt werden konnte, haben sehr viele Stimme enthaltungen stattgefunden. Von 1604)00 Stimmberechtigten dürften kaum mehr als 45 900 an dem Referendum theilge­nommen haben. In Monteau les Mines sind- die Bergleute nahezu einmüthig für den Generalstreik eingetreten. Die Minister Millerand und Baudin, die an der Riviera weilten, sind in Folge der ersten Meldung über die Ergebnisse des Referen­dums nach Paris zurückWkehrt.

P<rris, 29. April. Die radikalen Blätter Lritisiren di« Rede Meline's sehr schmf und weisen besrnders darauf hm, daß Meline nicht das geringste Wort' det Tadels für die antirepublikanischen Treibereien der Anhänger Deroulede's gefunden habe. Die konservativen Blätter zollen der Rede große Anerkennung, meinen aber, dast die Politik der Ge­mäßigten nicht mehr der Stimme des Polles entspreche.

Remir^mont, 28. April. Vor einer Versammlung von fortschrittlichen Republikanern hielt Meline eine Rede, worin er die Politik der Regierung lebhaft kritisirte, er macht dieselbe für die Ausstände verantwortlich und wirft ihr vor, das Gesetz gegen die. Kongregationen nur deshalb eingebracht zu haben, um die Mehrheit im Parlament zu erhalten. Meline fügte hinzu, es sei jetzt zwischen der liberalen Republik und der jakobinischen Republik ein Kampf entbrannt. Frankreich werde bald berufen sein, zwischen beiden zu wählen. Die Liberalen wünschen, daß die Besserung des Looses der Arbeiter ihre vor- nehVlichstt Pflicht sei, sie sorgten für Gesetze, die das zum Zweck hätten. Die Hauptaufgabe jedoch, welcher die Liberalen alle ihre Kräfte weihten, sei die der Durchführung des Grund­satzes der Gegenseitigkeit in allen ihren Formen, weil die Gegenseitigkeit allein im Stande sei, in Zukunft endgiltig soziale Probleme ^zu lösen. Am Schluffe seiner Rede äußerte Meline: Während die Parteien Frankreichs sich gegenseitig aufrieben, ließen die benachbarten Völker ihre inneren Zwistig­keiten ruhen, um sich zu sammeln und zu kräftigen, sie wid­meten alle Sorgfalt der Ausdehnung nach außen, sie schienen nur den einzigen Gedanken zu haben, Frankreich auf wirth- schaftlichem Gebiet zu schlagen.

Belgrad, 29. April. Nach hier eingelaufenen Mel­dungen begingen in Altserbien die Albanesen gegen die Christen wieder gröbliche Ausschreitungen. Täglick treffen eine Anzahl flüchtige Familien ein.

Ofsowa, 29. April. Infolge Stein st urzes wurden in bem Kohlenbergwerk Kola mehrere Bergarbeiter gelobtet.

Algier, 28. April. Eingeborene griffen einen aus der Fahrt von Affceville nach Algier befindlichen Güterzug bei