Erstes Blatt.
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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.
General-Anzeiger.
AWtiltzts Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.
Waisenhauses in Hanau.
Erscbeint Täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantivortl. Redakteur: G S ch r e ck e r in hnnaiu
Xr. 99
BezrLks-FernsPrechsMschluß Nr. 98.
Montag den 29. April
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
Amtliches.
I Stadtkreis Danau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Die Militärpflichtigen hiesiger Stadt werden hierdurch aufgefordert, ihre Loosungsscheine binnen 14 Tagen auf dem hiesigen Meldeamts in den Bureauftunden, vormittags von 10—12^2 und nachmittags von 3—5 Uhr, abzuholen.
Hanau den 27. April 1901.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 7232
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Hanau belegenen, im Grundbuche von Hanau, Art. 1129 und 1130, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen
1. (Art. 1129) des Ackermanns Philipp Baumann, Andreas Sohn zu Bruchköbel,
2. (Art. 11 SO) a. des Georg Philipp Baumann zu Bruchköbel zu ideellen V4,
b. des Philipp Heinrich Baumann daselbst, Sohn des zu a Genannten, zu ideellen s/4 eingetragenen Grundstücke:
Art. 1129 Abth. I Nr. 3 TT 23, am Köbler Wald, Wiese, 29 ar 19 qm,
Art. 1130 Abth. I Nr. 2 TT 22, am Köbler Wald, Wiese, 14 ar 40 qm, am 28. Juni 1901, vormittags 9l/4 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14 — versteigert werden.
Hanau den 23. April 1901.
__________Königliches Amtsgericht 2. 7166 Gefundene und verlorene Gegenstände etc. Gefunden: 1 Herrenuhr Nr. 3691 mit Kette. 1 silbernes Bröschchen mit Monogramm. 1 längliches grünes Portemonnaie mit 70 Psg. Inhalt. 1 Packetchen mit Kinderzeug, enthaltend 1 weißes Jäckchen, 2 blaue Schnüre und 2 Stück Tuchzeug für Kleidchen. 1 Messer mit Etuis.
Zugelaufen: 1 großer Hofhund, schwarz und weiß, m. Geschl.; Empfangnahme bei Gastwirth Jakob Müller, Butterstadt.
Entlaufen: 1 dunkelbrauner schottischer Schäferhund mit weißer Halskrause, m. Geschl.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 29. April.
(Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.)
Griesheim, 29. April, 1 Uhr. (Privattelegramm).
Unter riesiger Theilnahme fand heute Vormittag die Beerdigung der in Griesheim wohnhaft gewesenen Opfer der Katastrophe vom Donnerstag statt. Die Leichen waren in einer stehen gebliebenen Halle der Fabrik aufgebahrt. Gegen 11 Uhr setzte sich der Leichenzug in Bewegung. Denselben eröffnete die Musikkapelle des 81. Infanterie-Regiments. Hierauf folgten zahlreiche Vereine Griesheims mit ihren umflorten Fahnen. Den eigentlichen Leichenzug eröffnete die Musikkapelle der Griesheimer Feuerwehr. Hierauf folgte der protestantische Pfarrer von Griesheim und sodann zwei mit schwarzem Tuch überzogene Leichenwagen. Hierauf kam dann der katholische Pfarrer und auf zwei weiteren Wagen die Leichen der katholischen Opfer. Dem Leichenwagen wurden zahlreiche Kranzspenden nachgetragen, darunter besonders diejenige des Ministers von Breseld durch seinen Glanz und Pracht auffiel. Es folgte sodanndie Direktion, Aufstchtsrath und Verwaltungsrath der Fabrik Griesheim, der Regierungspräsident, zahlreiche staatliche und lokale Behörden. Den Zug beendigten die Arbeiter der Fabrik. Der Leichenzug bewegte sich von der Fabrik aus durch die Hauptstraße zu dem eine Viertelstunde außerhalb des Ortes gelegenen neuen Friedhof, wo ein Massengrab aufgeworfen war. Etwas nach ^212 Uhr langte der Zug am Friedhof an, die Musikkapelle intonirte einen Choral, worauf der protestantische und der katholische Pfarrer Leichenreden hielten. Auch Mitglieder der Direktion hielten Ansprachen. Mit einem abermaligen Choral schloß die Feier.
Ludwigshafen, 29. April, 12.45 Min. (Privat- telegramm). In der letzten Woche kamen hier wieder mehrere Unthaten des berüchtigten Aufschlitzers vor. Derselbe wurde gestern Abend durch zwei verkleidete Kriminalbeamte festgenommen, als er mit gezücktem Messer in der Nähe des Rangirbahnhofes in einem Straßengraben lag. Der Unhold ^t ein lediger Arbeiter.
* Bevölkeruugsziffev. Nach den nunmehr vorliegenden, vom königl. statistischen Bureau herausgegebenen vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 stellt sich für den Stadtkreis Hanau das Resultat wie folgt: 2077 bewohnte, 36 unbewohnte Wohnhäuser, 57 andere bewohnte Baulichkeiten rc., 6631 gewöhnliche und Einzelhaushaltungen, 31 Anstalten, 15134 männliche,. 14712 weibliche Personen, zusammen 29846 Personen, darunter 1921 reichsangehörige aktive Militärpersonen. Bei der 1895er Volkszählung betrug die ortsanwesende Bevölkerung 27655 Personen. Von 1895 bis 1900 ergab sich eine Zunahme der Bevölkerung von 2191 Personen oder 7,92 °/o. — Für den Landkreis Hanau stellt sich das Resultat der Volkszählung am 1. Dezember 1900 folgendermaßen: 6852 bewohnte, 105 unbewohnte Wohnhäuser, 23 andere bewohnte Baulichkeiten rc., 10181 gewöhnliche und Einzelhaushaltungen, 70 Anstalten, 24708 männliche, 23714 weibliche Personen, zusammen 48422 Personen, darunter 31 reichsangehörige aktive Militärpersonen. 1895 betrug die ortsanwesende Bevölkerung 42667 Personen. Die Bevölkerung des Landkreises Hanau hat sich demnach von 1895 bis 1900 um 5755 Personen oder um 13,49 °/o vermehrt.
* Hebung der Pferdezucht. Einen wichtigen Beschluß zur Hebung der Pferdezucht im Regierungsbezirk Cassel hat die Pferdezucht-Kommission der Landwirth - schaftskammer in ihrer letzten Sitzung gefaßt, indem sie folgendes „Programm für den Ankauf von Zuchtfohlen" aufstellte : Die Landwirthschaftskammer wird ersucht, zu genehmigen, daß durch eine Abordnung von Pferdezüchtern in Belgien Stutfohlen angekauft und sodann hier öffentlich versteigert werden und zwar unter den folgenden Bedingungen: 1) Jede Pferdezucht-Genossenschaft in Kurhessen gibt die Anzahl der von ihr gewünschten Stutfohlen an; 2) Die Fohlen werden in Hofgeismar im Anfang Juli bei der Bezirksthierschau versteigert, und ist jede Genossenschaft verpflichtet, die von ihr bestellte Anzahl Fohlen auf dieser Auktion zu kaufen, falls dieselben nicht anderweit ohne Schaden verkauft werden können. 3) Der anzubietende Preis wird sich auf 400 Mark stellen. Die Mehrkosten bis zu 100 Mark für jedes Stück wird die Landwirthschaftskammer tragen. 4) Die Genossenschaften sind verpflichtet, die von ihren Mitgliedern gekauften Fohlen innerhalb 14 Tagen nach der Auktion zu bezahlen. Privatpersonen müssen am Auktionstage sofort baar bezahlen. 5) Die Pferde- Zuchtgenossenschaften haben das Vorkaufsrecht. 6) Jeder Käufer ist verpflichtet, bei Meidung einer Konventionalstrafe von 200 Mark, die gekauften Fohlen aufzuziehen und vom dritten Jahre an mindestens 4 Jahre zur Zucht zu benutzen. Thiere, welche sich zur Zucht nicht eignen, können mit Genehmigung des Vorstandes der Pferdezucht-Genossenschaft verkauft werden.
7) Die Pferdezucht-Kommission behält sich vor, eine zu zahlreiche Bestellung von Zuchtfohlen derartig zu kürzen, daß der Zuschuß der Landwirthschaftskammer höchstens 3000 Mark beträgt. Ferner beschloß die Pferdezucht-Kommission, bev^ der Landwirthschaftskammer zu beantragen, den Genossenschaften von dem etwa 900 Mark betragenden Bestände des Staatszuschusses für Pferdezucht aus dem Rechnungsjahre 1900 für jedes Fohlen 50 Mk. zu bewilligen. .
— Obstverwerthuug. In Frankfurt a. M. besteht seit mehreren Jahren eine Zentralstelle für Obstverwerthung, die kostenlos den Ankauf und Verkauf für Obst vermittelt, Ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1900 entnehmen wir eine Zusammenstellung über Nachfrage und Angebot in verschiedenen Obstsorten. Es betrug in:
Obstart
Angebot
Nachfrage
Erdbeeren
30,315 Kilo
228,600 Kilo
Himbeeren
137,045 „
255,150 „
Heidelbeeren
713,650 „
317,335 „
Stachelbeeren
59,815 „
140,295 „
Johannisbeeren
52,755 „
209,390 „
Preißelbeeren
105,150 „
111,475 „
Kirschen
1,460,300 „
852,000 „
Mirabellen
80,450 „
195,500 „
Pfirsiche
99,374 „
126,200 „
Pflaumen
117,325 „
70,100 „
Aprikosen
85,670 „
181,325 „
Reineclauden
82,400 „
295,075 „
Aepfel
6,975,290 „
9,325,375 „
Birnen
1,778,170 „
1,468,125 „
Nüsse
66,875 „
53,245 „
Zwetschen
2,641,190 „
1,951,835 „
Verschiedenes
46,490 „
30,606 „
Summa|
14,532,264 Kilo
1 15,811,625 Kilo
Diese Endzahlen, mit einander verglichen, zeigen, daß die Nachfrage das Angebot absolut um rund 1 Million 300,000 Kilogramm überstieg. Besonders stark war die Nachfrage in Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Mirabellen, Aprikosen, Reineclauden und Aepfeln. Nach der Zusammenstellung hätten von diesen Obstsorten 3 326 970 Kilogramm oder 66 539 Zentner mehr verkauft werden können; bei den Aepfeln allein überstieg die Nachfrage das Angebot um rund 47 000 Zentner, trotzdem große Mengen aus dem Auslande, besonders Böhmen und der Schweiz auf dem Markte lasteten. Diese Zusammenstellung zeigt, klar und deutlich, wie aufnahmefähig der Markt hierin ist und was an Obstsorten und Obst- quantitäten noch bei uns gezogen werden kann und muß. Daß das Angebot in Zwetschen die Nachfrage um etwa 700 000 Kilogramm überstieg, hat seinen Grund in der vorzüglichen Ernte des vorigen Jahres und ist kein Beweis dafür, daß hierin bei uns eine Ueberproduktion eingetreten ist. Hoffentlich geben diese Zahlen den Eingesessenen unseres für 'den Obstbau so besonders geeigneten Kreises Stoff zum Nachdenken und Antrieb zum Handeln; zeigen sie doch, daß nicht nur der Besitzer größerer Ländereien, sondern auch der kleine Mann z. B. durch Zucht von Stachelbeeren und Johannisbeeren seine Bodenrente sehr steigern kann. In unserem Kreise geht man eben mit der Bildung eines Kreisobstbauvereins vor. Am 13. April d. J. ist in einer Versammlung von Interessenten seine Gründung beschlossen und der Vorstand gewählt worden. Wie wir hören, sind von dem Vorsitzenden die Satzungen des Vereins entworfen worden, die eben bei den anderen Mitgliedern des Vorstandes zirkuliren, um von ihnen geprüft, besprochen und in der auf den 18. Mai anberaumten Vereinsversammlung vorgelegt zu werden. Hoffentlich schließen sich dem Kreisobstbauverein möglichst viele Personen, Vereine und Gemeinden an, damit das Unternehmen seinen Zweck in vollem Umfang erfüllen kann. Ueber die Zentralstelle für Obstoerwerthung in Frankfurt a. M. werden wir zu gegebener Zeit weitere Mittheilungen bringen.
* Personalien. Herr Kaplan Abel von Großauheim wurde als Domkaplan nach Fulda berufen. An seine Stelle tritt Herr Kaplan Wilke aus der Diözese Hildesheim.
— „Fatinitza". Die sich kundgegebene Bevorzugung der Operette bei dem (Gastspiel des Opern-Ensembles durch unser Publikum hat Herrn Direktor Reimann Veranlassung gegeben, von dem ursprünglich aufgestellten Reperloir erheblich abzuweichen. So ging gestern als 11. Abonnements-Vorstellung die ebenfalls nicht vorgemerkte Operette von Franz v. Suppè, „Fatinitza", über die Bühne und fand hier wie auch anderwärts einen fröhlichen Erfolg. Das von Zell und Genèe verfaßte Libretto ist glücklich erfunden und enthält eine lustige gefällige Handlung inmitten des Kriegs- und Lagerlebens des Krimfeldzuges. Eine Reihe leichter gefälliger Melodien unterstützen das bunte wechselvolle Bild auf der Bühne, das uns im ersten Akte in das russische Lager zu den Vorposten führt, welche vor der türkischen Feste Jsaktscha stehen. Im zweiten Akte werden wir in gefälligem Gegensatz zu dem rauhen Kriegsleben mit den Insassen eines türkischen Harems bekannt, reizenden Türkinnen, die in ihrer bunten Tracht einen prächtigen Eindruck machten. Ein türkisches Schattenspiel zur Unterhaltung der Frauen des Harems und der Gäste des Paschas vervollständigt die Handlung dieses Aktes, das die Russen bei ihrem Uebersall der Feste zu unfreiwilligen Milwirkenden macht. Der dritte Akt führt uns nach Odessa in das Palais des Generals Kantschukosi nnd bringt zwei Liebenden die endliche Vereinigung. Und wer ist Fatinitza, die auf dem Theaterzettel vergeblich gesucht wurde, wird man fragen? Fatinitza ist ein junger hübscher Tscherkessen-Leutnant, der einst einen tollen Streich in Weiberkleidung ausführte und so von einem russischen General mit Liebesschwüren verfolgt wurde. Dieser Leutnant kommandirt die Vorposten vor der Feste, aber seine Gedanken weilen bei seiner Liebsten, der Nichte des besagten Generals. Julian von Golz, der Berichterstatter einer großen deutschen Zeitung, findet sich bei den Vorposten ein und sein Humor bringt etwas Abwechselung in das öde Einerlei des Dienstes. Er veranstaltet eine Theateraufführung und wegen Mangel der nöthigen Damen muß der junge Leutnant die weibliche Hauptrolle übernehmen. So kommt derselbe wieder in Weiberkleidung, in welcher Situation er natürlich von dem General überrascht wird, der in ihm seine entschwundene Fatinitza wieder findet. Da auch die Nichte sich zum Besuche dcs Onkels einfindet, so wird Fatinitza dieser zur Begleitung beigegeben. Um die Sache recht romantisch nnd pikant zu machen, werden die Beiden bei einem Uebersall von den Türken geraubt und kommen so in den Harem des Izzet Paschas, wo der verkleidete Leutnant die Gelegenheit findet, sich der Geliebten zu entdecken. Für den guten Ausgang aus der heiklen Situation für die Beiden sorgen tue Russen, welche die Feste einnehmen und so dem zweiten Akte einen recht bewegten Abschluß geben. Den guten Ausgang der lustigen Geschichte haben wir schon vorgemeldet und bleibt uns nur noch zu melden, daß General Kantschukofs seine Fatinitza als todt beweinen muß, nachdem der junge Leutnant seine hübsche Lydia heimgeführt hat. Die Aufführung war durchweg eine recht gelungene. Herr Hunold stellte einen recht annehmbaren russischen General auf die Bühne mit der erforderlichen Schroffheit für seine Untergebenen und der nöthigen Zärtlichkeit für feine Fatinitza. Ein reizender flotter Leutnant war Frl. R e s ch, gleich liebenswürdig in der knappen Uniform des schmucken Tscherkessen als an- muthia in der Vermeidung. Den kecken Zeitungsreporter Julian von Golz stattete Herr Martins mit dem rechten Humor und der in jeder Situation erforderlichen Gewandtheit aus; auch als Regisseur erwarb er sich das Verdienst, das Ganze recht flott herausgebracht zu haben. Frl. Eilers-Linden glänzte als Lydia in den schon oft gerühmten Vorzügen ihrer Gesangs- und Darstellungskunst und Herr Mannsfeld repräsentirte seinen türkischen Pascha mit ebensoviel Humor als Geschick. Auch die kleineren Parthien hatten alle gute Vertreter gefunden.