Zweites Blatt.
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SerantrmtL Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
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K-druckt und oerlegl in der 8. chdructern deS verein. rv. Wütjeuhausts in Hunau.
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Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
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politische Rundschau.
In der Bntgetkommission des Reichstages wurde gestern die Berathung des Gesetzes über Vers orgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbl i e b e n e n fortgesetzt. Zu § 20 beantragte Abg. Graf O r i o l a (natl.) folgenden Zusatz : „Die auf Grund früherer und des gegenwärtigen Gesetzes gewährten Kriegsverstümmelungsund Alterszulagen verbleiben bei Veranlagung von Steuern und Abgaben außer Ansatz. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Sodann beantragt Abg. Oriola folgende Bestimmung : „Die Kriegsverstümmelungs- und Alterszulagen sowie sämmtliche auf Grund dieses Gesetzes zu gewährenden Bezüge unterliegen weder dem Konkursverfahren noch der Pfändung oder Zwangsvollstreckung". Auch dieser Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen. Die übrigen Paragraphen des Gesetzes, betreffend allgemeine Bestimmungen, werden nach der Regierungsvorlage genehmigt. Sodann wird noch folgende vom Grafen Oriola beantragte Resolution einstimmig angenommen: „Den Reichskanzler zu ersuchen, in der nächsten Session des Reichstages für eine so frühzeitige Vorlegung der in Aussicht genommenen durchaus erforderlichen Allgemeinen Revisionsgesetze bezüglich der Militürpensionen und des Militärreliktenwesens Sorge tragen zu wollen, daß dieselben noch während der nächsten Session zur Verabschiedung gelangen/' — Die zweite Lesung des Gesetzentwurfs ist auf Freitag anberaumt. Inzwischen soll eine unter Vorsitz des Abg. Grafen Roon gebildete Redaktionskommission eine Zusammenstellung der Beschlüsse erster Lesung bewirken.
Die treuen Zölle. Wie man den „M. N. N." meldet, sollen in dem neuen Zolliarif, der augenblicklick den Regierungen der Einzelstaaten vo^liegt, folgende Vorzugssätze vorqeschlagen sein: Roggen, Weizen, Hafer 5.50 Mk., Mais 2.50 Mk., Gersten malz 5.50 Mk., anderes Malz 8 Mk., Bohnen, Erbsen, Linsen 3.50 Mk. pro Doppelzentner; ferner Stiere, Kühe und Kälber 5 Mk., Ochsen 9 Mk., Schafe 5 Mk. und Schweine 8 Mk. pro Doppelzentner Lebendgewickt.
Born Leipziger Aerztestreik. Auf eine bei der Kgl. Kreishauptmannschaft eingereichte Beschwerde eines bei der M Ortskrankenkasse thätigen Arztes hat die genannte Behörde folgende Verordnung erlassen: „Nachdem der praktische Arzt Dr. Z. Beschwerde darüber geführt hat, daß der ärztliche Bez.- Verein gegen ihn die Eröffnung des ehrengerichtlichen Verfahrens beantragt hat, weil er mit der Leipziger Ortskrankenkasse einen Vertrag.abgeschlossen habe zu einer Zeit, in der 150 Aerzte aus Gründen der Standesehre einen schweren Kampf, eventl. um ihre Existenz, mit der Kasse führen müssen, und weil ein Arzt sich gegen ihn wegen Uebernahme eines seiner früheren Patienten in Behandlung beschwert habe, — wird Ihnen hier-
Feuilleton*
Bonner Studentenleben.
Bonn, 22. April.
„Stoßt an, Donna soll leben, hurrah, hoch!" Aus tausend jugendfrischen Kehlen wird am Mittwoch Abend das alte Lied zum Himmel steigen, wenn der jüngste Fuchs aus dem Hohen- zollernhause an der Seite seines Kaiserlichen Vaters an dem großen Kommerse der Studentenschaft theilnehmen wird.^ Bonna, die ewig junge Schöne, die sich so manchem krassen Fuchs in das Herz geschrieben hat, daß ihm zeitlebens ihr oiame theuer war, rüstet sich dem kommenden großen Tage entgegen. Die feierliche Immatrikulation des Kronprinzen, seine Einschreibung in das Album der Universität, seine offizielle Theilnahme an dem großen Kommerse der Studentenschaft und nicht zuletzt seine Aufnahme in das Korps Borussia und hiermit in die Reihen der deutschen Korpsstudenten haben nicht nur die Studenten Bonns, sondern auch die Universitätsbehörden, den löblichen Magistrat, die hohe Polizei und auch alle Philister und Philistreusen in hohe Aufregung gesetzt. Es ist sehr schwer in diesen Tagen der festlichen Vorbereitung, sich mit einem der genannten Faktoren zu verständigen. Statt einer direkten Antwort wird gewöhnlich ein ebenso liebenswürdiges als zerstreutes Lächeln in Zahlung genommen, womit freilich die Situation für den Fragesteller nicht hinreichend gebessert erscheint. .
2000 Köpfe zählen die akademischen Burger von Bonn, . aber "nur 1236 Plätze saßt die Beethovenhalle, ein nach dem , großen Bürger Bonns benannter Bau, der nur über eine primitive Architektur, jedoch über treffliche Akustik verfügt. Jeder sucht für Mittwoch in ihm einen Platz zu erhalten. Selbstverständlich müssen sehr zahlreiche Ehrengäste, Behörden und alte Herren der Verbindungen berücksichtigt werden, und so wird die Hälfte der Studirenden unter diesen Umständen zu-
mit eröffnet, daß die Königliche Kreishauptmannschaft dem Bezirksverein als dessen Aufsichtsbehörde ein Vorgehen untersagen muß, durch welches versucht wird, einzelne Aerzte an Ausübung der einem jeden derselben gesetzlich zustehenden Rechte zu verhindern, sowie daß die Königl. Kreishauptmannschast es für unzulässig erklären muß, wenn von den ärztlichen Bezirks- Vereinen oder anderen Personen Kassenärzte in der vertragsmäßigen Ausübung behindert werden, ein ihnen von der Ortskrankenkasse zur Behandlung zugewiesenes Kassenmitglied in Behandlung zu nehmen." Bei den heute Mittwoch ftatt- findenden Vergleichsverhandlungen vor der Königlichen Kreishauptmannschaft wird angestrebt, nicht nur die schwebenden Streitigkeiten beizulegen, sondern auch eine Grundlage für die zukünftige Gestaltung des Verhältnisses des Kassenvorstandes zu den Aerzten zu schaffen. Vorläufig wird wahrscheinlich der frühere Zustand wieder hergestellt werden.
Die italienisch-französischen Handelsbeziehungen. Der italienische Botschafter Tornielli äußerte bei einer Unterredung, eine Aenderung des französisch-italienischen Handelsvertrages sei kaum durchführbar. Der Vertrag sei so gehalten, daß seine Abänderung dem Umsturz der gejammten Zollpolitik Frankreichs vorangehen müßte; aber wichtiger als die Vertragsänderung sei eine bessere Ausnutzung des italienischen Marktes durch Frankreich, welches, in Artikeln mit der in Italien allerdings sehr beliebten deutschen Einfuhr den Wettbewerb aufnehmen könnte. Tie Frage, ob Italien für ein etwaiges Anlehen sich an Frankreich zu wenden gedenke, verneinte Tornielli.
Der Zuzug italienischer Arbeiter in Deutschland nimmt von Jahr zn Jahr einen größeren Umfang an. So wurden in diesem Frühjahr auf der Arlbergbahn allein über Innsbruck 37,000 Erdarbeiter und Maurer nach Bregenz befördert und weitere 3000 passirten vor einigen Tagen den Gotthard. Die Leute stammen meist aus Oberitalien, sind zum Theil von ihren Frauen begleitet ünd begeben sich unter Führung solcher Landsleute, die bereits längere Zeit in Deutschland gearbeitet und sich die deutsche Sprache an geeignet haben, in einzelnen Trupps von 100 bis 200 Personen nach Lindau, Friedrichshafen und Konstanz, von wo sie sich dann nach den verschiedenen Theilen Süddeutschlands zerstreuen.
Der Ukas des neuen russischen Unterrichts- ministers an die ihm unterstellten Beamten, der jetzt von der russischen Presse im Wortlaut veröffentlicht wird, hat überall im Reiche freudiges Aufsehen erregt. Die Sprache, mit der sich Wannowski an die akademische Jugend wendet, ist eine bisher in Rußland völlig ungewohnte. Während bisher in ähnlichen Erlassen nur von Drohungen, Ermahnungen und zweideutigen Phrasen etwas zu spüren war, heißt es im Ukas Wannowskis, daß „eine liebevolle, vernünftige und herzliche Behandlung der akademischen Jugend dem ausdrücklichen Wunsche rückstehen müssen. Ein von der gejammten Studentenschaft eingesetzter Neunerausschuß hat die Vertheilung der Plätze in die Hand genommen, sodaß hieraus keine Reibereien entstehen können. Ueberhaupt gilt für die Kaisertage der „Burgfrieden" als ausgesprochen. Bei diesem bedauerlichen Platzmangel haben die Damen Bonns von dem Kommerse ausgeschlossen werden müssen. Ohne Ausnahme, rückhaltslos ausgeschlossen! Die Thränen fließen.
Denn die Studenten Bonns sind sonst ritterliche junge Leute, die nicht nur dem Gegner mit dem Speer in der Faust, sondern auch die lieblichen Damen durch ihre Artigkeit und ihre feinen Sitten zur Anerkennung ihrer Persönlichkeit zu zwingen wissen. Da der allgemeine Burgfrieden sich sicherem Vernehmen nach auch auf das Preßgesetz erstreckt, so darf der sorgsame Chronist nach dem Urtheil maßgebender Persönlichkeiten feststellen, daß nach der Richtung der übertünchten Höflichkeit vielleicht des Guten etwas zu viel gethan wird. Die äußere Form des Verkehrs ist in der rheinischen Universitätsstadt so vornehm geworden, daß der Jugendmuth durch sie oft gefährdet wird. Es ist alles so gemessen, korrekt. In den Korps kommen diese sonst schätzenswerlhen Eigenschaften am deutlichsten zum Ausdruck.
43 studentische Verbindungen nennt Bonn sein eigen. Der 8. C., die Korps, geben dem studentischen Leben jedoch die Signatur. Da sind die Borussen, Hanseaten, Pfälzer, Westfalen, Sachsen, Rhenanen, Teutonen, alle umschlungen von dem gemeinsamen Bande des Köjener 8. C. ^ie stehen fest zusammen und geben sich mit dem Schläger oder mit dem Säbel studentische Satisfaktion. Das Leben im Bonner Korps gilt als besonders kostspielig; oft wird es nur durch Einschränkung des Aufwandes der übrigen Familienmitglieder ermöglicht. Es ist ja doch eine Einlage, die in der Zukunft ihre Zinsen bringt. Korpsstudent gewesen zu sein ist eine so gute Empfehlung für die höhere Beamtenlaufbahn geworden, daß die oft schweren Opfer von der Familie bereitwillig getragen werden. Unter den Korps nehmen die Borussen die
des Zaren gemäß von allen Kultusbeamten unter allen Umständen als unabänderliche und unerläßliche Pflicht anzusehen ser. Ferner wird eine gründliche, unverzüglich in Angriff zu nehmende, studentenfreundliche Reform des höheren Schulwesens in unzweideutiger Weise in Aussicht gestellt. Sehr bemerkt wird schließlich, besonders von der Presse, daß der Erlaß Wannowskis nicht, wie sonst bei gleichen Erlassen üblich, im offiziösen „Ruskij Invalid", sondern an erster Stelle im offiziellen Regierungsanzeiger zur Veröffentlichung gelangt ist, was als neuer Beweis dafür betrachtet wird, daß derselbe auf ausdrücklichen Wunsch des Zaren erfolgt ist. Die „Nowoje Wremja", die „Nowosti" und andere Blätter widmen dem Ukas, den sie als kühnen, aber erlösenden Schritt bezeichnen, begeisterte Besprechungen.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 23. April.
Vranntweinfteuernovelle.
Am Bundesrathstische Frhr. v. Thielmann. — Staatssekretär Thielmann führt aus: Die Gründe, die die Regierung leiteten, die Fortdauer der Brennsteuer zu beantragen und zugleich den Denaturirungszwang in das Gesetz aufzunehmen, liegen auf wirthschaftlichem Gebiete. Die Brennsteuer erwies sich als segensreich. Der Deklarationszwang ist einer Anzahl Mitglieder dieses Hauses weniger genehm als die Fortdauer der Brennsteuer an sich. Die Zunahme der Brennereien in der nächsten Zeit wird eine außerordentlich starke sein. Ein Preisfall wird eintreten. Die Brennereien werden schlechte Geschäfte machen. Um diesen Nothstand zu beschränken, ist der Denaturirungszwang bestimmt. Das Gesetz ist keine Liebesgabe. Wir wollen nur eine beschränkte Produktion. Die Regierungen glauben den Brennereien durch den Denaturirungszwang bei der schweren Lage der Landwirthschaft zu schützen. Er bitte um Annahme des Gesetzes. — Abg. Pachnicke (fr. Vgg.) hofft, daß der Entwurf nicht zur Annahme gelangt. Die Hoffnung schöpfe er aus der Zentrumspresse. Die gewerblichen Genossenschaften sollen besonders behandelt werden nach diesem Gesetz, nicht besonders gut, sondern besonders schlecht, und diesen Genossenschaften gegenüber erbittet sich der Bundesrath unbeschränkte Vollmacht. Die ganze Tendenz des Gesetzes gehe dahin, die Produktion einzuschränken. Seine Partei tadle auch vom Standpunkt der Interessenten aus, daß fortwährend der Gesetzapparat in Bewegung gesetzt wird. Hier wird Politik im Interesse und zu Gunsten einer einzelnen Klasse betrieben. Die Folge des Gesetzes wäre eine Vertheuerung des Trinkbranntweins. — Abg. Gamp (Rpt.) meint, noch nie habe die Gesetzgebung ihr Ziel so erreicht, wie beim Spiritussteuergesetz. Die früheren erste Stelle ein. Sie sind vollständig exklusiv und in einer so vornehmen Atmosphäre befangen, daß sie sich nahezu in ihrem schönen Hause abschließen und nur selten, bei großen studentischen Veranlassungen, in die Oeffentlichkeit treten. Diese Reserve des Korps mag bedingt sein durch die Zugehörigkeit so vieler Fürstlichkeiten zu seinen Farben. Fast jeder jüngere deutsche Fürstensohn tritt neuerdings einem Korps, insonderheit den Bonner Borussen, bei. Der regierende Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, der vor einem Jahr die Bonner Universität bezog, wird jetzt durch den Kronprinzen abgelöst werden.
Das Korpshaus der Borussen, eine vornehme Villa mit großem, schönem Garten, ist in der Kaiserstraße gelegen. Es ist seit 1887 im Besitze der Verbindung. Die eigentlichen Besitzer sind die Alten Herren des Korps, die ein erhebliches Kapital in dieser Anlage stecken haben und zudem noch dauernd bedeutende Zuschüsse leisten müssen.
Im Korpshaus der Borussen hängt ein im Jahre 1887 gemaltes Bild des Kaisers mit dem Stürmer auf dem Haupte und dem Burschenbande über der Brust. Bei dem letzten Kommerse der Bonner Korps am 6. Mai 1891 trug der Kaiser überdies die Kneipjacke der Borussen; die alten Burschen hoffen den Kaiser diesmal wiederum so frisch und froh zu sehen. Unter den vielen Bildern von Fürstlichkeiten fällt ein Jugendbild Kaiser Friedrichs aus dem Jahre 1850 auf; die Aehnlichkeit unseres Kronprinzen mit seinem Großvater tritt scharf hervor. Versammlungsraum, Kneiplokal, Speisezimmer und Leseräume des Korpshauses sind von gediegener Eleganz und höchstem Komfort. Ueberaus groß ist die Jahl kostbarer Widmungen wie gemalte Glaspokale, luxuriöses Silbergeschirr und werthvolle Möbelstücke. Ein alter Herr des Korps hat den Lehnstuhl erstanden, in dem Beethoven seinen letzten Seufzer aushauchte; die Rarität ist im Schreibzimmer aufgehoben worden. Einen Ehrenplatz in der Waffenkammer nehmen die vom Kaiser gespendeten Paradeschläger und ein Korpsspeer, der erste der Verbindung aus dem Jahre 1827, ein. Einen besonderen Raum hat der Einrichter des Hauses