Hanauer Anzeiger
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23. April.__________
Hus aller Melt.
Kollision^ Einem Telegramm des „Lokalanzeigers" infolge follibirte das Torpedoboot „S 74" vorgestern in der Rä^e von der Wester Pilltonne bei dickem Nebel mit einem Fischkutter. Der Kutter sank, die Mannschaft wurde gerettet. Das Torpedoboot, anscheinend unbeschädigt, lief heute Früh in Wilhelmshaven ein.
Ein großer Waldbrand wüthete am 21. ds. von nittags 1 Uhr bis gegen 6 Uhr abends in den Forsten der 'öniglichen Oberförsterei Siegburg. Dem Brande fielen unge- âhr 400 Morgen Waldbestand zum Opfer. Nur der Hin- Abenden Thätigkeit der Bevölkerung, der Siegburger Feuerwehr und des Kommandos der Deutzer Pioniere ist es gelungen, des Feuers Herr zu werden.
Unfall. Wie aus Hannover vom gestrigen Tage geneidet wird, wurde der Kommandeur der Königs-Ülanen, Heyden-Linden, am Vormittag, als er auf der Vahrenwalder Heide ritt, von einem durchgehenden Pferde angerannt und stürzte, wie der „Hannoversche Kurier" meldet, bewußtlos vom Pferde. Die Aerzte stellten Gehirnerschütterung fest. Das Befinden des Verunglückten ist den Umständen nach befriedigend.
Bestien in Menschengestalt. In dem Dorfe Jorancez bei Chartres drangen in der vergangenen Nacht jwei Landstreicher in das Haus eines Landwirthes, der abwesend war, und tödteten die schlafenden fünf Kinder. Der )eimkehrende Vater wurde von den Mördern niedergeschlagen inb schwer verwundet. Die Verbrecher entflohen unter Mit- iahme einer größeren Geldsumme und zahlreicher Werth- zegenstände.
Ein großes Grubenunglück wird aus Finsterwalde gemeldet. Am Samstag ist in der Nähe von Finsterwalde die Braunkohlengrube „Henriette" durch schlagende Wetter in Brand gerathen. Elf Bergleute wurden vermißt. Die gerammte Knappschaft, die freiwilligen Feuerwehren, sowie frei- villige Maurer und Zimmerleute betheiligten sich an den Nettungsarbeiten. Es lag die Möglichkeit vor, daß sich die Vermißten in einem entlegenen Stollen vorläufig in Sicherheit gebracht hatten. Am Sonntag wurde die Berliner Feuerwehr und das Kommando des 3. Armeekorps um Hilfe er- ucht. Branddirektor Giersberg ließ alle Wachen benachrichtigen mb es meldeten sich darauf der Obermaschinist Brand und die Feuerwehrmänner Haase, Müller und Schulz, ehemalige Berg- .eute, freiwillig zu den gefahrvollen Rettungsarbeiten. Unter Führung des Brand Inspektors Becker, des ersten Adjutanten res Branddirektors, sind die Mannschaften gestern Abend vom Anhalter Bahnhof, mit Rettungs- und Athmungsapparaten, sowie mit Sauerstoff versehen, nach Finsterwalde abgefahren, wo inzwischen schon Militär aus Kottbus eingetroffen war. Dem Vernehmen nach sind zwei Personen gerettet worden.
Ein stellungspflichtiges Mädchen. Aus Graz wird folgender heitere Vorfall mitgetheilt: Bei der Hauptstellung im 17. April in Eibiswald erschien aus der Gemeinde Wiel- iresen auch ein hübsches Mädchen in schmucker Sieirertracht mit einem zierlichen Sträußchen und der aus dem Mieder hervorragenden Stellungsvorrufung, was nicht geringe Heiterkeit hervorrief. Das Mädchen war bei der Geburt im Taufscheine irrthümlicherweise als Alois statt Aloisia verzeichnet worden.
Küß mich nicht! Eine Wiener Konfektionsfirma hat Kinderschürzchen in den Verkauf gebracht, die den Aufdruck „Küß mich nicht!" in deutscher, französischer und englischer Sprache tragen. Aus sanitären Rücksichten ist das gewiß eine berechtigte Mahnung.
Der Nachlaß des Königs Milan. In den letzten Tagen ist der gesammte Nachlaß des Königs Milan durch nne Wiener Speditionsfirma nach Belgrad abgesendet worden. Der erste Adjutant des Königs Alexander, Oberst Lazar Petrovics, hatte bei der Expedition des Nachlasses intervenirt. An verschiedene intime Freunde König Milans wurden mit Zustimmung des Königs Alexanders kleine Andenken aus dem Nachlasse vertheilt. Die Wohnung König Milans, in welcher noch dessen langjähriger Kammerdiener Keitl verweilt, wird am 1. Mai aufgelassen. Der Kammerdiener erhielt vom König Alexander eine Abfertigung von 3000 Franks.
Aus dem Gerichtssaal.
Sitzung der Strafkammer I vom 22. April.
Jugendliche Diebe.
Am 16. Dezember v. Js. wußten drei 12jährige Jungen, R—b, N—r und V., nichts besseres zu thun, als einer Bude auf dem Weihnachtsmarkt einen ungebetenen Besuch abzustatten. Sie drangen durch Zerschneiden des Tuches in das Innere, stahlen eine Anzahl Spielsachen und sonstige Gegenstände, liefen in die Anlagen und theilten den Raub/ Weil der erste Versuch so gut gelungen, machten die Früchtchen auch einen zweiten, der R. kroch nochmals hinein, stahl wieder eine Anzahl Sachen und beim Hervorkriechen — hatte ihn ein Kriminalschutzmann am Kragen. Die verdorbenen Jungen hatten die von dem ersten Besuch herrührenden Sachen zumeist zerstört oder in den Stadtgraben geworfen. Es erhält Jeder 10 Tage Gefängniß.
Betrug.
Der Taglöhner St. V. von Oberdorfelden versuchte die Hess. Baugewerksberufsgenossenschaft zu hintergehen. Er machte im Jahre 1899 eine Unfallanzeige des Inhalts, er habe am 19. Juli 1899 beim Transport eines Ofens in den zweiten Stock eines Hauses einen Unfall erlitten und sich dabei eine schwere innere Verletzung der Brust zugezogen, die ihn arbeitsunfähig machte. Die Berussgenossenschaft wies ihn aber mit dem Anspruch auf Rente ab, denn die vorausgegangene Verhandlung hatte erwiesen, daß es mit dem angeblichen Unfall Flunkerei war. Das Schiedsgericht sowie das Reichsversicherungsamt bestätigten den ersten Entscheid. St. ist nunmehr des Betrugsversuchs angeklagt. Er behauptet auch heute, während er am 19. Juli in Frankfurt mit einem Ofensetzer einen Ofen zwei Treppen hoch transportirte, habe er auf der Treppe sich schon weh gethan. In dem oberen Raum sei beim Hinsetzen der Ofen auseinandergefallen und der obere Theil desselben ihm auf die Brust, sodaß er rücklings hingestürzt wäre und eine Weile besinnungslos dagelegen habe. Seit der Zeit sei er leidend. Ter damalige Genosse bei dem Ofentransport bekundet aber, daß St. beim Auseinanderfallen des Ofens zurücktrat und daß er unbeschädigt mit ihm fortging. Der Arzt sowie die anderen Zeugen machen ähnliche Aussagen. Es wird auf 4 Monate Gefängniß gegen den Angeklagten erkannt.
Körperverletzung.
Der Taglöhner S. wohnte bei den Eheleuten M. in Fechenheim in einem möblirten Zimmer. Am 2. Januar ge- rieth er mit der Frau in Streit, in dessen Verlauf ihm die Wohnung gekündigt wurde. Als er am nächsten Tag mit einem Kutscher kam, um seine Sachen fortzuschaffen, kam die Frau und S. wieder aneinander, weil die Erstere mit den Sachen ihres Miethers ziemlich unsanft umging. Dieser transportirte sie schließlich hinaus und schloß sie in ihrer Stube ein. Auch hatte er ihr vorher mit einem Garderobehalter einen Schlag versetzt und bei dem Streit hatte er mit nicht gerade aus dem „Knigge" entlehnten Ausdrücken gedient. Das Gericht berücksichtigt, daß eine Auseinandersetzung mit der sehr zungengewandten Frau M. keine leichte Aufgabe ist und erkennt gegen den wegen Körperverletzung, Beleidigung und Freiheitsberaubung angeklagten S. auf 10 Tage Gefängniß. § 180.
Gegen den Fabrikarbeiter H. von hier wird hinter verschlossenen Thüren verhandeln Er erhält wegen Vergehen gegen § 180 des R.-St.-G.-B. 4 Monate Gefängniß.
Berloosungen.
40 Fr.-Loose der Stadt Lenzburg von 1885. Prämien Ziehung vom 31. März. Hauptpreise : Serie 115 Nr. 1. zu 6000 Fr. Serie 1362 Nr. 8 zu 500 Fr. Serie 154 Nr. 8, Serie 1362 Nr. 1 7, Serie 2303 Nr. 7 je 200 Fr. Auszahlung sofort.
Schtffsvertcht.
Hamburg, 19. April. Der Dampfer „Macedonia" von der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in Boston und der Dampfer „Sibiria" vorgestern in Singapore eingetroffen.
New-Uork, 17. April. Der Dampfer „Amsterdam" von der Niederländisch - Amerikanischen DampfschifffahrtsGesellschaft ist gestern hier eingetroffen.
Handel, Gewerbe und Verkehr.
Frankfurt a. M., 22. April. (Abendbörse.) Creditaktien 219.80—60 b. Diskonto-Commandit 189.60—50 60 b. Deutsche Bank 204.70 b. Dresdener 148.90 b. Handelsgesellschaft 153./0 b. Banque Ottomane 110 b. Staatsbahn 149.30 b. Lombarden 24.80 b. Anatolische 87.90 b. Northern 96.60—80 b. Nürnberg-Fürther Straßenbahn 181.50 b. Nordost 115.20 b. Union 97.80 b. Jura- Simplon 101.20 b. Gelsenkirchener 181.65 b. Harpener 180 b. Hibernia 185.75 b. Concordia 285.50 b. Mexikaner 27.70 b. do. 5°/otge 44.40 ult. do. 5°/oige 44.50 cpt. Pdrtugiesen 26 b.
Umsätze von 60«—6Va Uhr. 5%ige Mexikaner 44.50 ult.
Die Abendbörse nahm ziemlich ruhigen Verlauf. Montanwerthe und fremde Fonds konnten sich leicht befestigen. Northern auf London höher bezahlt.
Berlin, 22. April. Produkten markt. Weizen per Mai 170.—, per Juli 170.75, per September 169.50.
Roggen per Mai 144.25, per Juli 144.25, per September 114.50. H afer per Mai 140.50 per Juli 139.—.
Ma is amerik. Mixed loco, per Mai 111.50, per Juli 110.75. Rüböl per Mai 57.—, per Oktober 49.80.
Spiritus, 70er loco 44.20, 50er —.—.
Hamburg, 22. April. Kaffee good raverage Santos Schluß-Kurse per Mai 30— ^Pfg., per September 31^4 Pfg.
Amsterdam, 22. April. Weizen per Mai —.—. per November —.—. Roggen per Mai 128.—, per Oktober —.— Leinöl loco 29V« Juni-August 287/s, September-Dezember 26’/». Banca-Zinn loco 698/<. Billiton loco 7074.
Kohlen in Süddeutschland. Einer der fachmännischen Mit- arbeiter der „Kölnischen Volkszeitung" schreibt unterm 21. April 1901 aus Süddeutschland folgendes: „Die Erkenntniß, daß die Verkaufspreise für Kohlen ihren niedrigsten Stand nunmehr wohl erreicht haben, bricht sich immer mehr Bahn, was durch regere Nach- frage aus den Kreisen der Großverbraucher zum Ausdruck kam; Nußkohlen der verschiedenen Größen brauchten seit Eintritt in die neue Verkaufszeit im Preise nichts nachzugeben, da die Nachfrage nach diesen stets rege war und der Verbrauch in denselben steigt, während die Preise für Förderkohlen heute so niedrig sind, daß ein weiteres Zurückgehen der Preise kaum mehr möglich ist. Daher konnten in der abgelaufenen Woche wieder verschiedene größere Abschlüsse hereinge- brächt werden, während andere für die nächste Zeit bevorstehen, so daß eine allgemeine Belebung des Geschäfts nicht lange mehr ausbleiben kann. Die Preise der einzelnen Sorten sind: Nußkohlen, I und II, Mk. 20.50-22.00, Nüsse III Mk. 18.50, Nüsse IV Mk. 17.50, Maschinenkohlen Mk. 15.50—16.50, je nach Mengen und Lieferzeit, Anthracit-, deutsche Mk. 31—33, englische Mk. 34—38, je nach Beschaffenheit und Lieferzeit, Brechkoks Mk. 30—31, Briketts Mk. 20.50 bis 21.00, alles die Tonne frei Waggon Mannheim. Da größere Aufträge nach den oberrheinischen Stationen bis Straßburg auszuführen sind, die zum größten Theil in den nächsten Monaten ihre Erledigung finden müssen, und für Nachkäufe beim Syndikat höhere, als die Abschlußpreise, bewilligt werden, auch die Annahme nicht ungerechtfertigt ist, daß der Bedarf des Großgewerbes wieder sich belebt, so sind die Aussichten auf das diesjährige Geschäft besser, als sie noch vor kurzer Zeit sich darstellten."
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nbei in Anbetracht seiner hohen von Monat ZU Monat steigenden Auflage im „Hanauer Anzeiger", wie bekannt, die denkbar wirksamste Verbreitung.
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Mittwoch den 24. April 1901, abends 9 Uhr:
Monats - Ntrsammlnng im Vereinslokal.
Tagesordnung: Mitgliederaufnahme, Bericht der Kassenrevisoren, Wahl der Abgeordneten zum Frühjahrsabgeordnetentage res Kreis-Kriegerverbandes, Familienausflug nach dem Niederwalddenkmal, Bücher- rmtausch, Verschiedenes.
3684 Der Vorstand.
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