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Zweites Blatt.

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Aebruck! und ötrltgt in btt Buchdruckerei des verein, ev. Watsevihciuteö in Htinau.

Geneml-Anzeiger.

Awilichts Orga« für Lèadt- «nd Fasdürris Kava«.

Erschau, t täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit bellelristiichrr Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

«r. 94. Bezirks-Ferns-rechanschluß Nr. 98.

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politische Rundschau.

Ein Telegramm des Kaisers zur Wieder- lerstellnng der Hohkönigsburg. Auf eine Meldung »es Architekten Bodo Ebhardt in Sachen der Hohkönigsburg ichtete der Kaiser an ihn folgende Antwort:Mit hoher Freude vernehme ich Ihre Kunde; ich hege die feste Zuversicht ,u Ihrer bewährten und gewissenhaften Arbeitskraft, daß Sie nir dazu verhelfen werden, einen des Deutscheu Reiches würdigen Wiederaufbau der herrlichen Burg durchzuführen, der uns, den »Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts, zeigen wird, wie die Vor- aöiâter einst gebaut und ihr Heim eingerichtet haben. Möge ter Bau in seiner getreuen Nachbildung des Alten allen Be- uchern und dem schönen Reichslande eine Quelle steter, stolzer Freude sein und die Erinnerung stärken an die großen Ge­schlechter, welche dort einst die Blüthe deutscher Kultur und deutscher Ritterschaft gepflegt. gez. Wilhelm R."

Eine einheitliche Regelung des Zivilanwärter- tvesens wird von der Militärverwaltung gegenwärtig vor- i4 «reitet. Bei der außerordentlichen Schwierigkeit des zu be- ' handelnden Stoffes läßt sich leider jetzt noch nicht absehen, wann die Vorlage des betreffenden Gesetzentwurfes an den Reichstag möglich sein wird. Auf alle Fälle wird die Arbeit o schnell als möglich gefördert werden, um 'dem Wunsch des Reichstages entgegenzukommen.

Der Württembergische Kriegerbund und die Sozialdemokratie. Das Präsidium des Württembergischen Kriegerbundes hat den Militärverein Trossingen aus dem Lunde ausgeschlossen und das dem Vereine verliehene Diplom and eine Erinnerungsmedaille zurückverlangt. Das Präsidium hatte dem Vereine die Auflage gemacht, seine Mitglieder zu einer Erklärung aufzufordern, ob sie sich zu den Grundsätzen der Sozialdemokratie bekennen oder für diese Partei öffentlich thätig gewesen seien und die dies bejahenden Mitglieder aus­zuschließen. Zu diesem Vorgehen war das Präsidium nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, da es nach den Sta­tuten Obliegenheit der Mitglieder ist,das Nationalbewußtsein zu fördern, die guten Gesinnungen für Kaiser und Reich, für König und Vaterland in Liebe und Treue wach zu erhalten ^nmnd zu befestigen." Daher erfolgte der Beschluß des Präsidiums (»nur von rechtswgen,, nachdem der Trossinger Verein den Ausschluß seiner sozialdemokratischen Mitglieder verweigert hatte.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 22. April.

Der Zusatzvertrag zu dem Auslieferungsvertrag zwischen dem Reich und Belgien wird in erster und zweiter Berathung angenommen.

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Feuilleton.

JMode.

Plauderei von Ida Barber (Wien.)

(Nachdruck verboten.)

Die Frage:Was gibt es Neues?" ist jetzt nicht nur stehende Rubrik in vielen auf pikante Ereignisse jagdmachenden Tagesblättern, sie schwebt auch beständig auf den Lippen unserer Modedamen, die sich schon derart in die Ueberzeugung hinein­gelebt haben, jede Woche müsse ihnen einige T?obeNouveautés bringen, daß sie kaum verstehen, wenn wir ihnen sagen, selbst die ausgiebigste Phantasie könne sich endlich erschöpfen, und man komme in Verlegenheit, von Neuheiten zu berichten, wo es deren keine oder wenige gibt. Wir haben jetzt wirklich eine gaison morte. Für Bälle und Gesellschaften gibt es nichts Neues, die Frühjahrsmoden sind noch nicht spruchreif. Gar Vieles zeigt man unâ unter ber ^arfe:Nouveauté de Paris, de Londres", doch das sind zumeist allbekannte Ladenhüter, mit denen man nun wieder einmal den vergeblichen Versuch macht- sie in Aufnahme zu bringen. Die gestickten und mit Blumenmustern durchwirkten Kleider, die mit Bordüren abge­paßten, die mit Gold- oder Stahlfäden durchzogenen Stoffe werden wohl da und dort einige Freundinnen finden, zur all­gemeinen Modetracht können sie sich nicht emporarbeiten. Die Erfahrung lehrt uns, daß doch nur das wirklich Gediegene, Solide allgemeine Anerkennung findet.

Als sehr praktisch dürfte sich für die Frühjahrs-Saison der wasserdichte, poröse Lodenstoff einführen, ein tuchartiges, rauhes Gewebe, das sich haarig anfühlt, zumeist zu einfachen Straßen­kostümen, Hauskleidern oder langen Paletots verarbeitet wird. Als einziger Aufputz dieser Konfektion dienen große Metall­knöpfe, die nicht nur zum Schluffe der Taille und der eng-

Dienstag den 23. April

Bei der Berathung des Süßstoffgesetzes führt Abg. Speck (Ztr.) aus, es könne nicht behauptet werden, daß sich eine Einschränkung des Zu^kerkonsums gezeigt hätte, als Folge der Verbreitung der Süßstoffe. Da der Zucker der Besteuerung unterliege, sei es nicht mehr wie Rechtz auch das Industrie- produkt der Süßstoffe zu besteuern. Doch dürfe die Besteuerung nicht derartig sein, daß die Jndrustrie ruinirt werde. Das Gesetz von 1898 habe keinen Erfolg gehabt. Das Beste wäre, die Süßstoffe ganz zu verbieten, da sie keinen Nahrungswerth haben. Redner spricht sich schließlich für Ueberweisung an eine Kommission von 21 Mitgliedern aus. Abg. Graf Kanitz (kons.) hält das Saccharin für gesundheitsschädlich. Dieses Gesetz sei von allen bisher in Europa erlassenen Saccharingesetzen das allerwildeste. Der eigentliche Zweck des Gesetzes liege auf finanziellem Gebiete. Die Saccharinindustrie mache der Zuckerindustrie empfindliche Konkurrenz. Der Ver­brauch des Zuckers werde eingeschränkt werden und darunter leide die Zuckerproduktion und die F'nanzwirthschaft des Reiches. Dieser Gesichtspunkt sei für ihn allein der ent­scheidende. Agrarische Interessen leiteten ihn nicht. Eine schärfere Kontrolle, namentlich hinsichilich der Einfuhr des Saccharins, würde sich empfehlen. Eine Erhöhung der Steuer über 80 Mark halte seine Partei für wünschenswerth, werde aber einen dahingehenden Antrag nicht stellen.

Abg. Wurm (Soz.). Das Saccharingesetz sei ein Anti­finanzgesetz. Das Gesetz bringe nicht Geld ein, sondern koste Geld. Saccharin sei den Herren vom Zuckerring un­bequem, man wolle den Agrariern einen Gefallen thun. Saccharin sei das Gewürz der armen Leute. Der Zucker werde dem armen Manne durch den Zuckerring um 18 Pfennige per Pfund vertheuert. Gerade das Saccharin sei ein Schutzmittel gegen den Zuckerwucher. Werde dieser Entwurf zum Gesetz, so sei das Zuckermonopol da. Abg. Paasche (nat.-lib.) stellt fest, daß sich Abg. Wurm im Jahre 1898 ganz anders wie heute über das Saccharin geäußert hat. Das Saccharin sei und bleibe ein Betrugsmittel. Der billigste Nährstoff, den man habe, sei der Zucker. Im Großen und Ganzen treffe die Regierung mit dem Entwurf das Rich­tige. Man könne nicht behaupten, daß eine Steuer von 80 M. unerhört hoch sei; man müsse sich vielmehr fragen, ob die Steuer nicht zu erhöhen sei. Staatssekretär v. Thielmann konstatirt einen Widerspruch in Wurms Rede mit seiner vor drei Jahren gehaltenen. Hier sei der Wunsch ausgesprochen worden, das Gesetz von vornherein auf einige Jahre zu befristen; dem müsse er widersprechen; das sei unpraktisch. Es sei eine offene Frage, ob das Gesetz am 1. Januar oder 1. April 1902 in Kraft treten solle. Die Kosten für die Umwandelung der Fabriken, welche die Regie­rung tragen wolle, seien keineswegs so groß, daß der Ertrag anliegenden Aermel verwendet werden, sondern auch längs der Seitenbahnen des Rockes in Längs- oder Zickzackreihen aufge­setzt sind.

Recht apart erscheinen für Gesellschaften die Postumes es- pagnoles; sie sind aus schwarzem Seidendamast gefertigt, dessen Blumen mit Jaisperlen ausgenäht sind. Eine schleier­artige Spitzen-Echarpe ist auf der Achsel befestigt unb schlingt sich von da aus leicht über Brust und Hüfte nach hinten, den Rock in lose herabfallendem Gefältel drapirend. Diese Tracht ist überaus anmuthig und kleidsam, weil ungekünstelt. Nicht jede Dame versteht aber diese spanische Spitze zu schlingen; es kommt eben sehr viel darauf an, wie der Faltenwurf gelingt; will man ganz Spanierin sein, so vervollständigt man solch eine Toilette durch eine kokette, über einem großen, weißen Kamm gesteckte Mantilla, die Diejenigen, die es zu tragen wissen, vorzüglich kleidet.

Weniger phantastisch sind die gleichfalls sehr modernen schwarzen Seidenroben, deren Tabelier, ganz in durchbrochener Spartelstickerei gehalten, entweder eine andersfarbige Taille oder eine gleichfarbige Atlasunterlage zeigt. Taille und Aermel sind in gleichem Arrangement, letztere zumeist halbweit, unten mit einem Puff abschließend. Ein sehr praktischer, schwarzer Seidenstoff, den die Hennebergschen Fabriken einführen, zeigt Sergefond mit Damaste» Musterung; er nimmt keinen Glanz an, ist aus echtem Rohmaterial hergestellt, weich, schmiegsam, so recht geeignet, einen klassischen Faltenwurf zu geben.

Die Modedamen par excellence wollen zwar immer noch nicht von dem seither eingebürgerten Schwarz abgehen, doch scheinen marineblau, moosgrün und dunkelviolett demselben wirksame Konkurrenz machen zu sollen.

Neuerdings gefällt sich die Mode darin, unsere seither beliebten weißen Lingerien negieren zu wollen. Im Winter gab man uns statt derselben die sehr unkleidsamen Hermelinstreifen, hernach die noch unvortheilhafteren schwarzen Halsrüschen, jetzt gilt es haute nouveauté, die Taillen oben mit Blumenguirlanden abzuschließen. Zumeist sind diese zwischen

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

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1901

der Steuer dadurch aufgebraucht werde. Mit großer Wahr­scheinlichkeit könne man behaupten, daß in den nächsten Jahren der Preis für das Saccharin heruntergeht, infolge der Zu­fuhren aus dem Auslande. Abg. Eickhoff (Freis. Vp.) meint, man könne hier von den Wünschen der Agrarier sagen: Steter Tropfen höhlt den Stein. Die Haltung der Regie­rung in dieser Frage sei wenig befriedigend. Das ganze Prinzip der Besteuerung sei ein ungerechtes. Der Gesetzent­wurf sei für seine Partei unannehmbar. Abg. Roesicke- Kaiserslautern (fraktionslos) versteht nicht, wie die Sozial­demokraten gegen die Besteuerung dieses Genußmittels sein können. Das Saccharingesetz genügt uns nicht, denn das Saccharin werde nicht vom Markte verschwinden. Dasselbe sollte nur für medizinische Zwecke gegeben werden. Gegen­über der Zuckerproduktion, welche die größte landwirthschaft- liche Produktion ist und einen Werth von 510 Millionen darstellt, ist die Höhe der Saccharinproduktion verschwindend. Die Zuckerproduktion ließ sich eine Steuer von 109 Millionen auferlegen. Abg. Schrader (Freis. Vp.) hebt hervor, man wolle hier eine Industrie beseitigen, gegen die man nichts weiter sagen könne, als daß sie einer anderen Konkurrenz macht. Abg. Wurm (Soz.) konstatirt, daß zwischen seiner heutigen und der 1898 gehaltenen Rede kein Widerspruch sei. Damals handelte es sich um eine Novelle, die den gewerb­lichen Vertrieb des Saccharins beschränken sollte. Heute handelt es sich auch um den privaten Vertrieb. Der Schatzsekretär habe seinen Standpunkt geändert; damals erklärte er, ein Zoll sei unmöglich. Der Abg. Roesicke habe sich heute als Ver­treter der deutschen Konsumenten aufgeworfen. Er habe am wenigsten Grund dazu; er vertheuerte den Arbeitern das Brod, die. Milch und den Zucker. Abg. Roesicke- Kaiserslautern (fraktionslos) bemerkt, der Wucher liege nicht darin, daß man zu hohe Preise nimmt, sondern, daß man die Nothlage benutzt und einen anderen zwingt, unter dem Preise abzugeben, unter dem man abgeben kann. An der weiteren Debatte betheiligen sich die Abgg. Paasche (nat.- lib.) und Speck (Zir.). Persönlich bemerkt Abg. Oertel (kons.), daß er nicht der Vater des gesetzgeberischen Kindes sei. Wäre er der Vater desselben, so wäre es etwas kräftiger geworden. Das Gesetz wird hierauf einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Morgen 1 Uhr: Brannlwein- steuernooelle. Schluß 5^4 Uhr.

Die Kanalvorlage in der KomurWorr.

In der Kanalkowmisston des Abgeordnetenhauses wurde am Montag die am Samstag abgebrochene allgemeine Dis­kussion über den Mittellandkanal und zwar besonders über die finanzielle Seite der Angelegenheit, fortgesetzt. Abg. Frhr.

Spitzen eingarnirt, gelten wohl gar oft als Einfassung eines die ganze Taille bedeckenden Spitzen-Fichus. Vorn in der Mitte ist gewöhnlich eine größere Blume, während rings um den Hals Knospen und kleinere Blüthen zwischen Blättern und Moos eingewunden sind.

Die kleinen, oft allzu zahlreich den Winterhüten aufgarnirten Federn, deren man oft 6 bis 8 zu einem Toque vereinigt sah, scheinen durch Blumenguirlanden und lange breite Federn ganz verdrängt zu sein. Sehr kleidsam sind die vollen, weißen Straußfedern, deren eine Hälfte fransenartig nach innen fällt, während die andere das ganze Bavolet deckt.

Die vorn eingebogenen Tudorhüte sollen heuer wieder modern werden, doch dürften die Wenigsten finden, daß jene Formen bei der jetzt geltenden niedrigen Haartour kleidsam seien. Zwar steht man verei..zelte Versuche, die hochstehenden Stirnflechten wieder in Aufnahme zu bringen,es dürfte indeß noch einige Zeit hingehen, ehe man sich dazu bequemt, denso- genannten Drehern den Garaus zu machen. Als beliebter Haarschmuck gelten jetzt die seitwärts zu befestigenden kleinen Einsteckkämmchen; sie sollen, wie viele Schöne behaupten, die Wunder­kraft besitzen,interessant" zu machen. Ob ihnen diese von Mutter Schildkröte oder irgend einem genialen Kammmacher verliehen worden, wer mag es untersuchn? Noch eher lassen wir uns indeß solche mit Schildpatt garnirte Kämme, als die mit allerhand Reptilien, Eidechsen, Schlangen rc. durch­wundenen gefallen, die demnächst Anspruch erheben werden, für schön zu gelten.

Man sieht Spangen von Gold und Korallen in Schlangen­form, Kämme, aus denen Ottern und Nattern in schwester­licher Umarmung ruhen, ja selbst Laokoons mit schmerzdurch­furchten Zügen dürfen nicht fehlen, wo es gilt, einen seltenen Effekt zu machen. Der schlangenumwundene Grieche ist jetzt ein Mode-Artikel geworden; man kauft Laokoonkämme, Laokoon- gemmen, Laokoonnadeln rc. Wenn man doch auch sonst in Bezug auf Einfachheit und Formenmaß zur Antike zurück­kehren wollte!