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General-Anzeiger.
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Amlliihts Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Erscheint iäglidj mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G Schrecker in Hauau.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Montag den 22. April
Bezirks-Ferusprechanschlnß Nr. 98.
1901
Amtliches.
Candkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Bei zwei Pferden des Landwirths Gottfried Schlegel zu H ö ch st, Kreis Gelnhausen, ist die Räude sestgestellt worden.
Hanau den 20. April 1901.
Der Königliche Landrath.
v. Schenck.
Konkursverfahr en
Ueber den Nachlaß des Gastwirths Wilhelm Lerch, Peters Sohn von Hanau, ist heute am 20. April 1901, nachmittags 12 Uhr 55 Min., das Konkursverfahren eröffnet.
Der Sensal Friedrich Rauscher in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt. Offener Arrest und Anzeigepflicht, sowie Termin zur Anmeldung bis zum 5. Mai 1901. Erste Gläubigerversammlung und Prüfungstermin am 47. Mai 1901, vormittags 11^2 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht,
Abth. 5 hier, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5. Hanau den 20. April 1901.
6754
Der Gerichtsschreiber Königl. Amtsgerichts 5
Ständische Leihbank
Hanau.
Der öffentliche Verkauf der der hiesigen Leihbank vom 1. April d. Js. verfallenen Effekten-Pfänder findet Montag den 22. und' der Gold- und Silberpfänder Dienstag den 23. April d. Js., jedesmal von 2 Uhr nachmittags ab, statt, wozu Kaufliebhaber mit dem Bemerken eingeladen werden, daß Büchelchen, worin die zum Verkauf kommenden Gegenstände sich verzeichnet finden, im Bureau der Leihbank frei zu haben sind.
Der Leihbank-Verwalter.
Krück.
6520
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 schwarzer Herrenhut (Plüschhut). 3 Kragen. 1 weißes Chemisett und Va Meter Perlenborde.
Verl oren: 1 goldene Brille. 1 goldene Damenuhr. Hanau den 22. April 1901.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 22. April.
* Eisenbahn-Personalien. Eine einmalige Lohnzulage (30 Mk.) nach 25jähriger zufriedenstellender Dienstzeit erhielt Hilfsbremser Hörning zu Hanau-Ost. Belohnungen für die Entdeckung von Schäden an Betriebsmitteln und Bahnanlagen sind gewährt worden an den Wagenwärter Finger- hut zu Hanau-Ost, den Weichensteller 1. Klasse Fey II zu Hanau-Ost.
* Kompagniebesichtignngen. Heute nahmen die Kompagniebesichtigungen beim hiesigen Infanterie-Regiment ihren Anfang.
* Oekonomische Musterung. Uebermorgen hat das hiesige Ulanenregiment ökonomische Musterung.
* Telegrapheubetrieb. Bei dem Stadtpostamt Hanau 2 ist am 16. April der Telegraphenbetrieb eröffnet worden. Die neue Telegraphenbetriebsstelle besaßt sich lediglich mit der Annahme von Telegrammen.
* Oratorienverein. Wir verfehlen nicht, an dieser Stelle nochmals auf das morgen Abend 7 Uhr im „Deutschen Haus" stattsindende Konzert des Oratorienvereins (die Legende der heiligen Elisabeth) aufmerksam zu machen. Ueber Inhalt und Charakteristik des hervorragenden Werkes Liszt's haben wir dieser Tage aus berufener Feder schon einen Aufsatz gebracht. Erwähnt sei nur noch, daß es der Oratorienverein weder an Mühe noch Kosten hat fehlen lasten, um dem musik- liebenden Publikum unserer Vaterstadt eine möglichst abgerundete Aufführung zu bieten. Es ist nun Sache des Publikums, diese Mühe und vor Allem das Bestreben des genannten Vereins, auch größere, neuere, klassische Tonwerke hier zu Gehör zu bringen, durch ein Vollbesitzes Haus zu lohnen.
* Operetten-Vorstellttng. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Verehrliche Redaktion! Um den vielfach an mich gerichteten Anfragen und Wünschen zu willfahren und gerecht zu werden, erlaube ich mir auf diesem Wege — da es mir de facto an der Zeit mangelt, um jeden Brief dieser Art zu beantworten — einem geehrten Publikum mitzutheilen, daß am Mittwoch den 24. April die allgemein gewünschte und wie es scheint sehr beliebte Operette „Der Vogelhändler"
in Lzene gehen wird. Ich glaube somit den vielfach geäußerten Wünschen entsprochen zu haben und bitte auch ferner, mich mit Ihrem Vertrauen zu beehren, ich werde stets bestrebt sein, mich desselben würdig zu erweisen. Hochachtungsvoll und ergebens!: Otto Reimann".
— „Undine". Der ungemein rührige Leiter der Monats-Oper, Herr Direktor Reimann, hatte für gestern Sonntag eine Gedächtnihfeier zu Ulbert Lortzings hundertjährigem Geburtstage im Stadttheater veranstaltet. Er war damit der Zeit etwas vorangeeilt, doch wird man eine Peier, dem Andenken des populärsten aller Opernkomponisten gewidmet, stets willlommen heißen müssen, denn Lortzing steht in der Volksthümlich- teit seiner Opern unerreicht da. In der Gewalt des dramatischen Ausdruckes, in allen Feinheiten einer glänzenden Technik ist er von den hervorragendsten unserer Musikgrößen wohl übertroffen, aber in dem gesunden, von echtem wahrhaftem Empfinden durchströmten Ausdruck seines Talentes und der Aufrichtigkeit und leichten Verständlichkeit seiner Kunst von keinem Einzigen. Lortzings Melodien sind alle in das Volk einge- ürunc en, fast ein Jeder kennt und singt seine Lieder aus dem „Waffenschmied", „Zar und Zimmermann", „Undine", und die Anerkennung, die der bescheidene Mann bei Lebzeiten nur sehr spärlich gefunden, hat die Nachwelt seinem Andenken in reichem Maße dargebracht. Eiugeleitet wurde die gestrige Aufführung durch das Theaterorchester mit einer Ouvertüre, in welcher alle die bekannten und beliebten Melodien seiner Lieder in harmonischer Vereinigung herausklangen. Den nachfolgenden Prolog sprach Herr Magnus Martins einfach und warm. Die hierauf folgende Aufführung feiner romantischen Zauberoper „Undine" nahm den besten, der Feier würdigen Verlauf. Herr Friedrich Mannsfeld als Leiter der Vorstellung und Herr Kapellmeister Ph. Hofmann am Dirigentenpulte hatten ersichtlich Alles ausgeboten, die Ausführung zu einer genußreichen zu machen. Die Handlung der Oper leitet uns in das Wunderland der Märchen. Der mächtige Wasserfürst Kühleborn hat sein Kind Undine in die Menschenwelt gegeben, um an ihm zu prüfen, ob die Menschen besser seien als die Geister des Wassers Die Probe fällt zu Ungunsten des Menschen aus, denn er findet in der Seele des Menschen nicht das Gute. Undine, die als Kind von armen Fischerleuten gefunden, ist zu einer schönen Jungtrau herangewachsen und muß der Liebe Lust und Leid an sich erproben, bis sie die endliche Vereinigung mit dem Geliebten fern von der Menschenwelt bei den Geistern des Wassers in dem Schloß des Vaters findet. Solche Sachen aus der Geister- und Märchenwelt haben ihren besonderen Reiz und man gibt sich dem Zauber, den sie ansüben, willig hin, besonders, wenn sie in so treuherziger Weise Ausdruck finden, wie hier bei dem Dichterkomponisten, und mit so schlichter, warmer Empfindung ausgestattet find. Alich die Einzeldarsteller boten durchweg nur lobenswerthe Leistungen. Eine ungemein liebliche Undine war Fräulein Fiedler. Der bestrickende Zauber, den Lortzing über diese Gestalt gebreitet, ward von der jungen sympathischen Künstlerin auf das Glücklichste gewahrt, ihre ganze Erscheinung, der Klang ihrer Stimme, die Art ihres Vortrages, ihr reizendes Spiel vereinigten sich zu einer harmonischen Gesammtwirkung der reizvollsten Art. Den mächtigen Wasserfürsten Kühleborn verkörperte Herr Ci anda mit allen Mitteln seines prächtigen Gesangs- und Darstellungstalents Dem dämonischen Zug in dem Charakter ward seine Darstellung ebenso gerecht, wie de» wärmeren Stellen, wo die väterlichen Gefühle zum Durchbruch kommen. Den Ritter Hugo von Ringstetten gab Herr Schröter mit gutem Gelingen. Sein Vortrag durchströmte leidenschaftliches Gefühl und die nöthige Wärme. Den Veit spielte Herr Frenkel mit frischer Natürlichkeit, sein Vortrag des bekannten Liedes „Vater, Mutter, Schwester, Brüder hab ich auf der Welt nicht mehr" hatte den stürmischsten Beifall gefunden und der zugegebene Vers, in welchem er das Andenken Lortzings feiert, gestaltete sich zu einer spontanen Huldigung für den Komponisten. Zu einer drastischen Wirkung brachte Herr Mannsfeld den Kellermeister Hans; das prächtige zum Vortrag gebrachte Duett der beiden Letztgenannten fand ebenfalls den lebhaften Beifall der Zuhörer. Herr Stephani glänzte mit seinem schönen Baß in der Parthie des Paters Heilmann und in kleineren Rollen waren mit gutem Gelingen noch beschäftigt Frl. Resch und Herr Lindner. Trotz des herrlichen Frühlingswetters war das Theater gut besucht.
O Der Verein mittlerer Staats - Eisenbahn- Beamten benutzte den gestrigen schönen Frühlingstag zu einem Ausflug nach Großauheim. Im neuerbauten Saale des Gasthauses „zum Anker" versammelten sich die Vereinsmitglieder mit ihren Damen und Familienangehörigen und waren ca. 100 Personen zugegen. Da für Musik und Unterhaltung bestens gesorgt war, so entwickelte sich bald ein munteres Leben und wurde von Jung und Alt bis zu später Stunde das Tanzbein tapfer geschwungen. Die „mittleren Eisenbahner" verstehen es, den Korpsgeist unter sich zu entwickeln und lebendig zu erhalten und muß es zum Nutzen des Ganzen das Gefühl der Zusammengehörigkeit stärken, wenn sich Alle, vom Chef und Dienststellen-Vorsteher bis herunter zum jüngsten Assistenten und Aspiranten, zur Pflege der Geselligkeit vereinigen. Die Leistungen des Restaurateurs Herrn Andel müssen lobend anerkannt werden.
() Gefährliche Situation. Gestern Nachmittag gegen 31/a Uhr befanden sich am Mainufer, in der Nähe der Wirthschaft „zur Mainkette" ein Knabe im Alter von ungefähr 7 Jahren und zwei kleinere Mädchen. Wahrscheinlich hatte Ersterer die Absicht, von den dort massenhaft an der Wasseroberfläche herumschwimmenden kleinen Fischchen einige mit einem Sonnenschirmchen heraus zu holen; da dies aber nicht gelang, wollte er jedenfalls die Thierchen mit der Hand zu erhaschen suchen, denn kurz entschlossen hing er sich an die Ufermauer und hatte — statt der Hände — die Füße bis über den Knöcheln im Wasser. Nun muß dem kleinen Mann die Sache doch etwas bedenklich erschienen sein, denn obwohl er sich mit den Händen krampfhaft an dem schrägabfallenden Mauerrand festhielt, konnte er sich doch nicht allein aus seiner gefahrvollen Lage befreien. Schreiber dieses, der sich am andern Ufer des Mainkanals, am Bootshause befand, konnte nichts anderes
thun, als einen jungen Mann, der in der Nähe des Knaben sich in einem angeketteten Nachen zu schaffen machte, aufmerksam zu machen, dieser sprang sofort an's Ufer und rettete den nun nach Hilfe rufenden Knaben vom sichern Tode des Ertrinkens.
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4< Rüdigheim, 21. April. Am heutigen Tage feierten die Eheleute Sattler Johannes Heck und Frau, geb. Muth, das seltene Fest ihrer goldenen Hochzeit. Nach beendigtem Nachmittagsgottesdienst begab sich das Presbyterium in Begleitung des ersten Lehrers und des Bürgermeisters in das Haus der Genannten, woselbst im Kreise von Verwandten und Freunden, die aus der Nähe und der Ferne herbeigeeilt waren, eine gottesdienstliche Feier veranstaltet wurde. Am Schluffe derselben verlas Pfarrer Römer ein Glückwunschschreiben aus dem Zivilkabinet Sr. Majestät des Kaisers und überreichte den Eheleuten Heck die ihnen verliehene Ehejubiläumsmedaille. Auch wir wünschen dem Jubelpaare von Herzen einen langen, friedlichen und reichgesegneten Lebensabend im
Kreise der Ihrigen.
* Ans dem Landkreise Hanau, 21. April. Die Zahl der Brände belief sich im Jahre 1900 auf 46 (73 im Vorjahr), darunter 9 größere, 18 Zimmer-, 3 Schornstein-, 6 Wald- und 10 andere Brände, einschließlich 3 durch Blitzschlag. Der Gesammt-Brandschaden wurde für Immobilien auf 22 928.87 Mark (gegen 89 442.98 Mark im Vorjahr), Mobilien auf 10 756.18 Mark (gegen 79 615.62 Mark im Vorjahr, festgestellt und ausgezahlt. Die auf den Kreis vertheilte Brandsteuer betrug 76 324.39 Mark.
© Vom Lande, 21. April. Die wenigen sonnigen Frühlingstage haben die ganze Natur fast urplötzlich umgewandelt. Das jungfräuliche Wiesengrün entzückt Auge und Herz. Allenthalben keimt's und sprießt's. Die Tragknospen der Bäume schwellen und versprechen eine reichgesegnete Obsternte, wenn keine Nachtfröste die Hoffnungen zerstören. In den Gärten und auf den Fluren wimmelt es von fleißigen Händen, die rastlos nachzuholen sich bemühen, was durch die bisherige trostlose Witterung versäumt wurde. Leider hat die Winterstrenge in den Blumengärten unerbittlich gehaust. Viele Rosenstöcke, namentlich die feineren Sorten, sind total erfroren.
mittags 12 Uhr am 20./4.
BaromeLerftand
22./4.
Sehr trocken Beständig
' Schön Veränderlich
Regen (Wind
Viel Regen
Sturm
770'
760.
760-
740-
730,
720
710
.77t
,760
M
,740
730
720
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 22. April,
9 Uhr 35 Min.
Höchster Luftdruck erstreckt sich vonsWestrußland bis Zentraleuropa, über 770 mm an der südöstlichen Ostsee, eine Depression unter 755 mm lagert am Bicayasee. In Deutschland ist das Wetter ruhig, trocken, außer im Nordosten heiter.
Prognose für den 23. April: Fortdauer der herrschenden Witterung bei höheren Tagestemperaturen wahrscheinlich.
Uereinsnachrichte«
für Montag den 22. April.
Oratorienverein : Abends 7 Uhr: Generalprobe im sSaalban „zum deutschen Haus". -
Kirchenchor der Johanniskirche: Abends präcis^ .Uhr: Probei im
UebungSfälcheu der Kirche. m r
Evang. Männer- und Jünglingsverein: Gesang (Ev. Vereinshaus.)
Radfahrerverein .Union"- Vereinsabend tm .Schutzenhof".
Turn- u. Fechtklub: Turnen der Dameuabtheilung.
Deutschnationaler Handlungsgehütfen-Verband: VereinSabend in de, Schwedischen Krone".
Stenographen-Verein Stolze-Schrey: VereinSabend in der „Sonne"
Klub „Aluicitia": Vereinsabend im „Deutschen HauS".
Verein „Hessischer Bund": Versammlung im Vereinslokal „zum Hefsi' schen Hof".