Viertes Blatt.
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t^mud: uiio oerle^i in der Buchdruckerei des verein, ev. WayenhuufeS in Hunvu.
A»iliihts Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonu- und Feiertag«, mit belletristischer Beilage.
Berantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
-kl. 92.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Samstag drn 20. April
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
M*
1901
politischer Wochenbericht.
Der Reichstag hat nach beendigten Oster-Ferien seine Arbeiten wieder ausgenommen. Noch harrt ein reicher Be- - cathungsstoff seiner Erledigung. Der eine Theil der Vorlagen hat die Kommissions-Verhandlungen eben erst passirt, während Der andere sich noch im Schooße des Bundesrathes befindet. Will der Reichstag daher seiner Aufgabe gerecht werden, ohne Die Tagung allzu lange hinzuziehen, so wird er der Redelust seiner Mitglieder Zügel anlegen und für ein beschlußfähiges Haus Sorge tragen müffen. Es liegt dies im eigensten Jnteresfe des Parlamentarismus selber, der sich seine Stellung Um öffentlichen Leben der Nation auf die Dauer nur durch Fleiß und positive Leistungen, nicht aber durch unfruchtbare Parteikämpfe und Reden zum Fenster hinaus sichern kann.
Der Kronprinz des deutschen Reiches hat der Einladung Kaiser Franz Josephs Folge geleistet und eine Reihe von Tagen als Gast am Wiener Kaiserhofe zugebracht. Der Herrscher des verbündeten Nachbarreiches wie die Wiener Bevölkerung bereiteten unserm jungen Kronprinzen einen überaus herzlichen und großartigen Empfang. Die unwandelbare Innigkeit und Festigkeit freundschaftlicher Gesinnungen, durch welche die Kaiserhäuser und Völker Deutschlands und Oesterreichs miteinander verbunden sind, haben in dem Wiener Festesjubel aufs Neue erhebenden Ausdruck gefunden. Während aber in der schönen Donaustadt der Kronprinz durch den unwiderstehlichen Zauber feinsten Taktes und jugendfrischer Liebenswürdigkeit alle Herzen wie im Fluge gewann, that sein Bruder Adalbert, der drittälteste Sohn des deutschen Kaiserpaares, einen ernsten Lebensschritt. Es fand nämlich zu Kiel im Beisein des Kaiserpaares der feierliche D i e n st e i n - tritt des Prinzen Adalbert in die Marine statt. Die engen persönlichen Bande, welche den obersten Kriegsherrn Deutschlands mit unserer kühn emporstrebenden Seemacht verknüpfen, haben durch diesen Akt erneute Festigung und Bekräftigung erfahren.
Aus China ist eine Unglücks-Botschaft eintzetroffen. Danach brannte der Kaiser-Palast in Peking nieder; General von Schwarzhoff wird vermißt und der Feldmarschall MGraf Waldersee vermochte sich nur mit knapper Noth durchs Fenster aus seinem Asbest-Hause zu retten. Es wird Brandstiftung vermuthet. Hauptmann Bartsch ist, wie nunmehr feststeht, das Opfer eines Verbrechens geworden. Chinesen haben ihn vom Pferde geschaffen und man hat auch den Hauptschuldigen bereits ergriffen. Die bisherigen Angaben des frechen und rohen Burschen über die nähern Umstände der Ermordung des deutschen Offiziers aber sind offenbar lügen- - hafter Natur. Auch sonst macht chinesische Tücke und Feindseligkeit den Verbündeten immer noch zu schaffen. Gegen den
Feuilleton.
Gesundheitliche Gefahren durch Daustbiere.
Medizinische Plauderei von Dr. Julius Jessen.
(Nachdruck verboten.)
Jahrhunderte, ja Jahrtausende lang betrachtete es die medizinische Wissenschaft als ihre einzige Aufgabe, die Symptome • der Krankheit, nicht die Krankheit selbst zu beiampstn^ das log ja natürlich zum großen Theile daran, daß man in Folge unzureichender diagnostischer Hilfsmittel das Wefers und die Ur= fachen vieler Erkrankungen überhaupt nicht ergründen konnte. In der neueren Zeit aber ist man zu der Erkenntniß gelangt, daß auch für die medizinische Wissenschaft der bekannte Satz galt, daß die beste Parade der Hieb sei; daß man mcht erst warten solle, bis irgend eine Krankheit von dem Menschen Besitz ergriffen, sondern daß man, soweit dies irgend möglich sei die Gefahrenquelle selbst verstopfen müsse. So ist es nur natürlich, daß man emsig Umschau gehalten hat und halt, woher überall dem Menschen Gefahren drohen. Daber fand man nun eine Reihe von Gefahren, die man früher zwar vielleicht schon qekannl, der nicht beachtet hatte. Man sand tefpieläroeife, daß anch durch die Hausthier- uns eine Reche von Ge- fahren erwachsen können. .
J Ja dieses Gebiet ist sogar so groß, daß ich es bet der heutigen Betrachtung -inschrânk-n möchte. Ich möchte diejenigen Thiere ausschalt-n, die nur in landumchschastüch-n ober ge- werblichen Betrieben in Betracht kommen! Bei ihnen handelt es sich meistens um G-sahr-u, die durch den G-nusi .ihrer Produkte -Nist-H-N. Freilich sind gerade diese lSesahren in- großen und oerbreitelsten. Man denke nur daran, n>-lch°S ung-heur- Aulieben es erregte, als vor noch nicht allzu langer Zeit entdeckt wurde, daß ein großer Theil unserer Milchkühe Aber-
trotzköpfigen Liu, der im Westen von Paotingfu an der Spitze einer starken chinesischen Heeresmacht steht, wird gegenwärtig eine deutsch-französische Expedition unter dem Oberbefehl des Generalmajors Freiherrn von Gayl vorbereitet. Hoffentlich gelingt es derselben, ein heilsam wirkendes Exempel zu statuiren. Schließlich sei noch erwähnt, daß der erste größere Transport nicht mehr felddienstfähiger China-Kämpfer in Deutschland eingetroffen ist. Möge den wackern Kriegern auf heimischer Erde recht baldige Genesung und Erholung zu theil werden.
In Südafrika hat der britische Oberkommissar Sir Alfred Milner Urlaub zu einer Reise nach England nachgesucht und erhalten. Der Urlaub wird mit dem Gesundheitszustände Milners begründet, aller Wahrscheinlichkeit nach aber bergen sich auch noch andere Gründe dahinter. Sir Alfred Milner ist bekanntlich nächst Cecil Rhodes der von den Buren am stärksten gehaßte Mann in Südafrika, und nach Chamberlains Eingeständniß im Unterhause hat Botha während der Friedens-Verhandlungen gegen die Persönlichkeit Milners den „schärfsten Protest" erhoben. Inzwischen schleppt sich der Krieg mit wechselndem Glücke fort, und man sieht weitern Monaten aufreibenden Kampfes entgegen.
Kaum ist der Marseiller Ausstand glücklich beigelegt, so findet nun in Genua ebenfalls ein Streik der Heizer, Matrosen und Hafen-Arbeiter statt. Dieser Streik nimmt immer schärfere Formen an und es wird befürchtet, daß er auf die übrigen Häfen Italiens übergreife. Schon gährt es in Liverno, Neapel, Civitavecchia, und auch die Häfen des adriatischen Meeres können leicht in Mitleidenschaft gezogen werden.
In Gngland
ringen zwei Strömungen nach Oberwaffer, die beide eine gemeinsame Quelle haben. Diese Quelle ist die Einsicht, daß England mit seiner vor fünf Jahren hochgepriesenen „glänzenden Jsolirung" auf die Dauer und besonders nach dem moralischen Zusammenbruch seiner Landarmee in Südafrika schlechte Geschäfte macht. Man wünscht, ein System ausgegeben zu sehen, das ohne bestimmte große Ziele arbeitete und immer nur darauf bedacht war, aus dem Streite und den Jnteresfen-Gegensätzen anderer Mächte Gelegenheits-Vortheile zu ziehen. Die eine Richtung will nun einen friedlichen Ausgleich, eine Annäherung mit Rußland, d. h. derjenigen Macht, die in Asien die englischen Interessen auf's Empfindlichste bedroht. Ihr Mundstück sind besonders die liberalen „Daily News," in denen nach einem Wechsel ihrer Besitzer russische Einflüsse immer deutlicher geworden sind. Auf der andern Seite stehen Organe, die gleichfalls kulos ist und daß die Tuberkulose, dieses furchtbare Leiden, dem jährlich etwa ein Siebentel aller Sterbenden zum Opfer gefallen ist, durch den Genuß der Milch solcher Kühe weiter verbreitet oder übertragen werden kann. Ist doch bis zum heutigen Tage — wir lasen erst ganz kürzlich in einem medizinischen Fachblatt Streitartikel über diese Frage — noch nicht einmal festgestellt, ob selbst beim Erhitzen der Milch bis 100 Grad die gefährlichen Spuren der Tuberkelbazillen getödtet und damit unschädlich gemacht werden können. Und doch würde bei einer derartigen Erhitzung nicht nur der Geschmack, sondern auch der Nährwerth der Milch bereits stark leiden. Nur durch vorhergehende thierärztliche Untersuchung der Kühe auf Tuberkulose kann eine Gewähr dafür geboten werden, daß tuberkelfreie, also unschädliche Milch geliefert wird. Es leuchtet ohne Weiteres ein, welche enormen Gefahren bei dem Genusse eines so wichtigen Volksnahrungsmittels, des Hauptnahrungsmitlels unserer Kinderwelt, entstehen können, welche gesundheitlichen Gefahren selbst von dem nützlichsten aller Hausthiere, der Kuh, herrühren können.
Ich habe unwillkürlich doch einen Moment länger bei dieser so überaus wichtigen Frage geweilt; im Uebrigen aber möchte ich nur diejenigen Thiere in den Kreis der Betrachtungen ziehen, die wir gewissermaßen als Hausgenossen und oft als recht verhätschelte Hausgenossen in unsere Wohnung ausgenommen haben. Hier handelt es sich eigentlich in der Mehrzahl der Fälle um"Luxushausthiere, d. h. um solche, die man aus Liebhaberei, Spielerei, zur Zerstreuung oder zum Amüsement erworben hat. Hier wird die Frage nahe liegen, ob nicht in einzelnen Fällen durch diese Hausthiere Gefahren in dem Umfange entstehen können, daß sich die Abschaffung dieser Hausthiere empfiehlt. Das dürfte sich allerdings nur in einer kleinen Zahl von Fällen als wünschenswerth erweisen.
Die beiden Thiere, die als Hausthiere überall am meisten in Betracht kommen, sind die Katze und der Hun d. Beide sind in ihrem Verhalten grundverschieden. Während der Hund, soweit er seinem natürlichen Instinkte folgt und nicht ein ver-
unter Anklagen gegen das unzuverlässige Schwanken des Premier-Ministers Lord Salisbury einen engern Anschluß an die europäischen Friedensmächte befürworten. Am besten kennzeichnet sich diese Richtung in zwei von der konservativen „Morning Post" veröffentlichten Artikeln.
Der erste Artikel führte aus, wie England in den letzten Jahren in dem Wettstreit sämmtlicher Mächte bei jeder Gelegenheit zu kurz gekommen sei und durch seine Unentschlossenheit und Schwächlichkeit die Zielbewußtheit der andern geradezu er- muthigt und gefördert habe. Die schüchternen und zögernden Sympathie-Beweise, die Lord Salisbury gelegentlich wohl dem Dreibünde habe zukommen lassen, seien vereinzelt geblieben und hätten eine nachhaltige Wirkung auf die Politik Englands nicht üben können. Nutzlos, da nicht mit dem nöthigen Nachdruck durchführbar und daher zu leeren Drohungen herabsinkend, seien auch jene Vorschläge, welche eine Herausforderung Rußlands in sich schlössen, wie sie erst kürzlich wieder im Parlament gemacht worden seien. Eine wirklich fruchtbare Diskussion, mit großen nationalen Zielen vor Augen, würde dagegen eröffnet werden können, wenn Jemand den Anschluß Englands an den Bund der Zentralmächte zur Debatte stellte.
Der zweite Artikel ging davon aus, daß die europäische Politik an einem ernsten Wendepunkt angelangt sei: alle Mächte seien von dem unbestimmten Empfinden durchdrungen, daß etwas gegen die immer weiter um sich greifende Ueber- macht Rußlands geschehen müsse; keine aber habe es bisher unternommen, thatsächliche Schritte nach dieser Richtung in Anregung zu bringen. Der Artikel empfiehlt, ohne sich auf Einzelheiten dieser Kombination einzulassen, eine auf Englands Initiative hin zwischen Deutschland, England und Frankreich zu treffende Vereinbarung. Doch gerade eine Initiative sei unter dem Regime Salisbury wohl ausgeschlossen: England werde nur Enttäuschungen in Deutschland, Italien und Japan.verursachen, den Ruf seiner Unzuverlässigkeit sich bewahren und einer neuen Periode der Vereinsamung entgegensehen, die ebensowenig „splendid" sein werde, wie die vorhergegangene.
Auf den ersten Blick ist klar, daß sich beide Artikel nicht völlig decken. An die Stelle des Dreibunds im ersten Artikel treten im zweiten Deutschland und Frankreich. Gemeinsam ist aber Beiden die Mißstimmung gegen das System Salisbury und die Sorge für die Zukunft Englands, wenn es sich nicht gute Freunde auf dem Kontinente wirbt. Für uns ist natürlich die Richtung der „Morning Post" günstiger als in der „Daily News", und es wäre thöricht, wenn wir entgegen den Bismarckischen Traditionen durch feindseliges Verhalten gegen England selbst dazu beitragen wollten, dieses in die Arme Rußlands zu treiben.
wöhntes Schooßhündchen oder ein ganz besonders gut dresstrter Hund ist, gierig und wahllos Alles herunterschlingt, was ihm halbwegs genießbar erscheint und mit Nase und Mund selbst an den widerwärtigsten Dingen mit einem gewissen Behagen herumschnüffelt, ist die Katze äußerst wählerisch in ihren leiblichen Genüssen, von peinlicher Sauberkeit und verbringt bekanntlich einen großen Theil des Tages damit, sich möglichst sauber und spiegelblank zu erhalten. Entsprechend dieser Lebensweise und sicherlich auch im ursächlichen Zusammenhänge damit — denn auch für die Thierhygiene ist Sauberkeit das Alpha und Omega — ist der Hund nicht nur von Ungeziefer, sondern auch von einem ganzen Heere von Krankheiten geplagt, während die Katze zu den gesündesten Thieren gehört. Dem entspricht es alsdann wiederum, daß uns von der Katze erheblich weniger Gefahren drohen, als von dem Hunde.
Auf eine freilich recht seltene Gefahr, die von den Katzen droht, seien aber wenigstens alle Mütter aufmerksam gemacht. Man lasse nie einen Säugling allein in einem Zimmer schlafen, in dem sich eine Katze befindet. Daß die Katzen gelegentlich .wieder Raubthiergelüste bekommen und anfangen, die kleinen Kinder aufzufresfen, ist natürlich eine Fabel oder ein Ammenmärchen. Wohl aber kommt es vor, daß die Katzen bei ihrer Vorliebe für warme, weiche, mollige Plätzchen zu dem Kinde in die Wiege oder das Bettchen springen und sich so unglücklich über das Gesicht des wehrlosen und kraftlosen Kindchens legen, daß das Kind zunächst nicht schreien kann und im weiteren Verlaufe möglicherweise erstickt. Das ist zum Glück recht selten, indessen doch schon mehrfach vorgekommen. Also Vorsicht! Eine weitere, gleichfalls geringe Gefahr besteht darin, daß Katzen, weniger aus Bösartigkeit, als in einem plötzlichen Schrecken oder durch einen anderen Zufall, scharfe Kratzwunden beibringen. Diese Wunden sind an sich meistens recht gutartig und ungefährlich und pflegen schnell und glatt zu verheilen. Da aber jede Wunde die Eingangspforte einer bösartigen Infektion dar- stellen kann, so empfiehlt es sich unter allen Umständen, der-