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General-Anzeiger
Verantwort!. Redakteur : G S ch r e ck e r in Hanau.
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Nr 92
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Samstag den 20. April
Bezirks-Ferusprechanschluß Nr. 98.
1901
Amtliches.
Stadtkreis Danau.
In Abänderung meiner Bekanntmachung vom 8. b. Mts. — P 3060 — wird hiermit die versuchsweise Einrichtung 3 einer Droschkenhaltestelle an der
Sjidlvksttckk des Marktplakts
angeordnet.
Hanau den 19. April 1901.
P 3372
Königliche Polizei-Direktion, v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 zweirâderiger Stoßkarren. 1 Herrenregenschirm mit grünem Griff.
Verloren: 1 ledernes Schürzfell.
Zugeflo g en: 1 Kanarienvogel.
Hanau den 20. April 1901.
Weiterer Theil der Amtlichen Nachrichten im Dritten Blatt.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 20. April.
* Personalien. Hauptmann und Komp.-Chef Keppler im Jnf.-Regt. Nr. 166 zum überzähligen Major befördert und dem Regiment aggregirt. — Hauptmann v. Meding im Jnf.-Regt. Nr. 166 zum Komp.-Chef ernannt. — Eschborn, Hauptmann z. D. in Karlsruhe, zuletzt â la suite des Feldart.-Regiments Nr. 36 und Unterdirektor der Pulverfabrik bei Hanau, beim Landwehr-Bezirk Rastatt zum Bezirksoffizier ernannt. — v. Boddien, Major beim Stabe des Thüring. Ulanen-Regts. Nr. 6, unter Versetzung zum Kür.- Regt. Graf Wrangel Nr. 3 (Garnison Königsberg i. Pr.), mit der Führung dieses Regiments beauftragt. — v. B r a u ch i t s ch, Major und Eèkadr. - Chef im Ulanen - Regt. Nr. 10, zum Stabe des Ulanen-Regiments Nr. 6 versetzt. — Oberst!. Scholz, Chef des Generalstabes des 18. Armeekorps, zum Obersten befördert. — Glantz, Zeughauptmann 3 bei der Pulverfabrik bei Hanau, mit Pension, der Aussicht auf Anstellung im Civtldienst und seiner bisherigen Uniform, der Abschied bewilligt. — Koltermann, Zeug - Oberlt. bei der Pulverfabrik in Spandau, zur Pulverfabrik bei Hanau versetzt. — Dr. Herford, Assistenzarzt beim Jnf.-Regiment Nr. 166, wurde zum Oberarzt befördert. — Lt. Richter im Bad. Fuß.-Art.-Regt. Nr. 14, kommandirt zur Dienstleistung bei der Pulverfabrik Hanau, zum Oberleutnant befördert.
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Feuilleton
Die Bulau.
Von W. L.
(Nachdruck verboten.)
Mit vollem Rechte kann der Hanauer stolz sein auf die schönen Wälder seiner Heimath, welche namentlich in der Frühlingszeit einzelne geradezu herrliche Spaziergänge bieten. Der . schönste Wald hiesiger Gegend ist aber, was Waldszenen und Malermotive anbelangt, unbestritten die B u lau, besonders, so weit das Jnundationsgebiet des K i n z ig fl uss e s reicht. Das belebende Moment des sich zwischen grünen Blättermauern dahinschlängelnden Flusses, in dessen Spiegel oft die Randbäume und Sträucher ehre Zweige eintauchen, das heimliche Rauschen des Wassers unter dem grünen Wogenschlage der lichthungrigen Baumwipfel, trägt auf seine Art wesentlich dazu bei, die' Schönheit dieser Waldidyllen zu erhöhen. So bietet ein Gang durch die Bulau entlang dem Flusse eine solche Fülle von Abwechselung, einen solchen Wechsel der Szenerie, daß ein stimmungsvolles Bild das andere gleichsam jagt. Und diese herrlichen Bäume! Nicht nur den Baum als Typus sieht man hier, Chäraktergestalten der deutschen Baumwelt treten uns in der Bulau in solcher Fülle entgegen, wie es selten nur in einem anderen Walde der Fall sein kann. Alle Holzarten im buntesten Wechsel und in jeglichem Alter bilden Waldszenen von geradezu einziger Schönheit. Die Bulau ist nicht nur der schönste Wald unserer engeren Heimath, sondern wohl einer der schönsten von ganz Nc itteldeutsch- * land. Freilich haben auch nur wenige Waldur gen solche vorzüglichen Wasserverhältnisse. Die Bulau trägt nämlich, soweit das Ueberschwemmungsgebiet des Flusses reicht, stellenweise entschieden den Charakter des Auenwaldes, welcher an den weiter entfernten, höheren Stellen allmählich in Heidewald übergeht, während an anderen Stellen der oft
Operette. Was in dieser Woche der von südlicher Leidenschaft durchströmten Musik von Pietro Mascagni und der gewaltigen künstlerischen Macht des behandelten Stosses in seiner „Cavalleria rusticana“ nicht gelungen, nämlich die Theaterräume zu füllen, das haben gestern Freitag die lustig tändelnden Weisen von Johann Strauß in seiner leichtgebauten Operette „Die Fledermaus" spielend zu Wege gebracht. Auch in der Musik gilt der Satz, daß das leichtere Genre das bevorzugteste ist. Mit der Aufnahme der Operette in den Spielplan ist Direktor Reimann den Wünschen des Publikums entgegen gekommen und der Besuch der Vorstellung wird ihn dieses Entgegenkommen nicht bereuen lassen. Neben dem „Vogelhändler" gehört diese Operette hier zu den beliebtesten, wie frühere Ausführungen schon zur Genüge bewiesen haben. Wir haben uns mit dem Gehalt des Stückes schon früher eingehend beschäftigt; der prickelnde Reiz der Strauß'schen Melodien schlägt erfolgreich jedes aufsteigende Bedenken gegen den behandelten Stoff in die Flucht und die Geister des Frohsinns und Humors behaupten siegreich das Feld gegen moralische Anwandlungen und Einwendungen, die Verstand und Vernunft zu machen hätten. Die Aufführung gestern ging auf den Uebermuth und den Situationshumor bereitwillig ein und zeitigte eine Reihe köstlicher Einzel- leistungen. Der Gabriel von Eisenstein, der das Angenehme seiner Häns- lichkeit mit der Gcsängnißzelle vertauschen soll, vorher aber noch einmal den Becher der Freude auskosten kann, fand in Herrn Magnus-Martin den erforderlichen Darsteller, der den genußfrohen, leichtlebigen Don Juan in der liebenswürdigsten Manier verkörperte. Seine für Tenöre und das hohe C schwärmende Frau fand in Fr. Eilers-Linten eine reizende Vertreterin, die mit neckischem Humor ihre hübsche Parthie auszustatten wußte und im gefälligen Gesang und flotten Spiel von Anfang bis zu Ende zu fesseln verstand. Den sür Herrn von Eisenstein inhastirten Herrn Alsred gab Herr Schröter gesanglich auf das Beste und auch sein Spiel fügte sich dem flotten Ensemble gut ein. Frisch und anmulhig, voll reizender Naivetät und Schalkhaftigkeit.gab Frl. Fiedler die Adele, das Stubenmädchen Nosalindens, die Szenen im Salon des Prinzen Orlofski boten der sympathischen Sängerin Gelegenheir, ihr liebenswürdiges Talent auf das Vortheilhasteste zu bethätigen. Der Prinz Orlofski, der mit seinen achtzehn Jahren schon von Genuß übersättigte Russe, gab Frl. Resch Gelegenheit, in gutem charakteristischem Spiel und Gesang sich auszuzeichnen. Herr- Frenkel, als Gefängnihduettor Frank, spielte mit dem ihm eigenen natürlichen Humor, in jecem Stücke ist dieser verwandlungsfähige Darsteller ein Anderer und jeder Rolle gewinnt sein humorvolles Tarstellungstalenl die beste Seite ab. Den Gerichtsdiener Frosch, den Beschließer des fidelen Gefängnisses, gab Herr Hunold mit gewohnter kräftiger Betonung des Komischen. Als Leiter der Vorstellung sungirte Herr Magnus-Martins und als Leiter des musikalischen Theiles Herr Kapellmeister Nitzsche. Beiden Herren^sei volle Anerkennung für den flotten Verlauf des Ganzen ausgesprochen Der von Frl. Minna Körner als Einlage gebrachte Tanz im zweiten Akte wurde von der Dame graziös und sicher ausgeführt, lebhafter Beifall quittirte dankend für die hübsche Leistung.
* Oper. Sonntag den 21. Apnl findet an unserem Stadttheater zu Ehren des 100jährigen Geburtstages Lortzings eine Fest-Vorstellung resp, eine Lortzing-Feier statt. Eröffnet wird diese Feier durch einen Fest-Prolog, der jüngst in Berlin am königl. Opernhause anläßlich derselben Feier von dem Hofschauspieler Max Grube gesprochen wurde und den Meister Lortzing in Versen begeistert schildert. — Weber's Jubel-Ouvertüre wird hierauf von dem Theater-Orchester exekutirt, während der letzten Takte hebt sich der Vorhang — und man sieht als „Apotheose" die Büste Lortzing's, umgeben von Gestalten aus seinen Opern. Dies der erste Theil der Feier! Hierauf folgt seine unvergleichliche und unsterbliche „Undine", die Perle aller Volks
reine Erlenbestand den Habitus des Bruchwaldes trägt. Der Wald schließt besonders im Distrikt Lache noch bedeutende und oft tiefe Wasserstücke ein, ehemalige Flußarme, die sich sowohl durch das sehr oberflächliche Grundwasser als durch alljährliche wiederholte Ueberfluthung erhalten, durch Wasserpflanzen und Blätterfall allmählich zum Sumpfe und endlich auch Wald werden. Der Grund und Boden ist hier vorwiegend Schlemmsand der Kinzig, welche die ganze Fläche in eine Sandebene verwandelt hat, doch tritt hier und da auch schwerer Lehmboden auf, welcher nach dem Reichthum der Bulau an Schnecken (namentlich Helix arbustorum, fruticum und Clausilia nigricans) zu schließen, wohl in der Tiefe mindestens mergelig ist.
' Was das Wort Bulau bedeutet, ist sehr schwer zu sagen. Es würde sich zunächst fragen, ob das Stammwort bule oder bilde sei? Jedenfalls handelt es sich um einen verkürzten Stamm aus dem Althochdeutschen. Im Mittelhochdeutschen kommt das Wort Büle nur einmal vor (Minnesänger bei
Hagen 3.16. b.) und bedeutet dort waldiger Rücken. Demnach könnte das Wort Bulau (u kurz) bedeuten Waldrücken in der Au, obgleich von einer Bodenerhebung nicht die Rede sein kann. Bei der Bulau handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein uraltes, ursprüngliches Waldgebiet, und an manchen Stellen kann sicherlich nicht die Rede davon sein, daß wir Reste früherer absichtlicher Anpflanzung vor uns hätten. Tie Bulau ist, genau wie auch die Scheuer auf der anderen Seile des Flusses, jedenfalls ein urwüchsiger Wald- biftritt — niemals Ackerflur, Viehtrift oder Wiese gewesen, denn sonst hätten sich die Reste des römischen Grenzwalls, des bekannten Limes Romanus, der die Bulau durchquert, wohl kaum sichtbar bis auf unsere Tage erhalten sönnen, wenn sie nicht ständig durch Wald geschützt worden wären, denn an allen Orten, wo heute Aecker und Wiesen sind, ist wenigstens oberflächlich auch keine Spur dieses Pfahlgrabens mehr erhalten geblieben. Ter Wald zeigt keinerlei Spuren davon, daß ihm etwa ein absoluter Kahltrieb vorangegangen wäre, vermuthlich
Die heutig« W*mK*<e «msatzt außer d«m Uut«rhatt«ugiibl<Ut 16 S«tt«m
opern. Wie genau und zielbewußt Herr Direktor Reimann arbeitet, sehen wir durch Ansetzung dieser Volkssper am Sonntag wieder. Er will, daß alle Kreise das Theater besuchen und setzt ihnen daher diese köstliche, echte, wahre, deutsche, volksthümliche Oper vor. Wir sind gezwungen, diesem jungen und doch so tüchtigen Leiter der heurigen Opern-Stagione an dieser Stelle zu danken, daß er so sehr bestrebt ist, jedem Geschmacke des Publikums Rechnung zu tragen. Die Vorstellung beginnt Sonntag den 21. April Punkt 7 Uhr und bitten wir alle musikliebenden Kreise unserer Stadt, diesen Ehrenabend — eines leider so früh verstorbenen Meisters deutschen Liedes — durch ihren zahlreichen Besuch zu verherrlichen.
* Zeichenakademie. Mit Beginn des neuen Schuljahres hat Herr Dr. Grundmann, bisher am germanischen Museum in Nürnberg, die Stelle eines Bibliothekars und Lehrers für Kunstgeschichte an Kgl. Zeichenakasemie übernommen.
* Vieh- und Obstbaumzählung. Nach den vorliegenden vorläufigen Ergebnissen hatte die Vieh- und Obstbaumzählung vom 1. Dezember 1900 für den Stadtkreis Hanau folgendes Ergebniß: 1311 Pferde, 1 Esel, 284 Rinder, 302 Schafe, 251 Schweine, 161 Ziegen, 4135 Stück Federvieh, 79 Bienenstöcke, 19,131 Obstbäume in 686 Vieh besitzenden Haushaltungen. Das Ergebniß für den Landkreis Hanau stellt sich wie folgt: 2337 Pferde, 4 Maulthiere und Maulesel, 1 Esel, 14,095 Rinder, 1796 Schafe, 20,439 Schweine, 5730 Ziegen, 64,901 Stück Federvieh, 1295 Bienenstöcke, 259,507 Obstbäume in zusammen 6808 Gehöften mit 6590 Vieh besitzenden Haushaltungen.
* Die Bauthätigkeit im Landkreise. Im Jahre 1900 wurden baupolizeilich genehmigt 160 Wohnhäuser und 220 sonstige Bauten. Die Bauthätigkeit hatte gegenüber der Vorjahre (1898: 481 Wohnhäuser, 162 sonstige Bauten; 1899: 401 Wohnhäuser, 308 sonstige Bauten) merklich abgenommen.
* Verpflegungsstation Hanau. Während in den Jahren 1894 bis 1899 ein steter Rückgang in den Besuchern der hiesigen gemeinschaftlichen Verpflegungsstation zu verzeichnen war, ist die Zahl der Wanderer, welche 1894—7071, 1895 —5365, 1896=4025, 1897=3512, 1898=3094, 1899= 2896 betrug, im Jahre 1900 auf 3401 gestiegen. Die Unterhaltungskosten der Verpflegungsstation beliefen sich in 1900 auf 2662 Mark 40 Pfg. (im Vorjahr 2340,25 Mark).
* Gedenktafel. Im Schaufenster von König's Buchhandlung (R. Altmannsperger) am Marktplatz ist zur Zeit die gelegentlich des 50jährigen Geschäftsjubiläums der Firma W. C. Heraeus von den Angestellten und Arbeitern gewidmete Gedenktafel ausgestellt. Die Malereien und allegorischen Darstellungen sind von Herrn Akademielehrer Wilh. Schultz in bekannt meisterhafter Weise entworfen, während die den mittleren Raum einnehmende photographische Aufnahme
ist vielmehr der Bestand nach pläuterartigem Aushiebe des Vorbestandes durch sogenannte natürliche Verjüngung nachgewachsen und nur hier und da an den Rändern nach Bedarf durch Pflanzung von passenden Hölzern ergänzt. Jedenfalls ist durch solche partielle Nachpflanzung die Linde in diesen Wald gelangt. Zwar ist das ursprüngliche Waldbild an den meisten Stellen nur noch in Resten vorhanden, aber alle emporstrebenden Jungwüchse zeigen üppiges und gesundes Gedeihen und überall erkennt man die Kraft des nahrhaften, alljährlich durch die Hochfluth gedüngten, vorzüglichen Waldbodens. Man hat es hier mit einem feuchten, gemischten Laubwald seiner großen Hauptmasse nach zu thun. Hier wachsen in herzerfrischender Kraft Eichen, Ulmen, Eschen, Rothbuchen, Erlen und Heimbuchen durch einander, während der Boden ein sehr reiches Untergestrüpp von allerlei Gesträuch, namentlich von Linden, trägt, und eine erstaunlich mannigfaltige Waldgrundflora birgt. Letztere erklärt sich wohl znm Theil aus der Fruchtbarkeit des Bodens mit seiner schwellenden Humusschicht, dann aber auch daraus, daß die gemischte Laubdecke des Waldes Licht genug zum Gedeihender Stauden durchläßt. Einzelne junge Fichten und auf sandigen Erhöhungen Kiefern, letztere aber von theilweise vorzüglichem Wüchse, kommen weniger in Betracht. Es ist ein wirklicher Naturwald aus vielen Holzarten gemischt, bald zufällig und dann besonders schön, bald in der Vermischung angelegt. Die Güte des alten Waldbodens und die reiche Bewässerung, verbunden mit der alljährlichen Ueberfluthung, welche reichliche Düngung bringt, erzeugt eben diese der Bulau eigenthümliche Ueppigkeit des Holzwuchses, wie sie nur sonst noch an wenigen bevorzugten Orten vorkommt. Wie erwähnt, herrschen Eichen, Ulmen, Hainbuchen und Eschen vor, letztere sogar, wie in den typischen Auenwäldern, in reinem Bestände, aber auch Ahorn, Linden, Erlen, Espen und Weiden finden gelegentlich zusagende und passende Oertlichkeiten. Das Unterholz, welches sogar stellenweise den Charakter von Niederwald im Hochwalde annehmen will, besteht vorzüglich aus Linden, Weiß- und Schwarz-