17. April__________ "DrabtberidnT^
Der deutsche Kronprinz in Wien.
Wien, 17. April. Der zu Ehren des deutschen Kronprinzen gestern Abend stattgefundene Ball bei Hofe nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Der deutsche Kronprinz, welcher mit den Erzherzoginnen Maria Annunciata, Maria Christina und Alice sowie mit der Tochter des deutschen Botschafters Fürsten Eulenburg und anderen Prinzessinnen tanzte unterhielt sich aufs beste. Während des Tanzes hielt der i Kaiser Cerkle, wobei er sich u. A. mit dem deutschen Botschafter auffallend lange unterhielt. Um 12 Uhr nachts war der Ball zu Ende. Morgen früh 73/» Uhr verläßt der deutsche Kronprinz mittelst Sonderzuges Wien und kehrt nach > Berlin zurück.
Die Krankheit des Königs Otto von Kayern. Berlin, 16. April. Zum Befinden des Königs Otto von Bayern wird der „Germania" von gut unterrichteter Seite aus München geschrieben: „Es ist allgemein in den politischen Kreisen bekannt, daß seit dem Auftreten des Nierenleidens bei dem Könige vor einem Jahre medizinische Sachverständige mit einer nur ganz kurzen Lebensdauer des Königs Otto rechnen. Diese Spanne Zeit beträgt nicht einmal zwei Jahre. <so lautet das Urtheil, vorausgesetzt, daß die Krankheit richtig diagnostizirt ist, woran gar nicht zu zweifeln ist."
Die Lage in China.
Wilhelmshaven, 16. April. Kontreadmiral v. Frantzius begrüßte auf dem Torpedo Exei zierplatz die mit dem Lloyd- dampfer „H. H. Muer" zurückgekehrten Mannschaften mit ktner Ansprache und brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Hieran schloß sich ein Parademarsch der Truppen.
Loudon, 1 i. April. „Daily Telegraph" meldet aus Peking: Die Gesammt-Entschädigungs-Forderung der Mächte dürste auf 50 Millionen Pfund Sterling herabgesitzt werden. Andere Telegramme sowie die Blätter verleihen der Vermuthung Ausdruck, daß infolge einer Herabsetzung der Entschädigung die verschiedenen Mächte darauf bedacht sein werden, mit China Sonderoerträge abzuschließen, um sich auf diese Weise schadlos ■ zu halten.
London, 17. April. Die „Birmingham Post" theilt mit, daß diplomatische Noten zwischen England und Japan gewechselt werden und daß die Abschließung eims Defensiv- Lertragcs zwischen den beiden Mächten demnächst zu Stande kommen werde. Diese Allianz soll den Zweck verfolgen, die Integrität des chinesischen Reiches zu sichern.
Paris, 17. April. Hier glaubt man, daß der hiesige ^Gesandte von China Jukeng ausersehen sei, nach dem Friedensschlüsse und dem darauffolgenden Einzug des Kaiserhofes in Peking eine erste politische Rolle zu spielen. Schon jetzt wurde Jukeng vom Kaiserhof beauftragt, ein politisches, militärisches und finanzielles Memorandum einzusenden. Jukeng ist für die Erweiterung der vorhandenen und Errichtung neuer Arsenale, sowie für Bestellungen neuer Geschütze in Europa. Das Milizsystem in Provinzen sei beizubehalten. Jukeng fürchtet für sein Vaterland am meisten von den Russen, besonders seitdem diese sich mit Japan wegen Abgrenzung der Interessensphären verständigt zu haben scheinen. Der Kaiserhof mißtraue mit Recht den sich als Beschützer Chinas geberdcnden Russen. Das Mandschureiabkommen werde darum nicht früher als die Arrangements mit allen anderen Mächten perfekt werden. Die 300 Millionen Taels Entschädigung, welche der Kaiserhof zugesteht, könnten in relativ kurzer Frist aus den Zollein- R nahmen bezahlt werden. Erdrosseln solle man aber China nicht! Der Kaiserhof vertraue der Einsicht jener Großmächte, die Rußland und Japan nicht als die alleinigen Herren des äußersten Ostens anerkennen wollen.
Dom Kurenkrieg.
New-Pork, 16. April. Der „New-Jork Herald" bringt ein Schreiben aus Pretoria vom 13. März, in welchem die Gemahlin des Militärgouverneurs von Pretoria, Generals Maxwell, welche Amerikanerin ist, einen Ausruf um Spenden «n warmen Kleidungsstücken für die Burenfrauen und deren Kinder in den Flüchtlingslagern erläßt. Frau Maxwell fügt hinzu, daß die Fonds in England durch die Hilfeleistungen an die eigenen Soldaten und deren Frauen und Kinder derart in Anspruch genommen seien, daß sie sich an ihre amerikanischen Landsleute, unter denen, wie sie wisse, viel Sympathie für die Buren herrsche, um Unterstützung für deren hilflose Frauen und Kinder wende.
London, 17. April. Aus Middelburg wird berichtet: Die Kriegsoperationen im östlichen Transvaal haben nunmehr begonnen. Verschiedene Kommandos sind nach südlicher Richtung abgegangen. Schalk Burger hat seine Regierungnach Ermelo verlegt. Er hatte eine Unterredung mit Botha, Stein und Dewet. Wie verlautet, liegt nach englischer Quelle die Wahrscheinlichkeit vor, daß Botha und Stein sich mit dem Gedanken tragen, das Land zu verlassen und sich auf portugiesisches Gebiet zu flüchten.
London, 17. April. Sämmtliche Blätter veröffentlichen Auszüge aus dem Bericht Lord Roberts über die Haltung verschiedener Offiziere im südafrikanischen Kriege. Der Bericht des Amtsblattes nimmt acht Spalten ein und bcschäftigt sich mit sämmtlichen Offizieren und auch mit verschiedenen Soldaten. Für die meisten findet Lord Roberts schmeichelhafte Worte. Sogar General Buller und Lord Methuen ernten bei ihm nicht den geringsten Tadel. Das Amtsblatt kündigt demnächst eine Fortsetzung dieses Berichtes an.
London, 17. April. „Daily Telegraph" meldet aus Gent, daß 350 Italiener nach Antwerpen abgereist sind, um sich nach Südafrika einzuschiffen und den Buren anzuschließen.
London, 17. April. Die englische Verlustliste vom südafrikanischen Kriegsschauplatz umfaßt für gestern 5 Todte, 9 Verwundete, einen Vermißten und 24 an Krankheiten Verstorbene.
London, 17. April. Man theilt aus bester Quelle mit, daß Sir Alfred Milner demnächst zur Erholung nach England zurückkehren wird. Während feiner Abwesenheit wird
Hanauer Anzeiger. ____________
Lord - Kitchener interimistisch die südafrikanischen Regierungs- geschäfie führen. Lord Kitchener wird sich zu diesem Zweck einen Mitarbeiter nehmen, der ihm behilflich sein wird. Milner wird später nach Pretoria zurückkehren.
London, 17. April. „Daily News" erfährt, Obertommissar Milner suchte darum nach, Südafrika mit Urlaub verlassen zu können. Der Urlaub wurde gewährt. Das Blatt fügt hinzu: Obwohl die vorübergehende Abwesenheit Milners von Südafrika mit seinem Gesundheitszustände zusammenhänge, glaube es, daß er nach England berufen werde, um dem Kabinet die Ansicht über die Lage darzulegen. „Daily Chronicle" bestätigt die Meldung und bemerkt, Milner komme Anfang Diät nach England. Der Aufenthalt werde nicht länger als 2 Monate dauern.
Pretoria, 17. April. (Reuter-Meldung.) Der Buren- general Celliers, von welchem berichtet wurde, er sei bei Lichtenburg gefallen, ergab sich den britischen Truppen bei der Besetzung von Warmbai, wo er wegen seiner bei Lichtenburg erhaltenen Verwundung in Behandlung war.
Eine Anleihe des KongostanLes in Sicht.
Brüssel, 16. April. Me „Le Soir" meldet, wird der unabhängige Kongostaat, sobald die Kammern den Gesetzent- wmf, betreffend die Hinausschiebung der Frist für Uebernahme des Kongostaates durch Belgien, genehmigt haben, eine Anleihe emittiren.
Brüssel, 17. April. Gegenüber der gestrigen Meldung des „Soir" betreffend die Emilsion einer Anleihe seitens des unabhängigen Kongostaates wird in dem Bureau der Verwaltung des Kongostaates erklärt, von einem solchen Proteste sei nichts besannt.
Merlin, 16. April. Der Kaiser hat unterm 13. April b. J. an das Kommando der Marinestation der Nordsee nachstehende Ordre erlassen: „Ich habe mit Befriedigung dem Berichte des Chefs der Marinestation der Nordsee vom 30. ü. M. entnommen, daß es der umsichtigen Thätigkeit des Kommandanten und des ersten Osfiziers Meines kleinen Kreuzers „Condor", sowie infolge der Ausdauer der Besatzung dieses Schiffes gelungen ist, den bavarirten deutschen Dampfer ,Mlawka" trotz des stürmischen Wetters in der Nordsee in Schlepp zu nehmen und zu bergen. Ich nehme hieraus gern Veranlassung, den Offizieren und der Besatzung Meines kleinen Kreuzers „Condor" Meine Anerkennung auszusprechen und bestimme zugleich: dem Korvettenkapitän Scheibel, Kommandant Meines kleinen Kreuzers „Condor", dem Kapitänleutnant v. Zawadzky, dem Oberbootsmannsmaaten Gronkowski, sowie dem Bootsmannsmaaten Weber von der Besatzung dieses Kreuzers ist aus diesem Anlaß in Meinem Namen eine Belobigung auszusprechen." — Der Kaiser wird auf seiner Reise nach Bonn dem König Albert von Sachsen in dessen Sommerresidenz Strehlen einen Besuch abstatten, um dem greisen König, welcher am 23. d. M. sein 73. Lebensjahr vollendet, persönlich seine Glückwünsche ' zu überbringen. Der Kaiser wird am 23. mittags in Dresden bezw. Strehlen eintreffen und abends die Weitereise nach Bonn antreten.
Berlin, 17. April. Gestern Abend wohnte der Kaiser im Neuen Königlichen Operntheater dem Gastspiel des Schlier- seer Bauerntheaters bei. Gegeben wurde Raucheneggers „Jägerblut". — Der „Lokal-Anz." meldet aus Cassel: Der Großhändler Hermann Rubensohn wurde von der elektrischen Bahn überfahren und schwer verletzt. — Dasselbe Blatt meldet aus Aachen: Auf der Grube „Gouley" im Sturmrevier wurden drei Bergleute nachts verschüttet. Durch angestrengte Rettungsarbeit wurden mittags alle drei wohlbehalten zu Tage gefördert.
Berlin, 17. April. Finanzminister Dr. von Miquel beabsichtigt den „Berliner Neuesten Nachrichten" zufolge am Freitag nächster Woche wieder hier einzutreffen.
Berlin, 17. April. Das Urtheil gegen die Testamentsschwindler von Buchwald und Gen. ist gestern gefällt worden. Es lautet gegen von Buchwald auf 4 Jahre Gefängniß, wovon 3 Monate Untersuchungshaft für verbüßt erachtet werden und 5 Jahre Ehrverlust, gegen Ziffer auf 2 Jahre 6 Monate Gefängniß und 3 Jahre Ehrverlust, gegen Reiß auf 3 Monate Gefängniß, welche auf die Untersuchungshaft angerechnet wurden.
Berlin, 17. April. Die „Post" meldet: Während des gestrigen Gewitters wurde der Hausdiener des Kunstgewerbemuseums bei Benutzung des Fernsprechers von einem elektrischen Schlage getroffen and am ganzen Körper gelähmt. Er wurde ins Krankenhaus geschafft.
Berlin, 17. April. Wie ein Telegramm aus Posen meldet, ist am Posener katholischen Marien-Gymnasium der polnische Unterricht vollständig in allen Klassen aufgehoben worden. Ebenso wurde der katholische Religions-Unterricht in polnischer Sprache in zahlreichen ländlichen und städtischen Schulen des Regierungsbezirkes Bromberg aufgehoben.
Berlin, 17. April. Nach einer Depesche des „Lokal- Anzeigers" aus Rom streiken bisher in Genua die Maschinisten und Heizer von 5 Dampfern, die alle der Navigazione generale angehören. Die Rheder von zwei Dampfern erfüllten die Forderungen der Streikenden, ihre Dampfer konnten also abgehen. Ferner schloß sich den Streikenden das Personal von drei weiteren Dampfern an. Die geplante Besprechung zwischen den Nhedern und den Vertretern der Verbättde in der Arbeitskammer wurde vertagt. Man beschloß den Generalstreik und wies die Vermittelung der Regierung zurück. Die Schifffahrts-Gesellschaft und die Rheder erklärten, daß sie nicht nachgeben würden. 3000 ^Streikende in Genua beschlossen in der Arbeitskammer den Streik fonzusetzen unter Aufrechterhaltung größter Ordnung. Die Versammelten appellirten an die Solidarität aller Schiffsarbeiter. Die Streikenden glauben auf 300,000 Lire Unterstützung rechnen zu können, welche sie aus den Streikkassen Deutschlands, Belgiens und Frankreichs zu erhalten hoffen.
Berlin, 17. April. Aus Zürich wird gemeldet: Die durch den bedeutenden Bergsturz oberhalb Martigni verursachte gefährliche Situation hat unerwartet eine glückliche Lösung gefunden, indem es den gestauten Wassermassen gelang, einen Abfluß zu gewinnen, sodaß vorerst eine unmittelbare Getahr für die oberhalb liegenden Ortschaften vorüber ist. Der See ist allerdings noch vorhanden, doch sind die vorgelagerten Ge-
__Seite 8. steinsmassen zu gewaltig, als daß ein Durchbruch möglich erscheint. Großer Schaden ist bisher nicht entstanden.
Genua, 17. April. Die hiesigen Ziteder ernannten einen Ausschuß, welcher mit den streikenden Schiffsmannschaften in Vergleichs-Verhandlungen treten soll.
Florenz, 17. April. Hier erkrankten 14 Personen infolge des Genusses von vergifteten „Fleischpasteten". Crner der Erkrankten ist bereits gestorben, zwei weitere befinden sich in Lebensgefahr.
Madrid, 16. April. Das Gerücht von einer karlisti- schen Erhebung im Dorboften Spaniens ist unrichtig. Ganz Spanien ist vollkommen ruhig.
Paris, 16. April. Nationalistischen Blättern zufolge wurde ein Artilleriehauptmann aus Châ'ons-sur- Marne strafweise in eine andere Garnison versetzt, weil er dem nicht genehmigten Vinzensvereine angehörte. — Die Generalräthe der Departements Alpes-Maritimes, Drome, Haute-Marne beschlossen in ihren gestrigen Eröffnungssitzungen unter Hinweis auf die jüngste Reise des Präsidenten Loubet Sympathiekundgebungen für den Präsidenten. Im Generalrathe des Departements Haute-Marne erklärte der Senator Darbot, die Geschichte werde eines Tages dar thun, daß Präsident Loubet sich als Friedensstifter in des Wortes weitester Bedeutung gezeigt habe. Die Generalräthe der Departements Charente-Jnsörieure, Mayenne und Cotes-du-Nord nahmen Beschlußanttäge gegen das Vereinsgrs tz an; in den meisten anderen General.äthen wurden die entsprechenden Anträge der Konservativen und der Nationalisten auf Antrag des Präsekten ohne Debatte abgelehnt.
Paris, 17. April. An Stelle des gegenwärtigen Generalstabschefs Renaud, welcher zunächst in die Reserve tritt, wird General Grissot, derzeit Kommandeur des 19. Armeekorps in Algier zum Kommandanten des 11. Armeekorps in Nantes ernannt worden.
Paris, 17. April. Betreffs der vom Papste in dem Konsistorium gehaltenen Ansprachen sagt die „Libre Parole", Leo XIII. werde sich nicht bloß mit einer Warnung begnügen, sondern im Nothfalle zur That schreiten. In der Umgebung des Papstes werde versichert, der Papst sei sogar entschlossen, den Nuntius abzuberufen, falls der Senat das Vereinsgesetz annehmen sollte. Der „Gaulois" schreibt anläßlich der Ansprache, der Zar und der Papst seien die Stützen der französischen Republik im europäischen Konzert. Vor einigen Wochen habe Frankreich eine Anregung von dem verbündeten Rußland erhalten und nun erhebe auch der Papst seine Summe.
Paris, 17. April. Die Automobilwettfahrt Berlin- Paris wird in 2 Abtheilungen stattfinden, die eine für Schnell- fahrer, die andere für Touristen. Die erstere beginnt am 27. 6. Für die Schnellfahrer sind 3 Tagesetappen vorgesehen, — Aachen - Hannover— Berlin. Die Touristen werden am 24. 6. von Paris abgehen und Berlin in 7 Etappen erreichen. An der Wetifahrt werden sich 280 Motorwagen betheiligen. Sämmtliche Theilnehmer werden von Potsdam aus gemeinsam in Berlin einziehen.
Marseille, 17. April. Die Genossenschaft der französischen Sekretäre veröffentlichte einen scharfen Protest gegen den Beschluß der Vereinigung der internationalen Arbeitersyndikate, wonach rein französische Syndikate in diese Vereinigung nicht ausgenommen werden sollen.
London, 17. April. Der Schatzkanzler will die Zuckereinfuhr nach England sowie Kohlen-Ausfuhr aus England mit bedeutenden Zöllen belegen, um durch diese neuen Einkünfte einen Theil der Kriegskosten zu decken.
Johannesburg, 17. April. (Reuter-Meldung.) In der Grube „Geldenhuis-Deepmine" riß heute das Seil des Förderkorbes, worin sich Eingeborene befanden. Der Förderkorb stürzte in die Tiefe. 26 Eingeborene wurden getödiet.
Schiffsbericht.
Hamburg, 16. April. Der Dampfer „Cheruskia" von der Hamburg-Ameritä-Linre ist vorgestern in St. Thomas eingetroffen.
Bremen, 16. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Stuttgart" ist gestern in Colombo und der Dampfer „Kaiserin Maria Theresia" vorgestern in New-Dork einge- lroffen.