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Erstes Blatt.

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Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Samstag den 13. April

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

1901

Hus Stadt und Land.

Hanair, 13. April.

* Kleinkinderschule im Evang. Vereinshause.

Wir freuen uns mittheilen zu können, daß Schwester Frieda von ihrer schweren Erkrankung vollständig hergestellt ist und nun nach einer längeren Erholungszeit ihre Arbeit in der Kleinkinderschule nächsten Montag wieder übernehmen kann. Ihre Vertreterin, die seither die Kinderschule mit dankens- werthem Eifer geleitet hat, ist von dem Diakonissen -Mutter- Hause zu einer anderweitigen Verwendung abberufen worden.

* Der Central Vorstand des Feuerwehr Ver­bandes für den Reg.-Bez. Cassel zu Cassel macht Folgendes bekannt: Der diesjährigeF e u e r w e h r l a g" der Feuer­wehren des Regierungsbezirkes Cassel findet am 6., 7. und 8. Juli ds. Zs. in Rotenburg a. F. statt. Anträge für die Delegirten Versammlung müssen satzungsgemäß 4 Wochen vorher an den Central-Vorstand eingereicht sein.

FC. Ein kurhessisches Klondhke. Die Eder ist bekanntlich goldhaltig. Bis unter der Regierung des Kur­fürsten Wilhelm II. in den 30er Jahren wurden kurhessische Dukaten geprägt, die sozusagen im eigenen Lande gewachsen waren. Das Gold dazu wurde aus der Eder gewonnen. Allmählich gingen die zahlreichen Goldwäschereien ein, da sich die Sache denn doch nicht recht rentirte. Nun kommt die -Kunde, daß ein Leipziger Ingenieur, der kürzlich im Auftrage einer Eisenbahnbaugesellschaft im Edenhal Vermessungen vor- genommen hat, an dem steilen Uferrand der Eder oberhalb Bringhausen eine Goldader entdeckt habe. Etwa 10 Meter über dem Wasserspiegel liegt unter dem Kieselschiefer und Basalt i eine 2 Meter starke Lage grauen Gesteins, des sog. Eisen­steins. In diesen Hallen, marmorähnlichen Felsen verläuft schräg eine schwarz aussehende Ader, welche sich bei starkem Schlag mit dem Hammer abtrennt und nach derHessischen Landeszeitung" fast reines Gold enthalten soll. Also auf nach Klondyke in Kurhessen'

Bruteier. Die von der Landwirthschaftskammer ein- gerichteten Geflügelzuchtstationen in Hanau (Kreisausschuß- Rendant Herrmann, Annastraße) und Ostheim (Lehrer Hofacker) geben Bruteier ab, worauf wir an dieser Stelle besonders aufmerksam machen wollen.

* Gewerbe-Ausstellung. Morgen Nachmittag 5 Uhr ist Schluß der hiesigen Gewerbe-Ausstellung. Hierauf findet Preisvertheilung in den Sälen der Centralhalle statt. Bei der stattgehabten Prâmiirung der Lehrlingsarbeiten wurden außer den bereits milgetheilten noch auszeichnet die Lehrlinge Wilhelm Geis und Ludwig Lapp, beide bei Herrn Schlossermeister Scheffler in der Lehre. Ersterer erhielt für ausgestellte Kantenriegel, Flügelthüre und verschiedene Anfänger-

Kleines Feuilleton.

St. Frankfurter Kunstnotizen. Frankfurt a. M., 12. April. In der mehrerwähnten Palmengarten-Matinee wird statt Frau Ende-Andraßen, welche durch Theaterprobe verhindert ist, Frau Drusila Mantler, Gattin unseres beliebten Opernmitgliedes Herrn Ludwig Mantler, mitwirken. Eine junge Frankfurterin, Fräulein Helene Strohecker, gaslirte mit durchschlagendem Erfolge am Stadllheater zu Essen als Martha" und alsMathilde" in Rossini'sTell". Die Presse rühmt einstimmig das schöne Organ, die tüchtige Schulung und die Bühnen-Routine der Künstlerin, welcher wir auch hier im Konzertsaale bereits mit Vergnügen begegneten.

Von dem großen Bismarck-Denkmal am Reichs- tagsgebäude steht die Figur des Kanzlers bereits auf dem Postament, der Helm, welcher Bismarcks Haupt bedeckt, ragt über das Dach des hohen Bretterhauses. Nunmehr ist die dritte Gruppe aus der Gießerei von Martin u. Piltzing nach dem Denkmalsplatz gebracht: die knieende Figur des Atlas, der auf seinem Nacken die Erdkugel trägt. Das Werk erhält den Platz vorn am Postament. * In dieser Woche wird dem B. L.-A." zufolge noch mit der Einfügung der acht Reliefs begonnen, von denen sechs den unteren Sockel und zwei die Seitenflächen des Hauptpostamentes schmücken werden.

Memoiren Jnles Simons. Die französische Me- moirenlitteratur wird um ein werthvolles Werk bereichert. Die Nachkommen des 1896 verstorbenen Philosophen und Staatsmannes Jules Simon geben die Erinnerungen ihres Vaters heraus. Unter dem TitelPremières années" ist vor einigen Tagen der erste Band dieses Buches erschienen, der sich mit den Jugendjahren beschäftigt und bis zum Jahre 1848. reicht. Wir begleiten Simon von seinem bretonischen Geburtsort nach der Pariser )lormuftchu>e, nur verfolgen die Thätigkeit des jugendlichen Dozenten der Geschichte der Philosophie und erleben mit ihm seinen Eintritt

Die h-NttgS N

arbeiten einen Geldpreis von 5 Mk. und Diplom, jLetzterer für eine Thürfüllung und Baubeschlagtheile einen Geldpreis von 10 Mk. und Diplom.

Stadttheater in Hanau. Mit Nicolais komischer OperDie lustigen Weiber v o n W i n d s o r", die gestern Freitag in allen Theilen zur vorzüglichen Wiedergabe gelangte, hat die erste Woche der Opernaufführungen ihren von künstlerischem Erfolg begleiteten Abschluß gefunden. Mögen auch die Feiertage auf den Besuch der nachfolgenden Vor­stellungen etwas nachtheilig gewirkt haben, so verdienen doch die künstlerischen Darbietungen unserer Gäste und der rege Eifer, den Herr Direktor Reimann in der Aufstellung des abwechslungsreichen Spielplans und der Sorgfalt, möglichst einwandfreie Vorstellungen herauszubringen, bekundet, daß sie auch die verdiente Würdigung bei unserem Publikum finden. Die gestrige Aufführung bewies ja wieder zur Genüge, welch treffliche Künstlerschaar Direktor Reimann zum Gastspiel hier vereinigt hat, denn auf der Bühne die Sänger sowohl als auch vor der Bühne das Orchester stellten sich willig in den Dienst einer gefälligen, graziösen Kunst. Der Shakespeare's gleichnamigem Lustspiel entlehnte Stoff, von S. Mosenthal für die Oper bearbeitet, enthält eine Reihe prächtiger Figuren und eine so lustig ausgestatlete Handlung, deren keckes Spiel von Liebeslust und. Frauenlist so humorvoll zu berichten weiß, daß die Oper auch ferner ihren festen Bestand im Spielplan der Bühne behaupten wird, dem sie bis jetzt schon fünfzig Jahre lang zur Zierde gereicht und die einen so liebenswürdigen Lustspielstoff auch in der gegebenen prächtigen Tonsprache so reizend behandelt. Um die Wiedergabe verdient machten sich alle Mitwirkenden. Herr Step Hany stellte einen überaus wohlgelungenen, liebeslüsternen und trinkfesten Falstaff auf die Bühne, der eifersüchtige Herr Fluth fand in Herrn Cianda einen recht temperamentvollen stimm- und humorbegabten Ver­treter, Herr Schröter errang sich als Fenton mit dem Wohllaut seines Organs außer der hübschen Jungfer Anna Reich auch die volle Sympathie des Zuhörers. Zwei reizende Vertreterinnen fanden die Rollen der Frau Fluth und Frau Reich. in den Damen Eilers-Linten und Resch, die mit köstlicher Frische und Beweglichkeit der Darstellung und den süßen Wohllaut ihres Gesanges ihre Parthien zur vollsten Wirkung brachten. Auch Frl. Frisch als Jungfer Reich hatte lebhaften Antheil an dem Erfolg des Abends; das im Verein mit Herrn Schröter gesungene Liebesduett war ganz reizend und fand die lebhafteste Anerkennung. Herr Mans­feld als Herr Reich entledigte sich seiner Aufgabe gesanglich auf das Beste, wie ihm auch als Leiter der Vorstellung die Anerkennung nicht vorenthalten werden soll für das gute Ge­lingen derselben, ebenso Herrn Hofmann für die sichere musikalische Leitung.

in die politische Laufbahn während der gährenden Zeit, die dem Revolutionsjahre vorausging. Die politisch interessanten Kapitel werden natürlich in den folgenden Bänden zu finden sein, die sich über seine Gegnerschaft gegen Napoleon III., seine Theilnahme an der provisorischen Regierung und vor Allem über den Staatsstreich versuch Mac Mahons, bei dem Jules Simon bekanntlich eine passive Rolle spielte, verbreiten müssen.

Die vieraktigeOperMessalina" von Isidoro de Lara gelangte dieser Tage in dem MailänderScala" zum ersten Male zur Aufführung und ist mit Pauken und Trom­peten zu Grabe getragen worden. Es wäre beinahe zu einem Theaterskandal gekommen, wie gelegentlich der ersten Aufführung von MascagnisMasken". Das Publikum wollte sich Herrn Isidoro de Lara, für den mit allen Mitteln der Reklame ge­arbeitet worden war, nicht enträngen lassen und zischte und pfiff ihn nieder, so oft er sich auf der Bühne zeigte und das war sehr oft, denn der Komponist schien stocktaub zu sein und das Zischen nicht zu hören. Seine Oper ist textlich und musikalisch ein ganz plattes Machwerk. Isidoro de Lara ist jener glückliche junge Mann, welchem vor einiger Zeit sehr zarte Beziehungen zu der Fürstin von Monaco nach­gesagt wurden, Beziehungen, die den Beherrscher der Spiel­hölle von Monte Carlobeinahe^ veranlaßt hätten, sich von seiner Gattin scheiden zu lassen. Es scheint aber Alles wieder in Ordnung zu sein, und die alternde Fürstin darf Herrn Isidoro de Lara ruhig weiterprotegiren." Diese Protektion wird ihm jedoch nicht viel nützen, denn seine Talente, die ihm die Fürstin so lieb undtheuer" machten, scheinen nach Allem, was man bis jetzt von ihm gehört hat, auf einem ganz anderen Gebiete zu liegen, als auf dem der Musik.

Universität-- und Gelehrtennachrichten. Den Privatdozenten in der philosophischen Fakultät der Akademie zu Münster i. W. Dr. Julius Schwering ist das Prädikat Professor" beigelcgt worden. In Düsseldorf starb Archivrath Dr. Sauer, Archivar am dortigen Staatsarchiv, m£*<# umsatzt nutzer dem UnterhattungHdz.

* Stadttheater. Um vielfach geäußerten Wünschen von Seiten der verehrlichen Abonnenten zu entsprechen, findet die morgige einmalige Vorstellung vonBettelstudent" im Abonnement statt.

* Monatsoper. Wie von uns bereits mitgetheilt, gelangt Sonntag den 14. April Millöckers unverwüstlicherBettel- student" zur einmaligen Aufführung. Die Hauptparthien liegen in den Händen von Frau Valerie Eilers-Linten, Frl. Fiedler, Frl. Resch und der Herren Magnus Martins, Schröter, Hunold und Frenkl. In dieser Besetzung verspricht die Aufführung eine ganz brillante zu werden. Montag den 15. d. M. wird Mascagni's wohl bestes und am meist bekanntes WerkCavalleria Rusticana und Suppè's reizendes OpusGalathee" in Szene gehen. Dem noch Etwas hinzufügen, wäre eitle Mühe. Die ganze Welt kennt den jungen Maestro Mascagni oder doch dessen Werk und ebenso kennt man seinen viel älteren Landsmann Franz von Suppe.

* Parolemnsik. Die Jnfanteriekopelle spielt morgen Mittag im Schloßgarten folgende Stücke: Ouvertüre z. Op. Freischütz" v. C. M. v. Weber;Geschichten aus dem Wiener Wald", Walzer v. Strauß;Schlösser, die im Monde liegen", Lied v. Linke; Potpourri a. d. Op.Faust" ». Gounod; Durch Nacht zum Licht", Marsch v. Laukrsn.

N Stenographisches. fEin gesandt.) Jeder, der in den hiesigen Sagest Rittern die NotizStenographisches" gelesen, wird auf den Gedanken gebracht, das Gabelsbergersche System muß doch vorzüglich sein, wenn es eine solche immense Verbreitung in dem letzten Jahre ge- funben hat. Sehen wir uns die von der Gabelsbergerschen Sette mitge- theillen Zahlen bezüglich der Schule Stolze-Schrey etwas näher an, so gewinnt das Bild eine doch nicht so ungünstige Kehrseite. Las Minus von 36 Vereinen und 378 Mitgliedern ist bei einer Unvollständigkeit der Statistik dieser Schule ein nichtssagendes. Auf jener Seite beliebt man mit recht großen Zahlen zu operiren und das ist ja schließlich, wenn die Statistik vollständig und einwandsfrei ist, nicht zu verargen. Bei Gabels- bergcr zählen als Mitglieder alle Personen, sie mögen steuographiren können oder nicht; in diesem Falle mag bei Gabelsberger die Mitglicder- zahl allerdings recht groß sein, denn die Gunst, eine so große Zahl Per­sonen als Mitglieder zu haben, die nur zahlen, ohne von Stenographie überhaupt eine Ahnung zu haben, hat die Stolze-Schrey)che Schule aller­dings nicht. Inwieweit aber die Gabelsberger-Schule stenographie- k rindige Mitglieder besitzt, das wird nicht verrathen und noch weniger, welche Zunahme an solchen Mitgliedern die Schule gewonnen Hai. Auch die Zahl der Unterrichteten ist bei Gabelsberger nicht einwandsfrei, da auf dieser Seite alle Personen, die das Gabelsb. System angefangen haben, zu lernen, aber nicht vollständig ausgelernt haben, als Unterrichtete gezählt werden. Das Fazit würde sich also auch hier, wenn nur die Theilnehmer am Schlüsse eines Kursus zusammengefaßt würden, anders gestalten. Soweit zur Erläuterung der Statistik. Es beweisen demnach die von Gabelsb. Seite freundlichst mitgetheilten Zahlen nichts, zumal die Statistik der Schule Stolze-Schrey nicht den Anspruch auf Vollständigkeit machen kann. Um die Güte des Stenographiesystems Stolze-Schrey zu prüfen, braucht man nicht erst in die Ferne zu schweifen, hat man das Gute doch so nahe, wie nachstehender Bericht der Monatsschau vom Monat März über den hiesigen Kapitulanten-Unterricht darstellt:.An

im Alter von 57 Jahren. Der Privatdozent Dr. med.

E. Kromayer ist zum außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Halle ernannt worden. Die Privatdozenten der Frauenheilkunde an der Universität Leipzig Dr. Krönig und Dr. Menge sind zu außerordentlichen Professoren befördert worden. Professor Dr. Graser in Erlangen erhielt eine Be­rufung zum Ordinarius für Chirurgie und Direktor der chirurgischen Klinik an der Universität R osto ck. Dem Direktor der königlichen Universitätsbibliothek zu Bonn, Ge­heimen Regierungsrath Professor Dr. C. Schaarschmidt, ist die nachgesuchte Verabschiedung aus dem Staatsdienst vom Könige bewilligt worden. C. Schaarschmidt gehörte der philosophischen Fakultät in Bonn als ordentlicher Honorar­professor an.

Aguinaldo in der Jahrmarktsbude. Die ameri­kanischen Barnums schrecken vor nichts zurück, wenn es sich darum handelt, ein gutes Geschäft zu machen. Präsident Mc. Kinley erhält jetzt täglich zahlreiche Briefe, in welchen wagemuthige Unternehmer der amerikanischen Regierung große Summen bieten für die Erlaubniß, Aguinaldo, den auf Hinter­listische Weise gefangenen Führer des Philippiner-Aufstandes, öffentlich ausstellen zu dürfen. Ein Mann von Massachusetts bietet 50 000 Dollars für eine dreimalige Ausbeutung des m Aguinaldo schlummernden Kapitals und erklärt sich außerdem noch bereit, für die sichere Retournirung des» seltenen Aus­stellungsobjektes jede gewünschte Garantie zu übernehmen. Ein anderer Schaubudenbesitzer will den Aguinaldo ein ^aju lang für sicharbeiten" lassen und bietet dafür 2 5 0 000 Lollars. Es wird nicht gesagt, wie der gefangene ^.agalenfuhrer dem Publikum vorgeführt werden soll vielleicht in heroischer Pose, vielleicht aber auch alsWilder", der vor den Augen der el staunten Juschauer lebendige Kanichen feißt. L n echt amerikanische Idee, einen überwundenen, tapferen Feind aus dem Jahrmaikl gegen Eintrittsgeld zu zeigen, berechtigt zu den gewagüsten Hypothesen.

tt 16 Seiten,